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Politik Gesellschaft

No Meat Today

Ich weiß, das Thema ist alt und eigentlich längst … gegessen, aber gerade poppte in meinem Gehirn dann doch noch eine Frage zum sogenannten “Veggie Day” auf:

Warum wäre es eigentlich empörend, wenn der Staat uns vorschriebe, was wir (oder: Menschen, die in einer Kantine essen müssen) an einem Wochentag nicht essen sollen, aber es ist überhaupt nicht empörend, wenn eine Firma, die bei der Ausschreibung des Kantinenbetriebs am billigsten war, uns vorschreibt, was wir an allen Tagen essen sollen?

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Musik

Die Kinder des Rock ‘n’ Roll

Schwarmintelligenz, ich brauche Eure Hilfe!

Gestern postete einer meiner Facebookfreunde dieses Video:

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So weit, so … äh: gut.

Beim Hören fiel mir aber wieder ein, dass meine Schwester früher (hier im Sinne von: ca. 1991/92) eine Kassette hatte, auf der aktuelle englischsprachige Songs von Kindern in einer mutmaßlich sinnentstellenden deutschen Sprachfassung vorgetragen wurden. Die Refrainzeile “Tell it like it is” lautete jedenfalls “Schneller als der Wind”.

Ebenfalls auf dieser Kassette enthalten war eine Version von Phil Collins’ “Another Day In Paradise” und ich meine auch eine vom “Shoop Shoop Song”, der damals durch Cher wieder populär geworden war.

Doch das Internet, Hort allen Wissens, weiß nichts von alledem!

Nun ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass ich bei einer Expedition des elterlichen Kellers auf eine Kiste stoßen könnte, in der die gesuchte Kassette noch vor sich hin schlummert. Ich wäre nur vermutlich mehrere Wochen mit der Suche beschäftigt und habe große Angst, dabei noch auf irgendwelche zerfledderten Teddybären, halbgelutschte Bonbons und meinen Chemiebaukasten zu stoßen.

In jedem Fall würde ich die Suche ungern beginnen, ohne dass mir vorher nicht irgendjemand wenigstens bestätigen konnte, dass es diese Kassette, die mutmaßlich Teil einer ganzen Reihe war, tatsächlich gegeben hat!

Ich danke Ihnen!

Und damit zu einem anderen Lied, das mir neulich halb-versehentlich wieder untergekommen ist:

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(Das Original ist bei YouTube natürlich gesperrt.)

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Print Digital

Gute Frage

Seit einiger Zeit stellt die “Rheinische Post” in ihren Lokalteilen die “Frage des Tages”: Mehr oder weniger gut aufgehängt an einen Artikel der aktuellen Ausgabe müssen sich die Leser für “Ja” oder “Nein” entscheiden. Die Fragen reichen von allgemein (“Interessieren Sie sich für die Geschichte Ihrer Heimatstadt?”, “Sind Sie verärgert über den Winterdienst?”) bis hin zu für Außenstehende unverständlich (“Bedeutet das Abschneiden der Musikschüler beim Wettbewerb Jugend musiziert einen Imagegewinn für Wesel?”, “Begrüßen Sie die den Beschluss des RAG-Regionalrates?”).

Am nächsten Tag wird das Ergebnis des Vortages bekannt gegeben (ohne Nennung der Teilnehmerzahl) und die nächste egale Frage gestellt. So sind jeden Tag ein paar Quadratzentimeter Zeitung sicher gefüllt und “RP Online” bekommt auch noch ein paar Klicks ab.

Heute stellt die Lokalredaktion Dinslaken endlich mal eine Frage zur Abstimmung, die nicht ganz so egal ist:

Frage des Tages: Ja Nein Abschicken

Nachtrag, 11.50 Uhr: Angeregt durch diesen Eintrag hat “RP Online” die Frage nachgereicht. Sie ist nur minderphilosophisch, für Außenstehende unverständlich und lautet:

Finden Sie es gut, dass die Toilettenanlage im Burgtheater erneuert wird?

Und: Nein, es geht nicht um Wien.

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Digital Politik

Volles Vertrauen, hier in Deutschland

In der letzten Zeit habe ich mit mehreren Radioleuten gesprochen, die sich beklagten, dass viele Bands heutzutage kein Interviewtraining mehr von den Plattenfirmen bekämen und deshalb im Gespräch oft etwas konfus rüberkämen und keine guten O-Töne lieferten.

Nun könnte man einwenden, Musiker müssten ja nicht primär gescheit daher reden, sondern vor allem schöne Musik machen. Anders verhält es sich da schon bei Politikern: Noch bevor die neue Bundesregierung im Amt ist, haben einige Kabinettsmitglieder schon durch außergewöhnliche Pressekonferenzen von sich reden gemacht.

Der designierte Außenminister Guido Westerwelle weigerte sich, eine englischsprachige Frage eines BBC-Reporters anzuhören und belehrte diesen, dass er sich in Deutschland befinde. Bundeskanzlerin Angela Merkel kanzelte einen niederländischen Reporter ab, der Zweifel an der Kompetenz Wolfgang Schäubles als Finanzminister wegen dessen Verstrickung in die CDU-Parteispendenaffäre äußerte.

Beide Antworten hätten sich vor wenigen Jahren noch versendet — heutzutage wurden sie innerhalb weniger Stunden ein paar Tausend Mal auf YouTube angeschaut und via Internet weiterverbreitet. Für viele User scheint sich zu bestätigen, was die Illustrierte “Der Spiegel” heute aus der Kristallkugel berichtet: Schwarz/Gelb wird ein Desaster.

Ich habe Fritz Goergen, der früher Strategieberater führender FDP-Politiker war und heute als freier Kommunikationsberater arbeitet, nach seiner Einschätzung des Themas gefragt und er war so freundlich, einen kleinen Gastbeitrag zu verfassen:

Politik? Bitte internetter.

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Digital Leben

Coffee And FH

Ich habe während meines Studiums mehrfach darüber nachgedacht, einfach alles abzubrechen. Einer dieser Momente war, als eine Dozentin nach einer Klausur, die weite Teile der Studentenschaft – mich eingeschlossen – schwer verbockt hatten, Zettel mit den “lustigsten Antworten” verteilte. Zwar standen keine Namen dabei, aber ich empfand diesen Vorgang durchaus als Bloßstellung — zumal die Vorlesung sterbenslangweilig und von “lustig” bis zu diesem Punkt nie die Rede gewesen war.

Der Fachbereich Medien der Hochschule Mittweida hat offenbar den selben Humor wie meine damalige Dozentin und stellt “einige Gründe für die zuweilen ausgebrochene Heiterkeit unter den sonst doch so gestrengen Wissenschaftlern” gleich ins Internet.

Darunter:

Frage: Die Begriffe “Pearl” und “Java” klingen wie exotische Mixgetränke oder Modedrogen, bezeichnen aber etwas anderes, nämlich was?
Antwort: “Nein, das sind Kaffeesorten”. (Richtig: Programmiersprachen)

Hahahahaha, was für ein Idiot!

Es sei denn natürlich, er meinte Java-Kaffee und die “Partnership for Enhancing Agriculture in Rwanda through Linkages” (PEARL), die sich in Ruanda vor allem um den fairen Anbau von Maniok und … äh Kaffee bemüht.

(Und warum die Programmiersprache Java jetzt ausgerechnet eine Kaffeetasse als Logo hat, das kann ich Ihnen natürlich auch nicht sagen.)

[via Katti]

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Gesellschaft

Von den Autoren von “Koreanische Gebrauchsanleitungen”

Studiengebühren sin sozial GERECHT & NICHT Steine können fliegen

Ich frage das wirklich ungern, aber: Wie viele Semester Germanistik müsste ich wohl noch studieren, um dieses Transparent an der Bochumer Uni-Bibliothek sinnentnehmend lesen zu können?

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Rundfunk Politik

Börek Obhammer

In einer Woche wird in den USA ein neuer Präsident gewählt.

Ob die deutschen Journalisten bis dahin noch lernen werden, dass der Name des demokratischen Kandidaten [bəˈrɑːk oʊˈbɑːmə] ausgesprochen wird und nicht [‘bæræk o’bæmɑ]?

Nachtrag, 13:22 Uhr: Auf vielfachen Wunsch gibt’s das Ganze jetzt auch audiovisuell:

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[Direktlink]

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Leben

CSI Bochum

Ich kam um Mitternacht in unsere Wohnung und fand, dass es irgendwie seltsam verbrannt roch.

In der Küche waren alle Fenster und Türen sperrangelweit offen und der Herd war mit geheimnisvollen schwarzen Rückständen übersät. Beim Blick auf den vier Monate alten Rauchmelder im Wohnungsflur stellte ich fest, dass dieser offenbar abmontiert worden war: die Batterie war herausgenommen, wie um den nervenzerfetzenden Signalton abzustellen.

Auf dem Balkon stieß ich schließlich auf einen völlig verrußten Topf, dessen Deckel komplett mit einer schwarzen Masse überzogen war — einer schwarzen Masse, die jetzt offensichtlich die Wände unserer Küche zieren würde, hätte es den Deckel nicht gegeben. In dem Topf befand sich etwas, was man als Rückstände von Hühnereierschalen identifizieren könnte.

Nur einer meiner Mitbewohner war zum Tatzeitpunkt zuhause.

Mag jemand lösen?

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Politik Gesellschaft

Wagenfragen

“Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksal leichtem Wagen durch, und uns bleibt nichts als, mutig gefasst, die Zügel festzuhalten, und bald rechts, bald links, vom Steine hier, vom Sturze da, die Räder wegzulenken.”
(Johann Wolfgang Goethe, “Egmont”, Zweiter Aufzug)

Ich wollte nicht über Jörg Haider schreiben. Aber die neuen Details seines tödlichen Unfalls werfen in mir doch ein paar Fragen auf:

  • Was wäre denn, wenn er nicht verunglückt wäre?
  • Wäre dann halt ein Landeshauptmann betrunken mit 142 durch die Ortschaft gedonnert und es hätte nie einer davon erfahren?
  • Passiert sowas öfter?
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Digital Fernsehen

Klickbefehl (14)

Da mögen Fans noch so sehr darauf schwören, die “Lindenstraße” sei heute ja eine ganze andere als vor 20 Jahren. Humorvoll, selbstironisch und dergleichen. In Wahrheit ist die Kleinbürger-Soap immer noch ein Panoptikum der Piefigkeit. Wie fast alle Soaps sind ihre Kulissen vollgestellt mit uninspirierten Charakteren und zugeschüttet mit grauenhaften Dialogzeilen der Sorte: “Ah, meine Umweltplakette, endlich!”

Markus Brauck rechnet im “Spiegel” mit der “Lindenstraße” ab. Dazu gibt es eine Bildergalerie, die dem Wort “Graustufen” eine ganz neue Bedeutung zukommen lässt. (Bitte markieren Sie sich diesen Tag im Kalender: ich empfehle eine Bildergalerie bei “Spiegel Online”!)

* * *

Das ist die wohl ungewöhnlichste Meldung des Tages: Die ARD kauft RTL die Serie “Die Anwälte” ab – also die Serie, die RTL Anfang des Jahres nach nur einer Folge, die mit 10,8 Prozent Marktanteil die Erwartungen nicht erfüllen konnte. aus dem Programm genommen hat. Fortan diente die Serie als Musterbeispiel für fehlendes Vertrauen der Sender in die eigenen Produktionen.

DWDL.de berichtet über das überraschende Comeback einer Serie, die (also deren erste Folge) ich eigentlich ganz gut fand und deren Absetzung mein Verhältnis zu RTL nachhaltig gestört hat.

* * *

Einfacher wäre zu sagen: Ich mag ihn. Ich freue mich, dass ich neben dem Mitglied der „Achse des Guten“ auch schon drei Mal dort als Gastautor auftreten durfte und dass wir nun gemeinsam ein Netzwerk Gegenrecherche starten.

Timo Rieg erläutert in der “Spiegelkritik” die Hintergründe zu einem sehr, sehr merkwürdigen “Spiegel Online”-Artikel über einen der angeblich ganz wenigen deutschen TV-Blogger.

Warum diese Geschichte nur mit äußerster Vorsicht zu genießen ist (wenn überhaupt), erzähle ich Ihnen später steht hier.

* * *

Einen Vorschlag zur Güte hatte Broder abgelehnt. Er werde sich keinen “Maulkorb” verpassen lassen, “weil sonst Antisemiten entscheiden dürften, was Antisemitismus ist”. Nun befanden die Richter, Broders Vorwurf habe die Grenze zur Schmähkritik überschritten, weil “im konkreten Kontext der Äußerung die Diffamierung der Klägerin, nicht die Auseinandersetzung in der Sache im Vordergrund” gestanden hätte.

Henryk M. Broder stand mal wieder vor Gericht und die “taz” versucht zu erklären, was los war.

Patrick Bahners hatte vor einigen Wochen in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” ebenfalls über den Prozess geschrieben und Broders Lebenswerk damals beeindruckend zusammengefasst:

Seine preisgekrönte publizistische Strategie der verbalen Aggression nutzt den Spielraum der Meinungsfreiheit, um ihn einzuschränken: Kritiker Israels sollen eingeschüchtert werden.

* * *

Weitere Linktipps können Sie übrigens seit Neuestem dem delicious-Account von Coffee And TV entnehmen. Und falls ich endlich rauskriege, wie ich den dazugehörigen Feed hier in die Sidebar eingebaut kriege, wird das alles viel praktischer und übersichtlicher.

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Musik Rundfunk

TV-Tipp: 25. Haldern Pop Festival

Am kommenden Wochenende wird der “Rockpalast”, eine der letzten Bastionen von (Live-)Musik im deutschen Fernsehen, das ausstrahlen, was der WDR so beim Haldern Pop Anfang August aufgezeichnet hat.

In der Nacht von Samstag (30. August) auf Sonntag (31. August) gibt es ab Mitternacht eine Art Highlight-Zusammenstellung mit Kula Shaker, Maxïmo Park, Guillemots, Kate Nash, The National, The Heavy, Jamie Lidell, Okkervil River, Iron & Wine, White Lies, Joan As Police Woman und The Dodos; in der Nacht von Sonntag (31. August) auf Montag (1. September) gibt es von 00:45 Uhr bis 02:45 Uhr wohl etwas längere Ausschnitte aus den Konzerten von den Editors und Jack Peñate. Nicht zu sehen (weil nicht aufgezeichnet) sind meine persönlichen Festival-Höhepunkte Flaming Lips, Kilians, Mintzkov, Fleet Foxes und Loney, Dear.

Die ständig im Weg stehenden WDR-Kameras und die schiere Omnipräsenz des Senders beim Haldern Pop habe ich zum Anlass genommen, mal Kontakt mit der Pressestelle des WDR aufzunehmen. Gerade, nachdem ich am Wochenende nach Haldern in einer “Rockpalast”-Zusammenfassung vom “Rheinkultur”-Festival gesehen hatte, dass man dort mit sehr viel handlicheren Handkameras gefilmt hatte.

Folgendes wollte ich also wissen:

– Gibt es besondere Kriterien, nach denen entschieden wird, ob ein Festival mit Stand- oder Handkameras gefilmt wird?
– Wie ernst nimmt der WDR die Kritik von Journalistenkollegen und zahlenden Festivalbesuchern?
– Wie viele Stunden Programm vom Haldern Pop werden (ohne Wiederholung und Mehrfachauswertung) insgesamt im “Rockpalast” laufen?
– Wie viele Mitarbeiter des WDR waren beim Haldern Pop insgesamt im Einsatz (“Rockpalast”, Einslive, “Lokalzeit”, …)
– Werden die Übertragungsrechte für Festivals und Konzerte eigentlich (ähnlich wie die für Sportveranstaltungen) eingekauft oder sind sie Teil der Kooperationsvereinbarung zwischen Sender und Veranstalter?

Und folgendes antwortete mir die WDR-Pressestelle:

Der WDR arbeitet je nach Produktion mit unterschiedlichem technischen Material, d.h. sowohl mit Hand- als auch mit festen Kameras.
Grundsätzlich nehmen wir die Kritik von Journalisten, Besuchern oder auch Zuschauern sehr ernst. In diesem Fall gab es einen engen Austausch zwischen den Veranstaltern des Festivals und der Redaktion. Bei den Veranstaltern sind keinerlei Beschwerden bzgl. Behinderungen angekommen.

Der WDR wird rund 9,5 Stunden vom Haldern-Pop-Festival berichten, weitere Infos dazu finden Sie auch auf der Website www.rockpalast.de.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht zu allen internen Planungen Auskunft geben können.

Schade. Es hätte mich doch mal interessiert, ob das Festival wenigstens viel Geld dafür kriegt, dass Berichterstatter in ihrer Arbeit behindert werden und Zuschauer auf hässliche Geräte aus dem Technikmuseum starren müssen. Denn wenn der WDR hülfe, die Ticketpreise unten zu halten, wäre es ja noch okay.

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Musik Digital

Die Messe Berlin und das allgemein zugängliche Internet

Früher war alles besser: die Popkomm war ein rauschendes Fest einer florierenden Branche, das alljährlich in Köln stattfand – und ihr wichtigster Ort war der Mexikaner am Prime Club. Heute liegt die Musikindustrie röchelnd am Boden, die wichtigen Musikmessen heißen c/o Pop und Pop Up, die Popkomm ist (wie jeder andere Kreative) nach Berlin gezogen und der Mexikaner am Prime Club ist schon lange zu. ((Gerüchten zufolge stehen Popkomm-Umzug und Niedergang des Mexikaners in direktem Zusammenhang – nach Schätzungen ins Blaue wurde dort am Popkomm-Wochenende der halbe Jahresumsatz erwirtschaftet.))

Es gibt keinen wirklichen Grund, noch zur Popkomm fahren zu wollen – außer, um dort Kontakte zu knüpfen, sie zu pflegen, die Mischung aus Zweckoptimismus, Weltfremde und Verzweiflung in sich aufzusaugen und vielleicht das eine oder andere Konzert mitzunehmen. Allerdings ist Berlin vom Ruhrgebiet deutlich weiter entfernt als Köln, so dass sich Tagestrips eher nicht anbieten.

Ich wollte mich also als Pressevertreter für die Popkomm akkreditieren lassen und ging auf die entsprechende Website. Dass es nicht ganz so einfach werden würde wie in Köln, wo man einfach mit dem ausgedruckten Impressum eines Musik-E-Zines reinkam, in dem der eigene Name stand, hatte ich mir wohl gedacht – dass es schlicht unmöglich werden würde, nicht. Ich füllte brav und wahrheitsgemäß ein Formular aus, fotografierte meinen Jugendpresseausweis (den ich in fünf Jahren damit zum dritten Mal hervorholen musste) und schickte alles ab.

Am nächsten Tag erhielt ich eine E-Mail von der Messe Berlin, wonach meine Unterlagen unvollständig seien. Man gab mir den freundlichen Hinweis, dass ich als “Vertreter von Jugendpresseorganisationen” “gegen Vorlage aktueller Belege” “einmalig eine Tageskarte an den Akkreditierungscountern des Messegeländes” erhalten würde. Da ein Tag Messe die Anreise nicht lohnt, schrieb ich zurück, dass ich gerne länger hinwolle und schließlich ein Blog zu den Themenkomplexen Popkultur und Medien betriebe.

Die Antwort lautete:

Guten Tag,
Blogger und deren Betreiber werden, wie andere Vertreter von allgemein zugänglichen Online-Publikationen ausschließlich gegen Vorlage eines gültigen Presseausweises (für hauptberuflich tätige Journalisten) akkreditiert.

Das deckt sich mit den Akkreditierungsrichtlinien, die bei der Messe Berlin offenbar für jede Veranstaltung gelten:

Mitglieder von Internet-Redaktionen werden aufgrund der allgemeinen Zugänglichkeit des Internets und der damit verbundenen mangelnden Überprüfbarkeit der eigenen journalistischen Leistung nur gegen Vorlage eines anerkannten Presseausweises akkreditiert. Ausnahme: Internet-Redaktionen, die zu Vollredaktionen oder Verlagen gehören, z.B. Focus Online usw.

Da beißt sich die Katze in den Schwanz: Als Blogger hat man bei den vielen Verbänden immer noch keine Chance, an einen Presseausweis zu kommen. Man braucht ihn aber auch (außer vielleicht für peinliche Presserabatte) eher selten. Eine kleine Umfrage ergab: Von den Print-, Radio- und TV-Journalisten in meinem Bekanntenkreis ist niemand im Besitz eines Presseausweises. Ein früherer Kollege (heute bei einem Privatsender aktiv) schrieb mir gar, er habe “nie!!!! wirklich nie!!!!” mit einem Presseausweis gearbeitet.

Nur um sicherzugehen, dass ich das alles richtig verstanden hatte, fragte ich bei der Messe Berlin noch einmal nach:

Gerade im Bereich Musikjournalismus dürften die wenigsten Kollegen über einen Presseausweis verfügen, viele betreuen ihre Onlinemagazine und Blogs nicht hauptberuflich, aber mit hoher Kompetenz und eben solchem Aufwand. Sehe ich das richtig, dass sie alle keinen Anspruch auf eine Akkreditierung bei einer Veranstaltung in der Messe Berlin haben?

Die Antwort überraschte mich nicht mehr wirklich:

Guten Tag,
Sie sehen das völlig richtig. Ohne Nachweis der hauptberuflichen journalistischen Tätigkeit gibt es keine Akkreditierung.
Ein Recht auf Akkreditierung besteht nicht, es gilt das Hausrecht der Veranstaltungsstätte.

Und bitte nicht vom Beckenrand springen, ja?

Aber noch einmal ganz langsam: die Messe Berlin, die unter anderem die Popkomm, die Internationale Funkausstellung und die Jugendmesse “You” ausrichtet ((Alles Messen, zu deren Inhalten Gerüchten zufolge auch dieses verrückte neue Medium “Internet” und dessen Möglichkeiten gehören sollen. Im vergangenen Jahr fand sogar die “Web 2.0 Expo” in der Messe Berlin statt.)), akkreditiert ausschließlich “hauptberuflich tätige Journalisten”.

In den Richtlinien für die “You” steht sogar klipp und klar:

Nutzer von Blogs (Blogger) unterliegen den genannten Richtlinien von Internet-Redaktionen. Ohne gültigen Presseausweis gelten Blogger als Privatperson und werden nicht akkreditiert.

Ob ich zur Popkomm fahre oder nicht (natürlich nicht) war mir inzwischen egal. Ich wollte auch gar nicht mehr wissen, ob eine Presseakkreditierung kostenlos ist oder nicht. ((Die Drei-Tages-Pressepässe in Köln, die man gegen Vorlage eines “Redaktionsnachweises” erhielt, kosteten etwa 100 DM, wie sich ein Kollege erinnert.))

Dafür wollte ich von der Messe Berlin wissen, wie das zusammenpasst: das Ausrichten von Medienmessen auf der einen und das Ausgrenzen von Bloggern, E-Zinern und Bürgerjournalisten auf der anderen Seite. Und ob die “allgemeinen Zugänglichkeit des Internets” es wirklich derart unmöglich macht, eine Auswahl zu treffen, wen man reinlässt und wen nicht.

Das ist jetzt eine Woche her und es ist wohl nur konsequent zu nennen, dass ich noch keine Antwort bekommen habe.