Highway To DHL

Von Lukas Heinser, 26. Mai 2008 15:05

Die im folgenden geschilderte Geschichte ist natürlich nur ein Einzelfall.

So wie der, der mir im letzten Jahr passiert ist, oder der, den Anke Gröner vor zwei Wochen beschrieben hat.

12. Mai
Ich bestelle ein Buch bei Amazon.

13. Mai
Amazon teilt mir per E-Mail mit, dass das Buch abgeschickt wurde:

Lieferung voraussichtlich: 15-Mai-2008

14. Mai
Nachdem ich den ganzen Tag zuhause war, stelle ich am Nachmittag fest, dass der DHL-Bote eine Benachrichtigungskarte in meinen Briefkasten geworfen hat, ohne auch nur geklingelt zu haben.

15. Mai
Über das Kontaktformular der DHL-Website schreibe ich eine Reklamationsnachricht, in der ich mich über das Verhalten des DHL-Boten beschwere und um eine Neuzustellung bitte.

17. Mai
Da DHL bisher (wie erwartet) nicht auf meinen Kontaktversuch reagiert hat, kreuze ich auf der Benachrichtigungskarte „Wiederholung des Zustellversuchs“ an und wünsche mir eine Zustellung am 21. Mai. Die Karte werfe ich (leider keine Marke zur Hand) in den nächsten Briefkasten.

21. Mai
Es klingelt zwei Mal an der Haustüre, ich betätige zwei Mal den Türöffner. Da niemand zu meiner Wohnung kommt, gehe ich davon aus, dass es der Postbote war, der ins Haus wollte, um die hinter der Haustür befindlichen Briefkästen zu befüllen.

Als ich das Haus verlasse, sehe ich außen an die Haustür geklebt meine Benachrichtigungskarte mit dem Hinweis „2. Zust. ERFOLGLOS“.

Nachdem meine Halsschlagader wieder abgeschwollen ist, wende ich mich mit folgenden Fragen an die Pressestelle von DHL:

1. Hat sich der Zusteller bei den beiden Zustellversuchen gemäß der Firmenphilosophie verhalten? Wäre er zu einer Zustellung an der Wohnungstür (4. Stock, Fahrstuhl) verpflichtet, oder ist der Zustellversuch an der Haustür (ohne Gegensprechanlage) ausreichend?
2. Gibt es eine Regelung, nach der Päckchen nicht mehr (wie früher üblich) bei den Nachbarn abgegeben werden sollen oder obliegt die Entscheidung darüber dem Zusteller?
3. Wie lange dauert üblicherweise die Beantwortung eines Kontaktversuchs über die Internetseite von DHL?
4. DHL wirbt auf der Homepage mit dem Siegel als „Computer-Bild Testsieger“. Entspricht das Verhalten des Zustellers dem Ruf des Unternehmens?
5. Wie kann ich sichergehen, dass mir Päckchen auch wirklich zugestellt werden, und ich nicht erst eine Woche warten und dann noch zu einer abgelegenen Postagentur fahren muss?

22. Mai
Feiertag in NRW.

23. Mai
Unter Einsatz von Bussen1 und Straßenbahnen (man kennt seine Heimatstadt ja sowieso immer viel zu wenig) fahre ich zur „Postagentur“, die in einem Bekleidungsgeschäft in Altenbochum untergebracht ist.

Nach längerer Suche bekomme ich mein Päckchen, der Mann am Schalter bedauert meine Unannehmlichkeiten, für die er selbst ja gar nichts kann. Das ganze Vorhaben kostet mich eine Stunde meines Lebens.

26. Mai
Immer noch keine Reaktion von der DHL-Pressestelle. Teile meiner Fragen kann ich mir aber mithilfe der „Allgemeine Geschäftsbedingungen der DHL PAKET/ EXPRESS NATIONAL“ auch selbst beantworten:

Ist der Zustellversuch an der Haustür ausreichend?

4 Leistungen der DHL
(1) DHL befördert die Sendungen zum Bestimmungsort und liefert sie an den Empfänger unter der vom Absender genannten Anschrift ab. DHL unternimmt dabei zwar alle zumutbaren Anstrengungen, um die Sendung innerhalb der Zeitfenster entsprechend ihren eigenen Qualitätszielen (Regellaufzeiten) abzuliefern.

Gibt es eine Regelung, nach der Päckchen nicht mehr (wie früher üblich) bei den Nachbarn abgegeben werden sollen?

(3) DHL darf Sendungen, die nicht in der in Absatz 2 genannten Weise abgeliefert werden können, einem Ersatzempfänger aushändigen. […]
Ersatzempfänger sind
1. Angehörige des Empfängers oder des Ehegatten, oder
2. andere, in den Räumen des Empfängers anwesende Personen, sowie dessen Hausbewohner und Nachbarn, sofern den Umständen nach angenommen werden kann, dass sie zur Annahme der Sendungen berechtigt sind; EXPRESS BRIEFE werden nicht an Hausbewohner und Nachbarn ausgehändigt.

28. Mai (Nachtrag)
In meinem Briefkasten finde ich einen Brief von DHL, datiert vom 26. Mai. Was drin steht, steht hier.

  1. Der Bus, der einmal pro Stunde verkehrt, kommt fünf Minuten zu spät, bei seiner Ankunft steigt der Busfahrer aus, um eine Zigarettenpause zu machen. []

32 Kommentare

  1. Jens
    26. Mai 2008, 15:13

    Tut mir leid für Dich, aber im Großen und Ganzen habe ich mit der DHL (außer mal mit einem auch gebloggten Beispiel) weniger Probleme als mit anderen Anbietern gehabt.
    Gerade Bestellungen von Amazon via DHL klappen – in Zusammenarbeit mit der Packstation, die in Kirschkernspuckreichweite entfernt liegt – sehr gut.

  2. olli
    26. Mai 2008, 15:15

    solche Briefe nicht an die Pressestelle schicken, sondern an den Aufsichtsratsvorsitzenden. Dann bekommst Du auch eine Antwort.

  3. moeffju
    26. Mai 2008, 15:23

    Ich stimme Jens zu. Wir versenden fast ausschließlich mit DHL und haben, was Tracking, Laufzeiten und Handling angeht bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Bisher gingen nur zwei Pakete von mehreren Tausend verloren, zwei wurden fälschlich nicht beim ersten Mal zugestellt. Die Laufzeitquote ist >90%.

    Das größte Problem sind die Fahrer. Da kann ich nur empfehlen, nicht das Formular auf der Webseite zu benutzen, sondern bei der Hotline anzurufen. Wenn sich ein paar Leute beschwert haben, werden schlechte Fahrer auch mal ersetzt. Außerdem ist man bei der Hotline direkt an Menschen dran und kriegt normalerweise auch Gutscheine und so als kleine Wiedergutmachung.

  4. mspro
    26. Mai 2008, 15:25

    Ich habe genau diese Erfahrungen rund 15 bis 20 Mal gemacht. All meine Aufregung ist in dem Schwarzen Loch namens DHL verschwunden.
    Dass die Bringer es als unzumutbar ansehen Klingeln zu drücken oder Treppen zu steigen ist nicht die Ausnahme sondern ganz klare Regel. In meinem Fall ca. 70%.

    Man muss sogar froh sein, überhaupt eine Zustellkarte zu bekommen. Das wird auch gerne mal weggelassen. Eines meiner Pakete wurde tatsächlich zurückgeschickt, weil ich schlicht nicht wusste, dass es versucht wurde zuzustellen. Ein andermal war ich schlauer und hab selber bei der Hotline angerufen und konnte so mein Paket retten. Wieder ein anderes Mal bin ich auf Verdacht hin, und da war es. Ein Tag bevor es zurückgesendet werden sollte.

    Von all den Zustellungsarten, die es sonst noch so gab: Vor der Haustür, im Treppenhaus etc. will ich gar nicht sprechen, aber nur, weil ich nur Bücher kaufe und selten was wertvolles.

    DHL ist glaube ich der nichtsotollste Paketdienst der Welt. Ich hab sogar schon mal Amazon ne Mail geschrieben, wie es ihre Marke so verkraftet mit diesem Unternehmen zu kooperieren.

    Das geilste war aber ein Kumpel, der versuchte selber ein Paket nach Spanien zu schicken, DHL-Express. Die Website, die Hotline, der Paketmann vor Ort und dessen Chef am Telefon hatten jeweils eine eigene Meinung, wie teuer das jetzt sei. Aus irgendeinem Grund immer 20 Euro mehr, als bei der letzten Anfrage. Klar mussten er dann den höchsten der 4 Preise zahlen. Es war einfach völlig absurd.

  5. Kixx
    26. Mai 2008, 15:31

    Das ist kein Einzelfall und auch lange nicht nur bei DHL so. Das gilt auch für Zustelldienste wie Trans-O-Flex, Hermes, UPS oder sonstige Namen, die einem so einfallen.

    Richtig bekloppt finde ich die Firmen, die dann auf die Karte einen neuen Zustelltermin schreiben, meinetwegen 28.05., 11 Uhr – das ist ja toll, aber wenn ich da arbeiten muss, nutzt mir das gar nichts und im Zweifel kann ich auch niemanden organisieren, der dann da ist.

    Dass die selten klingeln und gleich die Karte ranhängen, kann ich mir nur so erklären, dass die in einer bestimmten Zeit alle Pakete im Bezirk xy ausgeliefert haben müssen…wäre jedenfalls eine Theorie.

  6. Lukas
    26. Mai 2008, 15:32

    @Jens: Interessant, dass Du die Packstation erwähnst. Ich vermute nämlich, dass mindestens unser Zusteller dafür sorgen will, dass ich eine Packstation beauftrage, damit er nicht mehr so viel durch die Gegend fahren und Päckchen in den vierten Stock bringen muss. Ich sehe aber gar nicht ein, warum ich einem Unternehmen, das ich indirekt dafür bezahle, mir Sachen ins Haus zu liefern, genau diese Dienstleistung abnehme.

    @mspro: Jetzt wo Du’s schreibst, fällt mir ein, dass im Dezember ein Päckchen an den Absender zurückging, von dem ich nicht mal wusste, dass ich es hätte abholen sollen.

  7. ckwon
    26. Mai 2008, 16:35

    Tja, und genau dieser Zusteller wird sich vielleicht irgendwann wundern, wenn alle Leute nur noch Packstationen verwenden und er sich bei der Bundesagentur für Arbeit melden darf…

    Solche Leute sägen an dem Ast auf dem sie sitzen.

  8. Jens
    26. Mai 2008, 16:43

    Ich vermute ja, dass der schlechte Ruf von DHL daher rührt, dass nahezu jeder Privatkunde schon Erfahrungen damit gemacht hat – teilweise richtig viele. Und je mehr Erfahrungen man damit gemacht hat umso mehr schlechte Erfahrungen gibt es auch damit.

    Ich kann schließlich mit meinen xx DHL-Zustellungen im Jahr deutlich eher schlechte Erfahrungen machen als mit den an einer Hand abzuzählenden DPD/UPS/etc.-Erfahrungen. Prozentual gesehen mag dann die private Konkurrenz auf jeden Fall schlechter sein (siehe z.B. meinen DPD-Bericht), aber man erinnert sich bei DHL eher dran, da es nominell häufiger auftritt.

    Die Packstation halte ich aber für mich bzw. für einen Großteil der Berufstätigen für eine geniale Erfindung. Nur: Zwangsweise sollte das nicht erfolgen.

    Ich gehöre ja zu den Versandkunden die sich schon gegen einen Händler entschieden haben, weil dieser keine DHL-Zustellung anbietet.

  9. yeda
    26. Mai 2008, 17:38

    Ich persönlich kann es ja gar nicht leiden, wenn Pakete bei meinen Nachbarn abgegeben werden. Dann muß man denen so umständlich hinterherlaufen. Ich habe zB einen Nachbarn, der kann halt Pakete immer super annehmen, weil er Spät-/Nachtschicht hat, aber er ist nie da, wenn ich mein Paket abholen will. Und mein Rückgaberecht läuft dann wahrscheinlich schon, weil irgendwer hat ja für das Päckchen unterschrieben, oder?

    Außerdem habe ich nach mehreren Paketen beim gleichen Nachbarn auch immer ein schlechtes Gewissen: daß ich den Nachbarn als praktischen Postannehmer mißbrauche; daß ich den Nachbarn dazu treibe, den Empfang von Paketen zu quittieren, von denen er nichtmal weiß, was drin ist (und die ich vielleicht gar nicht angenommen hätte: wg. zerrissener Verpackung oder einfach weil ich mich nicht entsinnen kann, was bestellt zu haben).

    Da gehe ich lieber zur Post und lasse meinen Nachbarn unbehelligt.

  10. Lars
    26. Mai 2008, 18:32

    @Lukas

    Kann es sein, dass Du Dich bei dem Datum geirrt hast? Feiertag war doch bei Euch am 22. Mai und nich am 21. Mai und demzufolge warst Du wahrscheinlich am 23. Mai bei der Post, weil die ja nicht Feiertags auf haben, oder?

  11. ix
    26. Mai 2008, 18:38

    ix tendiere ja auch dazu einfach zu sagen, dass die zusteller sich mit solchen leistungen selbst überflüssig machen und beste werbung für die packstation machen. nur sagt sich das ja leicht, wenn man die bedingungen nicht kennt unter denen sie arbeiten müssen. vielleicht isses blödheit, vielleicht faulheit oder eben überlastung oder schlechte disposition. vielleicht erbarmt sich ja irgendwann mal ein wallraff2 und macht mal ne undercover-reportage vom paketboten-alltag. damit ich die situation besser beurteilen kann und milde mit den packetboten walten lassen kann oder eben meinen vorurteilen gegenüber paketboten weiter fröhnen kann.

    abgesehen davon würde ich sagen, dass die überschrift so ungefähr die viertbeste überschrift dieses jahres ist, die ich gelesen habe. viertbeste nur, weil das jahr bereits reich an guten überschriften war.

  12. Peer
    26. Mai 2008, 19:01

    Du willst, dass deine Pakete bei den Nachbarn abgegeben werden? Wo man dann zig mal hinläuft und Sturm klingelt, aber nie einer da ist? Und dann, wenn mal einer da ist, heißt es: Ich hab nix entgegengenommen. Woraufhin man bei DHL anruft und fragt, ob es möglich wäre, den Zusteller seine Schrift entziffern zu lassen, der DHL-Mitarbeiter Kontakt mit dem Zusteller aufnimmt und der mitteilt, welchen Namen er genau auf die Karte geschrieben hat – und dann geht die Klingelei von vorne los. DAS WILLST DU??? Lukas!

    Schöner ist aber übrigens noch das Verhalten des schlechtesten Zustelldiensts der Welt, DPD nämlich. Der Kollege hat regelmäßig alles beim Bestattungsunternehmer um die Ecke abgegeben, Öffnungszeiten: 11 bis 16 Uhr. Super Witz.

  13. Nummer 9
    26. Mai 2008, 19:29

    Die Überschrift ist übrigens wirklich äußerst gelungen. Schade finde ich, dass Peer meinen Eintrag jetzt schon vorweg genommen hat. Aber ich sage es trotzdem noch.

    Sehr beliebt bei meinem Zusteller ist auch die Variante „ich gebe es beim Arzt ab“. Dieser sitzt praktischerweise bei mir im Haus. Dummerweise arbeitet der aber immer dann, wenn ich auch auf der Arbeit bin. So bleiben die Pakete dann schon mal ne Woche dort liegen.

    Ich gebe zu, die Geschichte mit dem Bestattungsunternehmer hat etwas mehr Charme.

  14. Marsellinho
    26. Mai 2008, 19:34

    Der einzige Versender mit dem ich ausschließlich gute Erfahrungen gemacht habe (auf internationaler Ebene) ist FedEx. Die liefern sehr zuverlässig und sind auch angenehm flexibel was das Abholungsprozedere angeht. Problem nur: Diese Qualität kostet auch leider ihren Preis.

    Beruflich versenden wir national per DPD, was beim derzeitigen Fahrer auch sehr akzeptabel läuft. Da merkt man dann aber auch wiederum wie stark personenabhängig das von der Seite her ist, denn bei mehreren vorherigen Fahrern war das extrem bescheiden.
    Wobei man aber auch einfach den enormen Zeitdruck beachten muss, unter dem die Abholer/Auslieferer stehen. Und wenn dann die Bestellzentrale dem Fahrer z.B. nicht mitteilt, dass man 10 Pakete auf einmal versenden will, sondern in dessen Unterlagen nur 1 Paket verzeichnet ist, dann muss man da auch mal etwas Verständnis für die Fahrer aufbringen (bei uns geht das ja noch, da wir im 1. Stock sitzen).

    DHL selbst nutzen wir selten und für den internationalen Versand schon mal überhaupt nicht mehr, da die Lieferzeiten unmenschlich lang sind, der Verbleib der Pakete oft genug ungeklärt bleibt und zudem der Preisvorteil oftmals nicht so groß ist, als dass es sich lohnt.

  15. Lukas
    26. Mai 2008, 19:46

    @Lars: Du hast natürlich völlig recht, da habe ich mich vertan (wichtigster Indikator: auch in diesem Jahr gab es nur einen 21. Mai). Vielen Dank, jetzt isses korrigiert

    @Peer: Och, das lief hier früher eigentlich ganz gut: WG 1 (direkt hinter der Haustür) war da quasi die Postzentrale des Wohnheims, wo Abends schon mal so sechs bis acht Pakete zur Abholung bereitstanden. Und da dort drei Leute wohnen, war eigentlich auch immer jemand da.

    Abfinden könnte ich mich mit dieser Lösung: ein Zustellversuch (also ein ernst gemeinter) und anschließende Lagerung in der Packstation.

  16. SvenR
    26. Mai 2008, 19:59

    Ich habe auch schon öfters schlechte Erfahrungen mit DHL gemacht. Bei uns ist das noch doofer, weil wir in einer Kleinstadt an der Grenze zwischen zwei „Zustellgebieten“ wohnen. Und man kann sicher sein, wenn „Postfiliale“ auf dem Abholschein steht, dass man dann bei der „Postagentur“ fündig wird. Außer, wenn man meint das Muster gefunden zu haben, und absichtlich zur falschen fährt. Am liebsten war mir einer, der weder die eine noch die andere Abholstelle angekreuzt hat. Und das mir jetzt keiner mit „da kann man doch vorher anrufen und nachfragen“ kommt. Die sagen immer „Jaja, das Paket ist hier“. Und wenn man dann da ist, und das Paket nicht da ist, dann hat man am Telefon nie eine Auskunft gegeben, dass dürfe man nämlich gar nicht!

    Seit geraumer Zeit bestelle ich alles nur noch ins Büro in Frankfurt, das klappt komischerweise immer.

  17. Jan
    26. Mai 2008, 20:55

    Habt ihr Interesse an der anderen Seite der Geschichte?

    Ich bin Fahrer bei DHL, wenn auch nur aushilfsweise und kenne die Probleme, die ihr beschrieben habt sehr genau. Ich kann sie erklären, wenn auch entschuldigen.

    Ich weiß aber noch nicht genau, was die Intention des Artikels oben ist. Wenn dich interessiert zu erfahren, wie sowas kommt und warum dir die Pressestelle (Hallo?) nicht antwortet, dann steige ich gerne in die Diskussion mit ein.

  18. Jan
    26. Mai 2008, 20:56

    PS: Es muss natürlich heißen: „Ich kann sie erklären, wenn auch NICHT entschuldigen.“

  19. Lukas
    26. Mai 2008, 20:58

    Ich habe sehr großes Interesse, die andere Seite kennenzulernen.

    Die Intention meines Eintrags ist: ich habe mich ziemlich geärgert und dachte, eine kleine Selbsthilfegruppe könnte mir und anderen weiterhelfen.

  20. nele
    26. Mai 2008, 21:00

    Selbe Erfahrung, diverse Male. Nur dass man zu unserer seltsamen Abholstelle nur mit Bus und dann KILOMETERWEIT zu Fuss kommt, mitten im Industriegebiet.
    Das mit den Nachbarn ist aber auch relativ. Denn einerseits hasse ich es (EG…) dass ich dauernd als Abgabestation umfunktioniert werde (ich erinnere sie zwar immer an den Schein, muss aber trotzdem regelmäßig hochsteigen und den Nachbarn die Pakete selber bringen), andererseits:
    Wenn sie’s mal falsch machen, dann richtig: Unser kleines, aber wertvolles Päckchen mit dem Absender „Apple“ wurde trotz Vermerk auf dem Adressaufkleber (DO NOT DELIVER TO NEIGHBOURS!) bei den Nachbarn abgegeben…

  21. ckwon
    27. Mai 2008, 9:54

    Jan, ich kann mir vorstellen, dass Paketbote nicht der bestbezahlteste Job ist und kann mir auch vorstellen, dass DHL/UPS/Hermes oder wer auch immer da auch ordentlich Druck aufbauen.

    Aber es gibt Dinge, die gehen in meinen Augen einfach nicht. Einfach Zettel in Briefkasten werfen ohne zu klingeln z.B. Oder ein Einschreiben, dass ich hätte unterschreiben müssen einfach einwerfen, obwohl ich da war.

    Das ist nämlich miese Arbeit. Dann lieber die Pakete, die man auszutragen schafft, abgeben und die Tour nicht fertig machen, wenn Überstunden nicht ordentlich bezahlt werden. Dann zwingt man auf Dauer nämlich den Chef dazu, die Route kleiner zu machen.

  22. dienstagmorgenkaffee
    27. Mai 2008, 10:20

    meine momentane geschichte ist zwar nicht ganz so schlimm, lässt mich aber erheblich an den fähigkeiten der DHL zweifeln. das schlimmste ist aber…man kann viel schimpfen und jammern, es wird sich nichts ändern!

    am freitag wurde ein packet an mich verschickt. nach meinem gestrigen anruf bei dem DHL service erschien es nun endlich im tracking(!) und es wurde wohl nun auch endlich auf „reisen“ geschickt. ja, von freitag bis montag nacht (dem zeitpunkt als meine beschwerde die verantwortliche stelle erreichte) lag mein paket an dem ort, wo es aufgegeben wurde.

    desweiteren erzählte mir die sehr freundliche mitarbeiterein am telefon, dass meine 12-stellige trackingnummer bereits schon mehr als 4 mal vergeben wurde. das muss man sich erstmal auf der zunge zergehen lassen!

  23. Jan
    27. Mai 2008, 13:56

    Ok. Ich versuche, meine Gedanken in mehreren Abschnitten zu schreiben, weil nicht nur dein Artikel @Lukas ne Menge hergibt, sondern auch die anderen Kommentare und die Beiträge sollen nicht so lang werden, dass das Lesen schon keinen Spaß mehr macht. Haltet mir bitte zugute, dass ich die Zustände so wie sind weder entschuldigen kann noch will. Vielleicht kann ich dem einen oder anderen aber helfen, seinen Hals auf die Post zu verringern, in dem er beim nächsten Mal weiß, wie er eine ärgerliche Situation verhindert.

    Zum Fall von Lukas: Ich geh mal davon aus, dass du wirklich in der Nähe und in Bereitschaft warst, auf die Klingel zu reagieren. Es kommt nämlich auch schon mal vor (gerne bei älteren Damen), dass die gerade unter der Dusche stehen und die Klingel einfach nicht hören und sich dann beschweren.

    Bei dir hat vermutlich wirklich der Zusteller versagt. So weit, so ärgerlich. Den zweiten Teil – dass deine Reklamation nicht bearbeitet wurde, hast du dir zu nem großen Teil selbst zuzuschreiben, würde ich meinen.

    Ich habe mal geschaut, was für ein Formular du auf der Website verwendet haben musst. Ich habe nur eins für Schadensmeldungen gefunden, nicht aber für so ein „einfaches“ Anliegen (und das ist es für DHL). Und dass dir die Pressestelle nicht antwortet, wundert dich nicht wirklich, oder? Die sind für sowas wirklich nicht zuständig und außerdem gerade damit beschäftigt, die Einweihung des Drehkreuzes in Leipzig zu feiern.

    Wenn du nochmal Ärger mit den Leuten vor Ort hast, würde ich empfehlen, die 01805/3452255 – also die Hotline, wie sie auch auf den Autos steht – anzurufen. Auch da gibt es natürlich keine Garantie, dass die alles so machen, dass du zufrieden bist, aber die Wahrscheinlichkeit ist dort noch am höchsten. Die nehmen den Fall und leiten ihn die Vorgesetzten des Fahrers deines Bezirks weiter. Diese wiederum sind angehalten, Probleme abzustellen. Wie gesagt, klappt nicht immer, aber doch öfter.

    Zu den Ursachen des Problems: s. nächster Beitrag.

  24. Jan
    27. Mai 2008, 14:27

    Ich bin „Abrufkraft“ neben dem Studium. Verglichen mit den Festangestellten geht es mir dort vergleichsweise gut. Die Post zahlt nach der Straßenbahngesellschaft den zweithöchsten Lohn und ich muss nur soviel arbeiten wie ich Zeit habe. Im Bezirk habe ich aber die gleichen Probleme und aus Gesprächen und Betriebsversammlungen bekommt man ne Menge mit.

    Es gibt bei dieser Zustellung so viele Probleme, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll und auch nicht spontan alles hinschreiben kann, mehr ergibt sich vielleicht aus der Diskussion mit euch.

    Das Hauptproblem ist wohl, dass die Post unter enormem Kostendruck steht. Es gibt mittlerweile einige wirklich gute Konkurrenten, die Strukturen bei der Post sind aber zT immer noch wie zu Zeiten des Staatsunternehmens.

    Es gibt noch Beamte, die kann man nicht rauswerfen, ansonsten wird die Zahl der Beschäftigten immer weiter reduziert. ckwon meint, der Zusteller wird sich wundern, wenn er irgendwann durch diesen Automaten ersetzt wird: Nein, das wird er nicht, das weiß er. Sein eigenes Unternehmen will das so – um Kosten zu sparen.

    Gleichzeitig wirbt man aber wie bekloppt und senkt die Preise. Die Leute kennen ihre Post und finden Filialen besser als Depots, die Sendungsmenge steigt.

    Mehr Sendungen und weniger Leute, man kann sich denken, dass das nicht gut geht. Morgens hat man zwischen 170 und 200 Sendungen (an normalen Tagen, vor Weihnachten u.ä. gerne auch mal das doppelte) und laut Unternehmen 2 Minuten pro Haus hat (bei nem Altbau mit fünf Etagen ohne Aufzug sehr witzig).

    Nächstes Problem ist, dass es total unlogisch ist, den Leuten ihre Post bringen zu wollen, wenn sie arbeiten sind. Darum bekommen wir gerade eine Abendzustellung, wo wir dann auch noch mal zwischen 17 und 20.30 Uhr zu den Leuten kommen.

    Ein zusätzliches Riesenproblem dass sich viele unserer geschätzten Kunden überhaupt keine Gedanken über den Job und seine Probleme machen. Ihr müsstet mal die blöden Ausreden hören, bloß nichts für den Nachbarn nehmen zu müssen.

    Um nochmal konkreter zu deinem Problem zu kommen, Lukas: Der Stammzusteller, der den Bezirk, kennt normalerweise alle Ecken und wieß auch, wo die Sachen los wird. Der wird so ne Aktion schon nicht bringen, weil ihm bei zu vielen Beschwerden die Absetzung droht oder er den Kunden jeden Tag entgegentreten muss. Das Problem sind die Leute, die ihn an seinem freien Tag, bei Urlaub oder Krankheit ersetzen. Aus irgendeinem Grund meint man immer noch, Postzustellung könne jeder machen. Stimmt aber leider nicht, auch hier braucht man ein Mindestmaß an Charakter, um den Job ordentlich zu machen.

    Deswegen ist es auch nur eine Hoffnung von ckwon, dass liegengelassene Pakete zu einer kleineren Route führen: Tun sie nicht, sie führen nur zu deiner Entlassung, weil 1000e Arbeitslose, Ungelernte etc bereitstehen und man wie in vielen anderen Branchen auch sowieso lieber 400€ Kräfte hat, für die man kaum Abgaben zahlt.

    Wie gesagt, das waren jetzt 0,05% des Ganzen. Aber um alles hinzuschreiben, reicht leider die Zeit nicht. Vielleicht kommt ja noch was in den nächsten Beiträgen hinzu.

  25. Lukas
    27. Mai 2008, 14:48

    Vielen Dank, Jan, für Deine Schilderungen. Zustände in der Art hatten sich einige Kommentatoren ja auch schon gedacht.

    Zur Kontaktaufnahme habe ich dieses (wirklich unfassbar gut versteckte) Formular verwendet. DHL ist ja nicht gezwungen, eine Online-Kontaktaufnaheme zu ermöglichen, aber wenn man eine anbietet, sollte man auch auf Kundenanfragen reagieren. Und warum ich eine Hotline anrufen soll, die 14 Cent in der Minute kostet, ist mir völlig schleierhaft – warum soll ich für das offensichtliche Versagen meines Gegenübers auch noch bezahlen? (Vermutlich ist gerade das der Trick, Leute von Beschwerden abzuhalten.)

    Warum ich mich an die Pressestelle gewandt habe?

    Sehr geehrter Herr XY,

    ich betreibe das Weblog http://www.coffeeandtv.de/, wo ich normalerweise über Medienthemen schreibe. Aufgrund persönlicher Erfahrungen werde ich dort demnächst über DHL schreiben und möchte Ihrem Unternehmen die Möglichkeit geben, dazu Stellung zu beziehen.

    Wenn DHL von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen wollen, ist das deren Sache.

  26. Thomas
    29. Mai 2008, 12:55

    Im Zusammenhang mit 0180x-Nummern empfehle ich das 0180-Telefonbuch. Dort ist von vielen Unternehmen die direkte Durchwahl zu ermitteln:

    http://www.tk-anbieter.de/0180/suche.html

  27. Susanna
    31. Mai 2008, 23:25

    Schoen ist auch meine Erfahrung mit DPD – die sollten mir vor kurzem ein bestelltes Pakte liefern. Leider hatte ich aber nur die Stadt und nicht den Ortsteil angegeben. Und leider gibt es den Strasseennamen zweimal in der Stadt – aber mit unterschiedlichen Postleitzahlen. Das Paket wurde natuerlich prompt in den falschen Ortsteil mit der falschen Postleitzahl geliefert. Wie bloed muss man eigentlich sein? Das Verteilerzentrum liegt sogar im gleichen Ortsteil, wo das Paket hin sollte – ich kann es von meinem Haus aus sehen.

  28. Coffee And TV: » Der Weg ist das Ziel (2)
    4. August 2008, 11:55

    […] war im Mai bei DHL so (Teil 1, Teil 2) und es ist auch jetzt bei der Deutschen Bahn wieder […]

  29. dongringo
    12. August 2008, 16:38

    die sagen ja das päckchen circa einen bis drei tage brauchen…also ein kollege hat am freitag um 14:00 von 41… ein päckchen nach 69…. aufgegeben. es ist noch nichts gekommen. bin eben auf der post gewesen, es liegt natürlich keine sendung für mich da….. in zukunft nie wieder päckchen, sondern nur noch pakete…grrrrr

  30. Coffee And TV: » Packende Geschichte
    10. November 2008, 14:42

    […] den Erzengel Gabriel verärgert haben, denn anders lässt sich die Art und Weise, in der Post- und Paketzusteller mich behandeln, kaum noch erklären. Oder, um es freundlicher auszudrücken: Es […]

  31. Geri
    30. Dezember 2008, 13:44

    Beschwerden nie an die Pressestelle schicken, die beschäftigen sich zwar mit der Öffentlichkeit, aber nur, wenn es um Journalisten geht.

    Gute Chance haste, wenn Du tatsächlich Journalist bist und mit einer hübschen „Enthüllungsstory“ drohst. Bist Du kein Journalist, wird Deine Anfrage an die Qualitätssicherung oder wie die Abteilung bei DHL heißt, weitergeleitet…ich arbeite selbst in der Unternehmenskommunikation;)

  32. Coffee And TV: » I love you, you pay my rant
    11. Juli 2009, 16:18

    […] Aber das wäre natürlich noch steigerbar: Wenn ich mit dem Bus nach Altenbochum fahren müsste, um in der Postagentur festzustellen, dass mir jemand ein Päckchen Sondermüll […]