Ain’t That A Klick In The Head

Von Lukas Heinser am Sonntag, 24. August 2008 12:41
Kategorie: Digital Ist Besser, My Favourite Game

In Peking sind alle olympischen Entscheidungen gefallen. 302 Mal wurden Medaillen aus Gold, Silber und Bronze vergeben (so ungefähr – manchmal gab es wegen Zeitgleichheit auch zwei Silbermedaillen oder, wie im griechisch-römischen Ringen, sowieso zwei Bronzene), 302 Mal wurde die Hymne einer Siegernation gespielt (davon 51 Mal die chinesische – Sie sollten sie also inzwischen mitsingen können), 302 Mal wurde ein Olympiasieger gekürt (wobei alleine Michael Phelps acht Mal dabei war). Bei solchen Dimensionen kann man schon mal den Überblick verlieren.

Wie freundlich ist es da von “Spiegel Online”, das alles noch einmal für die Leser zusammenzufassen, zum Beispiel unter einer solch catchy Überschrift?

Sommerspiele in Peking: Alle Olympiasieger auf einen Klick

Wenn Sie auf die Seite gehen, finden Sie eine beeindruckende Liste – Nein, nicht der Goldmedaillengewinner, aber der einzelnen Wettkampftage. Sie finden diese Liste zwei Mal: einmal als Fließtext und einmal als übersichtliche Tabelle:

Zum Thema auf Spiegel Online: Sportliche Dominanz: Alle Olympiasieger Chinas, Olympische Spiele: Deutsche Medaillengewinner, Doping bei Olympia: Die Chemie stimmt, Sommerspiele: Olympiasieger des 1. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 2. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 3. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 4. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 5. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 6. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 7. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 8. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 9. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 10. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 11. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 12. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 13. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 14. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 15. Wettkampftages, Sommerspiele: Olympiasieger des 16. Wettkampftages

Und wenn Sie da klicken, finden Sie zum ersten Wettkampftag zum Beispiel eine achtteilige Bildergalerie (achtteilige Bildergalerien bestehen übrigens aus sieben Fotos und einer Seite, über der “Weitere aktuelle Fotostrecken” steht), für den zweiten Wettkampftag eine fünfzehnteilige, für den dritten eine vierzehnteilige, usw. usf.

Um also “alle Sieger von Peking im Überblick” zu sehen, müssen Sie mindestens … – Na, wer hat aufgepasst? Richtig! – 302 Mal klicken. Jeder Klick wird von “Spiegel Online” gezählt und als page impression gewertet. Wenn sich nur hundert Idioten Ahnungslose Sportinteressierte finden, macht das schon mindestens 30.200 page impressions nur durch diesen einen “Artikel”. Im Juli zählte “Spiegel Online” laut IVW 541.649.708 page impressions.

Solche Klickschinderei mag im Onlinejournalismus, wo man das Geld schließlich mit Werbung macht (bizarrerweise auf Grundlage genau dieser nichtssagenden page impressions), üblich sein. Gut finden muss man es dennoch nicht.

Und, mal ehrlich, es wäre ja nur fair gewesen, wenn die Überschrift wenigstens so ausgesehen hätte:

Sommerspiele in Peking: Alle Olympiasieger auf 302 Klicks

Ganz nebenbei: Die meisten Fotos in diesen Klickstrecken sind wirklich schöne Beispiele für gute Sportphotographie.

11 Kommentare

  1. 1

    [Die Überschrift find' ich doof. Zum ersten Mal, dass mir eine Überschrift so gar nicht gefällt.]

    Ich denke, das in diesem speziellen Fall eine vollständige Liste aller Olympiagewinner (vielleicht sogar noch Silber- und Bronzemedalliengewinner) mit Links auf die entsprechende Fotos und Berichte im Zweifel noch mehr page impressions gebracht hätten.

    Und wenn man diese Liste dann auch noch sortieren und/oder filtern hätte können, z. B. nach Nationen, Geschlechtern, Sportarten, man, man, man, was hätte das werden können.

  2. 2

    Ich weiß ja nicht, welche Deals SPON so aushandelt, aber eigentlich gelten Bilderstrecken als nicht bzw. nur ausgesprochen schlecht vermarktbar. Etwa so wie Traffic in sozialen Netzwerken. Grund: Die Anbieter glauben nicht, dass der Nutzer aus einer Galerie heraus auf Werbebanner klickt. Die Galerie-Aktionen dienen nur der Optimierung der daher wenig aussagekräftigen IVW-Zahlen.

  3. 3

    In den Galerien selbst sind ja auch gar keine Werbebanner (oder ich habe sie übersehen). Mit dem Verweis auf Werbung meinte ich, dass meines Wissens die IVW-Zahlen (und da eben die page impressions) immer noch für den Preis ausschlaggebend sind, wenn Werbung gebucht wird. Korrigiere mich, wenn ich mich irre oder unklar ausdrücke.

    @SvenR: Kein Sinatra-Fan oder so großer Sinatra-Fan, dass das Wortspiel blasphemisch erscheint?

  4. 4

    @ Lukas: Hilf mir!?

  5. 5

    @SvenR: Dean Martin?

  6. 6

    @Lukas: Wir weisen Werbekunden hauptsächlich auf die AGOF-Zahlen hin, die Zahlen, die am ehesten als echte Reichweite (sprich: Leser pro Monat) gelten können. Page Impressions werden gerne genutzt, um Konkurrenten hinter sich zu lassen (SPON vs Welt, etc.) oder um schlichte Größe vorzugaukeln (StudiVZ, etc.) Wir bei Xonio machen das auch: Bei PIs liegen wir in unserem IVW-Segment vor Teltarif.de, bei Visits dahinter – klar, welches Chart ich lieber zeige.

  7. 7

    dort wo ich meine brötchen verdiene, wird auch mit PIs gearbeitet – allerdings gleichberechtigt mit Visits. zwar wären die AGOF-Zahlen sinnvoller, aber außen am markt ist eben oft noch das interesse an PIs da.

  8. 8

    Danke, den Song kenne ich. Ich liebe Dino Martini. Als ich noch kein Englisch konnte, aber schon Fernsehen gucken durfte, so 74 bis 78, gab es Samstags nachmittags (glaub’ ich) im ZDF (glaub’ ich) eine teil-synchronisierte Show mit Dean Martin und Jerry Lewis (den ich auch ganz wunderbar finde) und Gästen (ich glaube u. a. Peter Lawford und Sammy Davis jr.) und da habe ich das das erste Mal gehört. Glaub’ ich. Und da ich da noch kein Englisch konnte und ich seit dem nicht wirklich noch mal, war mir der Titel nicht geläufig.

    Das war teilweise in Farbe, teilweise schwarz weiß, aber immer ganz toll.

    Weißt Du ob meine Erinnerung so grob hinkommt?

    Oder hast Du Sammy Davis jr. bei Dr. Alfred Biolek “Mr. Bo Jangels” (live!) singen höhren? Oder irgendwann Anfang der 80er José Feliciano mit “Light My Fire” (live!) im zweiten dunklene Fernsehen mit Amelie Fried aus der Alten Oper in Frankfurt. Oder Jim Croce’s “Bad Leroy Brown”…dafür bist Du wahrscheinlich zu jung. Ich eigentlich auch, bin aber trotzdem gerade mal wieder total emotional zerrüttet, vielleicht auch weil David im Hintergrund wieder mal meckert.

    Hoffentlich mache ich mich hier nicht gerade zum Vollhorst, aber in Erinnerungen schwelgen ist vieeel schöner als sich jedes Detail zu ergoogeln!

  9. 9

    Mit deinem letzten Satz zerstörst du alle Vorhaben, sich das nicht ansehen zu wollen. Hab die nächsten 2 Stunden eh noch nichts vor…

  10. 10

    PI PI machen muss man… Als Leser ist mir das zwar manchmal lästig, aber auch ein bisschen egal, wenn ich ein lustiges Patrick Helmes Interview im Express(.de) Frage für Frage weiterklicken muss.
    Affig an der Geschichte sind doch nur die hohlen Zahlengläubigen in Agenturen, die von Erreichbarkeit reden und Gewinne/Verluste daran beziffern wieviele PIPIs der Express (in diesem Falle) hat.
    Die lügen sich alle in die Tasche. Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen.

  11. 11

    [...] eine ganz neue Bedeutung zukommen lässt. (Bitte markieren Sie sich diesen Tag im Kalender: ich empfehle eine Bildergalerie bei “Spiegel Online”!) * * * Das ist die wohl [...]

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