Vom Apfel und der Schlange

Von Lukas Heinser, 23. Dezember 2009 12:11

Die Firma Apple war mir lange Zeit sympathisch, ein bisschen so wie der Volvo unter den Computerfirmen.

Im Sommer des letzten Jahres kaufte ich mir ein MacBook — weil ich mit Windows immer unzufrieden und bei vorherigen Arbeiten an Macs einigermaßen begeistert von der Übersichtlichkeit und Funktionsweise dieser Computer gewesen war. Dass Apple längst eine Lifestyle-Firma war – und in dieser Funktion langsam aber sicher vom Gucci der Computerwelt zum Ed Hardy wurde -, war mir ziemlich egal: Ich wollte einen Computer, der ordentlich arbeitet, und das tat das MacBook.

Als ich mir einen MP3-Player kaufen wollte, war klar, dass es ein iPod werden würde. Meine Apple-Beraterin riet mir zum Modell „touch“, weil man damit auch via W-Lan ins Internet könne und überhaupt ganz viele tolle Programme darauf liefen.

Letztes Jahr zu Weihnachten schenkte ich mir zwei Drittel des iPods selbst, den Rest schenkten meine Eltern. Nach einem halben Tag mit dem Gerät wollte ich ein iPhone haben, so begeistert war ich von dem Teil. Es wurde mir ein treuer Begleiter, spielte immer brav die Musik, die ich gerade hören wollte, und verkürzte mir mit Sudokus, Fußballsimulationen und anderen Spielen so manche Bahnfahrt.

Im September drehte mein iPod selbständig seine Lautstärke auf Null. Er gab keine (hörbaren) Geräusche mehr von sich, was bei einem Gerät, das primär als Musikabspieler gekauft wurde, wenig hilfreich ist. Ich ging zu einem Bochumer Apple-Händer und reklamierte das Teil. Nach einer Woche kriegte ich es zurück: Es sei kein Fehler gefunden worden. Dafür bekam ich neue Kopfhörer, denn die halten bei Apple in der Regel so lange wie ein Fahrradschlauch auf Dinslakener Radwegen (Anm.: Also nicht sehr lange.)

Drei Wochen später tauchte derselbe Fehler wieder auf, ich brachte den iPod wieder in den Laden und konnte eine Woche später ein neues Exemplar abholen.

Keine drei Wochen später ging der neue iPod aus. „Haben Sie versucht, ihn wiederherzustellen?“, fragte der Mitarbeiter des Apple-Händlers am Telefon. Ich versuchte es, wobei der iPod derart abstürzte, dass er danach nicht einmal mehr von meinem MacBook erkannt wurde. Ich brachte ihn wieder vorbei.

Seit fast fünf Wochen ist mein iPod nun in Reparatur. Zufälligerweise fiel das Ende der einjährigen Garantiephase genau in diese Zeit. Angeblich dauert es so lange, weil mein neuer iPod (hoffentlich aus einer anderen Produktionscharge) noch graviert werden muss.

Ich bin also im Moment nur so mittelgut auf die Firma Apple zu sprechen. Vielleicht der richtige Zeitpunkt, um festzustellen, dass sich der iTunes Store in diesem Jahr für seine Aktion „12 Tage Geschenke“ einen ganz besonderen Kooperationspartner ausgesucht hat: Bild.de.

Interessanterweise findet sich bei Apple selbst kein Hinweis auf Bild.de — im Gegenzug versucht „Bild“ allerdings auch den Eindruck zu erwecken, als verschenke die Zeitung selbst ganz alleine jeden Tag einen Download an ihre Leser.

18 Kommentare

  1. Marcus
    23. Dezember 2009, 13:01

    An dieser Stelle möchte ich auf den seit langer Zeit besten Simpsons-Moment hinweisen: Mapple-Store, MyPods, MyPhones und Steve Mobs:
    http://www.youtube.com/watch?v=g0jA3OmbhHY

  2. StoiBär
    23. Dezember 2009, 13:48

    „Zufälligerweise fiel das Ende der einjährigen Garantiephase genau in diese Zeit.“

    Du hast doch das Teil in Deutschland gekauft, oder? Da gelten noch immer zwei Jahre Garantie für alle privat erworbenen Produkte.

  3. Matt
    23. Dezember 2009, 14:05

    „Da gelten noch immer zwei Jahre Garantie für alle privat erworbenen Produkte.“

    Garantie ungleich Gewährleistung, letztere gilt zwei Jahre und wird häufig mit Garantie verwechselt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/G.....hrleistung

  4. sigi
    23. Dezember 2009, 14:07

    die faz macht auch diese itunes aktion. könnte die gleiche sein? http://www.faz.net/itunes

  5. jim
    23. Dezember 2009, 14:28

    nun ja, ein paar fragen wirft das aber dann doch auf.

    bei der ersten reklamation hast du neue kopfhörer bekommen – das heißt, dass es dir vor dem gang zum apple-händer (sic) nicht einfiel, das gerät mit anderen kopfhörern auszuprobieren?

    beim zweiten mal wurde der ipod nach dem wiederherstellungsversuch nicht mehr erkannt. dann hätte ein wenig googlen geholfen um dem ipod wieder auf die beine zu helfen. denn wie sich in den suchergebnissen schnell zeigt, reichen kleinigkeiten um einen scheinbar toten ipod in den wartungszustand zu versetzen und weitere reha-maßnahmen einzuleiten.

    altogether ist die erzählung vom mangelhaften service von apple nur die eine version der ganzen geschichte.

  6. Lukas
    23. Dezember 2009, 14:41

    @jim: Natürlich hab ich das Gerät mit diversen Kopfhörern ausprobiert. Die Kopfhörer wurden ausgetauscht, weil die Gummierung kaputt war, nicht der Stecker.

    Und der zweite iPod ist mehrmals ausgegangen und beim Versuch, in Wiederherzustellen, abgekackt. Selbst wenn ich ihn wiederhergestellt gekriegt hätte, hätte ich ihn danach zurückgebracht.

    (Was ich eigentlich schreiben wollte: Klugscheißer!)

  7. Bernhard
    23. Dezember 2009, 15:13

    Endlich mal Jemand, der nicht sagt „Microsoft ist Mist und Apple ist Super-Toll!“, sondern stattdessen sagt „Microsoft ist Mist und Apple auch!“.
    Die Frage ist jetzt nur, was benutzt man, wenn Microsoft und Apple Mist sind? Die Antwort ist doch jetzt hoffentlich nicht Linux? Es muß etwas besseres geben!

  8. Lukas
    23. Dezember 2009, 15:24

    @Bernhard: Bei der Software spricht für mich nur wenig gegen Apple. (Bisher.)

    Aber wenn ich sehe, was für Probleme Freunde von mir schon mit ihren MacBooks und gerade iPhones (da dann auch gerne in Serie, wie bei meinem iPod touch) hatten, gewinne ich den Eindruck, dass die Firma bei der Hardware auf einen Haufen Schrott setzt.

    Und die Bild.de-Kooperation ist natürlich eher ein ideologisches Problem, kein technisches.

  9. birgit
    23. Dezember 2009, 16:19

    12 Tage Geschenke von iTunes gibt es auch in Kooperation mit http://www.faz.net für den, der mit bild.de sein Probleme hat!

  10. Armin
    24. Dezember 2009, 9:40

    @jim

    Wie war das? „It just works“?

    „Wiederherstellungsversuch“? „mit ein bisschen googlen“? Ich dachte sowas gibt’s nur bei Microsoft, wo man als Benutzer selber basteln und reparieren muss…

    Aber ist schon klar, wenn bei Apple was nicht funktioniert ist der Benutzer Schuld, bei Microsoft (oder Dell, oder HP oder wem auch immer aus dem boesen PC Lager) ist die Firma Schuld.

  11. Ortwin
    24. Dezember 2009, 14:33

    Der iPod Touch ist ja ein nettes Spielzeug, aber zum mobilen Musikabspielen greift der Kenner doch eher zum Cowon…

    Und Linux ist doch eine wunderbare Lösung, um Apple und Microsoft endlich loszuwerden. Selbst meine Oma kommt mit ihrem Ubuntu super klar.

  12. Dani
    25. Dezember 2009, 1:06

    Software top, Hardware schrott, stimme zu.

    Mit ipods hatte ich zwar immer großes Glück, ich lief sogar bis zum vergangenen Jahr mit einem stets tadellos funktionierenden ipod mini herum, da erinnerten sich die meisten Leute nicht mal mehr dass es je einen ipod mini gab („Du meinst diesen ersten nano?“ – äh…nein“).
    Aber mein macbook ging vor 3 Wochen ansatzlos in Rauch auf. Und als ich es abgab hieß es „dauert bis zu 4 Wochen“.
    Super.

    Andererseits bot apple den riesen Vorteil, dass ich, obwohl ich mittlerweile in einem anderen Land wohne, wusste wohin ich mit meinem kaputten laptop zu gehen habe, um ihn repariert zu bekommen. Dank des Gerätenummern-Systems brauche ich dafür auch keine Rechnung.

    4 Wochen und Rauch ausm Laptop ist trotzdem schrott. Und es ist auch das zweite Mal dass er, jetzt 2 Jahre alt, repariert werden muss (beim ersten Mal wars aber nur die Außenhülle und dauerte keine 4 Wochen sondern 1 Tag).

    Software is aber leider echt unschlagbar.

  13. Jens
    25. Dezember 2009, 10:43

    Naja, ich möchte das relativieren – als Besitzer einiger iPods, als Person die „Verfügungsgewalt“ über mehrere MacBooks hat(te) und auch als iPhone-Besitzer, kann ich über solche Probleme bisher nicht klagen.

    @Bernhard (7):
    Sagen wir so: Die Windows-Plattform und alles was dazugehört ist doof, die Apple-Plattformen sind auch manchmal doof (aber deutlich seltener).

    Ich bin jetzt nicht so der typische Apple-Fanboy, der alles was von dort kommt gutheißt. Die Liste der Punkte, die mich bei Macs (und auch bei iPods/iPhone & Co.) nerven ist nicht gerade gering, egal ob nun softwaretechnisch (wo leider viel weniger Möglichkeiten vorliegen als unter Windows, außer man hackt ins Terminal rein) oder aber auch hardwaretechnisch: Kann mich immer noch dran erinnern, wie ich in der Zeit der ersten weißen MacBooks (und vor den neueren Unibody-MacBook Pros) mich drüber aufregte, dass das MacBook keinen SD-Kartenleser hat. Damals musste ich mir von Fanboys und -girls erklären lassen, dass das gar nicht notwendig sei, dass es ja Adapter für den USB-Port geben würde, dass Apple niemanden die Wahl der Speichermedien vorschreiben würde usw.
    Dann kamen die neuen MacBook Pros mit dem SD-Schacht und ich konnte mir von den selben Leuten anhören, wie innovativ das doch sei. Etwas, was vorher durch die Bank weg abgelehnt wurde und bei Windows-Notebooks schon seit Jahren Standard ist. ;)

    Bisher hatte ich erst bei einem (weißen) MacBook Hardware-Probleme (die berühmten Risse im Gehäuse), die jedoch dank AppleCare innerhalb kürzester Zeit kostenlos (habe sogar aufgrund der besonderen Umstände noch ein Starbucks-Getränk für die effektive Reparatur-Wartezeit von 25 min umsonst bekommen) ablief.

    Sprich: Bei allen Problemen die ich mit Apple-Produkten bisher hatte – ich bin mir zu 99,99 % sicher, dass die nächsten Geräte auch wieder einen Apfel tragen werden.

    PS: Frohes Fest! :)

  14. Kathi
    26. Dezember 2009, 0:24

    Nananananana, ich halte mir die Ohren und Augen zu und sehe und höre nix. Weil, wenn ich nämlich mein neues MacBook sehe und dabei an meinen zukünftigen iPod denke, dann ist die Welt bunt und das wird auch so bleiben (!).

  15. iTunes verschenkt heute Loriot: Weihnachten bei Hoppenstedts » Pottblog
    27. Dezember 2009, 21:25

    […] ganze merkwürdig, dass die BILD-Zeitung jetzt die iTunes-Aktion unterstützt (siehe auch Coffee And TV) und heute eine kostenlose Abgabe eines ARD-Videos unterstützt? Abgelegt unter: Internet und […]

  16. Kunar
    4. Januar 2010, 18:36

    Was soll man von einem Hersteller halten, der mit zwei tollen Eigenschaften seiner Geräte wirbt, diese aber im Basismodell nicht beide zusammen erhältlich sind? Ich hatte mich seinerzeit schon im Pottblog detaillierter dazu ausgeheult.

  17. Coffee And TV: » Ich, WDR 2
    10. Januar 2010, 23:06

    […] hat viel Staub, aber nur sehr wenige Farbspritzer abbekommen. So langsam könnte ich meinen einen iPod mitbringen und an die alten Aktivboxen anschließen. Aber ich würde auch etwas […]

  18. Coffee And TV: » Adam and Steve
    27. Januar 2010, 12:57

    […] wird die Firma “Apple” (die meinen defekten iPod übrigens nach nur zwei Monaten ausgetauscht bekommen hat) offensichtlich ein Gerät vorstellen, […]