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Das “Zeit Magazin” schreibt sich um Kopf und Fuß

Früher war die Welt noch klar aufgeteilt: In der Tageszeitung am Frühstückstisch und der Wochenzeitung oder dem Magazin im Ohrensessel informierte man sich über Politik, Wirtschaft und Kultur (letztere zumeist mit dem etwas hochnäsigen Präfix “Hoch”) und wenn man beim Arzt oder dem Friseur auf die Verrichtung wartete, blätterte man mit spitzen Fingern in den sogenannten Illustrierten und las skandalöse Geschichten aus dem vermeintlichen Privatleben von angeblichen Prominenten, die einem zumeist unbekannt und egal waren. Als ich in meiner Schulzeit regelmäßig zur Krankengymastik musste, war ich bestens über die Geschehnisse der deutschen Schlagerszene informiert.

Heutzutage ist es schwer, irgendwo hinzulesen, ohne mit skandalösen Geschichten aus dem vermeintlichen Privatleben von angeblichen Prominenten behelligt zu werden. “Spiegel Online” hat den Irrsinn perfektioniert, belanglose Meldungen nachzuerzählen, die in amerikanischen Klatschblogs standen und deren Protagonisten, zumeist irgendwelche amerikanischen Teenie- oder Reality-Stars, den eigenen deutschen Lesern zunächst umständlich vorgestellt werden müssen.

Als die Eheleute Gwyneth Paltrow (Oscar-Preisträgerin) und Chris Martin (Coldplay-Sänger) das Ende ihrer Beziehung mit einem Blogeintrag unter der Überschrift “Conscious Uncoupling” öffentlich gemacht haben, war das vielen thematisch sonst eher anders aufgestellten Medien eine kulturwissenschaftliche Betrachtung der Konzepte “Ehe” und “Trennung” wert.

Im “Zeit”-Magazin gibt es eine Reihe, die sich “Über das echte Leben” nennt und sich unter dem augenzwinkernden Rubrum “Gesellschaftskritik” mit dem Privatleben von Prominenten auseinandersetzt. Der Blickwinkel ist dabei – “Zeit” halt – von oben herab, was schon deshalb ein bisschen witzlos ist, weil ja selbst die schrottigsten Boulevardresterampen die Objekte ihrer Betrachtungen nicht mehr umschwärmen, sondern am liebsten verspotten, gerne auch posthum.

Diese Woche darf Peter Dausend, im unechten Leben politischer Korrespondent der “Zeit” in Berlin, ran. Er widmet sich den Gerüchten, dass die Schauspielerin Uma Thurman (“Kill Bill”, “Pulp Fiction”) und der Regisseur Quentin Tarantino (“Kill Bill”, “Pulp Fiction”) seit Neuestem ein Paar sein sollen (vgl. die üblichen Klatschpostillen Bild.de, Bunte.de, Gala.de und Stern.de).

Er beginnt mit der Beschreibung einer Szene aus “Kill Bill”, in der Uma Thurmans nackte Füße zu sehen sind, und doziert:

Nun muss man wissen, dass Quentin Tarantino, der Kill Bill-Regisseur, eine Vorliebe für Frauenfüße im Allgemeinen und für die von Uma Thurman im Besonderen hat. Sie seien die schönsten, so hat er mal gesagt, die er je gesehen habe.

Wer sich ein bisschen intensiver mit dem Werk Tarantinos auseinandergesetzt hat, weiß davon ebenso wie von dem Umstand, dass Thurman für ihn lange Jahre das war, was dahergelaufene Bildungsbürgerfeuilletonisten als “Muse” bezeichnen. ((In den letzten Jahren scheint diese inspirierende Sonderrolle ein wenig auf den Schauspieler Christoph Waltz übergegangen zu sein, was man einfach mal im Hinterkopf behalten sollte, wenn man den Rest von Dausends Ausführungen liest.))

Quentin Tarantino und Uma Thurman sind jetzt ein Paar, 21 Jahre nachdem sie zusammen Pulp Fiction gedreht haben. Das erscheint auf den ersten Blick ganz wunderbar, zeigt es doch, dass der still liebende Mann immer auf ein Happy End hoffen darf.

Das klingt auf den ersten Blick beinahe romantisch, kriegt dann aber doch ganz schnell die Kurve ins Gehässige:

Wenn dann das Objekt der Begierde einen Milliardär aus Genf oder was ähnlich Langweiliges abschießt, muss man nur noch den eigenen Übergangspartner verabschieden – und schon kann man bis ans Lebensende glücklich sein.

Dass sich außer einem sogenannten “Insider” im britischen Klatschmagazin “Closer” noch niemand zu den Gerüchten um Thurman und Tarantino geäußert hat, ficht Dausend nicht an. Ihm geht es um ganz andere Gerüchte:

Ja, natürlich gibt es Gerüchte. Dass Tarantino und Thurman das Paarsein nur simulieren, um für Vorab-PR zu sorgen. Denn Tarantino, so raunt man sich zu, möchte demnächst den zweigeteilten Kill Bill unter dem Titel Kill Bill: The Whole Bloody Affair als vierstündiges Gesamt-Racheepos in die Kinos bringen.

Für einen kurzen Moment scheint es, als hätte Dausend erkannt, wie egal das alles ist. Mitten in seinem Text schimmert monolithisch das Mantra des Boulevardjournalismus:

Ob die Gerüchte nun stimmen oder nicht, spielt keine Rolle.

Aber er muss ja seine merkwürdige Kolumne füllen und tritt deshalb aufs Gaspedal — und dahin, wo’s sonst noch weh tut:

Wir geben den beiden sowieso keine Chance. Unterwürfige Bewunderung, liebestolles Hinterherhecheln, hündische Unterwerfung, wie es Männern nach langem Schmachten eigen ist – dafür hat der Star seine Fans, nicht seinen Partner.

Wenn schon die Beziehungsexperten vom renommierten deutschen “Zeit Magazin” den beiden keine Chance geben, können die’s natürlich gleich bleiben lassen — immer vorausgesetzt, es gibt überhaupt etwas, was sie bleiben lassen könnten.

Aber Frauenversteher Dausend scheint sich ja eh bestens auszukennen:

Thurman wird einen glücksbeseelten Tarantino nicht lange ertragen. Wir freuen uns jetzt schon auf den Film, mit dem der blutverspritzende Racheengel Tarantino den Liebestrottel in sich überwindet und das Scheitern seines Lebenstraumes verarbeitet. Und haben ein wenig Angst um Umas Füße.

Das vermeintlich private Glück fremder Menschen als Witzvorlage für eine launige Kolumne. Das ist das “Zeit Magazin”.

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Das Ende des Onlinejournalismus

Ich weiß nicht, was Sie heute so den lieben, langen Tag getrieben haben, aber ich habe mich heute mal ausgiebig mit dem Privatleben verschiedener Prominenter beschäftigt.

Die “B.Z.” hatte berichtet, dass Lena Meyer-Landrut jemanden in Köln liebe und ein zusätzliches Tattoo habe. Beides waren keine Neuigkeiten, aber die Boulevard-Medien griffen es doch gerne auf (nachzulesen im BILDblog). Besonders hervorgetan hatte sich bei diesem Thema die Feld-, Wald- und Wiesenagentur dapd, die es sogar fertigbrachte, Dinge als neu zu berichten, die sie selbst zuvor schon mal als neu berichtet hatte.

Das “People”-Magazin hatte über den ersten öffentlichen Auftritt von Schauspieler Robert Pattinson nach dem Fremdgeh-Geständnis seiner Freundin Kristen Stewart geschrieben und dabei Vorkommnisse beobachtet, die im Fernsehen beim besten Willen nicht zu beobachten waren, von deutschen Boulevard-Medien aber begeistert aufgegriffen wurden (auch nachzulesen im BILDblog).

Womit wir bei der Antwort auf die Frage wären, was eigentlich schlimmer ist als Boulevardjournalisten, die sich für das Privatleben von Prominenten interessieren: Boulevardjournalisten, die sich nicht für das Privatleben von Prominenten interessieren, aber darüber berichten.

Die oft unter Boulevardmeldungen aufkommende Frage, wen das denn bitteschön interessiere und wer der dort beschriebene “Prominente” denn überhaupt sei, ist häufig Ausdruck von Überheblichkeit: Natürlich muss man Robert Pattinson, Kristen Stewart, Justin Bieber, Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Zac Efron, Miley Cyrus und wiesealleheißen nicht kennen (es gibt ja nicht mal ein Gesetz, das vorschreibt, Barack Obama, Angela Merkel oder Joseph Ratzinger zu kennen), aber man muss ja nicht gleich die Fans runtermachen, denen diese Leute etwas bedeuten.

Meinetwegen können wir also darüber diskutieren, ob es irgendeinen Nachrichtenwert hat, mit wem eine prominente Person Tisch und Bett teilt, wo sie wohnt und was sie studiert oder nicht studiert (meine Antwort wäre ein entschiedenes “Nein!”), aber wenn so etwas einen Nachrichtenwert hat, dann sollte das doch bitte genauso ernsthaft behandelt werden, wie die Nachrichten zur Euro-Krise und zum Berliner Großflughafen. (Oh Gott, was schreibe ich denn da?!)

Ich glaube eher nicht daran, dass man verantwortungsvollen Boulevardjournalismus betreiben kann, ohne immer wieder Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Aber Boulevardjournalismus wird nicht besser, wenn den diensthabenden Redakteuren so offensichtlich egal ist, worüber sie gerade schreiben. Schreiben müssen, damit es geklickt wird. Die Leser klicken es natürlich, aber es ist, als ob sie nicht nur Fast Food bekämen, sondern Fast Food aus verdorbenen Zutaten.

Könnte man sich also vielleicht darauf einigen, das Wühlen im Dreck wenigstens den Leuten zu überlassen, die dabei ja offenbar wenigstens Talent und Interesse an den Tag legen? Also jenen amerikanischen Klatschblogs, die eh hinterher von allen anderen zitiert werden, und die ungefähr jede “wichtige” Geschichte der letzten Jahre als Erste hatten? Wer sich ein bisschen für Prominente interessiert, wird sich eh dort rumtreiben — und es hat absolut für niemanden Mehrwert, wenn meine Oma auf den Startseiten von “Spiegel Online”, “RP Online” und “Der Westen” von irgendwelchen Prominenten lesen muss, von denen sie noch nie gehört hat.

Eine solche Wertstofftrennung wäre der Anfang. Anschließend könnte man das sinn-, witz- und würdelose Nacherzählen von Internetdiskussionen über angeblich wechselwillige Fußballspieler einfach bleiben lassen, weil die Leute, die es interessiert, das eh schon gelesen haben. (Sofort verzichten sollten wir allerdings auf die bescheuerte Unsitte, Fernsehzuschauern vorzulesen, was Menschen bei Twitter über die aktuelle Sendung zu sagen haben, denn dafür gibt es ja Twitter, Herrgottnochmal!) Irgendwann könnten sich Onlinemedien dann darauf konzentrieren, ihre eigenen Geschichten zu erzählen und nicht das aufzubereiten, was Nachrichtenagenturen aus dem Internet herausdestilliert haben.

Vielleicht müssten diese, dann schön recherchierten Geschichten auch nicht mehr im Netz erscheinen, sondern könnten etwas wertiger auf Papier reproduziert werden — die Leser würden vermutlich sogar dafür bezahlen. Es wäre das Ende des Onlinejournalismus. Bitte!

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Digital

dpa frisst kleine Kinder

Ich hätte am Besten nie damit anfangen sollen, auf dpa-Überschriften zu achten. Man könnte dabei schnell verrückt werden.

Was glauben Sie beispielsweise, worum es in einer Meldung geht, die folgenden Titel trägt?

Leona Lewis erlebte einen Schock

Natürlich: Die Sängerin ist bei einer Autogrammstunde von einem Fan angegriffen worden, der ihr ins Gesicht schlug. Oder wie sich ihr Sprecher laut der etwas missverständlichen dpa-Übersetzung ausdrückte:

“Leona ist offensichtlich geschockt nach gestern, aber okay”

Und was, glauben Sie, ist Gegenstand dieser Meldung?

Pamela Anderson macht keine gute Figur

Man hätte es gleich erahnen können:

Pamela Anderson (41) hat das Publikum damit schockiert, dass sie sich ihre Kleiderschleppe während einer Gala den ganzen Abend von einem neunjährigen Mädchen tragen ließ.

Ja, und dann war da noch diese Überschrift:

Madonna lästert über Paul McCartney

Was da los war? Madonna wird vom “Rolling Stone” wie folgt zitiert:

“People have told me, ‘You could just go out there and play guitar and sing your songs like Paul McCartney’ but I’d be bored.

“Most of the joy of shows is the magic of creating them – the theatre. I’m a perfectionist. I like hard work. I like to sweat.”

Man könnte diese Sätze lapidar damit zusammenfassen, dass Frau Ciccone sich langweilen würde, wenn sie auf der Bühne nur Gitarre (hier im Sinne von: Bass) spielen würde.

Man könnte daraus natürlich auch ganze Meldungen ableiten und sie dann beloppterweise so überschreiben:

Madonna criticizes Macca's live performances

Oder so:

Madonna 'bored' by Sir Paul McCartney

Oder gleich so:

Madonna says she finds Paul McCartney boring!

Oder eben so wie die Deutsche Presse-Agentur.

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Leben Gesellschaft

Glühwürmchen

Ich muss Sie gerade noch mal in meiner Eigenschaft als gelernter Varietätenlinguist behelligen. Kimberly Hoppe, “LEUTE-Kolumnistin” der Münchener Abendzeitung und berühmt für ihre einfühlsamen Twitter-Reportagen, ist da bei ihren investigativen Recherchen im Prä-Oktoberfestlichen München auf ein ganz ein neues Wort gestoßen:

Es ist das Wort des Jahres: VORGLÜHEN.

Früher gab’s das Phänomen auch schon, allerdings kein so lustiges Wort dazu. Ja, ich als Nicht-Katholikin gestehe und tue Buße: Ich habe früher Augustiner-Flaschen im Rucksack (’türlich Eastpack) auf die Wiesn ins Schottenhamel-Zelt geschmuggelt und nach der ersten Maß heimlich in den Krug nachgeschenkt. Schließlich war das Bier zu DM-Preisen schon viel zu teuer und ich war jung und brauchte das Geld für was anderes. Gut. Nein: schlecht. Auf jeden Fall lange her.

Nun ist Frau Hoppe knapp drei Jahre älter als ich, was mir erstens die Möglichkeit einräumt, doch noch was aus meinem Leben zu machen, ihre “lange her”-Prosa zweitens ein bisschen bemüht erscheinen lässt, und drittens die Frage aufwirft, warum sie erst jetzt, im Jahr 2009, auf dieses beknackte, mir nie sonderlich kreativ erscheinende, Wort gestoßen ist. Mir ist definitiv eine Situation von vor sieben Jahren erinnerlich, in der das Wort “Vorglühen” fiel, aber es kann sich auch schon bedeutend länger in meinem passiven Wortschatz befinden.

Man muss ja nicht gleich einen Kübel Bier Hohn über einer “LEUTE-Kolumnistin” ausleeren, die offenbar die letzten Jahre hinter dem Mond gelebt hat, aber rein interessehalber (und weil meine Eltern sich immer freuen, wenn ich irgendwo andeuten kann, dass sich ihre Investition in mein Studium gelohnt hat) wüsste ich jetzt gerne von Ihnen:

War Ihnen die Vokabel “Vorglühen” als vor-partyliche Druckbetankung mit alkoholischen Getränken schon vor der Lektüre von Frau Hoppes Lebensbeichte bekannt? Wenn ja: Wie lange?

(Klar, dass das eigene Alter und die Region, in der man aufgewachsen ist, auch hier wieder erheblich zu einem stimmigen Gesamtbild beitragen würden.)

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Rundfunk Fernsehen

… as every year

Stellen Sie sich vor, Sie sind Redakteur bei einem Boulevardmagazin, einer Tageszeitung oder einem beliebigen Formatradiosender.

Ja, das ist schon schlimm, aber jetzt kommt’s: Stellen Sie sich bitte weiter vor, Sie haben sich wieder mal zu spät um die Urlaubsplanung gekümmert und wissen jetzt schon, dass Sie im kommenden Jahr “zwischen den Jahren” arbeiten müssen – also in der extrem langweiligen Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, in der außer riesigen Naturkatastrophen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen eigentlich nie was passiert.

Damit Sie das Programm irgendwie gefüllt kriegen, gibt Ihnen das Dienstleistungsblog Coffee And TV schon jetzt eine kleine Liste mit Themen an die Hand, die Sie während der nächsten 361 Tage abarbeiten können:

  • Geschenke umtauschen: Schicken Sie einen Reporter in ein beliebiges Kaufhaus und lassen Sie ihn von Gutscheinen und Umtauschaktionen faseln. Wichtig: Klischeegemäß Socken, Krawatten, o.ä. erwähnen!
  • Abnehmen: Alle Menschen werden über Weihnachten dick. Warum weiß kein Mensch. Glauben einem aber eh alle unbesehen. Experten (Arzt, Ernährungswissenschaftlerin, Harry Wijnford) vor die Kamera zerren. Evtl. während einer der diversen Preisverleihungen schon mal Prominente nach Abspecktipps fragen (dabei dringend auf mögliche Schleichwerbung achten!!!!1).
  • Feuerwerk: Ist urst gefährlich. Schaufensterpuppen in die Luft sprengen, Feuerwehr oder Pyrotechniker interviewen. Wichtig: Vor osteuropäischen Produkten warnen (haben kein Prüfzeichen).
  • Vorsätze fürs neue Jahr: Prominente (Preisverleihung, s.o.) oder Straßenumfrage. Obskure Statistiken einbringen. Experte: Schwierig. Vielleicht Pete Doherty o.ä.
  • Das wird anders: Neue Münzen, Steuersätze, Gesetze, Verordnungen. Kann man einen Tag von leben. Straßenumfragen bei benachteiligten Minderheiten (Steuerzahler, Raucher, etc.) nicht vergessen!
  • Silvesterfeier: So feiert Promi XY oder Ihre Nachbarin. Zwecks Abwechslung auch an Exoten denken (s. Blanco, Roberto; Cordalis, Costa; Farrag, Nadja Abd El; Baffoe, Liz). Gut kombinierbar mit:
  • Rezepte: Kochen geht immer, besonders zu Silvester. Opener: Schnittbilder von Raclette, Fondue, Karpfen blau (s. Archiv).
  • Hausmittel gegen Kater: Prominente (s.o.), Straßenumfrage, Arzt, Apothekerin, etc. Wichtig: In der Anmoderation den Moderator von “meiner Oma” erzählen lassen.
  • Dinner For One: Läuft zum xy. Mal. Prominente erzählen oder nachspielen lassen, gut mit Quiz (Sitzordnung!!!1) kombinierbar. Auf alle Fälle darauf hinweisen, dass der Sketch in England “völlig unbekannt” ist (geht auch als Aufhänger, dann GB-Korrespondenten frühzeitig um eine alberne Straßenumfrage bitten).

Alternativ könnten Sie natürlich auch den Krempel von diesem Jahr wiederholen. Oder den vom letzten Jahr. Oder vom vorletzten …

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Headlines And Deadlines

Aus dem Liveblog von heute Nacht:

00:35 Uhr: Oha, schwerer Busunfall bei Hannover mit 20 Toten. Das macht es für die Titelseitenredakteure von “Bild” auch nicht einfacher.

00:39 Uhr: “Bild” hat wirklich ein Schlagzeilen-Problem: Boris Becker und Sandy Meyer-Wölden haben sich getrennt!

Immer noch berauscht von dem Statistikoverkill auf CNN hab ich dann heute für Sie einmal nachgemessen:

Titelseite der "Bild"-Zeitung vom 5. November 2008

Die Gesamtgröße der Titelseite beträgt inklusive Weißflächen 2.280 cm², davon entfallen

  • 679 cm² (29,8%, blau) auf die Präsidentschaftswahl (deren Ausgang bei Drucklegung noch nicht feststand)
  • 252 cm² (11%, gelb) auf den Busunfall
  • 126 cm² (5,5%, rot) auf Boris Becker
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Digital

Die Top-Themen von “RP Online” (2)

"Schöne Sienna ist wieder solo" / "Sienna Miller ist wieder Single"

Keine Angst, es handelt sich natürlich um zwei verschiedene Artikel über … Sienna Miller, die wieder solo ist.

Empfehlenswert ist aber auch der Artikel in der Mitte, der mit sieben Bildergalerien bestückt ist, darunter eine, die selbst für “RP Online”-Verhältnisse ein wenig extravagant ist.

[mehr “RP Online”]

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Digital Gesellschaft

Ein schöner Rücken kann auch ein Skandal sein

“Sag mir, wer Miley Cyrus ist!”, gehörte bis vorgestern nicht zu den Fragen, die ich sofort hätte beantworten können, wenn man mich um halb sechs morgens wachgeschüttelt hätte. Ich bin einfach zu alt, um “Hannah Montana”, die überaus erfolgreiche TV-Serie vom Disney Channel, je gesehen zu haben. Heute weiß ich natürlich, wer Miley Cyrus ist, und Sie alle werden es auch wissen: sie ist die Hauptperson des neuesten “Nacktskandals” in den USA.

Was war diesmal geschehen? Annie Leibovitz, die vermutlich bekannteste und renommierteste lebende Fotografin der Welt, hatte die 15jährige Ms. Cyrus für “Vanity Fair” fotografiert – “oben ohne”, wie die Agenturen vermelden, oder anatomisch korrekt: mit entblößtem Rücken. Das Foto dürfte maximal ausreichen, bei Männern Beschützerinstinkte zu wecken und dem Kind die eigene Jacke umzulegen, aber es entfachte einen “Skandal”, der zumindest in diesem Monat seinesgleichen sucht.

Denn kaum war das Foto im Werbespot für die Juni-Ausgabe von “Vanity Fair” über die amerikanischen Bildschirme geflimmert, empörten sich die ersten Eltern in Internetforen und Blogs:

It’s time that parents really start thinking seriously about the Sexualization of Children, and how marketers are targeting very young children, causing young girls and boys to grow up way too fast. The only way marketers are going to be forced to stop sexualizing children is when parents finally stand up and say, “We’re not going to take it anymore!”, and boycott stores that market this sort of smut to kids.

Für Disney, wo man mit Miley Cyrus/Hannah Montana unfassbar viel Geld verdient, war schnell klar, dass man reagieren musste. Man entschied sich deshalb zum Angriff auf “Vanity Fair” und Annie Leibovitz:

A Disney spokeswoman, Patti McTeague, faulted Vanity Fair for the photo. “Unfortunately, as the article suggests, a situation was created to deliberately manipulate a 15-year-old in order to sell magazines,” she said.

[New York Times]

Und Miley Cyrus, deren Eltern ((Ihr Vater Billy Ray Cyrus ist als Countryrocker durchaus Showbiz-erfahren.)) beim Fotoshoot anwesend waren, fühlte sich plötzlich verraten und bereute alles:

“I took part in a photo shoot that was supposed to be ‘artistic’ and now, seeing the photographs and reading the story, I feel so embarrassed. I never intended for any of this to happen and I apologize to my fans who I care so deeply about.”

[ebenda]

Man hätte ahnen können, dass zumindest ein Teil der amerikanischen Elternschaft den Weltuntergang heraufziehen sieht, wenn ein Vorbild ((Und genau das dürfte dieses komische Miley/Hannah-Konstrukt für viele sein.)) ihrer Kinder plötzlich mit rotbemaltem Mund und bloßem Rücken zu sehen ist. Insofern hat Jac Chebatoris nicht Unrecht, wenn er im Internetauftritt von “Newsweek” schreibt:

But her parents attended and monitored the shoot. And Miley herself is by now well steeped in the maneuverings of celebrity. Witting or unwitting, she should have known better. And she plainly did not see the backlash coming until too late.

Schon letzte Woche hatte es einen mittelschweren “Skandal” gegeben, als im Internet private Fotos auftauchten, auf denen Miley Cyrus ihren BH und ihren nackten Bauch zeigt. (Hinweis, 6. August 2008: Diese Behauptung ist offenbar völliger Unfug: In der “Huffington Post” war von einem “Cyrus look-alike” die Rede. Vielen Dank an Jen für den Hinweis.) Wie schon im vergangenen Jahr bei Vanessa Hudgens (Star des anderen großen Disney franchise “High School Musical”) taten sich alsbald zwei Lager auf: der Pietcong, der Image und Karriere sofort ruiniert sah, und das Blogger- und Kommentatorenpack, das angesichts von Teenagern, die auf privaten Fotos ihre Unterwäsche zeigen, sofort von Pornokarrieren zu sabbern beginnt.

Beide Seiten verkennen: In Zeiten von Digitalkameras sind Teenager, die sich und ihren Körper fotografieren, ungefähr so alltäglich wie Katzenbilder. Sind diese Teenager dann auch noch prominent, ist die Chance, dass die Bilder binnen Wochenfrist im Internet landen, immens hoch. Vermutlich wird man zukünftig keinen einzigen Teenie-Star finden, von dem es keine solchen Bilder gibt. Dieser Tatsache müssen Eltern genauso ins Auge blicken wie der Tatsache, dass ihre eigenen Kinder dem vermutlich in nichts nachstehen werden. ((Gucken Sie jetzt bitte nicht auf dem Computer Ihres Kindes nach.))

Natürlich ist die ganze Geschichte von so immensem Nachrichtenwert, dass sie auch im deutschen Onlinejournalismus ausführlich gewürdigt werden muss. Und zwar in der Netzeitung, bei bild.de, stern.de, welt.de, n-tv.de, “Spiegel Online” und im News-Ticker von sueddeutsche.de.

Und bevor Sie sich jetzt wieder über die “prüden Amis” auslassen: der nächste “Naziskandal” kommt bestimmt!

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Skandal-Nudeln

Irgendwas ist schief gelaufen mit der Synonym-Datenbank, auf die der Überschriften-Generator von “Spiegel Online” zugreift. Irgendjemand muss am Eintrag zu Pete Doherty herummanipuliert haben, denn um den geht es heute gar nicht, obwohl die Überschrift genau darauf hindeutet:

Harry Potters Freundin von Skandalrocker verzaubert

Es geht viel mehr um Johnny Borrell von der eher öden Band Razorlight, den kein “Spiegel Online”-Leser kennen dürfte und der mit der Jungschauspielerin Emma Watson, die der Zielgruppe von Deutschlands erfolgreichster Nachrichtenseite ebenso unbekannt sein dürfte, um die Häuser gezogen ist:

Zwischen der 17-jährigen Darstellerin der Harry-Potter-Freundin Hermine und dem in britischen Medien als “Skandalrocker” bezeichneten Borrell soll es nach einem Bericht der Zeitung “Daily Mail” gewaltig “knistern”.

Die Google-Suche nach “scandal rocker” bringt satte 55 Ergebnisse, von denen sich fast alle auf Pete Doherty (oder Courtney Love) beziehen, aber kein einziges auf Borrell. Die “Daily Mail”, auf die sich “Spiegel Online” und dpa als Quelle berufen, schreibt vom “bad boy rocker” (und erntet dafür den Leserkommentar “Oh come on – Jonnie Borrell is hardly a a ‘bad boy rocker'”), “Sky Showbiz” spricht vom “rocker pal” und “rocker fella”, die “Sun” verwendet den Begriff “ex-junkie rocker” (und offenbart ein sehr eigenes Verständnis von Realität und Fiktion: “Emma, who has dated rising rugby star TOM DUCKER, 16, and marries Ron (RUPERT GRINT) in the final Potter book, was with Borrell at two London bashes.”) und bei “Female First” ist Borrell schlicht ein “rocker”.

Der “Skandalrocker” stammt offenbar von dpa, die angebliche Verwendung des Begriffs in den britischen Medien oder dessen Fehlübersetzung geht aber wohl auf das Konto von “Spiegel Online”.

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Leben Digital

Vater “werden” ist nicht schwer

Jetzt frage ich mich doch wirklich, ob man etwas werden kann, das man bereits ist.

Wird Pete Doherty Vater?
[Ausrisse: mtv.de]

Ich wünsche mir eine Diskussionsrunde mit Bastian Sick und Peter Sloterdijk, die dieser Frage auf den Grund geht.

Noch fraglicher ist allerdings, wie mtv.de zu diesem Satz kam:

Die Einser-Schülerin, die einen Platz an der Eliteuniversität Harvard in Aussicht hat, sei sich ganz sicher, so ihr Vater der britische Fußball-Boss Sir Alex Ferguson: ‘Das Baby ist von Pete, da besteht gar kein Zweifel!’

Denn erstens ist Ferguson nicht der Vater (father), sondern der Patenonkel (godfather) der schwangeren Frau und zweitens hat sich der Fußballmanager noch gar nicht zu dem Thema geäußert – und wird es wohl auch bleiben lassen, wenn er einigermaßen klug ist.

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Rundfunk Fernsehen

… as every year

Stellen Sie sich vor, Sie sind Redakteur bei einem Boulevardmagazin, einer Tageszeitung oder einem beliebigen Formatradiosender.

Ja, das ist schon schlimm, aber jetzt kommt’s: Stellen Sie sich bitte weiter vor, Sie haben sich wieder mal zu spät um die Urlaubsplanung gekümmert und wissen jetzt schon, dass Sie im kommenden Jahr “zwischen den Jahren” arbeiten müssen – also in der extrem langweiligen Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, in der außer riesigen Naturkatastrophen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen eigentlich nie was passiert.

Damit Sie das Programm irgendwie gefüllt kriegen, gibt Ihnen das Dienstleistungsblog Coffee And TV schon jetzt eine kleine Liste mit Themen an die Hand, die Sie während der nächsten 361 Tage abarbeiten können:

  • Geschenke umtauschen: Schicken Sie einen Reporter in ein beliebiges Kaufhaus und lassen Sie ihn von Gutscheinen und Umtauschaktionen faseln. Wichtig: Klischeegemäß Socken, Krawatten, o.ä. erwähnen!
  • Abnehmen: Alle Menschen werden über Weihnachten dick. Warum weiß kein Mensch. Glauben einem aber eh alle unbesehen. Experten (Arzt, Ernährungswissenschaftlerin, Harry Wijnford) vor die Kamera zerren. Evtl. während einer der diversen Preisverleihungen schon mal Prominente nach Abspecktipps fragen (dabei dringend auf mögliche Schleichwerbung achten!!!!1).
  • Feuerwerk: Ist urst gefährlich. Schaufensterpuppen in die Luft sprengen, Feuerwehr oder Pyrotechniker interviewen. Wichtig: Vor osteuropäischen Produkten warnen (haben kein Prüfzeichen).
  • Vorsätze fürs neue Jahr: Prominente (Preisverleihung, s.o.) oder Straßenumfrage. Obskure Statistiken einbringen. Experte: Schwierig. Vielleicht Pete Doherty o.ä.
  • Das wird anders: Neue Münzen, Steuersätze, Gesetze, Verordnungen. Kann man einen Tag von leben. Straßenumfragen bei benachteiligten Minderheiten (Steuerzahler, Raucher, etc.) nicht vergessen!
  • Silvesterfeier: So feiert Promi XY oder Ihre Nachbarin. Zwecks Abwechslung auch an Exoten denken (s. Blanco, Roberto; Cordalis, Costa; Farrag, Nadja Abd El; Baffoe, Liz). Gut kombinierbar mit:
  • Rezepte: Kochen geht immer, besonders zu Silvester. Opener: Schnittbilder von Raclette, Fondue, Karpfen blau (s. Archiv).
  • Hausmittel gegen Kater: Prominente (s.o.), Straßenumfrage, Arzt, Apothekerin, etc. Wichtig: In der Anmoderation den Moderator von “meiner Oma” erzählen lassen.
  • Dinner For One: Läuft zum xy. Mal. Prominente erzählen oder nachspielen lassen, gut mit Quiz (Sitzordnung!!!1) kombinierbar. Auf alle Fälle darauf hinweisen, dass der Sketch in England “völlig unbekannt” ist (geht auch als Aufhänger, dann GB-Korrespondenten frühzeitig um eine alberne Straßenumfrage bitten).

Alternativ könnten Sie natürlich auch den Krempel von diesem Jahr wiederholen. Oder den vom letzten Jahr. Oder vom vorletzten …

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Musik Print

Si tacuisses …

The Pete ist seit Wochen und Monaten drogenfrei. Wenn der mal heute nicht rückfällig wird …

Das schrieb ich am Donnerstag in den Kommentaren meines EMA-Liveblogs.

Heute schreiben die diversen Internetseiten unter Berufung auf das britische Schundblatt “The Sun”, Pete sei am Freitag rückfällig geworden und habe sich Heroin gespritzt. Jetzt fühle ich mich irgendwie schlecht …

Bedeutend schlechter sollten sich allerdings die Heuchler der “Sun” fühlen. Die druckten in ihrer heutigen Ausgabe Bilder aus einem Video, das angeblich Doherty beim Heroinschießen am Freitag zeigen soll, und begründeten das wie folgt:

The Sun is well aware of the sickening nature of the images — and prints them only to show Doherty is not cured and is a terrible role model.