Kategorien
Leben Gesellschaft

Homegrown Terror

Vorhin hatte ich noch zwei Absätze über meine Schule und die Folge von Amokläufen geschrieben.

Was ich nicht ahnen konnte: Zu diesem Zeitpunkt war das Theodor-Heuss-Gymnasium in Dinslaken in heller Aufregung. Im Internet (aha!) hatte jemand mit einem Amoklauf gedroht — “Wahrscheinlich ein Nachahmungstäter”, wie die “Rheinische Post” berichtet.

Während sich bei derwesten.de Kommentare besorgter Eltern sammeln, habe ich meinen Bruder Justus, der in diesem Jahr am THG sein Abitur macht, gebeten, mir seine Eindrücke vom Vormittag zu schildern:

Als ich heut morgen zur Schule lief, war ich spät dran. Von weit weg habe ich zwei Polizeiautos gesehen. Erst dachte ich, die Polizei würde wieder armen Schülern Geld für das Fahren auf der falschen Straßenseite abnehmen, aber als ich dann noch 2 Mannschaftswagen sah dachte ich mir, es muss was größeres sein.

Die ersten beiden Stunden verliefen normal, nach der 1. großen Pause blieben jedoch alle Schüler auf dem Schulhof, da fiel erst auf, dass sich kein Lehrer auf dem Schulhof befand. Diese haben in der Zwischenzeit, im Lehrerzimmer eingeschlossen, einen Crashkurs in Sachen Amokverhalten bekommen. In der Situation hat man sich gefragt: “Wenn alle Lehrer und Polizisten im Lehrerzimmer sind, wer passt dann hier auf, falls wirklich einer Amok laufen sollte?”

Eine halbe Stunde später ging der Unterricht weiter und unser Lehrer hat uns mitgeteilt, dass in einem Chat im Internet ein Schüler des THGs eine Amokwarnung geschrieben hat. Als Vorsichtsmaßnahme sollen die Türen abgeschlossen werden und bei einem bestimmten Codewort durch die Lautsprecher sollten Tische umgeworfen werden und die Schüler sich flach auf den Boden legen.

In der Freistunde danach wurde bekannt, dass der Username irgendwas mit Marcus wäre und jeder Marcus der Schule verhört wurde. Bei manchen soll die Polizei sogar zuhause gewesen sein. Als ich mit einem Freund den Schulhof verlassen wollte, wurde uns mitgeteilt, dass wir beim Wiederbetreten des Schulhofs unseren Ausweis vorzeigen müssen. Allgemeiner Unterrichtsschluss war um 13.15 Uhr, damit die Polizisten Feierabend machen können. Nächsten Montag und Dienstag soll die Schule ebenfalls überwacht werden.

Alles in allem waren 2 Motorradpolizisten im Stadtpark, 2 Mannschaftswagen, 4 Streifenwagen und auch noch ein Zivilfahrzeug rund ums Schulgelände positioniert.

Wir hatten nicht wirklich Angst. Eher kamen Scherze von allen Seiten zu den Markusen unserer Schule. Keiner ist wirklich davon ausgegangen das was passieren würde, bis auf ein paar junge Lehrerinnen.