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Politik

Niederrheinische Mengenleere

Wir müs­sen mal für einen kur­zen Moment so tun, als inter­es­sie­re uns die Lokal­po­li­tik in mei­ner frü­he­ren Hei­mat­stadt Dins­la­ken.

Nein, das ist Quatsch. Lokal­po­li­tik inter­es­siert schon in Dins­la­ken nie­man­den mehr, da ist sie hier eigent­lich völ­lig off topic. Ich wäre auch schlicht nicht in der Lage, die Vor­ge­schich­te zu rekon­stru­ie­ren, die zu dem Rats­bür­ger­ent­scheid führ­te, der die Stadt im Moment beschäf­tigt. Nie­mand in Dins­la­ken weiß noch so genau, wor­um es ging, was die Situa­ti­on so beson­ders mach­te, der sich die Wahl­be­rech­tig­ten am ver­gan­ge­nen Sonn­tag (bei strö­men­dem Regen und geöff­ne­ten Geschäf­ten in der Innen­stadt) aus­ge­setzt sahen. Aber wir haben es hier mit einem beein­dru­cken­den Bei­spiel von poli­ti­schem Selbst­ver­ständ­nis zu tun, das ich für all­ge­mein­gül­tig hal­te und Ihnen des­halb nicht vor­ent­hal­ten will.

Nun also doch ganz kurz zur Vor­ge­schich­te: Es geht grob dar­um, ob auf einem Park­platz am Ran­de der Innen­stadt 1 ein Ein­kaufs­zen­trum gebaut wer­den soll. Es ist hier völ­lig uner­heb­lich, wer das bau­en soll, wie das finan­ziert wird und was das alles mit dem MSV Duis­burg zu tun hat. 2 Alles, was Sie jetzt noch wis­sen müs­sen, ist: Die Stim­mung in der Stadt war sehr dage­gen, die Stim­mung in der gro­ßen Koali­ti­on im Rat war sehr dafür.

Ein Bür­ger­be­geh­ren, bei dem sich 6.000 Dins­la­ke­ner gegen die Bebau­ung aus­ge­spro­chen hat­ten, ver­hall­te aus for­ma­len Grün­den unge­hört, aber der Rat beschloss einen frei­wil­li­gen Bür­ger­ent­scheid, bei dem raus­kom­men soll­te, dass „die Dins­la­ke­ner eine Bebau­ung des Plat­zes nicht grund­sätz­lich ableh­nen“. Das ist unge­fähr so sinn­voll wie wenn Eltern zu ihren Kin­dern sagen wür­den: „Okay, wir sehen: Ihr mögt kei­nen Fisch. Ihr habt hier zwar nix zu sagen, aber wir sind mal so groß­zü­gig und räu­men Euch jetzt die Mög­lich­keit ein, uns zu zei­gen, dass Ihr Fisch nicht grund­sätz­lich ablehnt!“ 3

Nun mach­ten aber nur 17,9% der Kin­der von der Mög­lich­keit Gebrauch, sich zum Fisch zu äußern. Zwei Drit­tel davon waren gegen den Fisch bzw. die Bebau­ung, 6.399 Leu­te. Die Stadt­ver­wal­tung hat­te aber fest­ge­legt, dass min­des­tens 11.000 dage­gen sein müss­ten.

Ande­rer­seits waren ja von 55.644 Wahl­be­rech­tig­ten auch nur 3.546 für die Bebau­ung, was eher unso­li­de 6,37% sind. Der Rest zählt (und wir wis­sen, wie das mit schwei­gen­den Mas­sen ist) wohl als „nicht grund­sätz­lich dage­gen“.

Nun wür­de man als nor­ma­ler Mensch sagen: „For­ma­li­tä­ten hin und her: Nach allem, was uns an Zah­len vor­liegt, sind zwei Drit­tel der Leu­te dage­gen und gera­de mal sechs Pro­zent unse­rer Bür­ger ist das Bau­vor­ha­ben so wich­tig, dass sie dafür am Sonn­tag bei Regen ins Wahl­lo­kal trot­ten. Viel­leicht soll­ten wir also doch mal gucken, ob wir das nicht irgend­wie anders machen.“

Und jetzt wer­fen wir bit­te jeg­li­che Logik über Bord, hal­ten uns unbe­dingt noch mal die Zahl von 3.546 Befür­wor­tern vor Augen und zitie­ren die Bür­ger­meis­te­rin Sabi­ne Weiss:

„Es ist wich­tig, dass man sol­che Gren­zen [die 11.000 erfor­der­li­chen Stim­men] setzt, sonst lie­ße sich mit 6000 Stim­men ja die gro­ße Mehr­heit einer Stadt domi­nie­ren. Ich glau­be nicht, dass man sagen kann, dass die, die nicht abge­stimmt haben, gegen die Bebau­ung sind oder dass ihnen die Fra­ge egal ist.“

Bit­te bei­ßen Sie in Ihren eige­nen Schreib­tisch, mei­ner ist schon durch.

  1. „Rand“ heißt hier: fuß­läu­fig durch­aus zu errei­chen, aber durch Gebäu­de und Stra­ßen doch irgend­wie ziem­lich abge­trennt.[]
  2. In Dins­la­ken ist es natür­lich gar nicht uner­heb­lich, da ist es lang­wie­rig und trau­rig. Aber wie gesagt: zu kom­plex, als dass noch irgend­je­mand durch­bli­cken wür­de.[]
  3. Sie ver­ste­hen, war­um eine Kar­rie­re im poli­ti­schen Kaba­rett für mich nicht in Betracht kommt.[]
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Rundfunk

!!!Witzig

Gera­de eine Pres­se­mit­tei­lung vom ZDF erhal­ten:

Die Sati­re­ex­per­ten von „Fron­tal 21“ schla­gen wie­der zu.

„Grund­gü­ti­ger“, dach­te ich. „Seit wann ver­fü­gen die denn beim ZDF über der­art viel Selbst­iro­nie und prei­sen ihre stets schwach recher­chier­te und vor­ein­ge­nom­me­ne Pri­vat­fern­seh­ma­ga­zin-Par­odie als „Sati­re“ an?“

Dann las ich wei­ter:

In ihrem „!!!Sati­ri­schen Jah­res­rück­blick 2007“ am Diens­tag, 18. Dezem­ber 2007, 23.30 Uhr zei­gen Wer­ner Doyé und Andre­as Wie­mers alles, was 2007 „Toll!“ war: Horst See­ho­fer als Vor­kämp­fer der sexu­el­len Befrei­ung, Wolf­gang Schäub­le als Action-Held in „Schäub­le rel­oa­ded“ und die gan­ze Wahr­heit über Knut den Eis­bä­ren und sei­ne bru­ta­len Hob­bys.

Da ich „Fron­tal 21“ aus den oben genann­ten Grün­den nie sehe, kann ich die Qua­li­tät von „Toll!“ schlecht beur­tei­len. Die Beschrei­bung lässt aller­dings Schlimms­tes ver­mu­ten.

P.S.: Ja, die Sen­dung heißt tat­säch­lich „!!!Der sati­ri­sche Jah­res­rück­blick 2007“. Mit drei Aus­ru­fe­zei­chen vor dem Titel.

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Politik

Maulwurf bei der CDU

„Ich sei, gewährt mir die Bit­te, in Eurem Bun­de die Mit­te!“
(Fried­rich Schil­ler, „Die Bürg­schaft“, 1. unver­öf­fent­lich­te Fas­sung)

CDU. Die Mitte.
Screen­shot: cdu.de

Obi­ges Logo hat die CDU groß auf der Büh­ne ihres Par­tei­tags in Han­no­ver mon­tiert. Bit­te beach­ten Sie den kur­zen schwar­zen Bogen und den sehr viel län­ge­ren roten Bogen in der Mit­te, dane­ben den Schrift­zug „Die Mit­te“.

Fällt denen denn nicht mal auf, dass die einem Sozi-Gra­fi­ker auf­ge­ses­sen sind?

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Leben Gesellschaft

Ein Wochenstart nach Maß

Die gute Nach­richt des Tages: Deutsch­land ist dem Unter­gang geweiht. Schon in weni­gen Jah­ren wird es in die­sem Land kei­ne intel­lek­tu­el­le Eli­te mehr geben. Wie ich dar­auf kom­me? Nun, wenn nicht ein­mal die Stu­den­ten einer Bei­na­he-Eli­te-Uni über ein­fachs­te geis­ti­ge Fähig­kei­ten ver­fü­gen, kann das mit dem Bil­dungs­bür­ger­tum ja nichts mehr wer­den.

Heu­te mor­gen habe ich über 30 Minu­ten an der Stadt­bahn-Hal­te­stel­le ver­bracht. Alle Züge, die ein­fuh­ren und mich zur Uni­ver­si­tät (zwei Stopps ent­fernt) hät­ten brin­gen sol­len, waren voll. Nein, Ver­zei­hung: „voll“. Denn das pen­deln­de Pack, das am Haupt­bahn­hof in die Stadt­bahn ein­steigt, pos­tiert sich immer so vor den Türen, dass ein Ein­stieg im wei­te­ren Stre­cken­ver­lauf unmög­lich ist. Dabei wäre in den Zügen durch­aus noch Platz, wenn die Men­schen beim Ein­stei­gen nur mal den gesam­ten Raum aus­nut­zen wür­den. Die Angst, dann an der Uni nicht aus­stei­gen zu kön­nen, ist voll­kom­men unbe­grün­det: um Vier­tel vor zehn fah­ren nur Stu­den­ten Bahn.

Natür­lich trägt der ört­li­che Nah­ver­kehrs­an­bie­ter eine Mit­schuld an der Mise­re, denn sei­ne Züge mit Vie­rer­sitz­grup­pen mögen außer­halb der Stoß­zei­ten gemüt­lich sein, zur rush hour aller­dings wären Wagen mit Bän­ken an den Außen­wän­den, wie man sie teil­wei­se in Ber­lin fin­det, hilf­rei­cher. Die Men­schen hät­ten von vor­ne­her­ein kei­ne Abstands­zo­nen um sich her­um und wür­den sich viel bereit­wil­li­ger anein­an­der­drän­geln.

Als ich es schließ­lich in den fünf­ten ein­fah­ren­den Zug schaff­te, kreis­ten mei­ne Gedan­ken bereits um qual­men­de Zug­trüm­mer und „Ame­ri­can Psycho“. Dann wur­de ich mit häss­li­chen Men­schen, die bil­li­ge Jacken tru­gen und viel zu laut schlech­te Musik hör­ten, in eine Stadt­bahn gesperrt. Zwei Ischen, die mehr Stuck im Gesicht hat­ten als man für die Decken­sa­nie­rung einer Jugend­stil­vil­la bräuch­te, stan­den allei­ne im Mit­tel­gang. Eine jede von ihnen hät­te genug Raum gehabt, auf dem Fuß­bo­den ein vik­to­ria­ni­sches Pick­nick zu ver­an­stal­ten. In den Frei­raum drän­geln konn­te ich mich frei­lich nicht, dafür war der Pfrop­fen dum­mer Men­schen, der den Ein­gangs­be­reich ver­stopf­te, zu dicht. Ich beschloss, mich näher mit den Leh­ren des Zen zu beschäf­ti­gen und merk­te, wie mein Geist mei­nen Kör­per ver­ließ.

Als die Bahn an der Uni-Hal­te­stel­le ein­fuhr, stieg er als ers­tes aus und stapf­te mit dump­fem Schritt die Trep­pen hin­auf. Sein Unter­kie­fer schob sich mah­lend nach vor­ne und aus sei­nen Nasen­lö­chern stie­gen klei­ne Rauch­wölk­chen. Sei­ne Arme hat­te er ange­spannt, sei­ne Schul­tern wirk­ten dop­pelt so breit wie sonst. Der eis­kal­te Wind trieb ihm Trä­nen in die zusam­men­ge­knif­fe­nen Augen, aber er stapf­te unauf­hör­lich wei­ter. Jeder, der sich ihm in den Weg gestellt hät­te, wäre ohne wei­te­res Zutun zu Staub zer­fal­len. Mit jedem Schritt lös­ten sei­ne Füße klei­ne Druck­wel­len auf dem Pflas­ter aus, die Erschüt­te­run­gen waren noch in zwei Kilo­me­tern Tie­fe zu spü­ren. Da fing es an zu Reg­nen.

Als er das Hör­saal­zen­trum betrat, kipp­te er sei­nen Kopf zurück und ließ sei­nen Nacken kna­cken. Er atme­te tief durch. Die Vor­le­sung lief bereits seit zehn Minu­ten, der Hör­saal war halb leer. Die Stu­den­ten hat­ten alle Plät­ze am Rand der Sitz­rei­hen besetzt.

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Blogflöten zum ersten Advent

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Gesellschaft

Habemus Großeinsatz

Was bin ich froh, dass ich so sel­ten in Arzt­war­te­zim­mern sit­zen und Small­talk füh­ren muss. Sonst könn­te es viel­leicht pas­sie­ren, dass ich mei­nen Miss­fal­len zu die­sem oder jenem The­ma äuße­re und mir kurz dar­auf ein SEK die Bude ein­rennt.

Was? Nein, ich albe­re nicht schon wie­der rum. Ich bezie­he mich auf den Fall von Sieg­fried Lind­ner aus Ober­bay­ern. Der hat­te vor dem Papst­be­such im ver­gan­ge­nen Jahr im War­te­zim­mer einer Arzt­pra­xis zu einem ande­ren Pati­en­ten gesagt, dass die 40 Mil­lio­nen Euro für den Besuch bes­ser hät­ten ver­wen­det wer­den kön­nen. Und als dann ein paar Tage spä­ter Farb­beu­tel auf das Geburts­haus des katho­li­schen Ober­hir­ten gewor­fen wur­den, dach­te sich die Staats­an­walt­schaft offen­bar „Das ist unser Mann“, und schick­te Fami­lie Lind­ner ein Groß­auf­ge­bot vor­bei.

Die gan­ze eben­so absur­de wie beun­ru­hi­gen­de Geschich­te lief offen­bar am Mon­tag bei „Fakt“ in der ARD und man kann sie hier nach­le­sen.

[via Der Mor­gen]

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Musik

Kein Wellenreiten in der Gruft

Es gibt Tage, an denen füh­le ich mich sehr alt. Zum Bei­spiel, wenn es bei „Yes­ter­day“ auf WDR 2 um die 90er Jah­re geht oder wenn ich auf die Fra­ge nach der Uhr­zeit mit „Vier­tel vor Nes­quik“ ant­wor­te und mich die jun­gen, schö­nen Men­schen um mich her­um fas­sungs­los anstar­ren. Oder wenn ich den­ke, dass ich eigent­lich nicht mehr auf Rock­kon­zer­te gehen soll­te.

Ges­tern ver­an­stal­te­te das Musik­ma­ga­zin „Visi­ons“ eine sei­ner „Visi­ons Par­tys“ (nur echt ohne Bin­de­strich und mit fal­schem Plu­ral), die frü­her ein­mal im Monat im Dort­mun­der „Sabo­ta­ge“ statt­fan­den, inzwi­schen aber an jedem Wochen­en­de in jeder deut­schen Stadt, die nicht Grä­fen­ton­na oder Dins­la­ken ist. Im „Sabo­ta­ge“ indes fin­den sie nicht mehr statt, der Laden wur­de (mut­maß­lich wegen feu­er­po­li­zei­li­cher Män­gel) geschlos­sen.

Da ich Nada Surf sehr mag und span­nen­de Kon­zer­te in Bochum auch nicht gera­de an der Tages­ord­nung sind, schlepp­te ich mich zur gest­ri­gen Par­ty mit eben jenen Nada Surf, Minus The Bear und Esca­pa­do – auch wenn sie in der „Matrix“ in Lan­gen­d­re­er statt­fand. Die Matrix ist eine völ­lig unüber­sicht­li­che Gothic-Groß­raum­dis­co 1 unter der Erde und der mit Abstand schlech­tes­te Ort für Kon­zert­ver­an­stal­tun­gen, den ich ken­ne. Die eigent­li­che Kon­zert­hal­le liegt am Ende eines lan­gen Laby­rinth­ar­ti­gen Raum­ver­bun­des, ist schlauch­för­mig und zeich­net sich vor allem durch gro­ße Hit­ze und Luft­ar­mut aus. Schon bevor Esca­pa­do anfin­gen, hat­te ich eigent­lich kei­nen Bock mehr.

Esca­pa­do machen Hard­core mit deut­schen Tex­ten, von denen man live lei­der nicht all­zu viel mit­be­kommt, weil sich die Kon­zep­te „Hard­core“ und „Tex­te ver­ste­hen“ irgend­wie aus­schlie­ßen. Da fiel mir auch wie­der ein, dass ich deren aktu­el­les Album „Initia­le“ noch irgend­wo unge­hört rum­flie­gen habe, was ich drin­gend ändern soll­te, denn schlecht fand ich die Band nicht, obwohl Hard­core (oder „Lärm“, wie mein Vater sagen wür­de) nicht unbe­dingt mei­ne Musik ist. Wer wie ich gedacht hat­te, Hard­core-Kon­zer­te müs­se man sich aus siche­rer Ent­fer­nung vom Hal­le­nen­de aus anse­hen, wur­de ges­tern aller­dings ent­täuscht: die Mas­se ließ sich nicht bewe­gen. Wenigs­tens war der Sound in der Hal­le nicht so schlecht wie bei mei­nem letz­ten Besuch dort.

Minus The Bear mach­ten net­ten Indie­rock, aber die Bedin­gun­gen in der Hal­le und mein Rücken (Alter, s.o.) sorg­ten dafür, dass ich mich lie­ber mit ein paar Freun­den an eine der Bars zurück­zog, wo man sich aller­dings auch nicht unter­hal­ten konn­te, weil dort die vor­her­seh­bars­ten Indie­hits der letz­ten 25 Jah­re sehr laut lie­fen.

Nada Surf woll­te ich mir eigent­lich aus der Nähe anse­hen, aber mei­ne Klaus­tro­pho­bie und Abnei­gung gegen­über gro­ßen Men­schen­mas­sen ver­stärkt sich noch, wenn die­se Men­schen­mas­se an der lin­ken und der rech­ten Sei­te von mas­si­ven Back­stein­wän­den ein­ge­schlos­sen ist. Ich soll­te mehr in Jazz­clubs gehen. Mein gan­zer Hass auf den Laden, den ich schließ­lich auf die Lis­te „Orte, an denen Ben Folds spie­len könn­te, und wo ich trotz­dem nie mehr hin­ge­hen wür­de“ setz­te 2, ver­flog aber mit den ers­ten Tak­ten von „Hap­py Kid“.

Die drei New Yor­ker zeig­ten sicht­li­che Spiel­freu­de Man merk­te, dass die Band Spaß hat­te, mal wie­der in Deutsch­land zu spie­len. Die meis­ten Stü­cke waren einen Tacken schnel­ler und rocki­ger als sonst, Matthew Caws und Ira Elli­ot quak­ten zwi­schen den Songs mun­ter durch­ein­an­der und es gab mit „I Like What You Say“ (eigent­lich vom „John Tucker Must Die“-Soundtrack) und „Who­se Aut­ho­ri­ty“ auch noch zwei Songs aus ihrem neu­en Album „Lucky“, das im Febru­ar 2008 erschei­nen soll. Schließ­lich spiel­ten sie auf beson­de­ren Wunsch eines Label-Mit­ar­bei­ters (und sicher nicht zum Miss­fal­len des Publi­kums) ihren ver­se­hent­li­chen Hit „Popu­lar“ und an die­ser Stel­le hät­te die Men­ge auch gekocht, wenn das Kon­zert irgend­wo im Pack­eis und nicht in die­sem Stein­ofen statt­ge­fun­den hät­te. Wie Matthew Caws den Text in den Stro­phen so schnell spre­chen kann, wer­de ich aller­dings nie ver­ste­hen.

Heu­te spie­len Nada Surf übri­gens in Bie­le­feld. Sie ahnen nie, wel­che Band noch dabei ist …

  1. Nur alter­na­ti­ve Reg­gae-Kul­tur­zen­tren lau­fen noch weni­ger Gefahr, von mir besucht zu wer­den.[]
  2. Falls es Sie inter­es­siert: Auf der Lis­te stand bis­her nur das Immer­gut-Fes­ti­val in Neu­stre­litz.[]
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Musik Kultur

Ohne Ecken und Kanten

Ich mag Musik, wirk­lich. Ich mag Musik so sehr, dass ich jedes Jahr ein Hei­den­geld für Ton­trä­ger und Kon­zer­te aus­ge­be. Ger­ne wür­de ich den Musi­kern das Geld, das sie mei­ner Mei­nung nach dafür ver­dient haben, dass sie schö­ne wie trau­ri­ge Momen­te mei­nes Lebens unter­ma­len, selbst in die Hand drü­cken. Aber zwi­schen die Musi­ker und mich hat irgend­je­mand die Musik­in­dus­trie gesetzt.

Die Musik­in­dus­trie mag die Men­schen, von denen sie ihr Geld bekommt und die man anders­wo „Kun­den“ nennt, nicht so sehr. Sie kri­mi­na­li­siert sie, sie will sie aus­spio­nie­ren und sie will ihre Woh­nun­gen ver­schan­deln.

CD-Hülle (hinten), merkwürdiges Teil (vorne)

Im ver­gan­ge­nen Jahr kamen EMI und Uni­ver­sal in Euro­pa auf die absur­de Idee, Ton­trä­ger nicht mehr wie bis­her in die­sen ecki­gen Plas­tik­hül­len, den soge­nann­ten Jewel Cases, aus­zu­lie­fern, son­dern dafür Hül­len mit abge­run­de­ten Ecken zu neh­men, die Super Jewel Boxes. Die­se sol­len angeb­lich sta­bi­ler sein, haben aber den Nach­teil, dass man nicht ver­nünf­tig an das Book­let her­an­kommt, dass man die Hül­len nicht so leicht erset­zen kann, wenn sie doch mal kaputt gehen, und dass sie vor allem ziem­lich däm­lich aus­se­hen.

Im Regal wird die durch­ge­hen­de Kan­te, die alle neben­ein­an­der ste­hen­den CD-Hül­len sonst bil­de­ten, plötz­lich unschön unter­bro­chen von den neu­en Hül­len, die mit ihren Run­dun­gen aus­se­hen wie Kin­der­spiel­zeug für Drei­jäh­ri­ge.

Das war mir bis­her alles rela­tiv egal, denn bei CD Wow kann man die inter­na­tio­na­len Ver­sio­nen der CDs kau­fen. Zu Zei­ten des soge­nann­ten Kopier­schut­zes, der auf mei­nen Gerä­ten immer ein Abspiel­schutz war, bekam man dort ech­te CDs, die man sogar hören konn­te, spä­ter dann wei­ter­hin CDs in ecki­gen Hül­len. „Bekam“, denn heu­te kam die ers­te Lie­fe­rung von CD Wow mit run­den Ecken.

Oasis 1997 (eckig, hinten), Rihanna 2007 (abgerundet, vorne)

Wo Sie grad „Don’t judge a book by its cover“ sagen: Auch auf dem Buch­markt gibt es schlech­te Nach­rich­ten. Nach­dem man uns jah­re­lang mit extrem edlen, mat­ten Taschen­buch­co­vern beglückt hat­te, schwen­ken nun die ers­ten Ver­la­ge wie­der zu den extrem bil­lig aus­se­hen­den, Fin­ger­ab­druck­freund­li­chen Ein­bän­den in Hoch­glanz­op­tik zurück.

In was für einer Welt leben wir eigent­lich, wo schon die Mit­ar­bei­ter der Kul­tur­in­dus­trie jed­we­des ästhe­ti­sches Gespür ver­mis­sen lassen?????ß

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Musik Gesellschaft

Die Vergangenheit der Musikindustrie

Die wenigs­ten Jugend­li­chen, die heu­te Musik hören (und das sind laut neu­es­ten Umfra­gen 98% der Euro­pä­er), wer­den wis­sen, wel­ches Jubi­lä­um die­ser Tage began­gen wird: Vor 25 Jah­ren schloss Sony­Uni­ver­sal, die letz­te Plat­ten­fir­ma der Welt, ihre Pfor­ten. Ein Rück­blick.

Es war ein wich­ti­ger Tag für Deutsch­land, als der Bun­des­tag der Musik­in­dus­trie im Jahr 2009 das Recht ein­räum­te, soge­nann­te „Ter­ror­ko­pie­rer“ (die Älte­ren wer­den sich viel­leicht auch noch an den archai­schen Begriff „Raub­ko­pie­rer“ erin­nern) selbst zu ver­fol­gen und bestra­fen. Als unmit­tel­ba­re Fol­ge muss­ten neue Gefäng­nis­se gebaut wer­den, da die alten staat­li­chen Zucht­häu­ser dem Ansturm neu­er Insas­sen nicht Herr wer­den konn­ten. Dies war die Geburts­stun­de der Pri­so­nia AG, dem Kon­sor­ti­um von Bau- und Musik­in­dus­trie und heu­te wich­tigs­tem Unter­neh­men im EuAX. Die Wie­der­ein­füh­rung der Todes­stra­fe schei­ter­te im Jahr dar­auf nur am Veto von Bun­des­prä­si­dent Fischer – die gro­ße Koali­ti­on aus FDP, Links­par­tei und Grü­nen hat­te das Gesetz gegen die Stim­men der Pira­ten­par­tei, damals ein­zi­ge Oppo­si­ti­ons­par­tei im Bun­des­tag, ver­ab­schie­det.

Im Jahr 2011 fuhr der frisch fusio­nier­te Major War­ne­rE­MI den höchs­ten Gewinn ein, den je ein Unter­hal­tungs­kon­zern erwirt­schaf­tet hat­te. Kri­ti­ker wie­sen schon damals dar­auf hin, dass dies vor allem auf die völ­li­ge Abschaf­fung von Steu­ern für die Musik­in­dus­trie und die Tat­sa­che zurück­zu­füh­ren sei, dass die soge­nann­ten „Klin­gel­tö­ne“, klei­ne Musik­frag­men­te auf den damals so belieb­ten „Mobil­te­le­fo­nen“, für jede Wie­der­ga­be extra bezahlt wer­den muss­ten – eine Pra­xis, die War­ne­rE­MI zwei Jah­re spä­ter auch für sei­ne MP5-Datei­en ein­führ­te.

Die Anzei­chen für einen Stim­mungs­um­schwung ver­dich­te­ten sich, wur­den aber von den Unter­neh­men igno­riert: Der erfolg­reichs­te Solo-Künst­ler jener Tage, Jus­tin Tim­ber­la­ke, ver­öf­fent­lich­te sei­ne Alben ab 2010 aus­schließ­lich als kos­ten­lo­se Down­loads im Inter­net und als Delu­xe-Vinyl-Ver­sio­nen im „Apple Retro Store“. Heu­te fast ver­ges­se­ne Musi­ker wie Madon­na, Rob­bie Wil­liams oder die Band Cold­play folg­ten sei­nem Vor­bild. Hohn und Spott gab es in allen Medi­en für den dama­li­gen CEO von War­ne­rE­MI, als der in einem Inter­view mit dem Blog „FAZ.net“ hat­te zuge­ben müs­sen, die Beat­les nicht zu ken­nen.

Die­se öffent­li­che Häme führ­te zu einem umfas­sen­den Pres­se­boy­kott der Musik­kon­zer­ne. Renom­mier­te Musik­ma­ga­zi­ne in Deutsch­land und der gan­zen Welt muss­ten schlie­ßen, Musik­jour­na­lis­ten, die nicht wie die Redak­teu­re des deut­schen „Rol­ling Stone“ direkt in Ren­te – wie man es damals nann­te – gehen konn­ten, grün­de­ten eine Bür­ger­rechts­be­we­gung, die schnell ver­bo­ten wur­de. Die Lun­te aber war ent­facht.

Im Herbst 2012 kün­dig­te Prof. Die­ter Gor­ny, damals Vor­sit­zen­der der „Kon­sum-Agen­tur für Run­de Ton­trä­ger, Elek­tri­sche Lie­der und Licht­spie­le“ (K.A.R.T.E.L.L.), sei­ne Kanz­ler­kan­di­da­tur an, wor­über der dama­li­ge Bun­des­kanz­ler Gui­do Wes­ter­wel­le alles ande­re als erfreut war. Er setz­te neue Kom­mis­sio­nen für Medi­en- und Kul­tur­in­dus­trie ein und kün­dig­te eine mög­li­che Zer­schla­gung der Musik­kon­zer­ne an. Die­se fusio­nier­ten dar­auf­hin in einer „freund­li­chen feind­li­chen Über­nah­me“ am Euro­päi­schen Kar­tell­amt vor­bei zum Kon­zern Sony­Uni­ver­sal­EMI und droh­ten mit einer Abwan­de­rung in die Mon­go­lei und damit dem Ver­lust der rest­li­chen 300 Arbeits­plät­ze.

Aber weder Kanz­ler Wes­ter­wel­le noch das deut­sche Volk lie­ßen sich erpres­sen: Zum 1. Janu­ar 2013 muss­te MTVi­va den Sen­de­be­trieb ein­stel­len. Die neu­ge­grün­de­te Bun­des­me­di­en­auf­sicht unter Füh­rung des par­tei­lo­sen Ste­fan Nig­ge­mei­er hat­te dem Fern­seh­sen­der, der als soge­nann­ter Musik­ka­nal galt, die Sen­de­li­zenz ent­zo­gen, da die­ser weni­ger als die gesetz­lich gefor­der­ten drei Musik­vi­de­os täg­lich gespielt hat­te. Die Cas­ting­show „Euro­pa sucht den Super­star“ erwies sich für Sony­Uni­ver­sal­EMI als über­ra­schen­der Mega-Flop, der Wert des Unter­neh­mens brach um ein Drit­tel ein, das „EMI“ ver­schwand aus dem Namen.

Im Ber­li­ner Unter­grund grün­de­te sich die Deut­sche (heu­te: Euro­päi­sche) Musi­can­ten­gil­de. Deren heu­ti­ger Ehren­vor­sit­zen­de Thees Uhl­mann erin­nert sich: „Es war ja damals schon so, dass die klei­nen Bands ihr Geld aus­schließ­lich über Kon­zer­te machen konn­ten, die ja dann auch noch ver­bo­ten wer­den soll­ten. Erst haben wir unse­re CDs ja selbst raus­ge­bracht, aber als die Musik­kon­zer­ne dann die Her­stel­lung von CDs außer­halb ihrer Fabri­ken unter Stra­fe stel­len lie­ßen, muss­ten wir auf Kas­set­ten aus­wei­chen.“ Heu­te kaum vor­stell­bar: Das Magnet­band galt damals als so gut wie aus­ge­stor­ben, nur die klei­ne Manu­fak­tur „Tele­fun­ken“ pro­du­zier­te über­haupt noch Abspiel­ge­rä­te, die ent­spre­chend heiß begehrt waren.

Am 29. Novem­ber 2013, heu­te vor 25 Jah­ren, war es dann soweit: Der Volks­zorn ent­lud sich vor der Sony­Uni­ver­sal-Zen­tra­le am Ber­li­ner Reichs­tags­ufer. Das Medi­en­ma­ga­zin „Cof­fee & TV“ hat­te kurz zuvor auf­ge­deckt, dass die Musik­in­dus­trie jah­re­lang hoch­ran­gi­ge Mit­ar­bei­ter gedeckt hat­te, die durch „Ter­ror­ko­pie­ren“ auf­ge­fal­len waren. Wäh­rend der nor­ma­le Bür­ger für sol­che Ver­bre­chen bis zu sechs Jah­re ins Gefäng­nis muss­te, waren die Mana­ger und Pro­mo­ter straf­frei aus­ge­gan­gen. Als nun die Mut­ter des drei­jäh­ri­gen Tim­mie zu einem hal­ben Jahr Arbeits­dienst ver­ur­teilt wer­den soll­te, weil sie ihrem Sohn ein Schlaf­lied vor­ge­sun­gen hat­te, ohne die dafür fäl­li­gen Lizenz­ge­büh­ren von 1.800 Euro zah­len zu kön­nen, zogen die Bür­ger mit Fackeln und selbst gebas­tel­ten Gal­gen zum „Die­ter-Boh­len-Haus“ am Spree­bo­gen.

Das Gebäu­de brann­te bis auf die Grund­mau­ern nie­der, dann zog der Mob unter den Augen von Feu­er­wehr und Poli­zei wei­ter zur Zen­tra­le der „GEMA“ am Kur­fürs­ten­damm (der heu­ti­gen Toyo­ta-Allee). Wie durch ein Wun­der wur­de an die­sem Tag nie­mand ernst­lich ver­letzt. Die meis­ten Füh­rer der Musik­in­dus­trie konn­ten ins nord­ko­rea­ni­sche Exil flie­hen, den „klei­nen Fischen“ wur­de Straf­frei­heit zuge­si­chert, wenn sie ein Berufs­ver­bot akzep­tier­ten und einer drei­jäh­ri­gen The­ra­pie zustimm­ten.

Drei Tage spä­ter fand im Ber­li­ner Tier­gar­ten ein gro­ßes Kon­zert statt, die ers­te öffent­li­che Musik­auf­füh­rung in Euro­pa seit vier Jah­ren. Die Kili­ans, heu­te Rock­le­gen­den, damals noch jun­ge Män­ner, spiel­ten vor zwei Mil­lio­nen Zuhö­rern, wäh­rend die Bil­der von gestürz­ten Die­ter-Gor­ny-Sta­tu­en um die Welt gin­gen.

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You talkin‘ to me?

Ich fin­de es nach wie vor hoch­gra­dig selt­sam, wenn Leu­te mich um ein Inter­view bit­ten. Ich habe in mei­nem Leben bestimmt schon über hun­dert Inter­views geführt, da ist es eine merk­wür­di­ge Erfah­rung, plötz­lich auf der ande­ren Sei­te zu hocken.

Sophie von thekilians-anhaenger.de – einer, wie Sie rich­tig ver­mu­ten, Kili­ans-Fan­sei­te – hat aber nett nach­ge­fragt und da ich in Sachen Kili­ans ja vor bei­na­he nichts zurück­schre­cke, habe ich mich ger­ne in mei­ner Eigen­schaft als Kili­ans-Anhän­ger befra­gen las­sen.

Das Inter­view fin­den Sie hier.

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The Lonesome Crowded West

Ich hat­te ja noch gar nicht über „Der­Wes­ten“ geschrie­ben, das wahn­sin­ni­ge neue Online­por­tal der WAZ-Grup­pe. Etwas völ­lig neu­es soll­te es wer­den, Lokal­jour­na­lis­mus 2.0 oder sowas in der Art. Des­halb hat die Ent­wick­lung auch so lan­ge gedau­ert, dass für einen Beta-Test kei­ne Zeit mehr war. Und nach posi­ti­ven Erst­ein­drü­cken kris­tal­li­siert sich lang­sam her­aus: das Ding droht ein Desas­ter zu wer­den.

Ich nut­ze „Der­Wes­ten“ nicht son­der­lich inten­siv, möch­te aber ger­ne per RSS-Feed über die Gescheh­nis­se in Bochum und Dins­la­ken auf dem Lau­fen­den blei­ben. Nach dem Wech­sel vom alten Online-Auf­tritt der WAZ bzw. NRZ zu „Der­Wes­ten“ funk­tio­nier­ten die alten Feeds nicht mehr und ich muss­te mir müh­sam die neu­en raus­su­chen. Das kann bei einem kom­plet­ten Platt­form­wech­sel natür­lich schon mal pas­sie­ren, ist aber trotz­dem unglück­lich.

Seit unge­fähr drei Wochen wird im Bochu­mer Feed ein Bei­trag spa­zie­ren geführt, der immer da ist, auch wenn alle ande­ren Mel­dun­gen wech­seln. Die Über­schrift lau­tet:

Demenz: Noch vergesslich oder schon dement?

Das ist übri­gens die Ori­gi­nal-Über­schrift von derwesten.de in der Ori­gi­nal-Far­be.
Bit­te nicht mit unse­rer Ori­gi­nal-Far­be ver­wech­seln!

Was man aber wirk­lich von „Der­Wes­ten“ hal­ten kann, möch­te ich Ihnen anhand eines will­kür­li­chen Bei­spiels vor­füh­ren – wobei die Will­kür weni­ger bei mir als viel mehr auf Sei­ten der Por­tal­be­trei­ber zuhau­se zu sein scheint.

Begin­nen wir mit der gefet­te­ten Ein­lei­tung, die neben der Über­schrift übri­gens auch der ein­zi­ge Teil des Arti­kels ist, der im Feed­rea­der ange­zeigt wird – man muss also immer auf die Sei­te. 1 Beson­ders gut gefällt mir dabei der Cliff­han­ger zwi­schen Ein­lei­tung

Dort wo bald schon die Bag­ger für das Bochu­mer Kon­zert­haus anrü­cken sol­len, gibt es seit dem 16. …

und Arti­kel

… Novem­ber einen ganz beson­de­ren Park­platz.

Da hat „Der­Wes­ten“ von den Pro­fis gelernt, die bei sueddeutsche.de die Bil­der­ga­le­rien betex­ten. Müs­sen.

Geo-Tagging-Funktion bei “DerWesten”Die eigent­lich sehr sinn­vol­le Geo-Tag­ging-Funk­ti­on, mit der bei jedem Arti­kel der „Ort des Gesche­hens“ ange­zeigt wer­den soll, wird lei­der kaum genutzt – dafür sind näm­lich die User zustän­dig und deren Zahl liegt nach vier Wochen bei der eini­ger­ma­ßen depri­mie­ren­den Zahl von 5655.

In die­sem spe­zi­el­len Fall hät­te es aber natür­lich sehr gehol­fen zu erfah­ren, wo denn wohl der Park­platz, um den es die gan­ze Zeit geht, eigent­lich liegt – das wird ja wohl kaum jeder Bochu­mer auf Anhieb wis­sen. Ich will zu Guns­ten aller Betei­lig­ten mal davon aus­ge­hen, dass die Infor­ma­ti­on beim Umko­pie­ren des Tex­tes ver­lo­ren ging und nicht auch schon in der gedruck­ten WAZ aus­führ­lich über einen anony­men Park­platz berich­tet wur­de. Sie ahnen, in wel­chen Bah­nen wir uns bewe­gen, wenn wir zu Guns­ten der Betei­lig­ten von tech­ni­scher Unfä­hig­keit aus­ge­hen.

Abschlie­ßen möch­te ich aber mit einem Bild, das ja bekannt­lich mehr als tau­send Wor­te sagt. Oder in die­sem Fall auch mehr als zwei:

Unendlich viele Kommentare bei “DerWesten”

  1. „Spie­gel Online“ und n‑tv.de schi­cken nicht mal Kurz­fas­sun­gen oder Ein­lei­tung per RSS[]
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Wenn Journalisten ihre Tage haben

Am Sams­tag fand in der Bochu­mer Jahr­hun­dert­hal­le (bzw. in deren Foy­er) der Jour­na­lis­ten­tag NRW statt. Da traf man sich dann bei Kaf­fee und Fin­ger Food 1, herz­te die Kol­le­gen und alles war unge­fähr so, wie sich Klein Fritz­chen ein Tref­fen von Jour­na­lis­ten vor­stellt.

Hel­mut Dah­l­mann, Vor­sit­zen­der des DJV-Lan­des­ver­bands NRW, sag­te in sei­ner Eröff­nungs­re­de einen Satz, dem ich durch­aus zustim­men konn­te. Er lau­te­te „Die Pres­se ist kei­ne vier­te Gewalt mehr“. Einen Vor­schlag, wie man das ändern könn­te, gab es aber den gan­zen Tag über nicht. Es folg­te ein „Impuls“ von Prof. Die­ter Gor­ny, dem Erfin­der von Klin­gel­ton­re­kla­meab­spiel­sen­dern und des Pop­komm-Mexi­ka­ners (oder so), der für Erst­hö­rer 2 halb­wegs span­nend war. Aller­dings offen­bar­te das Refe­rat zum The­ma „Krea­tiv­wirt­schaft“ auch, war­um Deutsch­land auf abseh­ba­re Zeit kei­ne rele­van­te Kul­tur­na­ti­on sein wird: All das, was Gor­ny in durch­aus bes­ter Absicht vor­stell­te (Zitat: „Für die Deut­schen ist Krea­tiv­wirt­schaft der Muse­ums­shop, für die Eng­län­der Elec­tro­nic Arts.“), mag für eini­ge der Hörer und sicher auch für die Leu­te der RUHR.2010, deren künst­le­ri­scher Direk­tor er ist, unvor­stell­bar pro­gres­siv klin­gen, für mich waren Aus­füh­run­gen über das Copy­right Anek­do­ten aus der Medi­en­his­to­rie (Stich­wort Crea­ti­ve Com­mons).

Beson­ders gespannt war ich auf Gün­ter Wall­raff – immer­hin hat der Mann mit „Der Auf­ma­cher“ das Stan­dard­werk über „Bild“ geschrie­ben. Um „Bild“ ging es dann auch immer wie­der in dem von Ele Beuth­ner (WDR) sagen­haft kon­fus mode­rier­ten Gespräch, außer­dem um Wall­raffs berühm­te Recher­che­ar­bei­ten da, wo es weh­tut. Nach ein paar Minu­ten des Zuhö­rens fiel auf: Wenn Wall­raff über sei­ne Arbeit und sei­ne Erfol­ge redet, redet er vor allem über sich. Das darf er durch­aus als „Jour­na­lis­ten-Legen­de“, aber es ist für den Teil des Publi­kums, der nicht die gan­ze Zeit sab­bernd „Oh mein Gott, da vor­ne sitzt Gün­ter Wallraff!!!!!1“ dach­te, ein biss­chen ermü­dend. Mei­ne Fra­ge nach der Recher­chefaul­heit nam­haf­ter deut­scher Zei­tun­gen, die lie­ber auf „Bild“-Artikel ver­trau­en, als sel­ber in die Quel­len zu schau­en, beant­wor­te­te er mit einem aus­führ­li­chen Wolf-Schnei­der-Bas­hing und ehe er zum Punkt kom­men konn­te, hat­te Frau Beuth­ner die Dis­kus­si­on auch schon been­det.

Von beein­dru­cken­der Uner­gie­big­keit war das „Panel“ zum The­ma Digi­tal­hör­funk, bei dem Dr. Udo Becker, der Geschäfts­füh­rer des Zei­tungs­ver­le­ger­ver­ban­des NRW, Jan Marc Eumann, Medi­en­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD-Land­tags­frak­ti­on, und WDR-Hör­funk­di­rek­tor Wolf­gang Schmitz in brü­der­li­cher Ein­tracht das wie­der­hol­ten, was ich auch schon zwei Wochen zuvor beim „Cam­pus­ra­dio-Tag NRW“ zum glei­chen The­ma gehört hat­te: So genau weiß kei­ner, wie Digi­tal­hör­funk funk­tio­nie­ren wird und wann er kommt, aber er kommt bestimmt irgend­wann und dann tei­len WDR und die Zei­tungs­ver­le­ger das Land unter sich auf wie die Groß­her­zö­ge. Dass sich Medi­en­men­schen in Zei­ten von Inter­net und Euro­päi­scher Uni­on ernst­haft dar­über beschwe­ren, dass man im Süden NRWs auch Radio­pro­gram­me des SWR emp­fan­gen kann, ist eigent­lich schon einen eige­nen Ein­trag wert, soll hier aber nur eine Ran­dan­ek­do­te abge­ben.

Kurz vor dem „Get-Tog­e­ther“, bei dem nie­mand mehr anwe­send war, hör­te ich mir noch an, was André Boße, Chef­re­dak­teur vom Inter­view-Maga­zin „Galo­re“ zum The­ma Inter­view und Redak­ti­ons­grün­dung zu sagen hat­te. Durch­aus offen sprach er über das Pro­blem, ohne zah­lungs­kräf­ti­gen Ver­lag und damit auch ohne Rei­se-Etat arbei­ten zu müs­sen, was dazu füh­re, dass Aus­lands­rei­sen von den Film- oder Plat­ten­fir­men bezahlt wür­den, was wie­der­um schnell zu gewis­sen Ein­fluss­nah­men und Abhän­gig­kei­ten füh­ren kön­ne. Man ach­te aber sehr genau dar­auf, kei­ne äuße­re Ein­fluss­nah­me zuzu­las­sen. „Public“, die Wer­be­bei­la­ge für Abon­nen­ten, hat er nicht erwähnt.

Am Ende war vor allem der direk­te Ver­gleich zum Cam­pus­ra­dio-Tag inter­es­sant: Die Pro­fis unter­schei­den sich nicht groß von den Ama­teu­ren, es ist eine Art Klas­sen­tref­fen mit ein paar ober­fläch­li­chen Podi­ums­dis­kus­sio­nen. Es sind kei­ne unspan­nen­den Ver­an­stal­tun­gen, aber man lernt mehr über die Bran­che als über Inhal­te. Was mich aber irgend­wie beru­hig­te: Die span­nen­den und etwas kri­ti­sche­ren Publi­kums­fra­gen kamen grund­sätz­lich von den jün­ge­ren Kol­le­gen.

  1. Bin ich eigent­lich der Ein­zi­ge, der das Wort „Fin­ger Food“ unglaub­lich ekel­haft fin­det? (Ande­rer­seits heißt Hun­de­fut­ter ja auch „Hun­de­fut­ter“ …) []
  2. Dju­re mein­te hin­ter­her, Gor­ny erzäh­le jedes Mal das Glei­che, was ich ger­ne zu Glau­ben bereit bin.[]