Die Bahn fuhr pünktlich …

Von Lukas Heinser am Montag, 16. Juli 2007 15:52
Kategorie: Somebody Told Me

Leider werde ich auf mein Buch wohl noch ein wenig warten müssen. Die hochkompetenten Menschen von DHL haben nämlich irgendwie Mist gebaut, weswegen ich gerade gezwungen war, mit Schaum vor dem Mund und dem “Beschwerderatgeber für Behörden- und Leserbriefe” auf meinen Knien folgendes in die Tasten zu zimmern:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ich heute nach Hause kam, klebte an meiner Haustür eine Benachrichtigungskarte. Diese Karte war weder vollständig ausgefüllt, noch war sie in meinen Briefkasten eingeworfen – ich habe sie eher zufällig gefunden.
Geht es nach dieser Karte, soll ich ein Postpaket, auf das ich aus beruflichen Gründen warte, in einer entlegenen “Postagentur” in Bochum-Altenbochum abholen, was bei dieser Hitze eine Zumutung ist.
Ich frage mich, wieso das Paket überhaupt wieder mitgenommen wurde: In unserem Haus gibt es immer genug Personen, die zuhause und bereit sind, ein solches Paket entgegenzunehmen und weiterzuleiten – ich selbst nehme pro Woche durchschnittlich ein Paket entgegen und sehe deshalb gleich doppelt nicht ein, wieso ich mein Paket in einem Laden abholen soll, der noch dazu ganz und gar unpraktische Öffnungszeiten hat.

Ich möchte Sie deshalb bitten, mir (oder einem meiner Nachbarn) das Paket entweder direkt zuzustellen, oder es wenigstens in einem Postamt zu lagern (Hauptpost am Hbf, Unicenter), das ich ohne Auto erreichen kann.

Mit freundlichen Grüßen und Dank im Voraus,

Immerhin bin ich so mal in den Genuss gekommen, das Wort “Zumutung” zu verwenden, das man ja sonst hauptsächlich von selbstgemalten Zetteln in bundesdeutschen Treppenhäusern kennt. Natürlich hätte ich auch anrufen können, aber das kostet 14 Cent pro Minute, die man in der Warteschleife und beim Eintippen mehrstelliger Zahlencodes verbringt, und ich bin (fern)mündlich immer viel zu nett und nachgiebig.

Jetzt atme ich erstmal tief durch, setze mich mit einem Gin Tonic auf den Balkon und überlege, ob ich gerne mal in einem Verbrauchermagazin im dritten Programm auftreten möchte. Ich sehe mich schon vor dem Haus stehen und mit gespielt fassungslosem Blick einem davonbrausenden gelben Postauto hinterherschauen, unterlegt mit “lustiger” Stummfilmmusik.

9 Kommentare

  1. 1

    Oder eine Frauenzeitschrift. Wichtig: Enttäuscht gucken und irgendeinen amtlichen Zettel in die Kamera halten.

  2. 2

    Tja… die Post in Bochum ist manchmal merkwürdig. Ich erinnere mich an meine PS2 die ein paar Tage unbearbeitet in irgendeinem Lager hier in BO wartete, bis sich mal jemand bequemte sie doch noch zuzustellen.

  3. 3

    Frauenzeitschrift! Dafür müsste ich ja wohl mindestens alleinerziehende Mutter von Drillingen sein. Ob man da überhaupt noch Zeit zum Lesen von bestellten Büchern hat?

  4. 4

    alleinerziehender vater mit zwillingen (kannste irgendwo leihen) und mehreren bestellten büchern, die er nun nicht lesen kann. er wird deshalb zum alkoholiker und trifft bei britt in sat1 (die brauchen zur zeit zuschauer, weil’s denen doch so schlecht geht) seinen dhl-zusteller. wie wäre das?
    ansonsten – mein mitgefühl! :-)

  5. 5

    This Ain’t A Scene It’s A Bike Race

    Nachdem die lustigen Dilettanten von DHL auch nach einer Woche noch nicht reagiert hatten und ich wenig Lust hatte, mein Buch erstmal wieder zurückgehen zu lassen, hab ich mich dann heute doch mal dazu durchgerungen, es in der Postagentur abzuholen.
    A…

  6. 6

    Hey Herzlich Willkommen im DHL Kosmos

    Ich dachte immer ich wäre die Einzige die von dem “Oranger-Zettel-klebt-Haustür-obwohl-Nachbarn-da-sind-Problem” betroffen ist…

    Ich hatte mich dann beschwert und bekam.. eine Briefmarke.. sehr spektakulär.. aber entschuldigt ist entschuldigt ^^

  7. 7

    Ich könnte es ja beinahe verstehen, wenn sie mir erzählen wollen würden, dass sie Pakete nicht an Nachbarn ausliefern dürfen. Erstens wäre das aber mal eine ganz neue Herangehensweise und zweitens würde ich dazu schon eine wie auch immer geartete Reaktion erwarten.

    Außerdem würde ich mir (allein für Menschen, die wirklich [d.h. von morgens bis abends] arbeiten, und immobile Senioren) wünschen, die doofen Pakete würden irgendwo gelagert, wo man z.B. mit der U-Bahn hinkommt.

  8. 8

    [...] wie der, der mir im letzten Jahr passiert ist, oder der, den Anke Gröner vor zwei Wochen beschrieben [...]

  9. 9

    [...] ist Inkompetenz kein Privileg der deutschen Post, auch die amerikanischen Kollegen wissen zu [...]

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