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Klickbefehl (5)

Aber dass Kas­set­ten ein­mal nicht nur, wie das Thea­ter vom Film oder das Pferd vom Auto, als Opfer eines opti­mier­ten Fol­ge­pro­dukts in eine Lieb­ha­ber­ecke zurück­ge­drängt wür­den, son­dern der­art gründ­lich ver­schwin­den könn­ten, dass man zum Bei­spiel in Frank­furt oder Ber­lin nach Kas­set­ten so inten­siv suchen muss wie nach Schreib­ma­schi­nen-Farb­bän­dern oder nach Aus­tausch­bir­nen für Dia­pro­jek­to­ren: Das hät­te man noch vor ein paar Jah­ren nicht gedacht.

Niklas Maak schreibt in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ von mor­gen einen Nach­ruf auf die Audio­kas­set­te.

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Manch­mal scheint es, als sei den Jour­na­lis­ten, die gegen die­ses Mit­mach­netz anschrei­ben, schon die Moti­va­ti­on all die­ser neu­en Kon­kur­ren­ten um Auf­merk­sam­keit suspekt: ein­fach zu glau­ben, etwas zu sagen zu haben, und es nicht für Geld, Auf­la­ge, Kar­rie­re oder den Ver­kauf von Wer­be­plät­zen zu tun.

Ste­fan Nig­ge­mei­er schreibt in der „taz“ über den alten Kon­flikt zwi­schen Mit­mach­me­di­en und dem „eta­blier­ten“ Jour­na­lis­mus.

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Im Rat­ge­ber “Diä­ten-Test” wird aus­führ­lich über die “Diä­ter­fol­ge” des Unter­neh­mens berich­tet, “zuletzt aktua­li­siert: 09. Mai 2007 | 15:21″. Bereits am 21. Febru­ar 2005 hat­te die Redak­ti­on “Popu­lä­re Abnehm­kon­zep­te unter der Lupe”, allen vor­an Weight Wat­chers. Und schon in der Sen­dung vom 6. Sep­tem­ber 1999 mit dem The­ma “Wege zur Wunsch­fi­gur” war die WW-Metho­de für den MDR emp­feh­lens­wert.

Bei den Medi­en­pi­ra­ten wun­dert sich Peer dar­über, dass man Andrea Kie­wel beim MDR für ihre Weight-Wat­chers-Schleich­wer­bung gefeu­ert hat, wäh­rend der Sen­der die Abnehm­grup­pe seit Jah­ren ungwöhn­lich oft emp­fiehlt.

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More are expec­ted to shop online than attend Church of Eng­land ser­vices.

bbc.co.uk erzählt, wie Mil­lio­nen Bri­ten die Hei­li­ge Nacht ver­brin­gen wer­den: Vor dem Com­pu­ter auf Schnäpp­chen hof­fend.

Nach­trag 23. Dezem­ber: Zuga­be bei Tele­po­lis: Die GEZ for­dert Rund­funk­ge­büh­ren von einer fik­ti­ven Per­son. [via Law­blog-Kom­men­ta­re]

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Musik

Listenpanik: Songs 2007

Nie­mand weiß so recht, war­um man sich aus­ge­rech­net immer den doch recht belie­bi­gen Zeit­raum eines Kalen­der­jah­res aus­sucht, um Lis­ten zu erstel­len von den Din­gen, die da waren und über die High­lights abstim­men zu las­sen. Aber es ist nun mal seit län­ge­rem so, dass im Dezem­ber zurück­ge­blickt, unver­gleich­li­ches ver­gli­chen und unbe­schreib­li­ches beschrie­ben wird. Und die­sem heid­ni­schen Brauch schlie­ße ich mich ger­ne an und eröff­ne mit der Lis­te mei­ner Songs Hym­nen des Jah­res:

1. Shout Out Louds – Tonight I Have To Lea­ve It
Der „Ach, das sind gar nicht The Cure?“-Song des Jah­res. Die Hym­ne des Hald­ern Pop Fes­ti­vals. Das Lied des Jah­res.

2. Kai­ser Chiefs – Ruby
Wie lang ist die Min­dest­halt­bar­keit für Mit­gröl­hym­nen? Erstaun­li­cher­wei­se doch schon fast ein gan­zes Jahr. Wenn man das Lied auch nach hun­dert Mal hören und im nüch­ter­nen Zustand noch gut fin­det, ist das schon die Sil­ber­me­dail­le wert.

3. Kili­ans – When Will I Ever Get Home
Let me intro­du­ce you to some fri­ends of mine. Gute Freun­de zu haben, die tol­le Musik machen, und sich mit ihnen über ihren Erfolg zu freu­en, ist das eine. Das ande­re ist, immer noch auf­rich­tig begeis­tert zu sein von einer mör­der­gu­ten Sta­di­on­rock-Hym­ne wie die Kili­ans die­se hier aus dem Ärmel geschüt­telt haben.

4. Wir Sind Hel­den – The Geek (Shall Inhe­rit)
Nicht, dass ich Wir Sind Hel­den nicht gene­rell für eine tol­le Band hal­ten wür­de, deren Auf­stieg ich seit bei­na­he dem ers­ten Tag mit Freu­den ver­fol­ge. Aber dass sie auf jedem ihrer guten bis sehr guten Alben immer noch einen Song drauf haben, der alle ande­ren um Mei­len über­ragt, macht sie noch ein biss­chen tol­ler. Nach „Denk­mal“ und „Wenn es pas­siert“ jetzt also „The Geek (Shall Inhe­rit)“, die Außen­sei­ter-Hym­ne des Jahr­zehnts.

5. Jus­ti­ce – D.A.N.C.E.
Viel­leicht der Kon­sens-Song des Jah­res: Ob Rocker, Hip-Hop­per oder Elek­tri­ker – auf „D.A.N.C.E.“ konn­ten sich (fast) alle eini­gen. Ein Tanz­bo­den­fül­ler son­der­glei­chen und ver­mut­lich eine der Num­mern, die man unse­ren Kin­dern in drei­ßig Jah­ren auf einem Sam­pler der „größ­ten Hym­nen der Nuller Jah­re“ im Tele­shop (bzw. des­sen Nach­nach­fol­ger) ver­kau­fen wird.

6. Just Jack – Starz In Their Eyes
Hip-Hop? Dis­co? Ein unglaub­lich gut gemach­ter Song mit einem sehr klu­gen Text und immensem Mit­wipp­f­ak­tor. Und jetzt las­sen Sie mich end­lich als Wer­be­tex­ter arbei­ten!

7. Mode­st Mou­se – Dash­board
Nach 14 Jah­ren Band­ge­schich­te gelang Mode­st Mou­se mit der ers­ten Sin­gle aus ihrem fünf­ten Album doch noch so etwas wie ein Durch­bruch. Mit die­ser Indiepop-Per­le, einem Ex-Schmitz an der Gitar­re und dem völ­lig über­dreh­ten Pira­ten-Video.

8. Bloc Par­ty – I Still Remem­ber
Bloc Par­ty haben mich mit ihrem Zweit­werk „A Weekend In The City“ so sehr über­zeugt, dass sie – so viel sei schon ver­ra­ten – zum zwei­ten Mal mein per­sön­li­ches Album des Jah­res stel­len. „I Still Remem­ber“ ist unter den alle­samt gro­ßen Songs der Plat­te der größ­te, weil er trotz des eher trau­ri­gen Tex­tes eine Eupho­rie ver­brei­tet, die einen für 3:50 Minu­ten alles ver­ges­sen lässt.

9. Tra­vis- Sel­fi­sh Jean
Wer hät­te gedacht, dass Tra­vis zehn Jah­re nach ihrem Debüt doch noch mal den Rock für sich ent­de­cken wür­den? Mit dem char­man­tes­ten „Lust For Life“-Ripoff seit … äh: „Lust For Life“ tan­zen sich die sym­pa­thischs­ten Schot­ten im Musik­ge­schäft in die Top 10.

10. Litt­le Man Tate – Euro­pean Lover
Wenn es die Kili­ans nicht gäbe, hät­ten Litt­le Man Tate gute Chan­cen auf mei­nen Titel „New­co­mer des Jah­res“. „Euro­pean Lover“ ist dabei der ein­gän­gigs­te, char­man­tes­te Song ihres Debüt­al­bums „About What You Know“.

11. Beat­steaks – Cut Off The Top
Zu den Beat­steaks muss man nicht mehr viel sagen, die haben immer schon fast alles rich­tig gemacht und mit „Lim­bo Mes­siah“ ist ihnen wie­der ein Top-Album gelun­gen. „Cut Off The Top“ besticht durch sei­nen trei­ben­den Beat und den phan­tas­ti­schen Mit­gr­öl-Refrain: „Dama­ge, dama­ge!“

12. Muff Pot­ter – Die Guten
War­um gibt es eigent­lich so vie­le gute deutsch­spra­chi­ge Songs über Bezie­hungs­en­den? Viel­leicht, weil es so vie­le deutsch­spra­chi­ge Songs über Bezie­hungs­en­den gibt und wenn man den gan­zen Müll von Revol­ver­held, Juli oder Sil­ber­mond weg­lässt, blei­ben eben die guten über. Oder, haha: „Die Guten“. Mit gewohnt tol­lem Text und schö­nen Jim­my-Eat-World-Gitar­ren errei­chen Muff Pot­ter ihre inzwi­schen schon tra­di­tio­nel­le Erwäh­nung auf mei­nen Bes­ten­lis­ten.

13. Rihan­na feat. Jay‑Z – Umbrel­la
Wenn ich an Kate­go­rien wie „Pein­lichs­tes Lieb­lings­lied“ glau­ben wür­de, stün­de die­ses Lied die­ses Jahr unan­ge­foch­ten auf Platz 1. Aber war­um soll­ten einem Lie­der, die man toll fin­det, pein­lich sein? Des­halb: „Umbrel­la“ ist ein tol­ler Song, der auch dann noch gut wäre, wenn Rihan­na eine dicke, alte Frau wäre. Punkt.

14. Babysham­bles – Deli­very
Wer Pete Doh­erty nur als Ex-Freund und Dro­gen­op­fer aus der Bou­le­vard­pres­se kennt, ist doof mag erstaunt sein, dass der Mann auch Musik macht – und zwar rich­tig gute. Mit der bes­ten Post-Liber­ti­nes-Sin­gle ever hat der Mann wie­der ein biss­chen an sei­nem Denk­mal gebaut, an des­sen Demon­ta­ge er sonst so eif­rig arbei­tet.

15. The Blood Arm – Sus­pi­cious Cha­rac­ter
Der Refrain des Jah­res: „I like all the girls and all the girls like me“, so lan­ge wie­der­holt, bis es der Dümms­te glaubt. Oder der Sän­ger selbst. Wenn man sol­che Rock­songs dann auch noch mit Kla­vie­ren auf­hübscht, kann man sich mei­ner Begeis­te­rung sicher sein.

16. Kate Nash – Foun­da­ti­ons
Irgend­wie schei­ne ich eine Schwä­che für Frau­en mit außer­ge­wöhn­li­chem bri­ti­schen Akzent zu haben. Was letz­tes Jahr Lily Allen war, ist die­ses Jahr Kate Nash. „Foun­da­ti­ons“ hat dar­über hin­aus einen char­man­ten Text, ein Kla­vier (s.o.) und ist sowie­so ein rund­her­um tol­ler Song.

17. The Wom­bats – Let’s Dance To Joy Divi­si­on
Erstaun­lich, dass es immer noch Bands gibt, die im Prin­zip genau die glei­che Musik wie alle ande­ren machen und trotz­dem viel, viel tol­ler sind. The Wom­bats sind so ein Fall einer mich über­ra­schen­der­wei­se begeis­tern­den Kapel­le, „Let’s Dance To Joy Divi­si­on“ eine äußerst gelun­ge­ne Sin­gle.

18. Lady Sove­reign – Love Me Or Hate Me
Dass die­ser Song in Deutsch­land kein Hit wur­de und Lady Sove­reign kein Star, hat mich dann doch über­rascht. Viel­leicht ist weib­lich, bri­tisch und rap­pen dann doch kei­ne Kom­bi­na­ti­on für „Bravo“-Leser. Scha­de eigent­lich, denn „Love Me Or Hate Me“ ist mein Hip-Hop-Song des Jah­res.

19. Stars – The Night Starts Here
Und hier die bei Cof­fee And TV am sträf­lichs­ten ver­nach­läs­sig­te Band des Jah­res: Stars. „In Our Bed­room After The War“ ist eine wahn­sin­nig gute Plat­te, die uns in der Lis­te der bes­ten Alben noch ein­mal recht weit vor­ne begeg­nen wird; „The Night Stars Here“ ist bes­ter orches­tra­ler Indiepop.

20. Maxï­mo Park – Girls Who Play Gui­tars
Maxï­mo Park waren neben Bloc Par­ty die span­nends­te Band der Class of 2005 und wie Bloc Par­ty haben auch sie die­ses Jahr ein über­zeu­gen­des Zweit­werk her­aus­ge­bracht. „Girls Who Play Gui­tars“ ist dabei noch einen Tacken bes­ser als die ande­ren Songs.

21. Bruce Springsteen – Radio Nowhe­re
Und hier der Alters­prä­si­dent mei­ner dies­jäh­ri­gen Bes­ten­lis­te, der Mann, den sie „Boss“ nen­nen. Wenn ich mit 56 noch Blog­ein­trä­ge schrei­be wie Bruce Springsteen Songs, wer­de ich mich sehr, sehr glück­lich schät­zen.

22. Mika – Grace Kel­ly
Wann fin­gen Mika und die­ser Song eigent­lich an zu ner­ven? Irgend­wann im Som­mer dürf­te es gewe­sen sein, wes­we­gen sich „Grace Kel­ly“ in der kon­ti­nu­ier­lich aktua­li­sier­ten Bes­ten­lis­te bestän­dig nach unten kämpf­te. Mit etwas Abstand betrach­tet ist das Lied dann aber immer noch ganz gut. Das kön­nen wir ja in zehn Jah­ren noch mal über­prü­fen.

23. Crow­ded House – Don’t Stop Now
Wen inter­es­sie­ren Led Zep­pe­lin, die vor 20 Mil­lio­nen Zuschau­ern hät­ten spie­len kön­nen? Das Come­back des Jah­res gelang Crow­ded House, die genau da wei­ter­ma­chen, wo sie vor elf Jah­ren auf­ge­hört haben: mit zeit­los-tol­len Pop­songs.

24. Toco­tro­nic – Imi­ta­tio­nen
Toco­tro­nic darf man jetzt wohl auch ruhi­gen Gewis­sens auf die Lis­te der Bands set­zen, die wohl nichts mehr falsch machen wer­den in ihrer Kar­rie­re. „Kapi­tu­la­ti­on“ ist wie­der ein her­aus­ra­gen­des, sehr klu­ges Album gewor­den, „Imi­ta­tio­nen“ eines der High­lights. „Dein gut ist mein gut /​ Dein schön ist mein schön.“

25. Ste­reo­pho­nics – Dai­sy Lane
Selbst auf ihren schwä­che­ren Alben hat­ten die Ste­reo­pho­nics immer min­des­tens einen Song, den ich noch gut fand. „Pull The Pin“ ist aber noch nicht mal ein schwa­ches Album. Das hyp­no­ti­sche „Dai­sy Lane“ ist den­noch das High­light der Plat­te und per­fekt geeig­net, die­se Lis­te zu beschlie­ßen.

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Musik

Won’t you help to sing

John­ny Haeus­ler erin­nert drü­ben im Spree­blick an den heu­ti­gen fünf­ten Todes­tag von Joe Strum­mer, den ich ohne die­se Erin­ne­rung glatt über­se­hen hät­te. Und weil John­ny das mit einem Video zu „Lon­don Cal­ling“ macht, hab ich mir was was ande­res raus­ge­sucht: „Redemp­ti­on Song“, auch ohne John­ny Cash mit Gän­se­haut­ga­ran­tie.

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Back to the Futur II

Es ist (gera­de bei Lokal­zei­tun­gen) nicht gänz­lich unüb­lich, über kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen, deren Ablauf man sich leicht aus­ma­len kann, zu schrei­ben ohne selbst vor Ort gewe­sen zu sein. Dabei muss man natür­lich hof­fen, dass kei­ne unvor­her­ge­se­he­nen Ereig­nis­se gesche­hen (z.B. das Fort­blei­ben eines Hits oder des gan­zen Head­liners) – und dass man nicht ver­se­hent­lich über Ereig­nis­se berich­tet, die noch gar nicht statt­ge­fun­den haben.

Die­se rei­fe Leis­tung voll­brach­te die Lokal­re­dak­ti­on der „Neu­en Rhein Zei­tung“ („NRZ“) in Dins­la­ken 1 die­se Woche. Am Diens­tag, 18. Dezem­ber druck­te sie ein (nicht als sol­ches gekenn­zeich­ne­tes) Archiv­fo­to der Dins­la­ke­ner Band Kukala­ka und schrieb dar­un­ter fol­gen­den Text, den jeder halb­wegs Infor­mier­te als lee­res Norm­ge­schwa­fel erken­nen konn­te:

Die Post ging ab beim Jugend-Musik­fes­ti­val von Stadt Dins­la­ken und Din-Town am Frei­tag­abend in der Kath­rin-Türks-Hal­le. Auf zwei Büh­nen brach­ten 14 loka­le Bands die Hal­le und ihre Fans zum Kochen. Von Hip-Hop bis Rock reich­te die Palet­te des dar­ge­bo­te­nen Pro­gramms. Bis weit in die Nacht hin­ein rock­ten und fei­er­ten die jugend­li­chen Besu­cher, was das Zeug hielt, und der fre­ne­ti­sche Jubel war wohl der schöns­te Dank an die Bands.

Fehlt eigent­lich nur noch der „Höhe­punkt des bun­ten Trei­bens“, für den man frei­lich wis­sen müss­te, wer denn da so gespielt hat – oder eben noch spie­len soll, denn das „Jugend-Musik­fes­ti­val“, das natür­lich auch einen Namen hat, fin­det frei­lich erst am mor­gi­gen Frei­tag, 21. Dezem­ber statt.

Jetzt lau­tet die ers­te Fra­ge natür­lich: Ist das schlimm, wur­de damit die jour­na­lis­ti­sche Sorg­falts­pflicht ver­letzt? Die Ant­wort ist kom­pli­ziert und führt uns hin­ein in den Kanin­chen­bau des Jour­na­lis­mus: Der kon­kre­te Fall, in dem ein Kon­zert beschrie­ben wur­de, bei dem kein Mit­ar­bei­ter gewe­sen sein kann, weil es ja noch gar nicht statt­ge­fun­den hat, ist viel­leicht nicht son­der­lich tra­gisch, er ist bei­na­he lus­tig. Aber er wirft zum Bei­spiel die Fra­ge auf, wie gewis­sen­haft Jour­na­lis­ten, die ein jugend­kul­tu­rel­les Groß­ereig­nis im Kalen­der nicht wie­der­fin­den, bei ande­ren The­men wie Kom­mu­nal­po­li­tik oder Kri­mi­na­li­tät arbei­ten.

Auch ist das Vor­ge­hen nicht ganz klar: War­um ver­wen­det man am Diens­tag ein Archiv­fo­to und einen sol­chen Blind­text, um ein (ver­meint­li­ches) Ereig­nis vom Frei­tag zu beschrei­ben? In der Sams­tags­aus­ga­be ergä­be eine sol­che Pseu­do-Aktua­li­tät ja noch einen Sinn, aber drei Tage spä­ter? Neh­men wir an, man ging in der Redak­ti­on von vor­ne her­ein davon aus, dass das Kon­zert am 14. Dezem­ber sei, und hat dafür kei­ne Mit­ar­bei­ter gefun­den: War­um berich­tet man dann trotz­dem über ein Ereig­nis, das einem so egal ist, dass man sei­nen Ter­min 2 ver­gisst? Nun, viel­leicht kam da einem Redak­teur der übli­che Lokal­zei­tungs-Gedan­ke, wonach die Objek­te der Bericht­erstat­tung ja zumeist auch Abon­nen­ten sind (wes­we­gen man auch nie von miss­lun­ge­nen Kon­zer­ten loka­ler Schul­chö­re, Musik­schu­len oder eben Bands lesen wird) und die­se ja bestimmt ger­ne etwas über sich oder ihre Ver­an­stal­tung in der Zei­tung lesen wür­den.

Irgend­wie ist der „NRZ“ der Feh­ler aber dann doch noch auf­ge­fal­len (oder sie wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen), denn ges­tern fand sich in der für bun­te Mel­dun­gen reser­vier­ten „7. Spal­te“ fol­gen­de Bot­schaft:

Da waren wir ein wenig vor­aus­ei­lend. Doch wir hof­fen, dass das Musik­fes­ti­val der Jugend­li­chen beim School’s out am Frei­tag, 21. Dezem­ber, ein wirk­li­cher Erfolg wird. 14 loka­le Bands wer­den auf zwei Büh­nen ab 17.30 Uhr alles von Hip-Hop bis Rock spie­len. Die Tickets kos­ten an der Abend­kas­se 5 Euro, im Vor­ver­kauf (Bür­ger­bü­ros) gibt’s 60 Cent Rabatt. Rein kom­men nur Kids ab 14 Jah­re. Bit­te Aus­weis vor­zei­gen.

Nun ja, was sol­len die Redak­teu­re machen? In Sack und Asche zu Kreu­ze krie­chen und sich „Wir schrei­ben über alles – auch über nie pas­sier­tes“ in die Stirn rit­zen wäre viel­leicht ein wenig zu viel des Guten und offen­bar gibt es in der gan­zen Mit­ar­bei­ter-Kar­tei ja wirk­lich nie­man­den, der sich mit so einem Jugend­the­ma befasst und der städ­ti­schen Pres­se­mit­tei­lung noch etwas hin­zu­fü­gen könn­te. Nur, mal ehr­lich: Wer eine so deut­li­che Scheiß­egal-Hal­tung an den Tag legt, der soll­te sich nicht wun­dern, wenn ihm die letz­ten Leser in drei­ßig Jah­ren weg­ge­stor­ben sind.

[via mei­ne Mut­ter, mal wie­der]

  1. Wo sonst?[]
  2. In der Regel fand das „School’s Out“ – daher auch der Name – immer am letz­ten Frei­tag vor Weih­nach­ten statt.[]
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Leben Gesellschaft

Das virtuelle Massengrab der Nischendekadenz

Bei Wind und Wet­ter ste­hen auf der Dr.-Gerhard-Petschelt-Brücke, die die Bochu­mer Stadt­bahn-Hal­te­stel­le „Ruhr-Uni­ver­si­tät“ mit dem eigent­li­chen Gelän­de der Ruhr-Uni­ver­si­tät ver­bin­det (und die daher zum öffent­li­chen Raum gehört) Men­schen mit einem klapp­ri­gen Cam­ping­tisch, auf dem Flug­schrif­ten aus­lie­gen. Mit wack­li­gen Holz­auf­stel­lern, auf denen wir­re For­de­run­gen geschrie­ben ste­hen, ver­sper­ren sie den Stu­den­ten den Weg zu ihrer Alma Mater. Dies sind die Mit­glie­der der „Bür­ger­rechts­be­we­gung Soli­da­ri­tät“, kurz „BüSo“.

Die meis­ten Stu­den­ten has­ten vor­bei, nur weni­ge las­sen sich von Bot­schaf­ten wie „Die Kern­schmel­ze des Welt­fi­nanz­sys­tems ist in vol­lem Gang!“ oder „Kil­ler­spie­le töten die See­le!“ dazu hin­rei­ßen, Infor­ma­ti­ons­ge­sprä­che zu suchen. Ges­tern fand ich aber eine aus­ge­le­se­ne „BüSo“-Kampfschrift in einem Semi­nar­raum und mei­ne jour­na­lis­ti­sche Neu­gier zwang mich dazu, das Werk mit spit­zen Fin­gern (sehr bil­li­ge Dru­cker­schwär­ze, saut rum wie sonst was) in Augen­schein zu neh­men. Ein Pro­to­koll.

Die Flug­schrift, die an eine klei­ne Zei­tung erin­nert („2 € emp­foh­le­ner Bei­trag“), ist zwei­ge­teilt: Aus der einen Rich­tung beschäf­tigt sie sich mit der Fra­ge „Steckt der Teu­fel in Dei­nem Lap­top?“ (dazu kom­men wir gleich noch aus­führ­lich), dreht man sie um, lacht einen die über­ra­schen­de For­de­rung „Bau­en wir die Welt­land­brü­cke!“ an.

“BüSo”: “Bauen wir die Weltlandbrücke!”Die „Welt­land­brü­cke“, das soll ein „genau auf­ein­an­der abge­stimm­tes Sys­tem von Schnell­bah­nen, Trans­ra­pidstre­cken, Auto­bah­nen sowie Was­ser­we­gen“ wer­den, ergänzt durch die „Que­rung der Bering­stra­ße mit einem 100 km lan­gen Tun­nel“. Gebraucht wer­de die­ses völ­lig neu­ar­ti­ge Ver­kehrs­netz für die Zeit nach dem „gegen­wär­tig kol­la­bie­ren­den Sys­tem der Glo­ba­li­sie­rung“ und um eine „neue Frie­dens­ord­nung“ mög­lich zu machen. Sol­che Uto­pien von laten­tem Grö­ßen­wahn üben immer eine gewis­se Fas­zi­na­ti­on auf mich aus, so wie die das „Glo­ba­le Wie­der­auf­bau­pro­gramm für dau­er­haf­ten Welt­frie­den“ oder die Plä­ne für die „Welt­haupt­stadt Ger­ma­nia“ (deren zugrun­de lie­gen­der Grö­ßen­wahn aller­dings nicht mehr latent war).

Die „Welt­land­brü­cke“ basiert auf einem Vor­schlag von Lyn­don LaRou­che, einem ame­ri­ka­ni­schen Poli­ti­ker, der vor allem durch den sie­ben­ma­li­gen Ver­such, Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat der Demo­kra­ten zu wer­den, anti­se­mi­ti­sche Äuße­run­gen und eine Ver­ur­tei­lung wegen Ver­schwö­rung und Post­be­trug von sich reden mach­te. 1 Geschrie­ben wur­de der Arti­kel von Hel­ga Zepp-LaRou­che, der Gat­tin Lyn­don LaRou­ch­es und Grün­de­rin des „Schil­ler-Insti­tuts“, der Par­tei­en „Euro­päi­schen Arbei­ter­par­tei“ und „Patrio­ten für Deutsch­land“, sowie von „BüSo“. In der gan­zen Schrift fin­det sich kein Arti­kel, der nicht aus der Feder eines der Bei­den stammt, sie zitiert oder auf ihre Theo­rien Bezug nimmt.

Besorg­nis­er­re­gen­der als die For­de­rung, eine „Eura­si­sche Land­brü­cke“ zu bau­en, ist der ande­re Teil der Flug­schrift, der mit mar­ki­gen Wor­ten ein­ge­lei­tet wird:

His­to­risch betrach­tet könn­te man die­ser Flug­schrift viel­leicht eben­so viel Wert bei­mes­sen wie den Flug­blät­tern der Wei­ßen Rose, die mit Hel­den­mut den Feind im eige­nen Land bekämpf­ten und bis zuletzt das wah­re Deutsch­land Fried­rich Schil­lers ver­tei­dig­ten. Wie im fol­gen­den klar wer­den wird, kommt Faschis­mus heu­te nicht im brau­nen Gewand daher, son­dern mit­tels sub­ti­ler Gleichschaltung/„Vernetzung“ einer gan­zen Gene­ra­ti­on, bei der sowohl Joseph Goeb­bels als auch Aldous Hux­ley vor Neid erblaßt wären. Die­se Flug­schrift soll vor allem den jun­gen Leser befä­hi­gen, dies als Krank­heit zu erken­nen, um sich recht­zei­tig davon zu befrei­en.

„Oh mein Gott, wor­um geht’s?“, wer­den Sie sich ent­setzt fra­gen. Oder: „Was kann ich dage­gen tun?“ Nichts, denn Sie und ich, wir sind schon mit­ten­drin im Elend, im Kampf „Noo­sphä­re con­tra Blogo­sphä­re“. Was die „Noo­sphä­re“ ist, ent­neh­men Sie bit­te der Wiki­pe­dia.

Doch wor­um geht es wirk­lich? MySpace, Face­book und Kil­ler­spie­le, die allen Erns­tes durch­ge­hend in die­ser Drei­fal­tig­keit genannt wer­den, sind Schuld dar­an, dass die Jugend völ­lig ver­kommt und zu bru­ta­len Amok­läu­fern wird:

Ob iPod, Lap­top, wLAN, Kil­ler­spie­le, Second Life usw.; wer sich die­se Art von Zeit­ver­treib a la MySpace, Stu­diVZ oder Schü­lerVZ mal genau­er anschaut, wird schnell fest­stel­len, daß er hier auf ein vir­tu­el­les Mas­sen­grab gesto­ßen ist, in dem wirk­lich jede Form von Deka­denz ihre Nische gefun­den hat, bis hin zur Nekro- und Pädo­phi­lie.

Hin­ter all dem ste­cken das „Inter­na­tio­nal Net­work of Social Net­work Ana­ly­sis“ (INSNA), das das Inter­net erfun­den hat, um die Mensch­heit zu unter­jo­chen, und Bill Gates, des­sen Fir­ma Micro­soft laut Flug­schrift unter ande­rem für „Coun­terstrike“ und „Doom“ ver­ant­wort­lich ist, zwei „Kil­ler­spie­le“, die in der Welt, die wir für die Rea­li­tät hal­ten, natür­lich von Sier­ra Entertainment/​EA Games bzw. id soft stam­men und mit Micro­soft so rein gar nichts am Hut haben.

Wir haben aber natür­lich alle kei­ne Ahnung, weil wir uns auf Goog­le und die Wiki­pe­dia ver­las­sen. In einem ganz­sei­ti­gen Arti­kel wird der Ver­such unter­nom­men, die Geschich­te der Wiki­pe­dia zu erklä­ren, die ihrem Grün­der Jim Wales unter­stellt sei. Der eben­so zen­tra­le wie ent­lar­ven­de Satz des Arti­kels lau­tet:

Stöhnt man stets „Ver­schwö­rungs­theo­rie!“ und schließt aus, was nicht dem gän­gi­gen Kon­sens ent­spricht, so ver­bie­tet man effek­tiv, nach Grün­den und Ursa­chen zu for­schen, und zwingt ande­re, sich der Mani­pu­la­ti­on und Über­re­dung des ein­fa­chen Kon­sens zu unter­wer­fen.

“BüSo”: “Steckt der Teufel in Deinem Laptop?”Der Satz bezieht sich auf die 9/11-Ver­schwö­rungs­theo­rien, die durchs Inter­net geis­tern, von LaRou­che ger­ne mal befeu­ert wer­den und theo­re­tisch mit­hil­fe der Wiki­pe­dia belegt wer­den kön­nen – wenn man ihr denn als Quel­le traut. Er sagt aber im Umkehr­schluss auch alles über die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker die­ser Welt aus: Hat man näm­lich ein­mal den Gedan­ken ver­in­ner­licht, dass eine gleich­ge­schal­te­te Welt­öf­fent­lich­keit einem Infor­ma­tio­nen vor­ent­hält, dann muss man ja die Infor­ma­tio­nen, die einem die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker unter­brei­ten, schon allein des­halb für bare Mün­ze neh­men, weil man sie ja nir­gend­wo sonst fin­det. Und schon befin­det man sich mit­ten in der alt­be­kann­ten Logik­schlei­fe der Para­no­iden, die man auch gar nicht mehr stop­pen kann, weil man ja sys­tem­im­ma­nent kei­nen Gegen­be­weis antre­ten kann. Des­halb sieht es für mich als Opfer der Ver­schwö­rung natür­lich auch so aus, als ste­cke hin­ter dem Wiki­pe­dia-Bas­hing vor allem gekränk­te Eitel­keit, wie die­ser Abschnitt sug­ge­riert:

Ori­gi­nal­schrif­ten, die von LaRou­che oder sei­ner Bewe­gung ver­faßt wur­den, dür­fen aus jedem Wiki­pe­dia-Arti­kel, außer den Arti­keln „Lyn­don­La­Rou­che“ und ande­ren eng ver­wand­ten, gelöscht wer­den. Wei­ter­hin wer­den die Unter­stüt­zer LaRou­ch­es ange­wie­sen, kei­ne direk­ten Refe­ren­zen zu ihm in Arti­kel ein­zu­fü­gen, es sei denn dort, wo sie sehr rele­vant sind. Es soll nichts geschrie­ben wer­den, was als „Wer­bung“ für LaRou­che wahr­ge­nom­men wer­den könn­ten.

Es wur­de, so erfah­ren wir wei­ter, ein Arti­kel rück­gän­gig gemacht, in dem Lyn­don LaRou­che als „die drit­te gro­ße Schu­le der Kri­tik an der Frank­fur­ter Schu­le zitiert wur­de“.

In einem vor den übli­chen Kli­schees nur so strot­zen­den Drei­sei­ter über Amok­läu­fer soll nach­ge­wie­sen wer­den, dass „die Fak­ten“ „auf der Hand“ lie­gen, was im Klar­text heißt: Sie alle haben „Kil­ler­spie­le“ gespielt und Nine Inch Nails („die Lieb­lings­band bereits frü­he­rer Schul­at­ten­tä­ter“) gehört. Inwie­fern die Lieb­lings­bü­cher eines fin­ni­schen Amok­läu­fers („1984 von Geor­ge Orwell, Schö­ne neue Welt von Aldous Hux­ley und Nietz­sches Gesamt­werk“) da hin­ein­pas­sen sol­len, erschließt sich mir als ahnungs­lo­sem Außen­ste­hen­den zwar nicht, aber Hux­ley haben wir ja wei­ter oben schon in einem Atem­zug mit Goeb­bels getrof­fen.

Ein wei­te­rer Arti­kel han­delt von den „42 Mil­lio­nen MySpace-Nut­zern bzw. ‑Opfern!“, der „alten ang­lo-hol­län­di­schen Poli­tik, die die Kul­tur len­ken und den Geist der­je­ni­gen kon­trol­lie­ren will, die in Zukunft die Füh­rung der Mensch­heit dar­stel­len“ und war­tet mit so geist­rei­chen Fak­ten wie die­sen auf:

Wie die Inter­net­sei­te MyDe­ath­Space im Nov. 2006 berich­te­te, gab es 600 Mord­op­fer und 35 Mör­der, die bei MySpace regis­triert waren.

Das hört sich natür­lich spek­ta­ku­lär an. In Deutsch­land mit sei­nen 82 Mil­lio­nen (also fast dop­pelt so vie­len) Ein­woh­nern gab es im Jahr 2006 983 Mord­op­fer (1,19 Mor­de pro 100.000 Ein­woh­ner). Zieht man zum Ver­gleich aber die Kri­mi­na­li­täts­ra­te in den USA her­an, die 7,8 Mord­op­fer pro 100.000 Ein­woh­ner zählt, wäre selbst eine Zahl von 600 Mord­op­fern bei 42 Mil­lio­nen „MySpace-Opfern“ noch die rela­tiv harm­lo­se Mord­quo­te von 1,43 Opfern pro 100.000. Und Ber­lin wäre froh, wenn sich dort nur 35 Mör­der rum­trie­ben!

Das Geeie­re um „Kil­ler­spie­le und Inter­net­ge­walt“ wirkt, als hät­ten die Redak­teu­re von „Fron­tal 21“ und „Süd­deut­scher Zei­tung“ einen Eier­li­kör­rei­chen Nach­mit­tag bei mei­nen Groß­el­tern auf der Couch ver­bracht, und das sons­ti­ge Welt­bild hin­ter „BüSo“ ist so bunt und kru­de zusam­men­ge­zim­mert, dass selbst L. Ron Hub­bard und Eva Her­man noch etwas ler­nen könn­ten. Das nord­rhein-west­fä­li­sche Innen­mi­nis­te­ri­um nennt das gan­ze „all­ge­mei­ne poli­ti­sche Theo­rien, uto­pi­sche Vor­stel­lun­gen und z. T. ver­wir­ren­de For­de­run­gen und The­sen“, die „im Übri­gen jedoch kei­ne Kern­for­de­run­gen der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung in Fra­ge stel­le“.

  1. LaRou­che bezeich­net sei­ne Ver­ur­tei­lung als eine Ver­schwö­rung von – hal­ten Sie sich bit­te fest! – Hen­ry Kis­sin­ger, dem FBI, dem „Wall Street Jour­nal“, NBC, „Reader’s Digest“ und der Anti-Defa­ma­ti­on League.[]
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Politik Gesellschaft

Geld verbrennen leicht gemacht

Ich hat­te es letz­te Woche schon mal erwähnt: Der All­ge­mei­ne Stu­die­ren­den-Aus­schuss (kurz: AStA) 1 der Ruhr-Uni Bochum hat eine gro­ße Par­ty ver­an­stal­tet, um mal rich­tig Geld zu ver­bren­nen. Jetzt hat Niels dar­über geschrie­ben und da dach­te ich mir: „Wenn man sich schon in Kiel über ‚unse­ren‘ AStA aus­lässt, muss ich da auch noch mal nach­tre­ten …“

Vor lan­ger, lan­ger Zeit, als ich noch nicht Stu­dent der Ruhr-Uni­ver­si­tät war, fan­den angeb­lich „legen­dä­re“ Par­ties in der damals noch unre­no­vier­ten Men­sa statt, die einen enor­men Ruf hat­ten und wohl – ähn­lich wie die Fach­schafts­par­ties heu­te noch – haupt­säch­lich als Geld­quel­le für die Arbeit des AStA dien­ten. Inso­fern hät­te man schon mehr als gewarnt sein müs­sen, als der aktu­el­le AStA-Vor­sit­zen­de Fabi­an Fer­ber noch vor der dies­jäh­ri­gen Neu­auf­la­ge in den „Ruhr Nach­rich­ten“ sag­te:

„Wir haben von Anfang an nicht damit gerech­net, Gewinn ein­zu­fah­ren.“ Jahr für Jahr hät­ten die Vor­gän­ger-ASten Über­schüs­se erwirt­schaf­tet, „wir haben Rück­la­gen von 170.000 Euro.“ Da hält Fer­ber es für legi­tim, den Stu­die­ren­den eine gro­ße Show zum klei­nen Preis zu bie­ten – selbst wenn sie am Ende Ver­lus­te bringt. 35 Euro (ermä­ßigt 28 Euro) kos­tet der Ein­tritt zur Par­ty.

Und, in deed: Das Line-Up konn­te sich sehen las­sen. Auf Schul­hö­fen oder bei der „MTV Cam­pus Inva­si­on“, zu der ja ver­mut­lich auch mehr Schü­ler als Stu­den­ten kom­men, hät­te man mit Juli, 2raumwohnung, Cul­cha Can­de­la oder Joy Den­alane sicher gro­ße Erfol­ge fei­ern kön­nen. Wenn die nicht sowie­so stän­dig an jeder Ecke spie­len wür­den.

200.000 Euro hat die Ver­an­stal­tung unge­fähr gekos­tet, was schon erstaun­lich ist, wenn man bedenkt, dass ein „gro­ßes Open-Air-Rock­fes­ti­val“ mit meh­re­ren Büh­nen, an die hun­dert Bands, Dixie-Klos und Cam­ping­plät­zen angeb­lich “nur” sechs Mil­lio­nen kos­ten soll. Dort kal­ku­liert man frei­lich auch mit mehr als 5.000 Besu­chern, von denen dann noch nicht mal die Hälf­te kommt.

Ich gebe zu, mich immer eben­so wenig für Hoch­schul­po­li­tik inter­es­siert zu haben wie 85% mei­ner Kom­mi­li­to­nen. Die Stu­den­ten­ver­tre­ter, das waren eben immer die­se Freaks, die man in jeder SPD-Orts­grup­pe aus­ge­lacht hät­te. Die ganz lin­ken Grup­pen, die in ihren Flug­blät­tern die Hälf­te des Plat­zes für poli­tisch kor­rek­te Pos­ten­um­schrei­bun­gen („die Ver­tre­te­rIn­nen des Aus­län­de­rIn­nen­re­fe­rats“) und seit vier­zig Jah­ren ver­al­te­te Klas­sen­kampf­pa­ro­len ver­wen­de­ten, konn­te man noch weni­ger ernst neh­men. Aber was soll­ten die auch groß (falsch) machen? Hilf­lo­se Aktio­nen gegen Stu­di­en­ge­büh­ren unter­neh­men und dafür sor­gen, dass die Nazi-Paro­len auf den Klo­wän­den alle paar Mona­te über­pin­selt wer­den, viel­leicht. Es konn­te ja kei­ner ahnen, dass die im Stil­len an der Ver­pul­ver­ung mei­nes Gel­des arbei­ten. 2

Nun ist die Orga­ni­sa­ti­on von Groß­ver­an­stal­tun­gen eine durch­aus kom­ple­xe, ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be, die man allei­ne schon des­halb Pro­fis über­las­sen soll­te, weil man dabei so viel falsch machen kann. Der AStA der Ruhr-Uni Bochum 3 ent­schied sich offen­bar dazu, so ziem­lich jeden Feh­ler selbst zu machen. Das reich­te von der Band­aus­wahl, die sicher­lich zu einem gewis­sen Teil auch Geschmacks­sa­che ist, über den Umfang der Ver­an­stal­tung (statt acht Bands und zehn Stun­den Live­mu­sik von mit­tags bis abends hät­te es viel­leicht auch eine Num­mer klei­ner getan), bis hin zu einem umfang­rei­chen PR-Desas­ter: Das Uni-eige­ne Cam­pus­ra­dio, von so ziem­lich jedem bis­he­ri­gen AStA geschnit­ten, wur­de im Vor­feld außen vor gelas­sen und das Ein­ge­ständ­nis des finan­zi­el­len GAUs geriet zu dem, was man in der Poli­tik (oder eben bei Vat­ten­fall) eine „Sala­mi-Tak­tik“ nennt. Der AStA-Vor­sit­zen­de Fabi­an Fer­ber von den „RUB-Rosen“ 4 emp­fahl sich dabei auch gleich für die gro­ße Poli­tik, indem er bei sei­nem Rück­tritt die „vol­le Ver­ant­wor­tung“ über­nahm. „Vol­le Ver­ant­wor­tung“ heißt natür­lich nicht, dass er jetzt den Fehl­be­trag aus­glei­chen wür­de – ja, es soll noch nicht mal hei­ßen, dass er wirk­lich für das Desas­ter ver­ant­wort­lich ist, wie die „RUB-Rosen“ klar­stel­len wol­len:

Wenn man selbst von den eige­nen Fehl­trit­ten ablen­ken will, dann sucht man sich halt einen Sün­den­bock und der heißt in die­sem Monat Fabi­an Fer­ber. Wie ein­fach, wie bil­lig und wie schmut­zig!

Es ist der klas­si­sche Fall, wo ich alle doof fin­de: Beker­ner und Her­man, Schell und Meh­dorn, AStA, RCDS und Ganz­lin­ke.

Nach­trag 19. Dezem­ber: Jetzt erst gese­hen: Sogar die „Süd­deut­sche Zei­tung“ hat schon über den Fall berich­tet.

  1. Hat eigent­lich schon mal jemand dar­über phi­lo­so­phiert, dass beson­ders lin­ke Stu­den­ten­grup­pen, die sich ger­ne Stu­die­ren­den­grup­pen nen­nen, einen ähn­lich gro­tes­ken Hang zu Abkür­zun­gen haben wie die Nazis mit ihren Stu­Kas und GröFa­zen?[]
  2. Inter­es­sant: Um das im Stu­den­ten­aus­weis ent­hal­te­ne Semes­ter­ti­cket kann man sich mit etwas Mühe drü­cken, falls man auf dem Unige­län­de wohnt und nie Zug fah­ren will. Den AStA muss jeder Stu­dent unter­stüt­zen, ob er das will oder nicht.[]
  3. Der RCDS, eigent­lich auch AStA-Mit­glied, nennt das Gan­ze einen „Lis­ten-ego­is­ti­schen Allein­gang der Juso-Rubro­sen“[]
  4. Die ganz lin­ken Grup­pen wür­den jetzt noch schrei­ben, dass es sich dabei um eine „SPD-nahe Stu­den­ten­grup­pe“ han­delt, was einer­seits eine hilf­rei­che Infor­ma­ti­on ist, bei den Ganz­lin­ken aber nur hei­ßen soll: „Iiiih, bah, Poli­tik mit mög­li­chen Fern­zie­len!“[]
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Leben Unterwegs

Die lustigste Geschichte

Unter allen Men­schen, die ich mal per­sön­lich getrof­fen habe, dürf­te es etwa drei bis vier geben, denen ich die­se Geschich­te noch nicht erzählt habe. Da mein bes­ter Freund kürz­lich mein­te, man müs­se sich mit mir ja gar nicht mehr unter­hal­ten, wenn man die­ses Blog nur auf­merk­sam genug lese, gehe ich also davon aus, die­se Geschich­te nun zum letz­ten Mal erzäh­len zu müs­sen:

Vor sie­ben Jah­ren, als ich noch in Dins­la­ken zur Schu­le ging, fuh­ren mein ande­rer bes­ter Freund und ich zu einem Kon­zert von Tom Liwa im Bahn­hof Lan­gen­d­re­er. Die­se Infor­ma­ti­on ist eigent­lich nur von min­de­rer Bedeu­tung für den wei­te­ren Ver­lauf der Geschich­te, könn­te ande­rer­seits auch eine wich­ti­ge Erklä­rung für ihre Poin­te sein.

Wenn ich es mir recht über­le­ge, wird die Geschich­te die Erwar­tungs­hal­tun­gen an sie, die ich bis­her auf­ge­baut habe, ver­mut­lich nicht erfül­len kön­nen, aber ich fah­re ein­fach mal fort: Nach dem Kon­zert muss­ten wir, damals bei­de noch min­der­jäh­rig und ohne Füh­rer­schein, also mit der S‑Bahn zurück­fah­ren. Wir stie­gen in Lan­gen­d­re­er ein, die S‑Bahn ruckel­te los in die Dun­kel­heit, als plötz­lich ein Mann mitt­le­ren Alters ent­setzt auf­sprang.

„Ist das hier die S‑Bahn Rich­tung Düs­sel­dorf?“, rief er panisch in die Bahn.
„Ja, ja“, bestä­tig­ten wir.
„Oh, dann ist gut“, ant­wor­te­te er und atme­te tief durch. „Dann hab‘ ich mich nur fal­schrum hin­ge­setzt!“

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Uncategorized

Blogflöten zum dritten Advent

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Unterwegs

Blogger auf dem Weihnachtsmarkt

Vor der inzwi­schen schon fast tra­di­tio­nel­len Bochu­mer pl0gbar am letz­ten Diens­tag woll­ten wir eigent­lich mit allen noch über den Weih­nachts­markt schlen­dern. Letzt­end­lich waren es dann Kath­rin, Jens und ich, die sich die Bret­ter­bu­den und den Glüh­wein ein­mal genau­er ansa­hen.

Was dabei her­aus­ge­kom­men ist, sehen Sie hier:

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Und hier noch das pas­sen­de Max-Goldt-Zitat:

Wenn ich nur einen schlech­ten Rot­wein hät­te, eine Alko­hol­zu­fuhr aber für drin­gend sach­dien­lich hiel­te, wür­de ich den Wein so weit wie mög­lich run­ter­küh­len. Man weiß ja von Coca-Cola und man­chem Milch­spei­se­eis, daß ekli­ge Din­ge halb­wegs tole­ra­bel schme­cken, wenn man sie stark kühlt. Ich wür­de den schlech­ten Wein jeden­falls nicht zur dras­ti­sche­ren Offen­le­gung sei­ner min­de­ren Qua­li­tät auch noch erwär­men!

(Max Goldt – Vom Zau­ber des seit­lich dran Vor­bei­ge­hens, in: Vom Zau­ber des seit­lich dran Vor­bei­ge­hens)

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Musik

Die Quotenfrau

Mir ist ent­ge­gen aller sta­tis­ti­schen Wahr­schein­lich­keit nie­mand bekannt, von dem ich weiß, daß er (oder sie) eine Andrea-Berg-CD besitzt. Dabei scheint die­se pseu­do­ver­ruch­te Schla­ger­ver­brei­tungs­un­we­sent­lich­keit doch mit elf Mal Gold und fünf Mal Pla­tin in jedem zwei­ten deut­schen CD-Schrank zu ste­hen – und damit die deut­sche Plat­ten­in­dus­trie im Allein­gang zu ret­ten. Dann mel­det der Musik­markt auch noch, daß die­se Frau einen ganz neu­en Charts­re­kord auf­ge­stellt hat:

Etwas mehr als sechs Jah­re nach der Ver­öf­fent­li­chung bricht Schla­ger­star Andrea Berg mit ihrem Album „Best Of“ einen his­to­ri­schen Rekord und setzt sich mit 313 Wochen Ver­weil­dau­er in den deut­schen Album-Charts an die Spit­ze der lang­le­bigs­ten Alben der Chart­ge­schich­te.

Respekt. Denn damit hat aus­ge­rech­net Frau Berg geschafft, was die For­de­run­gen der unsäg­li­chen Deutsch­quo­ten­an­hän­ger end­gül­tig fürs Klo qua­li­fi­ziert: Deut­sche Musik fin­det auch ohne Quo­ten statt. Dumm nur, daß damit die eigent­lich sehr vor­zeig­ba­re Lang­le­big­keits­bi­lanz der deut­schen Charts­ge­schich­te eher beschmutzt als ver­schö­nert wird:

Sie ver­weist damit den bis­he­ri­gen Spit­zen­rei­ter, Pink Floyds „Wish You Were Here“ (312 Wochen), auf Platz zwei. Es fol­gen die Beat­les mit den bei­den Alben „1962–1966“ (297 Wochen) und „1967–1970“ (285 Wochen) sowie das „Grea­test Hits“-Album von Simon & Gar­fun­kel (242 Wochen), die alle­samt in den Sieb­zi­ger Jah­ren in die Charts ein­stie­gen.

Frü­her war alles bes­ser. Oder so.

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Fernsehen Digital

Aufguss 2007 – Die Coffee-And-TV-Leserwahl

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wer eigent­lich immer mit Schein­wer­fern hin­ter gro­ßen Ereig­nis­sen geht, damit die ihre Schat­ten vor­aus­wer­fen kön­nen?

Nein? Oh, scha­de.

Jeden­falls: Das Jahr neigt sich dem Ende und über­all wer­den Elf-Monats-Rück­bli­cke aus­ge­strahlt, pein­li­che „Award-Zere­mo­nien“ abge­hal­ten und Leser, Zuschau­er oder Hörer zum Zurück­bli­cken auf­ge­ru­fen. Da will Cof­fee And TV natür­lich nicht hin­ten anste­hen:

Aufguss 2007 - Die Coffee-And-TV-Leserwahl

Sie haben gleich die Gele­gen­heit, in 19 Kate­go­rien die bes­ten Irgend­was­se des Jah­res 2007 zu bestim­men – Songs und Alben sogar in Hornby’schen Top-Five-Lis­ten. Vor­her muss ich aber noch kurz den Frank Elst­ner geben und die Spiel­re­geln erläu­tern:

Jeder Leser darf ein­mal abstim­men. Über­le­gen Sie sich also vor­her gut, wen und was Sie zu wäh­len geden­ken.

Die Kate­go­rien soll­ten eigent­lich selbst­er­klä­rend sein. Die Bezeich­nung „… des Jah­res“ legt nahe, dass es sich bei Ihrer Wahl um Ver­öf­fent­li­chung und Ereig­nis­se han­deln soll­te, die zwi­schen dem 1. Janu­ar und dem 31. Dezem­ber 2007 statt­ge­fun­den haben. Dabei bin ich mal so toll­kühn und beschrän­ke das nicht auf den deut­schen Markt. Bei Büchern und Fil­men, die in Deutsch­land erschie­nen sind, soll­te trotz­dem der deut­sche Titel notiert wer­den, bei hier­zu­lan­de unver­öf­fent­lich­ten Kul­tur­pro­duk­ten der jewei­li­ge Ori­gi­nal­ti­tel. Wir wer­den sehen, wo das endet …

Da ich zu faul war, mich um eine elek­tro­ni­sche Aus­wer­tung zu küm­mern, muss ich die Ergeb­nis­se per Hand und Papier zäh­len. Ich hof­fe auf ein biss­chen Mit­leid und bit­te um Ver­ständ­nis, falls die Aus­wer­tung bei über­wäl­ti­gen­der Teil­nah­me etwas dau­ern soll­te. Irgend­wann muss ich schließ­lich auch noch schla­fen.

[Nach­trag 23:56 Uhr: Nach­dem ich gera­de mit der Aus­wer­tung begon­nen habe, möch­te ich Sie bit­ten, der Ein­fach­heit, Über­sicht­lich­keit und Bequem­lich­keit hal­ber bei den Alben, Songs, Vide­os und Büchern nach dem Prin­zip „$Künst­ler – $Titel“ zu ver­fah­ren. Vie­len Dank!]

Zu gewin­nen gibt es auch was:

1. Prei­se

GHvC-Fanpaket

Je ein Grand-Hotel-van-Cleef-Fan­pa­ket, bestehend aus einem Fest-van-Cleef-Shirt und den Sin­gles „Ich sang die gan­ze Zeit von Dir“ (Tom­te), „Baby Melan­cho­lie“ (Han­sen Band) und „Dei­che“ (kett­car). Ein­mal für Damen (Gir­lie-Shirt in M) und ein­mal für Her­ren (T‑Shirt in M).

Die­se Prei­se wur­den freund­li­cher­wei­se vom Grand Hotel van Cleef zur Ver­fü­gung gestellt.

2. Preis
Eine Kas­set­ten­mäd­chen­kas­set­te mit den bes­ten Songs 2007. Zusam­men­ge­stellt vom legen­därs­ten Kas­set­ten­mäd­chen­kas­set­ten­kom­pi­lie­rer, den das Dins­la­ke­ner Theo­dor-Heuss-Gym­na­si­um je gese­hen hat.

3. Preis
Die streng limi­tier­te Sin­gle „Young Boy“ von Occi­dent.

Ich glau­be, jetzt sind alle Klar­hei­ten besei­tigt und Sie kön­nen zur Tat schrei­ten:

I now decla­re this bazaar open!

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Digital

Klickbefehl (4)

Eine 17jährige Teil­neh­me­rin an einer Miss-Wahl oder ein Teil­neh­mer an einer Cas­ting­show, der Elvis nach­macht, wür­de also bereits unter den „Kin­der­por­no­gra­phie-Begriff“ fal­len. Nach juris­ti­scher Auf­fas­sung muss der/​die Darsteller/​in eines kin­der­por­no­gra­phi­schen Erzeug­nis­ses noch nicht ein­mal min­der­jäh­rig sein. Unter dem Begriff der „wirk­lich­keits­na­hen“ Dar­stel­lung wür­den auch fik­tio­na­le Dar­stel­lun­gen und den Ein­satz von „Schein­ju­gend­li­chen“, die voll­jäh­rig sind. Die lite­ra­ri­schen Wer­ke „Loli­ta“ von Nabo­kov und „Der Lieb­ha­ber“ von Mar­gue­ri­te Duras wäh­ren dem­nach eben­so kin­der­por­no­gra­phi­sche Schrif­ten, wie deren Ver­fil­mun­gen und unzäh­li­ge ande­re Wer­ke.

Der Spie­gel­fech­ter klärt über die umstrit­te­ne und erst ein­mal ver­scho­be­ne Neu­fas­sung des Sexu­al­straf­rechts auf, bei der die Bun­des­re­gie­rung mal wie­der auf dem bes­ten Weg ins Desas­ter ist.

***

Nach dem Flop der Men­sa-Par­ty des All­ge­mei­nen Stu­die­ren­den Aus­schus­ses (AStA) der Ruhr-Uni zeich­net sich eine schwe­re finan­zi­el­le Kri­se des AStA ab. Die Rück­la­gen von 160 000 Euro zum Aus­gleich des Ver­lus­tes, die der zurück­ge­tre­te­ne Vor­sit­zen­de Fabi­an Fer­ber ins Spiel brach­te, sei­en als Fest­geld ange­legt, sagt René Voss, Vor­sit­zen­der des Haus­halts­aus­schus­ses im Stu­die­ren­den­par­la­ment (Stu­pa) – und damit gar nicht ohne wei­te­res zugäng­lich.

„Der­Wes­ten“ berich­tet über den AStA der Ruhr-Uni Bochum, der eine schwei­ne­teu­re Par­ty mit diver­sen Bands ver­an­stal­tet hat, zu der nicht genug Leu­te kamen, und nun ein erheb­li­ches Finanz­pro­blem hat.

***

Hen­ri­co Frank hat die Chan­ce genutzt, die sich so gewal­tig vor ihm auf­tat, als wol­le sie ihn ver­schlin­gen. Er trägt jetzt die Haa­re kurz und einen Ring in der Nase; es ist sei­ne Ent­schei­dung – bei­des. Er erzählt, wie die Pres­se ihn und die krebs­kran­ke Mut­ter in Gotha bela­gert habe, und dass die­se sich nun „wie ein Schnee­kö­nig“ freue.

Die „Frank­fur­ter Rund­schau“ hat Hen­ri­co Frank, dem SPD-Chef Kurt Beck heu­te vor einem Jahr einen Fri­seur­be­such emp­fahl, an sei­nem nicht mehr ganz so neu­en Arbeits­platz besucht.

***

Außer­dem: Der neue „Kloß & Spinne“-Film beim Schnip­sel­fried­hof.