Das People-Magazin „Vanity Fair“ (also dessen tragischer deutscher Ableger) unternimmt zur Zeit mal wieder einen Versuch, Relevanz zu generieren. Diesmal nicht mit der beliebten Serie „Friedman und die Nazis“, sondern mit einer großen Abstimmung:
Man wundert sich ein bisschen, wer es so alles in die (aktuelle) Liste geschafft hat – über manche Personen ärgert man sich, bei anderen hält man es für verdient und muss zugeben, dass man sie selbst vergessen hätte.
Besonders angetan hat es den Machern und Nachreichern der Liste offenbar die Führungsetage von „Spiegel Online“ bzw. „Spielgel Online“:
(Der Mann, der sich zwei Mal mit unterschiedlicher Schreibweise, aber gleichem Foto in der Liste findet, heißt korrekt übrigens Rüdiger Ditz.)
Vorne werden die Plätze natürlich vor allem von mobilisierten Fanclubs vergeben (es gibt keine IP-Sperre, jeder kann so oft abstimmen, wie er mag): Hape Kerkeling, Tokio Hotel, Angela Merkel, Bushido, Benedikt XVI., Helmut Schmidt, Sido, …
Da stefan-niggemeier-fans.de.vu vermutlich noch einige Zeit auf sich warten lassen wird, dachte ich mir, ich könnte ja ersatzweise mal hier im Blog Stimmung für meinen Chef machen – gerade, wo sich die Verantwortlichen von vanityfair.de die Mühe gemacht haben, maleinanderesFoto von ihm zu finden.
PS: Sie tun vanityfair.de damit auch noch was Gutes, denn jeder Klick gilt als page impression und treibt damit deren Anzeigenpreise in die Höhe.
Nachtrag, 30. August, 02:04 Uhr: Zum Thema Ditz/Dietz schickte David M. diesen schönen Screenshot:
Außerdem:
Nachtrag, 2. September: vanityfair.de hat auf die denkbar unsouveränste Weise reagiert und den Counter für Stefan Niggemeier (und offensichtlich nur für ihn) einfach zurückgesetzt.
Unabhängig davon bin ich der Meinung, dass diese peinliche Abstimmung inzwischen genug Aufmerksamkeit abbekommen hat, und möchte Sie deshalb bitten, mit vanityfair.de das zu tun, was man mit vanityfair.de am Besten tut, und den Quatsch fürdahin einfach zu ignorieren.
Am kommenden Wochenende wird der „Rockpalast“, eine der letzten Bastionen von (Live-)Musik im deutschen Fernsehen, das ausstrahlen, was der WDR so beim Haldern Pop Anfang August aufgezeichnet hat.
In der Nacht von Samstag (30. August) auf Sonntag (31. August) gibt es ab Mitternacht eine Art Highlight-Zusammenstellung mit Kula Shaker, Maxïmo Park, Guillemots, Kate Nash, The National, The Heavy, Jamie Lidell, Okkervil River, Iron & Wine, White Lies, Joan As Police Woman und The Dodos; in der Nacht von Sonntag (31. August) auf Montag (1. September) gibt es von 00:45 Uhr bis 02:45 Uhr wohl etwas längere Ausschnitte aus den Konzerten von den Editors und Jack Peñate. Nicht zu sehen (weil nicht aufgezeichnet) sind meine persönlichen Festival-Höhepunkte Flaming Lips, Kilians, Mintzkov, Fleet Foxes und Loney, Dear.
Die ständig im Weg stehenden WDR-Kameras und die schiere Omnipräsenz des Senders beim Haldern Pop habe ich zum Anlass genommen, mal Kontakt mit der Pressestelle des WDR aufzunehmen. Gerade, nachdem ich am Wochenende nach Haldern in einer „Rockpalast“-Zusammenfassung vom „Rheinkultur“-Festival gesehen hatte, dass man dort mit sehr viel handlicheren Handkameras gefilmt hatte.
Folgendes wollte ich also wissen:
- Gibt es besondere Kriterien, nach denen entschieden wird, ob ein Festival mit Stand- oder Handkameras gefilmt wird?
– Wie ernst nimmt der WDR die Kritik von Journalistenkollegen und zahlenden Festivalbesuchern?
– Wie viele Stunden Programm vom Haldern Pop werden (ohne Wiederholung und Mehrfachauswertung) insgesamt im „Rockpalast“ laufen?
– Wie viele Mitarbeiter des WDR waren beim Haldern Pop insgesamt im Einsatz („Rockpalast“, Einslive, „Lokalzeit“, …)
– Werden die Übertragungsrechte für Festivals und Konzerte eigentlich (ähnlich wie die für Sportveranstaltungen) eingekauft oder sind sie Teil der Kooperationsvereinbarung zwischen Sender und Veranstalter?
Und folgendes antwortete mir die WDR-Pressestelle:
Der WDR arbeitet je nach Produktion mit unterschiedlichem technischen Material, d.h. sowohl mit Hand- als auch mit festen Kameras.
Grundsätzlich nehmen wir die Kritik von Journalisten, Besuchern oder auch Zuschauern sehr ernst. In diesem Fall gab es einen engen Austausch zwischen den Veranstaltern des Festivals und der Redaktion. Bei den Veranstaltern sind keinerlei Beschwerden bzgl. Behinderungen angekommen.
Der WDR wird rund 9,5 Stunden vom Haldern-Pop-Festival berichten, weitere Infos dazu finden Sie auch auf der Website www.rockpalast.de.
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht zu allen internen Planungen Auskunft geben können.
Schade. Es hätte mich doch mal interessiert, ob das Festival wenigstens viel Geld dafür kriegt, dass Berichterstatter in ihrer Arbeit behindert werden und Zuschauer auf hässliche Geräte aus dem Technikmuseum starren müssen. Denn wenn der WDR hülfe, die Ticketpreise unten zu halten, wäre es ja noch okay.
Früher war alles besser: die Popkomm war ein rauschendes Fest einer florierenden Branche, das alljährlich in Köln stattfand – und ihr wichtigster Ort war der Mexikaner am Prime Club. Heute liegt die Musikindustrie röchelnd am Boden, die wichtigen Musikmessen heißen c/o Pop und Pop Up, die Popkomm ist (wie jeder andere Kreative) nach Berlin gezogen und der Mexikaner am Prime Club ist schon lange zu. 1
Es gibt keinen wirklichen Grund, noch zur Popkomm fahren zu wollen – außer, um dort Kontakte zu knüpfen, sie zu pflegen, die Mischung aus Zweckoptimismus, Weltfremde und Verzweiflung in sich aufzusaugen und vielleicht das eine oder andere Konzert mitzunehmen. Allerdings ist Berlin vom Ruhrgebiet deutlich weiter entfernt als Köln, so dass sich Tagestrips eher nicht anbieten.
Ich wollte mich also als Pressevertreter für die Popkomm akkreditieren lassen und ging auf die entsprechende Website. Dass es nicht ganz so einfach werden würde wie in Köln, wo man einfach mit dem ausgedruckten Impressum eines Musik-E-Zines reinkam, in dem der eigene Name stand, hatte ich mir wohl gedacht – dass es schlicht unmöglich werden würde, nicht. Ich füllte brav und wahrheitsgemäß ein Formular aus, fotografierte meinen Jugendpresseausweis (den ich in fünf Jahren damit zum dritten Mal hervorholen musste) und schickte alles ab.
Am nächsten Tag erhielt ich eine E‑Mail von der Messe Berlin, wonach meine Unterlagen unvollständig seien. Man gab mir den freundlichen Hinweis, dass ich als „Vertreter von Jugendpresseorganisationen“ „gegen Vorlage aktueller Belege“ „einmalig eine Tageskarte an den Akkreditierungscountern des Messegeländes“ erhalten würde. Da ein Tag Messe die Anreise nicht lohnt, schrieb ich zurück, dass ich gerne länger hinwolle und schließlich ein Blog zu den Themenkomplexen Popkultur und Medien betriebe.
Die Antwort lautete:
Guten Tag,
Blogger und deren Betreiber werden, wie andere Vertreter von allgemein zugänglichen Online-Publikationen ausschließlich gegen Vorlage eines gültigen Presseausweises (für hauptberuflich tätige Journalisten) akkreditiert.
Mitglieder von Internet-Redaktionen werden aufgrund der allgemeinen Zugänglichkeit des Internets und der damit verbundenen mangelnden Überprüfbarkeit der eigenen journalistischen Leistung nur gegen Vorlage eines anerkannten Presseausweises akkreditiert. Ausnahme: Internet-Redaktionen, die zu Vollredaktionen oder Verlagen gehören, z.B. Focus Online usw.
Da beißt sich die Katze in den Schwanz: Als Blogger hat man bei den vielen Verbänden immer noch keine Chance, an einen Presseausweis zu kommen. Man braucht ihn aber auch (außer vielleicht für peinliche Presserabatte) eher selten. Eine kleine Umfrage ergab: Von den Print‑, Radio- und TV-Journalisten in meinem Bekanntenkreis ist niemand im Besitz eines Presseausweises. Ein früherer Kollege (heute bei einem Privatsender aktiv) schrieb mir gar, er habe „nie!!!! wirklich nie!!!!“ mit einem Presseausweis gearbeitet.
Nur um sicherzugehen, dass ich das alles richtig verstanden hatte, fragte ich bei der Messe Berlin noch einmal nach:
Gerade im Bereich Musikjournalismus dürften die wenigsten Kollegen über einen Presseausweis verfügen, viele betreuen ihre Onlinemagazine und Blogs nicht hauptberuflich, aber mit hoher Kompetenz und eben solchem Aufwand. Sehe ich das richtig, dass sie alle keinen Anspruch auf eine Akkreditierung bei einer Veranstaltung in der Messe Berlin haben?
Die Antwort überraschte mich nicht mehr wirklich:
Guten Tag,
Sie sehen das völlig richtig. Ohne Nachweis der hauptberuflichen journalistischen Tätigkeit gibt es keine Akkreditierung.
Ein Recht auf Akkreditierung besteht nicht, es gilt das Hausrecht der Veranstaltungsstätte.
Und bitte nicht vom Beckenrand springen, ja?
Aber noch einmal ganz langsam: die Messe Berlin, die unter anderem die Popkomm, die Internationale Funkausstellung und die Jugendmesse „You“ ausrichtet 2, akkreditiert ausschließlich „hauptberuflich tätige Journalisten“.
In den Richtlinien für die „You“ steht sogar klipp und klar:
Nutzer von Blogs (Blogger) unterliegen den genannten Richtlinien von Internet-Redaktionen. Ohne gültigen Presseausweis gelten Blogger als Privatperson und werden nicht akkreditiert.
Ob ich zur Popkomm fahre oder nicht (natürlich nicht) war mir inzwischen egal. Ich wollte auch gar nicht mehr wissen, ob eine Presseakkreditierung kostenlos ist oder nicht. 3
Dafür wollte ich von der Messe Berlin wissen, wie das zusammenpasst: das Ausrichten von Medienmessen auf der einen und das Ausgrenzen von Bloggern, E‑Zinern und Bürgerjournalisten auf der anderen Seite. Und ob die „allgemeinen Zugänglichkeit des Internets“ es wirklich derart unmöglich macht, eine Auswahl zu treffen, wen man reinlässt und wen nicht.
Das ist jetzt eine Woche her und es ist wohl nur konsequent zu nennen, dass ich noch keine Antwort bekommen habe.
Gerüchten zufolge stehen Popkomm-Umzug und Niedergang des Mexikaners in direktem Zusammenhang – nach Schätzungen ins Blaue wurde dort am Popkomm-Wochenende der halbe Jahresumsatz erwirtschaftet.[↩]
Alles Messen, zu deren Inhalten Gerüchten zufolge auch dieses verrückte neue Medium „Internet“ und dessen Möglichkeiten gehören sollen. Im vergangenen Jahr fand sogar die „Web 2.0 Expo“ in der Messe Berlin statt.[↩]
Die Drei-Tages-Pressepässe in Köln, die man gegen Vorlage eines „Redaktionsnachweises“ erhielt, kosteten etwa 100 DM, wie sich ein Kollege erinnert.[↩]
Mein Leben als Lukas Heinser ist vorbei, seit heute bin ich eine elfstellige Nummer. Eine, in der noch nicht mal eine „42“ vorkommt. Die Briefe des Bundeszentralamts für Steuern haben Bochum erreicht.
Noch bin ich mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Zentrale Identifikationsnummern gibt es in Ländern wie den USA oder Schweden (beide eigentlich bekannt für Bürgerrechte und Liberalität) schon lange und mir leuchtet durchaus ein, dass so eine zentrale Erfassung Vorteile mit sich bringen kann. Laut Anschreiben sind auch (bisher) nur Daten über mich gespeichert, die jeder von Ihnen innerhalb weniger Minuten bei Facebook und in diesem Blog herausfinden könnte. Allerdings sehe ich durchaus einen Unterschied, ob ich diese Daten freiwillig in die Welt hinausposaune, oder sie einfach so gespeichert werden. Darüberhinaus finde ich es etwas merkwürdig, dass das Bundeszentralamt für Steuern meine Religionszugehörigkeit nicht gespeichert haben will – wäre das angesichts der zu entrichtenden Kirchensteuer nicht eine hilfreiche Information?
Außerdem kann sich Wolfgang Schäuble noch so auf den Standpunkt stellen, dass meine Daten beim Staat sicher seien: fast wöchentlich gibt es in den Nachrichten eine Meldung darüber, wo geheime Daten verschwunden oder aufgetaucht sind. Dass diese Meldungen fast immer aus Großbritannien kommen, ist nicht beruhigend: Bei den zwei Möglichkeiten (entweder, die Briten sind das einzige Volk auf der Welt, denen sowas ständig passiert, oder sie sind das einzige Volk, das wenigstens davon erfährt) spricht schon die reine Wahrscheinlichkeitsrechnung für Option 2. Ich möchte nicht in einem Land leben, wo man sich meine Daten nicht mehr zusammensuchen, sondern sie einfach nur aus dem zentralen Melderegister klauen muss – gemeinsam mit denen von bis zu 82 Millionen anderen.
Bei der „Humanistischen Union“ gibt es Musterklagen, mit deren Hilfe man sich gegen die Zuteilung der eigenen Identifikationsnummer wehren kann. Die Erhebung der Klage vor dem Finanzgericht kostet allerdings 200 Euro – das ist schon viel Geld, wenn man sich nicht mal sicher ist, ob man die Nummer jetzt richtig scheiße oder nur ein bisschen doof findet.
Aber was ist das eigentlich für ein Staat, der seine Bürger zwingt, sich mit solchen Fragen zu befassen?
- „Papa, Papa!“
– „Ja, mein Sohn?“
– „Ich hab gerade in der Encyclopedia Blogia gescrollt …“
– „Oh.“
– „Was ist dieses ‚Spiegel Online‘, von dem 2008 so viele Leute geschrieben haben?“
– „Das war damals ein großes Online-Magazin. Erst gab es über viele Jahrzehnte ein angesehenes Printmagazin …“
– „Tote Bäume?“
– „Genau. Das hatte lange einen guten Ruf. Dann hatte es irgendwann einen unfassbar schlechten Ruf – aber nicht beim einfachen Volk. Das hat sowohl die Print- als auch die Online-Version geliebt. ‚Spiegel Online‘ war das meistgelesene Online-Medium zu dieser Zeit.“
– „So wie ‚Coffee And TV‘ heute?“
– (lacht) „Ja, so ungefähr. Die Leute haben alles geglaubt, was bei ‚Spiegel Online‘ stand. Nur die Medienkritiker …“
– „Leute wie Du, Onkel Niggi und Onkel Knüwi?“
– „Solche Leute, genau. Wir haben ‚Spiegel Online‘ kritisiert für schlechte Recherche, einseitige Berichterstattung und deren Klick…“
– „Die haben noch Klickhurerei gemacht?!“
– „Wo hast Du denn das Wort schon wieder gelernt?“
– (lacht)
– (grummelt) „Jedenfalls: ja, haben sie.“
– „Oh Mann, wie peinlich!“
– „Du musst wissen: damals galten page impressions noch als heiliger Gral im Internet.“
– (lacht)
– „Na ja, das waren jedenfalls ‚Spiegel‘ und ‚Spiegel Online‘. 2008 müsste das Jahr gewesen sein, in dem sie gefragt haben, ob das Internet doof macht, und über Twitterer und Blogger gelästert haben.“
– „Aber warum das denn?“
– „Zum einen, weil sie Angst davor hatten – zu Recht, wie wir heute wissen – zum anderen, weil sie sichergehen konnten, dass fast alle Blogger und Twitterer darüber schreiben würden. Und wenn alle über den ‚Spiegel‘ schreiben, sieht es noch ein bisschen länger so aus, als sei der ‚Spiegel‘ relevant.“
– „Hmmmm. Aber eins versteh ich nicht …“
– „Ja?“
– „Warum haben denn immer alle Blogger und Twitterer darüber geschrieben? Konnte denen das nicht egal sein?“
– „Ja sicher, eigentlich schon.“
– „Oma hat mir mal erzählt, wie sie vor vielen Jahren mit anderen Leuten ein Atu … Autom …“
– „Atomkraftwerk?“
– „Ich glaube ja. Wie sie sowas verhindert haben. Denen war immer egal, was die anderen gedacht, gesagt und in der Zeitung geschrieben haben.“
– „Tja. Die waren damals viel an der frischen Luft um zu demonstrieren, Sauerstoff beruhigt. Wir saßen schlecht gelaunt in unseren Büros und haben uns dann halt aufgeregt. Ab 2009 hat aber keiner – oder kaum noch einer – auf den ‚Spiegel‘ reagiert, so dass sie 2010 aufgeben mussten.“
– „2010? Noch vor Zoomer?!“
– „Ja, das ging damals ganz schnell.“
– „Und was ist aus den ganzen Leuten geworden, die da gearbeitet haben?“
– „Das war das lustigste: Als ‚Spiegel Online‘ zugemacht hat, kam raus, dass da nur drei verwirrte alte Männer gearbeitet haben: ein Taxifahrer, ein Drogenabhängiger und ein Mann, dem ein wahnsinniger Wissenschaftler ein Brötchen anstelle seines Gehirns eingepflanzt hatte. Alles andere kam aus Computern.“
– „Gruselig.“
– „Ja. Aber nur halb so gruselig wie deren Texte.“
– „Papa?“
– „Ja?“
– „Können wir noch ein bisschen Hologramme gucken?“
– „Was willste denn sehen?“
– „Den Film mit dem Zeitungsmann, der stirbt. Mit dem Schlitten. Das ist sooooo lustig!“
Natürlich habe ich mir die Olympischen Spiele im Fernsehen dann doch angesehen. Die Diskussion mit mir, ob das moralisch vertretbar sei, dauerte letztlich wenige Sekunden. Ich gucke halt gerne Sport im Fernsehen und da kann mich relativ wenig von abhalten. Als langjähriger begeisterter Tour-de-France-Gucker bin ich es gewohnt, mit dem Risiko zu leben, gerade ganz massiv von dopenden Sportlern verarscht zu werden. Nennen Sie es abgebrüht, zynisch oder sonst irgendwas, aber es gibt immer genug, was einen für solche Finsternissen entschädigt.
Über China mag ich mir kein Urteil erlauben. Natürlich würde ich mir wünschen, wenn das, was wir Menschenrechte nennen, überall gelten würde, aber ich verstehe nichts von China. Und weil es mich so aufregt, wenn ahnungslose Menschen über die USA, das einzige Land neben Deutschland, in dem ich mal mehr als vier Wochen am Stück verbracht habe, reden, will ich nicht ahnungslos über China reden. Es könnte zum Beispiel meinen besten Freund aufregen, der schon mehrfach für längere Zeit in China war.
Was ich mir zu beurteilen anmaße, sind die Ankündigungen, die die chinesische Führung gegenüber dem IOC gemacht und nicht eingehalten hat. Zu einem gepflegten Vertragsbruch gehören aber zumindest in diesem Fall zwei: die, die verarschen, und die, die sich freundlich lächelnd verarschen lassen und anschließend das großartige und gründliche Vorgehen der Verarschenden beim Verarschen loben.
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Anders ausgedrückt: Dem chinesischen Funktionär in diesem beeindruckenden Videodokument nehme ich ab, dass er das, was er da erzählt, aus tiefster Überzeugung glaubt. Es ist wie bei Wolfgang Schäuble oder Papst Benedikt XVI.: diese Männer haben eine Überzeugung, die über Jahrzehnte in ihnen gereift ist, die ich nicht teilen kann, die sie aber mit einer Vehemenz vertreten, die mir Respekt abnötigt. Und dann ist da die IOC-Funktionärin, die sich kritischen Journalistenfragen auf unsouveränste Art verweigert. Sie lernt gerade erst, fundamental und weltfremd zu werden, und ist in ihrem Stoizismus kein Stück beeindruckend, sondern nur peinlich. Sie ist vergleichbar mit der Partei „Die Linke“ oder dem Verein „Kinder in Gefahr“.
Von der Eröffnungsfeier habe ich wegen des Haldern Pop leider nichts mitbekommen. Dass dort auf verschiedene Weise getrickst wurde, ist mir aber auch egal: es handelt sich um eine Show. Natürlich um eine politische (die ganzen Spiele waren ja eine politische Demonstration des chinesischen Regimes), aber das macht sie nur noch mehr zur Show – und bei Shows darf man tricksen, Playback singen und Windeln tragen. Menschlich gesehen ist es natürlich unmöglich, einem kleinen Mädchen zu sagen, sie sei zu hässlich für ein Milliardenpublikum.
Aber reden wir über die, um die es eigentlich ging, reden wir über die Sportler: Wie es sich gehört, habe ich neue Helden gefunden – den sympathischen Vielseitigkeitsreiter und Zahnarzt Hinrich Romeike und den mindestens genauso sympathischen Gewichtheber Matthias Steiner, zum Beispiel. Ich bin auch naiv genug zu glauben, dass Michael Phelps seine acht Goldmedaillen auf legalem Wege gewonnen hat. Wenn er halt den idealen Körperbau hat und so präzise trainiert – warum sollte er dann nicht schneller schwimmen können als ich laufen kann? Auch bei Usain Bolt muss ich bis zum Beweis des Gegenteils annehmen, dass er so schnell ist – die Goldmedaille im 100-Meter-Lauf hätte ich ihm trotzdem wegen grober Unsportlichkeit und Verhöhnung der Konkurrenten aberkannt.
Sportkonsum im Fernsehen geht leider nicht ohne Sportreporter. Während der Kommentator beim Dressurreiten seine Arbeit gleichsam zur literarischen Performance ausbaute, war der Rest größtenteils zum In-die-Tonne-Kloppen. Béla Réthy zum Beispiel durfte beim Damen-Hockey endlich mal zeigen, dass er nicht nur unfassbar viel Mist reden kann (das kennt man von Fußballländerspielen), sondern auch unfassbar viel chauvinistischen Mist. Michael Antwerpes entpuppte sich als Beckmann für Arme, als er im Talk mit Matthias Steiner minutenlang auf einem privaten Schicksalsschlag des Sportlers herumritt und bei der (sinngemäßen) Antwort „die Journalisten wollen das eben immer wieder hören“ übersah, wie der stärkste Mann der Welt gerade vor seinen Augen mit der chinesischen Mauer winkte. Zum Glück für Antwerpes gibt es aber immer noch Castor Beckmann und Pollux B. Kerner, die Not der ARD und das Elend vom ZDF, die bequem alles unterkellern, was bisher als unterste Talsohle des Niveaus gegolten hatte. Kerner hatte man auch noch Katrin Müller-Hohenstein zur Seite gestellt, was viele Vergleiche mit Marianne und Michael zuließe, wenn man letztere damit nicht böse verunglimpfen würde. Deshalb nur so viel: Bis Waldi Hartmann nicht mehr negativ auffällt, muss schon eine Menge Mist gesendet worden sein. Und Harald Schmidts Karriere kann man jetzt auch in einem Wort zusammenfassen: „vorbei“.
Wenn es wenigstens nur die unfähigen Hallodri (wie konnte ich Michael Steinbrecher vergessen?) vor Kamera und Mikrofon gewesen wären – aber auch technisch lief es bei ARD und ZDF ja alles andere als rund. „Ja, das ist halt live“, flötete dann die jeweils aktuelle Föhnwelle in die Kamera – ganz so, als sei es noch 1969 und Peter Frankenfeld versuche gerade die erste Eurovisionsschalte zum Mond. Aber die beiden Sender hatten mit 500 Leuten erstens die größte Delegation von allen und zweitens war das ja gar nicht alles live: Wüst wurde zwischen live und live on tape hin- und hergeschaltet, wurden Dinge wiederholt, die man schon gesehen hatte, wurde plötzlich wieder irgendwohin gesprungen, ohne dass der Zuschauer noch wusste, was jetzt wann und wo passiert war. Da verließ man dann schon mal in der 84. Minute (und vor dem entscheidenden Tor) ein Fußballspiel der deutschen Damenmannschaft, um ein aufgezeichnetes Halbfinale im Fechten zu zeigen. Der Fechtverband habe sich wohl beschwert, hörte man es munkeln.
Zwar hatten sich ARD und ZDF Mühe gegeben, via Internet und ihre obskuren Digitalkanäle möglichst viel gleichzeitig anzubieten, aber ich bin mir sicher: London 2012 werden zumindest die interessierten Zuschauer ganz anders erleben. Mit einer eigenen digitalen Senderegie für jeden, wo man sich mehrere Sachen gleichzeitig ansehen kann, live oder zeitversetzt, mit Kommentar oder mit Originalatmosphäre. Ich würde dafür einiges an Geld bezahlen.
Zu guter letzt war es natürlich so wie immer: ich saß da, fieberte mit den Athleten mit, freute mich über die Stimmung und fragte mich, wie ich als absolut unsportlicher Mensch wohl auch mal eine Medaille bei Olympischen Spielen gewinnen könnte. Ich werde mir demnächst mal einige Schießclubs ansehen, vielleicht sind Luftpistole oder Bogen ja was für mich.
In Peking sind alle olympischen Entscheidungen gefallen. 302 Mal wurden Medaillen aus Gold, Silber und Bronze vergeben (so ungefähr – manchmal gab es wegen Zeitgleichheit auch zwei Silbermedaillen oder, wie im griechisch-römischen Ringen, sowieso zwei Bronzene), 302 Mal wurde die Hymne einer Siegernation gespielt (davon 51 Mal die chinesische – Sie sollten sie also inzwischen mitsingen können), 302 Mal wurde ein Olympiasieger gekürt (wobei alleine Michael Phelps acht Mal dabei war). Bei solchen Dimensionen kann man schon mal den Überblick verlieren.
Wie freundlich ist es da von „Spiegel Online“, das alles noch einmal für die Leser zusammenzufassen, zum Beispiel unter einer solch catchy Überschrift?
Wenn Sie auf die Seite gehen, finden Sie eine beeindruckende Liste – Nein, nicht der Goldmedaillengewinner, aber der einzelnen Wettkampftage. Sie finden diese Liste zwei Mal: einmal als Fließtext und einmal als übersichtliche Tabelle:
Und wenn Sie da klicken, finden Sie zum ersten Wettkampftag zum Beispiel eine achtteilige Bildergalerie (achtteilige Bildergalerien bestehen übrigens aus sieben Fotos und einer Seite, über der „Weitere aktuelle Fotostrecken“ steht), für den zweiten Wettkampftag eine fünfzehnteilige, für den dritten eine vierzehnteilige, usw. usf.
Um also „alle Sieger von Peking im Überblick“ zu sehen, müssen Sie mindestens … – Na, wer hat aufgepasst? Richtig! – 302 Mal klicken. Jeder Klick wird von „Spiegel Online“ gezählt und als page impression gewertet. Wenn sich nur hundert IdiotenAhnungslose Sportinteressierte finden, macht das schon mindestens 30.200 page impressions nur durch diesen einen „Artikel“. Im Juli zählte „Spiegel Online“ laut IVW 541.649.708 page impressions.
Solche Klickschinderei mag im Onlinejournalismus, wo man das Geld schließlich mit Werbung macht (bizarrerweise auf Grundlage genau dieser nichtssagenden page impressions), üblich sein. Gut finden muss man es dennoch nicht.
Und, mal ehrlich, es wäre ja nur fair gewesen, wenn die Überschrift wenigstens so ausgesehen hätte:
Ganz nebenbei: Die meisten Fotos in diesen Klickstrecken sind wirklich schöne Beispiele für gute Sportphotographie.
mtv.de würde ich aus guten Gründen nicht als meine bevorzugte Nachrichtenquelle für den Bereich Musik und Entertainment bezeichnen. Aber manchmal schicken einen Google Alerts eben auf solche Seiten.
„Holla“, denkt man da natürlich, „sind wir schon wieder so weit?“ Dann liest man den dazugehörigen Artikel, wundert sich, liest ihn noch einmal und ist sich anschließend sicher, ihn Schritt für Schritt durchgehen zu müssen.
Fangen wir also an:
Die Babyshambles schaffen einen gefährlichen „Whirlpool-Effekt“. Uhhhh!
Vermeintliche Nachrichtenmeldungen, die mit Ausrufen wie „Uhhhh!“, „Wow!“ oder „Aha!“ aufwarten, kann man meistens getrost in die Tonne kloppen. Da findet sich jemand witzig und die Chancen stehen gut, dass sich kein weiteres intelligentes Lebewesen im ganzen Universum finden wird, das diese Ansicht teilt.
Pete und Co. wechseln zu schnell den Rhythmus!
Was uns dieser Satz sagen will, erfahren wir vielleicht später noch.
Die Babyshambles sollten eigentlich auf dem britischen „Moonfest“ (29. – 31. August) in Wiltshire auftreten. Dies bereitete den Behörden anscheinend solche Sorgen, daß das örtliche Gericht kurzerhand den Auftritt verbot und schließlich das gesamte Festival abgesagt wurde. Mit rechten Dingen ist das Ganze nicht zugegangen. Es gab zwar Ermittlungen, jedoch weder eine ordentliche Gerichtsverhandlung noch wurde ein Bandmitglied oder Veranstalter befragt. Polizei und Gericht scheinen das Verbot unter sich ausgemacht zu haben.
Nun war ich nicht dabei, aber der Umstand, dass im „Guardian“ der Veranstalter John Green von einem „Gerichtsverfahren“ spricht, in dessen Verhandlungspause man ihm ein „Angebot“ unterbreitet habe, könnte natürlich in gewisser Weise doch für Gespräche untereinander sprechen:
Green said police had offered him a deal during a pause in court proceedings to allow the night to go ahead if he agreed to spend more on security and removed Doherty from the lineup but he refused the „offer“.
Aber weiter im Text bei mtv.de:
Zur Info: Pete Doherty besitzt ein Haus in Wiltshire – was der örtlichen Polizei anscheinend gar nicht paßt. John Green, Veranstalter des „Moonfest“ sagte laut nme.com hierzu:
„Sie [die Polizei] haben mir persönlich gesagt, daß es hassen, ihn hier wohnen zu sehen.“
„They [the police] told me privately they hate the fact he lives in Wiltshire and they don’t want him on their patch,“ Green told the Guardian
Wir schalten nun um zum Freistil-Schwafeln:
Die absurde Geschichte nimmt allerdings echte Monty Python-Züge an, wenn man den Polizeibericht liest. Die Band schaffe einen „Whirlpool-Effekt“ bei ihrem Publikum. Sie senke absichtlich den Rhythmus und zöge dann das Tempo wieder an, was „Gewalt-aufrufend“ sei.
Zum Vergleich noch mal das Originalzitat, wiedergegeben von nme.com:
„What he does as part of his routine is to gee up the crowd. They speed up and then slow down the music and create a whirlpool effect in the crowd.
„They [the crowd] all get geed up and then they start fighting.“
Aber wir wollen nicht zu kleinlich sein. Wirklich absurd an der Geschichte ist wohl vor allem, dass die örtliche Polizei einen Geheimdienst-Beamten zu den Babyshambles befragt hat und dabei laut „Guardian“ zu folgendem Ergebnis kam:
„Experts are telling us that the profile of fans that follow Pete Doherty and Babyshambles is volatile and they can easily be whipped up into a frenzy, whereas the profile of someone that would follow around Cliff Richard or Bucks Fizz, for example, is completely different.“
Das ist natürlich nur dann witzig, wenn man weiß, wer oder was Cliff Richard oder Bucks Fizz sind. Für Leser und Schreiber von mtv.de also eher nicht. Aber die haben eh einen anderen Humor:
Wow! Adam Ficek, Drummer der Babyshambles, hat’s erkannt:
Reacting to the police’s decision, Babyshambles drummer Adam Ficek said he was angry, but said that the band would try to organise an alternative show. „The whole thing is a farce, it’s almost comical,“ he told NME.COM
Bleibt nicht viel mehr, als den Schlussabsatz von mtv.de in den Raum zu stellen:
Die Babyshambles versuchen nun, einen Alternativ-Gig zu organisieren. Wir warten’s ab, lachen uns schlapp und hoffen, daß die Queen sich bald einschaltet.
Bitte, liebe Leute von mtv.de: Könntet Ihr vielleicht beim nächsten Mal einfach jemanden schreiben lassen, der sich gerade nicht schlapptlacht, stattdessen mit Quellen und fremdsprachlichen Zitaten umgehen kann, und seine Stilblütenausbildung nicht in irgendeiner Lokalredaktion gemacht hat?
Sie, liebe Leser, lesen stattdessen vielleicht lieber diesen charmanten Kommentar von Tim Jonze im „Guardian“. Der ist wenigstens richtig lustig:
The closest you normally come to a riot here is when the battery on someone’s Nokia N93i camera-phone dies. Bands such as Coldplay and U2 are typical of your average stadium band, making mid-paced, epic music that is impossible to dance to without looking like someone’s „cool dad“ (ie, the rest of the crowd).
Bochum ist mit dem gesamten Ruhrgebiet Teil der Kulturhauptstadt 2010. Eine kleine Gruppe von Sprachakrobaten möchte sich daran mit ihrem Literaturprojekt beteiligen, das sie „Überschriften“ nennt.
Erste Kostproben ihres Könnens werden derzeit im Kunstmagazin „WAZ (Lokalteil Bochum)“ abgedruckt und sollen auch hier angemessen gewürdigt werden:
Da gibt es informative Kurzprosa mit verstörenden Satzanfängen, die nur wenig länger ist als ein Artikel in der Regionalpresse zum selben Thema:
Es gibt humoristische Spielereien mit Präpositionen:
Und es gibt (über der Metahpern- und Vergleichereichen Parodie auf das journalistische Genre des Kommentars) Kleinode, die in der Tradition der japanischen Haikus stehen:
Halten Sie die Augen offen für weitere Arbeiten des Künstlerkollektivs „Lokalredaktion Bochum“. Unvorstellbar, was passieren würde, wenn diese kreativen Köpfe auch noch die Möglichkeiten des Internets für sich entdeckten!
Meine erste „Bravo“ las ich im Deutschunterricht der achten Klasse. Nicht heimlich unter dem Tisch, sondern auf Geheiß unseres damaligen Deutschlehrers. Der hielt Deutschlands langlebigste Jugendzeitschrift für ein Super-Beispiel, um uns den Themenkomplex „Zeitung“ näher zu bringen. 1
Ich war damals dreizehn Jahre alt und den Inhalten der Zeitschrift noch nicht wirklich gewachsen. Die Unsicherheit, wie man sich angesichts von Texten über den vorzeitigen Samenerguss, Petting und die neueste Single von Worlds Apart verhalten sollte, übergingen meine besten Freunde und ich, indem wir jede einzelne Seite mit viel Aufwand künstlerisch verschönerten. Besonders die Foto Love Story hatte es uns angetan. 2
Nach der Klassenarbeit zu dieser Unterrichtseinheit 3 war „Bravo“ für mich abgehakt. Aus Spaß an der Freude kauften wir uns allerdings genau ein Jahr später eine weitere Ausgabe, um auch diese zu verschönern. Die Feststellung, dass sich die Themen im Abstand von exakt 52 Wochen wiederholen 4, war meine erste Begegnung mit dem Medienjournalismus.
Warum erzähle ich Ihnen den ganzen Scheiß aus meiner noch nicht mal pickligen Pubertät? Ich bin im Internet 5 auf eine völlig bizarre Seite gestoßen, die es in Sachen Wahn locker mit der „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ aufnehmen kann: „Kinder in Gefahr“ – eine Aktion der Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur (DVCK) e.V.
Neben einer Protestaktion gegen die „steigende Anzahl von Erotik-Sendungen“ im ZDF, etlichenhomophobenAusfällen und diversen weiteren Forderungen, die man allenfalls von den bekannt-durchgeknallten Elternorganisationen in den USA erwartet hätte, gibt es dort auch eine Unterschriftenaktion zum Verbot der „Bravo“.
Dieses „Massaker an der Kindheit“ äußert sich nach Ansicht der Deutschen Vereinigung für eine Christliche Kultur beispielsweise in diesen Ausprägungen:
Jede Woche werden ein Junge und ein Mädchen splitternackt abgebildet, die dabei über ihre Sexualabenteuer berichten. So gut, wie in jeder Ausgabe werden Jugendliche beim Geschlechtsverkehr gezeigt.
In jeder Ausgabe gibt es Berichte über Themen wie „Kamasutra“, „Erotische Ausstrah-lung“, „Oralsex“ usw. usf., natürlich mit den dazugehörigen Erotik- und Nacktfotos, ab-gesehen von sexuellen Perversionen, wie beispielsweise Fesseln und Sadomaso-chismus.
Bizarres wird als „cool“ und „toll“ dargestellt, wie beispielsweise die „Rock-Party“ der Punk-Gruppe „Tokio Hotel“, die zu einer Zerstörungsorgie wurde.Die Liste solcher Beispiele könnte man beliebig erweitern.
In einem weiteren Artikel erklärt der (für Google quasi komplett unbekannte) Prof. Dr. Dieter Dahl, warum die Internetseite der „Bravo“ zu „seelischer Zerstörung, Haltlosigkeit, Fehlorientierungen und Sucht“ führt:
Dort wo ein Sexpartner nicht zur Hand ist, wird von BRAVO der Solosex, d.h. die Selbstbefriedigung, bebildert eingeübt und zwar nach Jungen und Mädchen getrennt. Natürlich für jeden einsehbar.
Wenn man sich vorstellt, wie schwer dem guten Professor das Tippen des Wortes „Selbstbefriedigung“ gefallen sein muss, lässt sich erahnen, was in ihm vorging, als er folgende Passage schrieb:
Ich frage mich: Kann man sich an verantwortlicher Stelle nicht vorstellen, daß ein Junge sich an diesen Darstellungen aufgeilt, davon nicht loskommt, zum Dauerkonsument und schließlich sexsüchtig wird? Es entstehen dann seelische Zerstörung, Haltlosigkeit, Fehlorientierungen, nicht zuletzt andere Süchte, vor allem Drogensucht.
Fragen Sie mal die Mutter von Pete Doherty!
PS: Und wie man dem Heinrich-Bauer-Verlag eine eigene neun Jahre alte Pressemitteilung im Mund herumdreht, können Sie in einem weiteren Artikel lesen.
Gerüchten zufolge ließ der gleiche Lehrer in sechsten Klassen Aufsätze mit dem Thema „Mein erstes Mal“ schreiben. Es ist den Anstrengungen unseres herzensguten Klassenlehrers zu verdanken, dass wir nur zwei Jahre mit diesem Pädagogen zu tun hatten, der wenig später die Schule wechselte. Es beunruhigt mich ein bisschen, dass er auch heute mit Ende Fünfzig noch Schüler (und vor allem Schülerinnen) unterrichtet.[↩]
Ich hoffe, ich denke daran, den gröbsten Irrsinn beim nächsten Elternbesuch mal zu scannen.[↩]
Aufgabenstellung: Wahlweise „Schreibe einen Brief ans Dr.-Sommer-Team aus der Perspektive des Mädchens, das in der Foto Love Story vergewaltigt wurde“ oder „Schreibe eine Biographie über Mel B.“[↩]
„Skandalvideo von The Prodigy“, Vorzeitiger Samenerguss, Miniposter von Jon Bon Jovi.[↩]
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