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Musik

Songs 03/​26

Ich war im März ganz gut beschäf­tigt (ich hat­te eine Buch-Ver­öf­fent­li­chung zu pro­mo­ten), des­we­gen habe ich gar nicht soooo viel Musik gehört.

Aber hier ist das Mix­tape für Eure Oster­ta­ge:

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Literatur Kultur Fernsehen Musik

Zählen lernen mit dem ESC

14 Jah­re nach unse­rem letz­ten gemein­sa­men Video­blog haben Ste­fan Nig­ge­mei­er und ich wie­der etwas zusam­men gedreht. Und ich fin­de, wir haben uns in all den Jah­ren kaum ver­än­dert:

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Mein neu­es Buch über den Euro­vi­si­on Song Con­test ist jetzt im Han­del erhält­lich. (Und mit „Han­del“ mei­ne ich: Bit­te nicht bei Ama­zon kau­fen, dan­ke!)

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Musik

Songs 02/​26

Der Febru­ar ist bekannt­lich der kür­zes­te Monat des Jah­res — des­halb ist er auch schon wie­der vor­bei.

Unser Mix­tape zum Monat ist wie­der ein Blu­men­strauß vol­ler Füll­hör­ner: Wir star­ten mit „Lucky Now“, dem Titel­track des drit­ten Solo­al­bums von Lan­de Hekt (Tape­te; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music, Deezer, Band­camp), das wirk­lich sehr, sehr gut ist. Die bri­ti­sche Band A, von denen eines mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­al­ben aller Zei­ten stammt, hat (zumin­dest für mich) völ­lig über­ra­schend nach über 20 Jah­ren neue Musik ver­öf­fent­licht. Und auch U2 sind uner­war­tet zurück — und wütend.

Es gibt Thrash Metal von Krea­tor aus Essen, Emo von City Light Thief aus Gre­ven­broich und einen gemein­sa­men Song der erklär­ten Blog-Dar­lings Phi­li­ne Son­ny und Brock­hof mit Shel­ter Boy. Dazu bri­ti­schen Hip-Hop, Olym­pia-bedingt in Erin­ne­rung geru­fe­nen Italo­pop und wir enden mit einer Hom­mage an den jüngst ver­stor­be­nen James Van Der Beek.

Da soll­te nun wirk­lich für jede*n was dabei sein!

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Fernsehen Musik Literatur Kultur

Programmhinweis: ESC – Die Show zum kleinsten Buch zum größten Musikereignis

Ich bin wahr­schein­lich der schlech­tes­te Selbst-Pro­mo­ter der Welt. Was ein biss­chen schwie­rig ist, wenn man Pro­duk­te oder Events hat, von denen man sich wünscht, dass sie von mög­lichst vie­len Men­schen wahr­ge­nom­men und rezi­piert, idea­ler­wei­se sogar auch noch bezahlt wer­den.

Ich den­ke mir immer: Wenn ich es ein­mal gesagt oder gepos­tet habe, muss das ja rei­chen — ich möch­te ja nicht enden wie die­se Clowns, die auf­ge­regt in ein Ansteck­mi­kro­fon brab­beln, das sie fälsch­li­cher­wei­se in der Hand hal­ten, oder – schlim­mer noch – Zitat­ka­cheln mit ihren eige­nen Aus­sprü­chen auf Insta­gram pos­ten. Nächs­ter Halt: Berufs­be­zeich­nun­gen wie „Coach“, „Spea­k­er“ oder „Grün­der“. Hil­fe!

Das führt aber zu Situa­tio­nen wie dass gute Freund*innen, die mir auf allen vor­han­de­nen Social-Media-Kanä­len fol­gen, manch­mal völ­lig über­rascht sind, dass ich seit fast zehn Jah­ren einen eige­nen News­let­ter betrei­be. 1

JEDENFALLS erscheint am 25. März mein neu­es Buch über den Euro­vi­si­on Song Con­test. 2 Und da wür­de ich mich natür­lich sehr freu­en, wenn Ihr es kauft (ger­ne bei der klei­nen Buch­hand­lung um die Ecke)!

Und JEDENFALLS fei­ern wir die Ver­öf­fent­li­chung mit einer klei­nen Welt­pre­mie­re:
Plakat für die Lesung am 22. März 2026
Am Sonn­tag, 22. März 2026, um 19 Uhr im COMEDIA Thea­ter in Köln (Von­del­stra­ße 4–8, 50677 Köln).

Ich freue mich ganz beson­ders, dass Thors­ten Schorn, immer­hin der Kom­men­ta­tor fürs deut­sche Fern­se­hen beim Euro­vi­si­on Song Con­test, an die­sem Abend neben mir auf der Büh­ne sit­zen und eben­falls etwas vor­le­sen wird — idea­ler­wei­se aus dem glei­chen (wenn auch nicht dem sel­ben) Buch wie ich, aber wir sind da auch noch für Vor­schlä­ge und Expe­ri­men­te offen!

Tickets gibt es nicht bei den umstrit­te­nen Platt­for­men Even­tim oder Live Nati­on, son­dern direkt hier! Kommt alle! Sagt Euren Freund*innen und Ver­wand­ten Bescheid! 3

  1. Ich betrei­be übri­gens seit fast zehn Jah­ren einen eige­nen News­let­ter.[]
  2. Ich habe übri­gens vor vier Jah­ren mein ers­tes Buch über den Euro­vi­si­on Song Con­test ver­öf­fent­licht.[]
  3. Ich habe übri­gens Freund*innen und Ver­wand­te.[]
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Musik

Songs 01/​26

Da hat das neue Jahr kaum ange­fan­gen, ich hab mal eben mei­ne Songs 2025 zusam­men­stel­len kön­nen, und schon ist der ers­te Monat auch schon wie­der vor­bei — Zeit, mein Janu­ar-Mix­tape mit der Welt (also: mit Euch) zu tei­len!

Anders als bis­her sind nicht mehr aus­schließ­lich neue Songs dabei, son­dern auch ein paar älte­re – man­che von ihnen arri­vier­te Klas­si­ker, ande­re eher unbe­kannt -, denn wenn ich gute Musik hören und füh­len will (und möch­te, dass Ihr das auch könnt), mache ich das unab­hän­gig vom Erschei­nungs­da­tum. I make up the rules as I go along!

Bruce Springsteen hat sei­nen ver­mut­lich poli­tisch bedeut­sams­ten Song ver­öf­fent­licht, in dem er mit der aktu­el­len US-Regie­rung und ihrer Sturm­trup­pe ICE abrech­net. Es gibt spek­ta­ku­lä­re Cover­ver­sio­nen: Rufus Wain­w­right singt „San Fran­cis­co (Be Sure To Wear Flowers In Your Hair)“ und David Byr­ne „Dri­vers Licen­se“. Wir haben gleich drei ehe­ma­li­ge ESC-Künst­le­rin­nen am Start (Tali, Maro und Pæn­da), was die schon wie­der mit ange­spitz­ten Blei­stif­ten vor­be­rei­te­ten Fra­gen nach der Nach­hal­tig­keit der Ver­an­stal­tung beant­wor­ten dürf­te.

Ins­ge­samt ist die Stim­mung noch vom eher trü­ben, melan­cho­li­schen, aber auch kusche­li­gen Janu­ar geprägt, aber Acts wie Vero, Meet Me @ The Altar und The Cribs deu­ten an, wohin die Rei­se die­ses Jahr noch gehen könn­te.

Aber genug der Wor­te: Musik!

Das Mix­tape bei Apple Music:

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Das Mix­tape auf der Dunk­len Sei­te der Musik (ohne Low Life Rich Kids, weil die ver­ständ­li­cher­wei­se nicht auf Spo­ti­fy sein wol­len):

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Musik

Songs des Jahres 2025

In Zei­ten wie die­sen hel­fen ja vor allem Tra­di­tio­nen und Ritua­le: Jedes Jahr sit­ze ich also im Janu­ar vor mei­nem Mac­Book, schie­be zuneh­mend hilf­los Tracks in einer Spo­ti­fy-Play­list hin und her und ver­su­che, Hun­der­te Songs, die ich im ver­gan­ge­nen Jahr gehört habe, in irgend­ei­ne belast­ba­re Rei­hen­fol­ge zu brin­gen. Das neue Jahr kann, ja: darf, nicht rich­tig begin­nen, ehe ich nicht das alte mit einer mög­lichst objek­ti­ven, all­um­fas­sen­den Rück­schau abge­schlos­sen habe.

Aus der ers­ten Kalen­der­wo­che wird die zwei­te, drit­te und vier­te, lang­sam wer­de ich gestresst — und obwohl ich weiß, dass das hier nie­mand ernst­haft von mir erwar­tet, erscheint mir die­ses Hob­by-Pro­jekt, das eigent­lich harm­los, posi­tiv und lebens­be­ja­hend sein soll­te, zuneh­mend wie eine Last; eine Art musi­ka­li­sche Steu­er­erklä­rung. Mehr noch: Weil ich weiß, dass ich mir die­sen Druck aus­schließ­lich selbst mache, habe ich beson­ders schlech­te Lau­ne — so einen intrin­si­schen Stress ken­ne ich von den ande­ren Män­nern in mei­ner Fami­lie und dafür bin ich nicht in The­ra­pie gegan­gen!

Die­ses Jahr ist es zumin­dest ein biss­chen anders: Ich habe mich Anfang Dezem­ber bei Apple Music ange­mel­det — das ist ethisch immer­hin ein biss­chen bes­ser zu ver­tre­ten als Spo­ti­fy, außer­dem ist die Sound­qua­li­tät so viel bes­ser, dass ich Anfangs dach­te, ich hät­te ein neu­es Paar Ohren, und alle mei­ne Lieb­lings­al­ben erst­mal neu – also qua­si: zum ers­ten Mal – hören muss­te. Wenn man Musik die letz­ten 19 Jah­re als MP3s mit 160 kb/​s gehört hat, hat man kei­ne Musik gehört!

Die ande­ren Pro­ble­me aber blei­ben: So vie­le Songs, aber die meis­ten nicht öfter als drei, vier Mal gehört. Zumin­dest im Strea­ming — man­che Songs habe ich bei BBC Radio 6 Music bestimmt 20, 30 Mal gehört und sie sind mir damit auto­ma­tisch ver­trau­ter, lie­ber und wer­den am Ende ver­mut­lich höher gerankt wer­den. Und damit zeigt sich ja die gan­ze Absur­di­tät der ver­meint­li­chen Qua­li- und Quan­ti­fi­zie­rung: Es gehört eben­falls zur Tra­di­ti­on, dass ich zu irgend­ei­nem Zeit­punkt den Sinn des gan­zen Unter­fan­gens hin­ter­fra­ge. Und wen genau will ich mit so einer Rang­lis­te, die ich nun – mit Unter­bre­chun­gen – seit dem Jahr 2000 jedes Jahr anle­ge, eigent­lich noch beein­dru­cken?

Mit zuneh­men­dem Alter erscheint mir das Pro­jekt also immer sinn­lo­ser und trotz­dem mache ich erst­mal wei­ter (was auch eine sehr schö­ne Beschrei­bung für das Kon­zept „Leben“ an sich wäre). Weil es mir eben auch hilft, zurück­zu­bli­cken, zu sor­tie­ren, und so ein Jahr dann in einen Kar­ton zu packen und ins Schwer­last­re­gal zu stel­len.

Wenn ich die gro­ßen Trends und The­men von 2025 her­aus­ar­bei­ten soll­te, wür­de ich sagen: Die 1990er Jah­re sind wie­der da — und sie gehen nicht mehr weg. Von Brit­pop (und da rech­nen wir die Oasis-Reuni­on und das neue Rob­bie-Wil­liams-Album glei­chen Namens nicht mit rein) über Alter­na­ti­ve Rock ist alles zurück; jun­ge Acts erin­nern an Beck, Blur, Hole, Smas­hing Pump­kins und so wei­ter. Und was nicht nach den Neun­zi­gern klingt, klingt nach The War On Drugs.

Ansons­ten war ich sti­lis­tisch weit unter­wegs: Ich sehe in mei­ner Lis­te neben Nahe­lie­gen­dem wie Indie, Ame­ri­ca­na und Elec­t­ro auch fran­zö­si­schen Hip­Hop, Jazz, Klas­sik; ich zäh­le sechs deutsch­spra­chi­ge Songs (davon zwei in den Top 10), was es so ver­mut­lich auch lan­ge nicht mehr gege­ben hat, zwei nie­der­län­di­sche und was auch immer Rosalía da alles in „Berg­hain“ abfeu­ert. Zwei Cover-Ver­sio­nen des glei­chen Songs! Der längs­te Song ist 10:52 Minu­ten lang, der kür­zes­te 1:56.

Es sind 100 Songs, alle sehr gut, vie­le davon rich­tig, und ich hät­te sicher­lich noch viel mehr fin­den und auf die Lis­te packen kön­nen. Ihr könnt sie auf Shuff­le hören, aber das hier sind – Stand Jetzt – mei­ne Top 10 des Jah­res 2025:

10. Jalen Ngonda – Just As Long As We’re Together

Erst Anfang des letz­ten Jah­res bin ich durch mei­nen Kum­pel Ste­phan Kochs auf Jalen Ngon­das Debüt-Album „Come Around And Love Me“ (Dap­to­ne; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music, Band­camp) aus dem Jahr 2023 auf­merk­sam gewor­den — und da haben wir gleich einen wei­te­ren Grund, die­se gan­zen Jah­res­bes­ten­lis­ten in Fra­ge zu stel­len, denn im Nach­hin­ein wür­de ich die­se fei­ne Soul/R&B/Motown-Platte ger­ne in mei­ne Top 10 jenes Jah­res packen (die aller­dings eh nicht so rich­tig exis­tiert).

Die gute Nach­richt: Jalen Ngon­da hat auch 2025 Musik ver­öf­fent­licht und „Just As Long As We’­re Tog­e­ther“ ist Son­nen­schein auf Vinyl (wenn man Musik noch auf Vinyl hört). Man ist sich beim ers­ten Hören sicher, die­sen Song schon seit der eige­nen Kind­heit von Mar­vin Gaye, The Tempt­a­ti­ons, The Four Tops, The Spin­ners oder The Jack­son 5 zu ken­nen, und stellt dann fest: Nee. Aber es fühlt sich genau­so an!

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9. Kae Tempest – Statue In The Square

Bis zum letz­ten Jahr war Kae Tem­pest immer nur am Ran­de mei­nes Sicht­felds auf­ge­taucht: span­nen­de Per­son (die Kar­rie­re begann weib­lich gele­sen, 2020 hat­te Kae Tem­pest ein coming out als nicht-binä­re Per­son, seit letz­tem Jahr spricht er von sich selbst als trans Mann), die Gedich­te, Roma­ne, Thea­ter­stü­cke, Essays und eigent­lich alle Arten von Tex­ten schreibt, span­nen­de Musik, aber näher beschäf­tigt hab ich mich nie damit.

Dann kam „Sta­tue In The Squa­re“, die ers­te Sin­gle des Albums „Self Titled“ (Island; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music): Breit­bei­nig stellt sich der Song kon­ser­va­ti­ven Evo­lu­ti­ons­brem­sen und dem Nar­ra­tiv eines reak­tio­nä­ren Back­lashs ent­ge­gen; im Hin­ter­grund schwillt ein Beat, irgend­wie bedroh­lich, aber mit­rei­ßend. „They never wan­ted peo­p­le like me round here /​ But when I’m dead, they’ll put my sta­tue in the squa­re“, rappt Kae Tem­pest und errich­tet denen, die nie rein­ge­passt haben, die beäugt, ver­spot­tet und aus­ge­grenzt wur­den, eige­ne Denk­mä­ler. Eine Faust, die auf den Brust­korb trom­melt, an der Stel­le, wo das Herz ist.

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8. KORD – Das ist nicht New York

Auf deutsch­spra­chi­ge Tex­ten reagie­re ich in aller Regel sehr kör­per­lich: Ent­we­der will ich mich vor lau­ter Fremd­scham selbst ent­lei­ben oder mein Herz wird direkt frei­ge­legt, weil es zu groß für mei­nen Brust­korb gewor­den ist.

„Das ist nicht New York“ von KORD fällt in letz­te­re Kate­go­rie. Ich weiß gar nicht, bei wie vie­len Text­stel­len ich Gän­se­haut bekom­me. Es ist die Geschich­te einer Kind­heit in der deut­schen Pro­vinz im Wis­sen um das Kon­zept „USA“ (im Springsteen’schen Sin­ne, nicht im poli­ti­schen) bei gleich­zei­ti­ger Nega­ti­on des­sel­ben. Drauf gesto­ßen bin ich durch den Auf­tritt bei „Inas Nacht“, aber die gan­ze EP (War­ner; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music, Deezer) gefällt mir sehr gut. Klingt, als hät­te Adam Gran­du­ciel von The War On Drugs Annen­May­Kan­te­reit pro­du­ziert, ist aber geil!

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7. Clipping – Keep Pushing

Das ein­zi­ge, was ich lan­ge über Clip­ping, jenes expe­ri­men­tel­les Hip­Hop-Trio aus Kali­for­ni­en, wuss­te, war, dass Dave­ed Diggs, Mar­quis de Lafayette/​Thomas Jef­fer­son aus „Hamil­ton“, dort sei­ne maschi­nen­ge­wehr­ähn­li­chen rap skills abfeu­ert.

Dann kam „Keep Pushing“ als Vor­ab-Sin­gle ihres fünf­ten Albums „Dead Chan­nel Sky“ (Sub Pop Records; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music, Band­camp): Ein hyp­no­ti­scher Track, der sich immer wei­ter stei­gert und einen mit­reißt wie in einen Stru­del. Und jeder Stru­del führt nach unten: Es ist ein Song dar­über, in einer Welt, die um einen zer­fällt, immer wei­ter zu machen. Wobei die­ses „wei­ter machen“ im Text kon­kret bedeu­tet: Dro­gen­han­del.

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6. HAIM – Relationships

„Bezie­hun­gen: Oder soll man es las­sen?“, ist eine Fra­ge, die (mei­nes Wis­sens, aber ich hab auch bes­se­res zu tun) bis­her noch kein Medi­um gestellt hat. Dabei gäbe es in Zei­ten, in denen die kör­per­li­che Selbst­be­stim­mung von Frau­en in vie­len US-Bun­des­staa­ten wie­der ein­ge­schränkt wird; in denen das Mutt­chen am Herd als frag­wür­di­ger Social-Media-Trend „Trad­wi­fe“ eine über­ra­schen­de Renais­sance fei­ert; in denen meh­re­re Stu­di­en zu dem Ergeb­nis kom­men, dass die jüngs­te geschlechts­rei­fe Gene­ra­ti­on, Z, weni­ger Sex hat als die Gene­ra­tio­nen vor ihr; in denen Paartherapeut*innen zu Social-Media-Stars wer­den, genug Anläs­se, Bei­spie­le und Gele­gen­hei­ten, mal inten­si­ver über zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen nach­zu­den­ken.

HAIM machen das auf ihrem vier­ten Album „I Quit“ (Poly­dor; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music), über das ich für die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“ geschrie­ben habe, unter vie­len Aspek­ten; vor allem tun sie es in der ers­ten Sin­gle „Rela­ti­onships“, die Jahr­zehn­te (ehr­li­cher­wei­se: Jahr­tau­sen­de, aber mit sol­chen Kate­go­rien ist man ja hier­zu­lan­de lie­ber vor­sich­tig) gesell­schaft­li­cher Kon­ven­tio­nen in Fra­ge stellt und dabei so ver­gnügt klingt wie eine TLC-Sin­gle aus den 1990er Jah­ren: „Oh, this can’t just be the way it is /​ Or is it just the shit our par­ents did /​ And had to live with it in their rela­ti­onship?“

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5. Deep Sea Diver – Shovel

„Sho­vel“ von Deep Sea Diver aus Seat­tle wird schon des­halb immer einen beson­de­ren Platz in mei­nem Her­zen haben, weil wir damit unse­re kurz­le­bi­ge Musik-Video­blog-Serie „5 Songs, die Ihr die­sen Monat gehört haben soll­tet“ eröff­net haben.

Die­ser Wech­sel zwi­schen Stro­phe und Refrain, zwi­schen Selbst­zwei­feln und trot­zig-opti­mis­ti­schem „It’s taken care of“ reißt mich auch ein Jahr spä­ter immer noch mit.

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4. Lucy Dacus – Best Guess

Das ist einer die­ser Songs, die bei BBC Radio 6 Music rauf- und run­ter­lie­fen: Ein Lie­bes­lied dar­über, dass bei­de Part­ne­rin­nen altern wer­den; dass es viel­leicht nicht für immer hal­ten wird; dar­über, was man sucht und fin­det, und dass letzt­lich alles, was mit der Zukunft zu tun hat, immer auch eine Wet­te ist.

So abge­klär­te Gedan­ken zu einem wun­der­schö­nen, roman­ti­schen Love­song zu for­men, ist die gro­ße Stär­ke von Lucy Dacus. Nicht als trotz­dem, son­dern als des­halb. Was soll man denn auch sonst machen?

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3. Taal – Schwerelos

Auf deutsch­spra­chi­ge Tex­ten reagie­re ich …

Sor­ry, ich komm noch mal rein: Taal sind ein jun­ges FLIN­TA-Duo aus Köln. Cla­ra hat schon unter dem Namen Mar­ya­ka Musik gemacht und in der aller­al­ler­ers­ten Fol­ge unse­rer klei­nen Musik­sen­dung haben wir Mar­ya­kas Song „Grow“ gespielt. Zusam­men mit Tari ist Cla­ra Taal und die bei­den sin­gen auf Deutsch über gro­ße Gefüh­le.

„Schwe­re­los“ ist erst ihre drit­te Sin­gle, aber es war sehr, sehr unan­ge­foch­ten mein Som­mer­hit des Jah­res 2025. „Bei Dir den­ke ich, ich kann das“, ist – hands down – eines der auf­rich­tigs­ten, pas­sends­ten und süßes­ten Kom­pli­men­te, das je in einem Lie­bes­lied gemacht wur­de.

Text­li­che Ver­spre­chen knal­len natür­lich umso mehr, wenn sie auch musi­ka­lisch ein­ge­löst wer­den — und hier ist tat­säch­lich alles schwe­re­los, indi­go und so groß: Älte­re wer­den sich an Wir Sind Hel­den oder Mia erin­nert füh­len, ganz Alte viel­leicht an Nena, es ist auch ein Hauch von The War On Drugs zu erken­nen (wie eigent­lich aktu­ell über­all), vor allem ist es aber ein wun­der­schö­ner, unpein­li­cher, quee­rer Love­song!

Und wenn man ein­mal gese­hen hat, wie Cla­ra und Tari die­sen Song live mit einer Cho­reo unter­le­gen, die man nur als „selbst­be­wusst awk­ward“ bezeich­nen kann, wird die bei­den eh sofort in sein Herz schlie­ßen!

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2. Ider – Attachment Theory

Die­se merk­wür­di­gen neu­en Ver­öf­fent­li­chungs­kon­zep­te mit „water­fall stra­tegy“ und allem füh­ren dazu, dass Du als Act in zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Jah­ren in mei­nen Top 10 auf­tau­chen kannst: Letz­tes Jahr waren Ider mit „You Don’t Know How To Dri­ve“ auf Platz 6, jetzt sind sie mit „Attach­ment Theo­ry“ auf Platz 2: Ein trei­ben­der Song über Bezie­hun­gen, Rol­len­bil­der, Selbst­er­mäch­ti­gung und dar­über, aus alten Struk­tu­ren aus­zu­bre­chen. (Ich mer­ke gera­de, dass min­des­tens die Hälf­te mei­ner Top-10-Songs mit Bezie­hun­gen und Lie­be zu tun haben. Weiß mein Musik­ge­schmack etwas, das ich nicht weiß?)

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1. Wet Leg – Catch These Fists

Ich weiß noch ganz genau, wo und wie ich die ers­ten Tak­te von „Catch The­se Fists“ von Wet Leg zum ers­ten Mal bei „All Songs Con­side­red“ gehört habe. Ich wuss­te schon nach drei, vier Tönen, dass mich die­ser Song lan­ge beglei­ten und ver­mut­lich mein Song des Jah­res wer­den wird. Es war frü­her Mor­gen, die Son­ne schien und Hei­ko But­scher, der den VfL Bochum in der Sai­son 2023/​24 völ­lig über­ra­schend in der Bun­des­li­ga gehal­ten hat­te, fuhr auf dem Fahr­rad an mir vor­bei.

2025 ist der VfL dann abge­stie­gen, aber dazu passt ein Song, der die gan­ze Zeit damit droht, einem eins aufs Maul zu geben, natür­lich auch sehr schön: Rhi­an Teas­da­le und Hes­ter Cham­bers von Wet Leg wis­sen jeden­falls, wie man einen Span­nungs­bo­gen auf­baut und so rich­tig schön auf die Hörer*innen drauf­knüp­pelt. Man down!

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Und hier sind mei­ne Top 100 — bei Apple Music:

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Und auch noch mal bei Spo­ti­fy:

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Musik

Robbie’s Coming Home

„Rob­bie Wil­liams ist bei Take That aus­ge­stie­gen. Der Grund: Er möch­te end­lich mal gute Musik machen.“ Die­sen Witz riss ich im Alter von elf Jah­ren in der damals von mir mode­rier­ten Late Night Show (Publi­kum: mei­ne bei­den jün­ge­ren Geschwis­ter) und auch wenn der dort ent­hal­te­ne Boy­band-Burn der vor­pu­ber­tä­ren Genervt­heit über Klas­sen­ka­me­ra­din­nen, die das alles ganz toll fan­den, geschul­det war (und ich Take That heim­lich auch immer schon ganz gut fand — wenn auch nicht so gut wie East 17), möch­te ich mir mehr als 30 Jah­re spä­ter ein­fach mal attes­tie­ren: Ja.

Ich habe vor unge­fähr zwei Jah­ren schon mal über Rob­bies Früh­werk und des­sen Bedeu­tung für mei­ne eige­ne Musik­bio­gra­phie geschrie­ben. Jetzt hat er die Hei­li­ge Drei­fal­tig­keit des altern­den Pop­stars (Grea­test-Hits-Album mit Orches­ter­be­glei­tung, Net­flix-Doku, Bio­pic mit Affe) hin­ter sich und kann nach vor­ne gucken. Zumin­dest theo­re­tisch, denn das Cover sei­nes 13. Stu­dio­al­bums ziert ein Foto von Rob­bies legen­dä­rem Glas­ton­bu­ry-Wochen­en­de 1995, als er 21-jäh­rig mit den Gal­lag­her Brot­hers sei­nen Abschied von Take That recht zünf­tig beging — hier aller­dings schon muse­ums­reif aus­ge­stellt und von jun­gen Bil­der­stür­mern mit Far­be beschmiert.

Robbie Williams - Britpop (Albumcover)

Dazu der Titel: „Brit­pop“. Jene Par­ty, zu der Rob­bie mit sei­nen ers­ten bei­den Alben „Life Thru A Lens“ (1997) und „I’ve Been Expec­ting You“ (1998) reich­lich spät stieß, zu der er mit Songs wie „Old Befo­re I Die“, „Strong“, „No Reg­rets“, „Lazy Days“ oder „It’s Only Us“ aber durch­aus noch Signi­fi­kan­tes bei­zu­steu­ern hat­te. Er habe das Album erschaf­fen, das er nach sei­nem Aus­stieg bei Take That habe schrei­ben und ver­öf­fent­li­chen wol­len, erklär­te er dann auch beflis­sen bei der Ankün­di­gung im ver­gan­ge­nen Mai — und die Brit­pop-Rob­bie-Fans von damals dach­ten: „Been The­re Then“.

Das Album soll­te zunächst im letz­ten Herbst erschei­nen, wur­de dann wegen Tay­lor Swifts „The Life Of A Show­girl“ auf den Febru­ar ver­scho­ben, und schließ­lich ohne wei­te­re Vor­war­nung doch ver­gan­ge­nen Frei­tag gedroppt. Offen­bar arbei­ten Mega­stars inzwi­schen genau­so erra­tisch wie Behör­den, gro­ße Fuß­ball­ver­ei­ne oder der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk. Viel­leicht lag es dar­an, dass Har­ry Styl­es, der Har­ry Kane zu Rob­bies David Beck­ham, letz­te Woche ein neu­es Album für den 6. März ange­kün­digt hat und der Alt­meis­ter dem (auch nicht mehr ganz so) Jung­star aus dem Weg gehen woll­te.

Tat­säch­lich ver­sprü­hen die ers­ten Songs des Albums – die ers­te Sin­gle „Rocket“ mit Tony Iom­mi von Black Sab­bath an der Gitar­re, „Spies“, „Pret­ty Face“ – eine ähn­lich jugend­li­che Luft­gi­tar­ren-Ener­gie wie das Williams’sche Früh­werk. Sie brin­gen aber auch über­ra­schen­de Erin­ne­run­gen an „Esca­po­lo­gy“ mit, das etwas zwei­schnei­di­ge, angeb­lich so „ame­ri­ka­ni­sche“ Album von 2002, das den Abschied von Rob­bies lang­jäh­ri­gem Song­wri­ting-Part­ner Guy Cham­bers (und damit nach Ansicht vie­ler: den Anfang vom Ende) mar­kier­te und die letz­ten wirk­lich gro­ßen Songs („Feel“, „Come Undo­ne“) ent­hielt.

„Pret­ty Face“ zitiert direkt Nir­va­na („Hel­lo, hel­lo, hel­lo, how low“), „Cocky“ (geschrie­ben mit Gaz Coom­bes von Super­grass) erin­nert ans eige­ne „Man Machi­ne“, „Bite Your Ton­gue“ direkt noch mal an „Rocket“. Stö­cke und Stei­ne, die Kno­chen bre­chen und „Human“ eröff­nen, hat­ten wir schon 2001 in „Toxic“, aber das geht ja alles eh auf einen alten Kin­der­reim zurück und über­haupt: War­um denn nicht nach 30 Jah­ren Solo-Kar­rie­re jetzt auch mal flei­ßig Selbst­zi­tat? „Brit­pop“ ist ja eh selbst­be­wusst meta — bis hin zur Idee, als Titel eine Gen­re­bezeich­nung zu neh­men, die zumin­dest damals von allen gehasst wur­de, die damit bedacht wur­den. Wir Alt-Fans aber neh­men dank­bar alles, nur nicht noch mal sowas wie „Rude­box“ oder das zwei­te Swing-Album!

Inhalt­lich wirkt es ein wenig, als sei er bei „Love My Life” aus dem Jahr 2016 hän­gen­ge­blie­ben: Wir waren mal jung und haben da viel (*zwink­er­zwin­ker*) erlebt; jetzt gera­de ist Fami­lie das Wich­tigs­te; wer weiß, wie viel Zeit uns bleibt. Das alles ist ja nun wirk­lich das exak­te Gegen­teil von Rock ’n‘ Roll, aber eben auch Lebens­wirk­lich­keit sei­ner Xen­ni­al fan base und von daher: Bit­te! „Youth is was­ted on the young“, hat­te Rob­bie ja schon 2001 in „Eter­ni­ty“ geklagt und dabei Geor­ge Ber­nard Shaw (mut­maß­lich) nicht zitiert.

Ob es jetzt wirk­lich noch ein Song mit „my life“ im Titel sein muss­te (hier: „All My Life“), sei mal dahin­ge­stellt, aber der Refrain ist schon wie­der so hym­nisch, dass man – das alko­hol­freie Getränk noch in der Hand – schon wie­der die Tanz­flä­che stür­men und sich brom­an­tisch in den Armen lie­gen muss! Außer­dem beschert uns Rob­bie mal wie­der – die Lis­te ist ja inzwi­schen lang – eine groß­ar­ti­ge Selbst­cha­rak­te­ri­sie­rung: „The only thing I’d miss is mis­be­ha­viour /​ I’ve made fri­ends with kno­wing that I’m stran­ge /​ Maso­chi­stic, but I’m always enter­tai­ning /​ And I know l’Il die, but l’Il never lea­ve the stage“. Klar, dass man so einen Song dann nicht etwa mit einem Knall been­det, son­dern 80er-Jah­re-mäßig aus­fa­den lässt.

„Bite Your Ton­gue“ gibt sich so etwas ähn­li­ches wie poli­tisch: „Wham bam, ain’t it a scam /​ Afgha­ni­stan and Viet­nam“. Wenn Rob­bie dann auch noch eine 80er-Jah­re-Band mit dem Todes­schüt­zen von Robert F. Ken­ne­dy gleich­setzt („Duran Duran is a Sir­han Sir­han“), steht fest: „poli­tisch“ in dem Sin­ne wie „Palim, Palim“ — aber auch dort hat ja inzwi­schen eine Umdeu­tung statt­ge­fun­den.

Mit „Mor­ris­sey“ (geschrie­ben mit Gary Bar­low!) lie­fert Rob­bie einen wei­te­ren Bei­trag zum Sub­gen­re „Lie­der über den The-Smit­hs-Sän­ger“, mit dem man inzwi­schen gan­ze Com­pi­la­ti­on-Alben fül­len könn­te, was natür­lich deut­lich erfreu­li­cher ist, als dem kom­plett durch­ge­dreh­ten Ras­sis­ten, Tier­rechts­hy­per­ak­ti­vis­ten und Gele­gen­heits-Musi­ker selbst wei­ter zuzu­hö­ren. 1

„It’s OK Until The Drugs Stop Working“ grüßt im Titel The Ver­ve (Rob­bie muss nach den Auf­nah­me­ses­si­ons Mus­kel­ka­ter vom Zwin­kern und Zuni­cken gehabt haben), erin­nert musi­ka­lisch aber über­ra­schend an den inzwi­schen auch schon 20 Jah­re alten Indiepop-Kra­cher „We’re From Bar­ce­lo­na“ — falls sich da außer mir noch irgend­je­mand dran erin­nern kann.

Klingt der Refrain von „Spies“, als wäre er in den „Cham­pa­gne Supernova“-Kelch gefal­len? Ja, klar. Ande­rer­seits: War­um denn auch nicht? Da könn­te man ja gleich die ver­meint­lich man­geln­de Ori­gi­na­li­tät der Gal­lag­hers kri­ti­sie­ren! Das Album wur­de geschrie­ben und auf­ge­nom­men, bevor Oasis wie­der die Band der Stun­de waren (und Richard Ash­croft und Cast zur Par­ty mit­brach­ten), jetzt passt plötz­lich alles zusam­men bei die­sem gro­ßen Welt­klas­sen­tref­fen.

Dabei gilt über­ra­schen­der­wei­se das, was The Hold Ste­ady in „Stay Posi­ti­ve“ über eine ganz ande­re Musik­sze­ne schrie­ben: „There’s gon­na come a time when the true sce­ne lea­ders /​ For­get whe­re they dif­fer and get big pic­tu­re /​ ‚cau­se the kids at the shows, they’ll have kids of their own /​ The sing along songs will be our scrip­tures“. Wenn „Brit­pop“ wirk­lich die ange­spro­che­ne Selbst­ver­wirk­li­chung ist und dabei noch so soli­den Fan-Ser­vice leis­tet, haben wir doch alle was davon!

Natür­lich gibt es das Album auch in einer „Delu­xe Edi­ti­on“, die die Dra­ma­tur­gie des eigent­li­chen Albums (das mit einer Schlaf­lied-Repri­se von „Pocket“ endet), ad absur­dum führt. Das aller­dings – Rob­bie bleibt Rob­bie – gleich sehr gründ­lich, denn der fina­le Song „Desi­re“, der die Son­der­aus­ga­be nach über einer Stun­de beschließt, ist eine „Offi­ci­al FIFA Anthem“, gesun­gen mit Lau­ra Pausi­ni, und min­des­tens so schreck­lich, wie man es ange­sichts des Fuß­ball­welt­ver­ban­des erwar­ten wür­de. Wenn raus­kä­me, dass der gan­ze Song von einer KI mit dem Auf­trag erstellt wur­de, eine schrei­end kli­schier­te Pathos­quatsch­schleu­der im Sti­le von Ima­gi­ne Dra­gons zu pro­du­zie­ren, wäre man nicht im Min­des­ten über­rascht — es wäre viel­mehr die kon­se­quen­te Fort­set­zung von Rob­bies Auf­tritt bei der Eröff­nung der Fuß­ball-WM 2018 in Mos­kau, bei der er der ver­sam­mel­ten Welt­öf­fent­lich­keit den Mit­tel­fin­ger ent­ge­gen­streck­te. Wenn die FIFA so ver­ant­wor­tungs­los mit Geld umgeht, ist es kein Wun­der, dass sie die Scheich­mil­li­ar­den und das „dyna­mic pri­cing“ braucht.

Wenn man die zusätz­li­chen Tracks aller­dings als Rechts­nach­fol­ger der B‑Seiten sieht – jenem aus­ge­stor­be­nen Medi­um, in dem Rob­bie damals ähn­lich pro­duk­tiv war wie all die gro­ßen Brit­pop-Bands -, dann ergibt es wie­der Sinn. Irgend­wie. „Sel­fi­sh Dis­co“ ist ein Aus­flug in ein ande­res Gen­re; „G.E.M.B.“ (das steht für „Green Eyed Men­tal Boy“) ein wei­te­res Gitar­ren­brett in der Tra­di­ti­on von „The World’s Most Hand­so­me Man“ (auch text­lich); und „Com­ment Sec­tion“ macht sich über Social-Media-Nutzer*innen lus­tig (inkl. gut gelaun­ter Ein­la­dung zum Shit­s­torm: „I’m a fan of K‑Pop and One Direc­tion“). Das haben von Tay­lor Swift über die Pet Shop Boys bis hin zu Mar­cus Wie­busch zwar wirk­lich schon alle durch­ex­er­ziert, aber Pop­kul­tur ist ja immer Spie­gel ihrer Zeit — und Social Media ist eben die Umwelt­ver­schmut­zung der Gegen­wart. 2

„Brit­pop“ ist das musi­ka­li­sche Äqui­va­lent dazu, wenn sich Män­ner über 40 – man­che mit Bier­bauch, man­che frisch getrennt, man­che gera­de wer­den­de Väter – zum gemein­sa­men Fuß­ball­spie­len tref­fen: Es sieht nicht mehr so ath­le­tisch aus wie frü­her; bei man­chen Aus­ru­fen hofft man, dass die eige­ne peer group gera­de nicht zuhört; das kon­su­mier­te Bier wird man mor­gen noch mer­ken — aber in einer Welt, in der man lie­ber gar kei­ne Nach­rich­ten mehr kon­su­miert, gibt die­ses Ritu­al ein Gefühl von Sta­bi­li­tät. Rob­bie Wil­liams hält auch mit 51 das Ver­spre­chen, das er uns im ers­ten Song sei­nes Solo-Debüts gege­ben hat: „And we will have /​ A jol­ly good time“.

Rob­bie Wil­liams – Brit­pop
(Sony Music, 16. Janu­ar 2026)
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Tidal
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Deezer

  1. Aktu­ells­tes Bei­spiel: „Dear Ste­phen“ von den Manic Street Pre­a­chers, Zeit­ge­nos­sen der gro­ßen Brit­pop-Pha­se und im Jahr 2000 von Rob­bie schon in „By All Means Neces­sa­ry“ nament­lich erwähnt, aus dem ver­gan­ge­nen Jahr.[]
  2. Neben Umwelt­ver­schmut­zung.[]
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Kultur

In memoriam Alfred Grimm

Alfred Grimm war einer der bedeu­tends­ten Künst­ler, die Dins­la­ken je her­vor­ge­bracht hat, 1 er hat als Kunst­leh­rer am Theo­dor-Heuss-Gym­na­si­um zwei Gene­ra­tio­nen Hein­ser unter­rich­tet und er war – um mal die­se wun­der­vol­le For­mu­lie­rung zu ver­wen­den – ein Freund der Fami­lie.

In die­ser Funk­ti­on bin ich mit sei­ner Kunst auf­ge­wach­sen. Mit Tor­ten­stü­cken, die Deutsch­land reprä­sen­tie­ren soll­ten; mit Schach­bret­tern, auf denen sich Abgrün­de auf­ta­ten, und Röh­ren­fern­se­hern, in denen sich gan­ze Wel­ten ent­span­nen. Alles nicht „schön“ im kon­ven­tio­nel­len (also: lang­wei­li­gen) Sin­ne, alles weit ent­fernt von der Hei­me­lig­keit malen­der Arzt­gat­tin­nen, die die Dins­la­ke­ner Kul­tur­sze­ne in den 1990er Jah­ren domi­nier­te. Aber als Kind nimmt man ja erstaun­lich vie­les als gege­ben hin, und inter­es­sant waren sei­ne Objek­te, die in regel­mä­ßi­gen Abstän­den in der Stadt aus­ge­stellt wur­den und in eben­so regel­mä­ßi­gen Abstän­den für Empö­rung sorg­te, über die die Lokal­pres­se dann groß berich­ten konn­te, aus­ufern­de Leser­brief-Aus­ein­an­der­set­zun­gen inklu­si­ve, alle­mal.

Alfred Grimm (als Leh­rer hat­te ich ihn stets gesiezt; bei unse­rem letz­ten direk­ten Kon­takt vor nun­mehr auch erschre­cken­den elf Jah­ren hat­ten wir uns bei der Anre­de in ein aus­weg­lo­ses Ham­bur­ger-Sie-Sze­na­rio manö­vriert) war in Dins­la­ken gebo­ren und auf­ge­wach­sen, hat­te an der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf stu­diert, was den besag­ten Dins­la­ke­ner Lokaljournalist*innen zeit­le­bens und dar­über hin­aus das Syn­onym „Beuys-Schü­ler“ für ihre Tex­te schenk­te, und war dann als Leh­rer für Kunst und (wenn ich mich rich­tig erin­ne­re) Bio­lo­gie an sein altes Gym­na­si­um zurück­ge­kehrt. Gleich­zei­tig hat er sein Leben lang als Künst­ler gear­bei­tet, Aus­stel­lun­gen gemacht und Mahn­ma­le im öffent­li­chen Raum geschaf­fen.

Mahnmal zum Gedenken an die Dinslakener Juden und deren Vertreibung (Künstler: Alfred Grimm)

Sein Mahn­mal zum Geden­ken an die Dins­la­ke­ner Juden und deren Ver­trei­bung wur­de 1993 ein­ge­weiht. Ich erin­ne­re mich noch an eine Prä­sen­ta­ti­on in sei­nem Ate­lier: Es war ihm ein beson­de­res Anlie­gen gewe­sen, das Grau­en des Natio­nal­so­zia­lis­mus ganz kon­kret begreif­bar zu machen; des­we­gen fin­den sich auf dem Lei­ter­wa­gen, mit dem die jüdi­schen Wai­sen­kin­der bei den Novem­ber­po­gro­men 1938 aus der Stadt gebracht wur­den, auch Kis­ten mit Schu­hen, Kno­chen und Gebis­sen, die an die Opfer in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern erin­nern soll­ten. Die Täter hin­ge­gen wer­den durch das Nega­tiv der Sil­hou­et­te eines uni­for­mier­ten Man­nes sym­bo­li­siert: ein Rah­men, in den man sich hin­ein­stel­len und so buch­stäb­lich in die Per­spek­ti­ve der Täter ver­set­zen kann. Das hat­te schon damals ordent­lich Wums.

Als die Stadt Dins­la­ken noch Geld hat­te und sich eine „Skulp­tu­ren­mei­le“ gönn­te, schuf Alfred Grimm die „Bau­stel­le“, eine Instal­la­ti­on, die auf den ers­ten Blick wie eine bana­le, ver­las­se­ne Stra­ßen­bau­stel­le aus­sah. Auf den zwei­ten lag dar­in ein toter Sol­dat, Gas­mas­ke und Stahl­helm noch auf dem Schä­del. Wie­der ver­such­ten sich Klein­bür­ger in Leser­brie­fen an der seman­ti­schen Ver­mes­sung des Kon­zepts „Kunst“ und ver­wech­sel­ten dabei per­sön­li­chen Geschmack mit Bedeu­tung. Wenn ich mich rich­tig erin­ne­re, wur­de das Werk ursprüng­lich vor der Haus­tür des städ­ti­schen Bau­de­zer­nen­ten auf­ge­baut, der die­sen Gruß auch wenig zu schät­zen wuss­te.

Was man in Zei­ten per­ma­nen­ter Maxi­mal­em­pö­rung im Inter­net ger­ne mal aus den Augen ver­liert: Pro­vo­ka­ti­on ergibt ja nur dann wirk­lich Sinn, wenn sie meh­re­re unter­schied­li­che (idea­ler­wei­se: ansons­ten ver­fein­de­te) Lager auf die Pal­me und so zusam­men­bringt: kon­ser­va­ti­ve Katho­li­ken und Second-Wave-Femi­nis­tin­nen, zum Bei­spiel.

Sein „Mut­ter-Erde-Stuhl“, ein Arran­ge­ment von klei­nen Fabrik­schlo­ten und ande­ren Sym­bo­len der Umwelt­zer­stö­rung im sehr vage ange­deu­te­ten Schoß eines abs­trak­ten weib­li­chen Unter­kör­pers auf einem sehr ech­ten Gynä­ko­lo­gi­schen Stuhl, hat über Jahr­zehn­te immer wie­der zu reflex­haf­ter Empö­rung geführt. Dabei tref­fen Alar­mie­rung und Kunst dort so viel ein­leuch­ten­der auf­ein­an­der als wenn man Kar­tof­fel­brei auf gerahm­te Bil­der wirft.

In sei­ner Kru­zi­fix-Rei­he nahm er den zum Möbel geron­ne­nen Leich­nam Chris­ti und tat ihm mit ver­schie­de­nen Mit­teln (Axt, Strom­ka­bel, Dro­gen) erneut Gewalt an. Hel­le Auf­re­gung unter den loka­len Kon­ser­va­ti­ven (was in einer Klein­stadt ja am Ende fast alle sind)! Ein zu Tode gefol­ter­ter Mann mag völ­lig okay sein (bzw. in Bay­ern drin­gend erwünscht), aber doch bit­te nicht so, dass man sein Leid auch noch erkennt! 2

Legen­där (womög­lich im wört­li­chen Sin­ne) die Geschich­te, wie er, der auf einem Bau­ern­hof leb­te und arbei­te­te, eines Mor­gens ein tot gebo­re­nes Lamm mit zur Schu­le gebracht haben soll, es aufs Leh­rer­pult leg­te und die Schüler*innen auf­for­der­te, es zu zeich­nen. Ich habe nie jeman­den getrof­fen, der per­sön­lich dabei gewe­sen wäre, wes­halb ich für die Wahr­haf­tig­keit der Anek­do­te nicht bür­gen kann, aber es macht Freu­de, mal kurz den Gedan­ken durch­zu­spie­len, was heu­te in Eltern-Whats­App-Grup­pen, auf Social Media und anschlie­ßend in der bun­des­wei­ten Bou­le­vard­pres­se los wäre. (Kann aber natür­lich auch sein, dass die Kin­der ein, zwei Tik­tok-Chal­lenges mit dem Kada­ver durch­füh­ren wür­den und ansons­ten wenig beein­druckt wären — man kann ja heut­zu­ta­ge gar nichts mehr ein­schät­zen oder auch nur unge­fähr mit einem frü­he­ren Jahr­zehnt gleich­set­zen.)

Theodor-Heuss-Gymnasium Dinslaken

Unter den Schüler*innen, die in Kunst-Leis­tungs­kur­sen von Alfred Grimm ihr Abitur abge­legt haben, sind auch mein Onkel Tho­mas, der spä­ter als Foto­graf in San Fran­cis­co Kar­rie­re mach­te, und Andre­as Deja, lang­jäh­ri­ger Chef­zeich­ner bei Dis­ney, der dort qua­si im Allein­gang das Sub­gen­re von gay Dis­ney (Scar, Jafar, Gas­ton) begrün­de­te, 3 wor­über ich auch schon seit Jah­ren schrei­ben woll­te. Zu vie­len ehe­ma­li­gen Schüler*innen hielt er über Jahr­zehn­te Kon­takt, för­der­te sie wei­ter und ver­folg­te ihre Ent­wick­lung mit Wohl­wol­len, womög­lich auch – zu Recht – mit etwas Stolz. Es wird Hun­der­te Men­schen geben, die auf die eine oder ande­re Art von ihm und sei­nem Wesen geprägt wur­den und heu­te in der – Ach­tung, Die­ter-Gor­ny-Wort! – Krea­tiv­wirt­schaft ihr Geld ver­die­nen, vor allem aber eben wei­ter krea­tiv tätig sind. Mein Vater, mei­ne Geschwis­ter und ich gehö­ren dazu.

„Immer wie­der gut, dass das Leh­rer­be­am­ten­tum sehr vie­le Künst­ler zumin­dest öko­no­misch geret­tet hat und das Poten­ti­al wei­ter­trans­por­tiert hat“, wie mein guter Freund und Kol­le­ge Tom The­len sehr gut erkannt hat.

Ich hat­te mei­ne Spiel­wie­se, wenig über­ra­schend, immer eher in den sprach­li­chen Fächern und mei­ne Spar­rings­part­ner in den dor­ti­gen Lehrer*innen gese­hen, aber die weni­gen Jah­re, die ich in der Unter- und Mit­tel­stu­fe bei Alfred Grimm Kunst­un­ter­richt hat­te, haben deut­li­che Spu­ren hin­ter­las­sen. Er woll­te, dass die Kin­der nicht nur „schö­ne“ Bil­der malen, son­dern auch dar­über nach­dach­ten, was sie da tun und war­um. 

Wobei sein Wir­ken weit über die Pro­duk­ti­on von Bil­dern und eine gro­be Ein­füh­rung in Kunst­ge­schich­te und ‑theo­rie hin­aus­reich­te: Ein­mal bot er uns an, ein paar Minu­ten frü­her in die Pau­se zu gehen, wenn wir die Natio­nal­hym­ne sin­gen wür­den. Über­rum­pelt, aber auch auto­ri­täts­er­ge­ben, stimm­ten wir die drit­te Stro­phe des Deutsch­land­lieds an und durf­ten den Klas­sen­raum ver­las­sen — eine ver­schro­be­ne (und damit zu sei­nem Ruf pas­sen­de) Bege­ben­heit, von der ich auch Jahr­zehn­te spä­ter nicht sicher bin, ob sie von ihm als kind­li­cher Spaß gedacht war, als prak­ti­scher All­ge­mein­wis­sens­test für jun­ge Bundesbürger*innen oder als Cha­rak­t­er­prü­fung im Bezug auf Obrig­kei­ten. Selbst die­je­ni­gen, die nach dem Abitur gar kei­ne künst­le­ri­schen Arbei­ten mehr durch­ge­führt haben, wer­den sich immer an ihn und sei­nen mit­un­ter unkon­ven­tio­nel­len Unter­richt erin­nern.

Alfred Grimm konn­te aber auch Geschich­ten erzäh­len: Wie sie als Kin­der im Nach­kriegs­deutsch­land auf einem Acker MG-Muni­ti­on gefun­den 4 und die­se im Klas­sen­raum exakt jenes Gym­na­si­ums, in dem er uns jetzt auch unter­rich­te­te, hin­ter einer Tafel depo­niert hät­ten, fern­ge­zün­det mit einer Lun­te, die sie aus Milch­fla­schen­eti­ket­ten zusam­men­ge­dreht hat­ten. Der Leh­rer habe sich gehö­rig erschreckt, habe empört den Schul­lei­ter geholt und Leug­nen sei sinn­los gewe­sen, weil ja wei­te Tei­le der Wand erheb­li­che, nicht schnell zu besei­ti­gen­de Explo­si­ons­spu­ren auf­ge­wie­sen hät­ten. 

Erst einen Tag vor sei­ner Todes­nach­richt habe ich noch an ihn den­ken müs­sen, als ich mich kurz über einen aggres­si­ven Ver­kehrs­teil­neh­mer in einem knall­bun­ten Opel geär­gert hat­te und mir zum wie­der­hol­ten Mal ein­fiel, wie er sich im Unter­richt mal über einen Mann echauf­fiert hat­te, der mit Akten­ta­sche unter dem Arm und „wip­pen­dem Gang“ die Stra­ße ent­lang gegan­gen sei. Er hat­te sei­ne kur­ze Erre­gung mit dem zeit­los-schö­nen Aus­ruf beschlos­sen: „Kei­ne Haa­re am Sack, aber wip­pen!“ (Über­trie­ben auf­merk­sa­me Zuschauer*innen des Baku­b­logs wer­den die For­mu­lie­rung wie­der­erken­nen. So kön­nen einen Men­schen prä­gen.)

Über Vater und Onkel blie­ben wir in den ers­ten Jah­ren nach mei­nem Abitur in losem Kon­takt, ein­mal – es wird auch schon 20 Jah­re her sein – tra­fen wir uns zufäl­lig in der Stadt und kehr­ten in das Café Mey­er in der Fuß­gän­ger­zo­ne ein, das damals noch exis­tier­te und regel­mä­ßig und ger­ne von ihm fre­quen­tiert wur­de. Jah­re spä­ter kon­tak­tier­te er mich noch ein­mal mit der Bit­te um publi­zis­ti­sche Unter­stüt­zung; ein Vor­ha­ben, das damals irgend­wie im San­de ver­lau­fen ist.

Aus Anlass von Alfred Grimms 80. Geburts­tag ver­an­stal­te­te das städ­ti­sche Muse­um vor zwei­ein­halb Jah­ren eine umfang­rei­che Retro­spek­ti­ve, mit der er es auch in die Regio­nal­aus­ga­be des Kul­tur­kampf­fach­blat­tes „Bild“ schaff­te (gut: es waren ja neben vie­lem Ande­ren auch nack­te Frau­en zu sehen). Ich bekam irgend­wie zu spät davon mit und habe es nicht dort­hin geschafft.

Nun ist Alfred Grimm im Alter von 82 Jah­ren über­ra­schend ver­stor­ben. Am kom­men­den Sonn­tag soll­ten Arbei­ten von ihm Teil einer Aus­stel­lung des Kul­tur­krei­ses Dins­la­ken wer­den, den er mit­be­grün­det hat­te.

Mein Mit­ge­fühl gilt sei­nen Hin­ter­blie­be­nen.

  1. Der Micha­el-Wend­ler-Witz schreibt sich an die­ser Stel­le selbst: []
  2. Wäh­rend ich die­sen Satz schrei­be, fra­ge ich mich, wie ein Kru­zi­fix eigent­lich auf Men­schen wir­ken muss, die nicht mit dem toten Erlö­ser an der Wand auf­ge­wach­sen sind. Wer kommt auf sol­che Ideen?![]
  3. Ja, ja: Es hat­te vor­her auch schon Shir Khan gege­ben.[]
  4. Allein auf den Gedan­ken, dass sowas da – natür­lich! – ein­fach rum­lag, hat­te uns noch kein Geschichts­buch gebracht![]
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Musik

Songs 11/​25

Ent­schul­di­gung, ich weiß, ich bin ein biss­chen spät dran. Aber ich muss­te noch eben ein Buch schrei­ben. Des­halb hab ich auch nicht so viel neue Musik gehört — das Mix­tape ist also ein biss­chen kür­zer als sonst und ent­hält ein biss­chen mehr Jazz und Deep House (mei­ne bevor­zug­te Schreib-Musik).

Es sind aber trotz­dem vie­le schö­ne Sachen dabei:

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Und weil Spo­ti­fy ja böse ist, gibt es die Mix­tapes jetzt auch bei Apple Music:

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Musik

Songs 10/​25

Like Roses covern Cher (und wie!), Haim brin­gen einen Bonus­track mit Bon Iver raus, Tay­lor Swift singt über Holz, Ash klin­gen zusam­men mit Blur-Gitar­rist (und Blog-Namens­ge­ber) Gra­ham Coxon wie Weezer, The Moun­tain Goats haben sich Ver­stär­kung in Form von „Hamilton“-Erfinder Lin-Manu­el Miran­da geholt, Brock­hoff chan­nelt die hal­ben 90er (also: den musi­ka­lisch guten Teil), Hem haben ihr Debüt­al­bum „Rab­bit Songs“ remas­te­red — und noch so viel mehr tol­le Sachen!

Hört ein­fach rein:

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In memoriam Franz Josef Wagner

Die Nach­richt vom Tode Franz Josef Wag­ners hat mich trau­rig gemacht.

Noch im Juli hat­te ich in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ über ihn geschrie­ben und dar­über, wie er im Alter eher nach­denk­li­cher, offe­ner und inter­es­sier­ter wur­de als umge­kehrt.

Zu sei­nem Geden­ken lese ich Wag­ners viel­leicht bes­ten Text — zwei­fel­los aber einen der bemer­kens­wer­tes­ten Brie­fe an eine Kuh, der je in einer deut­schen Tages­zei­tung gedruckt wur­de:

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Nach­trag, 18.48 Uhr: Ich hab bei Über­me­di­en noch ein biss­chen mehr über Wag­ner geschrie­ben.

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Songs 9/​25

Wie schnell so ein Jahr ver­geht, merkt man vor allem, wenn man für jeden Monat ein Mix­tape zusam­men­stellt. Jetzt ist 2025 also zu drei Vier­teln durch. Okay.

Ich hof­fe, die Musik hilft:

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