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Kai Diekmann aß neben mir einen Hotdog

Wäh­rend Tau­sen­de auf der OMD auf IHN war­te­ten, traf ich, der BILD­blog-Autor, Kai Diek­mann ALLEIN – neben einer Wand aus Äpfeln!

Kai Diekmann

10.37 Uhr. Ich ste­he inmit­ten von Hun­der­ten Mes­se­be­su­chern am Ein­lass der Online-Mar­ke­ting-Düs­sel­dorf. „Das dau­ert ein biss­chen“, sagt ein wich­tig aus­se­hen­der Typ im Anzug (mit Knopf im Ohr). Oh nein! Ich will doch zu den „Scree­nings“, wo ER auf dem Podi­um sitzt.

11.11 Uhr. Ich bin drin. ER ist es wirk­lich! ER sitzt auf dem Podi­um und erzählt, dass Bild.de zukünf­tig mehr Bewegt­bild anbie­ten will. Zu die­sem Zweck sol­len beson­ders preis­güns­ti­ge Video­ka­me­ras ange­bo­ten wer­den, um mehr „user gene­ra­ted con­tent“ zu ermög­li­chen.

11.20 Uhr. Jetzt steht ER weni­ge Meter neben mir. ER (1,80 m) ist viel grö­ßer, als ich ihn mir vor­ge­stellt habe. ER trägt ein schwar­zes Cordsak­ko – genau wie ich!

11.29 Uhr. Ich gehe IHM und sei­nem Assis­ten­ten seit eini­gen Minu­ten hin­ter­her und hal­te mit mei­ner Video­ka­me­ra drauf.
Plötz­lich lächelt ER und winkt direkt in die Lin­se. Was für ein höf­li­cher Mann!

11.32 Uhr. ER erreicht den Stand des Axel-Sprin­ger-Ver­lags. Die Leu­te um ihn her­um begrü­ßen IHN freund­lich und unter­hal­ten sich mit ihm.

11.38 Uhr. Eine jun­ge Frau bie­tet IHM Hot­dogs an. ER greift beherzt zu und schafft es bei­na­he, die Wurst im Bröt­chen wür­de­voll zu ver­spei­sen. ER ist so wich­tig, dass er nicht mal genug Zeit zum Essen hat – stän­dig muss er mit vol­lem Mund wei­ter­spre­chen. Ich neh­me alles auf Video auf.

11.56 Uhr. ER geht wei­ter. Die meis­ten Besu­cher der Mar­ke­ting-Mes­se erken­nen ihn gar nicht oder gehen ein­fach wei­ter. Doch ich ken­ne IHN und fol­ge ihm auf Schritt und Tritt.

12.00 Uhr. ER schaut mich an, dann kommt er auf mich zu. Sein Hän­de­druck ist männ­lich-fest, aber sei­ne Hän­de sind ange­nehm weich.
„Wenn ich irgend­was für Sie tun kann, müs­sen Sie Bescheid sagen“, sagt ER zu MIR. Ich fra­ge ihn, was er von der Kri­tik des Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­bands an sei­nen Leser­re­por­ter-Plä­nen sagt. Er ant­wor­tet aus­führ­lich und aus­ge­spro­chen höf­lich.

12.04 Uhr. ER muss wei­ter. Zum Abschied gibt er mir noch ein­mal die Hand und sagt: „Es ist mir ein Ver­gnü­gen“.
Dann geht er wei­ter und ich den­ke: WAS FÜR EIN MANN!

Was ich eigent­lich sagen woll­te: mein Video­in­ter­view mit Kai Diek­mann fin­den Sie jetzt drü­ben im BILD­blog.

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The Playboy Mention

Mal was ganz ande­res: Wel­chen Nach­rich­ten­wert hat es eigent­lich, wenn sich eine leid­lich bekann­te Blon­di­ne für ein Her­ren­ma­ga­zin aus­zieht und ein biss­chen über sich plau­dert?

Schöne Referendarin aus ARD-Hit "Die Stein": Ivonne Schönherr entblättert sich
(„RP Online“)

 Sexy Schauspielerin: Ivonne mag es verführerisch
(Express.de)

TV-Star Ivonne Schönherr im Playboy: "Beim Sex brauche ich Gefühl"
(Bild.de)

Bildergalerie: Ivonne Schönherr - Die Schauspielerin zieht sich für den Playboy aus
(welt.de)

"Eigentlich bin ich total schüchtern" MÜNCHEN – Ivonne Schönherr lässt die Hüllen fallen. Die Schauspielerin mit dem Schlafzimmerblick räkelt sich für den Playboy.
(blick.ch)

Im Oktober: TV-Star Ivonne Schönherr als sexy Playboy-Girl
(oe24.at)

Sexy Referendarin: "Die Stein"-Star Ivonne Schönherr im Playboy Oktober 2008
(de.msn.com)

Ivonne Schönherr im Playboy
(freenet.de)

Gute Grün­de, über das The­ma zu berich­ten, hat auch Bunte.de – immer­hin erscheint der „Play­boy“ im glei­chen Ver­lag:

Ivonne Schönherr stand nicht so auf Mathe & Physik

Eben­falls zu Hubert Bur­da Media gehört „Focus Online“. Auf deren Sei­te gibt es gleich meh­re­re Links zu playboy.de: ein­mal als Anzei­ge …

Anzeige: Playboy - Alles, was Männern Spaß macht. Special - Das Playmate des Monates. Playboy-Abo - Jetzt ein Geschenk sichern.

… und ein­mal als „Surf­tipp im Web“:

Surftipp im Web: Mehr schöne Frauen: Hier geht es zum Playboy

Die Fra­gen, wo die Unter­schie­de zwi­schen den bei­den Links lägen und ob das kei­ne unzu­läs­si­ge Ver­men­gung von Wer­bung und redak­tio­nel­lem Inhalt sei, konn­te man mir bei „Focus Online“ auf die Schnel­le nicht beant­wor­ten.

Auf die Spit­ze getrie­ben wird die Cross­pro­mo­ti­on inner­halb des Unter­neh­mens aller­dings von die­sem Arti­kel bei cinema.de, den ich hier der Ein­fach­heit hal­ber mal in vol­ler Län­ge, sowie inklu­si­ve aller Links und Bil­der wie­der­ge­ben möch­te:

Playboy: Ein Model in der Sauna. Die Schwäbin Alena Gerber arbeitet als Model in München. Abgelichtet wurde sie als Wiesn-Playmate im Wellness-Bereich eines Hotels in Südtirol. Die 19-Jährige wurde vor Jahren beim Einkaufen von einem Model-Scout angesprochen - wohl nicht zuletzt wegen ihrer Traummaße von 91-60-89. Sie mag schnelle Autos und Sushi und verreist gerne mit dem Motorrad. Mehr über das Playmate erfahren Sie hier. Auf dem Titel ist die Schauspielerin Ivonne Schönherr zu sehen.

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Give Facts A Chance

Ich weiß nicht, war­um sich Jour­na­lis­ten die­ser Tage so auf­fal­lend schwer damit tun, sich kor­rekt dar­an zu erin­nern, wann und wo John Len­non erschos­sen wur­de (8. Dezem­ber 1980 vor dem Dako­ta Buil­ding in Man­hat­tan, steht auch in der Wiki­pe­dia).

Ich weiß nur, dass es so ist:

1980 war bekanntlich John Lennon in New York vor dem Chelsea Hotel von David Chapman erschossen worden.
(„Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“, 7. Sep­tem­ber 2008)

John Lennon ist schon seit 26 Jahren tot, aber die Friedensmission der beiden lebt im Werk Yoko Onos weiter.
(„Welt am Sonn­tag“, 7. Sep­tem­ber 2008)

Nach dem Attentat auf John von 1969 fotografiert sie seine blutbespritzte Brille und macht draus ein Platten-Cover.
(„Bild“, 11. Sep­tem­ber 2008)

Mit Dank u.a. an BILD­blog-Hin­weis­ge­ber Wil­helm E.

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Tower Records

Preis­fra­ge: Was ist das?

a) Ein Plat­ten­co­ver von Wil­co.
b) Ein Foto der Mari­na City in Chi­ca­go, IL.
c) Ein Teil einer Bil­der­ga­le­rie bei „RP Online“.
d) Irgend­was mit Elf­ter Sep­tem­ber.

Sie brau­chen gar nicht lan­ge zu grü­beln oder jeman­den anru­fen: Alle vier Ant­wor­ten sind rich­tig.

Aus gege­be­nem kalen­da­ri­schen Anlass haben sich „Rhei­ni­sche Post“ und „RP Online“ des The­mas „Pop­mu­sik seit dem 11. Sep­tem­ber“ ange­nom­men. Autor Sebas­ti­an Peters beginnt bei Enyas Kata­stro­phen­be­gleit­mu­sik „Only Time“, erwähnt Songs („Let’s Roll“ von Neil Young) und Alben („The Rising“ von Bruce Springsteen), die unter den Ein­drü­cken der Ter­ror­an­schlä­ge ent­stan­den sind, und führt dann aus, dass der Pop poli­ti­scher gewor­den sei:

Die lin­ke Pop­kul­tur von Radio­head bis zu den Dixie Chicks wie­der­um hol­te zum Rund­um­schlag gegen Prä­si­dent Bush aus. Und neu­er­dings üben sich Stars von Kid Rock bis Madon­na im Plä­doy­er für Oba­ma und gegen die Repu­bli­ka­ner. Ohne Zwei­fel ist Pop­mu­sik in Ame­ri­ka nach dem 11. Sep­tem­ber poli­ti­scher gewor­den.

Nun pas­sen Radio­head und „Pop­mu­sik in Ame­ri­ka“ nicht unbe­dingt sooo gut zusam­men – noch weni­ger ver­ständ­lich ist aller­dings, wann sich Kid Rock „für Oba­ma“ aus­ge­spro­chen haben soll. Das letz­te, was der Proll­ro­cker zum The­ma Poli­tik gesagt hat, war eigent­lich die Auf­for­de­rung, dass Pro­mi­nen­te im Bezug auf Wahl­emp­feh­lun­gen die Klap­pe hal­ten soll­ten.

Peters schreibt über Pop, der „seit dem 11. Sep­tem­ber auch in Deutsch­land wie­der poli­tisch aufgeladen„sei, und belegt das wie folgt:

Auch die Sport­freun­de Stil­ler sind Stell­ver­tre­ter die­ser x‑ten „Neu­en Deut­schen Wel­le“. Ihr Lied „54, 74, 90, 2006“ sagt laut Ja zur Hei­mat, Sol­che Posi­tio­nen waren zuvor exklu­siv dem Schla­ger vor­be­hal­ten, plötz­lich lan­den sie in der Pop-Mit­te.

Jene Sport­freun­de Stil­ler, die im Jahr 2000 eine Sin­gle namens „Hei­mat­lied“ ver­öf­fent­licht haben?

Noch merk­wür­di­ger als der Text ist aber – immer­hin reden wir hier von „RP Online“ – die dazu­ge­hö­ri­ge Bil­der­ga­le­rie, in der acht Plat­ten­co­ver abge­bil­det und not­dürf­tig mit Titel und Inter­pret ver­se­hen sind (und das manch­mal auch noch feh­ler­haft).

Dort fin­det man:

  • den Sam­pler „Ame­ri­ca: A Tri­bu­te To Heroes“
  • Bruce Springsteens „The Rising“
  • „Are You Pas­sio­na­te?“ von Neil Young
  • „Riot Act“ von Pearl Jam (ver­mut­lich wegen des Songs „Bu$hleaguer“)
  • „Gold“ von Ryan Adams (ver­mut­lich, weil das Video zur Sin­gle „New York, New York“ am 7. Sep­tem­ber 2001 gedreht wur­de und das noch intak­te World Trade Cen­ter zeigt)
  • den Sam­pler „Love Songs From New York“ (kei­ne Ahnung, was das sein soll, Goog­le kennt’s nicht)
  • „Kid A“ von Radio­head
  • das oben gezeig­te „Yan­kee Hotel Fox­t­rot“ von Wil­co.

Zu mög­li­chen Par­al­le­len von „Kid A“ und den Ereig­nis­sen vom 11. Sep­tem­ber gibt es eine recht span­nen­de Abhand­lung von Chuck Klos­ter­man in sei­nem Buch „Kil­ling Yours­elf To Live“, aber das wird kaum der Grund sein, wes­halb die­ses, im Okto­ber 2000 erschie­ne­ne Album in der Bil­der­ga­le­rie auf­taucht. Immer­hin wer­den Radio­head ja im Text erwähnt, ganz anders als Wil­co.

Für deren Auf­tau­chen suche ich noch nach der rich­ti­gen Erklä­rung:

a) Weil „Yan­kee Hotel Fox­t­rot“ ursprüng­lich am 11. Sep­tem­ber 2001 ver­öf­fent­licht wer­den soll­te, was sich wegen eines Label­wech­sels aber bis April 2002 ver­zö­ger­te.
b) Weil sich auf dem Album ein Song namens „Ashes Of Ame­ri­can Flags“ befin­det, der sich aber (s. das geplan­te Ver­öf­fent­li­chungs­da­tum) nicht auf den 11. Sep­tem­ber bezieht.
c) Weil das Cover die Zwil­lings­tür­me eines Hoch­hau­ses zeigt, das – im Gegen­satz zum World Trade Cen­ter – auch heu­te noch steht.
d) Wie­so Erklä­rung? Da steht’s doch: „RP Online“.

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Lokalredaktionsrunde

Sven Gös­mann, Chef­re­dak­teur der „Rhei­ni­schen Post“, erklärt im Inter­view mit dem Düs­sel­dorf Blog, war­um sei­ne Zei­tung gera­de neue Lokal­re­dak­tio­nen auf­ge­macht hat (was sonst eher sel­ten pas­siert), und erklärt ganz neben­bei das Erfolgs­ge­heim­nis des „mit Abstand erfolg­reichs­ten natio­na­len Online­por­tals einer deut­schen Regio­nal­zei­tung“ (gemeint ist „RP Online“):

Nur BILD, Süd­deut­sche und FAZ lie­gen mit ihren Online-Auf­trit­ten vor rp-online. Wie wol­len Sie sich online behaup­ten bzw. Ihre Posi­ti­on noch ver­bes­sern und die Zahl der Page Impres­si­ons (PI’s) von der­zeit 51 Mio. monat­lich stei­gern?

Sven Gös­mann: Durch gute Inhal­te, eine kon­ti­nu­ier­li­che tech­ni­sche und jour­na­lis­ti­sche Ent­wick­lung, eine intel­li­gen­te Bewer­bung des Auf­tritts in der Zei­tung (wie auf den neu­en Lokal­sei­ten). Online ist kein Kon­kur­rent der Zei­tung, son­dern bei­de Kanä­le ergän­zen sich.

In wel­che Rich­tung die kon­ti­nu­ier­li­che Ent­wick­lung gehen soll, hat er frei­lich nicht gesagt.

[via Medi­en­le­se]

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Improve Your Importance!

Das Peo­p­le-Maga­zin „Vani­ty Fair“ (also des­sen tra­gi­scher deut­scher Able­ger) unter­nimmt zur Zeit mal wie­der einen Ver­such, Rele­vanz zu gene­rie­ren. Dies­mal nicht mit der belieb­ten Serie „Fried­man und die Nazis“, son­dern mit einer gro­ßen Abstim­mung:

Die 100 wichtigsten Deutschen: Stimmen Sie ab!  Sie geben unserem Land Profil, ziehen an den Strippen, sorgen für Kultur, Fortschritt und kontroverse Debatten: 100 Persönlichkeiten, die unsere Gegenwart prägen. Wählen Sie mit uns die wichtigsten Deutschen des Jahres! Unterschätzt oder überschätzt? Starten Sie die Top 100 und klicken Sie auf den entsprechenden Button. Jede Stimme zählt. Ihr Favorit ist nicht dabei? In unserem Forum können Sie ihn gerne nachnommieren. Klicken Sie hier, um sich für das Forum anzumelden.

Man wun­dert sich ein biss­chen, wer es so alles in die (aktu­el­le) Lis­te geschafft hat – über man­che Per­so­nen ärgert man sich, bei ande­ren hält man es für ver­dient und muss zuge­ben, dass man sie selbst ver­ges­sen hät­te.

Beson­ders ange­tan hat es den Machern und Nach­rei­chern der Lis­te offen­bar die Füh­rungs­eta­ge von „Spie­gel Online“ bzw. „Spiel­gel Online“:

65: Wolfgang Büchner - Geschäftsführer Spielgel Online

66: Rüdiger Ditz - Geschäftsführer Spiegel Online

91: Rüdiger Dietz

(Der Mann, der sich zwei Mal mit unter­schied­li­cher Schreib­wei­se, aber glei­chem Foto in der Lis­te fin­det, heißt kor­rekt übri­gens Rüdi­ger Ditz.)

Vor­ne wer­den die Plät­ze natür­lich vor allem von mobi­li­sier­ten Fan­clubs ver­ge­ben (es gibt kei­ne IP-Sper­re, jeder kann so oft abstim­men, wie er mag): Hape Ker­ke­ling, Tokio Hotel, Ange­la Mer­kel, Bushi­do, Bene­dikt XVI., Hel­mut Schmidt, Sido, …

Da stefan-niggemeier-fans.de.vu ver­mut­lich noch eini­ge Zeit auf sich war­ten las­sen wird, dach­te ich mir, ich könn­te ja ersatz­wei­se mal hier im Blog Stim­mung für mei­nen Chef machen – gera­de, wo sich die Ver­ant­wort­li­chen von vanityfair.de die Mühe gemacht haben, mal ein ande­res Foto von ihm zu fin­den.

Also: Kli­cket zuhauf!

PS: Sie tun vanityfair.de damit auch noch was Gutes, denn jeder Klick gilt als page impres­si­on und treibt damit deren Anzei­gen­prei­se in die Höhe.

Nach­trag, 30. August, 02:04 Uhr: Zum The­ma Ditz/​Dietz schick­te David M. die­sen schö­nen Screen­shot:

Außer­dem:

1: Stefan Niggemeier, Medienjournalist und Blogger

Nach­trag, 2. Sep­tem­ber: vanityfair.de hat auf die denk­bar unsou­ve­räns­te Wei­se reagiert und den Coun­ter für Ste­fan Nig­ge­mei­er (und offen­sicht­lich nur für ihn) ein­fach zurück­ge­setzt.

Unab­hän­gig davon bin ich der Mei­nung, dass die­se pein­li­che Abstim­mung inzwi­schen genug Auf­merk­sam­keit abbe­kom­men hat, und möch­te Sie des­halb bit­ten, mit vanityfair.de das zu tun, was man mit vanityfair.de am Bes­ten tut, und den Quatsch für­da­hin ein­fach zu igno­rie­ren.

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Kunst im Alltag: Lokalredaktion Bochum „Überschriften“

Bochum ist mit dem gesam­ten Ruhr­ge­biet Teil der Kul­tur­haupt­stadt 2010. Eine klei­ne Grup­pe von Sprach­akro­ba­ten möch­te sich dar­an mit ihrem Lite­ra­tur­pro­jekt betei­li­gen, das sie „Über­schrif­ten“ nennt.

Ers­te Kost­pro­ben ihres Kön­nens wer­den der­zeit im Kunst­ma­ga­zin „WAZ (Lokal­teil Bochum)“ abge­druckt und sol­len auch hier ange­mes­sen gewür­digt wer­den:

Da gibt es infor­ma­ti­ve Kurz­pro­sa mit ver­stö­ren­den Satz­an­fän­gen, die nur wenig län­ger ist als ein Arti­kel in der Regio­nal­pres­se zum sel­ben The­ma:

Opel plant am Standort Bochum ab 2010 eine Kapazität bis zu 260 000 Wagen pro Jahr:
Aber England baut den neuen Astra-Caravan früher

Es gibt humo­ris­ti­sche Spie­le­rei­en mit Prä­po­si­tio­nen:

Polizisten im Einsatz am Bordell verletzt

Und es gibt (über der Metah­pern- und Ver­glei­che­rei­chen Par­odie auf das jour­na­lis­ti­sche Gen­re des Kom­men­tars) Klein­ode, die in der Tra­di­ti­on der japa­ni­schen Hai­kus ste­hen:

Jacke mit Luft

Hal­ten Sie die Augen offen für wei­te­re Arbei­ten des Künst­ler­kol­lek­tivs „Lokal­re­dak­ti­on Bochum“. Unvor­stell­bar, was pas­sie­ren wür­de, wenn die­se krea­ti­ven Köp­fe auch noch die Mög­lich­kei­ten des Inter­nets für sich ent­deck­ten!

[mehr Kunst im All­tag]

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Das bizarre Massaker der Fehlorientierungen

Mei­ne ers­te „Bra­vo“ las ich im Deutsch­un­ter­richt der ach­ten Klas­se. Nicht heim­lich unter dem Tisch, son­dern auf Geheiß unse­res dama­li­gen Deutsch­leh­rers. Der hielt Deutsch­lands lang­le­bigs­te Jugend­zeit­schrift für ein Super-Bei­spiel, um uns den The­men­kom­plex „Zei­tung“ näher zu brin­gen. 1

Ich war damals drei­zehn Jah­re alt und den Inhal­ten der Zeit­schrift noch nicht wirk­lich gewach­sen. Die Unsi­cher­heit, wie man sich ange­sichts von Tex­ten über den vor­zei­ti­gen Samen­er­guss, Pet­ting und die neu­es­te Sin­gle von Worlds Apart ver­hal­ten soll­te, über­gin­gen mei­ne bes­ten Freun­de und ich, indem wir jede ein­zel­ne Sei­te mit viel Auf­wand künst­le­risch ver­schö­ner­ten. Beson­ders die Foto Love Sto­ry hat­te es uns ange­tan. 2

Nach der Klas­sen­ar­beit zu die­ser Unter­richts­ein­heit 3 war „Bra­vo“ für mich abge­hakt. Aus Spaß an der Freu­de kauf­ten wir uns aller­dings genau ein Jahr spä­ter eine wei­te­re Aus­ga­be, um auch die­se zu ver­schö­nern. Die Fest­stel­lung, dass sich die The­men im Abstand von exakt 52 Wochen wie­der­ho­len 4, war mei­ne ers­te Begeg­nung mit dem Medi­en­jour­na­lis­mus.

War­um erzäh­le ich Ihnen den gan­zen Scheiß aus mei­ner noch nicht mal pick­li­gen Puber­tät? Ich bin im Inter­net 5 auf eine völ­lig bizar­re Sei­te gesto­ßen, die es in Sachen Wahn locker mit der „Bür­ger­rechts­be­we­gung Soli­da­ri­tät“ auf­neh­men kann: „Kin­der in Gefahr“ – eine Akti­on der Deut­sche Ver­ei­ni­gung für eine Christ­li­che Kul­tur (DVCK) e.V.

Neben einer Pro­test­ak­ti­on gegen die „stei­gen­de Anzahl von Ero­tik-Sen­dun­gen“ im ZDF, etli­chen homo­pho­ben Aus­fäl­len und diver­sen wei­te­ren For­de­run­gen, die man allen­falls von den bekannt-durch­ge­knall­ten Eltern­or­ga­ni­sa­tio­nen in den USA erwar­tet hät­te, gibt es dort auch eine Unter­schrif­ten­ak­ti­on zum Ver­bot der „Bra­vo“.

Die­ses „Mas­sa­ker an der Kind­heit“ äußert sich nach Ansicht der Deut­schen Ver­ei­ni­gung für eine Christ­li­che Kul­tur bei­spiels­wei­se in die­sen Aus­prä­gun­gen:

  • Jede Woche wer­den ein Jun­ge und ein Mäd­chen split­ter­nackt abge­bil­det, die dabei über ihre Sexu­al­aben­teu­er berich­ten. So gut, wie in jeder Aus­ga­be wer­den Jugend­li­che beim Geschlechts­ver­kehr gezeigt.
  • In jeder Aus­ga­be gibt es Berich­te über The­men wie „Kama­su­tra“, „Ero­ti­sche Aus­st­rah-lung“, „Oral­sex“ usw. usf., natür­lich mit den dazu­ge­hö­ri­gen Ero­tik- und Nackt­fo­tos, ab-gese­hen von sexu­el­len Per­ver­sio­nen, wie bei­spiels­wei­se Fes­seln und Sado­ma­so-chis­mus.
  • Bizar­res wird als „cool“ und „toll“ dar­ge­stellt, wie bei­spiels­wei­se die „Rock-Par­ty“ der Punk-Grup­pe „Tokio Hotel“, die zu einer Zer­stö­rungs­or­gie wurde.Die Lis­te sol­cher Bei­spie­le könn­te man belie­big erwei­tern.

In einem wei­te­ren Arti­kel erklärt der (für Goog­le qua­si kom­plett unbe­kann­te) Prof. Dr. Die­ter Dahl, war­um die Inter­net­sei­te der „Bra­vo“ zu „see­li­scher Zer­stö­rung, Halt­lo­sig­keit, Fehl­ori­en­tie­run­gen und Sucht“ führt:

Dort wo ein Sex­part­ner nicht zur Hand ist, wird von BRAVO der Solo­sex, d.h. die Selbst­be­frie­di­gung, bebil­dert ein­ge­übt und zwar nach Jun­gen und Mäd­chen getrennt. Natür­lich für jeden ein­seh­bar.

Wenn man sich vor­stellt, wie schwer dem guten Pro­fes­sor das Tip­pen des Wor­tes „Selbst­be­frie­di­gung“ gefal­len sein muss, lässt sich erah­nen, was in ihm vor­ging, als er fol­gen­de Pas­sa­ge schrieb:

Ich fra­ge mich: Kann man sich an ver­ant­wort­li­cher Stel­le nicht vor­stel­len, daß ein Jun­ge sich an die­sen Dar­stel­lun­gen auf­geilt, davon nicht los­kommt, zum Dau­er­kon­su­ment und schließ­lich sex­süch­tig wird? Es ent­ste­hen dann see­li­sche Zer­stö­rung, Halt­lo­sig­keit, Fehl­ori­en­tie­run­gen, nicht zuletzt ande­re Süch­te, vor allem Dro­gen­sucht.

Fra­gen Sie mal die Mut­ter von Pete Doh­erty!

PS: Und wie man dem Hein­rich-Bau­er-Ver­lag eine eige­ne neun Jah­re alte Pres­se­mit­tei­lung im Mund her­um­dreht, kön­nen Sie in einem wei­te­ren Arti­kel lesen.

  1. Gerüch­ten zufol­ge ließ der glei­che Leh­rer in sechs­ten Klas­sen Auf­sät­ze mit dem The­ma „Mein ers­tes Mal“ schrei­ben. Es ist den Anstren­gun­gen unse­res her­zens­gu­ten Klas­sen­leh­rers zu ver­dan­ken, dass wir nur zwei Jah­re mit die­sem Päd­ago­gen zu tun hat­ten, der wenig spä­ter die Schu­le wech­sel­te. Es beun­ru­higt mich ein biss­chen, dass er auch heu­te mit Ende Fünf­zig noch Schü­ler (und vor allem Schü­le­rin­nen) unter­rich­tet.[]
  2. Ich hof­fe, ich den­ke dar­an, den gröbs­ten Irr­sinn beim nächs­ten Eltern­be­such mal zu scan­nen.[]
  3. Auf­ga­ben­stel­lung: Wahl­wei­se „Schrei­be einen Brief ans Dr.-Sommer-Team aus der Per­spek­ti­ve des Mäd­chens, das in der Foto Love Sto­ry ver­ge­wal­tigt wur­de“ oder „Schrei­be eine Bio­gra­phie über Mel B.“[]
  4. „Skan­dal­vi­deo von The Pro­di­gy“, Vor­zei­ti­ger Samen­er­guss, Mini­pos­ter von Jon Bon Jovi.[]
  5. Über eine Goog­le Ad bei bild.de.[]
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Die ungelegten Blues-Eier des Milchkaffee-Gedächtnisses

Wer auch immer den Sack mit den Stil­blü­ten in der Dins­la­ke­ner Lokal­re­dak­ti­on der „Rhei­ni­schen Post“ ver­ges­sen hat: er soll­te ihn schleu­nigst abho­len!

Der Umzug des Stadtarchivs ins Johannahaus hätte sicher Charme. Die historische Bedeutung des Gemäuers, das noch dazu im Herzen der Altstadt und in unmittelbarere Nähe zum städtischen Museum Voswinckelshof liegt, passte hervorragend für die Unterbringung des „städtischen Gedächtnisses“. Doch noch handelt es sich bei dieser Lösung um ein völlig ungelegtes Ei.

 Dinslaken (RP) Tango schmeckt nach Sommer und duftet nach bitter-süßem Milchkaffee, zumindest wenn „Quadro Nuevo“ ihn spielen. Bei der Fantastival-Jazznacht im Burginnenhof lud das Quartett zu einer sinnlichen Reise durch Europa ein.  In Polen hat die Sonne den Blues. Sie ist müde, und so schwermütig, dass der anschließende Spaziergang durch die engen Gassen Neapels im beinahe verklungenen Italien der 20er Jahre geradezu verträumt daher kommt, federleicht, warm, zärtlich.

Dis­clo­sure: Genau dort habe ich mei­ne ers­ten jour­na­lis­ti­schen Geh­ver­su­che unter­nom­men.

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20 Jahre Totalversagen

Jour­na­lis­ten lie­ben Jubi­lä­en. Im Gegen­satz zu tat­säch­li­chen, tages­ak­tu­el­len Ereig­nis­sen tre­ten die­se nicht über­ra­schend auf, man kann die The­men gründ­lich recher­chie­ren, mit Zeit­zeu­gen spre­chen und das Gesche­hen frei von Affek­ten in sei­nen his­to­ri­schen Kon­text ein­ord­nen. Ich wür­de nicht aus­schlie­ßen, dass die ers­ten Repor­ter am Abend des 11. Sep­tem­ber 2001 began­nen, ihre gro­ße „Ten years after“-Geschichte vor­zu­be­rei­ten.

Die­ser Tage jährt sich das Gei­sel­dra­ma von Glad­beck zum zwan­zigs­ten Mal. Ein im wahrs­ten Wort­sin­ne tra­gi­sches Ereig­nis, bei dem schlicht­weg alles schief ging, was schief gehen konn­te, und das inso­fern in einer Rei­he mit dem Olym­pia-Atten­tat von Mün­chen und der Schley­er-Ent­füh­rung steht. Eine Ver­ket­tung von Uner­fah­ren­heit und Inkom­pe­tenz auf Sei­ten der Behör­den, ein Total­ver­sa­gen der bericht­erstat­ten­den Pres­se.

Ich bin zu jung, um mich an die drei Tage im August 1988 erin­nern zu kön­nen, aber man kennt ja die Bil­der von Sil­ke Bisch­off mit der Pis­to­le an der Schlä­fe und Hans-Jür­gen Rös­ner mit der Pis­to­le zwi­schen den Zäh­nen. Und gera­de das Foto von Sil­ke Bisch­off macht die gro­ße Erin­ne­rungs­pa­ra­de, die schon seit eini­gen Wochen in den deut­schen Medi­en abge­hal­ten wird, zu einer Grat­wan­de­rung.

Bereits vor einem Monat brach­te „Bild“ im Zuge einer gro­ßen Glad­beck-Serie einen Arti­kel über Sil­ke Bisch­offs Mut­ter, der wie folgt über­schrie­ben war:

20 Jahre nach Gladbeck: Dieses Bild lässt die Mutter der toten Silke nie mehr los

Das Demons­tra­tiv­pro­no­men stand da natür­lich nicht ver­se­hent­lich, denn „die­ses Bild“ war dar­über natür­lich noch ein­mal rie­sen­groß abge­druckt. 1

Fast ähn­lich bizarr ist der Spa­gat, den die „WAZ“ voll­bringt: auf derwesten.de ist ein Foto von Tätern, Waf­fen und Gei­sel zu sehen, nur weni­ge Zen­ti­me­ter über die­sem Absatz:

Dass es überhaupt dieses Bild gibt: der Täter, die Waffe, die Geisel. Und dann aus dem Off diese Frage, was für eine Frage! "Was fühlen Sie so, mit der Waffe am Hals?" Silke Bischoff guckt fast freundlich über das Mikrofon, es ist ihr bald so nah wie der Revolver. "Gut", sagt sie, sie habe bloß Angst, "dass jemand umgebracht wird oder so".

Da weiß man auch nicht, ob die fol­gen­de Pas­sa­ge Selbst­kri­tik oder Recht­fer­ti­gung sein soll:

Jour­na­lis­ten han­deln statt nur zu beob­ach­ten. Ange­se­he­ne Repor­ter sind unter ihnen, von öffent­lich-recht­li­chen Sen­dern und auch von der WAZ. Oft weiß die Pres­se mehr als die Poli­zei.

Es ist schwie­rig, über die Feh­ler der Pres­se von damals zu berich­ten, in der Pres­se von heu­te. Und es ist schwie­rig, die­se Fotos zu ver­wen­den. Einer­seits gibt es sie, sie sind jour­na­lis­ti­sche Fak­ten, die damals geschaf­fen wur­den und nicht rück­gän­gig gemacht wer­den kön­nen. Ande­rer­seits besteht die Gefahr, mit jedem Wie­der­ab­druck nicht nur das Leid der Ange­hö­ri­gen (s. o.) zu ver­grö­ßern, son­dern auch die Demü­ti­gung der dama­li­gen Opfer zu wie­der­ho­len. Wir haben es natür­lich mit Zeit­do­ku­men­ten zu tun, aber man kann sie heu­te nur zei­gen, weil die Medi­en damals ver­sagt haben. Und so ist es eini­ger­ma­ßen schi­zo­phren, das Medi­en­ver­sa­gen von damals mit genau die­sen Fotos zu bebil­dern.

Wenn man län­ger über die­sen Sach­ver­halt nach­denkt, befin­det man sich plötz­lich tief in einer ethi­schen Grund­satz­dis­kus­si­on. Wozu sind Bil­der wie die von der ver­ängs­tig­ten Sil­ke Bisch­off auf der Rück­bank oder von Hanns Mar­tin Schley­er im durch­ge­schwitz­ten Unter­hemd da? Sol­len sie mah­nen, dass sich das Gezeig­te nicht wie­der­ho­len dür­fe, sol­len sie Mit­leid erzeu­gen oder sol­len sie (aber­mals) die Sen­sa­ti­ons­gier befrie­di­gen? 2 Sol­che Bil­der sind durch ihre stän­di­ge Wie­der­ho­lung irgend­wann mehr als nur die Abbil­dung von Ereig­nis­sen. Sie wer­den zu pop­kul­tu­rel­len Iko­nen, so wie die Ein­schlä­ge der Flug­zeu­ge am 11. Sep­tem­ber 2001, die bereits einen Tag spä­ter als Dau­er­schlei­fe Teil des On-Screen-Designs in den Son­der­sen­dun­gen von RTL waren. Sie waren aber genau genom­men auch nie nur die Abbil­dung von Ereig­nis­sen, gera­de die­se Bil­der waren selbst Teil der Ereig­nis­se.

Auch stellt sich die Fra­ge, ob es „gut“, „schlecht“ oder „egal“ ist, wenn sol­che Bil­der zu Iko­nen wer­den. Ver­mut­lich kommt es da unter ande­rem dar­auf an, ob man sich an die Täter oder an die Opfer erin­nert. Es lau­fen ja ernst­haft immer noch Men­schen mit dem Foto von Charles Man­son auf dem T‑Shirt her­um und Mari­lyn Man­son hat sich ja bewusst nach Mari­lyn Mon­roe und Charles Man­son benannt. Die Band 18 Sum­mers hieß übri­gens lan­ge Jah­re Sil­ke Bisch­off, was man ganz und gar geschmack­los fin­den, aber viel­leicht auch ver­ste­hen kann, wenn Sän­ger Felix Flau­cher erklärt, dass es ihm um das Schick­sal einer Ein­zel­per­son gehe, das viel stär­ker berüh­ren kann als das einer anony­men Men­ge.

Wenn wir als Schü­ler im Geschichts­un­ter­richt Fotos aus den frisch befrei­ten Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern gezeigt beka­men, war die Bot­schaft klar: So etwas darf nie wie­der pas­sie­ren, sorgt gefäl­ligst dafür! Was aber sol­len uns die Fotos von Glad­beck 3 heu­te sagen? Für Jour­na­lis­ten schwingt da natür­lich ein „nie wie­der“ mit und die – zuge­ge­ben eher theo­re­ti­sche – Fra­ge, wie man sich eigent­lich selbst in einem sol­chen Fall ver­hal­ten wür­de. Aber Jour­na­lis­ten sind eine ziem­li­che Min­der­heit.

Ande­rer­seits rufen Medi­en in Groß­bri­tan­ni­en oder den USA schon län­ger ihre Zuschau­er bzw. Leser dazu auf, sich bei gro­ßen Ereig­nis­sen (also span­nen­den Kata­stro­phen) an der Bericht­erstat­tung zu betei­li­gen. So kam CNN im ver­gan­ge­nen Jahr an einen Teil sei­ner Bil­der vom Amok­lauf in Blacksburg, VA. Udo Röbel, der sich damals als Repor­ter des Köl­ner „Express“ beson­ders unrühm­lich her­vor­tat, als er zu den Tätern ins Auto stieg und sie aus der Stadt lots­te, sagt jetzt in einem sehr lesens­wer­ten Arti­kel der „Süd­deut­schen Zei­tung“:

„Aber was ich schon glau­be, ist, dass wir irgend­wann ein Glad­beck ande­rer Art krie­gen könn­ten. Inzwi­schen tum­meln sich ja Leu­te in der Medi­en­welt, die Jour­na­lis­mus gar nicht gelernt haben. Es gibt Mül­ler, Mei­er, Schul­ze, die mit dem Han­dy unter­wegs sind und jeder­zeit in Situa­tio­nen kom­men kön­nen, wo etwas pas­siert, was sie dann fil­men.“

Viel­leicht wür­de ein ähn­li­ches Ver­bre­chen heu­te unter der 1414 statt­fin­den.

Lan­ge wird die Erin­ne­rung an „Glad­beck“ und die Selbst­re­fle­xi­on aller­dings sowie­so nicht vor­hal­ten: am 28. August steht „20 Jah­re Ram­stein“ an.

  1. Dass das Foto inzwi­schen aus der Online-Ver­si­on des Arti­kels ent­fernt wur­de, hat wenig zu bedeu­ten – erfah­rungs­ge­mäß hat das bei Bild.de häu­fig mit Bild­rech­ten und sel­ten mit Anstand zu tun.[]
  2. Der Fall Schley­er unter­schei­det sich vom Fall Bisch­off inso­fern, als die Ent­füh­rer die Fotos selbst gemacht haben – zum einen, um zu bewei­sen, dass sie Schley­er tat­säch­lich in ihrer Gewalt haben und er noch lebt, zum ande­ren sicher auch, um ihr Opfer zu demü­ti­gen.[]
  3. „Glad­beck“ ist ja in die­sem Fall auch nur ein ver­ein­fa­chen­des Schlag­wort, Sil­ke Bisch­off wur­de ja in Bre­men als Gei­sel genom­men, die berühmt-berüch­tig­ten Fotos ent­stan­den auf der Dom­plat­te in Köln.[]
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Die „Rheinische Post“ schafft Fakten

Ste­fan sagt mir regel­mä­ßig, ich sol­le mich nicht so inten­siv mit „RP Online“ beschäf­ti­gen, das sei unge­sund. Und dann schreibt er sol­che Ein­trä­ge

In den Kom­men­ta­ren fin­det sich der Ver­such einer Rela­ti­vie­rung, der ich mich als ehe­ma­li­ger frei­er RP-Lokal­schrei­ber eigent­lich ger­ne anschlie­ßen wür­de:

Was dort über das Gesche­hen in Kaarst-Bütt­gen, Erkrath oder Tie­fen­broich bei RP-Online zu fin­den ist, hat sicher kein “New York Times”-Niveau, ist aber ganz nor­ma­ler Lokal­jour­na­lis­mus.

Aber dann bin ich bei einem kur­zen Besuch bei „RP Online“ ver­se­hent­lich über einen Lokal-Arti­kel aus Düs­sel­dorf gestol­pert. Es geht um die Tra­di­ti­ons­gast­stät­te „Uel“ in der ich auch schon geses­sen und Bier etwas getrun­ken habe:

 Düsseldorf (RP) Gerüchte um das Traditionslokal „Uel“ auf der Ratingerstraße im Herzen der Altstadt: Gäste befürchten, dass ihr Stammlokal, in dem schon der Dichter Theodor Fontane und der Künstler Joseph Beuys verkehrten, im kommenden Jahr dicht machen wird.

Dem bis­he­ri­gen Wirt ist sein Ver­trag nicht ver­län­gert wor­den, er fürch­tet, dass nach sei­nem Abgang die „Bal­ler­mann-Sze­ne“ in die tra­di­ti­ons­rei­che Ratin­ger Stra­ße schwap­pen wird.

Ande­rer­seits:

Hauseigentümer Schöneborn beruhigt: „Natürlich bleibt der Name „Uel“. Ich bin aber aus verschiedenen Gründen unzufrieden mit dem bisherigen Pächter. Herrn Sudhoff hat im übrigen selbst angedeutet, dass er sich über kurz oder lang zurückziehen will.“  Mit einem neuen Pächter ist schon einen Vorvertrag abgeschlossen worden. Schöneborn: „Ein ganz hervorragender Gastronom. Wir werden einige Dinge verbessern und verschönern. Aber es kommt hier kein Schickimicki-Lokal rein. Der Stil des Traditionslokals bleibt auf jeden Fall erhalten.“

Stand der Din­ge ist also: der aktu­el­le Wirt muss raus und fürch­tet um den Ruf des Tra­di­ti­ons­hau­ses, der Eigen­tü­mer sagt, es soll im Wesent­li­chen alles erhal­ten blei­ben. Und Gäs­te „befürch­ten“, dass das Lokal ganz schlie­ßen kön­ne.

Wie also, glau­ben Sie, wird die­ser Sach­ver­halt in einer Über­schrift zusam­men­ge­fasst? Also, bei „RP Online“ bzw. der „Rhei­ni­schen Post“?

Kla­ro:

Angst um Stimmung auf der Ratinger: Traditionslokal "Uel" schließt

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„New York Times“: Wir korrigieren jeden Fehler

Wäh­rend es deut­sche Medi­en mit der Kor­rek­tur von Feh­lern nicht ganz so genau neh­men …

Ent­schul­di­gung, ich erfah­re gera­de vom Cof­fee-And-TV-Euphe­mis­mus­be­auf­trag­ten, dass das viel zu freund­lich aus­ge­drückt war.

Wäh­rend den meis­ten deut­schen Medi­en die Kor­rek­tur ihrer Feh­ler scheiß­egal ist, hat sich die „New York Times“ (die auch schon mal wort­reich mit­ge­teilt hat­te, die bul­ga­ri­sche Haupt­stadt ver­se­hent­lich „Sophia“ und nicht „Sofia“ genannt zu haben) ges­tern mit einer ganz beson­de­ren Kor­rek­tur her­vor­ge­tan:

A lis­ting of cre­dits on April 28, 1960, with a thea­ter review of “West Side Sto­ry” on its return to the Win­ter Gar­den thea­ter, missta­ted the sur­na­me of the actor who play­ed Action. He is Geor­ge Liker, not John­son. (Mr. Liker, who hopes to audi­tion for a role in a Broad­way revi­val of the show plan­ned for Febru­ary, brought the error to The Times’s atten­ti­on last month. )

[via „Spie­gel Online“, die ihre Feh­ler im Gro­ßen und Gan­zen ganz gut kor­ri­gie­ren]