Knüwern für Anfänger

Von Lukas Heinser, 30. August 2008 1:56

Generell ist es ja schön, wenn Redaktionen die modernen Kommunikationsmöglichkeiten nutzen. Man sollte es dann nur richtig machen.

Meine beiden liebsten Lokalzeitungs-Internetportale twittern jetzt auch. Sowohl „RP Online“ als auch „Der Westen“ versorgen das Netz mit einer Mischung aus Flurfunk, Kantinenspeisenplan und Nachrichten-Feed, reagieren aber auch auf Fragen oder Kritik.

Dabei können sich schon einmal solch nette Dialoge entspinnen:

Laufen gerade Schmachtbilder von Brad und George in Venedig ein. Der weibliche Teil der Redaktion ist ganz hin und weg. rponline 12:51 PM August 27, 2008

@rponline Dürfen wir anderen schon mal wetten, wie lang die Bildergalerie wird? coffeeandtv 01:06 PM August 27, 2008

@coffeeandtv Schauen wir mal. rponline 02:14 PM August 27, 2008

Weil schon jemand wetten wollte: Die Clooney-Pitt-Fotostrecke enthält 16 Bilder: http://tinyurl.com/58p4nd rponline 08:22 PM August 27, 2008

Selbst twitter-Skeptiker und -Hasser werden zugeben müssen, dass eine oft hart geführte kritische Auseinandersetzung so wieder ein wenig an Menschlichkeit gewinnen kann.

Gestern nun ernannte John McCain, der designierte republikanische Kandidat für das Amt des US-Präsidenten, überraschend Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska, zu seinem running mate, also zur Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten.

„Der Westen“ zimmerte aus einer dpa-Meldung ein Kurzporträt der Politikerin zusammen und verschickte den Link via twitter.

Ich klickte und las. Und sah, dass da ein Satz irgendwie ein bisschen verunglückt war:

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber nach offenbar Sarah Palin als seine Vize-Kandidatin ausgewählt.

Ein kleiner Fehler, der jederzeit mal passieren kann – in der dpa-Fassung ging der Satz noch so:

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain zieht nach US-Medienberichten mit der jungen Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, in das Rennen um das Weiße Haus.

Ein kleiner Fehler, den man aber auch schnell korrigieren kann, dachte ich und twitterte nur wenige Minuten später:

@DerWesten Bitte schnell noch den ersten Satz gerade bügeln. Danke!

Und dann passierte genau … nichts.

Dass die zuständigen Leute in Essen schon ins Wochenende verschwunden waren, ist unwahrscheinlich: sie setzten bis zum Abend sieben weitere Tweets ab. Nur hat offenbar niemand mehr in die Replies geguckt.

Dabei gilt mehr denn je: Die Zeiten des einseitigen Sendens sind vorbei. Wer die Kommunikationskanäle nicht in beide Richtungen nutzt, wird kläglich untergehen.

9 Kommentare

  1. SomeVapourTrails
    30. August 2008, 10:12

    Mir stellt sich eher die Frage, ob nicht die Vielfalt der Kommunikationskanäle im Internet zur Verschleppung und Aufsplitterung von Kommunikation führt. Insofern sehe ich den Sinn von Twitter nicht. Online-Redaktionen sollten im eigenen Angebot auf Feedback reagieren. Und dies tun sie im Regelfall selten bis nie.

  2. Jens
    30. August 2008, 11:34

    @SomeVapourTrails:
    Du hast recht, man sollte auf Kommentare im eigenen Angebot reagieren. Das passiert jedoch – wie schon beschrieben – sehr selten. Wobei ich jetzt letztens im Westen genau so etwas sah. Da wurde ein Kommafehler in den Kommentaren kritisiert und dann auch korrigiert.

    @Lukas:
    Vielleicht muss man erst noch den Autoren kontaktieren, der die dpa-Meldung verändert hat. ;)

  3. Mela
    30. August 2008, 13:41

    Vermutlich wissen sie nicht einmal wo man bei Twitter einstellt das einem die Antworten von Leuten denen man nicht followed auch angezeigt werden …

  4. Johanna
    30. August 2008, 14:41

    @Mela Das weiß ich auch nicht…

  5. Lukas
    30. August 2008, 14:55

    @Mela: Sie folgen mir. Sonst wär’s mir auch egal.

  6. Mela
    30. August 2008, 15:05

    @Johanna: Settings -> @ Replies
    Auf „all @ Replies“ stellen. Per default ists AFAIK auf „@ Replies to the people I’m following“ gestellt.

  7. Mela
    30. August 2008, 15:06

    Korrektur: Settings -> Notices -> @ Replies

  8. Johanna
    30. August 2008, 19:26

    Danke!

  9. herr v.
    31. August 2008, 19:30

    Jojo, zurück in den Bert-Brecht-Anfängerkurs.