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Hitler würde „Half-Life“ spielen

Ich habe län­ger über­legt, ob ich das Fol­gen­de auf­schrei­ben soll. Schließ­lich ist „Don Alphon­so“ der „Edel-Troll“ der deutsch­spra­chi­gen Blogo­sphä­re. Ein Mann, des­sen Tex­te ich in der Regel aus Sor­ge um mei­ne Gesund­heit igno­rie­re.

Ande­rer­seits ist dies hier das Fach­blog für Nazi-Ver­glei­che, also muss ich wohl ran:

Die­ser „Don Alphon­so“ hat, nach­dem ihm die vie­len, vie­len, teils (mut­maß­lich) unflä­ti­gen Kom­men­ta­re auf einen sei­ner Tex­te zu bunt wur­den, Fol­gen­des geschrie­ben:

Ich habe das freund­li­cher gesagt, als ich es mei­ne, denn in mei­nen Augen sind die­se expli­zit Sucht­kran­ken argu­men­ta­tiv auf dem glei­chen Niveau wie die Alt­na­zis bei uns in den Käf­fern.

Mit den „expli­zit Sucht­kran­ken“ meint er übri­gens Men­schen, die Com­pu­ter spie­len. Ob Alt­na­zis jetzt auch sucht­krank sei­en müs­sen oder nur Com­pu­ter­spie­ler gleich­zei­tig krank und wie Nazis sind, lässt sich sei­nem Text nicht ent­neh­men. Wohl aber, dass der Ver­gleich kein ein­ma­li­ger Aus­rut­scher war, denn ein paar Zei­len spä­ter wütet er:

Nun sind die­se Art Gamer eine ganz beson­de­re Grup­pe Mensch, die, ähn­lich wie die Gefolg­schaft von Neo­co­na­zi­sei­ten und extre­mis­ti­sche Isla­mis­ten, kei­ne Haf­tung in der Rea­li­tät mehr haben.

Fas­zi­nie­rend, wie man eine ohne­hin schon emo­tio­na­le Debat­te (in der ich Com­pu­ter­spie­le weder für „schul­dig“ noch für kom­plett „unschul­dig“ hal­te) mit ein biss­chen Arro­ganz, Dumm­heit und Schaum vor dem Mund noch ein wenig unsach­li­cher gestal­ten kann.

Dabei ist die ursprüng­li­che Kern­fra­ge, war­um Men­schen, die anspruchs­vol­le Lite­ra­tur lesen, so sel­ten Amok lau­fen, gar nicht mal unspan­nend. Ich hät­te sogar einen Erklä­rungs­ver­such: Aus den sel­ben Grün­den, war­um so weni­ge Klas­sik- und Schla­ger-Hörer Amok lau­fen – sie sind schlicht­weg älter.

Die wenigs­ten Jugend­li­chen haben ein Inter­es­se dar­an, sich mit jahr­hun­der­te­al­ter Lite­ra­tur, Kunst und Musik zu beschäf­ti­gen. Zum einen, weil ihnen das alles in der Schu­le madig gemacht wur­de, zum ande­ren, weil die­se Din­ge wenig mit ihrer Lebens­si­tua­ti­on zu tun haben. Wenn man älter und ruhi­ger wird, beschäf­tigt man sich viel­leicht irgend­wann auch mit der soge­nann­ten Hoch­kul­tur. Aber dann ist man (in der Regel) über die gefähr­li­che Pha­se im Leben hin­aus. Der Zusam­men­hang besteht also weni­ger zwi­schen Medi­en­kon­sum und Ver­hal­ten, son­dern zwi­schen Alter (wel­ches den Medi­en­kon­sum bedingt) und Ver­hal­ten. Über­spitzt gesagt: Wenn wir etwas ver­bie­ten müss­ten, dann die Puber­tät.

Davon ab könn­te man auch noch das Fass mit den „Lei­den des jun­gen Wert­hers“ und den angeb­li­chen Nach­ah­mungs­tä­tern auf­ma­chen, aber ein Goe­the-Spe­zia­list hat mir glaub­haft ver­si­chert, dass es kei­nen ein­zi­gen beleg­ten Fall eines Wert­her-Selbst­mords gibt.

[via Nerd­core]

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Homegrown Terror

Vor­hin hat­te ich noch zwei Absät­ze über mei­ne Schu­le und die Fol­ge von Amok­läu­fen geschrie­ben.

Was ich nicht ahnen konn­te: Zu die­sem Zeit­punkt war das Theo­dor-Heuss-Gym­na­si­um in Dins­la­ken in hel­ler Auf­re­gung. Im Inter­net (aha!) hat­te jemand mit einem Amok­lauf gedroht – „Wahr­schein­lich ein Nach­ah­mungs­tä­ter“, wie die „Rhei­ni­sche Post“ berich­tet.

Wäh­rend sich bei derwesten.de Kom­men­ta­re besorg­ter Eltern sam­meln, habe ich mei­nen Bru­der Jus­tus, der in die­sem Jahr am THG sein Abitur macht, gebe­ten, mir sei­ne Ein­drü­cke vom Vor­mit­tag zu schil­dern:

Als ich heut mor­gen zur Schu­le lief, war ich spät dran. Von weit weg habe ich zwei Poli­zei­au­tos gese­hen. Erst dach­te ich, die Poli­zei wür­de wie­der armen Schü­lern Geld für das Fah­ren auf der fal­schen Stra­ßen­sei­te abneh­men, aber als ich dann noch 2 Mann­schafts­wa­gen sah dach­te ich mir, es muss was grö­ße­res sein.

Die ers­ten bei­den Stun­den ver­lie­fen nor­mal, nach der 1. gro­ßen Pau­se blie­ben jedoch alle Schü­ler auf dem Schul­hof, da fiel erst auf, dass sich kein Leh­rer auf dem Schul­hof befand. Die­se haben in der Zwi­schen­zeit, im Leh­rer­zim­mer ein­ge­schlos­sen, einen Crash­kurs in Sachen Amok­ver­hal­ten bekom­men. In der Situa­ti­on hat man sich gefragt: „Wenn alle Leh­rer und Poli­zis­ten im Leh­rer­zim­mer sind, wer passt dann hier auf, falls wirk­lich einer Amok lau­fen soll­te?“

Eine hal­be Stun­de spä­ter ging der Unter­richt wei­ter und unser Leh­rer hat uns mit­ge­teilt, dass in einem Chat im Inter­net ein Schü­ler des THGs eine Amok­war­nung geschrie­ben hat. Als Vor­sichts­maß­nah­me sol­len die Türen abge­schlos­sen wer­den und bei einem bestimm­ten Code­wort durch die Laut­spre­cher soll­ten Tische umge­wor­fen wer­den und die Schü­ler sich flach auf den Boden legen.

In der Frei­stun­de danach wur­de bekannt, dass der User­na­me irgend­was mit Mar­cus wäre und jeder Mar­cus der Schu­le ver­hört wur­de. Bei man­chen soll die Poli­zei sogar zuhau­se gewe­sen sein. Als ich mit einem Freund den Schul­hof ver­las­sen woll­te, wur­de uns mit­ge­teilt, dass wir beim Wie­der­be­tre­ten des Schul­hofs unse­ren Aus­weis vor­zei­gen müs­sen. All­ge­mei­ner Unter­richts­schluss war um 13.15 Uhr, damit die Poli­zis­ten Fei­er­abend machen kön­nen. Nächs­ten Mon­tag und Diens­tag soll die Schu­le eben­falls über­wacht wer­den.

Alles in allem waren 2 Motor­rad­po­li­zis­ten im Stadt­park, 2 Mann­schafts­wa­gen, 4 Strei­fen­wa­gen und auch noch ein Zivil­fahr­zeug rund ums Schul­ge­län­de posi­tio­niert.

Wir hat­ten nicht wirk­lich Angst. Eher kamen Scher­ze von allen Sei­ten zu den Mar­kusen unse­rer Schu­le. Kei­ner ist wirk­lich davon aus­ge­gan­gen das was pas­sie­ren wür­de, bis auf ein paar jun­ge Leh­re­rin­nen.

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Klickbefehl (17)

Der Amok­lauf von Erfurt fand am 26. April 2002 statt, unse­rem aller­letz­ten Schul­tag. 1 Ich habe daher nie erfah­ren, wie Schu­len auf sol­che Vor­fäl­le reagie­ren. Wäh­rend einer unse­rer Abi-Klau­su­ren wur­de zwar 200 Meter wei­ter eine Welt­kriegs­bom­be ent­schärft, aber ansons­ten waren wir nur Nor­ma­li­tät gewöhnt.

Ich bin mir sicher, dass mei­ne Schul­zeit anders aus­ge­se­hen hät­te, wenn das alles nicht nach uns pas­siert wäre. Wir waren die Nerds, wir haben „Half Life“ gespielt, Metal oder Punk­rock gehört (auch Pop, aber wen hät­te das inter­es­siert) und gera­de ich hat­te den Ruf, ein biss­chen wahn­sin­nig zu sein. 2 Wir waren also komisch – wie alle Teen­ager. Und wir wären poten­ti­ell ver­däch­tig gewe­sen.

Die Muschel­schub­s­er­in hat einen sehr lesens­wer­ten Text dar­über geschrie­ben, wie das so war, als Teen­ager in einer Klein­stadt auf­zu­wach­sen.

Schon damals – in Zei­ten ohne Inter­net, Han­dys und Bal­ler­spie­len – hat nie­mand gemerkt, was wir wirk­lich tun, was uns wirk­lich bedrückt, wie aus­ge­schlos­sen wir uns gefühlt haben, wie sehr uns die Gesell­schaft ins Gesicht gespuckt hat, dass sie mit uns nicht viel anfan­gen kann. Wir alle hat­ten damals einen star­ken Trieb, der sich manch­mal in Aggres­si­vi­tät geäu­ßert hat. Und obwohl wir uns aus­ge­schlos­sen fühl­ten und es gewis­ser­ma­ßen auch waren, wur­den die meis­ten von uns in letz­ter Kon­se­quenz immer auf­ge­fan­gen, unter­stützt, behü­tet. Genau des­halb waren wir trotz allem durch­schnitt­li­che Jugend­li­che, nicht auf­fäl­li­ger als ande­re. Und genau des­halb sind wir heu­te ver­mut­lich alle ganz nor­ma­le Men­schen.

Eini­ges davon ken­ne ich aus eige­ner Erfah­rung, ande­res kann ich zumin­dest gut nach­voll­zie­hen. Und ich glau­be, das kann jeder, der mal jung und nicht Mit­glied der Jun­gen Uni­on war.

Auch John­ny Haeus­ler hat sich bei Spree­blick Gedan­ken dar­über gemacht, wie das eigent­lich so ist, als Jugend­li­cher in Deutsch­land. Wer sich für einen inter­es­siert und wie die Medi­en reagie­ren, wenn dann mal wie­der was pas­siert ist:

Wie laut muss man als Jugend­li­cher eigent­lich sein, um gehört zu wer­den?
Noch lau­ter als eine Beret­ta?

Und weil’s grad zum The­ma Kin­der passt, will ich Ihnen auch noch einen Ein­trag aus dem F.A.Z.-Fernsehblog ans Herz legen.

Dar­in geht es unter ande­rem um eine Mut­ter, die das Fol­gen­de in eine Fern­seh­ka­me­ra sag­te:

Ich ver­steh die Welt nicht mehr. Mei­ne Toch­ter war in der zehn­ten Klas­se, die hat das alles live mit­er­lebt. Die sitzt jetzt zuhau­se, zit­tert und weint. Sie sind aus dem Fens­ter gesprun­gen, sie und ihre Freun­din.

Der Fra­ge, war­um sie es in die­sem Moment für klü­ger hielt, die Welt­öf­fent­lich­keit dar­über zu infor­mie­ren, statt bei ihrer Toch­ter zu sein, möch­te ich mich ger­ne anschlie­ßen.

Auf eine Fra­ge mehr oder weni­ger kommt’s ja auch nicht mehr an.

  1. Am ande­ren Dins­la­ke­ner Gym­na­si­um waren die Abitu­ri­en­ten an die­sem Mor­gen – wenn ich das rich­tig im Kopf habe – mit Was­ser­pis­to­len durch die Klas­sen­räu­me gezo­gen, um ihren letz­ten Schul­tag zu fei­ern.[]
  2. Der Ruf war nicht ganz unbe­grün­det.[]
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Nicht zynisch werden

Ich habe heu­te zwei Tex­te für mein Blog bei freitag.de geschrie­ben: Einen ges­tern begon­ne­nen über die Nicht­exis­tenz des Musik­fern­se­hens in Deutsch­land und einen aktu­el­len über die media­le Unsterb­lich­keit von Mör­dern.

Bizar­rer­wei­se tref­fen sich bei­de Inhal­te jetzt auf der ande­ren Sei­te wie­der, denn MTV und Viva haben sich (wie schon am 11. Sep­tem­ber 2001) ent­schlos­sen, ihr Trash-Pro­gramm aus­zu­set­zen und bis auf wei­te­res Musik­vi­de­os zu sen­den, die der Stim­mung ange­mes­sen sind.

Es fällt schwer, da nicht zynisch zu wer­den.

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Digital Gesellschaft Rundfunk

Der blutige Weg in die Unsterblichkeit

Wäh­rend ich die­se Zei­len tip­pe, ste­hen irgend­wo in Süd­deutsch­land Poli­zis­ten vor Haus­tü­ren und üben Sät­ze, die begin­nen mit „Wir müs­sen Ihnen lei­der mit­tei­len …“. Gerichts­me­di­zi­ner bese­hen sich Ein­schuss­lö­cher an toten Kör­pern und ein Eltern­paar wird von der Kri­mi­nal­po­li­zei ver­hört. Vie­le Men­schen machen sich Sor­gen, eini­ge Vor­wür­fe und über all das könn­te ich bes­tens – oder wenigs­tens höchst spe­ku­la­tiv – infor­miert sein, wenn ich nicht vor­hin alle Nach­rich­ten­ka­nä­le gekappt hät­te.

Auf das, was die Bou­le­vard­pres­se „Tra­gö­die“ nennt, reagie­re ich ent­we­der mit doku­men­ta­ri­scher Obses­si­on (dann ver­brin­ge ich Stun­den vor dem Fern­se­her) oder mit für mich selbst merk­wür­dig anmu­ten­der Gleich­gül­tig­keit. Heu­te will ich nichts wis­sen. Der Fern­se­her ging aus, als ein Repor­ter auf n‑tv sal­ba­der­te, der Nach­bar des Amok­läu­fers habe ihm gesagt, der Täter habe oft „Bal­ler­spie­le“. twit­ter hat­te ich da schon lan­ge abge­stellt. Das ist zum einen mei­ner sehr kind­li­chen Ein­stel­lung geschul­det, wonach Din­ge, von denen ich nichts mit­be­kom­me, nie pas­siert sind; zum ande­ren weiß ich, dass der media­le Over­kill mich wahn­sin­nig und wütend zurück­lie­ße.

Ich kann also nur mut­ma­ßen, dass „Bild“ gera­de das MySpace-Pro­fil des Täters ent­deckt hat; dass irgend­ein CDU-Poli­ti­ker gera­de wie­der ein Ver­bot von irgend­et­was, was er nicht ver­steht, for­dert und dass in irgend­ei­ner Redak­ti­on gera­de Bil­der von wei­nen­den Jugend­li­chen, Ker­zen und Blu­men mit der Musik von Moby oder Enya unter­legt wer­den. Den Men­schen, die das mut­maß­lich gera­de tun, kann ich nur raten, sich einen ordent­li­chen Job zu suchen. Die Städ­te sind voll von Müll und mei­ne Schu­he müss­ten drin­gend geputzt wer­den.

Vor allem fra­ge ich mich aber, ob wir irgend­et­was über den Täter wis­sen müs­sen. Amok­läu­fe sind – auch das könn­te ich sicher wie­der über­all nach­le­sen – zumeist die Taten von Men­schen, die an ihrer Umwelt geschei­tert sind. Das (wahl­lo­se) Töten von Men­schen ist die letz­te und ein­zi­ge Domi­nanz­ges­te, zu der sie fähig sind. Und genau die­se Domi­nanz­ges­te, die Selbst­er­he­bung zum Rich­ter über Leben und Tod, wird von den Medi­en ins Uner­mess­li­che über­höht und für die Ewig­keit fest­ge­hal­ten.

Ohne nach­zu­se­hen könn­te ich Ihnen die berühm­tes­ten Schul-Amok­läu­fer der letz­ten zehn Jah­re nen­nen: Dylan Kle­bold, Eric Har­ris, Robert Stein­häu­ser. Gemein­sam haben sie (das muss­te ich jetzt doch nach­gu­cken) 28 Men­schen und sich selbst getö­tet, aber auch nach lan­gem Grü­beln wäre mir kein ein­zi­ger Name auch nur eines Opfers ein­ge­fal­len.

Dass wir Namen wie Mark Chap­man (erschoss John Len­non), Sir­han Sir­han (erschoss Robert F. Ken­ne­dy) und John Wil­kes Booth (erschoss Abra­ham Lin­coln) ken­nen, ist bei Licht bese­hen schon merk­wür­dig genug. Ihre ein­zi­ge „Leis­tung“ bestand dar­aus, einen berühm­ten Men­schen aus dem Leben zu schie­ßen. Amok­läu­fer trei­ben die­ses Phä­no­men auf die Spit­ze, denn ihr Bekannt­heits­grad rich­tet sich nicht zuletzt nach der Zahl ihrer Opfer. (Von Bas­ti­an B., der vor zwei­ein­halb Jah­ren an einer Schu­le in Ems­det­ten Amok lief, dabei aber nur sich selbst töte­te, habe ich bei­spiels­wei­se nie den Nach­na­men gele­sen.)

Die Täter blei­ben im Gedächt­nis, sie wer­den ger­ne mal – so grau­sam ist die Welt – zu Pop­kul­tur-Iko­nen. Wir wis­sen fast alles über sie, aber das hilft uns weder zu ver­ste­hen, noch kann es ver­hin­dern, dass wei­te­re Schü­ler-Gehir­ne auf over­load umstel­len (ein Bild, das dem Boom­town-Rats-Song „I Don’t Like Mon­days“ ent­stammt, der – natür­lich – von einem Schul­mas­sa­ker han­delt). Ver­mut­lich wüss­te nie­mand mehr den Namen von Sil­ke Bisch­off, die beim Gei­sel­dra­ma von Glad­beck ums Leben kam, wenn sich nicht eine Band nach ihr benannt hät­te. Die Täter? Klar: Rös­ner und Degow­ski.

Der klei­ne, aus­ge­sto­ße­ne Teen­ager, der von der Gesell­schaft igno­riert wird (und ver­mut­lich Mari­lyn Man­son hört und „Coun­terstrike“ spielt), sieht die Fotos von Har­ris, Kle­bold, Stein­häu­ser und wha­te­ver­his­na­me­may­be auf den Zei­tun­gen und nach jedem wei­te­ren Amok­lauf im Fern­se­hen. Wenn genug äuße­re Umstän­de und frei zugäng­li­che Waf­fen zusam­men­kom­men, könn­te es die Aus­sicht auf genau die­se post­hu­me Hall of Fame der durch­ge­dreh­ten Schü­ler sein, die ihn letzt­lich zur Tat schrei­ten lässt.

Soll das hei­ßen, die Medi­en soll­ten sich selbst zen­sie­ren? Viel­leicht.

Soll das hei­ßen, die Medi­en soll­ten man ein bis zwei Gän­ge run­ter­schal­ten? Auf jeden Fall!

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Literatur

Wet we can

Nach­ah­mung sei die ehr­lichs­te Form der Bewun­de­rung, soll Antoine de Saint-Exu­pery ein­mal gesagt haben. Im Zwei­fels­fal­le war es Max Goldt, der ent­geg­ne­te, die ehr­lichs­te Form der Bewun­de­rung sei immer noch Bewun­de­rung. Nach­ah­mung hin­ge­gen (zumin­dest die all­zu offen­sicht­li­che) – das bean­spru­che ich jetzt ein­fach mal für mich, falls sich kein Wider­spruch regt -, ist die ehr­lichs­te Form aus­zu­drü­cken, dass man selbst weder Ideen noch das Geld für das Koks hat­te, um die­se zu evo­zie­ren.

Man kann das seit Mona­ten an den drei Wör­tern „Yes“, „We“ und „Can“ able­sen (wobei man mei­nes Erach­tens für Ideen wie die­se hier zumin­dest in der Ver­gan­gen­heit mal eini­ge Kilo­gramm Koks kon­su­miert haben muss, mit voll funk­ti­ons­tüch­ti­gen Denk­or­ga­nen ist das ja nicht mehr zu erklä­ren). Und der Barack Oba­ma der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur heißt „Feucht­ge­bie­te“.

Buchcover Feuchtgebiete
Roche, Char­lot­te: Feucht­ge­bie­te; Köln 2008.

Fol­gen­de Buch­co­ver lie­fen mir gera­de bei einem flüch­ti­gen Streif­zug über den Weg:

Buchcover Trockensümpfe
Halbleib, Susan­ne (Hsgb.): Tro­cken­sümp­fe – Lau­ter befrie­di­gen­de Geschich­ten; Frankfurt/​Main 2008.

Buchcover Fleckenteufel
Strunk, Heinz: Fle­cken­teu­fel; Rein­bek 2009.

Buchcover Trockenzonen
Roch, Charles: Tro­cken­zo­nen – Wenn Män­ner auf­hö­ren sich zu waschen; Ham­burg 2009.

Vor allem für die letzt­ge­nann­te Albern­heit soll­te sich der Carlsen-Ver­lag schä­men. Das Tra­di­ti­ons­haus hat immer­hin auch den gan­zen Vam­pir-Tand von Ste­phe­nie Mey­er im Ange­bot – und da hät­te sich doch eine Fusi­on gut gemacht. „Bis(s) zur Scham­gren­ze“ viel­leicht. Oder direkt „Blut“. Aber der Titel war schon weg. Ste­phen King, Sie ahn­ten es bereits.

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Musik

Listenpanik 02/​09

Der Febru­ar ist ein blö­der Monat: Ver­dammt kurz, aber vol­ler span­nen­der Ver­öf­fent­li­chun­gen. Alles habe ich nicht geschafft zu hören, eini­ge waren erschre­ckend öde, aber irgend­wie sind mir dann doch noch genug Alben und Songs ein­ge­fal­len, die man sich für die Jah­res­end­lis­te vor­mer­ken soll­te.

Bevor im März mit Star­sail­or und Ben Lee das ganz gro­ße Fan-Fass auf­ge­macht wird, hier erst­mal der Febru­ar:

Alben
Lily Allen – It’s Not Me, It’s You
Sel­ten habe ich mich im Bekann­ten­kreis für etwas so sehr recht­fer­ti­gen müs­sen wie für mei­ne Lily-Allen-Ver­eh­rung. Aber im Gegen­satz zu die­sen gan­zen Café- und Fami­li­en­kom­bi­beschal­le­rin­nen (Duffy, Amy Wine­house, Amy Mac­Do­nald, Ade­le, Gabrie­la Cil­mi, …) hat Lily Allen Eier (das hört sich im Bezug auf Frau­en immer komisch an, weil Frau­en natür­lich gene­rell Eier haben – ganz anders als Män­ner). Ihre Songs sind klug und wit­zig, gehen ins Ohr und in die Füße und ihr zwei­tes Album setzt das phan­tas­ti­sche Debüt kon­se­quent fort. So und nicht anders soll­ten jun­ge Frau­en mit 23 klin­gen.

Bei­rut – March Of The Zapo­tec /​ Real­peo­p­le: Hol­land
Und damit zum nächs­ten Musi­ker, der jün­ger als ich ist: Zach Con­don hat mit sei­ner Band Bei­rut bereits zwei Alben ver­öf­fent­licht, jetzt kommt eine Dop­pel-EP, bestehend aus sechs Songs, die er mit einer 19-köp­fi­gen Band in Mexi­ko auf­ge­nom­men hat, und fün­fen, die er schon vor län­ge­rer Zeit mit sei­nem Elek­tro­nik-Pro­jekt Real­peo­p­le auf­ge­nom­men hat. Der ers­te Teil ist Welt­mu­sik für Leu­te, die sonst kei­ne Welt­mu­sik mögen, der zwei­te Elek­tro­nik für Leu­te, die sonst kei­ne Elek­tro­nik hören. Trotz die­ser zwei doch recht unter­schied­li­chen Ansät­ze wird das Album (die Dop­pel-EP) von Con­dons Stim­me und sei­nen Ideen wun­der­bar zusam­men­ge­hal­ten.

U2 – No Line On The Hori­zon
U2 zäh­len zu jenen Bands, die ich durch­aus schät­ze, die mir aber nie in den Sinn kämen, wenn es um die Nen­nung mei­ner Lieb­lings­bands geht. „No Line On The Hori­zon“ wird jetzt als ihr bes­tes Album seit lan­gem gefei­ert und erst­mals seit lan­ger Zeit höre ich ein Album, von dem bei mir so gar nichts hän­gen blei­ben will. Nach etli­chen Durch­gän­gen könn­te ich gera­de andert­halb Refrains benen­nen, ansons­ten geht das Album ein­fach so durch mei­nen Kopf durch. Selt­sa­mer­wei­se weiß ich trotz­dem, dass ich das Album gut fin­de.

Mor­ris­sey – Years Of Refu­sal
Ja, klar: The Smit­hs waren schon sehr, sehr groß und Mor­ris­sey ist eine coo­le Sau. Trotz­dem haben mich die Alben des Man­nes, den Musik­jour­na­lis­ten stets wis­send mit merk­wür­di­gen Attri­bu­ten beden­ken, nie so wirk­lich inter­es­siert. Die Sin­gles: ja („First Of The Gang To Die“ als abso­lu­ter Über­hit), aber sonst? „Years Of Refu­sal“ ist da anders: Das Album rockt und bockt und zickt und alle schrei­en laut „Ach Gott, ach Gott, das kann er doch nicht machen. Und jetzt hört man auch noch die Ver­zer­rer und das schep­pern­de Schlag­zeug …“. Und ich fin­de es zum ers­ten Mal rich­tig inter­es­sant.

The Whitest Boy Ali­ve – Rules
In einem wachen Moment mei­ner by:Larm-Berichterstattung hat­te ich Erlend Øye als „eine Art Thees Uhl­mann Nor­we­gens“ beschrie­ben, was sich aller­dings pri­mär auf die Mas­kott­chen- und Paten­haf­tig­keit der Bei­den für die jewei­li­gen Musik­sze­nen bezog. (Wit­zi­ger­wei­se ist Øye ja unge­fähr so sel­ten in Nor­we­gen wie Uhl­mann in Ham­burg, weil bei­de in Ber­lin woh­nen, der Stadt, in der man halt wohnt.) Außer­dem sind Bei­de – zumin­dest in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung – jeweils ihre Band. Kaum jeman­den inter­es­siert, wer sonst noch bei The Whitest Boy Ali­ve bzw. bei Tom­te spielt – aber damit ist end­lich Schluss mit den Gemein­sam­kei­ten, denn The Whitest Boy Ali­ve sind per­ma­nent so fun­ky wie Tom­te in ihren fun­kigs­ten Momen­ten. „Rules“ ist von vor­ne bis hin­ten eine Auf­for­de­rung zum Tanz, eine Plat­te, die man erst mit den Füßen hört und dann mit den Ohren (eine ana­to­misch etwas abwe­gi­ge Idee), ein­fach schö­ner, klang­vol­ler Pop.

Songs
Lily Allen – Who’d Have Known
Die Idee, ein­fach den Refrain eines Hits vom Take-That-Come­back-Album zu neh­men („Shi­ne“) und dar­aus einen kom­plett neu­en Song zu ent­wi­ckeln, ist so uncool und absurd, dass man sie ein­fach lie­ben muss. Ansons­ten ist „Who’d Have Known“ auch noch ein so rüh­rend unschul­di­ges Lie­bes­lied, in dem sich Roman­tik und all­täg­li­ches Rum­lun­gern auf sehr sym­pa­thi­sche Wei­se tref­fen. Bezie­hung durch Gewohn­heits­recht, qua­si.

Klee – Ich lass ein Licht an für Dich
Und gleich noch so eine rüh­rend unschul­di­ge Num­mer: „Ber­ge ver­set­zen“, das aktu­el­le, mit­un­ter an Goldf­rapp erin­nernd Klee-Album, war ein biss­chen an mir vor­bei­ge­gan­gen, bis mir der Shuff­le Mode die­sen Song in die Ohren und direkt ins Herz jag­te. Die­ses Lied ist der bes­te Beweis, wie man auch in deut­scher Spra­che völ­lig unpein­lich ganz gro­ße Gefüh­le behan­deln kann. (Ich muss da immer an „Halt Dich an Dei­ner Lie­be fest“ den­ken.)

Kili­ans – Said And Done
Lus­tig: Wenn man es direkt nach „Ich lass ein Licht an für Dich“ hört, klingt es fast wie die Fort­set­zung des Songs. Irgend­je­mand muss ja auch mal „Never Thought I’d Say That It’s Alright“ und „When Did Your Heart Go Miss­ing“ beer­ben, was gene­ra­tio­nen­über­grei­fen­den Air­play angeht. War­um also nicht die Kili­ans, die mit ein paar Strei­chern im Rücken das Feld beackern, das seit dem Ende von Rea­dy­ma­de und Miles brach liegt? Und kei­ne Angst vor dem Pop: Das Album rockt dann wie­der mehr.

Man­do Diao – Go Out Tonight
Wirk­lich span­nend ist auch deren neu­es Album nicht gewor­den (wenn auch nicht ganz so öde wie das von Franz Fer­di­nand), aber kurz vor Schluss kommt dann wenigs­tens so eine Man­do-Diao-typi­sche Schun­kel­num­mer mit Motown-Rhyth­mus, Melan­cho­lie und ordent­lich Feu­er in den Stim­men.

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

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Musik

Haldern Rock im Saal

Sie­ben mal bin ich schon mit dem Auto von Dins­la­ken nach Hald­ern und zurück gefah­ren, bevor ich zum ers­ten Mal Goog­le Maps nach dem kür­zes­ten Weg befragt habe. Und sie­he da: Der führt nicht etwa über die Auto­bahn, son­dern strunz­lang­wei­lig die gan­ze Zeit die B8 ent­lang.

Aber war­um fährt man außer­halb der Fes­ti­val- und Spar­gel-Sai­son eigent­lich ins Lin­den­dorf am schö­nen Nie­der­rhein? Na, um Kon­zer­te zu gucken, natür­lich.

„Rock im Saal“, den klei­nen Bru­der des Hald­ern Pop gibt es mitt­ler­wei­le auch seit 15 Jah­ren. Am ver­gan­ge­nen Sams­tag tra­fen sich die Hald­er­ner Dorf- und die nord­rhein-west­fä­li­sche Indie­ju­gend wie­der im Gast­hof Tepferdt, um in der gemüt­lichs­ten mir bekann­ten Atmo­sphä­re Live­mu­sik zu genie­ßen.

Enno Bunger

Enno Bun­ger
Glaubt man jenen Quel­len, denen man im Bezug auf sowas immer trau­en soll­te, sind Enno Bun­ger das nächs­te grö­ße­re Ding. Die Mischung aus Kea­ne (die Musik, die feh­len­den Gitar­ren) und Blobkanal/​Janka (die Tex­te, der Gesang) dürf­te eigent­lich ein Hit wer­den, auch wenn es den natür­li­chen Lebens­raum für sol­che Musik, Sarah Kutt­ners Shows auf Viva bzw. MTV, seit Jah­ren nicht mehr gibt.

Die rocki­gen Num­mern, die die Band um Sän­ger, Pia­nist und Namens­ge­ber Enno Bun­ger am Sams­tag gespielt haben, gefie­len mir aus­ge­spro­chen gut und erin­ner­ten ein biss­chen an die guten Sachen von Vir­gi­nia Jetzt! Die ruhi­ge­ren Songs sind ver­mut­lich auch nicht schlecht, waren aber ein­fach nicht das, was ich in dem Moment hören woll­te.

Hören kann man Enno Bun­ger bei MySpace und live. Die letz­ten Exem­pla­re der EP wur­den am Sams­tag ver­kauft, bis zum Debüt­al­bum dau­ert es noch ein biss­chen.

Kilians

Kili­ans
Ich hat­te Sie gewarnt – Kili­ans-Con­tent ist der neue Oba­ma-Con­tent hier im Blog.

Der Auf­tritts­ap­plaus hät­te Rob­bie Wil­liams nei­disch gemacht, die Stim­mung wäh­rend des Kon­zerts erin­ner­te ein biss­chen an Kin­der­ge­burts­tag (was vor allem am Durch­schnitts­al­ter des Publi­kums lag) und wenn eine Band vier neue Songs hin­ter­ein­an­der raus­hau­en kann, ohne dass die Begeis­te­rung der Zuhö­rer nach­lässt, dann haben sich da zwei gefun­den. (Das war eine Meta­pher, denn die Band war wie üblich zu fünft und das Publi­kum zu ein paar Hun­dert.)

Was nicht funk­tio­niert, ist Iro­nie in Song-Ansa­gen: „Wir waren seit Jah­ren nicht mehr hier“, hat ange­sichts des fünf­ten Kon­zerts auf Hald­er­ner Boden in knapp zwei­ein­halb Jah­ren kein Schwein ver­stan­den.

Hören kann man die Kili­ans bei MySpace, live und auf CD – aber das erzähl ich Ihnen bis zum Release von „They Are Cal­ling Your Name“ eh noch ein paar tau­send Mal.

Gisbert zu Knyphausen

Gis­bert zu Knyphau­sen
Will­kom­men zu unse­rer neu­en Serie „Hypes igno­rie­ren mit Herrn Hein­ser“. Die ers­te Fol­ge (Glas­ve­gas) ent­fällt, wir machen direkt wei­ter mit Gis­bert zu Knyphau­sen, über den ich vor­her eigent­lich nur wuss­te, dass der wirk­lich so heißt.

Gis­bert zu Knyphau­sen macht, das muss man unum­wun­den sagen, Mäd­chen­mu­sik. Aber Mäd­chen­mu­sik, die von tol­len Mäd­chen gehört wird und des­halb auch von Jun­gen gut gefun­den wer­den kann. Außer­dem kann er – was mir vor­her gar nicht klar war – auch sehr ordent­lich rocken und erin­nert dann fast an die frü­hen Toco­tro­nic.

Da der Begriff „Lie­der­ma­cher“ durch Rein­hard Mey und Wolf Maahn bis ans Ende der deut­schen Spra­che ver­brannt ist, muss man sich mit dem (ange­sichts deut­scher Tex­te etwas deplat­ziert wir­ken­den) Begriffs­paar „Singer/​Songwriter“ behel­fen. Zur Ori­en­tie­rung sei­en noch zwei Namen genannt, die ver­mut­lich den wenigs­ten Gis­bert-zu-Knyphau­sen-Höre­rin­nen noch etwas sagen wer­den: Tom Liwa und Thom­mie Bay­er.

Hören kann man Gis­bert zu Knyphau­sen auf MySpace, live und auf CD.

Alle Fotos: © Mar­ti­na Dri­gnat für mainstage.de. Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung.

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Deutschlands führende Nacktrichten-Portale

Frü­her galt es unter pro­mi­nen­ten Frau­en als der letz­te Ret­tungs­an­ker, sich (halb-)nackt für irgend­wel­che Her­ren­ma­ga­zi­ne ablich­ten zu las­sen, um noch ein biss­chen Geld und Auf­merk­sam­keit ein­zu­strei­chen.

Heu­te sind die Frau­en nicht mehr pro­mi­nent und sie ste­hen am Anfang, nicht am Ende einer Kar­rie­re, wenn sie sich aus­zie­hen. Aller­dings hat es den Anschein, als wür­den nicht pri­mär sie von sol­chen Fotos pro­fi­tie­ren, son­dern das jewei­li­ge Maga­zin, dass sich – wie bereits erwähnt – über jede Men­ge kos­ten­lo­ser Wer­bung freu­en kann:

 Topmodel in der FHM - Tessa: „Guter Sex kann kurz sein“
(express.de)

Heidis Topmodel Tessa zeigt die Brüste - Oberzicke Tessa strippt vor einer Kamera und erscheint in der aktuellen Ausgabe des Männermagazins FHM.
(hna.de)

GNTM: Topzicke Tessa zeigt sich hüllenlos. Die Topmodel-Kandidatin Tessa zeigt Ihren Traumkörper und verrät pikante Details aus ihrem Liebesleben. Die Bilder!
(oe24.at)

Weitaus niveauvoller, aber nicht minder heiß, sind die Unterwäschebilder, die Tessa im Männermagazin FHM zeigen.
(„Schwä­bi­sche Zei­tung“)

Und dann sind da natür­lich noch die übli­chen Trash-Por­ta­le:

Die Enthüllung der Tessa: Nachrichten, 06.03.2009, DerWesten. Tessa macht ernst: lange vor dem Ende der vierten Staffel von "Germany´s next Topmodel" hat sie ihr Cover-Shooting hinter sich gebracht.
(derwesten.de)

Topmodel-Zicke sexy in der FHM: Heidi, guck mal, das ist deine Tessa! Was die Model-Mama wohl zu diesen Bildern sagt? Topmodel-Kandidatin Tessa Bergmeier (19) – immer wieder für eine Überraschung gut! Ihr jüngster Coup: ein FHM-Shooting im Puff! Tessa lasziv in sexy Dessous, Tessa wie sie ihr eigenes Spiegelbild anschmachtet.
(Bild.de)

Tessa Bergmeier in einem Männermagazin
Da wird Heidi aber Augen machen. Düsseldorf (RPO). Was wäre
(„RP Online“)

Las­sen Sie sich von dem Wort „Män­ner­ma­ga­zin“ übri­gens nicht irri­tie­ren: „RP Online“ ver­rät den Namen des Maga­zins natür­lich noch und ver­linkt auch dar­auf. Und auf die eige­ne, dies­mal nur zehn­tei­li­ge Bil­der­ga­le­rie zum The­ma.

Ich habe die Leu­te von derwesten.de, die ihre sieb­zehn­tei­li­ge Klick­stre­cke via twit­ter ange­prie­sen hat­ten, gefragt, ob es eigent­lich ein Gesetz gebe, dass einen zur Bericht­erstat­tung über aktu­el­le FHM-Titel­bil­der ver­pflich­tet.

Die über­ra­schen­de Ant­wort:

@coffeeandtv Nein, kein Gesetz. Aliens vom Planeten Zargon sind in der Redaktion gelandet und zwingen uns mit vorgehaltener Laserwaffe dazu.

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Musik

Nightmares are made of this

Vor vie­len Jah­ren, als ich noch im Use­net unter­wegs war, kam in einer der Musik-News­grup­pen die Idee auf, einen Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof für Cover­ver­sio­nen (Sitz: Töten­sen) ein­zu­set­zen. Ich habe die­se Idee über die Jah­re etwas aus den Augen ver­lo­ren, aber ich den­ke, jetzt ist die Zeit reif.

Dabei will ich kei­nes­wegs die Auf­fas­sung ver­tre­ten, Cover­ver­sio­nen sei­en per se von nie­de­rem kul­tu­rel­len Rang und ideen­los. Wer das Nach­spie­len ander­erleuts Lied­gut für „Klau­en“ oder „Pro­fi­tie­ren von frem­den Ideen“ hält, hat einen wesent­li­chen Teil der Grund­idee von Pop­kul­tur nicht ver­stan­den. Auch war es ja in den 1950er bis 1970er Jah­ren durch­aus üblich, dass man kaum wuss­te, was eigent­lich ein Ori­gi­nal und was ein Cover war – so vie­le Ver­sio­nen eines Songs waren gleich­zei­tig auf dem Markt.

Und den­noch: Wir müs­sen reden.

Da war zunächst Leo­na Lewis‘ haar­st­rü­ben­de Ver­si­on des eigent­lich sehr schö­nen Songs „Run“ von Snow Pat­rol, über die ich bereits im Dezem­ber gerich­tet hat­te. Kürz­lich stol­per­te ich dann über eine gewag­te Neu­in­ter­pre­ta­ti­on, die das Kurz­zeit-Inter­net-Stern­chen Mina von „Love Hurts“ auf­ge­nom­men hat­te – vom Incu­bus-Song die­ses Namens, wohl­ge­merkt, nicht vom mil­li­ar­den­fach geco­ver­ten Ever­ly-Brot­hers-Klas­si­kers.

In eine völ­lig neue Dimen­si­on vor­ge­sto­ßen ist aller­dings ein … äh: Ton­do­ku­ment, das ich ver­gan­ge­ne Woche ver­se­hent­lich im Radio gehört habe. Ein Werk, das sogar der kano­ni­schen schlech­tes­ten Cover­ver­si­on aller Zei­ten (Wil­liam Shat­ner does „Lucy In The Sky With Dia­monds“) gefähr­lich wer­den könn­te.

Mei­ne Damen und Her­ren: Annie Lenn­ox ver­nich­tet „Shi­ning Light“!

Annie Lennox vernichtet "Shining Light"

(Die Plat­ten­fir­ma hat aus guten Grün­den die Ein­bet­tung des Vide­os unmög­lich gemacht.)

Für alle, die das Ori­gi­nal gar nicht ken­nen: Es stammt von Ash und spiel­te damals (vor – *schluck* – acht Jah­ren) eine wich­ti­ge Rol­le bei mei­nem Erwach­sen­wer­den.

Hof­fen wir, dass Lenn­ox‘ Ver­si­on ein Rie­sen­hit wird, damit das Schmer­zens­geld für Tim Whee­ler wenigs­tens hoch genug aus­fällt.

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Digital

Potemkinsche Webseiten

Zu den gro­ßen Mys­te­ri­en der Moder­ne gehört für mich der Berufs des Such­ma­schi­nen-Opti­mie­rers. 1 Die­ser opti­miert nicht etwa Such­ma­schi­nen, son­dern er bas­telt so lan­ge an Inter­net­sei­ten her­um, bis die­se in den Such­ergeb­nis­sen der Such­ma­schi­nen mög­lichst weit vor­ne auf­tau­chen. Es erstaunt mich, dass es offen­bar einen wach­sen­den Markt für Men­schen mit die­sen Fähig­kei­ten gibt, aber es gibt ja auch einen Markt für gol­de­ne Hun­de­fut­ter­näp­fe und einen für getra­ge­ne Unter­ho­sen. 2

Nun ist Such­ma­schi­nen-Opti­mie­rung (oder kna­ckig: SEO) an sich nichts schlim­mes, wenn es nur dar­um geht, sei­ne Inhal­te mög­lichst gut zu plat­zie­ren. Zwar soll­te man davon aus­ge­hen, dass Goog­le von allei­ne merkt, was für mich wirk­lich rele­vant ist, aber man kann da ja ruhig noch ein biss­chen nach­hel­fen. 3 Im Extrem­fall lie­gen die von den Such­ma­schi­nen-Opti­mie­rern betreu­ten Web­sei­ten ein paar Mona­te auf Platz 1, ehe Goog­le sich wie­der was neu­es ein­fal­len lässt. Rich­tig ärger­lich wird es aber da, wo es gar kei­ne Inhal­te gibt.

Auf mei­nem Schreib­tisch liegt das neue Album von Ben Lee. 4 Zu einem Song woll­te ich ger­ne den Lied­text nach­schla­gen, wes­we­gen ich lyrics „ben lee“ „wake up to ame­ri­ca“ bei Goog­le ein­gab. Dass das Album noch gar nicht ver­öf­fent­licht wur­de und des­halb auch noch nie­mand die Lied­tex­te ken­nen soll­te, wuss­te ich nicht – auf der bei­lie­gen­den Pres­se­info war der 13. Febru­ar als Ver­öf­fent­li­chungs­ter­min ver­merkt.

Trotz­dem fand Goog­le 467 Sei­ten zu die­ser Such­an­fra­ge. Die Top-Such­ergeb­nis­se sahen so aus:

Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 467 für lyrics "ben lee" "wake up to america".

Die übli­chen Sei­ten, die man sonst so fin­det, wenn man nach Song­tex­ten sucht.

Nur: Bei Nr. 1 sah der Song­text so aus:

These lyrics are missing. Could you please submit them? Did you know we give out free CDs every week to people who submit the most lyrics?

Nr. 2:

Wake Up To America: Add lyrics for this track

Nr. 3:

Track : Wake up to america. Lyrics not found. To add this lyrics

usw. usf.

Nir­gend­wo gab es die Tex­te (weil Ben Lee sie sel­ber noch nicht online hat, was die ein­fachs­te Quel­le wäre), aber über­all gab es schon mal die fer­ti­ge Sei­te mit Künst­ler­na­men und Song­ti­tel in der Pfad­an­ga­be und über­all habe ich min­des­tens einen Klick gene­riert und jede Men­ge Wer­bung gese­hen.

Ent­schul­di­gung, aber das ist für mich Ver­ar­schung hil­fe­su­chen­der Men­schen und Ver­mül­lung des Inter­nets.

  1. Zu den klei­nen Mys­te­ri­en gehört die – seit ges­tern beant­wor­te­te – Fra­ge, war­um mei­ne Kek­se so selt­sam ver­packt sind.[]
  2. Zumin­dest in Asi­en.[]
  3. Übri­gens scheint kein „SEO-Papst“ so gut zu sein, dass ich bei mei­nen hilf­lo­sen Goog­le-Recher­chen zu irgend­wel­chen tech­ni­schen Pro­ble­men auf eine wirk­lich rele­van­te Sei­te sto­ße.[]
  4. Das ich sehr nett fin­de, aber dazu spä­ter mehr.[]
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Klickbefehl (16)

In einer rie­si­gen Bei­trags­se­rie, die mich mit­un­ter an Beses­sen­heit glau­ben lässt, doku­men­tiert Jens vom Pott­blog die „Umstruk­tu­rie­rung“ des WAZ-Kon­zerns, was im Wesent­li­chen heißt: Eigen­stän­dig­keit der ein­zel­nen Titel auf­ge­ben, Leu­te ent­las­sen und völ­lig den Bezug zur Rea­li­tät ver­lie­ren. (In der letz­ten Dis­zi­plin sind WAZ-Chef­re­dak­teur Ulrich Reitz und WAZ-Grup­pen-Geschäfts­füh­rer Bodo Hom­bach beson­ders gut, denn sie waren frü­her bei der „Rhei­ni­schen Post“ bzw. im Kabi­nett Schrö­der.)

Gera­de hat er den Brief eines anony­men WAZ-Mit­ar­bei­ters ver­öf­fent­licht, in dem die­ser (oder die­se) sich über die letz­te Betriebs­ver­samm­lung aus­lässt und sehr schlüs­sig erklärt, war­um die Lokal­tei­le (die ja das eigent­lich bzw. ein­zig Inter­es­san­te an den WAZ-Titeln sind) so schlecht sind, wie sie sind: Zu wenig Per­so­nal, zu vie­le Anfor­de­run­gen gleich­zei­tig, Kon­zen­tra­ti­on auf ande­re Sachen (wie den Man­tel­teil und derwesten.de).

Es ist ein wüten­des, aber nichts­des­to­trotz sehr lesens­wer­tes Doku­ment, das sicher kei­ne allei­ni­ge Erklä­rung für das Zei­tungs­ster­ben ist, aber sehr schön auf­zeigt, wie weit sich Chefs von ihren Ange­stell­ten ent­fer­nen kön­nen.

„WAZ-Betriebs­ver­samm­lung: Was für eine Schei­ße!“ im Pott­blog