Überraschende Klickstreckenverweigerung

Von Lukas Heinser, 31. August 2008 15:29

In Dinslaken finden zur Zeit die „DIN-Tage“ statt, das Stadtfest in Dinslaken. Da ich aus gutem Grund nicht in Dinslaken bin,1 wollte ich mich im Internet bzw. bei den beiden führenden Lokalzeitungsportale der Region, ach was: Deutschlands2 ein wenig darüber informieren, was im Weltzentrum der Selbstironie so „geht“.3

Die „Neue Rhein Zeitung“ beantwortet diese Frage mit einer 79-teiligen Bildergalerie, die vor allem durch ihre unkonventionelle Sortierung und eine gewisse Lässigkeit besticht: Hardrock, Shanty- und Kinderchor wechseln sich auf verstörende Weise ab,4 die sowieso mehr als halbherzige Betextung reißt mittendrin einfach ganz ab.

Natürlich nicht, ohne vorher noch die Grenzen des technisch Machbaren aufgezeigt zu haben:

Din Tage 2008 , Achim [...] machte seiner großen Liebe, Ramona [...] auf der Bühne am Neutorplatz Foto:Heinz Kunkel Honorarpflichtig

Was Achim Ramona dort machte, kann der Leser leider nur erraten. Der Blumenstrauß auf dem dazugehörigen Foto legt allerdings nahe, dass es sich um einen Heiratsantrag gehandelt haben könnte.

Dann folgen wieder Trödel- und Mittelaltermarkt, Kirmes, angeheiterte Herrenrunden und Fragen Sie mich nicht, ich habe keine Ahnung, was das mit den Totenköpfen sein soll in munterer Reihenfolge. Das alles ist zwar etwas wüst und halbgar,5 aber diese 79 Bilder vom Samstag lassen keinen Zweifel: in Dinslaken herrscht das, was man „Volksfeststimmung“ nennt.

Kommen wir nun zu „RP Online“, bzw. zur Lokalredaktion der „Rheinischen Post“: dort gibt es einen Artikel aus der gestrigen Print-Ausgabe, der auf den Freitag zurückschaut:

Mit dem fairen Kulturcafé und dem Kabarett-Duo „Thekentratsch“ im Burginnenhof sowie einem Senioren-Nachmittag mit Wiener Kaffeehausmusik im Dachstudio starteten gestern die 34. DIN-Tage.

Dazu gibt es einige Fotos6, die ich hier gerne vollständig und in Originalgröße wiedergeben möchte:

Im Dachstudio gab es Kaffeehaus-Atmosphäre und Operettenmelodien. Im Kulturcafé gab es fair gehandelten Kaffee und Kuchen. Luftballons statt Fassanstich: Auf dem Altmarkt ließen Kinder gestern zur DIN-Tage-Eröffnung mit Bürgermeisterin Sabine Weiss bunte Luftballons mit ihren Wünschen für das Wochenende in Richtung Himmel fliegen. RP-Fotos (3): Kazur

Als wäre man selbst dabeigewesen, nech?

Andererseits will ich nicht meckern: auf der Dinslakener Startseite hat „RP Online“ dann doch noch so einiges an Bildergalerien im Angebot. Zum Beispiel den nur acht Wochen alten Klassiker „Toter in Sack gefunden“.

Nachtrag, 23:28 Uhr: Naja. Zu früh gelobt, irgendwie:

  1. Dort finden nämlich zur Zeit die „DIN-Tage“ statt – außerdem bin ich da eh schon oft genug. []
  2. Der Welt! []
  3. i.e. Wie viele Jugendliche wurden bereits mit Alkoholvergiftung in die örtlichen Krankenhäuser verbracht? Wer hat die traditionelle Teckelzuchtschau auf dem Schulhof meines früheren Gymnasiums gewonnen? Finde ich peinliche Fotos von jemandem, den ich kennen könnte/sollte? []
  4. Ich kann das leider nicht direkt verlinken, in dieser Beziehung liegt der „Westen“ weit hinter „RP Online“ zurück. []
  5. „Nicht schön, aber selten“, wie meine Mutter sagen würde. []
  6. Noch mal zur Erinnerung: Wir sprechen von „RP Online“! []

6 Kommentare

  1. SvenR
    1. September 2008, 13:26

    „DIN-Tage“ finde ich persönlich etwas gewagt. Ob die in Iserlohn auch die ISO-Tage feiern?

  2. Alberto Green
    1. September 2008, 15:58

    Und Celle die CE-Tage?

  3. Lukas
    1. September 2008, 18:35

    Zum Namen:

    Im Jahr 1973 fanden die DIN-Tage anlässlich der 700 Jahr Feier der Stadt erstmalig statt und nun ist es wieder soweit: Dinslaken feiert sich selbst und sein beliebtes Stadtfest mit einem bunten und abwechslungsreichen Programm, das lokaler ist denn je.

    (din-tage.de)

    Damals war Dinslaken eben noch ein eigener Kreis mit dem Autokennzeichen „DIN“.

  4. Alberto Green
    1. September 2008, 18:57

    Ein Autofahrer aus meiner Heimatstadt soll mit dem Auto in den 60ern in Texas gewesen und erschossen worden sein, weil ein Redneck nicht wußte, daß SU in diesem Fall nicht für die Sowjetunion stand. Halte das aber für einen Mythos.

    [PS: Und KCarl-Marx-Stadt die CMA-Tage?]

  5. Oliver Ding
    1. September 2008, 20:33

    @Alberto Green: Halte ich für eine Urban Legend, denn ich glaube kaum, dass in den Sechzigern jemand aus Siegburg mit dem Auto in die USA übergesetzt ist. Gab oder gibt es überhaupt Fährverbindungen mit Automitnahmemöglichkeit zwischen Europa und den USA?

    /me wäre vor ein paar Jahrzehnten jetzt mit OP unterwegs, hat aber noch SU auf dem Nummernschild, weil /me sich noch nicht recht mit LEV anfreunden will.

  6. SvenR
    2. September 2008, 10:45

    @ Oliver Ding #5:

    Sicher gab es die. Ein Onkel meines Vaters ist 1951 nach New York ausgewandert und hat selbstverständlich sein Auto nebst Kennzeichen mitgenommen.

    Trotzdem klingt es wie eine Urban Legend.

    @ Lukas:

    Dinslaken war Kreisstadt. Man, man, man. Ich bin zwar in Offenbach (damals kreisfreie Stadt, aber Sitz der Verwaltung des Kreises Offenbach) geboren, aber dann mein Leben lang im Kreisgebiet gewesen. Du…Großstädter, Du.