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The news of FHM

Wel­chen Nach­rich­ten­wert hat es eigent­lich, wenn sich leid­lich bekann­te Blon­di­nen für ein Her­ren­ma­ga­zin aus­zie­hen und die­ses Maga­zin dazu eine kur­ze Pres­se­mit­tei­lung raus­haut?

Wie’s scheint einen ziem­lich hohen:

Aufnahmen für ein Männermagazin: Sarah Connor in erotischen Posen
(„RP Online“)


Sarah Connor: "Ich liebe meine Brüste"
(„Focus Online“)

Popsängerin Sarah Connor: "Ich liebe meine Brüste und meinen Körper"
(Bild.de)


Hier Beginnt der Inhalt: Die schüchterne "Anna" - ganz sexy in der FHM
(„tz online“)

Sexy Foto:
Jeanette Biedermann gar nicht bieder, Mann
(express.de)

Jeanette Biedermann - Sexy vs Schüchtern!
(viva.tv)

Prominente:
Jeanette Biedermann zeigt, dass sie nicht schüchtern ist
(„Der Wes­ten“)

Fotoshooting: Jeanette Biedermann zeigt sich gar nicht bieder
(„Ber­li­ner Mor­gen­post“)

Die schöne Jeanette Biedermann: Warum muss diese Frau nach der Liebe suchen?
(„RP Online“)

Sie findet ihren Körper schön: Jeanette Biedermann räkelt sich in Dessous
(„RP Online“)

Jasmin Schornberg: So schön kann Kanufahren sein
(„RP Online“)

PS: Und für die Bie­der­mann-Namens­wit­ze gehört Ihr gehau­en!

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English Edition

I hope that it got into you

This is a sto­ry about a song.

In 2001, one year after my favou­ri­te band Ben Folds Five had dis­ban­ded, I found the final three new songs they had ever pre­sen­ted live on the Inter­net: „The Secret Life Of Mor­gan Davis“, a swin­ging pop-tune, reap­peared as a b‑side to Folds‘ first solo sin­gle „Rockin‘ The Sub­urbs“ later that year. „Prin­ce Char­ming“, writ­ten and sung by bass-play­er Robert Sledge, was included on the first (and only) EP his fol­low-up-band Inter­na­tio­nal Oran­ge released in 2004. The third one which I had always lik­ed the most, stay­ed miss­ing: „Ame­lia Bright“, writ­ten by Dar­ren Jes­see who had been the drum­mer of Ben Folds Five (the ama­zing bal­lad „Magic“ on the band’s final record was also his tune).

Darren Jessee (photo by Debora Francis)In 2004 I found out the­re was Hotel Lights, Darren’s new band whe­re he now wri­tes the songs, plays the gui­tar and the pia­no and sings. I lis­ten­ed to a few of their songs that were available online and wro­te an email to Dar­ren. I wro­te him that I loved the music of Hotel Lights, but asked him what had hap­pen­ed to „Ame­lia Bright“. Dar­ren repli­ed that a lot of peo­p­le had asked him that ques­ti­on and we stay­ed in touch. He sent me a copy of Hotel Lights‘ self-titled debut album, CT das radio, the col­lege radio sta­ti­on I was working for back then in Bochum, Ger­ma­ny pro­ba­b­ly beca­me the first Euro­pean radio sta­ti­on to ever play the band and when­ever I met someone who was working for the music indus­try I told him about Hotel Lights (I’ve only done this twice, the other band being Kili­ans who had more luck in achie­ving a record deal in Ger­ma­ny.) In 2006, Hotel Lights released an EP cal­led „Good­night­good­mor­ning“ which came up with beau­tiful folk-based pop songs once more. You might have lis­ten­ed to their song „A.M. Slow Gol­den Hit“ on „Grey’s Ana­to­my“ wit­hout kno­wing it.

A few weeks ago I lear­ned that Hotel Lights would release a new album cal­led „Fire­cra­cker Peo­p­le“ – and on their MySpace site I stumb­led across their ver­si­on of „Ame­lia Bright“ at last. I don’t know whe­ther it’s becau­se I had alre­a­dy loved the song for seven years, but it’s beau­ty lite­ral­ly struck me. It was even bet­ter than the ver­si­on Ben Folds Five had done – pro­ba­b­ly becau­se this time the sin­ger was the man who had writ­ten the song: Dar­ren Jes­see.

Even though „Ame­lia Bright“ sticks out of „Fire­cra­cker Peo­p­le“ (and was used as a trig­ger for this artic­le by me so ine­le­gant­ly), the other songs are by no means worse. The music of Hotel Lights reminds me of artists like Ron Sexs­mith, Josh Rou­se and Spark­le­hor­se (Alan Wea­ther­head of Spark­le­hor­se co-pro­du­ced the record and play­ed the gui­tar). It sounds autum­nal­ly, melan­cho­lic and peaceful to me and I ima­gi­ne dri­ving through small Ame­ri­can towns and into deser­ted land­scapes – images Dar­ren Jes­see says he’s okay with.

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HOTEL LIGHTS „Blue Always Finds Me“ from Fire­cra­cker Peo­p­le on Vimeo.

Click here to read a full-length inter­view with Dar­ren Jes­see of Hotel Lights.

Hotel Lights - Firecracker People (Album cover)
Hotel Lights – Fire­cra­cker Peo­p­le

Release date: August 19, 2008
Label: Bar/​None

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Musik

I hope that it got into you

Dies ist die Geschich­te eines Lie­des.

2001, ein Jahr nach­dem sich mei­ne Lieb­lings­band Ben Folds Five auf­ge­löst hat­te, stieß ich im Inter­net auf die drei letz­ten neu­en Songs, die die Band jemals live vor­ge­stellt hat­te: „The Secret Life Of Mor­gan Davis“, ein swin­gen­der Pop­song, tauch­te wenig spä­ter als B‑Seite zu Folds‘ ers­ter Solo­sin­gle „Rockin‘ The Sub­urbs“ wie­der auf, „Prin­ce Char­ming“, geschrie­ben und gesun­gen vom Bas­sis­ten Robert Sledge, erschien 2004 auf der ers­ten (und ein­zi­gen) EP von des­sen Nach­fol­ge­band Inter­na­tio­nal Oran­ge. Der drit­te, den ich immer am Meis­ten gemocht hat­te, blieb ver­schwun­den: „Ame­lia Bright“, geschrie­ben von Dar­ren Jes­see, dem Schlag­zeu­ger von Ben Folds Five, der auch die groß­ar­ti­ge Bal­la­de „Magic“ auf dem letz­ten Album der Band geschrie­ben hat­te.

Darren Jessee (Foto: Debora Francis)2004 stell­te ich dann fest, dass es Hotel Lights gab, Dar­rens neue Band, in der er die Songs schrieb, Gitar­re und Kla­vier spiel­te und sang. Ich hör­te mir die Songs an, die online ver­füg­bar waren, und schrieb Dar­ren eine E‑Mail. Ich schrieb ihm, dass ich die Musik von Hotel Lights lieb­te, frag­te aber auch, was mit „Ame­lia Bright“ pas­siert war. Dar­ren ant­wor­te­te, dass ihm schon vie­le Leu­te die­se Fra­ge gestellt hät­ten, und wir blie­ben in Kon­takt. Er schick­te mir das selbst­be­ti­tel­te Debut­al­bum von Hotel Lights, CT das radio, das Bochu­mer Cam­pus­ra­dio für das ich damals arbei­te­te, war ver­mut­lich der ers­te euro­päi­sche Sen­der, der die Band gespielt hat, und jedes­mal, wenn ich jeman­den aus der Musik­in­dus­trie traf, schwärm­te ich ihm von Hotel Lights vor (Das habe ich über­haupt nur zwei Mal gemacht. Bei den Kili­ans ver­lief das aller­dings etwas erfolg­rei­cher.) 2006 ver­öf­fent­lich­ten Hotel Lights eine EP namens „Good­night­good­mor­ning“, auf der ein­mal mehr wun­der­ba­re Folk-basier­te Pop­songs zu fin­den waren. Mög­li­cher­wei­se haben Sie den Song „A.M. Slow Gol­den Hit“ bei „Grey’s Ana­to­my“ gehört, ohne es zu mer­ken.

Vor ein paar Wochen stell­te ich fest, dass Hotel Lights ein neu­es Album namens „Fire­cra­cker Peo­p­le“ ver­öf­fent­li­chen wür­den – und auf ihrer MySpace-Sei­te stol­per­te ich end­lich über ihre Ver­si­on von „Ame­lia Bright“. Ich weiß nicht, ob es dar­an lag, dass ich den Song schon seit sie­ben Jah­ren geliebt hat­te, aber sei­ne Schön­heit hau­te mich buch­stäb­lich um. Er war sogar noch viel bes­ser als die Ben-Folds-Five-Ver­si­on – was ver­mut­lich dar­an lag, dass der Sän­ger dies­mal auch der Mann war, der das Lied geschrie­ben hat­te: Dar­ren Jes­see.

Auch wenn „Ame­lia Bright“ aus „Fire­cra­cker Peo­p­le“ her­aus­ragt (und von mir als bil­li­ger Auf­hän­ger für die­sen Arti­kel benutzt wur­de), sind die ande­ren Songs kein Stück schlech­ter. Die Musik von Hotel Lights erin­nert mich an Künst­ler wie Ron Sexs­mith, Josh Rou­se und Spark­le­hor­se (Alan Wea­ther­head von Spark­le­hor­se hat das Album mit­pro­du­ziert und dar­auf Gitar­re gespielt). Sie klingt herbst­lich, melan­cho­lisch und fried­lich und ich stel­le mir vor, durch klei­ne ame­ri­ka­ni­sche Städ­te und in die men­schen­lee­re Land­schaft zu fah­ren – Bil­der, mit denen Dar­ren Jes­see leben kann.

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HOTEL LIGHTS „Blue Always Finds Me“ from Fire­cra­cker Peo­p­le on Vimeo.

Lesen Sie hier ein aus­führ­li­ches Inter­view mit Dar­ren Jes­see von Hotel Lights: auf deutsch oder im eng­li­schen Ori­gi­nal.

Hotel Lights - Firecracker People (Album cover)
Hotel Lights – Fire­cra­cker Peo­p­le

VÖ: 19. August 2008 (in den USA)
Label: Bar/​None
(einen US-Import des Albums kann man bei Amazon.de bestel­len)

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Politik

Unvernünftig

Nach­dem in der letz­ten Zeit eine beun­ru­hi­gen­de Zahl an Daten­schutz­ver­ge­hen auf­ge­flo­gen war, hat­te Wolf­gang Schäub­le ges­tern zu einem Daten­schutz­gip­fel gela­den.

Tho­mas Knü­wer nennt die beschlos­se­ne Geset­zes­ver­schär­fung, die die Daten­wei­ter­ga­be nur mit aus­drück­li­cher Ein­wil­li­gung der Betrof­fe­nen vor­sieht, eine „welt­frem­de PR-Akti­on der Poli­tik“ und for­dert ein kom­plet­tes Ver­bot des Han­dels mit Per­so­nen­da­ten.

Wolf­gang Schäub­le, Bun­des­mi­nis­ter des Inne­ren und selbst begeis­ter­ter Daten­samm­ler, sieht das ein biss­chen anders:

Wir soll­ten auch nicht das amt­li­che Tele­fon­buch, wo man gucken kann, wie man einen anru­fen kann, schon als eine der ganz gro­ßen Gefah­ren anse­hen. Son­dern was wir brau­chen ist, ange­sichts neu­er tech­no­lo­gi­scher Ent­wick­lun­gen, ange­sichts einem ganz ande­ren, ähm, Mög­lich­kei­ten, Poten­tia­len der Daten­samm­lung, ‑spei­che­rung und ‑ver­ar­bei­tung eine ver­nünf­ti­ge Begren­zung des Miss­brauchs.

[Nach­zu­hö­ren bei WDR 2]

Natür­lich ist ein Tele­fon­buch (für das ich der Nen­nung mei­ner Daten übri­gens gleich bei Anschluss­an­mel­dung wider­spro­chen habe) kei­ne „ganz gro­ße Gefahr“. Das hat aber ers­tens (soweit ich weiß) auch nie­mand behaup­tet und zwei­tens klingt die­se Umschrei­bung etwas merk­wür­dig aus dem Mun­de eines Man­nes, der in allem und jedem eine Gefahr sieht.

Und ob eine Begren­zung des Miss­brauchs auch etwas ande­res als „ver­nünf­tig“ sein kann, wüss­te ich dann wirk­lich ger­ne mal.

Mit Dank an Oli­ver Ding für den Hin­weis.

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Rundfunk Politik

„Outrageous double standards“

Falls Sie eine lus­ti­ge Fern­seh­sen­dung über Poli­ti­ker oder Medi­en machen wol­len: Sie müs­sen sich gar kei­ne Fri­su­ren­wit­ze aus­den­ken oder tau­send Mal irgend­ein alber­nes Video abspie­len. Es reicht völ­lig, wenn Sie ein gut sor­tier­tes Archiv haben:

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.comedycentral.com anzu­zei­gen.

[Direkt­link]

Die Fra­ge ist nur, ob das am Ende eigent­lich noch zum Lachen ist.

Und wenn Sie jetzt sagen: „Ja, so sind­se halt, die Amis, aber so beklopp­te Leu­te haben wir hier ja nicht“, dann sage ich: „Na ja. So sicher wäre ich mir da nicht …“

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Digital Fernsehen

Trau, schau wem

Mit man­chen Geschich­ten ist es wie mit alten Pull­overn: Man zieht an einem losen Faden und am Ende hat man das gan­ze Teil auf­ge­rib­belt.

Am Diens­tag wur­de David Har­nasch das sel­te­ne Glück zuteil, als Blog­ger wohl­wol­lend von „Spie­gel Online“ por­trä­tiert wor­den zu sein. Er betreibt seit ver­gan­ge­nem Novem­ber das Blog „Bild­schirm­ar­bei­ter“, in dem er das aktu­el­le TV-Pro­gramm kri­ti­siert und par­odiert. Mir war das Blog bis vor weni­gen Stun­den gänz­lich unbe­kannt, sei­ne tech­no­ra­ti aut­ho­ri­ty (die frei­lich nichts über die Qua­li­tät aus­sagt) lag vor dem SpOn-Arti­kel bei 42.

Har­nasch nimmt sich span­nen­den The­men an, wie in sei­nem aktu­ells­ten Bei­trag vom 6. August. Was „Fron­tal 21“ da gemacht hat, ist wirk­lich min­des­tens sehr merk­wür­dig, Har­naschs Bei­trag fin­de ich per­sön­lich aber weder span­nend noch lus­tig (falls die Ver­klei­dung lus­tig sein soll­te), sein anfäng­li­ches ÖR-Bas­hing nur pein­lich. Aber das ist letzt­lich Geschmacks­sa­che – vie­le Leu­te wer­den ja auch unse­re Vide­os nicht lus­tig fin­den.

Jan-Phil­ipp Hein, der das gro­ße „Bildschirmarbeiter“-Porträt geschrie­ben hat, folgt dar­in einer Prä­mis­se, die er in der Ein­lei­tung vor­stellt:

Fern­se­hen spielt online fast kei­ne Rol­le. Weni­ge Blog­ger arbei­ten sich am ehe­ma­li­gen Leit­me­di­um ab – einer aber mit viel Witz und exzes­si­vem Auf­wand. Ansons­ten gilt TV online viel­leicht ein­fach nicht mehr als kri­tik­wür­dig.

Ich sehe das anders. Da wäre ja zum Bei­spiel der „Fall Bank­ho­fer“, in dem sich der WDR wegen des „Anscheins auf Schleich­wer­bung“ von dem sym­pa­thi­schen „Gesund­heits­exper­ten“ trenn­te, nach­dem zwei Blogs die Geschich­te ange­sto­ßen hat­ten.

Zuge­ge­ben: neben dem Fern­seh­le­xi­kon, Ste­fan Nig­ge­mei­er (bei dem man aber auch ganz froh ist, wenn er nicht jedes Mal genannt wird, wenn der Begriff „Blog­ger“ fällt), medienpiraten.tv und dem Wort­vo­gel, der sich des The­mas immer mal wie­der von der Macher-Sei­te annimmt, fal­len mir auch nicht mehr soooo vie­le Fern­seh-Blogs ein. „Fast kei­ne Rol­le“ sieht für mich aber trotz­dem anders aus.

In der „Spie­gel­Kri­tik“ stol­per­te ich dann über die­sen Ein­trag zu Heins Arti­kel, den ich auch in mei­nen aktu­el­len „Klick­be­fehl“ auf­nahm: Timo Rieg schrieb da, Hein und Har­nasch sei­en ein­an­der durch die „Ach­se des Guten“ ver­bun­den – Har­nasch ist Autor jenes „publi­zis­ti­schen Netz­werks“, das sich ger­ne mit dem Unter­gang des Abend­lan­des und dem angeb­li­chen „Kli­ma­schwin­del“ befasst, und für das Hein schon drei­mal als Gast­au­tor gear­bei­tet habe. Außer­dem betrie­ben sie gemein­sam das „Netz­werk Gegen­re­cher­che“, schreibt Rieg.

Gefäl­lig­keits­jour­na­lis­mus unter alten Kum­pels bei „Spie­gel Online“? Ein ziem­li­ches Ding, wenn dem so wäre.

Allein: So wie’s aus­sieht, ist dem nicht so. Jan-Phil­ipp Hein erklär­te mir gegen­über, dass er David Har­nasch „vor zwei, drei Wochen“ erst­ma­lig kon­tak­tiert habe – um eben genau jenes Por­trät über ihn für „Spie­gel Online“ zu schrei­ben. Über die „Ach­se des Guten“ hät­ten die bei­den bis­her kei­ner­lei Kon­takt gehabt und was dort an Gast­bei­trä­gen von Hein ver­öf­fent­licht wur­de, sei­en alle jeweils Zweit­ver­wer­tun­gen aus ande­ren Medi­en gewe­sen.

Über „Bild­schirm­ar­bei­ter“ habe er geschrie­ben, weil er das Blog „ori­gi­nell“ fin­de, sagt Hein, und mit dem „Netz­werk Gegen­re­cher­che“ habe der Kol­le­ge Har­nasch nur inso­fern zu tun, als der ein­mal dar­auf ver­linkt habe.

Und – hier kom­men wir auf den Pull­over-Satz vom Anfang zurück, der Sie dort sicher­lich ziem­lich ver­wirrt hat – statt über mög­li­che Mau­sche­lei­en bei „Spie­gel Online“ zu schrei­ben, saß ich plötz­lich an einem Arti­kel, der sich mit der haar­sträu­ben­den Recher­che (bzw. Nicht-Recher­che) bei „Spie­gel­Kri­tik“ aus­ein­an­der­set­zen muss. Jan-Phil­ipp Hein nann­te den dor­ti­gen Arti­kel, in dem sich Timo Rieg auch noch als Mit­glied des „Netz­werks Recher­che“ zu erken­nen gibt, „bedenk­lich“ und „unmög­lich“ und auch bei „Spie­gel Online“ war man dar­über alles ande­re als glück­lich.

Timo Rieg erklär­te mir auf Nach­fra­ge, er wol­le sei­nen Arti­kel in der „Spie­gel­Kri­tik“ als „Rezen­si­on einer Rezen­si­on“ ver­stan­den wis­sen.

PS: Was man aber wohl ruhi­gen Gewis­sens als kon­tra­pro­duk­tiv bewer­ten kann, ist die Tat­sa­che, dass David Har­nasch weni­ge Tage vor der Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Por­träts bei „Spie­gel Online“ einen Blog-Ein­trag mit fol­gen­den Wor­ten begann:

Auch wenn ich momen­tan guten Grun­des wegen nicht über SPON läs­tern soll­te, […]

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Digital Fernsehen

Klickbefehl (14)

Da mögen Fans noch so sehr dar­auf schwö­ren, die „Lin­den­stra­ße“ sei heu­te ja eine gan­ze ande­re als vor 20 Jah­ren. Humor­voll, selbst­iro­nisch und der­glei­chen. In Wahr­heit ist die Klein­bür­ger-Soap immer noch ein Pan­op­ti­kum der Pie­fig­keit. Wie fast alle Soaps sind ihre Kulis­sen voll­ge­stellt mit unin­spi­rier­ten Cha­rak­te­ren und zuge­schüt­tet mit grau­en­haf­ten Dia­log­zei­len der Sor­te: „Ah, mei­ne Umwelt­pla­ket­te, end­lich!“

Mar­kus Brauck rech­net im „Spie­gel“ mit der „Lin­den­stra­ße“ ab. Dazu gibt es eine Bil­der­ga­le­rie, die dem Wort „Grau­stu­fen“ eine ganz neue Bedeu­tung zukom­men lässt. (Bit­te mar­kie­ren Sie sich die­sen Tag im Kalen­der: ich emp­feh­le eine Bil­der­ga­le­rie bei „Spie­gel Online“!)

* * *

Das ist die wohl unge­wöhn­lichs­te Mel­dung des Tages: Die ARD kauft RTL die Serie „Die Anwäl­te“ ab – also die Serie, die RTL Anfang des Jah­res nach nur einer Fol­ge, die mit 10,8 Pro­zent Markt­an­teil die Erwar­tun­gen nicht erfül­len konn­te. aus dem Pro­gramm genom­men hat. Fort­an dien­te die Serie als Mus­ter­bei­spiel für feh­len­des Ver­trau­en der Sen­der in die eige­nen Pro­duk­tio­nen.

DWDL.de berich­tet über das über­ra­schen­de Come­back einer Serie, die (also deren ers­te Fol­ge) ich eigent­lich ganz gut fand und deren Abset­zung mein Ver­hält­nis zu RTL nach­hal­tig gestört hat.

* * *

Ein­fa­cher wäre zu sagen: Ich mag ihn. Ich freue mich, dass ich neben dem Mit­glied der „Ach­se des Guten“ auch schon drei Mal dort als Gast­au­tor auf­tre­ten durf­te und dass wir nun gemein­sam ein Netz­werk Gegen­re­cher­che star­ten.

Timo Rieg erläu­tert in der „Spie­gel­kri­tik“ die Hin­ter­grün­de zu einem sehr, sehr merk­wür­di­gen „Spie­gel Online“-Artikel über einen der angeb­lich ganz weni­gen deut­schen TV-Blog­ger.

War­um die­se Geschich­te nur mit äußers­ter Vor­sicht zu genie­ßen ist (wenn über­haupt), erzäh­le ich Ihnen spä­ter steht hier.

* * *

Einen Vor­schlag zur Güte hat­te Bro­der abge­lehnt. Er wer­de sich kei­nen „Maul­korb“ ver­pas­sen las­sen, „weil sonst Anti­se­mi­ten ent­schei­den dürf­ten, was Anti­se­mi­tis­mus ist“. Nun befan­den die Rich­ter, Bro­ders Vor­wurf habe die Gren­ze zur Schmäh­kri­tik über­schrit­ten, weil „im kon­kre­ten Kon­text der Äuße­rung die Dif­fa­mie­rung der Klä­ge­rin, nicht die Aus­ein­an­der­set­zung in der Sache im Vor­der­grund“ gestan­den hät­te.

Hen­ryk M. Bro­der stand mal wie­der vor Gericht und die „taz“ ver­sucht zu erklä­ren, was los war.

Patrick Bah­ners hat­te vor eini­gen Wochen in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ eben­falls über den Pro­zess geschrie­ben und Bro­ders Lebens­werk damals beein­dru­ckend zusam­men­ge­fasst:

Sei­ne preis­ge­krön­te publi­zis­ti­sche Stra­te­gie der ver­ba­len Aggres­si­on nutzt den Spiel­raum der Mei­nungs­frei­heit, um ihn ein­zu­schrän­ken: Kri­ti­ker Isra­els sol­len ein­ge­schüch­tert wer­den.

* * *

Wei­te­re Link­tipps kön­nen Sie übri­gens seit Neu­es­tem dem deli­cious-Account von Cof­fee And TV ent­neh­men. Und falls ich end­lich raus­krie­ge, wie ich den dazu­ge­hö­ri­gen Feed hier in die Side­bar ein­ge­baut krie­ge, wird das alles viel prak­ti­scher und über­sicht­li­cher.

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Musik

Your Redneck Past

„Ich data-epi-spa­cing wür­de data-epi-spa­cing nach data-epi-spa­cing Cha­pel data-epi-spa­cing Hill data-epi-spa­cing flie­gen, data-epi-spa­cing wenn data-epi-spa­cing es data-epi-spa­cing eine data-epi-spa­cing ein­ma­li­ge data-epi-spa­cing Reuni­on-Show data-epi-spa­cing von data-epi-spa­cing Ben data-epi-spa­cing Folds data-epi-spa­cing Five data-epi-spa­cing gäbe“, data-epi-spa­cing war data-epi-spa­cing immer data-epi-spa­cing mein data-epi-spa­cing Stan­dard­spruch, data-epi-spa­cing wenn data-epi-spa­cing es data-epi-spa­cing um data-epi-spa­cing Fan­dom data-epi-spa­cing ging. data-epi-spa­cing Ich data-epi-spa­cing habe data-epi-spa­cing halt data-epi-spa­cing nie data-epi-spa­cing ver­wun­den, data-epi-spa­cing dass data-epi-spa­cing ich data-epi-spa­cing mei­ne data-epi-spa­cing Lieb­lings­band data-epi-spa­cing nie data-epi-spa­cing live data-epi-spa­cing gese­hen data-epi-spa­cing habe.

So data-epi-spa­cing wie data-epi-spa­cing es data-epi-spa­cing aus­sieht, data-epi-spa­cing muss data-epi-spa­cing ich data-epi-spa­cing nun data-epi-spa­cing mein data-epi-spa­cing Spar­schwein data-epi-spa­cing schlach­ten data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing sämt­li­che data-epi-spa­cing Freun­de data-epi-spa­cing anpum­pen, data-epi-spa­cing denn data-epi-spa­cing am data-epi-spa­cing 18. data-epi-spa­cing Sep­tem­ber data-epi-spa­cing steht data-epi-spa­cing mei­ne data-epi-spa­cing Lieb­lings­band data-epi-spa­cing zum data-epi-spa­cing ers­ten data-epi-spa­cing Mal data-epi-spa­cing seit data-epi-spa­cing neun data-epi-spa­cing acht data-epi-spa­cing Jah­ren data-epi-spa­cing gemein­sam data-epi-spa­cing auf data-epi-spa­cing der data-epi-spa­cing Büh­ne, data-epi-spa­cing um data-epi-spa­cing mein data-epi-spa­cing Lieb­lings­al­bum data-epi-spa­cing zu data-epi-spa­cing spie­len:

Ben data-epi-spa­cing Folds data-epi-spa­cing Five

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MySpace data-epi-spa­cing launcht data-epi-spa­cing damit data-epi-spa­cing offen­bar data-epi-spa­cing eine data-epi-spa­cing neue data-epi-spa­cing Kon­zert­rei­he.

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Leben

Law And Order

Ges­tern sah ich auf mei­nem Schreib­tisch aus einem Sta­pel Papier einen Kon­to­aus­zug her­aus­ra­gen. „Das ist ja auch nicht gut, wenn der hier so ein­zeln rum­liegt“, dach­te ich, stell­te fest, dass die Papie­re dar­über und dar­un­ter (Lap­top-Rech­nung, Steu­er­num­mer) auch bes­ser mal abge­hef­tet wer­den soll­ten, und stie­fel­te mit einem Sta­pel Zet­tel und einem Locher zum Regal mit den Akten­ord­nern.

Die­se befan­den sich uner­reich­bar hin­ter einer Wand aus davor gesta­pel­ten Zeit­schrif­ten. Als ich mich hin­k­nie­te, um die Zeit­schrif­ten bei­sei­te zu schie­ben, sah ich, dass das knall­ro­te Metall­schränk­chen, auf dem mei­ne Kom­pakt­an­la­ge steht, mit einer Zen­ti­me­ter dicken Staub­schicht bedeckt war. In die­sem Moment wuss­te ich, dass ich für den Rest des Tages gut beschäf­tigt sein wür­de.

Ich räum­te das Metall­schränk­chen kom­plett leer, ent­staub­te es auch von innen und trenn­te mich von meh­re­ren freund­li­chen Süßig­kei­ten­ge­schen­ken ver­gan­ge­ner Weih­nachts­fes­te. Ich ent­sorg­te alten Hus­ten­saft, nicht mehr kle­ben­de Brief­um­schlä­ge und schich­te­te den kom­plet­ten Schrank um. Auch dar­un­ter sor­tier­te ich alles neu, ehe ich mich mei­nem Bücher- und Zeit­schrif­ten­re­gal zuwand­te.

Zwei Sam­mel­bo­xen mit wahl­lo­sen Ein­zel­aus­ga­ben von Deutsch­lands unnö­tigs­tem Musik­ma­ga­zin wur­den in den Papier­korb, der in die­sem Fall eine über­gro­ße Papier­tü­te war, geleert. Dann über­leg­te ich , ob ich eigent­lich noch die ers­ten zehn Aus­ga­ben der deut­schen „Vani­ty Fair“, die ers­ten 30 Aus­ga­ben „Galo­re“, sowie je meh­re­re Jahr­gän­ge „Visi­ons“, „Musik­ex­press“ und „Rol­ling Stone“ (deutsch) brauch­te. Ich ent­schied mich für den Moment für „Ja“, weil ich zu faul war, noch öfter zum Papier­con­tai­ner zu gehen. Außer­dem hat­ten die ja alle Geld gekos­tet.

Meh­re­re Keks­do­sen (ca. Weih­nach­ten 2004 bis 2007) wur­den zuerst voll­stän­dig ent­leert (in den Müll­ei­mer) und dann in die Abstell­kam­mer gebracht – für den Fall, dass ich in die­sem Dezem­ber Plätz­chen backen will. Dann kam die Fens­ter­bank dran, auf der seit gut zwei Jah­ren Andenken an mei­nen drei­mo­na­ti­gen USA-Auf­ent­halt lager­ten. Für sie war gera­de ein Platz im Metall­schrank frei­ge­wor­den. Anschlie­ßend ver­schwan­den im Müll: meh­re­re Kata­lo­ge des Köl­ner „Music Stores“, meh­re­re Zei­tun­gen deutsch­spra­chi­ger Min­der­hei­ten in ver­schie­de­nen Län­dern, über die ich mei­ne B.A.-Arbeit vor andert­halb Jah­ren dann doch nicht geschrie­ben hat­te, sowie etli­che Zei­tungs­ar­ti­kel, die ich mir mal aus­ge­ris­sen, aber doch nie gele­sen hat­te. Palm­we­del darf man ja nicht weg­wer­fen, soweit ich weiß.

Nach etwa drei Stun­den war ich dabei, die vier Jah­re alte Stand­leuch­te erst­ma­lig aus­ein­an­der­zu­bau­en und von Insek­ten­ka­da­vern zu rei­ni­gen. Dann wisch­te ich mei­nen Schreib­tisch, mei­nen Nacht­tisch und die Ober­sei­te mei­ner CD-Rega­le – nicht, ohne das Staub­tuch jeweils zwi­schen­durch gründ­lich aus­zu­wa­schen. Nor­ma­ler­wei­se put­ze ich so gründ­lich nur kurz vor mei­nem Geburts­tag, wenn sich Gäs­te ange­kün­digt haben.

Und das war ja auch das Bizar­re an mei­ner Rei­ni­gungs­ak­ti­on: es gab kei­nen Grund dafür. Ich hat­te nicht ein­mal irgend­et­was wich­ti­ges zu tun, was eine Pro­kras­ti­na­ti­on gerecht­fer­tigt hät­te. Es war eben nur drin­gend nötig gewe­sen.

Nach vier­ein­halb Stun­den war der Tep­pich­bo­den, jede Ecke und die Wand hin­ter dem Heiz­kör­per gründ­lich abge­saugt. Ich betrach­te­te stolz mein Werk und war mit mir und der Welt zufrie­den. Da fiel mein Blick auf den Kon­to­aus­zug, der ein­sam auf einem ordent­li­chen Schreib­tisch lag.

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Heiteres Berufungsraten

Udo Ulfkot­te war frü­her Redak­teur der „FAZ“ und betreibt heu­te „Akte Islam“, was man­che euphe­mis­tisch eine „islam­kri­ti­sche Web­sei­te“ nen­nen. Die taz bezeich­ne­te es als „trau­ri­ges Schau­spiel“ und Ulfkot­te, der sich mit „Bür­ger in Wut“ und „Pax Euro­pa“ auch als Poli­ti­ker ver­sucht, als „Irr­licht“.

Sein neu­es Buch heißt „SOS Abend­land“ und erscheint im Kopp-Ver­lag, der auch Titel wie „Die letz­ten Tage von Euro­pa“, „Ach­tung, Gut­men­schen!“, „Der Mul­ti­kul­ti-Irr­tum“, „Kopf hoch, Deutsch­land“ oder „Hei­li­ger Krieg in Euro­pa“ ver­legt. Zu Pro­mo­ti­ons­zwe­cken hat der Ver­lag ein „Mul­ti­kul­tu­rel­les Quiz“ ein­ge­rich­tet, bei dem man das Buch gewin­nen kann, und das seit eini­gen Tagen durchs Inter­net geis­tert. Auch hier im Blog war es als Spam-Kom­men­tar von einem angeb­li­chen Bernd Schrei­ber kurz­zei­tig in den Kom­men­ta­ren auf­ge­taucht – beein­dru­ckend unpas­send unter die­sem Ein­trag.

Damit Sie sich die Marsch­rich­tung des Qui­zes so unge­fähr vor­stel­len kön­nen, hier mal Fra­ge 1 von 25:

FRAGE 1: In wel­chem Land wird das öffent­li­che Zei­gen einer offi­zi­el­len Lan­des­flag­ge inzwi­schen als Dis­kri­mi­nie­rung mos­le­mi­scher Zuwan­de­rer gese­hen und kann von der Poli­zei mit einem Buß­geld belegt wer­den?

a. Schwe­den b. Schweiz c. Däne­mark d. Eng­land

Die­se Fra­ge ist kniff­lig, sie lässt sich nicht mal eben mit einer ein­fa­chen Goog­le-Suche beant­wor­ten – was ent­we­der für die Erfin­der des Qui­zes spricht, die es den Teil­neh­mern natür­lich nicht zu ein­fach machen woll­ten, oder dafür, dass an der Geschich­te so eini­ges nicht stimmt.

FRAGE 5: In wel­chen Städ­ten gibt es zwar ein Rauch­ver­bot in Restau­rants, von dem aller­dings Besu­cher isla­mi­scher Restau­rants aus­ge­nom­men sind, die Was­ser­pfei­fe rau­chen?

a. Van­cou­ver b. Paris c. Rom d. Ber­lin

Van­cou­ver ist es schon mal nicht, auch wenn Ulfkot­te ver­mut­lich genau dar­auf hin­aus will. Zwar hat­ten die Besit­zer von Hoo­kah loun­ges (übri­gens eben­so wie die von pro­fa­nen Zigar­ren­clubs) zunächst eine Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung erwir­ken kön­nen, die aber im Janu­ar, noch vor Ein­füh­rung des Rauch­ver­bots in Van­cou­ver, auf­ge­ho­ben wur­de.

„Ber­lin“, schlägt da das eben­falls isla­mo­pho­be Blog „PI-News“ vor. Eine wei­te­re vor­läu­fi­ge Aus­set­zung des in Deutsch­land (und vor allem in Ber­lin) völ­lig durch­lö­cher­ten Rauch­ver­bots aus Wett­be­werbs­grün­den halt. Ver­mut­lich wür­de aber nie jemand Eck­knei­pen als „christ­li­che Restau­rants“ bezeich­nen. In der isla­mi­schen Repu­blik Iran ist das Rau­chen von Was­ser­pfei­fen im öffent­li­chen Raum übri­gens seit ver­gan­ge­nem Jahr ver­bo­ten.

FRAGE 11: In wel­cher Stadt wur­de 2008 der ers­te Wohn­block für älte­re Mit­bür­ger eröff­net, in dem alle Toi­let­ten und auch die Bet­ten Islam-kon­form aus­ge­rich­tet sind?

a. Baden-Baden b. Brüg­ge c. Bris­tol d. Bar­ce­lo­na

Mal davon ab, dass Chris­ten, Juden, Hin­dus oder Hei­den kein Nach­teil dar­aus ent­steht, wenn in Bris­tol die Toi­let­ten in bestimm­te Him­mels­rich­tun­gen zei­gen, ist die Fra­ge („alle Toi­let­ten“) schon falsch gestellt:

The­re is a lar­ge Ban­gla­de­shi popu­la­ti­on in the area and 15 of the flats have been ori­en­ted to ensu­re that the lay­out of the bed­rooms and bath­rooms do not con­flict with the need to face Mec­ca during pray­ers.

15 von 55 Woh­nun­gen also.

Es sind die­se klei­nen Unge­nau­ig­kei­ten, die – kom­bi­niert mit Ver­zer­run­gen und Unter­stel­lun­gen – ein Gesamt­bild erge­ben, das weit von der Rea­li­tät ent­fernt ist.

FRAGE 21: In wel­chen euro­päi­schen Städ­ten wur­de 2007 das Neu­jahrs­feu­er­werk aus Angst vor ran­da­lie­ren­den Mus­li­men ver­bo­ten?

a. Paris b. Brüs­sel c. Ber­lin d. Lon­don

Auch hier liegt der Teu­fel im Detail: die (begrün­de­te, wie sich im Nach­hin­ein zei­gen soll­te) Angst vor Ran­da­len in Paris wird plötz­lich zur „Angst vor ran­da­lie­ren­den Mus­li­men“. Die kom­ple­xe Situa­ti­on von Kin­dern aus sozi­al schwa­chen Fami­li­en (oft­mals die Nach­fah­ren von Ein­wan­de­rern), die mit unzu­rei­chen­der Bil­dung und arbeits­los in zube­to­nier­ten Vor­städ­ten leben, und dort in eine Spi­ra­le der Gewalt und Aus­gren­zung gera­ten, wird so lan­ge ver­knappt, bis – wie so oft – nur noch der Islam übrig bleibt.

Aber Ulfkot­te wäre nicht Ulfkot­te, wenn sein Quiz ohne Spar­schwein aus­kä­me:

FRAGE 24: In wel­chem Land hat eine bekann­te Ban­ken­grup­pe die Spar­schwei­ne aus dem Ver­kehr gezo­gen, weil die­se angeb­lich nicht län­ger in eine mul­ti­kul­tu­rel­le Umge­bung pas­sen und jun­ge Mus­li­me belei­di­gen könn­ten?

a. Schweiz b. Nor­we­gen c. Nie­der­lan­de d. Deutsch­land

Spar­schwein­ge­schich­ten sind unter „Islam­kri­ti­kern“ beson­ders beliebt, aber sel­ten so ein­fach, wie sich das Leu­te wie Ulfkot­te oder Hen­ryk M. Bro­der wün­schen. Auch der Fall der nie­der­län­di­schen For­tis-Bank, die das Spar­schwein „Knor­bert“ nach sie­ben Jah­ren nicht neu auf­ge­legt hat, ist wohl wesent­lich kom­ple­xer. War­um z.B. ist der Arti­kel im „Tele­graaf“, von dem die Dis­kus­si­on aus­ging, aus dem Inter­net­an­ge­bot der Zei­tung ver­schwun­den? Hat es etwas damit zu tun, dass eine Spre­che­rin von For­tis den Arti­kel als „nicht kor­rekt“ bezeich­net hat? Ich weiß es nicht. Udo Ulfkot­te offen­bar schon.

Beun­ru­hi­gend ist neben der vira­len Ver­brei­tung die­ses Qui­zes vor allem eines: Ralph Giord­a­no, dem ich eigent­lich zuge­traut hät­te, dass er weiß, wel­che Fol­gen Halb­wahr­hei­ten und Ammen­mär­chen über bestimm­te Bevöl­ke­rungs­grup­pen haben kön­nen, lässt sich vor den Pro­mo-Kar­ren span­nen und wie folgt zitie­ren:

Der Inhalt die­ses Buches ist erschre­ckend! Einer der gro­ßen Bun­des­ge­nos­sen bei der Isla­mi­sie­rung Euro­pas ist die Unwis­sen­heit der Bevöl­ke­rung. Das Buch SOS Abend­land hilft bei der Auf­klä­rung. Die Fak­ten sind erdrü­ckend. Es ist kaum zu glau­ben, wie weit die Isla­mi­sie­rung in ein­zel­nen euro­päi­schen Län­dern bereits fort­ge­schrit­ten ist. Die meis­ten Bür­ger haben kei­ne Ahnung, was da wirk­lich vor sich geht.

Unge­le­sen glau­be ich ihm vor allem den ers­ten Satz.

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Überraschende Klickstreckenverweigerung

In Dins­la­ken fin­den zur Zeit die „DIN-Tage“ statt, das Stadt­fest in Dins­la­ken. Da ich aus gutem Grund nicht in Dins­la­ken bin, 1 woll­te ich mich im Inter­net bzw. bei den bei­den füh­ren­den Lokal­zei­tungs­por­ta­le der Regi­on, ach was: Deutsch­lands 2 ein wenig dar­über infor­mie­ren, was im Welt­zen­trum der Selbst­iro­nie so „geht“. 3

Die „Neue Rhein Zei­tung“ beant­wor­tet die­se Fra­ge mit einer 79-teil­i­gen Bil­der­ga­le­rie, die vor allem durch ihre unkon­ven­tio­nel­le Sor­tie­rung und eine gewis­se Läs­sig­keit besticht: Hard­rock, Shan­ty- und Kin­der­chor wech­seln sich auf ver­stö­ren­de Wei­se ab, 4 die sowie­so mehr als halb­her­zi­ge Betex­t­ung reißt mit­ten­drin ein­fach ganz ab.

Natür­lich nicht, ohne vor­her noch die Gren­zen des tech­nisch Mach­ba­ren auf­ge­zeigt zu haben:

Din Tage 2008 , Achim [...] machte seiner großen Liebe, Ramona [...] auf der Bühne am Neutorplatz Foto:Heinz Kunkel Honorarpflichtig

Was Achim Ramo­na dort mach­te, kann der Leser lei­der nur erra­ten. Der Blu­men­strauß auf dem dazu­ge­hö­ri­gen Foto legt aller­dings nahe, dass es sich um einen Hei­rats­an­trag gehan­delt haben könn­te.

Dann fol­gen wie­der Trö­del- und Mit­tel­al­ter­markt, Kir­mes, ange­hei­ter­te Her­ren­run­den und Fra­gen Sie mich nicht, ich habe kei­ne Ahnung, was das mit den Toten­köp­fen sein soll in mun­te­rer Rei­hen­fol­ge. Das alles ist zwar etwas wüst und halb­gar, 5 aber die­se 79 Bil­der vom Sams­tag las­sen kei­nen Zwei­fel: in Dins­la­ken herrscht das, was man „Volks­fest­stim­mung“ nennt.

Kom­men wir nun zu „RP Online“, bzw. zur Lokal­re­dak­ti­on der „Rhei­ni­schen Post“: dort gibt es einen Arti­kel aus der gest­ri­gen Print-Aus­ga­be, der auf den Frei­tag zurück­schaut:

Mit dem fai­ren Kul­tur­ca­fé und dem Kaba­rett-Duo „The­ken­tratsch“ im Burg­in­nen­hof sowie einem Senio­ren-Nach­mit­tag mit Wie­ner Kaf­fee­haus­mu­sik im Dach­stu­dio star­te­ten ges­tern die 34. DIN-Tage.

Dazu gibt es eini­ge Fotos 6, die ich hier ger­ne voll­stän­dig und in Ori­gi­nal­grö­ße wie­der­ge­ben möch­te:

Im Dachstudio gab es Kaffeehaus-Atmosphäre und Operettenmelodien. Im Kulturcafé gab es fair gehandelten Kaffee und Kuchen. Luftballons statt Fassanstich: Auf dem Altmarkt ließen Kinder gestern zur DIN-Tage-Eröffnung mit Bürgermeisterin Sabine Weiss bunte Luftballons mit ihren Wünschen für das Wochenende in Richtung Himmel fliegen. RP-Fotos (3): Kazur

Als wäre man selbst dabei­ge­we­sen, nech?

Ande­rer­seits will ich nicht meckern: auf der Dins­la­ke­ner Start­sei­te hat „RP Online“ dann doch noch so eini­ges an Bil­der­ga­le­rien im Ange­bot. Zum Bei­spiel den nur acht Wochen alten Klas­si­ker „Toter in Sack gefun­den“.

Nach­trag, 23:28 Uhr: Naja. Zu früh gelobt, irgend­wie:

  1. Dort fin­den näm­lich zur Zeit die „DIN-Tage“ statt – außer­dem bin ich da eh schon oft genug.[]
  2. Der Welt![]
  3. i.e. Wie vie­le Jugend­li­che wur­den bereits mit Alko­hol­ver­gif­tung in die ört­li­chen Kran­ken­häu­ser ver­bracht? Wer hat die tra­di­tio­nel­le Teckel­zucht­schau auf dem Schul­hof mei­nes frü­he­ren Gym­na­si­ums gewon­nen? Fin­de ich pein­li­che Fotos von jeman­dem, den ich ken­nen könnte/​sollte?[]
  4. Ich kann das lei­der nicht direkt ver­lin­ken, in die­ser Bezie­hung liegt der „Wes­ten“ weit hin­ter „RP Online“ zurück.[]
  5. „Nicht schön, aber sel­ten“, wie mei­ne Mut­ter sagen wür­de.[]
  6. Noch mal zur Erin­ne­rung: Wir spre­chen von „RP Online“![]
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Knüwern für Anfänger

Gene­rell ist es ja schön, wenn Redak­tio­nen die moder­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten nut­zen. Man soll­te es dann nur rich­tig machen.

Mei­ne bei­den liebs­ten Lokal­zei­tungs-Inter­net­por­ta­le twit­tern jetzt auch. Sowohl „RP Online“ als auch „Der Wes­ten“ ver­sor­gen das Netz mit einer Mischung aus Flur­funk, Kan­ti­nen­spei­sen­plan und Nach­rich­ten-Feed, reagie­ren aber auch auf Fra­gen oder Kri­tik.

Dabei kön­nen sich schon ein­mal solch net­te Dia­lo­ge ent­spin­nen:

Lau­fen gera­de Schmacht­bil­der von Brad und Geor­ge in Vene­dig ein. Der weib­li­che Teil der Redak­ti­on ist ganz hin und weg. rpon­line 12:51 PM August 27, 2008

@rponline Dür­fen wir ande­ren schon mal wet­ten, wie lang die Bil­der­ga­le­rie wird? cof­fee­andtv 01:06 PM August 27, 2008

@coffeeandtv Schau­en wir mal. rpon­line 02:14 PM August 27, 2008

Weil schon jemand wet­ten woll­te: Die Cloo­ney-Pitt-Foto­stre­cke ent­hält 16 Bil­der: http://tinyurl.com/58p4nd rpon­line 08:22 PM August 27, 2008

Selbst twit­ter-Skep­ti­ker und ‑Has­ser wer­den zuge­ben müs­sen, dass eine oft hart geführ­te kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung so wie­der ein wenig an Mensch­lich­keit gewin­nen kann.

Ges­tern nun ernann­te John McCain, der desi­gnier­te repu­bli­ka­ni­sche Kan­di­dat für das Amt des US-Prä­si­den­ten, über­ra­schend Sarah Palin, Gou­ver­neu­rin von Alas­ka, zu sei­nem run­ning mate, also zur Kan­di­da­tin für das Amt des Vize­prä­si­den­ten.

„Der Wes­ten“ zim­mer­te aus einer dpa-Mel­dung ein Kurz­por­trät der Poli­ti­ke­rin zusam­men und ver­schick­te den Link via twit­ter.

Ich klick­te und las. Und sah, dass da ein Satz irgend­wie ein biss­chen ver­un­glückt war:

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber nach offenbar Sarah Palin als seine Vize-Kandidatin ausgewählt.

Ein klei­ner Feh­ler, der jeder­zeit mal pas­sie­ren kann – in der dpa-Fas­sung ging der Satz noch so:

Der repu­bli­ka­ni­sche Prä­si­dent­schafts­be­wer­ber John McCain zieht nach US-Medi­en­be­rich­ten mit der jun­gen Gou­ver­neu­rin von Alas­ka, Sarah Palin, in das Ren­nen um das Wei­ße Haus.

Ein klei­ner Feh­ler, den man aber auch schnell kor­ri­gie­ren kann, dach­te ich und twit­ter­te nur weni­ge Minu­ten spä­ter:

@DerWesten Bit­te schnell noch den ers­ten Satz gera­de bügeln. Dan­ke!

Und dann pas­sier­te genau … nichts.

Dass die zustän­di­gen Leu­te in Essen schon ins Wochen­en­de ver­schwun­den waren, ist unwahr­schein­lich: sie setz­ten bis zum Abend sie­ben wei­te­re Tweets ab. Nur hat offen­bar nie­mand mehr in die Repli­es geguckt.

Dabei gilt mehr denn je: Die Zei­ten des ein­sei­ti­gen Sen­dens sind vor­bei. Wer die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le nicht in bei­de Rich­tun­gen nutzt, wird kläg­lich unter­ge­hen.