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Wo ist Walter?

Screenshot: nytimes.com

Es ist ver­mut­lich kein Geheim­nis, dass ich den Online-Auf­tritt der „New York Times“ – neben dem des eng­li­schen „Guar­di­an“ – für das abso­lu­te Non­plus­ul­tra hal­te. Die Sei­te ver­bin­det die qua­li­ta­tiv oft sehr hoch­wer­ti­gen Tex­te der Zei­tung mit einem anspre­chen­den Lay­out und so ziem­lich allem, was die moder­ne Tech­nik her­gibt.

Die neu­es­te Idee: ein rie­si­ges Foto von der Ehren­tri­bü­ne bei der gest­ri­gen Ver­ei­di­gung (oder „Inau­gu­ra­ti­on“, um das neue Lieb­lings­wort voka­bel­schwa­cher deut­scher Jour­na­lis­ten­dar­stel­ler zu ver­wen­den) von Barack Oba­ma.

Aber es ist nicht nur ein rie­si­ges (zusam­men­ge­setz­tes) Foto, man kann auch hin­ein­zoo­men, über die Köp­fe der dort sit­zen­den Per­so­nen fah­ren und sich bei vie­len Per­so­nen anzei­gen las­sen, wie sie hei­ßen. Dar­über hin­aus kann man direkt auf eine bestimm­te Stel­le des Fotos ver­lin­ken (falls man z.B. wie John Cusack selbst im Bild ist und damit vor all sei­nen Freun­den rum­prot­zen will) und nach allen iden­ti­fi­zier­ten Per­so­nen suchen. Und das alles bei Inter­es­se auch noch im Voll­bild­mo­dus.

Ist es das, was die Welt unbe­dingt gebraucht hat? Nein. Ist es trotz­dem toll? Auf alle Fäl­le.

Nur einen Wal­ter habe ich nir­gend­wo fin­den kön­nen.

Nach­trag, 15:52 Uhr: Dank tat­kräf­ti­ger Unter­stüt­zung von Stitch habe ich doch noch einen Wal­ter gefun­den: Wal­ter Mon­da­le, Vize­prä­si­dent von 1977 bis 1981.

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Wir können auch Meta

Wol­len Sie mei­ne ehr­li­che Mei­nung hören? Das, was dem Schwei­zer „Blick“ da als Titel­schlag­zei­le für heu­te ein­ge­fal­len ist, ist gar nicht schlecht. Zumin­dest ist es wit­zi­ger als „Wir sind Papst“:

Barack Obama endlich im Amt: Jetzt we can!

[Ein­ge­sandt von Leser Ben­ja­min Sch.]

Ich wür­de wirk­lich ger­ne schrei­ben, dass die­se Kari­ka­tur von Tho­mas Plaß­mann aus der „NRZ“ einen wür­di­gen Abschluss für unse­re klei­ne Rei­he bil­det. Aber ich fürch­te, da wird noch eini­ges kom­men:

Yes we can!

[Ent­deckt von Mut­ti, mal wie­der]

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Ich bin nur zugezogen, holt mich hier raus!

Die pein­li­che Absa­ge der Love­pa­ra­de, die die­ses Jahr eigent­lich in Bochum statt­fin­den soll­te, bestimmt in den letz­ten Tagen die Lokal­pres­se:

Nein, von einem Image­scha­den kön­ne kei­ne Rede sein, gab Stadt­rat Paul Aschen­bren­ner (SPD) zu Pro­to­koll. „Weil wir eine ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Ent­schei­dung getrof­fen haben.“

(„Ruhr­nach­rich­ten“)

Gut, dass Bochum kein Image hat, was zu Scha­den kom­men könn­te. Und wen inter­es­sie­ren schon jun­ge Men­schen, die Krach hören und Rausch­gift kon­su­mie­ren?

Die SPD jeden­falls nicht:

So hat­te etwa der SPD-Orts­ver­ein Bochum-Ham­me, der schon Wolf­gang Cle­ment poli­tisch weit­ge­hend über die Klin­ge sprin­gen ließ, einen Antrag für den Rat vor­be­rei­tet, wegen dro­hen­der Ver­mül­lung der Anlie­ger­stra­ßen vom Raver-Tanz­ver­gnü­gen ganz abzu­las­sen.

In dem Antrag vom 31. Juli 2008 heißt es wört­lich: „Der SPD-Orts­ver­ein Bochum-Ham­me sieht in der Aus­rich­tung der Love­pa­ra­de 2009 in Bochum kei­nen kul­tu­rel­len bzw. nach­hal­ti­gen Bei­trag zur Ver­bes­se­rung des Images des Ruhr­ge­bie­tes bzw. für das Kul­tur­haupt­stadt­jahr 2010. Die im Rah­men der Orga­ni­sa­ti­on ent­ste­hen­den Kos­ten und Nach­fol­ge­schä­den ste­hen in kei­nem Ver­hält­nis zum Nut­zen die­ser Ver­an­stal­tung und sind öffent­lich nicht ver­tret­bar.” Bochum sol­le des­halb die Ver­an­stal­tung zurück­ge­ben.

(„WAZ“)

Aber die sehr end­li­che Kom­pe­tenz der SPD mani­fes­tiert sich bis ins kleins­te Detail:

Im Som­mer 2008 ver­ab­schie­de­te der Orts­ver­ein den Antrag an den Rat, die Love­pa­ra­de in Bochum abzu­bla­sen, wegen Gefahr der Ver­mül­lung und ande­rer Schä­den. Zwar wur­de der Antrag nie abge­schickt, doch in den SPD-Gre­mi­en wie Rats­frak­ti­on und Unter­be­zirks­par­tei­tag sicker­te die Ableh­nung gleich­wohl durch.

(Noch mal die „WAZ“)

Ent­spre­chend gut lässt sich die­ser Eier­tanz kom­men­tie­ren:

Wie eine Nach­ge­burt kom­men nun Ein­schät­zun­gen zu Tage, die dar­auf hin­wei­sen, dass die Macher der Bochu­mer Poli­tik mit der Love­pa­ra­de wenig am Hut hat­ten. Statt­des­sen ging die Sor­ge um, das The­ma spal­te und kön­ne im Super­wahl­jahr 2009 Wäh­ler­stim­men kos­ten.

Das aller­dings ist nicht von der Hand zu wei­sen. Zu auf­fäl­lig, wie ein­drucks­voll und wort­mäch­tig sich Bochu­mer Poli­ti­ker über Kon­zert­haus­bau, Cross-Bor­der-Deal und Gott und die Welt ver­brei­tet haben, das The­ma Love­pa­ra­de aber fast gänz­lich mie­den. […]

Und dann die Kos­ten: 130 000 Euro allein durch den Ein­satz der Feu­er­wehr und Ret­tungs­diens­te. Ganz zu schwei­gen von hun­der-ten Extrabus­sen. Und der befürch­te­ten Ver­mül­lung. Das wirkt doch sehr wie ein run­des bestell­tes Gut­ach­ten. Von Leu­ten, die nicht wirk­lich wol­len.

(Kom­men­tar in der „WAZ“)

Ins­ge­heim dürf­ten spä­tes­tens seit dem Erfolg der Love­pa­ra­de in Essen klar gewe­sen sein: Bochum ist dem nicht gewach­sen. Da das nie­mand sagen will, fehl­te nur ein Grund für die Absa­ge.

Zum Glück gibt es die Gleis­bau­ar­bei­ten der Bahn.

(Kom­men­tar in den „Ruhr Nach­rich­ten“)

Der publi­zis­ti­sche Todes­stoß kam aller­dings aus der alten Hei­mat der Love­pa­ra­de. Ein Pro­vinz­por­trät in zwei­ein­halb Sät­zen:

Her­bert Grö­ne­mey­er hat Bochum groß gemacht, aber nicht groß genug. Die Love­pa­ra­de – Älte­re wer­den sich erin­nern – kann dort in die­sem Jahr man­gels Kapa­zi­tät nicht statt­fin­den: Bahn­hof zu klein, Miet­toi­let­ten aus­ge­bucht, zu wenig Papier­kör­be, so etwa.

(„Der Tages­spie­gel“)

Der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de im Bochu­mer Stadt­rat wird von der „WAZ“ übri­gens wie folgt zitiert:

Es wur­de der Ein­druck erweckt, als wären nur Dep­pen am Werk.

Wie jetzt? „Ein­druck“? „als“?

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Ja, Ihr könnt mich mal (15 & 16)

Der heu­ti­ge Tag lädt natür­lich irgend­wie zum völ­li­gen Frei­dre­hen ein. Aber wenn wir uns dann viel­leicht dar­auf eini­gen könn­ten, ab mor­gen wie­der mit die­sem Unfug auf­zu­hö­ren …

Der Marktpräsident empfiehlt: "Wählen Sie aus diesen Angeboten - Auch hier garantiert eine gute Wahl!" Yes we can!

[Aus dem Pro­spekt eines „Pro­markts“ in Frank­furt, ein­ge­sandt von Leser Georg Z.]

Barak Obama Tag! Herzlich Willkommen Obama mit unserem All-American Verkauf!

[cd-wow.com fei­ert einen „Barak Oba­ma“, wer auch immer das sein mag]

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Musik Politik

The District Sleeps Alone Tonight

Kei­ne 24 Stun­den mehr, dann wird die Amts­zeit von Geor­ge W. Bush als 43. Prä­si­dent der USA vor­bei sein. Wie er wohl den letz­ten Abend in Washing­ton D.C. ver­brin­gen wird?

Wir wis­sen es nicht. Aber Dank die­ses Musik­vi­de­os zu „As Tall As Cliffs“ von Mar­got And The Nuclear So & So’s kön­nen wir uns ein Bild davon machen, wie es sein könn­te:

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.metacafe.com anzu­zei­gen.

Mar­got and the Nuclear So and Sos – As Tall As Cliffs (Offi­ci­al Music Video)The top video clips of the week are here

Mit Dank an die bei­den Leser, die mich durch ihre Wahl beim Auf­guss 2008 auf das Video auf­merk­sam gemacht haben!

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Digital

Kein Programmhinweis: Aufguss 2008

Kurz nach­dem wir Sie, lie­be Leser, im Dezem­ber zur Wahl gebe­ten hat­ten, bekam ich eine mit­tel­schwe­re Panik­at­ta­cke: In den ers­ten 20 Stun­den stimm­ten mehr Men­schen ab als bei der gesam­ten Vor­jah­res­wahl. In S‑Bahnen und auf Fuß­bö­den mach­te ich mich an die Aus­wer­tung und sah mich schon die Weih­nachts­fei­er­ta­ge vor den Excel-Tabel­len ver­brin­gen.

So weit kam es nicht: Nach dem anfäng­li­chen Buzz ebb­te der Andrang auf ein bequem bear­beit­ba­res Maß ab. Auf die Zahl von 102 gül­ti­gen Stimm­zet­teln sind wir alle sehr stolz und dan­ken Ihnen herz­lich für die Teil­nah­me.

Lei­der nicht gezählt wer­den konn­te die­ser Wahl­zet­tel:

Nun aber noch kurz zu einer trau­ri­gen Nach­richt:

Wir hat­ten uns das so schön aus­ge­malt: Es soll­te eine rau­schen­de, lang­at­mi­ge Gala wer­den, vol­ler bemüht wit­zi­ger Ein­spie­ler und abge­le­se­ner Mode­ra­ti­ons­tex­te, über­tra­gen bei Mogu­lus. Aber dann wur­de ein Teil des Teams krank und ein ande­rer (ich) hat­te kei­ne Abend­gar­de­ro­be zur Hand.

Aber wenn schon die fei­er­li­che Ver­lei­hung der „Gol­de­nen Kame­ra“ in die­sem Jahr aus­fällt, kön­nen auch wir gut auf jeg­li­ches Brim­bo­ri­um ver­zich­ten und die Gewin­ner der gro­ßen Cof­fee-And-TV-Leser­wahl ein­fach in Form end­lo­ser Zah­len­ko­lon­nen ver­kün­den.

Und zwar hier.

Die Gewin­ner unse­rer Ver­lo­sun­gen wer­den in den nächs­ten Tagen benach­rich­tigt.

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Politik

Schlechter Wechselkurs

Zuge­ge­ben: Ich hät­te den RCDS bei den anste­hen­den Wah­len zum Bochu­mer Stu­die­ren­den­par­la­ment eh nicht gewählt.

Change. Wechsel wollen. RCDS wählen.

Aber nach die­ser Pla­kat­kam­pa­gne wäre ich über­rascht, wenn der Ring Christ­lich-Demo­kra­ti­scher Stu­den­ten auch nur eine Stim­me mehr bekä­me als er Mit­glie­der hat.

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Verunglückte Vergleiche (317)

Nun wucher­ten Anfein­dun­gen und Intri­gen wie Fuß­pilz auf alten Bulet­ten.

Der Arti­kel von Lydia Har­der auf Sei­te 4 wirft heu­te unbe­ab­sich­tigt die Fra­ge auf, wie es eigent­lich in der Kan­ti­ne der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ (online nur kos­ten­pflich­tig ver­füg­bar) aus­sieht.

[Ein­ge­sandt von Mut­ti.]

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Uschi Blum macht Lokalredakteure schwach

Hape Ker­ke­lings neue Komö­die „Ein Mann, ein Fjord“ läuft am 21. Janu­ar um 20:15 Uhr im ZDF. Für den Film hat der Komi­ker ein alte Rol­le reak­ti­viert, die auch schon in „Kein Par­don“ zu sehen war: die der Schla­ger­sän­ge­rin Uschi Blum.

Weil man das eben heut­zu­ta­ge so macht, bekam Uschi Blum eine Art Viral­kam­pa­gne spen­diert. Das ist zwar bei einem kos­tü­mier­ten Pro­mi­nen­ten ein wenig albern, aber mit eige­nem MySpace-Pro­fil, offi­zi­el­ler und Agen­tur-Web­site (vor dem Ankli­cken die Laut­spre­cher run­ter­dre­hen!) durch­aus auf­wen­dig und mit … äh: Lie­be zum Detail gemacht.

Natür­lich hat man auch an eine fik­ti­ve Bio­gra­phie gedacht und die besagt, dass Uschi Blum als Hil­de­gard Ster­c­zinski in Dins­la­ken gebo­ren wur­de, sie 1978 4. bei der Wahl zur „Miss Dins­la­ken“ war und sie eini­ge Jah­re das Hun­de-Nagel­stu­dio „Uschi’s Pföt­chen-Salon“ in der Din­kel­gas­se in Dins­la­ken betrieb.

Nun ist es offen gestan­den nur so mit­tel­ab­surd, ein Schla­ger­stern­chen aus­ge­rech­net aus Dins­la­ken kom­men zu las­sen, wenn doch schon der König des Pop­schla­gers dort zuhau­se ist. Aber als inof­fi­zi­el­ler Stadt­blog­ger Dins­la­kens habe ich natür­lich trotz­dem ver­sucht, über sein Manage­ment Kon­takt mit Hape Ker­ke­ling auf­zu­neh­men. Dass der im Moment flei­ßig Pro­mo macht und nicht auf die Anfra­gen jedes Feld‑, Wald- und Wie­sen­blog­gers reagiert, kann ich durch­aus ver­ste­hen. Offen­bar ist es aber auch den Kol­le­gen in der Lokal­re­dak­ti­on der „Rhei­ni­schen Post“ (für die ich frü­her geschrie­ben habe) nicht gelun­gen, eige­ne O‑Töne des belieb­ten Komi­kers zu bekom­men, wes­we­gen man dort den Helb­sei­ter, der wohl unbe­dingt in die Sams­tags­aus­ga­be soll­te, irgend­wie anders fül­len muss.

Sie kön­nen den Arti­kel ger­ne selbst mit der offi­zi­el­len „Bio­gra­phie“ und den wei­te­ren Pro­mo­tex­ten ver­glei­chen, ich hab Ihnen aber die wich­tigs­te Eigen­krea­ti­on des Autors hier mal kurz rüber­ko­piert:

Die [Inter­net­sei­te] von Uschi ist der Ham­mer.

Nun ist es viel­leicht etwas ande­res, ob man eine (fik­ti­ve) Künst­ler­bio­gra­phie in wei­ten Tei­len für einen redak­tio­nel­len Text über­nimmt, oder ein­fach Wer­be­tex­te für Unter­neh­men abschreibt (wie „RP Online“ das ja schon mal macht).

Trotz­dem hat der Arti­kel aus der „Rhei­ni­schen Post“ in mei­nen Augen wenig mit Jour­na­lis­mus zu tun. Sein Autor Ralf Schrei­ner ver­säumt es, auch nur ein Mal auf die Pres­se­info hin­zu­wei­sen. Nach einer Ein­lei­tung, in der Ker­ke­lings Ver­klei­dung erklärt, folgt über sechs Absät­ze der leicht modi­fi­zier­te Pro­mo­text. Sowas kann man machen, wenn man Kon­zer­te von Berg­ar­bei­ter­chö­ren oder Nach­wuchs­bands ankün­di­gen will – aber nicht, wenn man aus eige­nem Antrieb ein gro­ßes Por­trät für die Sams­tags­aus­ga­be schreibt.

Die „Neue Rhein Zei­tung“, das ande­re Blatt mit Dins­la­ke­ner Lokal­re­dak­ti­on, hat am Sams­tag eben­falls einen gro­ßen Arti­kel über Uschi Blum gebracht – der aller­dings im Super-Duper-Online­por­tal Der Wes­ten nicht zu fin­den ist. Dort steht im Wesent­li­chen das Sel­be drin (Dins­la­ken, „Miss Dins­la­ken“, „Uschi’s Pföt­chen-Salon“), aber wesent­lich kür­zer und sogar anmo­de­riert:

Außer­dem hat Uschi im Inter­net ihren lesens­wer­ten Lebens­lauf ver­öf­fent­licht. Dar­aus:

Auch dass die „NRZ“ bei der Kon­takt­auf­nah­me mit Ker­ke­ling geschei­tert ist, erfährt der Leser. Ver­packt in einen Info­kas­ten, der zumin­dest eine nähe­re Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Gegen­stand nahe­legt:

Warum ausgerechnet Dinslaken? Im vergangenen Jahr ließen ein Ehepaar, das sich mit einem anderen aus Dinslaken ein Hotelzimmer teilen musste und dafür Rabatt bekam (Cartoon "Hippenstocks Strategen", Süddeutsche Zeitung), ein weiterer Cartoon und eine Äußerung von Roger Willemsen die Frage aufkommen: Warum ausgerechnet Dinslaken? Hat Dinslaken einen lustigen Klang? Steht Dinslaken für etwas Besonderes? Für das Nirgendwo? Das Kleinstädtische? Das Geheimnisvolle? Oder für das Ende der Welt? Zumindest Hape Kerkeling konnte es uns nicht beantworten. Er sei bis Ende 2010 zu ausgebucht, um derartigen Anfragen nachzukommen, teilte sein Büro mit.

Ich glau­be, ich soll­te mich bei Roger Wil­lem­sen ent­schul­di­gen

Mit Dank auch an Micha­el M. für den Hin­weis und an mei­ne Mut­ter für den Scan!

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Seinen oder nicht Seinen

Wir müs­sen noch mal auf die Num­mer mit der gemein­sa­men Wer­be­ak­ti­on von Tchi­bo und Esso unter dem Slo­gan „Jedem den Sei­nen“ zurück­kom­men. Zwar hat sie es nicht auf die Titel­sei­te von „Bild“ geschafft, aber die media­le Auf­merk­sam­keit, die die „Frank­fur­ter Rund­schau“ in bes­ter „Bild“-Manier selbst gene­riert hat­te, hat mich dann doch ein wenig über­rascht.

Beson­ders inter­es­sant fand ich die Ansich­ten, mit denen sich Vol­ker Nickel, der Spre­cher des Deut­schen Wer­be­rats, von der „taz“ zitie­ren lässt:

„Offen­sicht­lich haben alle Fil­ter ver­sagt, weil kein Wis­sen vor­han­den war, dass dahin­ter irgend­et­was ande­res ste­cken könn­te.“ Er glaubt, dass die fehl­ge­lei­te­te Kaf­fee­kam­pa­gne nur ein Sym­ptom für die gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung ist. „In 40 Jah­ren wis­sen wahr­schein­lich noch weni­ger Men­schen über die Bedeu­tung sol­cher Sät­ze Bescheid“, sagt er. „Des­we­gen ist es Auf­ga­be der Schu­len und Medi­en, dass die Ereig­nis­se wäh­rend des Natio­nal­so­zia­lis­mus in unse­ren Köp­fen wach blei­ben.“

Herr Nickel ver­tritt damit die gegen­tei­li­ge Posi­ti­on der Mei­nung, die hier in den Kom­men­ta­ren vor­herrsch­te, und wünscht sich offen­sicht­lich eine schwar­ze Lis­te der Sät­ze und Wör­ter, die seit 1945 und für alle Zeit nicht mehr ver­wend­bar sind. (Oder, wie der gro­ße Nazi-Wör­ter-Exper­te Johan­nes B. Ker­ner sagen wür­de: die „nicht gehen“. Gar nicht.)

Der groß­ar­ti­ge und oft über­se­he­ne Song­wri­ter Dan Bern hat 2002 die „Swas­tika EP“ ver­öf­fent­licht, auf der sich auch der Song „My Litt­le Swas­tika“ („Mein klei­nes Haken­kreuz“) befin­det. Im Text heißt es unter ande­rem:

the chi­ne­se had it for 20,000 years
the nazis took it and made it spell tears
still has power to hurt a litt­le bit
but now I’m deco­ra­ting my house with it

Dan Bern darf das: er ist Jude (sei­ne Begleit­band heißt The Inter­na­tio­nal Jewish Ban­king Con­spi­ra­cy), sei­ne Eltern haben den Holo­caust knapp über­lebt. In einem Inter­view erklär­te er aus­führ­lich, war­um er das Haken­kreuz als Sym­bol umdeu­ten will und wie dies gesche­hen soll.

Nun liegt Berns Posi­ti­on unge­fähr in der Mit­te zwi­schen „from­mer Wunsch“ und „etwas welt­fremd“ und lässt sich auch schlecht ver­all­ge­mei­nern: Natür­lich wären die Irri­ta­tio­nen berech­tigt, die die Bun­des­agen­tur für Arbeit aus­lö­sen wür­de, wenn sie mor­gen „Arbeit macht frei“ zu ihrem Slo­gan erwähl­te. Und wenn Ange­la Mer­kel ein­mal kei­ne Lust mehr auf ihre unge­bro­che­ne Popu­la­ri­tät bei den deut­schen Wäh­lern haben soll­te, müss­te sie nur dar­auf bestehen, fort­an als „Füh­re­rin“ ange­spro­chen zu wer­den.

Der grund­sätz­li­che Gedan­ke, dass man sich bestimm­te Berei­che des All­tags nicht von irgend­wel­chen Arsch­lö­chern weg­neh­men las­sen soll­te, ist aber ein klu­ger. Wer sich ernst­haft an Wor­ten wie „Füh­rer­schein“ reibt, der bewahrt damit nicht das Andenken der Opfer, son­dern der ver­hilft der Nazi-Ban­de von damals zum post­hu­men letz­ten Sieg – mal ganz davon ab, dass das Ver­bot oder die Selbst­zen­sur bei bestimm­ten Begrif­fen inhalt­lich sehr viel näher am Drit­ten Reich dran wäre als die Ver­wen­dung der Begrif­fe selbst.

Es ist schwer zu über­bie­ten­der Zynis­mus, eine anti­ke Gerech­tig­keits­for­mel auf das Tor eines Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers zu schrei­ben – die Losung aber des­halb zum unzi­tier­ba­ren bösen Wort ernen­nen zu wol­len, ist unge­fähr so däm­lich, wie ein Ver­bot von Toten­köp­fen, schwar­zen Leder­män­teln und Pech­fa­ckeln zu for­dern.

Situa­tio­nen wie die­se erfor­dern etwas, was dem deut­schen Volk (hihihi) seit jeher fehlt: Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Es muss etwas geben zwi­schen dem „Schluss­strich“, den man­che for­dern, und der abso­lu­ten Empö­rung, die noch immer irgend­je­mand emp­fin­det, wenn ihn ein Jour­na­list anruft und um eine Stel­lung­nah­me zu die­sem oder jenem „Nazi-Skan­dal“ bit­tet, von dem der Empör­te oft genug in die­sem Moment zum ers­ten Mal hört.

Und damit sind wir wie­der bei „Jedem den Sei­nen“: Eine selt­sam alter­tüm­li­che For­mu­lie­rung, fin­den Sie nicht?

Ich fin­de es viel merk­wür­di­ger als sonst etwas, dass ein solch sper­ri­ger Slo­gan im Jahr 2009 an Tank­stel­len für Kaf­fee wer­ben soll. Mich wür­de wirk­lich inter­es­sie­ren, wie die­se Kam­pa­gne aus­ge­se­hen hat, was sich die Macher dabei gedacht haben und was mit dem Spruch über­haupt gemeint war. Aber im Inter­net fin­de ich nir­gends ein Foto von den Pla­kat­mo­ti­ven, fast alle Arti­kel zu dem The­ma sind mit dem Tor aus Buchen­wald bebil­dert. Mir fehlt der Kon­text um zu ent­schei­den, ob die Kam­pa­gne nun wirk­lich eine „nicht zu über­bie­ten­de Geschmack­lo­sig­keit“ war, wie Salo­mon Korn sie (natür­lich nur bis zur nächs­ten, nicht zu über­bie­ten­den Geschmack­lo­sig­keit) nann­te, ob dahin­ter eine ori­gi­nel­le Idee steck­te, oder ob sie ein­fach nur banal und doof war. Und die Frei­heit, sol­che Urtei­le selbst fäl­len zu dür­fen, hät­te ich als mün­di­ger Bür­ger eigent­lich schon ganz ger­ne.

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„Welt Online“ auf den Spuren vieler

Oli­ver Mich­alsky, stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur von „Welt Online“ freut sich: ges­tern ver­zeich­ne­te das Por­tal erst­mals mehr als acht Mil­lio­nen page impres­si­ons.

Dafür ver­ant­wort­lich sein könn­te unter ande­rem die­se 39-teil­i­ge Klick­stre­cke über die Not­was­se­rung in New York, die­se eben­falls auf der Start­sei­te ver­link­te Klick­stre­cke zur Not­lan­dung einer Qan­tas-Maschi­ne aus dem ver­gan­ge­nen Juli (25 Tei­le) und die­se Klick­stre­cke zum Flug­zeug­ab­sturz in Madrid (August 2008, 13 Tei­le, auch auf der Start­sei­te ver­linkt).

Aber ich will Herrn Mich­alskys Freu­de gar nicht schmä­lern. Mit gro­ßen Wor­ten und vie­len Aus­ru­fe­zei­chen lobt er in einer inter­nen E‑Mail die Arbeit der Kol­le­gen, die die­sen Erfolg mög­lich gemacht haben.

Ich hab Ihnen hier mal die wich­tigs­te Stel­le raus­ge­sucht:

Betreff: Die WELT-Gruppe sagt: Internet? Yes, we can!

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Ja, Ihr könnt mich mal (12)

Ja ja, ich hat­te auch geglaubt, mit dem Howard-Car­penda­le-Schla­ger, den Ste­fan uns neu­lich freund­li­cher­wei­se ins Blog gekippt hat­te, wäre die Tal­soh­le der Oba­ma-Ran­schmis­se so lang­sam erreicht – zumin­dest musi­ka­lisch.

Wir alle haben Howard Car­penda­le Unrecht getan – sein Song zeig­te immer­hin noch, dass sich jemand Gedan­ken gemacht hat­te (Gos­pel!), und bei einem gebür­ti­gen Süd­afri­ka­ner ist es auch noch mal etwas ande­res, wenn er über einen schwar­zen Prä­si­den­ten singt.

Aber das hier, das geht wirk­lich nicht und unter gar kei­nen Umstän­den:

Frank Fari­an, des­sent­we­gen man immer ein biss­chen Angst haben muss­te, dass Geor­ge W. Bush Deutsch­land bom­bar­die­ren las­sen könn­te, hat das gemacht, was er seit 20 Jah­ren macht, und ver­sucht aus einer alten Idee noch ein paar Taler raus­zu­quet­schen, indem er sich auf den Zeit­geist stürzt wie sei­ne gan­zen Ex-Schütz­lin­ge ins Unglück.

Des­halb hat er den alten Boney‑M.-Schlager (ein Hit war das schon nicht mehr wirk­lich) „Feli­ci­dad“ wie­der auf­ge­wärmt und auf Barack Oba­ma gemünzt. Natür­lich hat er die Beleg­schaft dafür mal wie­der aus­ge­tauscht, aber wen inter­es­siert sowas?

Nun ja, Bild.de inter­es­siert es natür­lich, wes­we­gen das Video (der Zeich­ner der alten E‑Ro­tic-Musik­vi­de­os ist offen­bar auch wie­der in Lohn und Brot) dort exklu­siv zu besich­ti­gen ist. Ich rate aller­dings dazu, das Brow­ser­fens­ter spä­tes­tens nach zwan­zig Sekun­den zu schlie­ßen, weil blei­ben­de Schä­den sonst nicht aus­zu­schlie­ßen sind.

[Mit Dank an Björn für den Hin­weis]