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Was bin ich froh, dass ich so selten in Arztwartezimmern sitzen und Smalltalk führen muss. Sonst könnte es vielleicht passieren, dass ich meinen Missfallen zu diesem oder jenem Thema äußere und mir kurz darauf ein SEK die Bude einrennt.
Was? Nein, ich albere nicht schon wieder rum. Ich beziehe mich auf den Fall von Siegfried Lindner aus Oberbayern. Der hatte vor dem Papstbesuch im vergangenen Jahr im Wartezimmer einer Arztpraxis zu einem anderen Patienten gesagt, dass die 40 Millionen Euro für den Besuch besser hätten verwendet werden können. Und als dann ein paar Tage später Farbbeutel auf das Geburtshaus des katholischen Oberhirten geworfen wurden, dachte sich die Staatsanwaltschaft offenbar „Das ist unser Mann“, und schickte Familie Lindner ein Großaufgebot vorbei.
Die ganze ebenso absurde wie beunruhigende Geschichte lief offenbar am Montag bei „Fakt“ in der ARD und man kann sie hier nachlesen.
[via Der Morgen]
Es gibt Tage, an denen fühle ich mich sehr alt. Zum Beispiel, wenn es bei „Yesterday“ auf WDR 2 um die 90er Jahre geht oder wenn ich auf die Frage nach der Uhrzeit mit „Viertel vor Nesquik“ antworte und mich die jungen, schönen Menschen um mich herum fassungslos anstarren. Oder wenn ich denke, dass ich eigentlich nicht mehr auf Rockkonzerte gehen sollte.
Gestern veranstaltete das Musikmagazin „Visions“ eine seiner „Visions Partys“ (nur echt ohne Bindestrich und mit falschem Plural), die früher einmal im Monat im Dortmunder „Sabotage“ stattfanden, inzwischen aber an jedem Wochenende in jeder deutschen Stadt, die nicht Gräfentonna oder Dinslaken ist. Im „Sabotage“ indes finden sie nicht mehr statt, der Laden wurde (mutmaßlich wegen feuerpolizeilicher Mängel) geschlossen.
Da ich Nada Surf sehr mag und spannende Konzerte in Bochum auch nicht gerade an der Tagesordnung sind, schleppte ich mich zur gestrigen Party mit eben jenen Nada Surf, Minus The Bear und Escapado – auch wenn sie in der „Matrix“ in Langendreer stattfand. Die Matrix ist eine völlig unübersichtliche Gothic-Großraumdisco 1 unter der Erde und der mit Abstand schlechteste Ort für Konzertveranstaltungen, den ich kenne. Die eigentliche Konzerthalle liegt am Ende eines langen Labyrinthartigen Raumverbundes, ist schlauchförmig und zeichnet sich vor allem durch große Hitze und Luftarmut aus. Schon bevor Escapado anfingen, hatte ich eigentlich keinen Bock mehr.
Escapado machen Hardcore mit deutschen Texten, von denen man live leider nicht allzu viel mitbekommt, weil sich die Konzepte „Hardcore“ und „Texte verstehen“ irgendwie ausschließen. Da fiel mir auch wieder ein, dass ich deren aktuelles Album „Initiale“ noch irgendwo ungehört rumfliegen habe, was ich dringend ändern sollte, denn schlecht fand ich die Band nicht, obwohl Hardcore (oder „Lärm“, wie mein Vater sagen würde) nicht unbedingt meine Musik ist. Wer wie ich gedacht hatte, Hardcore-Konzerte müsse man sich aus sicherer Entfernung vom Hallenende aus ansehen, wurde gestern allerdings enttäuscht: die Masse ließ sich nicht bewegen. Wenigstens war der Sound in der Halle nicht so schlecht wie bei meinem letzten Besuch dort.
Minus The Bear machten netten Indierock, aber die Bedingungen in der Halle und mein Rücken (Alter, s.o.) sorgten dafür, dass ich mich lieber mit ein paar Freunden an eine der Bars zurückzog, wo man sich allerdings auch nicht unterhalten konnte, weil dort die vorhersehbarsten Indiehits der letzten 25 Jahre sehr laut liefen.
Nada Surf wollte ich mir eigentlich aus der Nähe ansehen, aber meine Klaustrophobie und Abneigung gegenüber großen Menschenmassen verstärkt sich noch, wenn diese Menschenmasse an der linken und der rechten Seite von massiven Backsteinwänden eingeschlossen ist. Ich sollte mehr in Jazzclubs gehen. Mein ganzer Hass auf den Laden, den ich schließlich auf die Liste „Orte, an denen Ben Folds spielen könnte, und wo ich trotzdem nie mehr hingehen würde“ setzte 2, verflog aber mit den ersten Takten von „Happy Kid“.
Die drei New Yorker zeigten sichtliche Spielfreude Man merkte, dass die Band Spaß hatte, mal wieder in Deutschland zu spielen. Die meisten Stücke waren einen Tacken schneller und rockiger als sonst, Matthew Caws und Ira Elliot quakten zwischen den Songs munter durcheinander und es gab mit „I Like What You Say“ (eigentlich vom „John Tucker Must Die“-Soundtrack) und „Whose Authority“ auch noch zwei Songs aus ihrem neuen Album „Lucky“, das im Februar 2008 erscheinen soll. Schließlich spielten sie auf besonderen Wunsch eines Label-Mitarbeiters (und sicher nicht zum Missfallen des Publikums) ihren versehentlichen Hit „Popular“ und an dieser Stelle hätte die Menge auch gekocht, wenn das Konzert irgendwo im Packeis und nicht in diesem Steinofen stattgefunden hätte. Wie Matthew Caws den Text in den Strophen so schnell sprechen kann, werde ich allerdings nie verstehen.
Heute spielen Nada Surf übrigens in Bielefeld. Sie ahnen nie, welche Band noch dabei ist …
Ich mag Musik, wirklich. Ich mag Musik so sehr, dass ich jedes Jahr ein Heidengeld für Tonträger und Konzerte ausgebe. Gerne würde ich den Musikern das Geld, das sie meiner Meinung nach dafür verdient haben, dass sie schöne wie traurige Momente meines Lebens untermalen, selbst in die Hand drücken. Aber zwischen die Musiker und mich hat irgendjemand die Musikindustrie gesetzt.
Die Musikindustrie mag die Menschen, von denen sie ihr Geld bekommt und die man anderswo „Kunden“ nennt, nicht so sehr. Sie kriminalisiert sie, sie will sie ausspionieren und sie will ihre Wohnungen verschandeln.

Im vergangenen Jahr kamen EMI und Universal in Europa auf die absurde Idee, Tonträger nicht mehr wie bisher in diesen eckigen Plastikhüllen, den sogenannten Jewel Cases, auszuliefern, sondern dafür Hüllen mit abgerundeten Ecken zu nehmen, die Super Jewel Boxes. Diese sollen angeblich stabiler sein, haben aber den Nachteil, dass man nicht vernünftig an das Booklet herankommt, dass man die Hüllen nicht so leicht ersetzen kann, wenn sie doch mal kaputt gehen, und dass sie vor allem ziemlich dämlich aussehen.
Im Regal wird die durchgehende Kante, die alle nebeneinander stehenden CD-Hüllen sonst bildeten, plötzlich unschön unterbrochen von den neuen Hüllen, die mit ihren Rundungen aussehen wie Kinderspielzeug für Dreijährige.
Das war mir bisher alles relativ egal, denn bei CD Wow kann man die internationalen Versionen der CDs kaufen. Zu Zeiten des sogenannten Kopierschutzes, der auf meinen Geräten immer ein Abspielschutz war, bekam man dort echte CDs, die man sogar hören konnte, später dann weiterhin CDs in eckigen Hüllen. „Bekam“, denn heute kam die erste Lieferung von CD Wow mit runden Ecken.

Wo Sie grad „Don’t judge a book by its cover“ sagen: Auch auf dem Buchmarkt gibt es schlechte Nachrichten. Nachdem man uns jahrelang mit extrem edlen, matten Taschenbuchcovern beglückt hatte, schwenken nun die ersten Verlage wieder zu den extrem billig aussehenden, Fingerabdruckfreundlichen Einbänden in Hochglanzoptik zurück.
In was für einer Welt leben wir eigentlich, wo schon die Mitarbeiter der Kulturindustrie jedwedes ästhetisches Gespür vermissen lassen?????ß
Die wenigsten Jugendlichen, die heute Musik hören (und das sind laut neuesten Umfragen 98% der Europäer), werden wissen, welches Jubiläum dieser Tage begangen wird: Vor 25 Jahren schloss SonyUniversal, die letzte Plattenfirma der Welt, ihre Pforten. Ein Rückblick.
Es war ein wichtiger Tag für Deutschland, als der Bundestag der Musikindustrie im Jahr 2009 das Recht einräumte, sogenannte „Terrorkopierer“ (die Älteren werden sich vielleicht auch noch an den archaischen Begriff „Raubkopierer“ erinnern) selbst zu verfolgen und bestrafen. Als unmittelbare Folge mussten neue Gefängnisse gebaut werden, da die alten staatlichen Zuchthäuser dem Ansturm neuer Insassen nicht Herr werden konnten. Dies war die Geburtsstunde der Prisonia AG, dem Konsortium von Bau- und Musikindustrie und heute wichtigstem Unternehmen im EuAX. Die Wiedereinführung der Todesstrafe scheiterte im Jahr darauf nur am Veto von Bundespräsident Fischer – die große Koalition aus FDP, Linkspartei und Grünen hatte das Gesetz gegen die Stimmen der Piratenpartei, damals einzige Oppositionspartei im Bundestag, verabschiedet.
Im Jahr 2011 fuhr der frisch fusionierte Major WarnerEMI den höchsten Gewinn ein, den je ein Unterhaltungskonzern erwirtschaftet hatte. Kritiker wiesen schon damals darauf hin, dass dies vor allem auf die völlige Abschaffung von Steuern für die Musikindustrie und die Tatsache zurückzuführen sei, dass die sogenannten „Klingeltöne“, kleine Musikfragmente auf den damals so beliebten „Mobiltelefonen“, für jede Wiedergabe extra bezahlt werden mussten – eine Praxis, die WarnerEMI zwei Jahre später auch für seine MP5-Dateien einführte.
Die Anzeichen für einen Stimmungsumschwung verdichteten sich, wurden aber von den Unternehmen ignoriert: Der erfolgreichste Solo-Künstler jener Tage, Justin Timberlake, veröffentlichte seine Alben ab 2010 ausschließlich als kostenlose Downloads im Internet und als Deluxe-Vinyl-Versionen im „Apple Retro Store“. Heute fast vergessene Musiker wie Madonna, Robbie Williams oder die Band Coldplay folgten seinem Vorbild. Hohn und Spott gab es in allen Medien für den damaligen CEO von WarnerEMI, als der in einem Interview mit dem Blog „FAZ.net“ hatte zugeben müssen, die Beatles nicht zu kennen.
Diese öffentliche Häme führte zu einem umfassenden Presseboykott der Musikkonzerne. Renommierte Musikmagazine in Deutschland und der ganzen Welt mussten schließen, Musikjournalisten, die nicht wie die Redakteure des deutschen „Rolling Stone“ direkt in Rente – wie man es damals nannte – gehen konnten, gründeten eine Bürgerrechtsbewegung, die schnell verboten wurde. Die Lunte aber war entfacht.
Im Herbst 2012 kündigte Prof. Dieter Gorny, damals Vorsitzender der „Konsum-Agentur für Runde Tonträger, Elektrische Lieder und Lichtspiele“ (K.A.R.T.E.L.L.), seine Kanzlerkandidatur an, worüber der damalige Bundeskanzler Guido Westerwelle alles andere als erfreut war. Er setzte neue Kommissionen für Medien- und Kulturindustrie ein und kündigte eine mögliche Zerschlagung der Musikkonzerne an. Diese fusionierten daraufhin in einer „freundlichen feindlichen Übernahme“ am Europäischen Kartellamt vorbei zum Konzern SonyUniversalEMI und drohten mit einer Abwanderung in die Mongolei und damit dem Verlust der restlichen 300 Arbeitsplätze.
Aber weder Kanzler Westerwelle noch das deutsche Volk ließen sich erpressen: Zum 1. Januar 2013 musste MTViva den Sendebetrieb einstellen. Die neugegründete Bundesmedienaufsicht unter Führung des parteilosen Stefan Niggemeier hatte dem Fernsehsender, der als sogenannter Musikkanal galt, die Sendelizenz entzogen, da dieser weniger als die gesetzlich geforderten drei Musikvideos täglich gespielt hatte. Die Castingshow „Europa sucht den Superstar“ erwies sich für SonyUniversalEMI als überraschender Mega-Flop, der Wert des Unternehmens brach um ein Drittel ein, das „EMI“ verschwand aus dem Namen.
Im Berliner Untergrund gründete sich die Deutsche (heute: Europäische) Musicantengilde. Deren heutiger Ehrenvorsitzende Thees Uhlmann erinnert sich: „Es war ja damals schon so, dass die kleinen Bands ihr Geld ausschließlich über Konzerte machen konnten, die ja dann auch noch verboten werden sollten. Erst haben wir unsere CDs ja selbst rausgebracht, aber als die Musikkonzerne dann die Herstellung von CDs außerhalb ihrer Fabriken unter Strafe stellen ließen, mussten wir auf Kassetten ausweichen.“ Heute kaum vorstellbar: Das Magnetband galt damals als so gut wie ausgestorben, nur die kleine Manufaktur „Telefunken“ produzierte überhaupt noch Abspielgeräte, die entsprechend heiß begehrt waren.
Am 29. November 2013, heute vor 25 Jahren, war es dann soweit: Der Volkszorn entlud sich vor der SonyUniversal-Zentrale am Berliner Reichstagsufer. Das Medienmagazin „Coffee & TV“ hatte kurz zuvor aufgedeckt, dass die Musikindustrie jahrelang hochrangige Mitarbeiter gedeckt hatte, die durch „Terrorkopieren“ aufgefallen waren. Während der normale Bürger für solche Verbrechen bis zu sechs Jahre ins Gefängnis musste, waren die Manager und Promoter straffrei ausgegangen. Als nun die Mutter des dreijährigen Timmie zu einem halben Jahr Arbeitsdienst verurteilt werden sollte, weil sie ihrem Sohn ein Schlaflied vorgesungen hatte, ohne die dafür fälligen Lizenzgebühren von 1.800 Euro zahlen zu können, zogen die Bürger mit Fackeln und selbst gebastelten Galgen zum „Dieter-Bohlen-Haus“ am Spreebogen.
Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder, dann zog der Mob unter den Augen von Feuerwehr und Polizei weiter zur Zentrale der „GEMA“ am Kurfürstendamm (der heutigen Toyota-Allee). Wie durch ein Wunder wurde an diesem Tag niemand ernstlich verletzt. Die meisten Führer der Musikindustrie konnten ins nordkoreanische Exil fliehen, den „kleinen Fischen“ wurde Straffreiheit zugesichert, wenn sie ein Berufsverbot akzeptierten und einer dreijährigen Therapie zustimmten.
Drei Tage später fand im Berliner Tiergarten ein großes Konzert statt, die erste öffentliche Musikaufführung in Europa seit vier Jahren. Die Kilians, heute Rocklegenden, damals noch junge Männer, spielten vor zwei Millionen Zuhörern, während die Bilder von gestürzten Dieter-Gorny-Statuen um die Welt gingen.
Ich finde es nach wie vor hochgradig seltsam, wenn Leute mich um ein Interview bitten. Ich habe in meinem Leben bestimmt schon über hundert Interviews geführt, da ist es eine merkwürdige Erfahrung, plötzlich auf der anderen Seite zu hocken.
Sophie von thekilians-anhaenger.de – einer, wie Sie richtig vermuten, Kilians-Fanseite – hat aber nett nachgefragt und da ich in Sachen Kilians ja vor beinahe nichts zurückschrecke, habe ich mich gerne in meiner Eigenschaft als Kilians-Anhänger befragen lassen.
Das Interview finden Sie hier.
Ich hatte ja noch gar nicht über „DerWesten“ geschrieben, das wahnsinnige neue Onlineportal der WAZ-Gruppe. Etwas völlig neues sollte es werden, Lokaljournalismus 2.0 oder sowas in der Art. Deshalb hat die Entwicklung auch so lange gedauert, dass für einen Beta-Test keine Zeit mehr war. Und nach positiven Ersteindrücken kristallisiert sich langsam heraus: das Ding droht ein Desaster zu werden.
Ich nutze „DerWesten“ nicht sonderlich intensiv, möchte aber gerne per RSS-Feed über die Geschehnisse in Bochum und Dinslaken auf dem Laufenden bleiben. Nach dem Wechsel vom alten Online-Auftritt der WAZ bzw. NRZ zu „DerWesten“ funktionierten die alten Feeds nicht mehr und ich musste mir mühsam die neuen raussuchen. Das kann bei einem kompletten Plattformwechsel natürlich schon mal passieren, ist aber trotzdem unglücklich.
Seit ungefähr drei Wochen wird im Bochumer Feed ein Beitrag spazieren geführt, der immer da ist, auch wenn alle anderen Meldungen wechseln. Die Überschrift lautet:

Das ist übrigens die Original-Überschrift von derwesten.de in der Original-Farbe.
Bitte nicht mit unserer Original-Farbe verwechseln!
Was man aber wirklich von „DerWesten“ halten kann, möchte ich Ihnen anhand eines willkürlichen Beispiels vorführen – wobei die Willkür weniger bei mir als viel mehr auf Seiten der Portalbetreiber zuhause zu sein scheint.
Beginnen wir mit der gefetteten Einleitung, die neben der Überschrift übrigens auch der einzige Teil des Artikels ist, der im Feedreader angezeigt wird – man muss also immer auf die Seite. 1 Besonders gut gefällt mir dabei der Cliffhanger zwischen Einleitung
Dort wo bald schon die Bagger für das Bochumer Konzerthaus anrücken sollen, gibt es seit dem 16. …
und Artikel
… November einen ganz besonderen Parkplatz.
Da hat „DerWesten“ von den Profis gelernt, die bei sueddeutsche.de die Bildergalerien betexten. Müssen.
Die eigentlich sehr sinnvolle Geo-Tagging-Funktion, mit der bei jedem Artikel der „Ort des Geschehens“ angezeigt werden soll, wird leider kaum genutzt – dafür sind nämlich die User zuständig und deren Zahl liegt nach vier Wochen bei der einigermaßen deprimierenden Zahl von 5655.
In diesem speziellen Fall hätte es aber natürlich sehr geholfen zu erfahren, wo denn wohl der Parkplatz, um den es die ganze Zeit geht, eigentlich liegt – das wird ja wohl kaum jeder Bochumer auf Anhieb wissen. Ich will zu Gunsten aller Beteiligten mal davon ausgehen, dass die Information beim Umkopieren des Textes verloren ging und nicht auch schon in der gedruckten WAZ ausführlich über einen anonymen Parkplatz berichtet wurde. Sie ahnen, in welchen Bahnen wir uns bewegen, wenn wir zu Gunsten der Beteiligten von technischer Unfähigkeit ausgehen.
Abschließen möchte ich aber mit einem Bild, das ja bekanntlich mehr als tausend Worte sagt. Oder in diesem Fall auch mehr als zwei:

Am Samstag fand in der Bochumer Jahrhunderthalle (bzw. in deren Foyer) der Journalistentag NRW statt. Da traf man sich dann bei Kaffee und Finger Food 1, herzte die Kollegen und alles war ungefähr so, wie sich Klein Fritzchen ein Treffen von Journalisten vorstellt.
Helmut Dahlmann, Vorsitzender des DJV-Landesverbands NRW, sagte in seiner Eröffnungsrede einen Satz, dem ich durchaus zustimmen konnte. Er lautete „Die Presse ist keine vierte Gewalt mehr“. Einen Vorschlag, wie man das ändern könnte, gab es aber den ganzen Tag über nicht. Es folgte ein „Impuls“ von Prof. Dieter Gorny, dem Erfinder von Klingeltonreklameabspielsendern und des Popkomm-Mexikaners (oder so), der für Ersthörer 2 halbwegs spannend war. Allerdings offenbarte das Referat zum Thema „Kreativwirtschaft“ auch, warum Deutschland auf absehbare Zeit keine relevante Kulturnation sein wird: All das, was Gorny in durchaus bester Absicht vorstellte (Zitat: „Für die Deutschen ist Kreativwirtschaft der Museumsshop, für die Engländer Electronic Arts.“), mag für einige der Hörer und sicher auch für die Leute der RUHR.2010, deren künstlerischer Direktor er ist, unvorstellbar progressiv klingen, für mich waren Ausführungen über das Copyright Anekdoten aus der Medienhistorie (Stichwort Creative Commons).
Besonders gespannt war ich auf Günter Wallraff – immerhin hat der Mann mit „Der Aufmacher“ das Standardwerk über „Bild“ geschrieben. Um „Bild“ ging es dann auch immer wieder in dem von Ele Beuthner (WDR) sagenhaft konfus moderierten Gespräch, außerdem um Wallraffs berühmte Recherchearbeiten da, wo es wehtut. Nach ein paar Minuten des Zuhörens fiel auf: Wenn Wallraff über seine Arbeit und seine Erfolge redet, redet er vor allem über sich. Das darf er durchaus als „Journalisten-Legende“, aber es ist für den Teil des Publikums, der nicht die ganze Zeit sabbernd „Oh mein Gott, da vorne sitzt Günter Wallraff!!!!!1“ dachte, ein bisschen ermüdend. Meine Frage nach der Recherchefaulheit namhafter deutscher Zeitungen, die lieber auf „Bild“-Artikel vertrauen, als selber in die Quellen zu schauen, beantwortete er mit einem ausführlichen Wolf-Schneider-Bashing und ehe er zum Punkt kommen konnte, hatte Frau Beuthner die Diskussion auch schon beendet.
Von beeindruckender Unergiebigkeit war das „Panel“ zum Thema Digitalhörfunk, bei dem Dr. Udo Becker, der Geschäftsführer des Zeitungsverlegerverbandes NRW, Jan Marc Eumann, Medienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, und WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz in brüderlicher Eintracht das wiederholten, was ich auch schon zwei Wochen zuvor beim „Campusradio-Tag NRW“ zum gleichen Thema gehört hatte: So genau weiß keiner, wie Digitalhörfunk funktionieren wird und wann er kommt, aber er kommt bestimmt irgendwann und dann teilen WDR und die Zeitungsverleger das Land unter sich auf wie die Großherzöge. Dass sich Medienmenschen in Zeiten von Internet und Europäischer Union ernsthaft darüber beschweren, dass man im Süden NRWs auch Radioprogramme des SWR empfangen kann, ist eigentlich schon einen eigenen Eintrag wert, soll hier aber nur eine Randanekdote abgeben.
Kurz vor dem „Get-Together“, bei dem niemand mehr anwesend war, hörte ich mir noch an, was André Boße, Chefredakteur vom Interview-Magazin „Galore“ zum Thema Interview und Redaktionsgründung zu sagen hatte. Durchaus offen sprach er über das Problem, ohne zahlungskräftigen Verlag und damit auch ohne Reise-Etat arbeiten zu müssen, was dazu führe, dass Auslandsreisen von den Film- oder Plattenfirmen bezahlt würden, was wiederum schnell zu gewissen Einflussnahmen und Abhängigkeiten führen könne. Man achte aber sehr genau darauf, keine äußere Einflussnahme zuzulassen. „Public“, die Werbebeilage für Abonnenten, hat er nicht erwähnt.
Am Ende war vor allem der direkte Vergleich zum Campusradio-Tag interessant: Die Profis unterscheiden sich nicht groß von den Amateuren, es ist eine Art Klassentreffen mit ein paar oberflächlichen Podiumsdiskussionen. Es sind keine unspannenden Veranstaltungen, aber man lernt mehr über die Branche als über Inhalte. Was mich aber irgendwie beruhigte: Die spannenden und etwas kritischeren Publikumsfragen kamen grundsätzlich von den jüngeren Kollegen.
Am Samstag schloss der Traditionsplattenladen „Elpi“ in Bochum für immer seine Pforten. Nach langer Zeit (ich hab vergessen, noch mal nachzufragen, meine aber, mich an die Zahl von 28 Jahren erinnern zu können) zieht sich damit ein traditionsreicher Einzelhändler zurück, ein fast schon prototypischer Plattenladen wie in „High Fidelity“.
Ich war das erste Mal vor grob vier Jahren bei „Elpi“, an meinem ersten Tag in Bochum, dem Tag meiner Einschreibung. Ich kaufte mir damals „Sea Change“ von Beck im Angebot, packte die CD in meinen Discman und weil sie so unendlich traurig ist, ich vom ersten Eindruck Bochums ziemlich deprimiert war und es auch noch anfing zu regnen, machte ich sie wieder aus und habe sie dieses Jahr am Abend vor meiner Examensfeier zum ersten Mal an einem Stück gehört.
Ich war gerne bei „Elpi“ und habe viele CDs gekauft, aber ehrlich gesagt nur wenige neue. Da konnte der Laden, der zu keiner großen Kette gehörte, nicht mit den Preisen der Elektronikkaufhäuser und Internet-Versandhäsuer mithalten. Und nicht nur ich zuckte bei Preisen von siebzehn, achtzehn Euro immer wieder zusammen, auch viele andere kauften nicht mehr in dem kleinen Laden in der Fußgängerzone.
Deshalb war jetzt Schluss. Nicht wegen „Saturn“, wie mir die Mitarbeiter erzählten, aber die Perspektive eines riesigen CD-Angebots zu Kampfpreisen in der Nachbarschaft beschleunigte die Entscheidung wohl. So war immerhin noch ein würdevoller Abschied möglich und der Laden musste nicht leer bleiben, während die alten Kunden mit schlechtem Gewissen zur Konkurrenz schlichen. Der Name und die Mitarbeiter bleiben immerhin im „Elpi-Ticketshop“ erhalten, der im neuen „Saturn“ neben der CD-Abteilung im zweiten Stock liegt.
Die letzten Wochen waren natürlich die übliche Leichenfledderei mit Ausverkauf und Rabatten von 25 bis 50 Prozent. „Soll man da überhaupt noch mal hingehen?“, fragte ich mich und mein imaginary friend sagte: „Doch, klar. Erstens hast Du ja schon früher da gekauft und zweitens nehmen die so wenigstens noch was Geld ein.“ Und so kaufte ich noch mal CDs: The Clash, Sugababes und Randy Newman, als allerletztes „Neon Golden“ von The Notwist.
Und auf der heißt es ja:
Fail with consequence, lose with eloquence and smile.
Bochum hat 374.000 Einwohner, aber bis zum letzten Mittwoch gab es in der Innenstadt kein Geschäft, in dem man Audiokassetten, höherwertiges Druckerpapier oder DVDs hätte kaufen können. Am Donnerstag eröffnete dann endlich der neue „Saturn“ im alten Kortum-Haus. Zum Verkaufsstart um sechs Uhr morgens kamen sagenhafte fünfhundert Leute, was nicht nur Djure zu der Vermutung bringt, dass das mit dem Verinnerlichen der Metropolregion Ruhr noch einige Zeit dauern wird.
Ich selbst war Donnerstagabend nach der Uni da, was insofern eine unbeschreiblich bescheuerte Idee war, als zur gleichen Zeit der Weihnachtsmarkt eröffnet wurde und die Leute zwischen Glühwein und Bratwurst noch Lust auf Schlangestehen im neueröffneten Elektroniktempel hatten.
In diesem selbst merkt man nicht mehr viel von der Geschichte des Hauses, es sieht aus wie in jedem zweiten „Saturn“-Markt (nämlich in den etwas edleren Ausgaben). Das beeindruckende alte Treppenhaus ist verschwunden, aber man muss davon ausgehen, dass das Haus sonst noch hundert Jahre leer gestanden hätte. Dafür wird deutlich, dass sich die Macher ein paar Gedanken über den Ort gemacht haben: auf den Gegengewichten der verglasten Fahrstühle findet sich die erste Strophe des Steigerlieds.
Auch bei den Eröffnungs-Angeboten bewies „Saturn“ ein Gespür für Lokalkolorit: So gab es die DVD der im Kortum-Haus gedrehten Miniserie „Der große Bellheim“ für 9,99 Euro und Herbert Grönemeyers Album „4630 Bochum“ für 4,99 Euro. Nach dem Ansturm auf dieses 23 Jahre alte Album dürfte die CD jetzt in jedem Bochumer Haushalt zu finden sein. In meinem übrigens auch.
Ansonsten gab es aber nicht allzu viel zum Angucken oder Kaufen, es war einfach zu voll. Schnell noch „The Spaghetti Incident?“ von Guns N‘ Roses für 4,99 Euro und einen Ein-Gigabyte-USB-Stick für 6,99 Euro (auch der ging geschätzte 374.000 Mal weg) mitgenommen und nach nur fünf Minuten an einer der extra eingerichteten Sonderkassen war ich draußen. Es war voll, es war trotz Weihnachtsmarkt viel zu warm und es war in der Summe unglaublich nervig. Ich stopfte mir meine Ohrstöpsel in die Hörmuscheln, drehte meinen MP3-Player etwas lauter als sonst üblich (und vermutlich auch als schicklich) und stapfte von dannen.
Es ist gut zu wissen, dass ich jetzt Audiokassetten, höherwertiges Druckerpapier und DVDs auch in Bochum kaufen kann und ich noch dazu in den Genuss komme, meine CD-Sammlung mit älteren Tonträgern zu Ramschpreisen komplettieren zu können.
Aus aktuellem Anlass lief gerade in der ARD die Dokumentation „Schattenkinder“ von Uta König. Es geht um Kinder in Hamburg-Jenfeld, die aus kaputten Familien kommen: Bei der einen trinkt der Vater, beim anderen sitzen die Eltern den ganzen Tag vor dem Computer – man hat das so oft gehört, dass es genau solche Allgemeinplätze geworden sind wie die neuesten Opferzahlen aus dem Irak.
Uta Königs Film gibt den Allgemeinplätzen Gesichter. Da ist ein kleines, dickes Mädchen, das nichts hat außer seiner sprechenden und tanzenden Barbiepuppe. Ein Junge, der in viel zu kleinen Schuhen herumläuft und sich nichts wünscht außer passende Schuhe und ein UNO-Spiel. Zwei Schwestern, neun und elf, deren Mutter am Alkohol gestorben ist und deren Vater säuft und rumschreit.
Da steht dann der Vater betrunken vor der Tür der (ebenfalls alkoholkranken) Lebensgefährtin, zu der die Töchter geflohen sind, und randaliert. Die Reporterin versteckt sich mit den Kindern. Draußen poltert es, die Kamera ist nur noch auf das angsterfüllte Gesicht der Elfjährigen gerichtet und der Popkultur-geschädigte Zuschauer ertappt sich dabei, wie er „Wie ‚Blair Witch Project‘ …“ denkt, weil er sonst die hoffnungslose Realität dahinter anerkennen müsste und in Tränen ausbrechen würde, während die Kinder da zusammengekauert hocken und nicht weinen.
Das Jugendamt hielt es zu diesem Zeitpunkt übrigens noch nicht für nötig, einzugreifen: Der Vater sei zwar gewalttätig, aber (noch) nicht gegen die Kinder. Da erscheint es einem als Zuschauer unmöglich, amtliche Vorschriften auf der einen und gesunden Menschenverstand und menschliche Seele auf der anderen Seite irgendwie zusammenzupacken. Als der Vater schließlich seine letzte Chance verspielt und die Mädchen zu einer Pflegefamilie kommen, weigert sich das Amt wiederum, der christlichen Organisation „Arche“, die sich als einzige um die Kinder gekümmert hat und wo die Beiden Freunde hatten, einen Kontakt zu ihnen zu ermöglichen.
Überhaupt: Diese „Arche“ hält alles zusammen. Die Kinder kriegen dort eine warme Mahlzeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung – all das, was für Kinder in einer Industrienation selbstverständlich sein sollte. Einige der Kinder sind hochgradig verstört, andere wirken schon mit zehn unglaublich lebensklug und können sich besser artikulieren als ihre Eltern. Aber natürlich wäre es viel schöner, naive, fröhliche, alberne, nervige Zehnjährige zu sehen.
„Schattenkinder“ ist aus mindestens zwei Gründen beeindruckend und wichtig: Zum einen zeigt der Film anhand von Einzelschicksalen, wie es in ungezählten Familien aussehen muss und wovon man als Außenstehender nichts mitkriegt. (Als Mittelklasse-Kind bekommt man ja eh meist nur in der Grundschule einen Einblick in sozial schwache Familien, in denen sich niemand um die Kinder kümmert. Das deutsche Schulsystem sorgt ja sehr schnell dafür, dass die Kinder, die sich aus Gründen wie den oben genannten nicht auf die Schule konzentrieren können, sehr schnell den Anschluss verpassen und so nie aus dem System werden ausbrechen können.) Zum anderen sieht man, wie wichtig die Arbeit solcher Organisationen wie der „Arche“ ist, die sich zu 95% über Spenden und staatliche Fördermittel finanziert.
Nachtrag 26. November, 23:45 Uhr: Wegen des großen Interesses an dem Film, das sich auch in meinen Suchanfragen wiederspiegelt, hat sich der NDR entschlossen, „Schattenkinder“ zu wiederholen. Und zwar gerade eben …
Gestern stand ich in einer vollbesetzten U‑Bahn (ich wäre ja auch schön blöd, wenn ich in einer leeren U‑Bahn stünde) und war dort gezwungen, in einem Maße am Privatleben eines mir völlig unbekannten Menschen teilzunehmen, dass es mir unangenehm war. Er sei kürzlich umgezogen, erfuhr ich, aber die ganzen Klamotten stünden noch im Wohnzimmer, das auch noch nicht tapeziert sei, aber das komme noch alles. Er wisse noch nicht, was er an Silvester mache, Meike und Kai hätten vorgeschlagen, ein Ferienhaus irgendwo an der Ostsee zu mieten und da „mit alle Mann“ hinzufahren, aber er sei sich noch nicht sicher, ob die beiden das wirklich organisieren würden und ob er wirklich mitwolle. Jetzt müsse er aber eh erst mal die Zutaten für ein ordentliches Pilzrisotto kaufen, denn gleich bekäme er noch Besuch.
Der junge Mann erzählte diese Sachen nicht mir, er erzählte sie seinem Mobiltelefon – und damit dem gesamten Zug. Wer derart öffentlich lebt, macht sich natürlich keine Gedanken, wenn der Staat seine Telekommunikationsaktivitäten protokollieren lassen und seinen Computer durchsuchen will, dachte ich. Und dann: Telefonieren ist das neue Rauchen.
Diese steile These liegt weniger darin begründet, dass wohl beides ziemliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann, sondern ist historisch belegbar: Zigaretten waren einst ein Statussymbol, eine Requisite von Luxus und Dekadenz. Irgendwann rauchte dann jeder Müllmann und obwohl Rauchen noch lange gesellschaftlich geachtet war, war der Anschein des luxuriösen schnell verschwunden. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die ersten Ärzte und Rechtsanwälte, die C‑Netz-Autotelefone in ihren S‑Klassen spazieren fuhren. Mir sind Menschen bekannt, die sich auf dem Parkplatz ihres Golfclubs zu ihren Freunden, die solche Autotelefone besaßen, ins Auto setzten und ihren eigenen Anrufbeantworter anriefen und besprachen, nur damit sie mal mit so einem „verrückten neuen Gerät“ telefoniert hatten. (Ähnliches ist vielleicht heute wieder bei diesen unsäglichen iPhones zu beobachten.) Irgendwann aber hatte fast jeder so ein „Handy“, gerade von sozial schwächeren Personen heißt es häufiger, dass sie im Besitz gleich mehrerer Mobiltelefone seien. Im vergangenen Jahr war erstmals der Punkt erreicht, wo jeder Mensch in meinem Bekanntenkreis inklusive meiner Großeltern über ein Mobiltelefon verfügte. Inzwischen habe ich tatsächlich wieder Menschen ohne ein solches Gerät kennengelernt und die ersten Freunde haben (noch Telefonlose) Kinder bekommen, so dass die Quote wieder leicht unter hundert Prozent gesunken ist.
Analog zu den Nichtraucherabteilen in Zügen und ‑zonen in Restaurants gibt es bereits „Ruhewagen“ in den ICEs der Deutschen Bahn, in denen das Telefonieren unerwünscht ist, und man hat bereits von „handyfreien“ Gaststätten gehört. An vielen Schulen wurden Zigaretten und Mobiltelefone gar gleichzeitig verboten.
Ich erkenne darin eine eindeutige Tendenz, die über kurz oder lang dazu führen wird, dass dem mobilen Telefonieren überall und zu jeder Zeit eines Tages eine ähnliche Opposition gegenüberstehen wird, wie es sie heute bereits bei den militanten Nichtrauchern gibt. Noch wird lediglich getuschelt, wenn in einem Kunstmuseum ein peinlicher polyphoner Klingelton die Stille durchbricht und sich eine Mittfünfzigerin hektisch mit den Worten „Ja, wir sind schon oben. Kommt Ihr nach?“ meldet. Aber noch werden auch Raucher noch nicht überall gesellschaftlich ausgegrenzt. Ich bin zuversichtlich, noch den Tag zu erleben, an dem die Staats- und Regierungschefs dieser Welt den „Vertrag zur Ächtung von Mobiltelefonen im öffentlichen Raum“ unterzeichnen.
Ich bin übrigens seit dreieinhalb Jahren im Besitz eines Siemens ME45, das früher einem Freund gehörte, und habe die Prepaid-Nummer eines Verwandten übernommen. Mal davon ab, dass die Akku-Leistung langsam nachlässt, bin ich mit dieser Lösung recht zufrieden.