Mittendrin statt tot dabei

Von Lukas am Montag, 18. Mai 2009 13:53
Kategorie: Digital Ist Besser, Social Distortion

Ich finde twitter im Großen und Ganzen ja ganz okay und denke, es kommt wie bei jedem Werkzeug darauf an, wie man es einsetzt. Eine große Gefahr besteht natürlich darin, dass dieses Werkzeug so leicht zu bedienen ist und man deshalb oft schneller tweetet als denkt.

Eine andere Gefahr kann natürlich darin bestehen, dass man einfach nur tweetet und gar nicht mehr denkt: Kimberly Hoppe, Klatschkolumnistin der Münchner “Abendzeitung”, sitzt in der Allerheiligen-Hofkirche und tickert live von der Trauerfeier für Monti Lüftner.

Beerdigung Monti Lüftner. Alle Promis schauen sehr, sehr traurig - auch die Fotografen tragen Schwarz. Wolfgang Seybold schluckt.

Jetzt läuft Bruce Springsteen. Marcel Avram schnaeutzt sich - Gaensehautstimmung. Nur die Kerzen sind leider nicht echt

Montis Tochter Tracy (16) spricht wundervoll, singt Amazing Grace, bricht das Lied unter Tränen ab. Ich weine. Die ganze Kirche weint.

Es ist diese Mischung aus Banalitäten und Intimitäten, die das fröhliche Daherplappern von Frau Hoppe so unerträglich macht. Die Tatsache, dass sie über die Tränen von Freunden und Angehörigen (und ihre eigenen) schreibt, noch ehe diese getrocknet sind. Der Umstand, dass sie von einer verdammten Trauerfeier aus einer Kirche twittert.

Aber bevor Sie die Schuld jetzt bei twitter suchen: Dass es auch ohne geht, hat letztes Jahr schon “RP Online” vorgemacht.

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22 Kommentare

  1. 1

    Das unterbietet so ziemlich alles, was ich bislang im Bereich twitternder Journalismus miterleben durfte.

    Jetzt plötzlich Totenstille! Oh Gott, wie schrecklich.

  2. 2

    Twitter hat ja durchaus seine Daseinsberechtigung, wenn man z.B. gestern die Vollsperrung der A52 und die quasi “Live-Berichterstattung” durch Twitter-User nimmt – das war schon recht nützlich. Aber nein, man muss, soll, darf nicht überall twittern. Vor allem nicht, wenn man sich in irgendeiner Art als Journalist bezeichnen will…

    Offtopic: Warum darf ich coffeeandtv bei Twitter nicht followen? :-(

  3. 3

    Autobahn, na meinetwegen. Aber so ungefähr rund um Kirchen, die Aufenthaltsorte von Staatsoberhäuptern, Gerichtsgebäude und Schlafzimmer sollte die Grenze dann verlaufen — dafür brauchen wir allerdings auch keine neuen Gesetze, sondern allenfalls ein bisschen Anstand.

    Ich komm bei twitter überhaupt nicht mehr hinterher. Wie war denn der Username?

  4. 4

    twitternder Journalismus? Das ist nun wahrlich ein klassisches Oxymoron.
    An ekelhaften Zurschaustellungen gibts ja noch die Dame von Hamburg on air.
    Meine Oma hätte gesagt: alle in einen Sack und druff hauen, trifft man immer den richtigen

  5. 5

    Warum hat sie die Beerdigung eigentlich nicht getwitpict? Schöne Schnapsschüsse vom Sarg. Da es offensichtlich eh keinen gestört hat, dass sie da mit ihrem iPhone rumgurkt, wäre da doch auch nicht aufgefallen.

  6. 6

    @Lukas: Der Username ist psychomieze ;-)

  7. 7

    [...] Coffee&TV: Mittendrin statt tot dabei Beerdigungstwittern auch in Deutschland [...]

  8. 8

    Die USA waren auch hier Vorreiter: Twitter von der Beerdigung eines dreijährigen Unfallsopfers. Gerade noch gestern einem Vortrag gehört – siehe Artikel bei onlinejournalismus.de

  9. 9

    Ich fand das auch unerträglich und habe deshalb den Twitter-Account @Abendzeitung (wo auf KimberlyHope hingewiesen und ge-retweetet wurde) entfollowt.

    Worauf die AZ dann fairerweise antwortete und sich damit rechtfertigte, das sei mehr ein Happening als eine Trauerfeier gewesen. Das mag natürlich sein (ich war nicht dort), macht die Sache aber auch nicht besser.

    [Ich bitte um Nachsicht für die bescheuerten denglischen Ausdrücke "entfollowt" und "ge-retweetet"]

  10. 10

    Nach dem, was ich mitbekommen habe, würde ich auch von einer eher barocken Feierlichkeit ausgehen. Aber eben immer noch eine Trauerfeier. Und über andererleuts Tränen zu schreiben, finde ich schon im Nachhinein schwierig, in dem Moment aber einfach abartig.

    Mal davon ab war ich als Hobby-Katholik natürlich bisher davon ausgegangen, dass, wer in einer Kirche sein Mobiltelefon benutzt, sofort vom Blitz getroffen wird. Oder wenigstens böse Zahnschmerzen bekommt.

  11. 11

    [...] Coffeeandtv.de >> MEEDIA-Blog von Georg Altrogge Social Bookmarks:   Posted in News Leave a Reply [...]

  12. 12

    “Danke meinen schnuckligen 200 Followis mit nem dicken Extra-Schmatz! Totz Monti-Beerdigung-Liveticker-Häme seid Ihr treu und mehr denn je!!”

  13. 13

    @malte: Vermutlich muss man ihr da noch dankbar sein, dass sie nicht “seit” geschrieben hat …

  14. 14

    man beachte dabei auch die alternierende Schreibweise der Umlaute – zeugt durchaus von latenter Kreativität!

  15. 15

    wer’s mag.

  16. 16

    [...] »Es ist diese Mischung aus Banalitäten und Intimitäten, die das fröhliche Daherplappern von Frau Hoppe so unerträglich macht. Die Tatsache, dass sie über die Tränen von Freunden und Angehörigen (und ihre eigenen) schreibt, noch ehe diese getrocknet sind. Der Umstand, dass sie von einer verdammten Trauerfeier aus einer Kirche twittert.« (Die Abendzeitung lässt von Monti Lüftners Trauerfeier twittern, mehr bei Coffee and TV.) [...]

  17. 17

    [...] Das war mein erster Gedanke. Wer mehr darüber lesen will: Coffee And TV. [...]

  18. 18

    [...] Das habe ich schon geschrieben? Ja, sicher. Aber wenn die Aufmerksamkeitsspanne nur noch 140 Zeichen beträgt, kann man sich ja mal [...]

  19. 19

    [...] The White Wedding House 12Jun09 Kimberly Hoppe ist Klatsch-Kolumnistin bei der Münchner “Abendzeitung” und twittert in dieser Funktion auch schon mal von Trauerfeiern. [...]

  20. 20

    [...] “LEUTE-Kolumnistin” der Münchener Abendzeitung und berühmt für ihre einfühlsamen Twitter-Reportagen, ist da bei ihren investigativen Recherchen im Prä-Oktoberfestlichen München auf ein ganz ein [...]

  21. 21

    [...] http://www.coffeeandtv.de/2009.....tot-dabei/ [...]

  22. 22

    [...] null mit BILD.de 15. November 2009 Trauerfeiern im Zeitalter des Internets. Nicht nur ein Grund zum Twittern, sondern auch eine prima Möglichkeit zu [...]

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