Der „Spiegel“ muss in Zweifelhaft

Von Lukas Heinser, 2. März 2009 13:57

Natürlich sieht das immer ein bisschen komisch aus, wenn man den eigenen Arbeitgeber lobt, aber dieses Titelbild hätte ich auch dann gut gefunden, wenn ich nicht studentische Hilfskraft beim „Freitag“ wäre:

Merkels neues Gesicht

Früher hätte man solche Titelgrafiken auf dem „Spiegel“ gefunden — und da wäre die Umsetzung zugegebenermaßen auch noch ein bisschen besser gewesen.

Aber der „Spiegel“ ist schon lange das, was offenbar jede Medienlegende hierzulande („Tagesschau“, das „Mittagsmagazin“ auf WDR 2, Thomas Gottschalk, Harald Schmidt) werden muss: ein Schatten seiner selbst. Und deshalb sieht sein Cover heute so aus:

Fremde Freunde - Vom zweifelhaften Wert digitaler Beziehungen

Ob und inwiefern social networks unser Leben und unseren Umgang miteinander beeinflussen, ist ja ein Thema, an dem ich mich das ein oder andere Mal abzuarbeiten versucht habe.

Mein grundsätzliches Interesse war aber bei der Überschrift (ein Wunder, dass sie nicht „Falsche Freunde“ lautete) recht schnell verraucht. Ich musste den Artikel aber gar nicht erst lesen und mich darüber aufregen, denn beides hat Thomas Knüwer dankenswerterweise schon übernommen.

PS: Markus Beckedahl von netzpolitik.org hatte schon gestern auf den Artikel verwiesen und ihn für nicht ganz so scheiße befunden. Er verweist zusätzlich auf ein Interview mit dem Leiter des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, in dem dieser sich mit der Aussage zitieren lässt, er sei „so gut wie gar nicht im Netz unterwegs“ und könne deshalb keine gute Website empfehlen.

PPS: Ich habe gestern mit einer Über-Siebzigjährigen Verwandten telefoniert, die meines Wissens noch nie vor einem Computer gesessen hat, und die trotzdem eine sehr viel differenziertere und positivere Meinung zu Blogs (sie benutzte wirklich das Wort „Blog“) und Internet hatte, als ich sie beim „Spiegel“ je erlebt habe.

6 Kommentare

  1. Stecki
    2. März 2009, 15:35

    Die Titelbildidee vom Freitag ist aber ja doch recht abgekupfert vom Ole-von-Marx des Hamburger Abendblattes (14.02.): http://www.abendblatt.de/daten.....48610.html

  2. Besim Karadeniz
    2. März 2009, 17:36

    Der Artikel ist in der Tat nicht in der üblichen Schreibweise der journalistischen Zunft geschrieben, sondern geht differenziert mit dem Thema um. Da hat sich gestern das erste Mal der Kauf der Online-Ausgabe des SPIEGEL schon gelohnt.

  3. Hannnns
    3. März 2009, 1:24

    Also mich erinnert das Titelbild eindeutig hieran: http://www.coffeeandtv.de/2008.....-ms-paint/

    Aber klar, ist natürlich eigentlich viel toller weil „Freitag“ und überhaupt …

    Und wenn alte Leute, die noch nie selbst ein Blog besucht haben geschweige denn im Internet waren, eine positive Meinung über Blogs haben, ist das natürlich beeindruckend. Der „Spiegel“ sollte sich was schämen.

  4. Lukas
    3. März 2009, 1:27

    Ach, Hannnns, es zwingt Sie wirklich niemand, hier mitzulesen.

    Aber wenn Sie kommentieren, könnten Sie dann vielleicht die Einträge, auf die Sie sich zu beziehen glauben, dann auch tatsächlich vorher lesen?

  5. Hannnns
    3. März 2009, 2:07

    Ich lese hier sehr gern mit, bzw. versuche mitzukommen. Wirklich! Für den Verweis auf den „All Songs considered“-Podcast bin ich zum Beispiel immer noch sehr dankbar. Und Claqueure Fans (Lieben Gruß an Sebastian S.!) haben Sie doch wirklich genug.

    Aber: Ich kann ihre Unterstellung diesmal leider nicht nachvollziehen. Bitte helfen Sie mir auf die Sprünge, oder wahlweise auch einer der Kommentatoren, die lesen, verstehen – und dann ein nettes Lob hinterlassen.

    Und noch eine Bitte: Vielleicht können Sie beim „Freitag“ nicht nur bloggen und die Community betreuen, sondern auch die Druckausgabe Korrektur lesen. Speziell die „Netzgeschichten“ im „Alltag“-Buch könnten einen weiteren Korrekturdurchgang durchaus vertragen. Oder auch das „A – Z der Gegenwart“. Wenn schon die Einträge teilweise uralt sind (z.B. D – Dating).

  6. redblog
    3. März 2009, 16:51

    es kommt nicht auf die titelseite an, sondern auf den inhalt und da hat der freitag ja deutlich weniger zu bieten als vor augstein. und links will man auch nicht wirklich sein …