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Rundfunk Digital

Neues aus der Anstalt

Es gibt Themen, mit denen will ich mich aus Rücksicht auf meine eigene Gesundheit gar nicht mehr beschäftigen.

Lesen Sie also selbst zwei Meldungen über den öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus und dessen Geldeintreiber:

Zum einen einen Artikel aus der “Bild”-Zeitung. Dieser ist natürlich mit besonderer Vorsicht zu genießen, aber der geschilderte Fall hätte auch überall sonst stehen können und lässt – auch wenn er natürlich aufgebauscht wird – tief blicken.

Der andere Text steht bei Finblog.de und ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie weit man gehen kann, um unabhängige Berichterstattung und freie Meinungsäußerung zu … äh: verteidigen?

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Digital

Klickbefehl

Wenn ein Programmdirektor diese Zeilen liest und sich ärgert, kann er von sofort an die Zeitung nicht mehr kaufen. Das kann der Örrf-Gefangene, will er sich gesetzeskonform verhalten, nur dann tun, wenn er sich von allen seinen Radios, Fernsehern, Computern etc. trennt und die GEZ außerdem seine Abmeldung akzeptiert.

Nach dem gestrigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts kommentiert Kurt Kister in der “Süddeutschen Zeitung” die “Rundfunkfreiheit” in Deutschland.

Mr. Kurbjuweit also called Winnetou “a German with a migration background,” a phrase I’ve heard used to describe Turks here. Tormented German intellectuals like to ponder whether May’s concept of an “edelmensch,” his term for a truly noble man, as he called Winnetou, has inspired more feelings of fraternity or of racial superiority in the country. An American today is likelier to wonder how May shaped German views of the United States over the last century.

Die “New York Times” versucht ihren Lesern Karl May (“virtually unknown in the United States but the most popular author in German history”) und die Faszination der Deutschen für den Wilden Westen näherzubringen.

das gigantische warenlager mit warenausgabe ist wirklich noch ekliger geworden als der rohbau bereits suggerierte. allein die aufgeklebte fassadendeko und die am eingang aufgestelllte plastik sind so geistlos, dass es einem die tränen in die augen treibt.

Felix Schwenzel steht vor einem pottenhässlichen neuen Berliner Einkaufszentrum und philosophiert über potemkinsche Dörfer und festangestellte Gebäude.

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Film Rundfunk

Wiedersehen tut weh

Vor fast acht Jahren sah ich im Kino den Film “Absolute Giganten”, der mir unglaublich gut gefiel. Bis heute ist die melancholische Geschichte von drei Freunden, die eine letzte gemeinsame Nacht durchmachen, bevor einer von ihnen das Land verlässt, einer meiner absoluten Lieblingsfilme.

In diesem Film erblickte ich auch zum ersten Mal Julia Hummer und verliebte mich ein wenig in sie. Die Szenen, in denen sie mit einem Cowboyhut auf dem Kopf tanzt und die Kamera sie umkreist, zählen nach wie vor zum Tollsten, was ich je gesehen habe, und auch ihre irgendwie merkwürdige, leicht lispelnde, aber doch sehr niedliche Stimme fand ich damals irgendwie süß.

Später zeigte sie unter anderem noch in “Crazy”, “Die innere Sicherheit” und “Gespenster” ihr schauspielerisches Können und veröffentlichte 2005 mit ihrer Band Too Many Boys eine CD, von der ich nicht mehr als dreißig Sekunden hören konnte, weil es körperlich einfach nicht ging. Dann war sie weg.

Gestern habe ich Julia Hummer wiedergesehen. In einem Werbespot für die GEZ. “Hat die das jetzt nötig?”, fragte ich mich, aber ich war mir nicht ganz sicher, ob “die” jetzt Julia Hummer oder doch die GEZ war.

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Rundfunk Fernsehen

Tatort Programmdirektion

Am Samstagabend sollte im WDR Fernsehen “Herr Schmidt wird 50, will aber nicht feiern” wiederholt werden. Die Sendung mit diesem irre witzigen1 Titel, die erst am Vorabend in der ARD ihre Erstausstrahlung erlebt hatte, lief aber nicht. Nicht nur Michael vom Fernsehlexikon fragte sich, wieso.

Heute Morgen dann erfuhr ich bei der Frühstückslektüre der “Süddeutschen Zeitung” den Grund:

“Aufgrund der zu erwartenden schlechten Zuschauerakzeptanz im WDR Fernsehen haben wir uns entschieden, sie kurzfristig aus dem Programm zu nehmen und stattdessen einen ‘Tatort’ zu senden”, teilt Pressesprecherin Kristina Bausch mit.

Da fällt einem zunächst nichts mehr ein und dann eine ganze Menge.

Erstens hatte Michael offenbar (und wie’s aussieht eher unfreiwillig) Recht mit einer seiner drei Vermutungen:

Man hat festgestellt, dass 1,98 Millionen Zuschauer bei der Erstausstrahlung von Herr Schmidt wird 50, will aber nicht feiern gar keiner so guten Einschaltquote entsprechen.
Und will den vielen Blöden, die es nicht gesehen haben, bloß keine Chance geben, das Verpasste nachzuholen? Ja, klingt schlüssig.

Zweitens dürfte zumindest jedem, der nicht Betriebswirt oder Medienökonom ist, einleuchten, dass eine Sendung, die angekündigt ist, in jedem Fall mehr Zuschauer haben dürfte als eine, die nicht angekündigt ist: Wer vor dem Fernseher saß und Schmidt sehen wollte, hat die Glotze vermutlich noch während des “Tatort”-Vorspanns enttäuscht ausgetreten – und wer zu den fünf Leuten gehört, die Samstagsabend gerne noch eine “Tatort”-Wiederholung mitnehmen würden, lag wahrscheinlich schon im Bett, denn selbst auf der Internetseite des WDR stand zu diesem Zeitpunkt noch, dass “Herr Schmidt …” laufe. Die 210.000 Zuschauer (6,4% Marktanteil) waren bestimmt einfach im Fernsehsessel eingepennt.

Drittens ist das ein Satz, den man normalerweise von ProSieben-Verantwortlichen hört. Wenn ein gebührenfinanzierter Sender wie der WDR meint, seine hektische und völlig kopflos wirkende Programmpolitik mit dem Blick auf die Quote erklären zu können, verwirkt er damit in meinen Augen sofort und auf alle Zeit den Anspruch, in der Gebührendebatte ernst genommen zu werden. Programmplaner, die ihre (nicht ganz freiwillig) zahlenden Zuschauer mit dem Hinweis auf Ökonomie und Quotendruck derart vor den Kopf stoßen, wären wohl selbst fürs Privatfernsehen noch zu dreist.

Anders als dieser programmplanerische Offenbarungseid war die abgesetzte Sendung übrigens kaum der Rede wert: Sie wurde gestern Abend bei EinsFestival wiederholt und entpuppte sich als einer dieser (von den zuständigen Redakteuren vermutlich als “wahnsinnig innovativ” empfundenen) wüsten Zusammenschnitte, die weder chronologisch noch semantisch einen Sinn ergeben. Ohne Off-Sprecher oder sonst ein verbindendes Element wurden tausendmal gezeigte Szenen aus Harald Schmidts bisherigem Fernsehschaffen durcheinander gewürfelt und mit (wahrscheinlich “total ironisch” gemeinten) Szenen garniert, in denen u.a. Thomas Gottschalk, Elke Heidenreich, Ingolf Lück und immerhin auch Herbert Feuerstein vor einer gipsernen Harald-Schmidt-Büste Barockmusik vortrugen. Und weil die ARD ja jetzt alles im 16:9-Format senden muss, wurden die Ausschnitte, die noch im richtigen Fernsehformat vorlagen, an den Seiten mit einer idiotischen Blümchentapete aufgefüllt, damit das Bild voll ist. Ach, es war ganz schrecklich – könnte aber im Falle von Schmidts Ableben jederzeit wiederholt werden.

1 Demnächst wirklich an dieser Stelle: Die zehn schönsten Achtziger-Jahre-Adjektive.