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I’ll be coming home next year

Für alle, die außer­halb ihres Zuhau­ses ins Neue Jahr fei­ern wol­len:

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Für alle:

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DADADA-2010 from eric pel­tier on Vimeo.

Und für alle, die immer noch nicht genug haben: Echt – 2010

Guten Rutsch und alles Gute!

Bis zum 10. Janu­ar kön­nen Sie noch über die bes­ten Irgend­was­se des Jah­res 2009 abstim­men und Kar­ten für das Kili­ans-Kon­zert in Dins­la­ken gewin­nen.

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Leben

Feieralarm

Ich weiß nicht, ob es dar­an liegt, dass es mein ers­tes Weih­nachts­fest in einem (zumin­dest gefühl­ten) Voll­zeit­job ist, oder dar­an, dass ich par­al­lel einen Umzug vor­zu­be­rei­ten ver­su­che. Jeden­falls habe ich das Gefühl, dass Weih­nach­ten die­ses Jahr wirk­lich erstaun­lich plötz­lich gekom­men ist.

Weihnachtsdeko für die neue Wohnung.

Aber wo’s schon ein­mal da ist, müs­sen wir natür­lich alle ver­su­chen, das Bes­te draus zu machen. Ich wün­sche Ihnen also (auch im Namen der ande­ren Autoren hier) ein fro­hes und stress­frei­es Weih­nachts­fest.

Falls Sie an den Fei­er­ta­gen noch ein biss­chen Zeit haben, gehen Sie doch ein­fach ins Kino und sehen sich den – mei­nes Erach­tens – wun­der­volls­ten Film an, der jemals gedreht wur­de: „Wo die Wil­den Ker­le woh­nen“. Sie müs­sen nicht mal irgend­ein Ali­bi-Kind mit­neh­men.

Musik fürs Fest sol­len Sie auch noch haben – aber weil das Fest selbst für mich wie gesagt sehr über­ra­schend kam, bin ich auf Weih­nachts­lie­der nicht vor­be­rei­tet. Neh­men Sie statt­des­sen ein­fach mein pein­li­ches Lieb­lings­lied des Jah­res 2009, wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob mir das eigent­lich pein­lich sein muss:

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Digital

Vom Apfel und der Schlange

Die Fir­ma Apple war mir lan­ge Zeit sym­pa­thisch, ein biss­chen so wie der Vol­vo unter den Com­pu­ter­fir­men.

Im Som­mer des letz­ten Jah­res kauf­te ich mir ein Mac­Book – weil ich mit Win­dows immer unzu­frie­den und bei vor­he­ri­gen Arbei­ten an Macs eini­ger­ma­ßen begeis­tert von der Über­sicht­lich­keit und Funk­ti­ons­wei­se die­ser Com­pu­ter gewe­sen war. Dass Apple längst eine Life­style-Fir­ma war – und in die­ser Funk­ti­on lang­sam aber sicher vom Guc­ci der Com­pu­ter­welt zum Ed Har­dy wur­de -, war mir ziem­lich egal: Ich woll­te einen Com­pu­ter, der ordent­lich arbei­tet, und das tat das Mac­Book.

Als ich mir einen MP3-Play­er kau­fen woll­te, war klar, dass es ein iPod wer­den wür­de. Mei­ne Apple-Bera­te­rin riet mir zum Modell „touch“, weil man damit auch via W‑Lan ins Inter­net kön­ne und über­haupt ganz vie­le tol­le Pro­gram­me dar­auf lie­fen.

Letz­tes Jahr zu Weih­nach­ten schenk­te ich mir zwei Drit­tel des iPods selbst, den Rest schenk­ten mei­ne Eltern. Nach einem hal­ben Tag mit dem Gerät woll­te ich ein iPho­ne haben, so begeis­tert war ich von dem Teil. Es wur­de mir ein treu­er Beglei­ter, spiel­te immer brav die Musik, die ich gera­de hören woll­te, und ver­kürz­te mir mit Sudo­kus, Fuß­ball­si­mu­la­tio­nen und ande­ren Spie­len so man­che Bahn­fahrt.

Im Sep­tem­ber dreh­te mein iPod selb­stän­dig sei­ne Laut­stär­ke auf Null. Er gab kei­ne (hör­ba­ren) Geräu­sche mehr von sich, was bei einem Gerät, das pri­mär als Musikab­spie­ler gekauft wur­de, wenig hilf­reich ist. Ich ging zu einem Bochu­mer Apple-Hän­der und rekla­mier­te das Teil. Nach einer Woche krieg­te ich es zurück: Es sei kein Feh­ler gefun­den wor­den. Dafür bekam ich neue Kopf­hö­rer, denn die hal­ten bei Apple in der Regel so lan­ge wie ein Fahr­rad­schlauch auf Dins­la­ke­ner Rad­we­gen (Anm.: Also nicht sehr lan­ge.)

Drei Wochen spä­ter tauch­te der­sel­be Feh­ler wie­der auf, ich brach­te den iPod wie­der in den Laden und konn­te eine Woche spä­ter ein neu­es Exem­plar abho­len.

Kei­ne drei Wochen spä­ter ging der neue iPod aus. „Haben Sie ver­sucht, ihn wie­der­her­zu­stel­len?“, frag­te der Mit­ar­bei­ter des Apple-Händ­lers am Tele­fon. Ich ver­such­te es, wobei der iPod der­art abstürz­te, dass er danach nicht ein­mal mehr von mei­nem Mac­Book erkannt wur­de. Ich brach­te ihn wie­der vor­bei.

Seit fast fünf Wochen ist mein iPod nun in Repa­ra­tur. Zufäl­li­ger­wei­se fiel das Ende der ein­jäh­ri­gen Garan­tie­pha­se genau in die­se Zeit. Angeb­lich dau­ert es so lan­ge, weil mein neu­er iPod (hof­fent­lich aus einer ande­ren Pro­duk­ti­ons­char­ge) noch gra­viert wer­den muss.

Ich bin also im Moment nur so mit­tel­gut auf die Fir­ma Apple zu spre­chen. Viel­leicht der rich­ti­ge Zeit­punkt, um fest­zu­stel­len, dass sich der iTu­nes Store in die­sem Jahr für sei­ne Akti­on „12 Tage Geschen­ke“ einen ganz beson­de­ren Koope­ra­ti­ons­part­ner aus­ge­sucht hat: Bild.de.

Inter­es­san­ter­wei­se fin­det sich bei Apple selbst kein Hin­weis auf Bild.de – im Gegen­zug ver­sucht „Bild“ aller­dings auch den Ein­druck zu erwe­cken, als ver­schen­ke die Zei­tung selbst ganz allei­ne jeden Tag einen Down­load an ihre Leser.

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Musik Kultur

Lokalrunde

Kilians, live in Aktion

War Dins­la­ken vor den Kili­ans nur ein Fleck auf der Land­kar­te, haben die fünf Jungs aus der nie­der­rhei­ni­schen Pro­vinz das Städt­chen für vie­le Fans zur deut­schen Indie-Haupt­stadt gemacht.

So etwas den­ke ich mir natür­lich nicht aus, so etwas zitie­re ich.

Oder anders for­mu­liert, für unse­re Leser über 50 70:

Heimspiel: Die Musikfachpresse, bundesweit erscheinende Tages- und Wochenzeitungen sowie die Hörer junger Radiowellen sind aus dem Häuschen. Grund sind die Kilians, derzeit Dinslakens populärste Band. Die Jungs haben beim Auftakt zu Kultur 2010 im Januar ein Heimspiel. Die jugendlichen Fans bekommen mehr Show für weniger Geld.

Aber ich fang‘ mal bes­ser von vor­ne an: Im nächs­ten Jahr, wel­ches in weni­ger als zwei Wochen beginnt, wird das Ruhr­ge­biet ja Schau­platz des – so opti­mis­ti­sche Schät­zun­gen – größ­ten kul­tur­po­li­ti­schen Desas­ters seit dem Unter­gang des west­rö­mi­schen Reichs – Wir sind „Kul­tur­haupt­stadt“!

Dass die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur ein abso­lu­tes Desas­ter ist und die Ver­ant­wort­li­chen (u.a. Oli­ver Scheytt, Fritz Pleit­gen und Die­ter Gor­ny) schon seit Jah­ren den Ein­druck ver­mit­teln, als sei­en sie nicht nur Wil­lens, son­dern auch in der Lage, das gan­ze Groß­pro­jekt mit Pau­ken, Trom­pe­ten, wehen­den Fah­nen und Voll­gas vor die Wand zu fah­ren, soll nie­man­den wei­ter stö­ren. Im Ruhr­ge­biet sind wir es gewohnt, aus allem das Bes­te zu machen. Und wer den Nie­der­gang der Mon­tan­in­dus­trie über­lebt, wird auch mit Die­ter Gor­ny fer­tig.

Obwohl Essen es noch nicht ganz ver­stan­den hat, ist übri­gens das gan­ze Ruhr­ge­biet „Kul­tur­haupt­stadt“. In den 52 Wochen des Jah­res sind 52 Städ­te soge­nann­ter „Local Hero“ – und mit wel­cher Stadt es los­geht, das erra­ten Sie nie!

Rich­tig.

Eine Woche lang gibt es Kul­tur­events am lau­fen­den Band. Höhe­punkt für Rock­mu­sik­in­ter­es­sier­te dürf­te ohne Zwei­fel das Kon­zert am Frei­tag, 15. Janu­ar sein:

In der Kath­rin-Türks-Hal­le (in Dins­la­ken nur als „Stadt­hal­le“ bekannt) wer­den die Kili­ans, Dins­la­kens erfolg­reichs­ter Export­schla­ger außer­halb der Schla­ger-Bran­che, eines ihrer weni­gen Kon­zer­te des Jah­res 2010 spie­len. Als Vor­bands spie­len zwei wei­te­re Bands, die gera­de dabei sind, den Ruf Dins­la­kens als deut­sches Oma­ha bzw. Bor­län­ge in die Welt zu tra­gen: The Rumours und Cama Maya.

Hold your breath:

Ent­ge­gen der Ankün­di­gung im Vor­feld sind Kor­rek­tu­ren an der Pla­nung vor­ge­nom­men wor­den, die jugend­li­che Musik­freun­de zufrie­den quit­tie­ren dürf­ten.

Und wäh­rend Sie sich noch fra­gen, ob das Gekrei­sche bei Kon­zer­ten dann als „Quit­tungs­ton“ durch­geht, bin ich schon bei den key facts:

Kili­ans, The Rumours & Cama Maya
15. Janu­ar 2010, 19:30 Uhr
Stadt­hal­le Dins­la­ken
Ein­tritt: 15 Euro
All Ages

Um das alles noch ein biss­chen schö­ner zu machen, ver­lost Cof­fee And TV mit freund­li­cher Unter­stüt­zung von Lift­boy 2x2 Gäs­te­lis­ten­plät­ze für das Kon­zert.

Beant­wor­ten Sie ein­fach die Quiz­fra­ge:
Wie heißt der aktu­el­le Bür­ger­meis­ter von Dins­la­ken?

Die Gewin­ner wer­den unter all denen gezo­gen, die die rich­ti­ge Ant­wort bis zum 10. Janu­ar 2010, 23:59:59, an gewinnegewinnegewinne@coffeeandtv.de schi­cken.

Die Gewin­ner wer­den am 11. Janu­ar benach­rich­tigt. Der Rechts­weg ist aus­ge­schlos­sen.

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Musik

Listenpanik: Reste 2009

Das Jahr ist bald zu Ende, Mar­kus hat sei­ne Bes­ten­lis­te schon raus­ge­hau­en, aber ich muss ja für nächs­te Woche erst mal das Jahr 2008 abfrüh­stü­cken, ehe ich mich dop­pelt und drei­fach dem Rück­blick auf das aktu­el­le Jahr wid­men kann.

Vor­her sol­len aber schon die Alben und Songs genannt wer­den, die die­ses Jahr für mich mit­be­stimmt haben, aber bis­her auf kei­ner Lis­ten­pa­nik-Lis­te genannt sind. Dass ich immer noch jede Men­ge über­se­hen habe, dürf­te klar sein. Aber wenigs­tens das hier ist schon mal nicht ver­ges­sen:

Alben
Kid Cudi – Man On The Moon – The End Of Day
Wie gesagt: Ich höre mich gera­de erst ein in die­ses Gen­re, das sie Hip-Hop oder Rap nen­nen. Ich bin also noch nicht sehr gut im Zuord­nen (wor­auf die Zei­le „I got nine­ty-nine pro­blems and they all bit­ches“ anspielt, ist mir trotz­dem auf­ge­fal­len), aber wer die­ses Album hört, muss sofort erken­nen, dass da jemand klu­ges Musik macht. Beats, Samples und Instru­men­te wer­den da zu anspruchs­vol­len Play­backs auf­ge­türmt, über die der 25-jäh­ri­ge Scott Ramon Segu­ro Mes­cu­di dann rappt wie ein Mann, der schon alles gese­hen hat. Die meis­ten Songs sind eher laid back und düs­ter und ins­ge­samt ist das Album, an dem auch Bands wie MGMT und Rata­tat mit­ge­wirkt haben, weit ent­fernt vom Arsch-und-Tit­ten-Hip-Hop, den man sonst im Musik­fern­se­hen sieht, falls gera­de mal Vide­os lau­fen. Ach ja: Lady Gaga wird auch noch gesam­pelt.

Jay‑Z – The Blue­print 3
Noch mal Hip-Hop, noch mal klug und anspruchs­voll. Genau­er kann ich das gar nicht beschrei­ben, aber es fühlt sich gut an, die­ses Album zu hören. Und wer sich „Fore­ver Young“ von Alpha­ville vor­nimmt, hat bei mir qua­si immer gewon­nen (vgl. Die Gol­de­nen Zitro­nen, Youth Group, Bushi­do feat. Karel Gott).

White Lies – To Lose My Life
Irgend­wann bin ich nicht mehr mit­ge­kom­men mit die­sen Joy-Divi­si­on-Bands. Sind White Lies über­haupt eine? Jeden­falls kom­bi­nie­ren sie trei­ben­de Rhyth­men, Gitar­ren­ge­schram­mel, Key­board­flä­chen und lei­den­schaft­li­chen Gesang. Und obwohl mir das in vier von fünf Fäl­len unglaub­lich auf die Ket­ten geht, gefällt es mir hier.

Tom Liwa – Eine Lie­be aus­schließ­lich
Nach Eso­te­rik-Pro­jek­ten und einer Flower­porn­oes-Reuni­on hat Tom Liwa mal wie­der ein rich­ti­ges Solo­al­bum auf­ge­nom­men: nur er und eine Gitar­re. Eröff­net wird „Eine Lie­be aus­schließ­lich“ von einer Gän­se­haut-Ver­si­on von „Cha­sing Cars“ (ja, das von Snow Pat­rol), hin­ter­her gibt’s auch noch mal Dylan („Idi­ot Wind“), dazwi­schen ganz viel Liwa. Man kann nur ahnen, was für Dra­men sich abge­spielt haben müs­sen, soll­ten die Tex­te alle­samt auto­bio­gra­phisch sein. Es ist Liwas bes­te Plat­te seit „St. Amour“ vor neun Jah­ren und erin­nert in ihrer Reduk­ti­on und Direkt­heit mit­un­ter sogar an die „Ame­ri­can Recor­dings“ von John­ny Cash – die mit­un­ter gewag­ten Über­steue­run­gen inklu­si­ve.

Songs
Kid Cudi – Up Up & Away
Da lobe ich ein Hip-Hop-Album und hebe dann den einen Song her­vor, in dem vor allem Gitar­ren zu hören sind. Aber, Ent­schul­di­gung, „Up Up & Away“ ist ein­fach ein Ham­mer von einem Song. Text­lich eine wun­der­ba­re Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung, musi­ka­lisch eine der eupho­riestei­gernds­ten Num­mern des Jah­res. Und dann die­ser Slo­gan für T‑Shirts und Unter­arm-Täto­wie­run­gen: „They go judge me any­way, so: wha­te­ver?“

Glas­ve­gas – Geral­di­ne
Glas­ve­gas live zu sehen war eine schlech­te Idee für den ers­ten Ein­druck, denn ihr Auf­tritt hat mir die Band schon arg ver­lei­det. So bedurf­te es aus­ge­rech­net einer Lager­feu­er­ver­si­on von Thees Uhl­mann und Simon den Har­tog, damit ich erkann­te, was für ein tol­ler Song „Geral­di­ne“ ist. So unge­fähr der ein­zi­ge rich­tig tol­le auf dem selbst­be­ti­tel­ten Debüt-Album der Schot­ten, aber dafür eben ein wirk­lich rich­tig tol­ler. Als Lin­gu­ist ist man erstaunt, wie vie­le Voka­le in Zei­len wie „My name is Geral­di­ne, I’m your social worker“ offen­sicht­lich über­flüs­sig sind und ganz ein­fach weg­ge­las­sen wer­den kön­nen.

Jay‑Z – Empire Sta­te Of Mind
Er sei der neue Sina­tra, rappt Jay‑Z in sei­nem „New York“-Pendant. Und wahr­schein­lich hat er damit nicht mal unrecht. Dazu Strei­cher, Kla­vier, Chö­re und Ali­cia Keys. Einen Song die­ser Grö­ße hat die Stadt ver­dient („und umge­kehrt“, falls das Sinn ergibt), so wie Ber­lin „Schwarz zu Blau“ von Peter Fox.

Tom­my Fin­ke – Halt‘ alle Uhren an
Tom­my Fin­ke hat mir jetzt schon mehr­fach zu erklä­ren ver­sucht, was das für ein Sound ist, der da das Riff spielt. Inzwi­schen habe ich die Hoff­nung auf­ge­ge­ben, es zu ver­ste­hen, aber es ist auch egal. Ein schö­ner Sound, ein ein­gän­gi­ges Riff und ein wun­der­ba­rer Song. Das Album kommt im Janu­ar 2010, die Sin­gle ist jetzt schon drau­ßen und weil ich gemein­sam mit den Jungs von Get Addic­ted mit dem Künst­ler eine Wet­te über Chart­plat­zie­run­gen lau­fen habe, täten Sie uns allen einen Gefal­len (sich selbst natür­lich sowie­so), wenn Sie das Lied käuf­lich erwür­ben.

Vir­gi­nia Jetzt! – Die­ses Ende wird ein Anfang sein
Vir­gi­nia Jetzt! hat­te ich irgend­wann nach dem zwei­ten Album aus den Augen ver­lo­ren. Kürz­lich war ich bei einem ihrer Kon­zer­te (eigent­lich nur, um mir Oh, Napo­le­on im Vor­pro­gramm anzu­se­hen) und ich war wirk­lich schwer begeis­tert. So sehr, dass ich mir ihr aktu­el­les Album gekauft habe. Was live super funk­tio­nier­te, ist auf Plat­te mit­un­ter arg hart an der Gren­ze (wobei die Idee, Ste­fan Zau­ner von der Mün­che­ner Frei­heit Back­ground-Chö­re sin­gen zu las­sen, natür­lich schon gigan­tisch ist), aber „Die­ses Ende wird ein Anfang sein“, die­se char­man­te Up-Tem­po-Num­mer mit Blä­sern, die ist schon sehr gut gewor­den.

White Lies – To Lose My Life
„Let’s grow old tog­e­ther and die at the same time“ ist eigent­lich auch nichts groß ande­res als das, was John Len­non 1980 in „Grow Old With Me“ aus­drü­cken woll­te – und trotz­dem natür­lich irre roman­tisch. Dazu ein trei­ben­der Refrain mit einem Key­board, das so sen­sa­tio­nell ner­vig rein dröhnt, dass man sich die Ohren zuhal­ten müss­te – wenn das beim Tan­zen nicht total beknackt aus­sä­he. Ein schö­ner Song.

Lady Gaga – Papa­raz­zi
„Ernst­haft?“ Ernst­haft! Was für coo­le Sounds, was für ein gelun­ge­ner Refrain! Außer­dem dach­te ich am Anfang, als ich nur die Stro­phe gehört habe, das sei eine neu­er Song von The Kni­fe.

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

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Literatur Print

Nicht intelligent genug

Im Janu­ar 2006 schrieb der „Musik­ex­press“ im Jah­res­rück­blick auf 2005:

Jetzt haben sogar die Rol­ling Stones ein Lied über Ulf Pos­ch­ardt geschrie­ben: „Sweet Neo­con“. […] Die deut­schen Neo­kon­ser­va­ti­ven ver­ber­gen sich hin­ter der „Initia­ti­ve Neue Markt­wirt­schaft“, eine Agen­tur, die erfolg­reich ihre The­men setz­te. Zuletzt ver­such­ten sie uns ein­zu­re­den → „Du bist Deutsch­land“. Der Höhe- bzw. Tief­punkt der neo­li­be­ra­len Debat­te war erreicht, als der Kul­tur­wis­sen­schaft­ler und angeb­li­che ex-Lin­ke Ulf Pos­ch­ardt („DJ Cul­tu­re“) vor den Wah­len allen Erns­tes for­der­te: Wes­ter­wel­le wäh­len gut, denn: FDP = mutig, radi­kal, wich­tig und irgend­wie auch: Pop. Ja, alles klar, gute Nacht.

Ein Jahr spä­ter war Pos­ch­ardt Chef­re­dak­teur beim Launch der deut­schen Aus­ga­be der „Vani­ty Fair“, die er nach nicht mal einem Jahr wie­der ver­ließ. Seit­dem hat­te ich erfri­schend wenig von ihm gehört, aber er fun­giert jetzt offen­bar als Her­aus­ge­ber von „Rol­ling Stone“, „Metal Ham­mer“ und – ver­damm­te Iro­nie – „Musik­ex­press“.

Außer­dem ist Pos­ch­ardt stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur der „Welt am Sonn­tag“, in der er heu­te umständ­lich über zwei Bücher schreibt, die vor zehn Jah­ren erschie­nen sind: „Tris­tesse Roya­le“ und „Gene­ra­ti­on Golf“.

Nach aller­lei gesell­schafts- und kul­tur­ge­schicht­li­cher Ein­ord­nung, an der eini­ges stim­men mag und eini­ges gewollt erscheint, schwingt sich Pos­ch­ardt zu sei­ner Kern­aus­sa­ge auf:

Im neu­en Kabi­nett sind Figu­ren wie Rös­ler, Rött­gen, Gut­ten­berg und Wes­ter­wel­le Aktua­li­sie­rung jenes kokett Adret­ten, das mit Stall­ge­ruch so wenig anfan­gen kann wie mit Her­ren­wit­zen. Die post­he­roi­sche Ele­ganz ist bei den jün­ge­ren Poli­ti­kern mit einem Hauch Popu­lis­mus ver­setzt, um das Zeit­ge­nös­si­sche wähl­bar wer­den zu las­sen.

Es macht kei­nen Spaß, sich durch Pos­ch­ardts Text zu quä­len, aber eigent­lich muss man das ja auch nicht. Denn wie frag­te Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­re in dem Buch, über das Pos­ch­ardt schreibt?

War­um sind wir nicht intel­li­gent genug, nicht so oft über Ulf Pos­ch­ardt zu spre­chen?

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Musik

Listenpanik 11/​09

Nor­ma­ler­wei­se kom­men im Novem­ber nur noch Live- und Best-Of-Alben. Nor­ma­ler­wei­se, denn die­ses Jahr scheint alles anders zu sein und es gab noch mal rich­tig was zu schlep­pen.

Hier die High­lights, wie immer total sub­jek­tiv aus­ge­wählt und unge­lenk beschrie­ben:

Alben
Jay Farr­ar & Ben­ja­min Gib­bard – One Fast Move Or I’m Gone
Der Idee, einen auto­bio­gra­phi­schen Roman zu ver­to­nen, stand ich erst ein­mal skep­tisch gegen­über – auch wenn der Roman von Jack Kerouac ist und die Ver­to­nung unter ande­rem durch Ben Gib­bard erfolgt, der ja sowie­so immer alles rich­tig macht. Aber das, was der Death-Cab-For-Cutie-Front­mann und Jay Farr­ar (Ex-Uncle Tupe­lo) hier aus Kerou­acs „Big Sur“ her­aus­ge­holt haben, kann sich wirk­lich sehen las­sen. Zwar wür­de man bei Kerouac musi­ka­lisch ja eher Jazz und Bop erwar­ten, aber auch die redu­zier­ten Folk­klän­ge ste­hen den Tex­ten – von denen man wirk­lich nicht anneh­men wür­de, dass sie aus einem Roman zusam­men­ge­stellt wur­den – nicht im Weg. Dass das Album der Sound­track zu einem Doku­men­tar­film über Kerouac und sein Buch ist (der Film liegt der Spe­cial Edi­ti­on des Albums bei), macht das gan­ze Pro­jekt medi­al noch etwas kom­ple­xer, aber wenn man sich von den gan­zen Hin­ter­grün­den erst mal frei macht, ist „One Fast Move Or I’m Gone“ auch ein­fach ein wun­der­schö­nes Album.

k‑os – Yes!
Ich bin ja wahr­lich kein Exper­te für Hip-Hop (ich habe erst in die­sem Herbst ange­fan­gen, mich inten­si­ver mit dem Gen­re zu beschäf­ti­gen), aber mich inter­es­sie­ren eh kei­ne Gen­re­bezeich­nun­gen und kei­ne Namen, ich will nur hören, was mir gefällt. Und „Yes!“ gefällt mir sehr gut. Der Klang ist viel­schich­tig, die Beats sind tight (das sagt man doch so, oder?) und die Rei­me sind sehr läs­sig. Außer­dem sam­plet k‑os Phan­tom Pla­net und Fri­da (ja, die von ABBA!). Das ist genau die Musik, die man hören soll­te, wäh­rend drau­ßen ein Zustand tobt, für den das Adjek­tiv „usse­lig“ erfun­den wur­de!

Annie – Don’t Stop
„Wer soll das sein?“, wur­de ich im Plat­ten­la­den mei­nes Ver­trau­ens gefragt. „Die nor­we­gi­sche Kylie Mino­gue“, ant­wor­te­te ich, was ja irgend­wie die nahe­lie­gends­te Beschrei­bung war. Ich fand „Annie­mal“, Annies Debüt­al­bum von vor vier, fünf Jah­ren, ja schon sehr gut, aber im Febru­ar in Oslo habe ich mich dann – gemein­sam mit den fünf­zig ande­ren Män­nern in den ers­ten Rei­hen – ein biss­chen in Anne Lilia Ber­ge Strand ver­liebt. Nach dop­pel­tem Label­wech­sel, Aus­tausch diver­ser Songs und mehr­fa­cher Ver­schie­bung ist „Don’t Stop“ jetzt end­lich erschie­nen und es ist ein sehr, sehr gutes Album. Oft hart an der Gren­ze zur völ­li­gen Über­zu­cke­rung jagt ein Tanz­bo­den­fül­ler den nächs­ten, Ent­span­nung gibt’s nur sel­ten, wie bei der sen­sa­tio­nel­len Acht­zi­ger-Bal­la­de „When The Night“. Mit­wir­ken­de sind unter ande­rem Xeno­ma­nia, die schon am letz­ten Pet-Shop-Boys-Album mit­ge­schraubt hat­ten, und die Gitar­ris­ten von Franz Fer­di­nand. „I Don’t Like Your Band“ ist der wahr­schein­li­che bes­te Slo­gan-Song des Jah­res und der Titel­track wäre in einer gerech­ten Welt ein Rie­sen­hit. Dass im über­dreh­ten (leicht ner­vi­gen) „Break­fast Song“ der Name die­ses Blogs fällt, ist natür­lich kein Grund, war­um ich das Album so gut fin­de.

Rob­bie Wil­liams – Rea­li­ty Kil­led The Video Star
Wenn es kom­mer­zi­ell und/​oder künst­le­risch nicht mehr so läuft, besin­nen sich klu­ge Künst­ler auf ihre Kern­kom­pe­ten­zen und brin­gen ein Album her­aus, das all das kom­bi­niert, was sie bis­her erfolg­reich und/​oder gut gemacht hat. Rob­bie Wil­liams ist klug und so klingt sein neu­es Album wie eine Zusam­men­fas­sung von allem, was er zwi­schen „Sing When You’­re Win­ning“ und „Rude­box“ gemacht hat. So tol­le Brit­pop-Sachen wie auf sei­nen ers­ten bei­den Alben konn­te oder woll­te er offen­bar nicht mehr machen, nur „Won’t Do That“ wagt sich in die Nähe. „Bodies“, das ich als Sin­gle noch mit­tel fand, haut im Album­kon­text ordent­lich rein. Gro­ße Schmu­se­bal­la­den und Tanz­bo­den­stamp­fer wech­seln sich ab. Aber irgend­wie bezeich­nend, dass das bes­te Lied min­des­tens sie­ben Jah­re alt ist und noch aus der Zusam­men­ar­beit mit Guy Cham­bers stammt: „Blas­phe­my“ hat einen wort­spiel­rei­chen Text, der zwi­schen „bril­lant“ und „albern“ schwankt, und gro­ße Melo­dien. Rob­bie Wil­liams klingt nicht mehr so ver­krampft wie auf den letz­ten bei­den Alben, als er unbe­dingt zu neu­en Ufern auf­bre­chen woll­te, son­dern regel­recht ent­spannt und zufrie­den. Das reicht für ein sehr ordent­li­ches Album. Und ein sehr gutes hat er ja schon 1998 her­aus­ge­bracht.

Deven­dra Ban­hart – What Will We Be
Die … äh: „Hip­pie-Musik“ von Deven­dra Ban­hart war bis­her nie so meins. Viel­leicht liegt es am Major-Deal und der damit zuneh­men­den Popig­keit, aber „What Will We Be“ gefällt mir ziem­lich gut. Die Musik ist immer noch ver­schro­ben und außer­ge­wöhn­lich, aber irgend­wie sagt sie mir jetzt stär­ker zu. Die upt­em­po-ige­ren Songs wie „Baby“ und „16th & Valen­cia Roxy Music“ gefal­len mir beson­ders gut, aber auch die ruhi­ge­ren, teils … äh: fremd­spra­chi­gen Folk­bal­la­den haben ihren Reiz. In einem Song wie „Rats“ schafft Ban­hart es, gleich­zei­tig nach­ein­an­der wie The Doors, David Bowie und Beck zu klin­gen. Hof­fen wir also gemein­sam, dass Deven­dra Ban­hart ein­fach hör­ba­rer gewor­den ist – und ich mich nicht lang­sam in einen Hip­pie ver­wand­le.

Shir­ley Bas­sey – The Per­for­mance
Das Kon­zept „Wali­si­sche Legen­de, u.a. berühmt für James-Bond-Titel­songs, plant Come­back mit­hil­fe jun­ger Künst­ler ihr Come­back“ ist nicht ganz neu: Schon vor zehn Jah­ren hat­te sich Tom Jones so völ­lig neue Zuhö­rer­schaf­ten erspielt. Bei Shir­ley Bas­sey (man ver­zei­he mir die „Bild“-Altersangabe, aber: 72, wow) läuft es aber etwas anders ab: Die Mit­mu­si­ker sind nicht zum Covern und Duet­tie­ren da, son­dern haben die Songs nur geschrie­ben. Die Gast­bei­trä­ge stam­men aus den Federn von Leu­ten wie Gary Bar­low, KT Tunstall, Nick Hodgson (Kai­ser Chiefs), Rufus Wain­w­right, den Pet Shop Boys und – da schließt sich wie­der der Kreis zu Tom Jones – den Manic Street Pre­a­chers. In Form gegos­sen hat es dann ein Mann, der neben Dame Shir­ley als der Exper­te für James-Bond-Sound gilt: David Arnold, Sound­track-Kom­po­nist der letz­ten fünf Bond-Strei­fen. Er sorgt dafür, dass das Album trotz der unter­schied­li­chen Song­schrei­ber wie aus einem Guss klingt. Und vor allem: rie­sig. Unter einem Orches­ter läuft da gar nichts, aber trotz­dem ist „The Per­for­mance“ qua­si nie over the top. (Als ob etwas, an dem Rufus Wain­w­right und die Pet Shop Boys betei­ligt sind, jemals over the top sein könn­te.) Das ist genau jene über­le­bens­gro­ße Sor­te von Musik, die man in der Vor­weih­nachts­zeit braucht (aber glück­li­cher­wei­se völ­lig ohne Glöck­chen-Gebim­mel und „San­ta Claus“-Geseufze) und die man unbe­sorgt sei­nen Eltern schen­ken kann, egal, was die sonst so hören. Man kann aber auch ganz ego­is­tisch sein und das Album selbst behal­ten. Es lohnt sich.

Songs
k‑os – I Wish I Knew Nata­lie Port­man
Es gilt, was ich hier bereits schrieb.

Jay Farr­ar & Ben­ja­min Gib­bard – Cali­for­nia Zephyr
Ja, klar: Ich habe einen soft spot für so ziem­lich alles, was mit Cali­for­nia zu tun hat (Aus­nah­me: LA), und Ben Gib­bard könn­te mir auch ein Tele­fon­buch vor­sin­gen (Aus­nah­me: das von LA) – und trotz­dem ist „Cali­for­nia Zephyr“ unbe­streit­bar ein tol­les Lied. Wie die­se Orgel da plötz­lich in den Song drängt, wäh­rend Gib­bard „Now I’m trans­con­ti­nen­tal /​ 3000 Miles from my home /​ I’m on the Cali­for­nia Zephyr /​ Wat­ching Ame­ri­ca roll by“ singt: ganz toll. Ein Lied, das einem die Wei­te Ame­ri­kas nahe bringt, selbst wenn man gera­de mit einem Regio­nal­ex­press durchs Ruhr­ge­biet juckelt.

Enno Bun­ger – Herz­schlag
„Ein neu­er Tag öff­net mir mei­ne Augen /​ Alles erstrahlt in gol­de­nem Licht“ – Songs, die so begin­nen, kom­men ent­we­der aus der Nähe von Flo­ri­an Sil­ber­ei­sen oder aus der von Blum­feld, Kan­te oder Toco­tro­nic. Enno Bun­ger (das ist der Name der Band, benannt nach dem Sän­ger – das Danko-Jones-Phä­no­men) könn­ten es schaf­fen, die Ziel­grup­pen bei­der Pole zu bedie­nen. Natür­lich ste­hen die Jungs aus Leer leicht unter Schla­ger­ver­dacht – dass sie trotz­dem poe­ti­sche und pathe­ti­sche Song­tex­te auf Deutsch anstim­men, spricht für ihren Mut. Musi­ka­lisch lie­gen sie als gitar­ren­lo­ses Trio (die Ben-Folds-Five-Beset­zung mit Schlag­zeug, Bass und Kla­vier) in der Nähe von Kea­ne und Cold­play und hät­ten das gro­ße Publi­kum von Sil­ber­ei­sen- bis Toco­tro­nic-Fans durch­aus ver­dient.

Annie – My Love Is Bet­ter
Erst dach­te ich, das hier sei die bes­te Cat­fight-Andro­hung seit lan­gem, aber irgend­wie scheint der Adres­sat des Tex­tes dann doch kei­ne Neben­buh­le­rin zu sein, son­dern der Macker höchst­selbst. Egal: Pop­mu­sik kann gar nicht genug Kom­pa­ra­ti­ve ver­tra­gen, das weiß man spä­tes­tens seit Daft Punk. Und was Annie da wem auch immer um die Ohren haut, ist dann eben die char­man­tes­te Kampf­an­sa­ge seit lan­gem.

Shir­ley Bas­sey – The Girl From Tiger Bay
Ich hät­te wirk­lich erst ein paar Mal das Album hören sol­len und dann nach­se­hen, wer eigent­lich wel­chen Song geschrie­ben hat. So bleibt das Risi­ko, dass ich die­sen Song nur so toll fin­de, weil er aus der Feder der Manic Street Pre­a­chers stammt. Nee: „The Girl From Tiger Bay“ ist schon ein sehr schö­nes Lied, des­sen über­gro­ßer, pathe­ti­scher Refrain sich durch­aus mit den bes­ten Arbei­ten der drei Wali­ser mes­sen las­sen kann. Wenn mir jetzt nur noch ein­fie­le, aus wel­chem ihrer eige­nen Songs sie den Melo­die­bo­gen ent­lehnt haben könn­ten …

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

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Gesellschaft Kultur

Alles ist Material

Der Künst­ler Nasan Tur hat eines der außer­ge­wöhn­lichs­ten Bücher erstellt, das ich über Street Art im wei­tes­ten Sin­ne ken­ne: Für „Stutt­gart says…“ hat er Graf­fi­ti nicht abfo­to­gra­fiert, son­dern abge­schrie­ben. Der Medi­en­wech­sel wirkt Wun­der und ver­leiht den mut­maß­lich eher häss­li­chen Spraye­rei­en plötz­lich den Anschein von abso­lu­ter Poe­sie.

Hier eini­ge Bei­spie­le:

Dein ICH muss dei­nem Selbst wei­chen,
Chris­tus ist immer noch im wer­den!

Geist­krank

I LIKE!

lie­be RAF,
ihr habt euch vie­le neue Freun­de gemacht!

Mama ficker

Lan was geht?

Erstaun­lich, wie bedeu­tungs­schwer sol­che Zita­te wir­ken, wenn man sie völ­lig aus ihrem Kon­text her­aus­löst.

An Turs Buch muss­te ich den­ken, als ich heu­te an einem Haus in mei­ner Noch-Nach­bar­schaft vor­bei­kam. Schon vor Jah­ren hat­te dort jemand, der mut­maß­lich noch rela­tiv jung und sehr unge­übt im Umgang mit Spray­do­sen war, einen … nun ja: Satz an die Wand gesprayt, dem der Lin­gu­ist in mir stets mit gro­ßer Begeis­te­rung begeg­net war:

ANNA IST HURE

Die­ses Zitat wirft die berech­tig­te Fra­ge auf, war­um wir uns in der deut­schen Spra­che über­haupt mit Arti­keln auf­hal­ten, die schon vie­le Mut­ter­sprach­ler vor Her­aus­for­de­run­gen stel­len und das Erler­nen des Deut­schen für Aus­län­der unnö­tig erschwe­ren. Man könn­te doch eini­ger­ma­ßen gut auf den Gebrauch von Arti­keln ver­zich­ten, so wie sich jun­ge Men­schen schon seit län­ge­rem Prä­po­si­tio­nen spa­ren – auch bei „Bin Engel­bert­brun­nen“ oder „Gehst Du Uni-Cen­ter?“ weiß jeder, was gemeint ist.

Seit eini­gen Wochen jeden­falls ist das Haus, an dem der oben genann­te Spruch steht, um eini­ge schlech­te Graf­fi­ti rei­cher. Dar­un­ter eines, das die Geschwin­dig­keit des Sprach­wan­dels und den Fort­schritt der Gleich­be­rech­ti­gung glei­cher­ma­ßen doku­men­tiert:

PAUL IS HURE

Und jetzt sagen Sie bit­te nicht: „So ein Quatsch – Paul is dead, wenn über­haupt!“

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Digital Fernsehen

Aufguss 2009 – The wahl to end all wahls

Das Jahr nähert sich sei­nem Ende, man ist im Weih­nachts­stress, denkt schon über eine ange­mes­se­ne Sil­ves­ter­par­ty nach und im Fern­se­hen lau­fen Jah­res­rück­bli­cke. Ver­har­ren wir doch ein­mal für einen Moment in Dank­bar­keit, dass nur ein Jahr­zehnt endet und wir nicht schon wie­der auf ein gan­zes Jahr­hun­dert oder gar Jahr­tau­send zurück­bli­cken müs­sen. Denn das wäre ja wohl rich­tig anstren­gend.

Aufguss 2009

Auch in die­sem Jahr haben Sie wie­der die Gele­gen­heit, in 20 Kate­go­rien die bes­ten Irgend­was­se des zurück­lie­gen­den Kalen­der­jah­res zu bestim­men – Songs und Alben wie gehabt in Hornby’schen Top-Five-Lis­ten.

Im Gro­ßen und Gan­zen hat das mit der Abstim­mung in den letz­ten Jah­ren gut geklappt, wes­we­gen ich die Erläu­te­rung der Spiel­re­geln auf weni­ge Minu­ten beschrän­ken möch­te:

Jeder Leser darf ein­mal abstim­men. Über­le­gen Sie sich also vor­her gut, wen und was Sie zu wäh­len geden­ken.

Die Kate­go­rien soll­ten eigent­lich selbst­er­klä­rend sein. Die Bezeich­nung “… des Jah­res” legt nahe, dass es sich bei Ihrer Wahl um Ver­öf­fent­li­chung und Ereig­nis­se han­deln soll­te, die zwi­schen dem 1. Janu­ar und dem 31. Dezem­ber 2009 statt­ge­fun­den haben. Dabei sind wir so toll­kühn und beschrän­ken das nicht auf den deut­schen Markt. Bei Büchern und Fil­men, die in Deutsch­land erschie­nen sind, soll­te trotz­dem der deut­sche Titel notiert wer­den, bei hier­zu­lan­de unver­öf­fent­lich­ten Kul­tur­pro­duk­ten der jewei­li­ge Ori­gi­nal­ti­tel.

Wich­tig! Bei Alben, Songs, Vide­os und Büchern bit­te stets nach dem Mus­ter “$Künst­ler – $Titel” vor­ge­hen, also bei­spiels­wei­se „Nir­va­na – Never­mind“ oder „Her­mann Hes­se – Step­pen­wolf“ schrei­ben. Nur ohne Anfüh­rungs­zei­chen.

Zu gewin­nen gibt es auch was:

  • Das Grand Hotel van Cleef stif­tet drei (jawohl: drei) GHvC-Fan­pa­ke­te. Die­se bestehen jeweils aus der Spe­cial Edi­ti­on von „Brot­her. Sis­ter. Bores!“ von Pale, „Glass Flo­or“ von Mari­ti­me, den Sin­gles zu „48 Stun­den“ von kett­car und „Baby Melan­cho­lie“ der Han­sen Band, sowie einem GHvC-Schlüs­sel­band.
  • Die Pro­mo­ti­on-Werft stif­tet ein Mul­ti­me­dia-Paket bestehend aus der 7″-Picture-Vinylsingle „For What It’s Worth“ von Pla­ce­bo, dem Buch „Von Musi­kern Machern und Mobil­toi­let­ten – 40 Jah­re Open Air Geschich­te“ und der Sin­gle „Mas­ter & Ser­vant“ von Nou­vel­le Vague feat. Mar­tin Gore.
  • Über­zahl Pro­mo­ti­on stif­tet ein CD-Paket mit „The­re Is An Oce­an That Divi­des“ von Scott Matthew, „We Used To Think The Free­way Sound­ed Like A River“ von Rich­mond Fon­taine, „Fami­ly“ von Le Loup und „It Feels So Good When I Stop“ von Joe Per­nice.
  • Revol­ver Pro­mo­ti­on stif­tet ein exklu­si­ves Sky­pe-Kon­zert von Hel­gi Jons­son. (Die­ses Kon­zert wird unter den Teil­neh­mern hier und auf nicorola.de ver­lost.)
  • Cof­fee And TV selbst stellt wie­der ein Mix­tape mit den bes­ten Songs des Jah­res zusam­men. Nicht nur für Kas­set­ten­mäd­chen!
Gewinne, Gewinne, Gewinne

Wenn Sie am Ende der Abstim­mung Ihre Kon­takt­da­ten ange­ben, wer­den Sie auch gefragt, wel­chen Preis Sie ger­ne gewin­nen wür­den. Für jeden Gewinn wird ein­zeln gelost. Soll­ten sich für einen Preis gar kei­ne Inter­es­sen­ten fin­den, wird er unter den ver­blie­be­nen Per­so­nen ver­lost.

Jetzt ver­nei­gen wir uns alle noch kurz in Demut und Dank­bar­keit vor Horst Motor, der die gebrauch­ten Wahl­com­pu­ter aus Flo­ri­da besorgt und die gan­ze Ver­ka­be­lung gemacht hat, und dann hät­ten wir’s glaub ich auch.

Been­den Sie das „Super­wahl­jahr“ 2009 doch ein­fach mal mit einer

Abstim­mung
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Musik Digital

Don’t Stop ‚Til You Get Enough

Als Musik- und Sta­tis­tik­fan ist last.fm natür­lich eine mei­ner Lieb­lings­web­sei­ten.

Jetzt, wo alle auf das Jahr zurück­bli­cken und ich auch lang­sam mal über­le­gen soll­te, was mei­ne Hits 2009 sind, war­tet last.fm wie­der mit unglaub­li­chen Sta­tis­ti­ken auf.

Dar­un­ter auch ein „Micha­el Jack­son Spe­cial“, des­sen Fak­ten man auf den ers­ten Blick zynisch fin­den könn­te:

This year, 69% of Micha­el Jack­son tracks were scrob­bled after his death. Over­all, scrob­bles from ‘09 account for over half of all the MJ tracks ever scrob­bled to Last.fm (sin­ce ’03).

Es drän­gen sich zwei Les­ar­ten auf, je nach Welt­sicht:
a) Nur ein toter Pop­star ist ein guter Pop­star.
b) Men­schen ver­lie­ren die Din­ge, die ihnen wich­tig sind, zwar manch­mal aus den Augen, aber sie ver­ges­sen sie nie.

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Musik Rundfunk

Einmal Star und zurück

Da, wo Sex und Drogen lauern: backstage

Wenn die eige­ne Kar­rie­re im Pop-Busi­ness so rich­tig brach liegt, blei­ben Frau­en nur noch Nackt­fo­tos und Män­nern Ent­hül­lungs­bü­cher. Auf letz­te­ren ste­hen dann grif­fi­ge Ankün­di­gun­gen wie „Die Wahr­heit über DSDS, Pop­stars & Co.“ oder „Zwei Gewin­ner packen aus!“

Mar­kus Grimm und Mar­tin Kesi­ci (dem Sie einen gro­ßen Gefal­len täten, wenn Sie sei­nen Nach­na­men auf der zwei­ten Sil­be beto­nen) wis­sen, wie es wir­ken muss, wenn sie jetzt Jah­re nach ihren Sie­gen bei „Pop­stars“ (Grimm war 2004 in der extrem kurz­le­bi­gen, nur mit­tel­er­folg­rei­chen Kir­mes­go­thic­k­a­pel­le Nu Paga­di) und „Star Search“ (Kesi­ci gewann 2003 in der Kate­go­rie „Adult Sin­ger“) mit einem Buch ankom­men, auf dem „Die Wahr­heit über DSDS, Pop­stars & Co.“ und „Zwei Gewin­ner packen aus!“ steht. Und tat­säch­lich fin­den die bei­den ja plötz­lich wie­der in Medi­en statt, die jah­re­lang kei­ne Notiz von ihnen genom­men haben.

Aber Grimm und Kesi­ci haben nichts mehr zu ver­lie­ren. Gemes­sen dar­an ist ihr Buch mit dem auf­merk­sam­keits­hei­schen­den Titel „Sex, Drugs & Cas­ting­shows“ ziem­lich mode­rat aus­ge­fal­len: Es gibt kaum Namens­nen­nun­gen (an eini­gen Stel­len wie etwa bei einem Schla­ger­sän­ger, der von sich selbst nur in der drit­ten Per­son redet, ver­wen­den die Autoren statt Namen Pik­to­gram­me, was sich jetzt aller­dings viel spek­ta­ku­lä­rer anhört, als es sich im Kon­text dann tat­säch­lich liest), kaum schmut­zi­ge Wäsche und die titel­ge­ben­den Sex- und Dro­gen­an­ek­do­ten kann man auch in jedem Inter­view zum Buch nach­le­sen.

„Das Pop­mu­sik­busi­ness ist schlecht und die Leu­te, die damit zu tun haben, sind noch mal einen Grad schlech­ter“, schreibt Grimm an einer Stel­le (nur um eine hal­be Sei­te spä­ter zu erklä­ren, dass Schla­ger und volks­tüm­li­che Musik aber noch mal viel, viel schlim­mer sei­en), aber das Buch wid­met sich dann doch eher dem Busi­ness als den Leu­ten. Dass die Wahr­heit bei Cas­ting­shows ein fle­xi­bles Gut ist, dürf­te noch kaum jeman­den über­ra­schen. Etwas irri­tie­ren­der ist da schon das beschrie­be­ne Geba­ren von Plat­ten­fir­men, gera­de eta­blier­te Acts ein­fach abzu­sä­gen, weil das Nach­fol­ge­pro­dukt schon in den Start­lö­chern steht. Der Laie wür­de ja womög­lich sagen, dass zwei Pfer­de im Ren­nen die Gewinn­chan­cen erhö­hen. Aber des­we­gen füh­ren wir ja alle kei­ne Plat­ten­fir­men.

Etwas läng­lich und umständ­lich zeich­nen die Autoren ihren Weg in die Final­shows ihrer jewei­li­gen Sen­de­rei­hen nach. Auch dem däm­lichs­ten Leser – und, sei­en wir ehr­lich: ein Buch über Cas­ting­shows läuft Gefahr, ein paar däm­li­che Leser zu fin­den – soll klar wer­den, dass er es hier mit zwei boden­stän­di­gen, ehr­li­chen Musi­kern zu tun hat, die eher zufäl­lig zu Medi­en­stars wur­den. Und deren Namen heu­te noch so ver­brannt sind, dass kaum jemand mit ihnen zusam­men­ar­bei­ten möch­te. Kesi­ci schnod­dert sich durch sei­ne Pas­sa­gen und ver­mit­telt den Ein­druck, als gehe er inzwi­schen ganz sou­ve­rän mit sei­ner Geschich­te um. Bei Grimm hin­ge­gen hat man mit­un­ter das Gefühl, dass ein paar klä­ren­de Gesprä­che mit einem The­ra­peu­ten viel­leicht die bes­se­re Idee gewe­sen wären, als sich den gan­zen Frust von der See­le zu schrei­ben und das dann anschlie­ßend zu ver­öf­fent­li­chen.

Auch wenn die Geschich­ten über Mana­ger und Plat­ten­ver­trä­ge natür­lich alle Kli­schees bestä­ti­gen, die man als Außen­ste­hen­der so vom Musik­busi­ness hat­te (las­sen Sie mich alle guten Rat­schlä­ge auf zwei Wor­te her­un­ter­bre­chen: „NICHTS. UNTERSCHREIBEN.“), stellt man bei der Lek­tü­re fest: Cas­ting­shows haben sehr viel mehr mit Fern­se­hen zu tun als mit Musik. In sei­nem Nach­wort bemerkt Kesi­ci sehr klug, dass Musi­ker „auf die Büh­ne, on the road“ gehö­ren, aber nicht ins Fern­se­hen. Dort geht es näm­lich laut Autoren nur dar­um, Geschich­ten zu erzäh­len und das Publi­kum zu unter­hal­ten und nicht dar­um, Künst­ler auf­zu­bau­en – womög­lich noch lang­fris­tig.

Für das Erzäh­len von Geschich­ten gibt es gan­ze Ver­wer­tungs­ket­ten (RTL und Pro­Sie­ben bestrei­ten damit qua­si ihr gesam­tes Pro­gramm), zu denen natür­lich auch die Bou­le­vard­pres­se gehört. So berich­tet Kesi­ci bei­spiels­wei­se, wie sich ein „Bild“-Mitarbeiter (oder zumin­dest jemand, der sich als sol­cher aus­gab) bei ihm mel­de­te und mit der Ankün­di­gung, wenn Kesi­ci das Vier­tel­fi­na­le gewin­ne, wer­de man über sei­ne Vor­stra­fe wegen Dro­gen­be­sit­zes berich­ten, um ein Gespräch bat. Am Tag nach der Sen­dung mach­te „Bild“ dann mit „Darf so einer Deutsch­lands neu­er Super­star wer­den? Ver­ur­teilt wegen Dro­gen!“ auf.

Auch eine wei­te­re „Skandal“-Geschichte rund um „Star Search“ fand in „Bild“ ihren Anfang: Kesi­ci beschreibt, wie er und zwei wei­te­re Kan­di­da­ten weni­ge Tage vor dem gro­ßen Fina­le mit einer Limou­si­ne abge­holt wur­den, in der Repor­ter von „Bild“ und dem Sat.1‑Boulevardmagazin „Blitz“ war­te­ten. Gemein­sam fuhr man in eine Tab­le­dance-Bar, wo der „Bild“-Fotograf jene Fotos mach­te, die am dar­auf fol­gen­den Tag den Arti­kel „Dür­fen die­se Sex-Fer­kel neue Super­stars wer­den?“ bebil­dern soll­ten. Erstaun­lich ist dar­an viel weni­ger, dass „Bild“ invol­viert war, son­dern, dass Sen­der und Pro­duk­ti­ons­fir­ma der­ar­ti­ge Geschich­ten anschei­nend auch noch for­ciert haben.

Sex- und Dro­gen­par­ties in Pro­mik­rei­sen wer­den zwar erwähnt (Grimm schreibt sei­ten­lang über – Ach­tung! – „eine After-Show, denn sie hat­ten alle kei­ne Hosen an und zeig­ten ihren nack­ten Arsch und mehr“), aber zum gro­ßen Pro­mi­klatsch taugt das Buch nicht. Kesi­ci behaup­tet, „dass 70 Pro­zent der Leu­te aus die­ser Glit­zer- und Gla­mour­welt bei sol­chen Par­tys auf Dro­gen sind“, ent­täuscht aber zwei Sät­ze spä­ter die Erwar­tun­gen der ent­hül­lungs­gei­len Leser­schaft mit dem Hin­weis, dass er kei­ne Namen nen­nen wer­de. Es ehrt ihn als Men­schen, scha­det aber natür­lich der Ver­markt­bar­keit des Buchs.

So erfährt man statt­des­sen, wie es abläuft, wenn eine Plat­ten­fir­ma ein Band­mit­glied raus­schmeißt oder einen Künst­ler droppt. Der Leser bekommt schnell den Ein­druck, dass man bes­ser einen Ban­den­krieg unter süd­ame­ri­ka­ni­schen Dro­gen­kar­tel­len anzet­teln soll­te, als bei einer Major-Plat­ten­fir­ma zu unter­schrei­ben. Dafür gibt es im Anhang auch 50 Sei­ten (teil­wei­se geschwärz­te) Ori­gi­nal­ver­trä­ge, die man ohne meh­re­re juris­ti­sche Staats­examen natür­lich kaum durch­schaut. Wenn aller­dings das, was ich nicht ver­ste­he, genau soviel Quatsch ent­hält wie das, was ich ver­ste­he, dann ist das ganz schön viel Quatsch.

„Sex, Drugs & Cas­ting­shows“ ist letzt­lich War­nung vor den gan­zen Ver­stri­ckun­gen, die die Teil­nah­me an so einem Cas­ting mit sich bringt. Auch als Schil­de­rung zwei­er Lebens­we­ge, die von „Durch­schnitts­typ“ zu „Super­star“ und zurück füh­ren, funk­tio­niert das Buch eini­ger­ma­ßen gut. Es hät­te aller­dings gehol­fen, wenn das Manu­skript zumin­dest mal kurz­fris­tig in der Nähe von jeman­dem gele­gen hät­te, der sich mit dem Schrei­ben von Büchern aus­kennt.

Dass Teil­neh­mer und Zuschau­er glei­cher­ma­ßen ver­arscht wer­den, hat­te man sich ja immer schon gedacht. Bei der Lek­tü­re sieht man also vie­les bestä­tigt, was man sowie­so über die feh­len­de Wahr­haf­tig­keit sol­cher Sen­dun­gen geahnt hat­te, gewürzt mir ein paar fas­sungs­los machen­den Anek­do­ten. Aber die ver­spro­che­ne Abrech­nung, „die Wahr­heit“, das alles fällt letzt­lich ein biss­chen mager aus. Ja: Cas­ting­shows sind doof und gefähr­lich und jetzt wis­sen wir alle, war­um. Das auf mehr als 350 Sei­ten aus­ge­brei­tet zu krie­gen, ist ver­mut­lich immer noch ange­neh­mer, als die Ver­wer­tungs­ma­schi­ne­rie des Show­ge­schäfts selbst zu durch­lau­fen.

Mar­kus Grimm/​Martin Kesi­ci – Sex, Drugs & Cas­ting­shows
Riva, 428 Sei­ten
17,90 Euro

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Kaminzimmerhumor

Irgend­wann muss den Redak­teu­ren der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ auf­ge­fal­len sein, dass ihr „Streit­ge­spräch“ zwi­schen Bun­des­wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Annet­te Scha­van und dem Stu­den­ten­ver­tre­ter Tho­mas War­nau vor All­ge­mein­plät­zen nur so strotz­te, kei­ner Debat­te – schon gar nicht der aktu­el­len um Stu­di­en­re­for­men – irgend­et­was Neu­es hin­zu­zu­fü­gen hat­te und ins­ge­samt so ein­schlä­fernd war, dass man es auch gegen Schlaf­stö­run­gen hät­te ver­schrei­ben kön­nen.

Und genau in die­sem Moment wer­den sie sich gedacht haben: „Ver­su­chen wir halt, alles mit der Bild­un­ter­schrift wie­der raus­zu­rei­ßen“, und haben mir damit den Sonn­tag ver­süßt.

Seite 5 der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vom 29. November 2009

Die Minis­te­rin und der Stu­dent dis­ku­tie­ren über die Stu­di­en­re­form vor der 35 000 Bän­de umfas­sen­den Marx-Engels-Gesamt­aus­ga­be in gerech­ter Spra­che im Kamin­zim­mer unse­rer Ber­li­ner Redak­ti­on.