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Digital

Potemkinsche Webseiten

Zu den großen Mysterien der Moderne gehört für mich der Berufs des Suchmaschinen-Optimierers. ((Zu den kleinen Mysterien gehört die – seit gestern beantwortete – Frage, warum meine Kekse so seltsam verpackt sind.)) Dieser optimiert nicht etwa Suchmaschinen, sondern er bastelt so lange an Internetseiten herum, bis diese in den Suchergebnissen der Suchmaschinen möglichst weit vorne auftauchen. Es erstaunt mich, dass es offenbar einen wachsenden Markt für Menschen mit diesen Fähigkeiten gibt, aber es gibt ja auch einen Markt für goldene Hundefutternäpfe und einen für getragene Unterhosen. ((Zumindest in Asien.))

Nun ist Suchmaschinen-Optimierung (oder knackig: SEO) an sich nichts schlimmes, wenn es nur darum geht, seine Inhalte möglichst gut zu platzieren. Zwar sollte man davon ausgehen, dass Google von alleine merkt, was für mich wirklich relevant ist, aber man kann da ja ruhig noch ein bisschen nachhelfen. ((Übrigens scheint kein “SEO-Papst” so gut zu sein, dass ich bei meinen hilflosen Google-Recherchen zu irgendwelchen technischen Problemen auf eine wirklich relevante Seite stoße.)) Im Extremfall liegen die von den Suchmaschinen-Optimierern betreuten Webseiten ein paar Monate auf Platz 1, ehe Google sich wieder was neues einfallen lässt. Richtig ärgerlich wird es aber da, wo es gar keine Inhalte gibt.

Auf meinem Schreibtisch liegt das neue Album von Ben Lee. ((Das ich sehr nett finde, aber dazu später mehr.)) Zu einem Song wollte ich gerne den Liedtext nachschlagen, weswegen ich lyrics “ben lee” “wake up to america” bei Google eingab. Dass das Album noch gar nicht veröffentlicht wurde und deshalb auch noch niemand die Liedtexte kennen sollte, wusste ich nicht — auf der beiliegenden Presseinfo war der 13. Februar als Veröffentlichungstermin vermerkt.

Trotzdem fand Google 467 Seiten zu dieser Suchanfrage. Die Top-Suchergebnisse sahen so aus:

Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 467 für lyrics "ben lee" "wake up to america".

Die üblichen Seiten, die man sonst so findet, wenn man nach Songtexten sucht.

Nur: Bei Nr. 1 sah der Songtext so aus:

These lyrics are missing. Could you please submit them? Did you know we give out free CDs every week to people who submit the most lyrics?

Nr. 2:

Wake Up To America: Add lyrics for this track

Nr. 3:

Track : Wake up to america. Lyrics not found. To add this lyrics

usw. usf.

Nirgendwo gab es die Texte (weil Ben Lee sie selber noch nicht online hat, was die einfachste Quelle wäre), aber überall gab es schon mal die fertige Seite mit Künstlernamen und Songtitel in der Pfadangabe und überall habe ich mindestens einen Klick generiert und jede Menge Werbung gesehen.

Entschuldigung, aber das ist für mich Verarschung hilfesuchender Menschen und Vermüllung des Internets.

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Leben

… und nächste Woche verklage ich jemanden!

So langsam dürfte der Kleinkrieg, den sich die Post- und Paketzusteller mit mir liefern, als das durchgehen, was in manchen Kreisen gerne “Kult” genannt wird.

Ist entsetzt: Postkunde Lukas H.
Ist entsetzt: Postkunde Lukas H.
Schon wieder hat ihm der Postbote eine Benachrichtigungskarte in den Briefkasten geworfen!
Schon wieder hat ihm der Postbote eine Benachrichtigungskarte in den Briefkasten geworfen!

Andererseits bin ich auch nur noch 42 Jahre vom derzeitigen Renteneintrittsalter entfernt und habe “Nationalität: deutsch” in meinem Ausweis stehen, von daher denke ich, es ist der richtige Zeitpunkt für mein erstes handgeschriebenes Schild im Treppenhaus:

Lieber Postbote, wenn Sie mir noch einmal eine Benachrichtigungskarte in den Briefkasten werden, ohne vorher auch nur bei mir geklingelt zu haben, werde ich mich bei Ihren Vorgesetzten beschweren! Mit freundlichen Grüßen,

Nachtrag, 29. November: Irgendjemand hat den Zettel heute abgerissen und in den Papierkorb geworfen.

Nachtrag, 1. Dezember: Erste Erfolge werden sichtbar: Mein Mitbewohner hatte heute eine Benachrichtigungskarte mit dem Vermerk “12:00 Uhr geklingelt!” im Briefkasten. Ich nehme mal an, er hat zu der Zeit noch geschlafen. Ich war jedenfalls nicht da.

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Musik Rundfunk

TV-Tipp: 25. Haldern Pop Festival

Am kommenden Wochenende wird der “Rockpalast”, eine der letzten Bastionen von (Live-)Musik im deutschen Fernsehen, das ausstrahlen, was der WDR so beim Haldern Pop Anfang August aufgezeichnet hat.

In der Nacht von Samstag (30. August) auf Sonntag (31. August) gibt es ab Mitternacht eine Art Highlight-Zusammenstellung mit Kula Shaker, Maxïmo Park, Guillemots, Kate Nash, The National, The Heavy, Jamie Lidell, Okkervil River, Iron & Wine, White Lies, Joan As Police Woman und The Dodos; in der Nacht von Sonntag (31. August) auf Montag (1. September) gibt es von 00:45 Uhr bis 02:45 Uhr wohl etwas längere Ausschnitte aus den Konzerten von den Editors und Jack Peñate. Nicht zu sehen (weil nicht aufgezeichnet) sind meine persönlichen Festival-Höhepunkte Flaming Lips, Kilians, Mintzkov, Fleet Foxes und Loney, Dear.

Die ständig im Weg stehenden WDR-Kameras und die schiere Omnipräsenz des Senders beim Haldern Pop habe ich zum Anlass genommen, mal Kontakt mit der Pressestelle des WDR aufzunehmen. Gerade, nachdem ich am Wochenende nach Haldern in einer “Rockpalast”-Zusammenfassung vom “Rheinkultur”-Festival gesehen hatte, dass man dort mit sehr viel handlicheren Handkameras gefilmt hatte.

Folgendes wollte ich also wissen:

– Gibt es besondere Kriterien, nach denen entschieden wird, ob ein Festival mit Stand- oder Handkameras gefilmt wird?
– Wie ernst nimmt der WDR die Kritik von Journalistenkollegen und zahlenden Festivalbesuchern?
– Wie viele Stunden Programm vom Haldern Pop werden (ohne Wiederholung und Mehrfachauswertung) insgesamt im “Rockpalast” laufen?
– Wie viele Mitarbeiter des WDR waren beim Haldern Pop insgesamt im Einsatz (“Rockpalast”, Einslive, “Lokalzeit”, …)
– Werden die Übertragungsrechte für Festivals und Konzerte eigentlich (ähnlich wie die für Sportveranstaltungen) eingekauft oder sind sie Teil der Kooperationsvereinbarung zwischen Sender und Veranstalter?

Und folgendes antwortete mir die WDR-Pressestelle:

Der WDR arbeitet je nach Produktion mit unterschiedlichem technischen Material, d.h. sowohl mit Hand- als auch mit festen Kameras.
Grundsätzlich nehmen wir die Kritik von Journalisten, Besuchern oder auch Zuschauern sehr ernst. In diesem Fall gab es einen engen Austausch zwischen den Veranstaltern des Festivals und der Redaktion. Bei den Veranstaltern sind keinerlei Beschwerden bzgl. Behinderungen angekommen.

Der WDR wird rund 9,5 Stunden vom Haldern-Pop-Festival berichten, weitere Infos dazu finden Sie auch auf der Website www.rockpalast.de.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht zu allen internen Planungen Auskunft geben können.

Schade. Es hätte mich doch mal interessiert, ob das Festival wenigstens viel Geld dafür kriegt, dass Berichterstatter in ihrer Arbeit behindert werden und Zuschauer auf hässliche Geräte aus dem Technikmuseum starren müssen. Denn wenn der WDR hülfe, die Ticketpreise unten zu halten, wäre es ja noch okay.

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Leben

Highway To DHL

Die im folgenden geschilderte Geschichte ist natürlich nur ein Einzelfall.

So wie der, der mir im letzten Jahr passiert ist, oder der, den Anke Gröner vor zwei Wochen beschrieben hat.

12. Mai
Ich bestelle ein Buch bei Amazon.

13. Mai
Amazon teilt mir per E-Mail mit, dass das Buch abgeschickt wurde:

Lieferung voraussichtlich: 15-Mai-2008

14. Mai
Nachdem ich den ganzen Tag zuhause war, stelle ich am Nachmittag fest, dass der DHL-Bote eine Benachrichtigungskarte in meinen Briefkasten geworfen hat, ohne auch nur geklingelt zu haben.

15. Mai
Über das Kontaktformular der DHL-Website schreibe ich eine Reklamationsnachricht, in der ich mich über das Verhalten des DHL-Boten beschwere und um eine Neuzustellung bitte.

17. Mai
Da DHL bisher (wie erwartet) nicht auf meinen Kontaktversuch reagiert hat, kreuze ich auf der Benachrichtigungskarte “Wiederholung des Zustellversuchs” an und wünsche mir eine Zustellung am 21. Mai. Die Karte werfe ich (leider keine Marke zur Hand) in den nächsten Briefkasten.

21. Mai
Es klingelt zwei Mal an der Haustüre, ich betätige zwei Mal den Türöffner. Da niemand zu meiner Wohnung kommt, gehe ich davon aus, dass es der Postbote war, der ins Haus wollte, um die hinter der Haustür befindlichen Briefkästen zu befüllen.

Als ich das Haus verlasse, sehe ich außen an die Haustür geklebt meine Benachrichtigungskarte mit dem Hinweis “2. Zust. ERFOLGLOS”.

Nachdem meine Halsschlagader wieder abgeschwollen ist, wende ich mich mit folgenden Fragen an die Pressestelle von DHL:

1. Hat sich der Zusteller bei den beiden Zustellversuchen gemäß der Firmenphilosophie verhalten? Wäre er zu einer Zustellung an der Wohnungstür (4. Stock, Fahrstuhl) verpflichtet, oder ist der Zustellversuch an der Haustür (ohne Gegensprechanlage) ausreichend?
2. Gibt es eine Regelung, nach der Päckchen nicht mehr (wie früher üblich) bei den Nachbarn abgegeben werden sollen oder obliegt die Entscheidung darüber dem Zusteller?
3. Wie lange dauert üblicherweise die Beantwortung eines Kontaktversuchs über die Internetseite von DHL?
4. DHL wirbt auf der Homepage mit dem Siegel als “Computer-Bild Testsieger”. Entspricht das Verhalten des Zustellers dem Ruf des Unternehmens?
5. Wie kann ich sichergehen, dass mir Päckchen auch wirklich zugestellt werden, und ich nicht erst eine Woche warten und dann noch zu einer abgelegenen Postagentur fahren muss?

22. Mai
Feiertag in NRW.

23. Mai
Unter Einsatz von Bussen ((Der Bus, der einmal pro Stunde verkehrt, kommt fünf Minuten zu spät, bei seiner Ankunft steigt der Busfahrer aus, um eine Zigarettenpause zu machen.)) und Straßenbahnen (man kennt seine Heimatstadt ja sowieso immer viel zu wenig) fahre ich zur “Postagentur”, die in einem Bekleidungsgeschäft in Altenbochum untergebracht ist.

Nach längerer Suche bekomme ich mein Päckchen, der Mann am Schalter bedauert meine Unannehmlichkeiten, für die er selbst ja gar nichts kann. Das ganze Vorhaben kostet mich eine Stunde meines Lebens.

26. Mai
Immer noch keine Reaktion von der DHL-Pressestelle. Teile meiner Fragen kann ich mir aber mithilfe der “Allgemeine Geschäftsbedingungen der DHL PAKET/ EXPRESS NATIONAL” auch selbst beantworten:

Ist der Zustellversuch an der Haustür ausreichend?

4 Leistungen der DHL
(1) DHL befördert die Sendungen zum Bestimmungsort und liefert sie an den Empfänger unter der vom Absender genannten Anschrift ab. DHL unternimmt dabei zwar alle zumutbaren Anstrengungen, um die Sendung innerhalb der Zeitfenster entsprechend ihren eigenen Qualitätszielen (Regellaufzeiten) abzuliefern.

Gibt es eine Regelung, nach der Päckchen nicht mehr (wie früher üblich) bei den Nachbarn abgegeben werden sollen?

(3) DHL darf Sendungen, die nicht in der in Absatz 2 genannten Weise abgeliefert werden können, einem Ersatzempfänger aushändigen. […]
Ersatzempfänger sind
1. Angehörige des Empfängers oder des Ehegatten, oder
2. andere, in den Räumen des Empfängers anwesende Personen, sowie dessen Hausbewohner und Nachbarn, sofern den Umständen nach angenommen werden kann, dass sie zur Annahme der Sendungen berechtigt sind; EXPRESS BRIEFE werden nicht an Hausbewohner und Nachbarn ausgehändigt.

28. Mai (Nachtrag)
In meinem Briefkasten finde ich einen Brief von DHL, datiert vom 26. Mai. Was drin steht, steht hier.

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Rundfunk Fernsehen

Die Abwürger

Ich weiß nicht, welche geistigen Voraussetzungen man erfüllen muss, um Programmplaner bei einem (Privat-)Fernsehsender zu werden. Logisches Denken oder gesunder Menschenverstand jedenfalls scheinen Ausschlusskriterien für den Job zu sein.

Da lief vergangene Woche mit “Die Anwälte” die erste RTL-Eigenproduktion seit Ewigkeiten an, die mir gefällt (genauer: seit “SK Babies” – und die fand ich bestimmt auch nur gut, weil ich damals zwölf Jahre alt war), und – Zack! – wird diese nach nur einer einzigen Folge abgesetzt.

Sicher, die Quoten waren nicht so doll, dafür aber die Kritiken. Wer vom Start der Serie nichts mitbekommen hatte (also beispielsweise Leute, die sonst nie RTL gucken, für eine gute Serie mit Kai Wiesinger aber mal eine Ausnahme machen würden), aber durch Kritiken oder Erzählungen im Freundeskreis neugierig geworden war, hat jetzt aber nicht mal mehr die Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen. Stattdessen läuft nun “CSI”, das ja regelmäßig hohe Quoten einfährt – wenn es denn in den TV-Zeitschriften angekündigt wird.

Deutsches Fernsehen wird von Menschen gemacht, die ihr Programm und ihre Zuschauer hassen. Man sollte diese Leute dringend in psychologische Behandlung schicken. Und darüber keine Dokusoap drehen.

PS: “Herzog” fand ich übrigens auch gut, RTL. Der Eintrag, in dem ich diese sensationelle Häufung von einheimischen Qualitätsserien auf Eurem Sender loben wollte, war schon in der Produktion.

Nachtrag 6. Februar: … und mit beeindruckender Konsequenz hat RTL jetzt auch Herzog gekillt.

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Leben Gesellschaft

Ein Wochenstart nach Maß

Die gute Nachricht des Tages: Deutschland ist dem Untergang geweiht. Schon in wenigen Jahren wird es in diesem Land keine intellektuelle Elite mehr geben. Wie ich darauf komme? Nun, wenn nicht einmal die Studenten einer Beinahe-Elite-Uni über einfachste geistige Fähigkeiten verfügen, kann das mit dem Bildungsbürgertum ja nichts mehr werden.

Heute morgen habe ich über 30 Minuten an der Stadtbahn-Haltestelle verbracht. Alle Züge, die einfuhren und mich zur Universität (zwei Stopps entfernt) hätten bringen sollen, waren voll. Nein, Verzeihung: “voll”. Denn das pendelnde Pack, das am Hauptbahnhof in die Stadtbahn einsteigt, postiert sich immer so vor den Türen, dass ein Einstieg im weiteren Streckenverlauf unmöglich ist. Dabei wäre in den Zügen durchaus noch Platz, wenn die Menschen beim Einsteigen nur mal den gesamten Raum ausnutzen würden. Die Angst, dann an der Uni nicht aussteigen zu können, ist vollkommen unbegründet: um Viertel vor zehn fahren nur Studenten Bahn.

Natürlich trägt der örtliche Nahverkehrsanbieter eine Mitschuld an der Misere, denn seine Züge mit Vierersitzgruppen mögen außerhalb der Stoßzeiten gemütlich sein, zur rush hour allerdings wären Wagen mit Bänken an den Außenwänden, wie man sie teilweise in Berlin findet, hilfreicher. Die Menschen hätten von vorneherein keine Abstandszonen um sich herum und würden sich viel bereitwilliger aneinanderdrängeln.

Als ich es schließlich in den fünften einfahrenden Zug schaffte, kreisten meine Gedanken bereits um qualmende Zugtrümmer und “American Psycho”. Dann wurde ich mit hässlichen Menschen, die billige Jacken trugen und viel zu laut schlechte Musik hörten, in eine Stadtbahn gesperrt. Zwei Ischen, die mehr Stuck im Gesicht hatten als man für die Deckensanierung einer Jugendstilvilla bräuchte, standen alleine im Mittelgang. Eine jede von ihnen hätte genug Raum gehabt, auf dem Fußboden ein viktorianisches Picknick zu veranstalten. In den Freiraum drängeln konnte ich mich freilich nicht, dafür war der Pfropfen dummer Menschen, der den Eingangsbereich verstopfte, zu dicht. Ich beschloss, mich näher mit den Lehren des Zen zu beschäftigen und merkte, wie mein Geist meinen Körper verließ.

Als die Bahn an der Uni-Haltestelle einfuhr, stieg er als erstes aus und stapfte mit dumpfem Schritt die Treppen hinauf. Sein Unterkiefer schob sich mahlend nach vorne und aus seinen Nasenlöchern stiegen kleine Rauchwölkchen. Seine Arme hatte er angespannt, seine Schultern wirkten doppelt so breit wie sonst. Der eiskalte Wind trieb ihm Tränen in die zusammengekniffenen Augen, aber er stapfte unaufhörlich weiter. Jeder, der sich ihm in den Weg gestellt hätte, wäre ohne weiteres Zutun zu Staub zerfallen. Mit jedem Schritt lösten seine Füße kleine Druckwellen auf dem Pflaster aus, die Erschütterungen waren noch in zwei Kilometern Tiefe zu spüren. Da fing es an zu Regnen.

Als er das Hörsaalzentrum betrat, kippte er seinen Kopf zurück und ließ seinen Nacken knacken. Er atmete tief durch. Die Vorlesung lief bereits seit zehn Minuten, der Hörsaal war halb leer. Die Studenten hatten alle Plätze am Rand der Sitzreihen besetzt.

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Musik Kultur

Ohne Ecken und Kanten

Ich mag Musik, wirklich. Ich mag Musik so sehr, dass ich jedes Jahr ein Heidengeld für Tonträger und Konzerte ausgebe. Gerne würde ich den Musikern das Geld, das sie meiner Meinung nach dafür verdient haben, dass sie schöne wie traurige Momente meines Lebens untermalen, selbst in die Hand drücken. Aber zwischen die Musiker und mich hat irgendjemand die Musikindustrie gesetzt.

Die Musikindustrie mag die Menschen, von denen sie ihr Geld bekommt und die man anderswo “Kunden” nennt, nicht so sehr. Sie kriminalisiert sie, sie will sie ausspionieren und sie will ihre Wohnungen verschandeln.

CD-Hülle (hinten), merkwürdiges Teil (vorne)

Im vergangenen Jahr kamen EMI und Universal in Europa auf die absurde Idee, Tonträger nicht mehr wie bisher in diesen eckigen Plastikhüllen, den sogenannten Jewel Cases, auszuliefern, sondern dafür Hüllen mit abgerundeten Ecken zu nehmen, die Super Jewel Boxes. Diese sollen angeblich stabiler sein, haben aber den Nachteil, dass man nicht vernünftig an das Booklet herankommt, dass man die Hüllen nicht so leicht ersetzen kann, wenn sie doch mal kaputt gehen, und dass sie vor allem ziemlich dämlich aussehen.

Im Regal wird die durchgehende Kante, die alle nebeneinander stehenden CD-Hüllen sonst bildeten, plötzlich unschön unterbrochen von den neuen Hüllen, die mit ihren Rundungen aussehen wie Kinderspielzeug für Dreijährige.

Das war mir bisher alles relativ egal, denn bei CD Wow kann man die internationalen Versionen der CDs kaufen. Zu Zeiten des sogenannten Kopierschutzes, der auf meinen Geräten immer ein Abspielschutz war, bekam man dort echte CDs, die man sogar hören konnte, später dann weiterhin CDs in eckigen Hüllen. “Bekam”, denn heute kam die erste Lieferung von CD Wow mit runden Ecken.

Oasis 1997 (eckig, hinten), Rihanna 2007 (abgerundet, vorne)

Wo Sie grad “Don’t judge a book by its cover” sagen: Auch auf dem Buchmarkt gibt es schlechte Nachrichten. Nachdem man uns jahrelang mit extrem edlen, matten Taschenbuchcovern beglückt hatte, schwenken nun die ersten Verlage wieder zu den extrem billig aussehenden, Fingerabdruckfreundlichen Einbänden in Hochglanzoptik zurück.

In was für einer Welt leben wir eigentlich, wo schon die Mitarbeiter der Kulturindustrie jedwedes ästhetisches Gespür vermissen lassen?????ß

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Digital

In eigener Sache

In den letzten Tagen gehen hier vermehrt Trackbacks von Artikeln ein, in denen coffeeandtv.de gar nicht verlinkt ist. Ich habe diese Trackbacks aus meinen Kommentaren entfernt.

Ich finde es völlig okay, wenn regelmäßige Leser und Kommentatoren einen Eintrag im Sinne von “Ich habe auch was dazu geschrieben und zwar hier …” abgeben, aber dieses automatische, kommentarlose Hinklatschen von Links finde ich doch ein bisschen unfreundlich.

Alternativ können Sie bei sich natürlich auch etwas schreiben wie “Coffee And TV hat auch was dazu geschrieben”, das entsprechend verlinken und mir einen Trackback schicken. Den lasse ich dann selbstverständlich gerne stehen.

Nachtrag 18:35 Uhr: Einige andere Trackbacks scheinen hier nie angekommen zu sein. Dabei muss es sich um ein Problem beim Server oder der WordPress-Version handeln. Sowas ist natürlich doppelt ärgerlich, da Trackbacks von Artikeln, die sich auf coffeeandtv.de beziehen und auch darauf verlinken, ja durchaus gewünscht sind. Ich kümmer mich darum.

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Digital

Ein Apfel zum Preis von dreien

Äh, Apple, das kann doch nicht Euer Ernst sein: Ich habe mein System neu eingerichtet und beim nächsten Mal, wenn ich meine im iTunes-Store teuer bezahlten Dateien abspielen will, muss ich sie erstmal wieder für mein System freigeben lassen?!

Von den ursprünglich fünf erlaubten “Geräten” habe ich jetzt schon drei aufgebraucht – alle exakt dieser Computer hier.

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Digital

Der Bochumer Fenstersturz

Meinen Computer habe ich wieder – mit neuem Mainboard und neuem (geräuschlosen) Netzteil. Nur Windows musste ich neu installieren.

“Nur Windows” heißt natürlich:

  • Obwohl alle anderen Programme ja noch da sind, sind sie völlig wertlos, weil sie in der Registrierungsdatenbank fehlen. Ich kann also alle Programme neu installieren, was mir andererseits die Möglichkeit gibt, mich von seit langem ungenutzten Programmen endgültig zu verabschieden und die neuen alle auf der größeren Festplatte zu installieren, damit die Systemfestplatte immer genug Platz hat.
  • Selbst die Programme, die noch laufen, fehlen im Startmenü und müssen dort erst mühsam wieder eingepflegt werden.
  • Ich habe anderthalb Stunden gebraucht, bis ich die noch vorhandenen Einstellungen von “früher” wiederhergestellt hatte.

Firefox und Thunderbird laufen aber bereits wieder (und das tadellos, wie mir scheint), iTunes ist auch in beinahe voller Blüte zurück (nur ein paar Verknüpfungen scheint er vergessen zu haben), alles weitere werde ich morgen (also heute) früh überprüfen und richten.

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Rundfunk Film

Wiedersehen tut weh

Vor fast acht Jahren sah ich im Kino den Film “Absolute Giganten”, der mir unglaublich gut gefiel. Bis heute ist die melancholische Geschichte von drei Freunden, die eine letzte gemeinsame Nacht durchmachen, bevor einer von ihnen das Land verlässt, einer meiner absoluten Lieblingsfilme.

In diesem Film erblickte ich auch zum ersten Mal Julia Hummer und verliebte mich ein wenig in sie. Die Szenen, in denen sie mit einem Cowboyhut auf dem Kopf tanzt und die Kamera sie umkreist, zählen nach wie vor zum Tollsten, was ich je gesehen habe, und auch ihre irgendwie merkwürdige, leicht lispelnde, aber doch sehr niedliche Stimme fand ich damals irgendwie süß.

Später zeigte sie unter anderem noch in “Crazy”, “Die innere Sicherheit” und “Gespenster” ihr schauspielerisches Können und veröffentlichte 2005 mit ihrer Band Too Many Boys eine CD, von der ich nicht mehr als dreißig Sekunden hören konnte, weil es körperlich einfach nicht ging. Dann war sie weg.

Gestern habe ich Julia Hummer wiedergesehen. In einem Werbespot für die GEZ. “Hat die das jetzt nötig?”, fragte ich mich, aber ich war mir nicht ganz sicher, ob “die” jetzt Julia Hummer oder doch die GEZ war.

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Leben

Die Bahn fuhr pünktlich …

Leider werde ich auf mein Buch wohl noch ein wenig warten müssen. Die hochkompetenten Menschen von DHL haben nämlich irgendwie Mist gebaut, weswegen ich gerade gezwungen war, mit Schaum vor dem Mund und dem “Beschwerderatgeber für Behörden- und Leserbriefe” auf meinen Knien folgendes in die Tasten zu zimmern:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ich heute nach Hause kam, klebte an meiner Haustür eine Benachrichtigungskarte. Diese Karte war weder vollständig ausgefüllt, noch war sie in meinen Briefkasten eingeworfen – ich habe sie eher zufällig gefunden.
Geht es nach dieser Karte, soll ich ein Postpaket, auf das ich aus beruflichen Gründen warte, in einer entlegenen “Postagentur” in Bochum-Altenbochum abholen, was bei dieser Hitze eine Zumutung ist.
Ich frage mich, wieso das Paket überhaupt wieder mitgenommen wurde: In unserem Haus gibt es immer genug Personen, die zuhause und bereit sind, ein solches Paket entgegenzunehmen und weiterzuleiten – ich selbst nehme pro Woche durchschnittlich ein Paket entgegen und sehe deshalb gleich doppelt nicht ein, wieso ich mein Paket in einem Laden abholen soll, der noch dazu ganz und gar unpraktische Öffnungszeiten hat.

Ich möchte Sie deshalb bitten, mir (oder einem meiner Nachbarn) das Paket entweder direkt zuzustellen, oder es wenigstens in einem Postamt zu lagern (Hauptpost am Hbf, Unicenter), das ich ohne Auto erreichen kann.

Mit freundlichen Grüßen und Dank im Voraus,

Immerhin bin ich so mal in den Genuss gekommen, das Wort “Zumutung” zu verwenden, das man ja sonst hauptsächlich von selbstgemalten Zetteln in bundesdeutschen Treppenhäusern kennt. Natürlich hätte ich auch anrufen können, aber das kostet 14 Cent pro Minute, die man in der Warteschleife und beim Eintippen mehrstelliger Zahlencodes verbringt, und ich bin (fern)mündlich immer viel zu nett und nachgiebig.

Jetzt atme ich erstmal tief durch, setze mich mit einem Gin Tonic auf den Balkon und überlege, ob ich gerne mal in einem Verbrauchermagazin im dritten Programm auftreten möchte. Ich sehe mich schon vor dem Haus stehen und mit gespielt fassungslosem Blick einem davonbrausenden gelben Postauto hinterherschauen, unterlegt mit “lustiger” Stummfilmmusik.