PR Online

Von Lukas Heinser, 16. Oktober 2008 13:45

Preisfrage: Was ist das?

Eine Flasche Bier

a) Eine Flasche Bier.
b) Ein Werbefoto von Bitburger.
c) Ein Teil einer Bildergalerie bei „RP Online“.
d) Wichtiger redaktioneller Inhalt.

Machen wir’s kurz: So wie es aussieht, sind alle vier Antworten richtig.

Die Brauerei Bitburger hat eine neue Flasche auf den Markt gebracht, die laut Pressemitteilung durch „stilvolles und modernes Design“ überzeugt. Und offenbar überzeugte sie zumindest Christian Kurth, der für das Wirtschaftsressort bei „RP Online“ einen Artikel darüber schrieb.

Nun kann man sagen, die Einführung einer neuen Bierflasche habe einen gewissen Nachrichtenwert — und über neue Automodelle würde ja auch ständig berichtet.

Schon fraglicher ist, warum man dieser Meldung eine fünfteilige Bildergalerie anhängen muss, die nicht nur die Flasche in mehreren Positionen zeigt, sondern auch offensichtliche Werbeszenarien:

Junge, hübsche Menschen trinken Bitburger.

Junge, hübsche Menschen trinken noch mehr Bitburger.

Weil man sich für solche Fotos nur schwer Bildunterschriften ausdenken kann, wurde einfach der Artikel-Text absatzweise reinkopiert. So kann der Leser Sätze wie

Selbstzweifel kamen auf. Zu viel getrunken? Nein, das ist erst die zweite Flasche. Aber was ist es dann? Ein Produktionsfehler? Schnell im Kasten nachgeschaut. Tatsächlich – alle Flaschen sind gleich, alle Flaschen haben diesen Knick. Was hat sich die Brauerei Bitburger nur dabei gedacht, die klassische NRW-Flasche zu verändern?

gleich zwei Mal lesen. (Aber das kennen wir ja schon.)

Auf die Spitze getrieben wird der redaktionelle Inhalt durch die kleine Infobox „Die Brauerei“, die unter dem Artikel verlinkt ist:

Die Brauerei: Die Bitburger Brauerei, 1817 in der Südeifel gegründet, zählt zu den bedeutendsten Premium-Brauereien Deutschlands. Mit über 4 Millionen Hektolitern ist Bitburger eine der größten nationalen Pilsmarken. Herausragend ist ihre Position in der Gastronomie, wo Bitburger Premium Pils mit seinem fassfrischen Geschmack seit Jahrzehnten die Spitzenposition einnimmt. Bitburger ist das meistgezapfte Pils an deutschen Theken. Deutschlandweit führen über 43.000 Gastronomieobjekte Bitburger Premium Pils.

Wie Sie vermutlich schon den Formulierungen „Premium-Brauerei“ und „fassfrischer Geschmack“ entnehmen konnten, handelt es sich dabei um einen Pressetext der Bitburger-Brauerei, den „RP Online“ weiterverbreitet.

Franziska Bluhm, die stellvertretende Chefredakteurin von „RP Online“, schrieb mir auf Anfrage:

[E]s handelt sich bei dem Text weder um Werbung, Promotion oder einen anderen als Anzeigen zu kennzeichnenden Inhalt. Ein Erlebnis im Supermarkt und das Erscheinen der Pressemitteilung haben unseren Redakteur veranlasst, eine Geschichte dazu zu schreiben.

Eine Pressemitteilung von September, offenbar.

Nachtrag, 13:54 Uhr: Obwohl das ja alles total in Ordnung war, hat „RP Online“ den Info-Kasten dann doch noch ein bisschen verändert:

Die Brauerei: Die Bitburger Brauerei, 1817 in der Südeifel gegründet, zählt zu den bedeutendsten Premium-Brauereien Deutschlands. Mit mehr als vier Millionen Hektolitern ist Bitburger eine der größten nationalen Pilsmarken.

24 Kommentare

  1. Travis
    16. Oktober 2008, 14:21

    Wäre interessant zu wissen, was Christian Kurth für ein bewegendes Erlebnis im Supermarkt hatte. Vllt hat er den PR-Chef von Bitburger getroffen und der hat ihm die ein oder andere Kiste ausgegeben…

  2. Alberto Green
    16. Oktober 2008, 14:49

    Was ist denn überhaupt eine „bedeutende Premium-Brauerei“? Was davon bedeutet „viel“ und was davon „gut“? Wenn es keine Werbung ist, müßte ja beides allein die Quantität der Produktion beschreiben. Ob dann aber noch „Premium“ das richige Wort ist? Wie wärs mit „zählt zu den ursten Alphabrauereien der Eifel“? – Aber die Flsche ist totschick!

  3. Malte
    16. Oktober 2008, 14:53

    Fast ein bischen niedlich finde ich ja auch dieses Satz in dem Bitburger Pressetext:
    „In einer Marktanalyse von 1980 stellte sich heraus, dass 93 Prozent aller Pils-Trinker den Slogan kennen“

  4. Matt
    16. Oktober 2008, 15:12

    Ob in deiner Preisfrage Variante a) wirklich richtig ist?

    Das sieht Magritte anders.

  5. Thomas
    16. Oktober 2008, 17:55

    Ich beglückwünsche die Firma Bittburger, dass sie einen dummen gefunden haben, auf dessen Arbeit beruhend auch die Schlauen die Kunde von der neuen Bittburger-Flasche ins Land tragen ;)
    Bessere PR gibts ja gar nicht.
    Ich kenne zwar die Redaktion nicht, aber entweder war das ein Freundschaftsdienst, weil Kurth jemanden von Bittburger kennt oder er dachte tatsächliche seine Verwunderung über eine Flasche Bier ist so nachrichtenwertig, dass man drüber schreiben müsste und das die Fotos und Texte mit dazupassen, auch wenn sie zu Werbezwecken gemacht wurden. Ich fürchte letzteres.

  6. Lukas
    16. Oktober 2008, 18:00

    @Thomas: Ich denke, wenn er wirklich nur über sein Supermarkt-Erlebnis hätte schreiben wollen (was meiner Ansicht nach eher Stoff für eine Kolumne oder einen Blog-Beitrag gewesen wäre) und er auf keinen Fall etwas Werbe-ähnliches machen wollte, dann hätte er das auch ohne Nennung des Produktnamens hinbekommen.

  7. Frank
    16. Oktober 2008, 19:42

    @Thomas: Was jetzt bei RP-Online eine Nachricht ist und was der gebildete Bürger für eine Nachricht hält unterscheidet sich in der Regel schon stark. RP-Online ist so ungefähr BILD nur schlechter. Insofern muss man sich nicht wirklich Gedanken machen ob der Werbemüll auf’s Portal passt. Dem Durchschnittsleser wirds nicht auffallen. Das ist ja das eigentlich wirklich schlimme.

  8. jo
    16. Oktober 2008, 19:54

    @alberto: die „bedeutende Premium-Bauerei“ bekommt man notfalls noch auseinander differenziert.

    „Premium“ ist zumindest ein stehender Begriff für hochpreisige Biere, „bedeutend“ eine relativierende Einordnung der Marktposition.

    Nicht erklären hingegen kann ich mir Frau Bluhms relativierenden Nonsense-Textbaustein.

  9. Thomas
    16. Oktober 2008, 21:39

    Lukas: Ich meinte damit, dass ich vermute, es ist Kurth einfach nicht bewusst, dass er etwas falsches tut.

    Besser wäre es gewesen, er hätte etwas dazu gemacht, inwiefern sich Redesigns von Produktverpackungen auf die Verkaufszahlen auswirken. Man hätte mit nem Werbeprofi sprechen können. Und da wäre sogar ne Klickstrecke drin gewesen: wie sahen die Flaschen beliebter Getränke-Marken früher aus, wie heute.

  10. schlunz
    16. Oktober 2008, 22:34

    „Und da wäre sogar ne Klickstrecke drin gewesen: wie sahen die Flaschen beliebter Getränke-Marken früher aus, wie heute.“

    Getränkeflaschen, die heute genauso aussehen wie früher? Wow. Wirklich ein prima Thema für eine billig zu generierende Klickstrecke (systematisch einfach alle Flaschen-Bilder doppelt reinstellen). ;-)

    (Ja, ich weiß natürlich, was eigentlich gemeint war…)

  11. Thomas
    16. Oktober 2008, 22:52

    lol

    Ich hätt das, was ich meinte, aber geklickt :)

  12. Lukas
    16. Oktober 2008, 22:59

    Ich hätt das, was ich meinte, aber geklickt :)

    Auf jeden Fall.

    Ob es Sunkist noch gibt?

  13. Thomas
    17. Oktober 2008, 2:04

    Hihi, Sunkist. Ich hab an Club Cola gedacht :)

    Ein anderes Problem, das mich beschäftigt (fg), ist aber, dass es gar keine Limo oder nur wenig in Glasflaschen gibt. Schmeckt doof, sieht schlecht aus. Wenigstens Bier ist noch gläsern umhüllt.

  14. Lukas
    17. Oktober 2008, 2:13

    Orangina! Bionade!

  15. Sebastian
    17. Oktober 2008, 7:42

    Ich habe neulich festgestellt, dass es Sunkist in Teilen der Welt sogar aus der Dose gibt (zumindest in Canada).

    Dabei ist Sunkist für kleine Tetrapacks das, was Tempo für Taschentücher ist. Man hat sich Sunkist doch nur deswegen gekauft, weil es handlich ist, nicht weil es etwa schmeckt.

  16. refu
    17. Oktober 2008, 12:13

    Bild3:

    Franziska und Ralf haben überraschend Besuch von dessem bisexuellen Freund Florian bekommen. Eigentlich hatten sie ja etwas anderes geplant, aber Florian versteht das und wartet bei einer Flasche Bier.

    Bild4:

    Nachdem Franzi und Ralf wieder da sind, hat sie sich schnell etwas anderes übergeworfen und nun soll endlich auch Flo in die fröhlichen Aktivitäten einbezogen werden. Aber Streit bahnt sich an, denn jeder von beiden hätte den feschen Kerl am liebsten für sich allein…

  17. Lukas
    17. Oktober 2008, 12:27

    Was ich mich noch frage:
    Warum steht der mittlere Oberschrank mit Tassen und Gewürzen offen?
    Warum sieht es so aus, als ob der Wasserhahn aus einer Bierflasche herausrage?
    Ist ein offen stehender Kühlschrank in Zeiten, in denen alle vom Energiesparen reden, nicht ein irgendwie abstoßendes Werbemotiv?

    (Mein Gott, ich glaube, wir machen uns da mehr Gedanken drüber, als Fotograf und Werbeagentur zusammen …)

  18. palosalto
    17. Oktober 2008, 15:01

    bild 3: … und wie es sich zeigte, stellte sich die these „lila pullover helfen, ungewollte vaterschaften zu verhindern“ als bestätigt heraus.

  19. Thomas
    19. Oktober 2008, 23:36

    „Man hat sich Sunkist doch nur deswegen gekauft, weil es handlich ist, nicht weil es etwa schmeckt.“

    Ich hab als Kind immer Caprisonne getrunken, weil man die Päckchen so schön knallen lassen konnte :)

  20. Sebastian
    20. Oktober 2008, 10:51

    Und wer dazu gehören wollte, hat Caprisonne auch nicht etwa oben am Loch aufgepiekst, sondern unten am Boden (ha!).

  21. Alberto Green
    20. Oktober 2008, 15:00

    „Dazu gehören wollen“ im Sinne von „Nicht die nötige Feinmotorik aufbringen können“. Aber ich auch!

  22. Coffee And TV: » PR Online (2)
    28. Oktober 2008, 13:18

    […] Inwiefern glauben Sie, dass es sich bei Ihrem Text NICHT um Schleichwerbung handelt?”) an Franziska Bluhm, die stellvertretende Chefredakteurin von “RP Online”, blieben bisher unbeantwortet […]

  23. Kovács Béla
    27. Februar 2009, 10:50

    Ich finde diese flascha ist serr schön,well Ich wahre dabei in einstelung

    Grüsse Aus Ungarn.
    KB.

  24. Coffee And TV: » Coffee On TV
    9. Juni 2009, 10:42

    […] Sie dachten, eine Anzeige, die wie redaktioneller Inhalt aussieht (oder andersrum), sei der endgültige Ausverkauf des Journalismus: Die Amerikaner sind da wie immer sehr viel […]

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