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Digital Leben

Zettel-Traum

Tho­mas schrieb in den Kom­men­ta­ren zum Bei­trag über mein selbst­ge­mal­tes Schild im Trep­pen­haus:

Ein­fach noch einen Zet­tel schrei­ben. Mit Recht­schreib­feh­lern, mehr Unter­strei­chun­gen und WICHTIGEN WÖRTERN IN GROSSBUCHSTABEN!!!!! So ähn­lich wie die Zet­tel am Dins­la­ke­ner Bahn­hof bit­te.

Damit konn­ten Sie als Nicht-Dins­la­ke­ner ver­mut­lich wenig anfan­gen.

Das macht aber nichts, denn es gibt ein wun­der­ba­res Blog, das die geheim­nis­vol­len Zet­tel am Dins­la­ke­ner Bahn­hof minu­ti­ös doku­men­tiert. Seit andert­halb Jah­ren foto­gra­fiert und kom­men­tiert der mir unbe­kann­te Blog­ger alle neu­en Bot­schaf­ten, die man am Bahn­steig und in der Ein­gangs­hal­le lesen kann.

Mein bis­he­ri­ges Lieb­lings­mo­tiv:

Verbot!! Wer besitzt die Unverschämtheit und bringt von zu Hause Mülltüten hier mit und wirft diese in die Behälter der DB? Nur für Reiseabfall. Benutzen Sie zu Hause für Ihren Müll. Ihre Restmülltonne.

Aber nicht nur die Expo­na­te selbst sind sen­sa­tio­nell, auch die dazu­ge­hö­ri­gen Kom­men­ta­re sor­gen immer wie­der für Lacher.

So wie die­ser hier:

Was auf den ers­ten Blick wie ein altes, bekann­tes Hin­weis­schild­chen aus­schaut, ent­puppt sich bei genau­er Betrach­tung als ein Hin­weis­schild­chen der vier­ten oder fünf­ten Gene­ra­ti­on. Immer wie­der neu muss hier also mit Hil­fe von Freund Tesa­film für den frei­en Zugang zum Abfall­be­häl­ter gekämpft wer­den.

Hin­ter die­sen omi­nö­sen Zet­teln steckt ver­mut­lich Man­fred Rei­ners, ein Rent­ner, der sich seit eini­gen Jah­ren ehren­amt­lich um den ansons­ten völ­lig her­un­ter­ge­kom­me­nen Dins­la­ke­ner Bahn­hof küm­mert und es damit immer­hin schon zu Erwäh­nun­gen im Lokal­teil der „Rhei­ni­schen Post“, in der „Wirt­schafts­wo­che“ und beim WDR gebracht hat.

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Musik Digital

Auswärtsspiel: Einer der 100 besten Songs aller Zeiten

Nilz Bokel­berg ver­öf­fent­licht in sei­nem Blog zur Zeit die defi­ni­ti­ve, unum­stöß­li­che Lis­te mit den 100 bes­ten Songs aller Zei­ten (kei­ne Dis­kus­si­on!). Vor einer Woche ging es los, inzwi­schen nähert er sich den Top 25.

Neben vie­len ande­ren Blog­gern durf­te auch ich einen Bei­trag zu die­ser Lis­te lie­fern. Weil ich die­ses kano­ni­sche „aller Zei­ten“ immer eini­ge Wochen mit mir dis­ku­tie­ren muss („Ele­a­n­or Rig­by“ oder „It’s All Over Now, Baby Blue“, „Bridge Over Trou­bled Water“ oder „Lon­don Cal­ling“?), habe ich lie­ber mein Lieb­lings­lied genannt. Da dau­ert die Ent­schei­dung meis­tens nur weni­ge Stun­den.

Letzt­lich ist mein Bei­trag für die Lis­te also „Such Gre­at Heights“ von The Pos­tal Ser­vice. War­um ich das den­ke, kön­nen Sie bei Nilz lesen. Auf Platz 26.

PS: Nilz Bokel­berg selbst wie­der­um hat heu­te einen Gast­auf­tritt bei „Spie­gel Online“, wo er sich an den Sen­de­start von Viva erin­nert. Das ist ver­mut­lich span­nen­der als das, was ich über einen ein­zel­nen Pop­song zu schrei­ben habe.
PPS: Nilz Bokel­bergs Nach­na­me erzeugt bei mir immer eine gewis­se Weh­mut, weil es mich an den Bökel­berg erin­nert.
PPPS: Nilz Bokel­berg hat mir schon öfter geschrie­ben, was für cra­zy Geschich­ten er über die Dins­la­ke­ner Kult­knei­pe „Ulcus“ kennt. Ich habe mitt­ler­wei­le Grund zu der Annah­me, dass er die­se Geschich­ten mal von mei­nem Anwalt gehört haben könn­te.

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Musik Digital

Wenn ein Königreich zerfällt

Zum ers­ten Mal habe ich vor acht Jah­ren von Leo­na Naess gehört, als ihr Album „Coma­tis­ed“ erschien. Ihr fast per­fek­ter Pop­song „Charm Attack“ hat es auf zahl­rei­che Kas­set­ten­mäd­chen­kas­set­ten geschafft, die ich über die Jah­re auf­ge­nom­men habe. Dann habe ich lan­ge nichts mehr von ihr gehört (also von Leo­na Naess jetzt, obwohl: auch von vie­len Mix­tape-Emp­fän­ge­rin­nen).

Schon der ers­te Satz in ihrem Wiki­pe­dia-Ein­trag klingt nach der ganz gro­ßen, ganz wei­ten Welt. Man möch­te sie sofort ken­nen­ler­nen:

Naess was born in New York City and rai­sed in Lon­don. She is the daugh­ter of Filip­pa Kum­lin D’Orey, a Swe­dish-Bra­zi­li­an inte­ri­or desi­gner and Arne Næss, Jr., a Nor­we­gi­an moun­tai­neer and busi­ness magna­te.

Jetzt stel­le ich fest, dass sie in der Zwi­schen­zeit eini­ge Alben auf­ge­nom­men und sie vor fünf Jah­ren mal mit Ryan Adams ver­lobt war – und mit dem zusam­men hat sie eine beson­de­re Ver­si­on ihres Songs „Lea­ve Your Boy­fri­end Behind“ („nor­ma­le“ Ver­si­on hier) auf­ge­nom­men. Das Ergeb­nis kann man sich bei spin.com anhö­ren.

Es ist ein span­nen­der Song, der zwi­schen Jazz in den Stro­phen und Coun­try im Refrain schwankt und der eine unglaub­li­che Dra­ma­tik ent­wi­ckelt, wenn man um den per­sön­li­chen Hin­ter­grund der bei­den Künst­ler weiß.

Oder wie Peter Gas­ton bei spin.com schreibt:

„We’­re not rea­dy,“ Leo­na Naess and Ryan Adams har­mo­ni­ze. „We’­re not even clo­se.“ It’s one of tho­se powerful lines that a sad­den­ed lover might post as a Face­book sta­tus update, or as an AIM away mes­sa­ge.

But when sung by a form­er­ly smas­hing cou­ple, it weighs a ton.

Ich mag den Ver­weis auf die Sta­tus­nach­rich­ten bei Face­book, die heut­zu­ta­ge all das Her­um­te­le­fo­nie­ren und „Aber sag’s erst mal keinem“-Sagen im Freun­des­kreis abge­löst haben. Irgend­wann steht dann da „… is no lon­ger lis­ted as in a rela­ti­onship“ und die Sache ist zwar noch lan­ge nicht durch, aber doch fast so offi­zi­ell wie die schrift­li­che Ver­kün­dung ihrer Ver­lo­bung, die mei­ne Groß­el­tern vor 54 Jah­ren noch an 500 Adres­sa­ten ver­schickt haben. (Ich habe dazu übri­gens auch noch einen lesens­wer­ten Arti­kel zum The­ma rela­ti­onship sta­tus gefun­den.)

Doch ich gera­te aus dem Glei­se: Kau­fen kann man die Duett-Ver­si­on von „Lea­ve Your Boy­fri­end Behind“ lei­der nur als Bonus­track im ame­ri­ka­ni­schen iTu­nes-Store. Auf der CD-Ver­si­on, die auch in Deutsch­land erhält­lich ist, fehlt sie.

[via Visi­ons]

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Politik Unterwegs

Unter Grünen: Über Menschenrechte

Das mit Clau­dia Roth und mir ist irgend­wie komisch: im Fern­se­hen fin­de ich sie (wenn sie nicht gera­de bei „Zim­mer frei“ zu Gast ist) uner­träg­lich. Ich kann ihren Sät­zen nicht fol­gen, ich weiß hin­ter­her nicht, was sie der Welt sagen – oder bes­ser: zuru­fen – woll­te. Sie ist mir zu emo­tio­nal, zu laut, ja, letzt­lich: zu enga­giert.

Jetzt stand sie hier gera­de und hielt eine Rede zum The­ma „60 Jah­re Men­schen­rech­te“ und war wie­der emo­tio­nal, laut und enga­giert. Aber in der Hal­le habe ich zumin­dest ver­stan­den, war­um man die­se Frau die „See­le der Par­tei“ nennt: sie reißt ihre Par­tei­freun­de mit, weil sie emo­tio­nal und enga­giert ist – und laut, zu laut. Aber mehr­stün­di­ge Dis­kus­sio­nen, ob man jetzt die­ses Wort aus einem Antrag strei­chen oder jenes hin­zu­fü­gen soll­te, brau­chen als Gegen­pol wohl eine Par­tei­vor­sit­zen­de, die ein wenig mut­ter­bei­mert. Dass ich ihr beim The­ma Men­schen­rech­te und ihrer Kri­tik an der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung zustim­me, war ja vor­her schon abzu­se­hen.

Was also hat sie der Welt zuge­ru­fen? Im Dezem­ber wird die All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te 60 Jah­re alt. Roth warn­te vor „Sonn­tags­re­den“ und Lip­pen­be­kennt­nis­sen zu die­sem Anlass. Im Hin­blick auf Guant­anomo und Abu Ghraib wet­ter­te sie: „Kei­ne Demo­kra­tie ist wirk­lich stark, wenn in ihr die Men­schen­rech­te miss­ach­tet wer­den.“ Der Kampf gegen den inter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus dür­fe kein „Gene­ral­schlüs­sel“ sein, um Men­schen­rech­te aus­zu­he­beln: „Sie gel­ten für jeden Men­schen auf die­ser Welt.“

Anders als bei der Atom­ener­gie- und der Finanz­markt­de­bat­te war ich am The­ma Men­schen­rech­te per­sön­lich inter­es­siert und konn­te den ers­ten zehn, zwölf Rede­bei­trä­gen auch noch fol­gen. Aber dann war es wie­der vor­bei: alle wün­schen sich mehr Men­schen­rech­te, aber jeder muss noch ein­mal einen beson­de­ren Focus auf das The­ma legen. Jede ein­zel­ne Rede ist ihrem Red­ner inhalt­lich sicher sehr wich­tig, aber ich bezweif­le schon, dass die Par­tei­freun­de dem zwan­zigs­ten Red­ner über­haupt noch rich­tig zuhö­ren (kön­nen) – von den Außen­ste­hen­den ganz zu schwei­gen.

Wie­der wach wur­de ich dann bei dem Red­ner, der davor warn­te, sich blind hin­ter Barack Oba­ma zu stel­len, und for­der­te, lie­ber mit den ame­ri­ka­ni­schen Grü­nen zu koope­rie­ren. Also jener Par­tei, der man vor­wirft, durch ihren Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten im Jahr 2000 Geor­ge W. Bush den Weg ins Wei­ße Haus erst geeb­net zu haben.

Weil ich gera­de kaum zu ande­ren The­men kom­me – und weil es irgend­wie zum The­ma Pres­se- und Mei­nungs­frei­heit passt – möch­te ich Ihnen hier noch zwei Link­tipps geben: Da ist zum einen die Kam­pa­gne, die der Deut­sche Fuß­ball­bund gera­de gegen den frei­en Sport­jour­na­lis­ten Jens Wein­reich fährt, und zum ande­ren Lutz Heil­mann, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter der Links­par­tei, der gericht­lich gegen wikipedia.de vor­ge­gan­gen ist, weil ihm der Ein­trag zu sei­ner Per­son miss­fiel.

Beach­ten Sie für alle Par­tei­tags-Bei­trä­ge bit­te die Vor­be­mer­kun­gen.

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Politik Gesellschaft

„Mit größter Präzision“

Mahnmal in Dinslaken, geschaffen von Alfred Grimm

Zu den ganz gro­ßen Rät­seln der Mensch­heits­ge­schich­te, die einem den Glau­ben an Zufäl­le eini­ger­ma­ßen madig machen, zählt der 9. Novem­ber. Zu dem Umstand, dass so vie­le wich­ti­ge Ereig­nis­se an jenem 9.11., dem „Schick­sals­tag der Deut­schen“, statt­fan­den (wobei die Ereig­nis­se von 1923 und 1938 natür­lich auf die von 1918 auf­bau­ten), kommt auch noch hin­zu, dass die ame­ri­ka­ni­sche Schreib­wei­se des 11. Sep­tem­bers „9/​11“ lau­tet. Dar­über haben sich über­haupt noch nicht genug Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker Gedan­ken gemacht.

Anläss­lich des sieb­zigs­ten Jah­res­tags der Novem­ber­po­gro­me von 1938 möch­te ich Sie heu­te auf einen Text auf­merk­sam machen, den ich vor eini­ger Zeit im Inter­net gefun­den habe. Yitz­hak Sopho­ni Herz, der zu die­ser Zeit Direk­tor des jüdi­schen Wai­sen­hau­ses in Dins­la­ken war, hat ihn geschrie­ben.

At 9:30 A.M. the bell at the main gate rang per­sis­t­ent­ly. I ope­ned the door: about 50 men stor­med into the house, many of them with their coat- or jacket-col­lars tur­ned up. At first they rus­hed into the dining room, which for­t­u­na­te­ly was emp­ty, and the­re they began their work of des­truc­tion, which was car­ri­ed out with the utmost pre­cis­i­on.

Hier errichteten 1885 die Juden unserer Stadt ein Waisenhaus. Bis zur Zerstörung durch die Naziverbrecher wurden hier jüdische Vollwaisen betreut.

Herz beschreibt dar­in mit erstaun­li­cher Sach­lich­keit die Zer­stö­rung des jüdi­schen Wai­sen­hau­ses und der Syn­ago­ge, also von zwei Gebäu­den, von denen ich nicht viel mehr weiß als dass sie dort stan­den, „wo jetzt die Boh­len-Pas­sa­ge ist“ und „da, wo jetzt die Spiel­hal­le ist“. Und er schreibt über Leu­te, mit denen ich noch im glei­chen Super­markt ein­ge­kauft oder in der glei­chen Kir­che geses­sen haben kann, ohne von ihrer Geschich­te zu wis­sen:

[T]he seni­or poli­ce offi­cer, Frei­hahn, shou­ted at us: „Jews do not get pro­tec­tion from us! Vaca­te the area tog­e­ther with your child­ren as quick­ly as pos­si­ble!“ Frei­hahn then cha­sed us back to a side street in the direc­tion of the back­yard of the orpha­na­ge. As I was unable to hand over the key of the back gate, the poli­ce­man drew his bayo­net and forced open the door. I then said to Frei­hahn: „The best thing is to kill me and the child­ren, then our ordeal will be over quick­ly!“ The offi­cer respon­ded to my „sug­ges­ti­on“ mere­ly with cyni­cal laugh­ter.

Der frühere Standort der Synagoge in DinslakenIch hal­te sol­che Schil­de­run­gen aus der eige­nen Hei­mat­stadt für aus­sa­ge­kräf­ti­ger als jede Tabel­le mit abs­trak­ten Zah­len. Man beginnt zu begrei­fen, was da in der Stadt los war, in der man sel­ber 45 Jah­re spä­ter leb­te.

Aber auch wenn Sie noch nie in Dins­la­ken waren, sei Ihnen „Descrip­ti­on of the Riot at Dins­la­ken“ von Yitz­hak Sopho­ni Herz drin­gend zur Lek­tü­re emp­foh­len.

Eine gekürz­te deut­sche Über­set­zung des Tex­tes und wei­te­re Augen­zeu­gen­be­rich­te aus jener Nacht in Dins­la­ken fin­den Sie auf der Web­site der Städ­te­part­ner­schaft von Dins­la­ken mit dem israe­li­schen Arad.

Wei­te­re Fak­ten zur jüdi­schen Gemein­de in Dins­la­ken gibt es hier, einen Aus­zug aus einem Buch des Dins­la­ke­ner Holo­caust-Über­le­ben­den Fred Spie­gel kön­nen Sie hier lesen.

Das Foto ganz oben zeigt das Mahn­mal für die Opfer der Pogrom­nacht in Dins­la­ken, geschaf­fen von Alfred Grimm.

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Digital

Heute im Premium-Angebot

Liebes-Aus: Boris sucht nach der großen Liebe. Nächstes Jahr: Franka Potente will heiraten. Liebes-Aus: Becker trennt sich von Sandy.

RP Online-Geschäfts­füh­rer Oli­ver Eckert muss der­zeit viel Kri­tik ein­ste­cken: das Inter­net­an­ge­bot der „Rhei­ni­schen Post“ wird fast täg­lich von Deutsch­lands bekann­tes­ten Blog­gern mit Häme über­zo­gen. Zu bunt, zu nach­läs­sig recher­chiert, zu „klick­geil“ heißt es immer wie­der.

Bei Mee­dia gibt es ein Inter­view mit Oli­ver Eckert, dem Geschäfts­füh­rer von „RP Online“.

Der beant­wor­tet dort die Fra­gen, ob er der Prü­gel­kna­be der Blogo­sphä­re sei („Nein, über­haupt nicht.“), war­um die Tex­te auf dem von ihm ver­ant­wor­te­ten Por­tal mit­un­ter klin­gen, als sei­en sie von einem Acht­jäh­ri­gen geschrie­ben wor­den (die­se Fra­ge wur­de lei­der nicht wört­lich gestellt, er schob es aber aufs „News­flow-Prin­zip“), und wie viel Bou­le­vard „eine erfolg­rei­che Web­sei­te“ ver­tra­ge brau­che („Unse­re bei­den Res­sorts Gesell­schaft und Pan­ora­ma machen jeweils nur einen ein­stel­li­gen Pro­zent­satz unse­rer Gesamt­reich­wei­te aus.“).

Fra­gen wie die, ob das Redak­ti­ons­sys­tem von „RP Online“ so etwas wie eine Recht­schreib­prü­fung habe, oder wie es offen­sicht­li­che Schleich­wer­bung in das erfolg­reichs­te deut­sche Regio­nal­por­tal schafft, wur­den lei­der nicht gestellt.

Man erfährt nicht also viel neu­es, außer dass „RP Online“ ein „Pre­mi­um-Ange­bot“ sei. Und das ist ver­mut­lich so etwas ähn­li­ches wie eine „Pre­mi­um-Braue­rei“.

Oder so.

[via Kat­ti]

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Politik Gesellschaft

(Not) My Generation

„Welt Debat­te“ ist ein Ange­bot, das ich bis­her eher vom Hören­sa­gen kann­te. Ich kann mich auf welt.de nicht lan­ge auf­hal­ten, weil ich es für eines der schlimms­ten die­ser klick­hu­ren­den Mons­ter hal­te, die sich not­dürf­tig das Män­tel­chen „Online­jour­na­lis­mus“ über­ge­wor­fen haben, und mich die dor­ti­gen Leser­kom­men­ta­re immer wie­der tief in mei­nem Glau­ben an die Wich­tig­keit der Mei­nungs­frei­heit erschüt­tern.

Wenn also irgend­je­mand bei „Welt Debat­te“ irgend­was schreibt, krie­ge ich das höchs­tens über Umwe­ge mit. So auch im Fall von Gideon Böss, der dort bloggt. Herr Böss ist der glei­che Jahr­gang wie ich, womit die Gemein­sam­kei­ten im Gro­ßen und Gan­zen auch schon genannt wären. Dass es Kon­ser­va­ti­ve in mei­nem Alter gibt, über­rascht mich immer ein biss­chen, aber das ist ja nicht wei­ter schlimm, ver­schie­de­ne Mei­nun­gen sol­len wir alle haben und wir sol­len sie alle frei äußern kön­nen, ohne uns dafür gegen­sei­tig an die Gur­gel zu sprin­gen, nur so wird’s was mit der Dis­kus­si­ons­kul­tur.

Herr Böss macht es einem indes schwer mit dem Nicht-Gur­gel­sprin­gen, hat er doch offen­bar die Henryk‑M.-Broder-Schule für Pole­mik und Recher­che­schwä­che besucht, was sei­nen Posi­tio­nen ein biss­chen die Schlag­kraft nimmt.

Ver­gan­ge­ne Woche hat er über einen Besuch des frü­he­ren ira­ni­schen Prä­si­den­ten Moham­mad Chat­a­mi gebloggt und die­sen Mann, der als der ers­te Refor­mer in einem wich­ti­gen poli­ti­schen Amt im Iran gilt, eine „Gali­ons­fi­gur des ira­nisch-isla­mis­ti­schen Ter­rors“ genannt.

Über­haupt sei­en deut­sche Uni­ver­si­tä­ten viel zu links:

Irgend­wie ist die orga­ni­sier­te Stu­den­ten­schaft immer ent­we­der reli­gi­ös, anti­ka­pi­ta­lis­tisch oder glo­ba­li­sie­rungs­kri­tisch und wer­te­re­la­ti­vis­tisch ist sie sowie­so.

Nun wäre es natür­lich eine span­nen­de Fra­ge, war­um sich Herr Böss, der anschei­nend stu­diert hat, dann nicht für sei­ne Inter­es­sen in der Stu­den­ten­schaft orga­ni­siert hat. Es wäre auch span­nend, sich durch die Kom­men­ta­re zu kämp­fen, aber das haben mir mei­ne Ärz­te und Schrei­ner ver­bo­ten: Herz, Zäh­ne und Tisch­plat­ten sind nicht unend­lich belast­bar.

Ges­tern hat er dann nach­ge­legt und mal so rich­tig der­be mit sei­ner (unge­nann­ten) Uni abge­rech­net:

Mein Vor­schlag wäre, zuerst ein­mal alles aus der Uni zu ver­ban­nen, was mit Wis­sen­schaft nichts zu tun hat. Der gan­ze Gen­der-Quatsch zum Bei­spiel. Ich muss­te drei­mal im Ver­lauf des Stu­di­ums sol­che Kur­se besu­chen. Da lern­te ich, dass es eine gesell­schaft­li­che Kon­struk­ti­on ist, dass es nur zwei Geschlech­ter gibt. In Wahr­heit gibt es mehr, wobei die genaue Zahl nicht klar ist.

Herr Böss ver­tritt also noch nicht mal ein kon­ser­va­ti­ves Welt­bild, er ver­tritt ein schwarz-wei­ßes Welt­bild: wich­tig vs. unwich­tig, Mann vs. Frau, gut vs. böse, rechts vs. links. Da ist man mit dem Welt­s­or­tie­ren schnel­ler fer­tig und hat mehr vom Tag.

Und dann bro­dert es nur so aus ihm hin­aus:

Noch eine Num­mer här­ter wird es bei den Hard­core-Femi­nis­tin­nen, für die Kin­der, die von ihrem Vater ver­ge­wal­tigt wur­den, genau­so trau­ma­ti­siert sind wie Holo­caust-Über­le­ben­de (der Ver­such, die Lei­dens­ge­schich­te der Juden als Blau­pau­se für die Unter­drü­ckung der Frau­en zu miss­brau­chen, gehört mit zum geschmack­lo­ses­ten des Femi­nis­mus Made by Ali­ce Schwar­zer). Wir ler­nen also, dass ein Kind zwei Eltern­tei­le hat: eine lie­ben­de Mut­ter und Ausch­witz.

Ver­ge­wal­tig­te Kin­der tau­gen für Herrn Böss also gera­de noch zur scha­len (und inko­hä­ren­ten) Poin­te. Ich sehe eine gro­ße Zukunft für ihn im deut­schen Gei­fer­ge­wer­be.

Und weil ich mich kei­ne Minu­te län­ger mit Herrn Böss‘ miss­glück­tem Ver­such einer Debat­te befas­sen will, ver­wei­se ich statt­des­sen auf die­se klu­ge Replik von Mar­tin Spind­ler, der all das in Wor­te fasst und unter­mau­ert, was ich sel­ber nur raus­ge­gei­fert gekriegt hät­te.

[via riv­va]

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Literatur Politik

Präsidialer Buchclub

Gut, dass ich in Deutsch­land gebo­ren wur­de, denn so kann ich nie als US-Prä­si­dent kan­di­die­ren. Denn selbst wenn ich Par­tei­in­ter­ne Gra­ben­kämp­fe und Fern­seh­de­bat­ten über­stün­de und wider Erwar­ten genug Geld für mei­ne Kam­pa­gne gesam­melt bekä­me, an einer Stel­le wür­de ich furi­os schei­tern: bei der Nen­nung mei­ner Lieb­lings­bü­cher.

Denn was sagt es über mich als Men­schen aus, wenn ich in die­sem Zusam­men­hang „Per Anhal­ter durch die Gala­xis“ von Dou­glas Adams, „High Fide­li­ty“ von Nick Horn­by und „Gegen den Strich“ von Jor­is-Karl Huys­mans nen­ne? Eben: Dass ich ein sozio­pa­thi­scher Nerd bin, dem sei­ne CD-Samm­lung wich­ti­ger ist als alles ande­re. Die ein­zi­gen Stim­men, die ich bekä­me, kämen aus Staats­ge­fäng­nis­sen, Plat­ten- und Rol­len­spiel­lä­den.

Ich könn­te natür­lich auch ein biss­chen mogeln bei mei­ner Lis­te, so wie es angeb­lich alle tun und wie es mut­maß­lich auch John McCain und Barack Oba­ma getan haben. Die nann­ten näm­lich „For Whom the Bell Tolls“ von Ernest Heming­way, „Im Wes­ten nichts Neu­es“ von Erich Maria Remar­que und „The Histo­ry of the Decli­ne and Fall of the Roman Empire“ von Edward Gib­bon (McCain) bzw. „Song of Solo­mon“ von Toni Mor­ri­son, „Moby-Dick“ von Her­man Mel­ville und der Essay „Self-Reli­ance“ von Ralph Wal­do Emer­son (Oba­ma).

Ich habe von all die­sen Büchern nur „Im Wes­ten nichts Neu­es“ gele­sen und weiß so unge­fähr, was bei Heming­way und Mel­ville pas­siert, von daher kann ich zu den lite­ra­ri­schen Favo­ri­ten der Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten wenig sagen – aber dafür gibt es ja den „San Fran­cis­co Chro­nic­le“, der eine Rei­he von Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lern, Schrift­stel­lern und sons­ti­gen Exper­ten befragt hat. Sie erklä­ren unter ande­rem, dass es ein wenig über­ra­sche, dass McCain gleich zwei Anti-Kriegs­ro­ma­ne nen­ne, es im Gegen­satz dazu aber ziem­lich nahe­lie­gend sei, dass Oba­ma das Buch von Toni Mor­ri­son mag, in dem sich ein jun­ger, schwar­zer Mann auf die Suche nach sei­ner Iden­ti­tät begibt.

Wo sie schon mal dabei sind, geben die glei­chen Leu­te auch noch Tipps, was der zukünf­ti­ge Prä­si­dent unbe­dingt lesen soll­te. Und da ist viel­leicht auch was für Leser dabei, die nie US-Prä­si­dent wer­den woll­ten.

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Film Gesellschaft

Ungesundes Merchandise

Ich habe es noch nicht geschafft, mir „High School Musi­cal 3“ anzu­se­hen (aber ich wer­de es, das ver­spre­che ich).

Ich möch­te Sie aber auf ein Inter­view auf­merk­sam machen, das NPR mit Ken­ny Orte­ga, dem Regis­seur der „High School Musical“-Filme, geführt hat.

Auf die Fra­ge, was er eigent­lich von die­sem gan­zen Mer­chan­di­se (Ruck­sä­cke, Bett­wä­sche, Schlüs­sel­an­hän­ger, Unter­wä­sche, you name it …) zu „High School Musi­cal“ hal­te, reagier­te er zunächst ein­mal mit einem lan­gen, nach­denk­li­chen Seuf­zer und sag­te dann:

Well, you know, that’s a tough one for me, you know. Tho­se are the folks that give us the money to make the movies. And I would just say that it’s, you know, the par­ents just have to like … be the ones in char­ge. Disney’s gon­na put out wha­te­ver they can put out. There’s a hun­ger for the mer­chan­di­se, but I also think that, you know, at a cer­tain point, it would be unhe­alt­hy to allow too much of it into an individual’s life.

Ich den­ke, mit die­ser Ein­stel­lung wird er sowohl Dis­ney, als auch so man­che Eltern ver­är­gert haben, die ihren Kin­dern erklä­ren müs­sen, war­um sie nicht auch noch die HSM-But­ter­brot­do­se haben kön­nen. Aber ich fin­de sei­ne Ein­stel­lung erfri­schend ehr­lich.

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Wissensvorsprung

Mir wird ja hin und wie­der vor­ge­wor­fen, ich wür­de immer alles so schreck­lich nega­tiv sehen und mich völ­lig in mei­nen „Hass“ auf „RP Online“ ver­ren­nen.

Kom­men wir des­halb nun mal zu etwas Posi­ti­vem: der glo­ba­len Finanz­kri­se.

Ras­hi­da Jones („The Office“) und Nata­lie Port­man (tolls­te Frau der Welt) haben eine Lösung dafür gefun­den, die nicht „42“ lau­tet, die sie aber auf funnyordie.com der Welt­öf­fent­lich­keit mit­tei­len.

Bit­te sehr:

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See more Nata­lie Port­man vide­os at Fun­ny or Die

[via natalieportman.com]

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Digital

Auswärtsspiel: Max & Malte Podcast

Durch eine Ver­ket­tung von Zufäl­len fand ich mich ges­tern Abend in einer Ber­li­ner Alt­bau­woh­nung wie­der, wo gera­de ein Pod­cast auf­ge­zeich­net wur­de. Der eigent­li­che Gast hieß Ste­fan Nig­ge­mei­er, aber weil im Web 2.0 vie­les so spon­tan ist, durf­te ich ihm immer wie­der das Mikro­fon ent­rei­ßen, was dann häss­li­che Stör­ge­räu­sche gab.

Unse­re Gast­ge­ber hie­ßen Max und Mal­te, an die vie­len The­men kann ich mich nicht mehr wirk­lich erin­nern und das gan­ze ist mehr als zwei Stun­den lang.

Wenn Sie das alles noch nicht abge­schreckt hat, kön­nen Sie den Pod­cast bei Spree­blick hören und her­un­ter­la­den.

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Emfohlen

Set­zen Sie sich erst mal!

Atmen Sie tief durch.

Neh­men Sie einen Rot­stift und umkrin­geln Sie das heu­ti­ge Datum auf ihrem Kalen­der.

Ich muss Ihnen näm­lich jetzt eine Klick­stre­cke emp­feh­len. Bei „RP Online“.

Ich glau­be, es ist das ers­te Mal in der Geschich­te von „RP Online“, dass eine Bil­der­ga­le­rie mit einem Namen ver­se­hen wur­de. Inso­fern will ich Tho­mas Grul­ke ganz direkt loben für etwas, das eigent­lich eine online­jour­na­lis­ti­sche Selbst­ver­ständ­lich­keit sein soll­te – aber für „RP Online“ gel­ten ja spe­zi­el­le Regeln.

Herr Grul­ke hat alle Trai­ner von Borus­sia Mön­chen­glad­bach von 1964 bis heu­te zusam­men­ge­stellt und dabei nicht nur auf doo­fe, nichts­sa­gen­de Fotos gesetzt, wie es in sei­nem Hau­se sonst üblich ist.

Das Ergeb­nis erin­nert viel mehr an ein Auto­quar­tett: Foto, Dau­er der Amts­zeit, Bun­des­li­ga­spie­le mit Borus­sia, Punk­te­schnitt und Erfol­ge sind bei jedem extra auf­ge­führt. Zwar wären die Daten in einer Tabel­le bes­ser ver­gleich­bar, aber irgend­wie erscheint mir auch das Kon­zept „Bil­der­ga­le­rie“ in die­sem Fall ange­mes­sen.

Gut, es tut ein biss­chen weh, sich noch ein­mal an die Tage mit Han­nes Bon­gartz, Ewald Lie­nen oder Dick Advo­caat erin­nern zu müs­sen und vie­le der Namen (Trai­ner von 1964–1987: drei, Trai­ner von 1987 bis heu­te: fünf­zehn) hat­te ich als Fan nicht ohne Grund ver­drängt, aber was soll’s.

Eine Ant­wort auf die Fra­ge, was bei der Borus­sia eigent­lich falsch läuft, bie­tet die Klick­stre­cke zwar auch nicht, aber immer­hin kann man noch ein­mal in Erin­ne­run­gen an gute und noch schlech­te­re Zei­ten schwel­gen:

„Die Trai­ner-Gale­rie von Borus­sia Mön­chen­glad­bach“ bei „RP Online“