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Klickbefehl (18)

[D]as Inter­net, ver­tre­ten durch die, die dort anzu­tref­fen sind, mag es nicht, wenn man es nicht mag. Es ist dann schnell belei­digt, denn es ist noch jung und nicht beson­ders sou­ve­rän. Aber das ver­wächst sich sicher noch.

Peter Rich­ter hat ges­tern in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ über die Zukunft des Buches geschrie­ben (so viel vor­weg: Es gibt eine). Es ist ein klu­ger, mit­un­ter sehr komi­scher Arti­kel, der gegen Ende lei­der ein biss­chen zu sehr in Rich­tung der „Goog­le ist böse!“-Linie der Ver­la­ge abrutscht.

Man soll­te ihn aber trotz­dem gele­sen haben und das kann man bei FAZ.net jetzt tun.

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Was tun wenn’s brennt? Stopschilder aufstellen!

Hilft fast immer: Einfach die Augen schließen!

Es war ver­mut­lich rei­ner Zufall, dass Gün­ther Jauch aus­ge­rech­net ges­tern bei „Wer wird Mil­lio­när?“ die Fra­ge stell­te, was gemäß Arti­kel 5 des Grund­ge­set­zes in Deutsch­land nicht statt­fin­de. Wo doch gera­de am Vor­mit­tag die Ver­tre­ter von fünf Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men gemein­sam mit Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ursu­la von der Ley­en einen Ver­trag unter­schrie­ben hat­ten, wonach sie ab Okto­ber ein­fach den Zugang zu Inter­net­sei­ten sper­ren, auf denen kin­der­por­no­gra­phi­sche Inhal­te lie­gen bzw. ver­mu­tet wer­den.

Man soll sich den ekel­er­re­gen­den Schwein­kram halt nicht mehr so leicht angu­cken kön­nen. Um auf Num­mer Sicher zu gehen, könn­te man natür­lich auch gleich alle Com­pu­ter beschlag­nah­men oder allen Bun­des­bür­gern die Augen aus­ste­chen – Tadaa! Schon kann das kei­ner mehr sehen. Unse­re Bun­des­re­gie­rung ist unge­fähr so kom­pe­tent wie der gefrä­ßi­ge Plap­per­kä­fer von Tra­al, der annimmt, dass er einen auch nicht sehen kann, wenn man ihn nicht sieht.

In Blogs und auf Nach­rich­ten­sei­ten erfreu­en sich Feu­er als Ver­gleichs­grö­ße gro­ßer Beliebt­heit:

Bei einem Wald­brand, um im Bild zu blei­ben, wür­de nie­mand auf die Idee kom­men, nur einen Para­vent davor zu stel­len, mit der Auf­schrift: Stopp, ab hier wird es heiß und gefähr­lich. Damit zufäl­lig vor­bei­kom­men­de Spa­zier­gän­ger die Flam­men nicht sehen – zumin­dest, solan­ge sie nicht um den Para­vent her­um­lau­fen.

Genau das aber geschieht beim Miss­brauch von Kin­dern. Statt die Ser­ver mit den Inhal­ten abzu­schal­ten, die Flam­men also zu löschen, wird nur ein Stopp­schild davor gehängt. Erreich­bar sind die Fotos und Fil­me wei­ter­hin. Zumin­dest für all jene, die sich die Mühe machen, um den Para­vent her­um­zu­ge­hen.

Das popu­lis­ti­sche Geham­pel der Minis­te­rin 1 wird nur noch getoppt von Hans-Peter Uhl, einem mir bis­her unbe­kann­ten 2 Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten der CSU, der es (offen­bar ohne rot zu wer­den) fer­tig brach­te, fol­gen­des bei abgeordnetenwatch.de zu Pro­to­koll zu geben:

Für mich steht jedoch fest, dass z.B. das Frei­heits­recht eines Kin­des, nicht sexu­ell miss­braucht und Pädo­phi­len zur Schau gestellt zu wer­den, um eini­ges höher zu bewer­ten ist als eine ver­ab­so­lu­tier­te „Frei­heit des Inter­nets“ oder ande­res dum­mes Geschwätz. Die gan­ze pseu­do-bür­ger­rechts­en­ga­gier­te Hys­te­rie von Pseu­do-Com­pu­ter­ex­per­ten, man müs­se um jeden Preis ein „unzen­sier­tes Inter­net“ ver­tei­di­gen etc. – vgl. www.ccc.de -, fällt für mich in die Kate­go­rie: juris­tisch ohne Sinn und Ver­stand und mora­lisch ver­kom­men.

Nun krie­ge ich gene­rell bei Ver­wen­dung des Prä­fi­xes „Pseu­do“ ein ganz star­kes Zie­hen im Nacken und in der rech­ten Hand. Die Art, wie Uhl hier Beden­ken und Kri­tik von Leu­ten wie dem renom­mier­ten Rechts­pro­fes­sor Tho­mas Hoe­ren abbü­gelt, ist aber der­art ekel­er­re­gend und arro­gant, dass es mich schlicht fas­sungs­los zurück­lässt.

Was der Innen­ex­per­te tun möch­te, damit Kin­der nicht nur nicht „Pädo­phi­len zur Schau gestellt“ wer­den, son­dern auch schlicht nicht sexu­ell miss­braucht wer­den, ver­rät er lei­der nicht.

Der klei­ne, klei­ne Trost (der vor allem bei CSU-Abge­ord­ne­ten natür­lich weit­ge­hend wert­los ist): Auch pseu­doo­fe Leu­te wie Hans-Peter Uhl müs­sen sich einer Wie­der­wahl stel­len.

[via Eupho­rie­fet­zen]

  1. Auf die Idee muss man auch erst mal kom­men, poten­ti­el­len Kin­der­por­no­kon­su­men­ten ein Stop­schild (Ver­zei­hung: „Stopp“-Schild) unter die Nase zu hal­ten.[]
  2. Offen­bar lohnt die Beschäf­ti­gung mit die­sem Mann: Er gilt als „Innen­ex­per­te“, redet ger­ne wir­res Zeug und for­dert die Über­wa­chung „ter­ror­ver­däch­ti­ger“ Zwölf­jäh­ri­ger.[]
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Digital

Klickbefehl (17)

Der Amok­lauf von Erfurt fand am 26. April 2002 statt, unse­rem aller­letz­ten Schul­tag. 1 Ich habe daher nie erfah­ren, wie Schu­len auf sol­che Vor­fäl­le reagie­ren. Wäh­rend einer unse­rer Abi-Klau­su­ren wur­de zwar 200 Meter wei­ter eine Welt­kriegs­bom­be ent­schärft, aber ansons­ten waren wir nur Nor­ma­li­tät gewöhnt.

Ich bin mir sicher, dass mei­ne Schul­zeit anders aus­ge­se­hen hät­te, wenn das alles nicht nach uns pas­siert wäre. Wir waren die Nerds, wir haben „Half Life“ gespielt, Metal oder Punk­rock gehört (auch Pop, aber wen hät­te das inter­es­siert) und gera­de ich hat­te den Ruf, ein biss­chen wahn­sin­nig zu sein. 2 Wir waren also komisch – wie alle Teen­ager. Und wir wären poten­ti­ell ver­däch­tig gewe­sen.

Die Muschel­schub­s­er­in hat einen sehr lesens­wer­ten Text dar­über geschrie­ben, wie das so war, als Teen­ager in einer Klein­stadt auf­zu­wach­sen.

Schon damals – in Zei­ten ohne Inter­net, Han­dys und Bal­ler­spie­len – hat nie­mand gemerkt, was wir wirk­lich tun, was uns wirk­lich bedrückt, wie aus­ge­schlos­sen wir uns gefühlt haben, wie sehr uns die Gesell­schaft ins Gesicht gespuckt hat, dass sie mit uns nicht viel anfan­gen kann. Wir alle hat­ten damals einen star­ken Trieb, der sich manch­mal in Aggres­si­vi­tät geäu­ßert hat. Und obwohl wir uns aus­ge­schlos­sen fühl­ten und es gewis­ser­ma­ßen auch waren, wur­den die meis­ten von uns in letz­ter Kon­se­quenz immer auf­ge­fan­gen, unter­stützt, behü­tet. Genau des­halb waren wir trotz allem durch­schnitt­li­che Jugend­li­che, nicht auf­fäl­li­ger als ande­re. Und genau des­halb sind wir heu­te ver­mut­lich alle ganz nor­ma­le Men­schen.

Eini­ges davon ken­ne ich aus eige­ner Erfah­rung, ande­res kann ich zumin­dest gut nach­voll­zie­hen. Und ich glau­be, das kann jeder, der mal jung und nicht Mit­glied der Jun­gen Uni­on war.

Auch John­ny Haeus­ler hat sich bei Spree­blick Gedan­ken dar­über gemacht, wie das eigent­lich so ist, als Jugend­li­cher in Deutsch­land. Wer sich für einen inter­es­siert und wie die Medi­en reagie­ren, wenn dann mal wie­der was pas­siert ist:

Wie laut muss man als Jugend­li­cher eigent­lich sein, um gehört zu wer­den?
Noch lau­ter als eine Beret­ta?

Und weil’s grad zum The­ma Kin­der passt, will ich Ihnen auch noch einen Ein­trag aus dem F.A.Z.-Fernsehblog ans Herz legen.

Dar­in geht es unter ande­rem um eine Mut­ter, die das Fol­gen­de in eine Fern­seh­ka­me­ra sag­te:

Ich ver­steh die Welt nicht mehr. Mei­ne Toch­ter war in der zehn­ten Klas­se, die hat das alles live mit­er­lebt. Die sitzt jetzt zuhau­se, zit­tert und weint. Sie sind aus dem Fens­ter gesprun­gen, sie und ihre Freun­din.

Der Fra­ge, war­um sie es in die­sem Moment für klü­ger hielt, die Welt­öf­fent­lich­keit dar­über zu infor­mie­ren, statt bei ihrer Toch­ter zu sein, möch­te ich mich ger­ne anschlie­ßen.

Auf eine Fra­ge mehr oder weni­ger kommt’s ja auch nicht mehr an.

  1. Am ande­ren Dins­la­ke­ner Gym­na­si­um waren die Abitu­ri­en­ten an die­sem Mor­gen – wenn ich das rich­tig im Kopf habe – mit Was­ser­pis­to­len durch die Klas­sen­räu­me gezo­gen, um ihren letz­ten Schul­tag zu fei­ern.[]
  2. Der Ruf war nicht ganz unbe­grün­det.[]
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Klickbefehl (16)

In einer rie­si­gen Bei­trags­se­rie, die mich mit­un­ter an Beses­sen­heit glau­ben lässt, doku­men­tiert Jens vom Pott­blog die „Umstruk­tu­rie­rung“ des WAZ-Kon­zerns, was im Wesent­li­chen heißt: Eigen­stän­dig­keit der ein­zel­nen Titel auf­ge­ben, Leu­te ent­las­sen und völ­lig den Bezug zur Rea­li­tät ver­lie­ren. (In der letz­ten Dis­zi­plin sind WAZ-Chef­re­dak­teur Ulrich Reitz und WAZ-Grup­pen-Geschäfts­füh­rer Bodo Hom­bach beson­ders gut, denn sie waren frü­her bei der „Rhei­ni­schen Post“ bzw. im Kabi­nett Schrö­der.)

Gera­de hat er den Brief eines anony­men WAZ-Mit­ar­bei­ters ver­öf­fent­licht, in dem die­ser (oder die­se) sich über die letz­te Betriebs­ver­samm­lung aus­lässt und sehr schlüs­sig erklärt, war­um die Lokal­tei­le (die ja das eigent­lich bzw. ein­zig Inter­es­san­te an den WAZ-Titeln sind) so schlecht sind, wie sie sind: Zu wenig Per­so­nal, zu vie­le Anfor­de­run­gen gleich­zei­tig, Kon­zen­tra­ti­on auf ande­re Sachen (wie den Man­tel­teil und derwesten.de).

Es ist ein wüten­des, aber nichts­des­to­trotz sehr lesens­wer­tes Doku­ment, das sicher kei­ne allei­ni­ge Erklä­rung für das Zei­tungs­ster­ben ist, aber sehr schön auf­zeigt, wie weit sich Chefs von ihren Ange­stell­ten ent­fer­nen kön­nen.

„WAZ-Betriebs­ver­samm­lung: Was für eine Schei­ße!“ im Pott­blog

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Musik

Mr. Jones and me

Das zwei­te Rock­kon­zert, das ich in mei­nem Leben besuch­te, war ein Auf­tritt von Tom Jones in der Are­na Ober­hau­sen im Mai 2000. 1

Jones tour­te damals mit sei­nem sehr guten Album „Rel­oad“, das mir unter ande­rem sei­ne Duett-Part­ner Ste­reo­pho­nics und The Divi­ne Come­dy näher­brach­te, und es war genau die Sor­te hoch­pro­fes­sio­nel­le, kom­pro­miss­lo­se Fami­li­en­un­ter­hal­tung, die ich spä­ter auch bei Rob­bie Wil­liams und den Kil­lers bewun­dert habe. 2

Von sei­nen letz­ten Alben habe ich nicht mehr viel mit­be­kom­men, höchs­tens die Nach­richt, dass der wali­si­sche Tiger sein Haupt­haar nicht mehr färbt, war zu mir durch­ge­drun­gen. Aber jetzt war er bei den „Tiny Desk Con­certs“, einer inti­men Kon­zert­rei­he von „All Songs Con­side­red“-Macher Bob Boi­len zu Gast.

Eine etwas über­ra­schen­de Kom­bi­na­ti­on, wie auch Pro­du­zent Robin Hil­ton im Begleit­text zum Mit­schnitt zugibt:

When a publi­cist for Tom Jones cont­ac­ted us and said the sin­ger wan­ted to do a „Big Desk Con­cert“ for us, the thought of Jones‘ rather sub­stan­ti­al voice fil­ling our office left us laug­hing… and dying to do it.

Nur von sei­nem musi­cal direc­tor Bri­an Mon­ro­ney auf der Gitar­re beglei­tet, gibt Jones auch vor ein paar Dut­zend NPR-Mit­ar­bei­tern alles, so als wür­de er gera­de eine rie­si­ge Mehr­zweck­are­na bespie­len. Und doch ist vie­les anders: Statt ein­stu­dier­ter Moves weiß der Mann kaum, wohin mit sei­nen Hän­den; sei­ne Stim­me klingt zwar noch immer voll, bricht aber manch­mal ein biss­chen weg, und statt dem Las-Vegas-erprob­ten Damen­kränz­chen-Bespa­ßer, über den sich alle lus­tig machen, sieht man plötz­lich einen ech­ten Musi­ker vor sich.

Es lohnt sich, das Video mit den vier Songs anzu­se­hen. Vor allem „Green, Green Grass Of Home“ hat bei mir durch­aus für Gän­se­haut gesorgt.

Tom Jones bei den „Tiny Desk Con­certs“

  1. Das ers­te war ein Kon­zert der Prin­zen 1994, das drit­te – und da nähern wir uns dem Begriff „Rock­kon­zert“ – eines der Smas­hing Pump­kins.[]
  2. Jones mach­te das damals mehr als 30 Jah­re, von Rob­bie Wil­liams hat man län­ger nichts gehört.[]
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Der „Spiegel“ muss in Zweifelhaft

Natür­lich sieht das immer ein biss­chen komisch aus, wenn man den eige­nen Arbeit­ge­ber lobt, aber die­ses Titel­bild hät­te ich auch dann gut gefun­den, wenn ich nicht stu­den­ti­sche Hilfs­kraft beim „Frei­tag“ wäre:

Merkels neues Gesicht

Frü­her hät­te man sol­che Titel­gra­fi­ken auf dem „Spie­gel“ gefun­den – und da wäre die Umset­zung zuge­ge­be­ner­ma­ßen auch noch ein biss­chen bes­ser gewe­sen.

Aber der „Spie­gel“ ist schon lan­ge das, was offen­bar jede Medi­en­le­gen­de hier­zu­lan­de („Tages­schau“, das „Mit­tags­ma­ga­zin“ auf WDR 2, Tho­mas Gott­schalk, Harald Schmidt) wer­den muss: ein Schat­ten sei­ner selbst. Und des­halb sieht sein Cover heu­te so aus:

Fremde Freunde - Vom zweifelhaften Wert digitaler Beziehungen

Ob und inwie­fern social net­works unser Leben und unse­ren Umgang mit­ein­an­der beein­flus­sen, ist ja ein The­ma, an dem ich mich das ein oder ande­re Mal abzu­ar­bei­ten ver­sucht habe.

Mein grund­sätz­li­ches Inter­es­se war aber bei der Über­schrift (ein Wun­der, dass sie nicht „Fal­sche Freun­de“ lau­te­te) recht schnell ver­raucht. Ich muss­te den Arti­kel aber gar nicht erst lesen und mich dar­über auf­re­gen, denn bei­des hat Tho­mas Knü­wer dan­kens­wer­ter­wei­se schon über­nom­men.

PS: Mar­kus Becke­dahl von netzpolitik.org hat­te schon ges­tern auf den Arti­kel ver­wie­sen und ihn für nicht ganz so schei­ße befun­den. Er ver­weist zusätz­lich auf ein Inter­view mit dem Lei­ter des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, in dem die­ser sich mit der Aus­sa­ge zitie­ren lässt, er sei „so gut wie gar nicht im Netz unter­wegs“ und kön­ne des­halb kei­ne gute Web­site emp­feh­len.

PPS: Ich habe ges­tern mit einer Über-Sieb­zig­jäh­ri­gen Ver­wand­ten tele­fo­niert, die mei­nes Wis­sens noch nie vor einem Com­pu­ter geses­sen hat, und die trotz­dem eine sehr viel dif­fe­ren­zier­te­re und posi­ti­ve­re Mei­nung zu Blogs (sie benutz­te wirk­lich das Wort „Blog“) und Inter­net hat­te, als ich sie beim „Spie­gel“ je erlebt habe.

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Digital

Klickbefehl (15)

Es gibt Tage, da hal­te ich das Inter­net für einen gro­ßen Irr­tum. Die Idee, dass jeder sei­ne noch so ent­rück­te Mei­nung in die Welt schrei­en darf, erscheint mir unend­lich dumm, und ich wür­de am Liebs­ten mei­nen Com­pu­ter im nächst­ge­le­ge­nen Fluss ver­sen­ken. Aber durch Bochum fließt kein Fluss.

Und dann gibt es Tage, an denen lese ich im Inter­net Tex­te, die so klug, so toll geschrie­ben und so anrüh­rend sind, dass ich mich fra­ge, wie Men­schen ohne die­ses Medi­um leben kön­nen.

Heu­te ist ein Tag der zwei­ten Sor­te, denn Tors­ten Dewi hat einen wun­der­ba­ren Text geschrie­ben über einen frü­he­ren Arbeits­kol­le­gen, der kürz­lich ver­stor­ben ist. Und die­sen Text soll­ten Sie lesen: „Der Max Fried­mann, den ich kann­te…“

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Digital

Kelvin & Hops

Man kann über „RP Online“, Deutsch­lands füh­ren­des Regio­nal­zei­tungs-Por­tal, län­ge­re Tex­te schrei­ben, wie es Dani­el Bouhs für die „taz“ getan hat.

Aber im Prin­zip lässt sich die gan­ze Klick­schin­de­rei, die Bou­le­vard-Sucht und die gan­ze Scheiß­egal-Hal­tung auch noch knap­per zusam­men­fas­sen:

CK-Werbespot zu sexy für US-Fernsehen. Foto: Screenshot Calvin Klein. Kelvin Klein hat schon öfter mit seinen Werbespots Staub aufgewirbelt.

Aber weil sich „RP Online“-Chefredakteur Rai­ner Kur­le­mann im „taz“-Artikel beklagt, „Hein­ser und Nig­ge­mei­er wür­den sich ‚an eini­gen, weni­gen Fäl­len‘ abar­bei­ten, die ‚Leis­tun­gen‘ aber nicht wür­di­gen“, wür­di­ge ich hier ger­ne mal wie­der eine Leis­tung und emp­feh­le Ihnen die Kolum­ne „About a Boy“, die mein frü­he­rer plattentests.de-Kollege Sebas­ti­an Dal­kow­ski für „RP Online“ schreibt.

Nach­trag, 7. Febru­ar: „RP Online“ hat Cal­vin Kleins Vor­na­men inzwi­schen kor­ri­giert. (Das hebt sie auch von ande­ren Por­ta­len ab.)

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Digital Gesellschaft

You don’t know me at all

Ach­tung: Erhöh­te Selbst­re­fe­ren­tia­li­tät!

Ich weiß weder, wer Micha­el Arring­ton, noch, was Tech­crunch ist. 1 Aber dass er bei dem/​der/​dem DLD in Mün­chen 2 ange­spuckt wur­de, das habe sogar ich mit­be­kom­men.

Jeder Mensch weiß, dass man sowas nicht macht, und der­je­ni­ge, der es getan hat, wird sich hof­fent­lich eine ordent­li­che Ohr­fei­ge von sei­ner Mama ein­han­deln, wenn sie dahin­ter kommt. Ande­rer­seits hat er ver­mut­lich sowie­so genug Pro­ble­me.

Paul Carr, von dem ich eben­falls nicht weiß, wer er ist und was er sonst so schreibt, hat für den Online-Auf­tritt des „Guar­di­an“ einen sehr lesens­wer­ten Arti­kel geschrie­ben, in dem er sei­ne eige­nen Erfah­run­gen auf dem/​der/​dem DLD und bei ähn­li­chen Ereig­nis­sen beschreibt. Wie die Leu­te auf ihn zukom­men und ihn für irgend­wel­che Gehäs­sig­kei­ten loben, die er mal geschrie­ben oder get­wit­tert hat, und ihn fra­gen, ob er die­se Ver­an­stal­tung und jene Per­son mor­gen auch wie­der öffent­lich schlach­ten wür­de.

Und obwohl mir die­se Welt – wie oben oft genug ange­merkt – fremd ist, kamen mir Carrs Schil­de­run­gen selt­sam ver­traut vor.

Wenn ich hier mal etwas vor­stel­le, was mir wirk­lich gefällt, fal­len die Reak­tio­nen beschei­den aus: ein Kom­men­tar oder gar kei­ner. Wenn ich mich ein biss­chen über Sym­bol­fo­tos von dpa lus­tig mache, gibt’s deut­lich mehr.

Natür­lich habe ich in den letz­ten drei Wochen jede Men­ge schwach­sin­ni­ger Oba­ma-Anbie­de­run­gen auf­ge­schrie­ben. Zum einen, weil ich ein­mal damit ange­fan­gen hat­te und ich alle Bei­spie­le auf die eine oder ande­re Art bemer­kens­wert fand, zum ande­ren, weil unse­re Leser mich mit Ein­sen­dun­gen über­häuft haben. Als ich die Post­kar­te in mei­nem Brief­kas­ten fand, war ich glei­cher­ma­ßen belus­tigt von der idio­ti­schen Kar­te und gerührt von der Ges­te, dass ein mir unbe­kann­ter Mensch mir sowas ein­fach wei­ter­ge­lei­tet hat.

Ich habe schon ernst­haft über­legt, ob ich über Blog-Bei­trä­ge wie die zum dpa-Sym­bol­bild oder den gan­zen Oba­mas viel­leicht „Ach­tung, irrele­vant!“ schrei­ben soll­te, damit ja nie­mand glaubt, dahin­ter ste­cke mehr als mein schlich­ter Wunsch, das kurz auf­zu­schrei­ben.

Wir haben Cof­fee And TV vor fast zwei Jah­ren als Grup­pen­blog gestar­tet, 3 in dem es um alles gehen soll­te, was uns inter­es­siert. Ich woll­te Musik, Fil­me und Bücher, die mir gefal­len, mit mög­li­chen Lesern tei­len und vor Sachen war­nen, die mir per­sön­lich nicht so gefal­len. Dass das The­ma Medi­en immer mehr Platz ein­nahm, lag dar­an, dass ich mich immer stär­ker damit beschäf­tigt habe und mir vie­le Din­ge auf­ge­fal­len sind, die mich mit­un­ter empört haben 4 oder die ich erwäh­nens­wert fand, weil sie lus­tig, merk­wür­dig oder auch ein­fach nur gut waren. Dass es mehr Platz braucht, wenn man über bizar­re Stil­le-Post-Spiel­chen und Unge­reimt­hei­ten bei der Recher­che schreibt, als wenn man eben einen guten Text emp­feh­len will, 5 liegt wohl in der Natur der Sache.

Natür­lich ist es etwas hin­der­lich, dass hier im Blog kur­ze Quatsch-Bei­trä­ge und län­ge­re Gedan­ken­gän­ge, die mir wich­tig sind, völ­lig gleich­be­rech­tigt über­ein­an­der ste­hen. Hier gibt es kei­ne Auf­ma­cher und kei­ne „Kurz notiert“-Spalte und das mag ich eigent­lich auch. Ich ver­traue dar­auf, dass die Leser mer­ken, was mir wich­tig ist und was nicht, und ich bin mir sicher, dass das bei den meis­ten auch ganz gut gelingt.

Als ich am Mon­tag die Mel­dung der „Ber­li­ner Zei­tung“ zum Atom­müll­la­ger Asse ver­link­te und mit dem spon­ta­nen Gedan­ken, der mir beim Hören der Mel­dung gekom­men war, anrei­cher­te, dach­te ich, dass die dras­ti­schen Wor­te, die ich hier im Blog sonst nie benut­ze, für sich spre­chen und mei­ner Resi­gna­ti­on gegen­über unse­rer Bun­des­re­gie­rung Aus­druck ver­lei­hen wür­den. Statt­des­sen erfuhr ich aus den Kom­men­ta­ren, 6 dass die­ses Blog „von sinn­lo­ser Pole­mik, Hoch­nä­sig­keit, pseu­do-poli­ti­schen Anma­ßun­gen und Klug­schei­ße­rei“ lebe.

Da frag­te ich mich schon: Mache ich auf Sie wirk­lich den Ein­druck eines arro­gan­ten, bla­sier­ten Men­schen, der nie weiß, wor­über er schreibt und sowie­so nur aus­tei­len will?

Falls ja, wür­de ich näm­lich sofort auf­hö­ren mit die­sem Blog.

  1. Und Sie sind bit­te so anstän­dig und schrei­ben jetzt nicht alle „Das ist doch … !“[]
  2. Da weiß ich auch nicht so ganz, was das ist aber das ist auch uner­heb­lich.[]
  3. Und es ist immer noch eines, auch wenn die Autoren weni­ger gewor­den sind und ich am häu­figs­ten schrei­be.[]
  4. Wobei ich von nie­man­dem erwar­te, dass er mei­ne Empö­rung tei­len muss.[]
  5. Beach­ten Sie dazu die Rubrik „Lese­tipps“ in der rech­ten Spal­te die­ses Blogs.[]
  6. Natür­lich von einem anony­men Kom­men­ta­tor.[]
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Rundfunk Digital

Welcome To The Jungle

Zu den Klän­gen von Bloc Par­tys „I Still Remem­ber“ ende­te ges­tern die vier­te Staf­fel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, einer Sen­dung, die ich für gelun­ge­ne Unter­hal­tung hal­te, wie ich im ver­gan­ge­nen Jahr schon ein­mal auf­ge­schrie­ben habe.

Für das FAZ-Fern­seh­blog hat Ste­fan Nig­ge­mei­er ein Inter­view mit dem Men­schen geführt, der beim Dschun­gel­camp für die Musik­aus­wahl zustän­dig ist. Die oft sehr poin­tier­te Zusam­men­stel­lung der Titel ist inso­fern sehr bewun­derns­wert, als für die Ver­to­nung von TV-Sen­dun­gen sonst nur fünf CDs zur Ver­fü­gung ste­hen: „Moon Safa­ri“ von Air, das Best Of von Mas­si­ve Attack, der „Fight Club“-Soundtrack und die jeweils aktu­el­len Alben von Sigur Rós und Cold­play. Am Tag der Ver­öf­fent­li­chung des Inter­views erklang zum Bei­spiel nur Momen­te, nach­dem sich Giu­lia Sie­gel beklagt hat­te, dass die Medi­ka­men­te gegen ihre Rücken­schmer­zen über­haupt nicht anschla­gen wür­den, „The Drugs Don’t Work“ von The Ver­ve, was zwar ziem­lich nahe­lie­gend, aber irgend­wie doch toll war.

Lesen Sie das Inter­view hier und erfah­ren Sie unter ande­rem, wie die Kili­ans in den Dschun­gel kamen.

Und wo wir grad beim Fern­seh­blog und im Dschun­gel sind, soll­ten Sie die­ses Inter­view mit Dirk Bach gleich auch noch lesen.

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Der schwarze Gürtel im Nervensägen

Als ich noch ein klei­ner Jun­ge war und mit mei­ner Fami­lie in der Innen­stadt von Dins­la­ken wohn­te, fuhr die Stra­ßen­bahn­li­nie 903 direkt hin­ter unse­rem Haus ent­lang. Mit mei­nem bes­ten Freund habe ich oft an den Glei­sen gespielt (was man natür­lich, lie­be Kin­der an den Bild­schir­men zuhau­se, nie tun soll­te) und ein, zwei Mal bin ich auch (natür­lich in Beglei­tung Erwach­se­ner) mit der Stra­ßen­bahn nach Duis­burg und von da aus wei­ter in den Zoo gefah­ren.

War­um erzäh­le ich Ihnen das? Ralf Birk­han hat für die „NRZ“ eine Repor­ta­ge über die Linie 903, mit der man durch halb Duis­burg juckeln kann, geschrie­ben. Es ist eine sehr atmo­sphä­ri­sche Schil­de­rung gewor­den, die sprach­li­chen Bil­der sind manch­mal etwas zu bemüht, aber man­che Sät­ze sind auch ganz groß­ar­tig in ihrer Schlicht­heit:

An der Hal­te­stel­le „Fischer­stra­ße” in Hoch­feld ist der Mit­tag gekom­men, sonst nie­mand.

Und weil hier ja viel zu oft über schlech­ten Jour­na­lis­mus geme­ckert und guter viel zu sel­ten gelobt wird, möch­te ich Ihnen die Repor­ta­ge mit dem lei­der fürch­ter­lich ver­un­glück­ten Titel „Stra­ßen­bahn-Linie 903: mit­tags beim „Kua­för” – abends das Arbei­ter-Bier“ hier­mit ans Herz legen – auch, wenn Sie noch nie in Duis­burg waren.

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Digital Politik

That’s Not My Name

Es ist immer ein beru­hi­gen­des Gefühl, wenn man fest­stellt, man ist nicht allein. Ich freue mich zum Bei­spiel immer, wenn ich auf ande­re Men­schen sto­ßen, zu deren Hob­bies es offen­bar eben­falls gehört, merk­wür­di­ge Lis­ten zu erstel­len.

Mar­cus Mei­er scheint so ein Mensch zu sein und das macht ihn mir sehr sym­pa­thisch. Für das (ohne­hin sehr lesens­wer­te) Blog Ruhrbarone.de und zu Ehren von Thors­ten Schä­fer-Güm­bel hat er eine ganz außer­ge­wöhn­li­che Lis­te erstellt: die Top Fif­ty der beson­ders lyri­schen Poli­ti­ker-Dop­pel-Nach­na­men mit min­des­tens einem Umlaut. (Wie man ein sol­ches Vor­ha­ben angeht, ist mir offen gestan­den schlei­er­haft.)

Hier geht’s lang.