Was geht

Von Lukas Heinser, 26. November 2007 0:19

Am Samstag schloss der Traditionsplattenladen „Elpi“ in Bochum für immer seine Pforten. Nach langer Zeit (ich hab vergessen, noch mal nachzufragen, meine aber, mich an die Zahl von 28 Jahren erinnern zu können) zieht sich damit ein traditionsreicher Einzelhändler zurück, ein fast schon prototypischer Plattenladen wie in „High Fidelity“.

Ich war das erste Mal vor grob vier Jahren bei „Elpi“, an meinem ersten Tag in Bochum, dem Tag meiner Einschreibung. Ich kaufte mir damals „Sea Change“ von Beck im Angebot, packte die CD in meinen Discman und weil sie so unendlich traurig ist, ich vom ersten Eindruck Bochums ziemlich deprimiert war und es auch noch anfing zu regnen, machte ich sie wieder aus und habe sie dieses Jahr am Abend vor meiner Examensfeier zum ersten Mal an einem Stück gehört.

Ich war gerne bei „Elpi“ und habe viele CDs gekauft, aber ehrlich gesagt nur wenige neue. Da konnte der Laden, der zu keiner großen Kette gehörte, nicht mit den Preisen der Elektronikkaufhäuser und Internet-Versandhäsuer mithalten. Und nicht nur ich zuckte bei Preisen von siebzehn, achtzehn Euro immer wieder zusammen, auch viele andere kauften nicht mehr in dem kleinen Laden in der Fußgängerzone.

Deshalb war jetzt Schluss. Nicht wegen „Saturn“, wie mir die Mitarbeiter erzählten, aber die Perspektive eines riesigen CD-Angebots zu Kampfpreisen in der Nachbarschaft beschleunigte die Entscheidung wohl. So war immerhin noch ein würdevoller Abschied möglich und der Laden musste nicht leer bleiben, während die alten Kunden mit schlechtem Gewissen zur Konkurrenz schlichen. Der Name und die Mitarbeiter bleiben immerhin im „Elpi-Ticketshop“ erhalten, der im neuen „Saturn“ neben der CD-Abteilung im zweiten Stock liegt.

Die letzten Wochen waren natürlich die übliche Leichenfledderei mit Ausverkauf und Rabatten von 25 bis 50 Prozent. „Soll man da überhaupt noch mal hingehen?“, fragte ich mich und mein imaginary friend sagte: „Doch, klar. Erstens hast Du ja schon früher da gekauft und zweitens nehmen die so wenigstens noch was Geld ein.“ Und so kaufte ich noch mal CDs: The Clash, Sugababes und Randy Newman, als allerletztes „Neon Golden“ von The Notwist.

Und auf der heißt es ja:

Fail with consequence, lose with eloquence and smile.

6 Kommentare

  1. Olli
    26. November 2007, 10:17

    Ach ja elpi, da habe ich vor 25 Jahren auch schon eingekauft. Extra von Wattenscheid mit dem Mofa nach Bochum und die schönsten Schätze mitgebracht. Da gab es noch keine CDs. Aber alle schönen LPs die ich brauchte, um dem Alltag zu entfliehen. Schade, das sie zumachen.

  2. moritz
    26. November 2007, 11:04

    elpi gabs in wesel auch, in der fußgängerzone in einer kleinen einkaufspassage. da hab ich dinge gemacht die es heute gar nicht mehr gibt: cds auf dicken kopfhörern probegehört, cds auf empfehlung oder wegen eines rollingstone-zitat-aufklebers auf dem cover gekauft, cds im laden bestellt. und nebenbei meinen musikgeschmack perfektioniert – wobei: wenn die nicht pleite gegangen wären als ich 17 war, dann wäre ich wohl tief weiter in die grunge- und numetal-ecke gedriftet, so besonders großartig war die indie-ecke da dann auch nicht.

  3. juliaL49
    26. November 2007, 12:23

    eine interessante kombination: the clash, sugababes und randy newman!!!!

    Aber du hast es genau erfasst: wenn die neue CDs für über 15 Euro verkaufen, die es anderswo für die Hälfte gibt, dann haben die keine Chance!

  4. Jörg Friedrich
    26. November 2007, 17:37

    Ein schönes Artikel-Paar, genau mit der richtigen Menge Sentimentalität, finde ich.

    Zu ergänzen wäre noch, dass man die meisten Sachen, für die man noch vor ein paar Jahren solche Läden brauchte, eben heute im Internet kauft.

  5. vib
    26. November 2007, 20:03

    Elpi kenn ich noch von früher – ich bin manchmal (ca. 20 Jahre her) von Mülheim/Ruhr rübergefahren um dort ein wenig zu wühlen. Zu den Preisen: Hier in meiner Kleinstadt gibt es auch so etwas. Allerdings unterscheiden die sich im Sortiment ebenso wohltuend wie komplett vom hiesigen Karstadt/Media-Markt. Und ganz ehrlich: Ich zahle gerne ein bis zwei Euro mehr, wenn ich dafür einen Laden vor der Nase habe, der nicht nur den Mainstreamramsch im Regal stehen hat. Aber wahrscheinlich ist ein Großstadtsaturn da eher eine Konkurrenz…

  6. Lukas
    28. November 2007, 10:46

    @juliaL49: The Clash, Sugababes und Randy Newman stecken einigermaßen präzise die Koordinaten meines Musikgeschmacks ab.