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Headlines And Deadlines

Aus dem Live­blog von heu­te Nacht:

00:35 Uhr: Oha, schwe­rer Bus­un­fall bei Han­no­ver mit 20 Toten. Das macht es für die Titel­sei­ten­re­dak­teu­re von „Bild“ auch nicht ein­fa­cher.

00:39 Uhr: „Bild“ hat wirk­lich ein Schlag­zei­len-Pro­blem: Boris Becker und San­dy Mey­er-Wöl­den haben sich getrennt!

Immer noch berauscht von dem Sta­tis­ti­ko­ver­kill auf CNN hab ich dann heu­te für Sie ein­mal nach­ge­mes­sen:

Titelseite der "Bild"-Zeitung vom 5. November 2008

Die Gesamt­grö­ße der Titel­sei­te beträgt inklu­si­ve Weiß­flä­chen 2.280 cm², davon ent­fal­len

  • 679 cm² (29,8%, blau) auf die Prä­si­dent­schafts­wahl (deren Aus­gang bei Druck­le­gung noch nicht fest­stand)
  • 252 cm² (11%, gelb) auf den Bus­un­fall
  • 126 cm² (5,5%, rot) auf Boris Becker
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Politik Digital

Coffee And TV goes green

Nach­dem ich mich in der ver­gan­ge­nen Nacht an der Schön­heit der Demo­kra­tie berauscht habe, wer­de ich nächs­te Woche Gele­gen­heit haben, mich mit dem har­ten poli­ti­schen All­tags­ge­schäft in Deutsch­land zu befas­sen.

Vor eini­gen Wochen hat­te die Par­tei Bünd­nis 90/​Die Grü­nen (und das war das ers­te und letz­te Mal, dass ich die­sen kna­cki­gen Namen kom­plett aus­ge­schrie­ben habe) einen Auf­ruf gestar­tet, bei dem sich Blog­ger für eine Art Blog­ger­sti­pen­di­um für den Bun­des­par­tei­tag (der bei den Grü­nen Bun­des­de­li­gier­ten­kon­fe­renz heißt) bewer­ben konn­ten. Weil ich bereits in ganz jun­gen Jah­ren ver­schie­de­ne Grü­nen-Ver­an­stal­tun­gen besucht hat­te, fühl­te ich mich hin­rei­chend kom­pe­tent für die­sen Job und habe mich dort bewor­ben.

Jetzt habe ich erfah­ren, dass ich vom 14. bis zum 16. Novem­ber in Erfurt dabei sein darf. Es wird mein ers­ter Par­tei­tag und ich bin sehr gespannt. Ich erwar­te nicht all­zu viel „Change“-Stimmung, auch wenn mit Cem Özd­emir erst­mals ein tür­kisch­stäm­mi­ger Poli­ti­ker Vor­sit­zen­der einer grö­ße­ren deut­schen Par­tei wer­den kann.

Nun wer­den Sie viel­leicht den­ken: „Die Par­tei zahlt ihm Zug­fahrt und Hotel, da wird er die ja sicher in den Him­mel loben!“ Da kann ich Sie beru­hi­gen: So lan­ge Clau­dia Roth, die am Mon­tag vor die Pres­se stürm­te und das Ver­hal­ten der vier hes­si­schen SPD-Abweich­ler ver­ur­teil­te, bevor die sich über­haupt erklärt hat­ten, bei den Grü­nen dabei ist, wird es genug geben, über das ich mich ärgern kann.

Erwar­ten Sie also stim­mungs­vol­le Impres­sio­nen aus der mir völ­lig frem­den Welt der Par­tei­po­li­tik hier bei Cof­fee And TV – und eben­falls im Pott­blog, denn Jens ist wit­zi­ger­wei­se auch dabei.

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Politik

Programmhinweis

US-Präsident (Archivbild)

Ich hat­te die Käse­wür­fel schon klein geschnit­ten, den Pro­sec­co auf­ge­wärmt und klei­ne Län­der­fähn­chen gekauft – und dann fiel mir auf, dass heu­te gar kein Schla­ger-Grand-Prix statt­fin­det.

Ich wer­de aber trotz­dem ein Live­blog machen. Es wird sich statt­des­sen mit der gro­ßen Kri­se befas­sen, die mor­gen über den Jour­na­lis­mus hin­ein­bre­chen wird, und die auf den Namen „Oh mein Gott, wor­über sol­len wir jetzt schrei­ben?!“ hört. Es geht also (Sie ahn­ten es bereits und fan­den mei­ne Ver­su­che, Ross, Rei­ter und Kind nicht beim Namen zu nen­nen, eher so mit­tel) um die Prä­si­dent­schafts­wahl in den USA.

Ich weiß noch nicht, ob ich die gan­ze Nacht durch­hal­te, aber Kaf­fee und Fern­se­her (Es passt! End­lich mal eine Stel­le, an der es passt!) ste­hen bereit, um Sie und mich durch die Nacht zu brin­gen.

Das prä­si­dia­le Live­blog auf coffeeandtv.de
Ab Mit­ter­nacht des 5. Novem­ber 2008

Links
Bei Gaw­ker kön­nen Sie nach­le­sen, wann mit wel­chen Ergeb­nis­sen zu rech­nen ist.
Bei NPR kön­nen Sie die USA-Land­kar­te nach Ihren Wün­schen poli­tisch ein­fär­ben.
Die „New York Times“ hat den Wahl­kampf bis hier­her noch ein­mal zusam­men­ge­fasst.
In Ber­lin fin­det eine Wahl­par­ty im Salon Schmück statt.
Und Hen­drik aus dem Ohren­ses­sel wird eben­falls live blog­gen, sei­nen Medi­en­kon­sum aber auf das Radio beschrän­ken.

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Politik

Der Nazi-Vergleich des Monats

… wird Ihnen prä­sen­tiert von Hans-Wer­ner Sinn, dem Prä­si­den­ten des Münch­ner Ifo-Insti­tuts.

Den zitiert der „Tages­spie­gel“ wie folgt:

„In jeder Kri­se wird nach Schul­di­gen gesucht, nach Sün­den­bö­cken“, sag­te er dem Tages­spie­gel. In der Welt­wirt­schafts­kri­se von 1929 „hat es in Deutsch­land die Juden getrof­fen, heu­te sind es die Mana­ger“.

Damit sichert sich Sinn natür­lich einen der begehr­ten Plät­ze in der gro­ßen Nazi-Ver­gleichs-Lis­te von Cof­fee And TV – auch wenn es sich streng genom­men nur um eine Cover­ver­si­on von Roland Kochs Schla­ger „Eine neue Form von Stern an der Brust“ han­delt.

Streng genom­men han­delt es sich hier­bei natür­lich nicht direkt um einen Nazi-Ver­gleich, weil das obli­ga­to­ri­sche „wie/​seit Hitler/​Goebbels/​1945“ fehlt. Ande­rer­seits wird hier gleich jeder, der heu­te Mana­ger kri­ti­siert, mit Anti­se­mi­ten gleich­ge­setzt. Und das wäre, wenn Sinn das tat­säch­lich gemeint haben soll­te, natür­lich schon eine ziem­lich ver­un­glück­te Welt­sicht.

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Digital

In eigener Sache

Lie­be Leser,

soll­ten Sie in den ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­ten hier einen (ver­mut­lich sehr klu­gen) Kom­men­tar abge­ge­ben haben, der dann nicht ange­zeigt wur­de, so liegt es nicht an Ihnen: Bei einer Bege­hung mei­ner Daten­bank habe ich soeben fest­ge­stellt, dass offen­bar Dut­zen­de Kom­men­ta­re als Spam mar­kiert wur­den und ich die­se somit nie zu Gesicht bekam.

Davon betrof­fen waren auch sämt­li­che Kom­men­ta­re, bei denen eine E‑Mail-Adres­se von T‑Online ange­ge­ben wor­den war – irgend­ein ver­trot­tel­ter Tech­ni­ker aus der rie­si­gen Cof­fee-And-TV-Redak­ti­on hat­te einen Fil­ter ein­ge­setzt, der alle Kom­men­ta­re, in denen ein „-online“ vor­kam, auto­ma­tisch aus­sor­tiert hat. Wenn wir den Dep­pen erwi­schen, wird er gefeu­ert – vor­aus­ge­setzt, es han­delt sich dabei nicht um mich.

War­um die­ser Ser­ver hier immer noch so schlecht dar­in ist, Ping- und Track­backs zu ver­schi­cken, ist mir indes immer noch schlei­er­haft, aber ich habe mal beim Pro­vi­der nach­ge­fragt. Falls Sie eine Idee haben: Her damit!

Ich bit­te viel­mals um Ent­schul­di­gung für die­se unfass­bar doo­fen Feh­ler, aber sowas kann halt immer mal pas­sie­ren, wenn man Geis­tes­wis­sen­schaft­ler an den Com­pu­ter lässt. Und wenn Sie mich jetzt ent­schul­di­gen: ich muss noch ein wenig in Sack und Asche nach Canos­sa krie­chen und unter­wegs mei­ne Tisch­plat­te auf­es­sen. Außer­dem ver­su­che ich gera­de, alle bis­her ver­schol­le­nen Kom­men­ta­re frei­zu­ge­ben.

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Digital

Heinsern für Anfänger

Ich hab kei­nen Bock mehr!

Hier ist ein Arti­kel von „RP Online“, in dem ein paar eigen­wil­li­ge Schreib­wei­sen und Pro­dukt­na­men ver­steckt sind. Mög­li­che Ver­wei­se auf Acht­jäh­ri­ge ver­bie­ten sich aus Respekt vor eben die­sen.

Machen Sie selbst was damit, mir hat’s mein Arzt ver­bo­ten!

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Meine Ruhr-Uni (Teil 3)

Die letz­ten zehn Tage habe ich mit Fil­men, Schnei­den, Freun­de tref­fen und Fami­lie besu­chen zuge­bracht (und in all der Zeit die neue Tom­te-Plat­te bis­her genau ein­mal hören kön­nen). Wäh­rend­des­sen hat mich die Welt­ge­schich­te rechts über­holt und vor­wurfs­voll eine Welt­wirt­schafts­kri­se, ein Fern­seh­preis-Skan­däl­chen, ein Fuß­ball-Skan­däl­chen und einen toten öster­rei­chi­schen Poli­ti­ker (also einen wei­te­ren) auf mei­nem Schreib­tisch abge­la­den. Ich aber sage: „Ach, ver­zieh Dich, Welt­ge­schich­te, über Dich wer­den noch genug ande­re schrei­ben!“

Statt­des­sen wid­me ich mich noch ein­mal mei­ner Ruhr-Uni, genau­er: dem drit­ten Teil der Serie „Mei­ne Ruhr-Uni“ (s.a. Teil 1 und Teil 2). Heu­te geht’s da hin, wo ich ohne Quatsch am Abend nur ungern unter­wegs wäre – und in die Uni-Biblio­thek, die immer so schön nach Kind­heit riecht.

Das alles in den letz­ten vier­ein­halb Minu­ten von „Mei­ne Ruhr-Uni“:

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Natür­lich wie­der mit Dank an Kame­ra­kind Fabi­an!

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Leben

Mitbewohner 1.0

Leeres Zimmer (Symbolbild)

Im Mai star­te­te ich einen Auf­ruf, mit dem ich einen neu­en Bewoh­ner für das leer­ste­hen­de Zim­mer in unse­rer WG fin­den woll­te.

Ich schrieb damals, mit die­ser Akti­on „das welt­wei­te Daten­netz auf eine har­te Pro­be stel­len“ zu wol­len. Nun, was soll ich sagen? Das Web hat ver­lo­ren.

Der Mai ist kein guter Monat, um neue Mit­be­woh­ner zu fin­den: das Semes­ter ist im vol­len Gan­ge und kaum jemand ist auf der Suche nach einem Zim­mer oder Wil­lens umzu­zie­hen. In den ers­ten drei Mona­ten mel­de­ten sich genau drei Leu­te, die durch Zet­tel, die ich an der Uni aus­ge­hängt hat­te, auf das Ange­bot auf­merk­sam gewor­den waren: der Ers­te such­te nur was zur Zwi­schen­mie­te (was wir nicht woll­ten), der Zwei­te war ent­täuscht, dass das Zim­mer gänz­lich unmö­bliert war (was auch für den Ers­ten von Nach­teil gewe­sen wäre), vom Drit­ten waren wir so ange­tan, dass wir ihm das Zim­mer geben woll­ten. Lei­der hat er sich nach unse­rem Ange­bot, bei uns ein­zu­zie­hen, nie wie­der gemel­det.

twit­ter hat­te kein biss­chen gehol­fen und mit der Zeit begriff ich auch, dass ein Blog-Ein­trag allein nicht aus­rei­chen wür­de: bei einer Goog­le-Suche nach frei­en Zim­mern in Bochum kam Cof­fee And TV unter den ers­ten 200 Such­ergeb­nis­sen nicht ansatz­wei­se vor (Der ers­te Besu­cher, der nach mit­be­woh­ner gesucht bochum gegoo­gelt hat­te, kam heu­te auf das Blog).

Mein ver­blie­be­ner Mit­be­woh­ner kam schließ­lich auf die Idee, das Zim­mer bei wg-gesucht.de zu inse­rie­ren. Das hat­te ich auch schon mal ver­sucht, war aber irgend­wie an der Sei­te geschei­tert. Mit dem her­an­na­hen­den neu­en Semes­ter wur­de der Kreis der Inter­es­sen­ten schließ­lich doch noch grö­ßer – wobei etwa die Hälf­te der Bewer­ber über das Inter­net­por­tal kam und die ande­re Hälf­te direkt beim Stu­den­ten­werk nach frei­en Zim­mern gefragt hat­te.

So besa­hen wir uns etwa ein Dut­zend Kan­di­da­ten bei­der­lei Geschlechts (wir hat­ten zwi­schen­zeit­lich über­legt, aus der seit Jah­ren exis­tie­ren­den Män­ner-WG eine gemisch­te zu machen) und erklär­ten etwa ein Dut­zend Mal, wie das mit der Mie­te, dem Besteck, den Bahn­hal­te­stel­len und den Wasch­ma­schi­nen ist. Nur ein Bewer­ber ver­lor schon bei der Besich­ti­gung das Inter­es­se – die 15m2 waren ihm bei einer Kör­per­grö­ße von mehr als zwei Metern offen­bar zu wenig.

Im Ver­lauf der Akti­on lern­te ich, war­um ich für Cas­ting­show­ju­ries und Per­so­nal­ab­tei­lun­gen denk­bar unge­eig­net bin: Ich bin unfä­hig, Men­schen mit­ein­an­der zu ver­glei­chen wie ver­schie­de­ne Kar­ten beim Auto­quar­tett. So lau­te­te die Stan­dard­zu­sam­men­fas­sung meist: „Joa, der war ganz nett – aber der ande­re auch. Aber was weiß ich eigent­lich nach zehn Minu­ten Small­talk über ihn oder sie?“ Goog­le sag­te über die meis­ten Kan­di­da­ten auch nicht viel aus.

Jeden­falls haben wir uns letzt­lich für einen Medi­zin­stu­den­ten ent­schie­den, der über das Stu­den­ten­werk von dem Zim­mer gehört und mich tele­fo­nisch kon­tak­tiert hat­te. Das Inter­net hat­te nichts damit zu tun (und das fin­de ich ehr­lich gesagt auch mal ganz beru­hi­gend).

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Digital Fernsehen

Klickbefehl (14)

Da mögen Fans noch so sehr dar­auf schwö­ren, die „Lin­den­stra­ße“ sei heu­te ja eine gan­ze ande­re als vor 20 Jah­ren. Humor­voll, selbst­iro­nisch und der­glei­chen. In Wahr­heit ist die Klein­bür­ger-Soap immer noch ein Pan­op­ti­kum der Pie­fig­keit. Wie fast alle Soaps sind ihre Kulis­sen voll­ge­stellt mit unin­spi­rier­ten Cha­rak­te­ren und zuge­schüt­tet mit grau­en­haf­ten Dia­log­zei­len der Sor­te: „Ah, mei­ne Umwelt­pla­ket­te, end­lich!“

Mar­kus Brauck rech­net im „Spie­gel“ mit der „Lin­den­stra­ße“ ab. Dazu gibt es eine Bil­der­ga­le­rie, die dem Wort „Grau­stu­fen“ eine ganz neue Bedeu­tung zukom­men lässt. (Bit­te mar­kie­ren Sie sich die­sen Tag im Kalen­der: ich emp­feh­le eine Bil­der­ga­le­rie bei „Spie­gel Online“!)

* * *

Das ist die wohl unge­wöhn­lichs­te Mel­dung des Tages: Die ARD kauft RTL die Serie „Die Anwäl­te“ ab – also die Serie, die RTL Anfang des Jah­res nach nur einer Fol­ge, die mit 10,8 Pro­zent Markt­an­teil die Erwar­tun­gen nicht erfül­len konn­te. aus dem Pro­gramm genom­men hat. Fort­an dien­te die Serie als Mus­ter­bei­spiel für feh­len­des Ver­trau­en der Sen­der in die eige­nen Pro­duk­tio­nen.

DWDL.de berich­tet über das über­ra­schen­de Come­back einer Serie, die (also deren ers­te Fol­ge) ich eigent­lich ganz gut fand und deren Abset­zung mein Ver­hält­nis zu RTL nach­hal­tig gestört hat.

* * *

Ein­fa­cher wäre zu sagen: Ich mag ihn. Ich freue mich, dass ich neben dem Mit­glied der „Ach­se des Guten“ auch schon drei Mal dort als Gast­au­tor auf­tre­ten durf­te und dass wir nun gemein­sam ein Netz­werk Gegen­re­cher­che star­ten.

Timo Rieg erläu­tert in der „Spie­gel­kri­tik“ die Hin­ter­grün­de zu einem sehr, sehr merk­wür­di­gen „Spie­gel Online“-Artikel über einen der angeb­lich ganz weni­gen deut­schen TV-Blog­ger.

War­um die­se Geschich­te nur mit äußers­ter Vor­sicht zu genie­ßen ist (wenn über­haupt), erzäh­le ich Ihnen spä­ter steht hier.

* * *

Einen Vor­schlag zur Güte hat­te Bro­der abge­lehnt. Er wer­de sich kei­nen „Maul­korb“ ver­pas­sen las­sen, „weil sonst Anti­se­mi­ten ent­schei­den dürf­ten, was Anti­se­mi­tis­mus ist“. Nun befan­den die Rich­ter, Bro­ders Vor­wurf habe die Gren­ze zur Schmäh­kri­tik über­schrit­ten, weil „im kon­kre­ten Kon­text der Äuße­rung die Dif­fa­mie­rung der Klä­ge­rin, nicht die Aus­ein­an­der­set­zung in der Sache im Vor­der­grund“ gestan­den hät­te.

Hen­ryk M. Bro­der stand mal wie­der vor Gericht und die „taz“ ver­sucht zu erklä­ren, was los war.

Patrick Bah­ners hat­te vor eini­gen Wochen in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ eben­falls über den Pro­zess geschrie­ben und Bro­ders Lebens­werk damals beein­dru­ckend zusam­men­ge­fasst:

Sei­ne preis­ge­krön­te publi­zis­ti­sche Stra­te­gie der ver­ba­len Aggres­si­on nutzt den Spiel­raum der Mei­nungs­frei­heit, um ihn ein­zu­schrän­ken: Kri­ti­ker Isra­els sol­len ein­ge­schüch­tert wer­den.

* * *

Wei­te­re Link­tipps kön­nen Sie übri­gens seit Neu­es­tem dem deli­cious-Account von Cof­fee And TV ent­neh­men. Und falls ich end­lich raus­krie­ge, wie ich den dazu­ge­hö­ri­gen Feed hier in die Side­bar ein­ge­baut krie­ge, wird das alles viel prak­ti­scher und über­sicht­li­cher.

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Digital

Knüwern für Anfänger

Gene­rell ist es ja schön, wenn Redak­tio­nen die moder­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten nut­zen. Man soll­te es dann nur rich­tig machen.

Mei­ne bei­den liebs­ten Lokal­zei­tungs-Inter­net­por­ta­le twit­tern jetzt auch. Sowohl „RP Online“ als auch „Der Wes­ten“ ver­sor­gen das Netz mit einer Mischung aus Flur­funk, Kan­ti­nen­spei­sen­plan und Nach­rich­ten-Feed, reagie­ren aber auch auf Fra­gen oder Kri­tik.

Dabei kön­nen sich schon ein­mal solch net­te Dia­lo­ge ent­spin­nen:

Lau­fen gera­de Schmacht­bil­der von Brad und Geor­ge in Vene­dig ein. Der weib­li­che Teil der Redak­ti­on ist ganz hin und weg. rpon­line 12:51 PM August 27, 2008

@rponline Dür­fen wir ande­ren schon mal wet­ten, wie lang die Bil­der­ga­le­rie wird? cof­fee­andtv 01:06 PM August 27, 2008

@coffeeandtv Schau­en wir mal. rpon­line 02:14 PM August 27, 2008

Weil schon jemand wet­ten woll­te: Die Cloo­ney-Pitt-Foto­stre­cke ent­hält 16 Bil­der: http://tinyurl.com/58p4nd rpon­line 08:22 PM August 27, 2008

Selbst twit­ter-Skep­ti­ker und ‑Has­ser wer­den zuge­ben müs­sen, dass eine oft hart geführ­te kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung so wie­der ein wenig an Mensch­lich­keit gewin­nen kann.

Ges­tern nun ernann­te John McCain, der desi­gnier­te repu­bli­ka­ni­sche Kan­di­dat für das Amt des US-Prä­si­den­ten, über­ra­schend Sarah Palin, Gou­ver­neu­rin von Alas­ka, zu sei­nem run­ning mate, also zur Kan­di­da­tin für das Amt des Vize­prä­si­den­ten.

„Der Wes­ten“ zim­mer­te aus einer dpa-Mel­dung ein Kurz­por­trät der Poli­ti­ke­rin zusam­men und ver­schick­te den Link via twit­ter.

Ich klick­te und las. Und sah, dass da ein Satz irgend­wie ein biss­chen ver­un­glückt war:

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber nach offenbar Sarah Palin als seine Vize-Kandidatin ausgewählt.

Ein klei­ner Feh­ler, der jeder­zeit mal pas­sie­ren kann – in der dpa-Fas­sung ging der Satz noch so:

Der repu­bli­ka­ni­sche Prä­si­dent­schafts­be­wer­ber John McCain zieht nach US-Medi­en­be­rich­ten mit der jun­gen Gou­ver­neu­rin von Alas­ka, Sarah Palin, in das Ren­nen um das Wei­ße Haus.

Ein klei­ner Feh­ler, den man aber auch schnell kor­ri­gie­ren kann, dach­te ich und twit­ter­te nur weni­ge Minu­ten spä­ter:

@DerWesten Bit­te schnell noch den ers­ten Satz gera­de bügeln. Dan­ke!

Und dann pas­sier­te genau … nichts.

Dass die zustän­di­gen Leu­te in Essen schon ins Wochen­en­de ver­schwun­den waren, ist unwahr­schein­lich: sie setz­ten bis zum Abend sie­ben wei­te­re Tweets ab. Nur hat offen­bar nie­mand mehr in die Repli­es geguckt.

Dabei gilt mehr denn je: Die Zei­ten des ein­sei­ti­gen Sen­dens sind vor­bei. Wer die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le nicht in bei­de Rich­tun­gen nutzt, wird kläg­lich unter­ge­hen.

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Leben

Alea iacta est

Ich woll­te nicht mehr so viel über Dins­la­ken blog­gen. Wirk­lich, ich woll­te mich lösen. Roger Wil­lem­sen hat­te ja eh alles gesagt.

Aber dann pas­sier­te das hier:

Bei einer Inven­tur stell­te die Stadt vor Kur­zem fest, dass ein rie­si­ges Kunst­werk, das seit sie­ben Jah­ren im Stadt­park mit­ten in der Stadt hing, ver­schwun­den war. Man ging an die Pres­se, befürch­te­te Dieb­stahl.

Ges­tern stell­te sich her­aus: Der Wür­fel aus Edel­stahl­roh­ren war vor grob einem hal­ben Jahr bei einem Unwet­ter abge­stürzt, von den Mit­ar­bei­tern der städ­ti­schen Ent­sor­gungs­be­trie­be ein­ge­sam­melt und sicher weg­ge­schlos­sen wor­den. Sogar das Hin­weis­schild wur­de abmon­tiert. Seit Febru­ar oder März war nie­man­dem das Feh­len des Objekts auf­ge­fal­len und auch bei den Ent­sor­gern hat­te nie­mand mehr dar­an gedacht. Der Moment, als der Chef des Betriebs in der Zei­tung von dem ver­schwun­de­nen Wür­fel las, muss ein gro­ßer gewe­sen sein.

(Und wie beson­ders anstren­gen­der und iro­ni­scher Lokal­jour­na­lis­mus geht, zei­gen Ihnen heu­te mal die Kol­le­gen von der „NRZ“.)

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Leben Unterwegs

Die Jugend der Weltpresse

Ges­tern durf­te ich beim Jugend­me­di­en­event zwei Semi­na­re unter dem Mot­to „Web 2.0 – Blogs, Social Net­works & Co“ lei­ten. 1 Zwei­mal 16 Nach­wuchs­jour­na­lis­ten unter­schied­li­chen Alters und mit unter­schied­lichs­ten Vor­kennt­nis­sen woll­ten unter­hal­ten wer­den und soll­ten natür­lich etwas ler­nen.

Die ers­te Grup­pe war die pure Won­ne: die Jugend­li­chen 2 hat­ten Inter­es­se am The­ma, kann­ten Por­ta­le, von denen ich noch nie gehört hat­ten, und mel­de­ten sich alle­samt bei twit­ter an, nach­dem ich ihnen den Dienst vor­ge­stellt hat­te. Sie wirk­ten ange­nehm skep­tisch und zurück­hal­tend, was die Anga­be per­sön­li­cher Daten im Netz anging, und sahen sich die Blogs, die wir uns gemein­sam vor­nah­men, mit Inter­es­se an. 3

Die zwei­te Grup­pe erwies sich als sehr viel schwie­ri­ger zu kna­cken: die Fra­ge, war­um sie sich für die­ses Semi­nar ent­schie­den hät­ten, konn­te nie­mand so recht beant­wor­ten. Statt halb­wegs gleich­mä­ßig ver­teil­ter Rede­an­tei­le gab es ein paar weni­ge akti­ve Teil­neh­mer 4, ein paar gelang­weil­te Bes­ser­wis­ser und viel Schwei­gen. Mit social net­works war die­ser Grup­pe kaum bei­zu­kom­men: nicht mal die Hälf­te war bei einem der Holtz­brinck-Fau­zet­te, kaum jemand bei Face­book und, wenn ich mich recht erin­ne­re, nie­mand bei MySpace. Die­se Men­schen inter­es­sie­ren sich vor allem für Blogs.

Eini­ge hät­ten vor­ab schon über­legt zu blog­gen, wuss­ten aber nicht genau, was, wie oder wo. Das „wo“ lässt sich ja recht leicht beant­wor­ten (blogger.com, wordpress.com, twoday.net), das „wie“ ist mit „(im Rah­men der juris­ti­schen Mög­lich­kei­ten) ein­fach drauf los“ auch schnell zusam­men­ge­fasst, das „was“ bleibt als zen­tra­le Fra­ge. Als Betrei­ber eines the­ma­tisch völ­lig offe­nen Blogs hielt ich den Hin­weis für ange­bracht, dass man sich dar­über auf alle Fäl­le im Vor­feld im Kla­ren sein soll­te. Manch­mal habe ich einen etwas merk­wür­di­gen Humor.

Ich weiß nicht, ob es an der Nach­mit­tags­zeit lag, die gene­rell trä­ge macht, am gleich­zei­tig statt­fin­den­den Bun­des­li­ga­spiel­tag oder an ganz ande­ren Grün­den, aber das mit der zwei­ten Grup­pe lief nicht so rich­tig rund. Mit­un­ter hat­te ich das Gefühl, zu skep­ti­schen Ver­tre­tern mei­ner Eltern-Gene­ra­ti­on zu spre­chen und nicht zu welt­of­fe­nen Jung­jour­na­lis­ten. Ande­rer­seits stell­ten ein paar von ihnen auch wirk­lich klu­ge Fra­gen.

Es war eine inter­es­san­te Erfah­rung, die unter ande­rem gezeigt hat, dass die fünf Jah­re zurück­lie­gen­de Ent­schei­dung, auf kei­nen Fall Leh­rer wer­den zu wol­len, eine sehr wei­se war. Wie ich mit Till, der eben­falls unter den Refe­ren­ten war 5, spä­ter noch dis­ku­tier­te, sind auch längst nicht alle Leu­te, die heu­te jung sind und einen Com­pu­ter ein­schal­ten kön­nen, digi­tal nati­ves. Bei eini­gen besteht das Inter­net aus der „Drei­fal­tig­keit“ (Till) Goog­le, Stu­diVZ und Wiki­pe­dia. Aber um das zu ändern waren wir ja da.

Mein ins­ge­samt posi­ti­ver Grund­e­in­druck der Jung­jour­na­lis­ten wur­de aller­dings heu­te etwas getrübt, als ich im Blog „Online­ma­ga­zin“ zum Jugend­me­di­en­event den Bericht über mein Semi­nar las: die haben mei­nen Vor­na­men falsch geschrie­ben.

  1. Am Titel trifft mich kei­ne Schuld.[]
  2. Genau genom­men waren die Ältes­ten der Grup­pe gera­de mal zwei Jah­re jün­ger als ich, die Jüngs­ten aber 14. Es war wohl eher Zufall, dass eine so hete­ro­ge­ne Mischung gut ging.[]
  3. Ich hat­te wahl­los Plat­zie­run­gen aus den deut­schen Blog­charts an die ein­zel­nen Teil­neh­mer ver­teilt. Das war inso­fern span­nend, weil ich sel­ber nicht genau wuss­te, über wel­che Blogs wir spre­chen wür­den. Dass das Sys­tem auch Nach­tei­le hat, muss­te ich fest­stel­len, als ich eine Teil­neh­me­rin zur Aus­ein­an­der­set­zung mit der „Ach­se des Guten“ zwang. Es tut mir auf­rich­tig leid.[]
  4. Und Teil­neh­me­rin­nen. Wenigs­tens mit dem Gerücht, Mäd­chen wür­den das Inter­net nur für die Ansicht von Pfer­de­fo­tos und das Erstel­len von MySpace-Pro­fi­len nut­zen, soll­te an die­ser Stel­le ein­mal gründ­lich auf­ge­räumt wer­den.[]
  5. Das wuss­ten wir vor­her nicht. Die Ver­an­stal­ter woll­ten vor­ab kei­ne Refe­ren­ten­lis­ten her­aus­ge­ben, weil sie nicht „sicher­stel­len [konn­ten], dass jeder damit ein­ver­stan­den ist“. Ent­spre­chend wuss­ten wohl auch die Teil­neh­mer vor­ab gar nicht, mit wem sie das Ver­gnü­gen haben wür­den. Eine wie ich fin­de eher mit­tel­präch­ti­ge Idee.[]