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Fernsehen Rundfunk

Tatort Programmdirektion

Am Sams­tag­abend soll­te im WDR Fern­se­hen „Herr Schmidt wird 50, will aber nicht fei­ern“ wie­der­holt wer­den. Die Sen­dung mit die­sem irre wit­zi­gen1 Titel, die erst am Vor­abend in der ARD ihre Erst­aus­strah­lung erlebt hat­te, lief aber nicht. Nicht nur Micha­el vom Fern­seh­le­xi­kon frag­te sich, wie­so.

Heu­te Mor­gen dann erfuhr ich bei der Früh­stücks­lek­tü­re der „Süd­deut­schen Zei­tung“ den Grund:

„Auf­grund der zu erwar­ten­den schlech­ten Zuschau­er­ak­zep­tanz im WDR Fern­se­hen haben wir uns ent­schie­den, sie kurz­fris­tig aus dem Pro­gramm zu neh­men und statt­des­sen einen ‚Tat­ort‘ zu sen­den“, teilt Pres­se­spre­che­rin Kris­ti­na Bausch mit.

Da fällt einem zunächst nichts mehr ein und dann eine gan­ze Men­ge.

Ers­tens hat­te Micha­el offen­bar (und wie’s aus­sieht eher unfrei­wil­lig) Recht mit einer sei­ner drei Ver­mu­tun­gen:

Man hat fest­ge­stellt, dass 1,98 Mil­lio­nen Zuschau­er bei der Erst­aus­strah­lung von Herr Schmidt wird 50, will aber nicht fei­ern gar kei­ner so guten Ein­schalt­quo­te ent­spre­chen.
Und will den vie­len Blö­den, die es nicht gese­hen haben, bloß kei­ne Chan­ce geben, das Ver­pass­te nach­zu­ho­len? Ja, klingt schlüs­sig.

Zwei­tens dürf­te zumin­dest jedem, der nicht Betriebs­wirt oder Medi­en­öko­nom ist, ein­leuch­ten, dass eine Sen­dung, die ange­kün­digt ist, in jedem Fall mehr Zuschau­er haben dürf­te als eine, die nicht ange­kün­digt ist: Wer vor dem Fern­se­her saß und Schmidt sehen woll­te, hat die Glot­ze ver­mut­lich noch wäh­rend des „Tatort“-Vorspanns ent­täuscht aus­ge­tre­ten – und wer zu den fünf Leu­ten gehört, die Sams­tags­abend ger­ne noch eine „Tatort“-Wiederholung mit­neh­men wür­den, lag wahr­schein­lich schon im Bett, denn selbst auf der Inter­net­sei­te des WDR stand zu die­sem Zeit­punkt noch, dass „Herr Schmidt …“ lau­fe. Die 210.000 Zuschau­er (6,4% Markt­an­teil) waren bestimmt ein­fach im Fern­seh­ses­sel ein­ge­pennt.

Drit­tens ist das ein Satz, den man nor­ma­ler­wei­se von Pro­Sie­ben-Ver­ant­wort­li­chen hört. Wenn ein gebüh­ren­fi­nan­zier­ter Sen­der wie der WDR meint, sei­ne hek­ti­sche und völ­lig kopf­los wir­ken­de Pro­gramm­po­li­tik mit dem Blick auf die Quo­te erklä­ren zu kön­nen, ver­wirkt er damit in mei­nen Augen sofort und auf alle Zeit den Anspruch, in der Gebüh­ren­debat­te ernst genom­men zu wer­den. Pro­gramm­pla­ner, die ihre (nicht ganz frei­wil­lig) zah­len­den Zuschau­er mit dem Hin­weis auf Öko­no­mie und Quo­ten­druck der­art vor den Kopf sto­ßen, wären wohl selbst fürs Pri­vat­fern­se­hen noch zu dreist.

Anders als die­ser pro­gramm­pla­ne­ri­sche Offen­ba­rungs­eid war die abge­setz­te Sen­dung übri­gens kaum der Rede wert: Sie wur­de ges­tern Abend bei Eins­Fes­ti­val wie­der­holt und ent­pupp­te sich als einer die­ser (von den zustän­di­gen Redak­teu­ren ver­mut­lich als „wahn­sin­nig inno­va­tiv“ emp­fun­de­nen) wüs­ten Zusam­men­schnit­te, die weder chro­no­lo­gisch noch seman­tisch einen Sinn erge­ben. Ohne Off-Spre­cher oder sonst ein ver­bin­den­des Ele­ment wur­den tau­send­mal gezeig­te Sze­nen aus Harald Schmidts bis­he­ri­gem Fern­seh­schaf­fen durch­ein­an­der gewür­felt und mit (wahr­schein­lich „total iro­nisch“ gemein­ten) Sze­nen gar­niert, in denen u.a. Tho­mas Gott­schalk, Elke Hei­den­reich, Ingolf Lück und immer­hin auch Her­bert Feu­er­stein vor einer gip­ser­nen Harald-Schmidt-Büs­te Barock­mu­sik vor­tru­gen. Und weil die ARD ja jetzt alles im 16:9‑Format sen­den muss, wur­den die Aus­schnit­te, die noch im rich­ti­gen Fern­seh­for­mat vor­la­gen, an den Sei­ten mit einer idio­ti­schen Blüm­chen­ta­pe­te auf­ge­füllt, damit das Bild voll ist. Ach, es war ganz schreck­lich – könn­te aber im Fal­le von Schmidts Able­ben jeder­zeit wie­der­holt wer­den.

1 Dem­nächst wirk­lich an die­ser Stel­le: Die zehn schöns­ten Acht­zi­ger-Jah­re-Adjek­ti­ve.

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Heute anonym

In ihren emsi­gen Bestre­bun­gen, der „Bild“-Zeitung immer ähn­li­cher zu wer­den, ist die „Rhei­ni­sche Post“ einen gan­zen Schritt wei­ter­ge­kom­men.

Die Sams­tags­aus­ga­be sah so aus:

“Rheinische Post” vom 25. August 2007

Über das Foto der Deut­schen-Bank-Zen­tra­le ist ein Brief gelegt, den eine Düs­sel­dor­fer Anwalts­kanz­lei an die Deut­sche Bank geschickt hat. In der Gra­fik­ab­tei­lung der „RP“ gab man sich größ­te Mühe, die­sen Brief zu anony­mi­sie­ren – und dabei trotz­dem dem gro­ßen Vor­bild treu zu blei­ben:

Beinahe anonym in der “RP”
(Rote Far­be: „Rhei­ni­sche Post“, Schwar­ze Bal­ken: Cof­fee And TV)

Bei­na­he wie die Pro­fis

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Musik

Heulen und Zähneklappern

Stel­len Sie sich vor, Sie wür­den von der ame­ri­ka­ni­schen Musik­in­dus­trie­or­ga­ni­sa­ti­on RIAA für die Benut­zung von Inter­net-Tausch­bör­sen auf Scha­den­er­satz ver­klagt.

Was wäre schlim­mer: die Aus­sicht auf kost­spie­li­ge Zah­lun­gen und einen mög­li­chen Gefäng­nis­auf­ent­halt oder die Pres­se­mel­dung, dass Sie unter ande­rem „My Favo­ri­te Mista­ke“ von Sheryl Crow und „Did­n’t We Almost Have It All“ von Whit­ney Hous­ton her­un­ter­ge­la­den hät­ten?

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Film Digital Leben

Wie ich einmal Filmgeschichte schrieb

Immer wie­der wer­de ich von Men­schen (manch­mal wild­frem­den) gefragt: „Sag mal Lukas, wie­so hast Du eigent­lich einen Ein­trag in der Inter­net Movie Data­ba­se?“

Okay, das ist gelo­gen. Genau­ge­nom­men bin ich noch nie gefragt wor­den, war­um ich eigent­lich einen Ein­trag in der IMDb habe. Aber ich erzähl die Geschich­te ein­fach trotz­dem mal:

Die Vor­ge­schich­te
Im Früh­som­mer 1999 soll­ten wir im Deutsch­un­ter­richt der damals zehn­ten Klas­se „etwas krea­ti­ves“ machen. Und da eini­ge Freun­de und ich im Früh­jahr für unse­re sehr moder­ne Ver­fil­mung (man­che wür­den sie „avant­gar­dis­tisch“ nen­nen – oder „krank“) von E.T.A. Hoff­manns „Das Fräu­lein von Scu­de­ri“ eine Eins bekom­men hat­ten, dach­ten wir uns: „Klar, wir dre­hen wie­der einen Film!“

Im Zuge des damals vor­herr­schen­den Mill­en­ni­um-Hypes (und weil der Deutsch­land­start von „Matrix“ kurz bevor stand) ent­wi­ckel­ten wir eine Geschich­te, in der der Teu­fel auf die Erde kommt, um die Apo­ka­lyp­se ein­zu­lei­ten. Mit mei­nem bes­ten Freund schrieb ich das Dreh­buch zu „Doomsday 99“ und als wir alle aus dem Som­mer­ur­laub zurück waren, stürz­ten wir uns in die Dreh­ar­bei­ten, die alles in allem etwa sechs Wochen ver­schlan­gen.

Mit dem har­ten Kern von acht Leu­ten dreh­ten wir in so ziem­lich allen Wohn­häu­sern, derer wir hab­haft wur­den, in ver­las­se­nen Indus­trie­rui­nen (wofür wir über Zäu­ne klet­tern und unter halb­ver­schlos­se­nen Toren drun­ter­her­rol­len muss­ten) und in Autos, hin­ter deren Fens­tern grü­ne Tisch­de­cken gespannt waren (kei­ner von uns hat­te damals einen Füh­rer­schein und bei „City­ex­press“ fuhr der Zug schließ­lich auch nicht wirk­lich).

Ich fun­gier­te als Regis­seur, Kame­ra­mann, Dreh­buch­au­tor und Pro­du­zent in Per­so­nal­uni­on, was haupt­säch­lich bedeu­te­te, dass ich mei­ne Freun­de und jün­ge­ren Geschwis­ter her­um­kom­man­dier­te, anschrie und manch­mal mit Sachen bewarf. Anschlie­ßend schnitt ich den Film auf dem Video­schnitt­ge­rät mei­nes Groß­va­ters, dem heu­te weit­ge­hend unbe­kann­ten „Casa­blan­ca“, wo ich auch das grü­ne Tisch­tuch durch Land­schafts­auf­nah­men ersetz­te, die ich aus dem fah­ren­den Auto mei­nes Vaters her­aus getä­tigt hat­te.

Die über­aus spek­ta­ku­lä­ren Ergeb­nis­se (wie wir fan­den) sahen in etwa so aus:

Green Screen beim Dreh von “Doomsday” (vorher/nachher)

Im Sep­tem­ber – wir gin­gen längst in die elf­te Klas­se – zeig­ten wir den fer­ti­gen Film end­lich im Deutsch­un­ter­richt. Und obwohl er blut­rüns­tig, gewalt­tä­tig und zu einem nicht gerin­gen Maße Frau­en­ver­ach­tend war (kei­ne weib­li­che Per­son blieb län­ger als fünf Minu­ten am Leben – aller­dings auch kaum eine männ­li­che), beka­men wir dafür eine Eins bei „Sons­ti­ge Mit­ar­beit“ auf­ge­schrie­ben. Der Film wur­de im klei­nen Sozio­top eines Dins­la­ke­ner Gym­na­si­ums das, was man wohl als „Kult“ bezeich­net. Oder als „Trash“. Oder als „so schlecht, dass es schon fast wie­der gut ist“.

Der Ein­trag
Weil wir so unge­heu­er stolz auf unse­ren Film waren, woll­ten wir natür­lich auch, dass er ange­mes­sen gewür­digt wird. Ein Ein­trag in der IMDb erschien uns also das Min­des­te.

Ich mach­te mich schlau und stell­te fest, dass man die Daten­bank mit einem ein­fa­chen Daten­string füt­tern konn­te. Also schrieb ich die Mit­wir­ken­den unse­rer letz­ten drei Fil­me („Jesus – Back for God“ von den Tagen reli­giö­ser Ori­en­tie­rung im Janu­ar, „E.T.A. Hoffmann’s Das Fräu­lein von Scu­de­ri“ aus dem Früh­jahr und „Doomsday 99“ eben) in eine E‑Mail und schick­te das Gan­ze ab.

Nach eini­gen Wochen erhielt ich die Ant­wort, dass unse­re Fil­me abge­lehnt wor­den sei­en. In der ame­ri­ka­ni­schen Ent­spre­chung von „da könn­te ja jeder kom­men“ hieß es, die Fil­me müss­ten min­des­tens auf einem aner­kann­ten Film­fes­ti­val gelau­fen sein.

Ein paar Wochen spä­ter stell­te ich fest, dass mein bes­ter Freund Ben­ja­min, der bei unse­rem „Jesus“-Film Regie geführt hat­te, plötz­lich als Regis­seur des TV-Zwei­tei­lers „Jesus“ geführt wur­de. Die­ser Ein­trag war nach weni­gen Tagen wie­der ver­schwun­den.

Wie­der ein paar Wochen spä­ter stell­te ich fest, dass der Daten­satz der „Doomsday“-Produzenten1 offen­bar als ein­zi­ger durch­ge­kom­men war und über­lebt hat­te – in den Cre­dits des mir bis heu­te völ­lig unbe­kann­ten B‑Movies „Doomsday Man“.

Die Fol­gen
Wir waren glei­cher­ma­ßen ent­täuscht wie erhei­tert über das, was die IMDb da so gebo­ten hat­te. Aber wir ver­ga­ßen das alles, als im Dezem­ber 1999 ein Film anlief, der Hand­lung, Sze­nen und sogar ein­zel­ne Ein­stel­lun­gen aus „Doomsday“ geklaut zu haben schien: „End Of Days“ mit Arnold Schwar­zen­eg­ger. Dann sahen wir ein, dass die Dreh­ar­bei­ten dazu schon vor län­ge­rer Zeit statt­ge­fun­den haben muss­ten, und bei­de Fil­me jetzt nicht sooooo ori­gi­nell waren. Da war uns auch „End Of Days“ egal – wie der Film übri­gens jedem egal sein soll­te.

Mit den Jah­ren stell­ten wir fest, dass offen­bar ziem­lich vie­le Film­da­ten­ban­ken ihre Daten­sät­ze mit denen der IMDb … nun ja: abglei­chen – und so ste­hen wir heu­te nicht nur dort, son­dern auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Und weil Sie die­se klei­ne, fei­ne, aber doch irgend­wie unspek­ta­ku­lä­re Geschich­te bis zum Schluss durch­ge­le­sen haben, sol­len Sie dafür mit einem klei­nen Schman­kerl belohnt wer­den. Es sind – natür­lich – die bes­ten Sze­nen aus „Doomsday“:

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1

Wir hat­ten in der Zwi­schen­zeit erkannt, dass „Doomsday 99“ doch ein zeit­lich zu begrenzt ver­wert­ba­rer Titel sein wür­de.

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Unterwegs

Regenzeit

Nach nun­mehr 48 Stun­den Dau­er­re­gen („gefühl­tem Dau­er­re­gen“, zumin­dest) dach­te ich mir, es sei mal an der Zeit für ein biss­chen Eska­pis­mus und Fern­weh.

Des­we­gen jetzt und hier: Eine Minu­te San Fran­cis­co, CA – im Regen. Auf­ge­nom­men im ver­gan­ge­nen Novem­ber.

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So lan­ge wie ich zum Umco­die­ren und Hoch­la­den mei­nes ers­ten You­Tube-Clips ever gebraucht habe, hat es natür­lich auf­ge­hört zu reg­nen.

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Schöner löschen

Deutsche Bank in New York, NY

Von der deut­schen Pres­se weit­ge­hend unbe­ach­tet sind am Sams­tag bei einem Brand im frü­he­ren „Deut­sche Bank Tower“ am New Yor­ker „Ground Zero“ zwei Feu­er­wehr­leu­te ums Leben gekom­men. Das Gebäu­de war beim Ein­sturz des World Trade Cen­ters am 11. Sep­tem­ber 2001 so schwer beschä­digt wor­den, dass es jetzt, nach lan­gen Pla­nun­gen, Stück für Stück abge­ris­sen wird.

Schon wie­der zwei tote Feu­er­wehr­leu­te, qua­si genau an dem Ort, wo vor knapp sechs Jah­ren schon 343 Kol­le­gen ihr Leben lie­ßen. Klar, dass sowas alte Wun­den auf­reißt. Ver­ständ­lich, wenn man da von einem „House of Hor­rors“ spricht.

Wie hilf­reich mag es da noch sein, dass die Unter­neh­mens­be­ra­tung McK­in­sey den Feu­er­wehr­leu­ten jetzt erklä­ren will, wie deren Jobs zu machen sei­en?

After the Sept. 11 attack at the World Trade Cen­ter, an inde­pen­dent con­sul­tant stu­di­ed the Fire Department’s per­for­mance and iden­ti­fied a num­ber of lap­ses amid all the unde­niable valor of that day. It said that too many men rus­hed into the buil­dings befo­re anyo­ne rea­li­zed the dan­ger they were in, con­tri­bu­ting to the stag­ge­ring death toll.

The con­sul­tant, McK­in­sey & Com­pa­ny, said the Fire Depart­ment nee­ded to use more cau­ti­on and pre­pa­ra­ti­on when it approa­ched such a major, com­pli­ca­ted fire, and not send too many men in befo­re it knew what it was deal­ing with.

Die „New York Times“ liegt sicher­lich nicht falsch, wenn sie fest­stellt:

In a way, it is a deba­te that goes to the heart of Fire Depart­ment cul­tu­re — rus­hing into bur­ning buil­dings, after all, is what fire­figh­ters do.

Nun han­del­te es sich bei der Rui­ne der Deut­schen Bank um ein leer­ste­hen­des Gebä­de, des­sen Infra­struk­tur schon so weit in Mit­lei­den­schaft gezo­gen war, dass die Steig­lei­tun­gen nicht mehr rich­tig funk­tio­nier­ten und die Feu­er­wehr­leu­te dem Groß­brand des­halb mit tro­cke­nen Schläu­chen gegen­über­stan­den, bis ihnen die Luft aus­ging. Man hät­te also in aller Ruhe erst mal gucken kön­nen, was da denn so los ist, und dann irgend­wann mal das Feu­er löschen kön­nen, denkt da der Außen­ste­hen­de, für den der täg­li­che Berufs­ver­kehr das Höchst­maß an Gefahr dar­stellt.

Trotz­dem erscheint es mir (selbst für eine berufs­be­dingt zyni­sche Unter­neh­mens­be­ra­tung) eine Spur zu zynisch, Feu­er­wehr­leu­ten, die ihr eige­nes Leben ris­kie­ren, um das ande­rer Men­schen zu ret­ten, erklä­ren zu wol­len, wie man ihren Beruf bes­ser und effek­ti­ver aus­üben könn­te. Die wer­den ja wohl kaum in selbst­mör­de­ri­scher Absicht in bren­nen­de Gebäu­de ren­nen.

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Musik

Kilians-Content KW 34

Es hat sich mal wie­der viel getan bei der erklär­ten Cof­fee-And-TV-Lieb­lings­band:

  • Die Sin­gle „Enforce Yours­elf“ läuft bei eini­gen Radio­sta­tio­nen rauf und run­ter. Auf der MySpace-Sei­te der Band kann man sich den Song anhö­ren, bei You­Tube gibt’s das Video dazu und auf der frisch gere­launch­ten offi­zi­el­len Band­sei­te auch noch ein Making Of.
  • Das Album „Kill The Kili­ans“ erscheint am 7. Sep­tem­ber und kann bei Ama­zon bereits vor­be­stellt wer­den.
  • „VISIONS.de“ ver­lost fünf mal zwei Gäs­te­lis­ten­plät­ze für das exklu­si­ve Radio­kon­zert, das die Kili­ans am 5. Sep­tem­ber in Bochum für die Cam­pus­ra­di­os NRW spie­len wer­den. Nähe­re Infos dazu fin­det man lei­der weder bei den Cam­pus­ra­di­os NRW, noch beim ört­li­chen Cam­pus­ra­dio.
  • Dafür kann man auf campuscharts.de „Enforce Yours­elf“ in die Cam­puscharts wäh­len – also dahin, wo die Kar­rie­re der Senk­recht­star­ter vor gut andert­halb Jah­ren ihren Anfang fand. Bei „MTV TRL“ und „MTV TRL Rock“ kann man auch für den Song voten.
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Politik

Biegen und Brechen

NRW wird seit zwei Jah­ren von einer schwarz-gel­ben Lan­des­re­gie­rung regiert, die es bin­nen kür­zes­ter Zeit geschafft hat, dass sich die Bevöl­ke­rung die zuletzt ver­hass­te rot-grü­ne Vor­gän­ger­re­gie­rung zurück­wünscht. Wer nach dem Macht­wech­sel geglaubt hat­te, es kön­ne ja eigent­lich nur noch bes­ser wer­den, wur­de nega­tiv über­rascht. Redet man mit Men­schen, die ein biss­chen Ein­blick in das Inne­re die­ser Lan­des­re­gie­rung haben, möch­te man das Land danach so schnell als mög­lich ver­las­sen: Vom Minis­te­ri­al­rat bis zum Minis­ter schei­nen alle min­des­tens unfä­hig (aber wie und wo soll­ten die in 100 Jah­ren SPD-Regie­rung auch Erfah­rung sam­meln?) und von Minis­ter­prä­si­dent Jür­gen Rütt­gers heißt es, er sei selbst zum Vor­le­sen vor­ge­schrie­be­ner Reden nicht zu gebrau­chen.

Aber was ist schon eine desas­trö­se Bil­dungs- oder Bau­po­li­tik gegen äußerst frag­wür­di­ge (und unter­ir­disch schlecht ver­schlei­er­te) Tak­tie­re­rei­en?

Die „WAZ“ mel­det heu­te, die Lan­des­re­gie­rung wol­le die Kom­mu­nal­wahl 2009, die für den sel­ben Tag wie die Bun­des­tags­wahl vor­ge­se­hen war, ver­schie­ben:

Nach Infor­ma­tio­nen der WAZ haben die Gene­ral­se­kre­tä­re von CDU und FDP den Ver­ant­wort­li­chen im NRW-Innen­mi­nis­te­ri­um aber bereits dik­tiert, dass „aus poli­ti­schen Erwä­gun­gen“ eine Kopp­lung von Kom­mu­nal- und Bun­des­tags­wahl uner­wünscht sei.

Mei­nungs­for­scher rech­nen bei einer Dop­pel­wahl mit einer deut­lich höhe­ren Wahl­be­tei­li­gung, weil sie vor allem vie­le der wahl­mü­de gewor­de­nen SPD-Anhän­ger zurück an die Urnen holt. Das gute Abschnei­den von CDU und FDP bei der Kom­mu­nal­wahl 2004 wur­de auch mit der im Ver­gleich zur Bun­des­tags­wahl 2005 dra­ma­tisch nied­ri­ge­ren Betei­li­gung (54,4% Komm./ 81,3% Bund) erklärt.

Noch­mal: Die Gene­ral­se­kre­tä­re von CDU und FDP wol­len kei­ne gemein­sa­me Kom­mu­nal- und Bun­des­tags­wahl, weil dann mehr SPD-Anhän­ger zur Bun­des­tags­wahl gehen könn­ten und gleich­zei­tig ihrer Par­tei auch bei der Kom­mu­nal­wahl ihre Stim­me geben könn­ten. Und das soll das Innen­mi­nis­te­ri­um jetzt regeln.

Es geht aber nicht nur um die­ses leicht frag­wür­di­ge poli­ti­sche Tak­tie­ren, es geht auch knall­hart um etwa 42 Mil­lio­nen Euro, die zwei ent­kop­pel­te Wah­len mehr kos­ten wür­den. Von dem zusätz­li­chen Auf­wand für Wahl­hel­fer und Wahl­kämp­fer mal ganz zu schwei­gen.

[via Pott­blog]

Nach­trag 21. August: Auch heu­te berich­tet die „WAZ“ wie­der über das The­ma und lässt u.a. Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker zu Wort kom­men, die die Idee natur­ge­mäß nicht so doll fin­den. Auch der WDR hat unter Beru­fung auf die „WAZ“ groß dar­über berich­tet, ein biss­chen klei­ner die „Ruhr Nach­rich­ten“, der „Köl­ner Stadt-Anzei­ger“, die „West­deut­sche Zei­tung“, die „Köl­ni­sche Rund­schau“ und das „West­fa­len-Blatt“.

Noch irgend­wel­che grö­ße­ren NRW-Medi­en ohne Fahr­schein? Ja: „Express“, „Bild“ und die „Rhei­ni­sche Post“.

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Leben

Fundversuch

Ich will gar nicht groß dar­über schrei­ben, um wel­che Band es geht. Nach­her wür­de man Cof­fee And TV wegen eher gele­gent­li­cher Erwäh­nung noch einen Hype nach­sa­gen. Es ist aber auch nur Zufall, daß es aus­ge­rech­net um besag­te Jung­spun­de ging. Halt also end­lich das Maul, Ding, und komm zur Sache!

Mir wur­de jeden­falls Anfang der Woche von einer net­ten Medi­en­part­ne­rin ein hei­ßer­war­te­tes (nicht heiß erwar­tet, ich erwar­te Ton­trä­ger eher in Raum­tem­pe­ra­tur) Album ange­kün­digt. Ich durf­te also am nächs­ten Tag vol­ler Erwar­tung in die Lee­re mei­nes Brief­kas­tens grei­fen. Und die­ses freu­di­ge Erleb­nis am Tag drauf noch ein­mal wie­der­holt, weil’s ja so schön war. Tag drei brach­te dann gleich zwei Erkennt­nis­se: a) das erwar­te­te Album, über wel­ches von noch beru­fe­ne­rem Mund hier dem­nächst zu lesen sein wird, und b) eine Ahnung, war­um ich gleich zwei Mal ins Lee­re grei­fen durf­te.

Auf dem von der Medi­en­part­ne­rin hand­schrift­lich fest­ge­hal­te­nen Adres­se auf dem Umschlag kleb­te so ein lus­ti­ger Com­pu­ter­aus­druck. „Adress­an­ga­be unvoll­stän­dig oder unzu­tref­fend“, stand da und „Ermit­tel­te Anschrift“. Die Post hat­te dabei durch­aus pro­fund recher­chiert und mei­ne Adres­se her­aus­ge­fun­den. Dau­men hoch, dafür. Mein vor­lau­ter Inves­ti­ga­ti­ons­trieb sorg­te dann recht schnell dafür, daß der hüb­sche Adress­auf­kle­ber ent­fernt war. Und über­ra­schen­der­wei­se stand dort, wo eben noch der Auf­kle­ber prang­te, in hübsch les­ba­rer Damen­hand­schrift – na, was wohl? – mei­ne Adres­se.

Spon­tan ver­warf ich die bei­den Optio­nen „unvoll­stän­dig“ und „unzu­tref­fend“ und dach­te lie­ber an ein Erleb­nis aus der­art grau­er Vor­zeit, daß es in einem ganz ande­rem Medi­um doku­men­tiert wur­de. Ja, ja, die Post – wie wäre es damit, pas­sen­der­wei­se ein­fach mal z.B. aus Obst her­ge­stell­te Geträn­ke zu ver­ti­cken statt über­teu­er­ter Trans­port­dienst­leis­tun­gen?

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Leben Unterwegs

Been there, done that

Fünf Arten, wie man nicht zum Ter­min bei sei­nem Anwalt erschei­nen soll­te:

  • Ver­spä­tet (Deut­sche Bahn)
  • Klamm („Leich­te Schau­er“)
  • Außer Atem (Spon­ta­ne Mit­tel­stre­cken­läu­fe)
  • Ver­schwitzt (Spon­ta­ne Mit­tel­stre­cken­läu­fe)
  • Unfri­siert (All of the abo­ve)

Wenigs­tens hat­te ich unter­wegs noch Gele­gen­heit, vom Zug aus die heu­te bekann­tes­te Piz­ze­ria Deutsch­lands zu sehen.

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Radio Musik Rundfunk

Die Beatles? Wer sind die Beatles?

Obi­ge Fra­ge ist natür­lich an dem Tag, an dem alle in Gedan­ken gen Grace­land rei­sen, eher abwe­gig. Aber da ich eh in einem Beat­les-Haus­halt auf­ge­wach­sen bin (mein ers­tes pop­kul­tu­rell ver­tret­ba­res Groß­kon­zert war dann eben auch auf der ’89er-Tour von Paul McCart­ney), sei dies ver­zie­hen. Viel wich­ti­ger ist eh das Hör­erleb­nis von eben, kurz nach neun: Ein hübsch rup­pi­ger Gitar­ren­st­ak­ka­to-Beat, wie ihn Tom­te, Toco­tro­nic oder Blum­feld (RIP) so drauf haben, legt los. Ein Typ mit dezent alpi­nem Genu­schel sprech­singt dazu irgend­was, und schnell denkt man: „Das ist also die neue von den Sport­freun­den? Das könn­te man ja glatt gut­fin­den.“ Und dann sagt Eins­li­ve-Wuschel Ingo Schmoll etwas von Jonas Gold­baum und – und hier kommt der an herr­lich lan­gen Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­ne Bezug zum Auf­hän­ger – „Yeah, yeah, yeah“. Plötz­lich hat aus­ge­rech­net Öster­reich eine tol­le Band.

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Ach ja: Jonas Gold­baum sind beim Köl­ner Club­gig der viel­leicht immer noch guten Jim­my Eat World Sup­port (21.8., also kom­men­den Diens­tag) und ver­öf­fent­li­chen ihr Debüt Ende Okto­ber bei den Sen­si­bel­chen von Road­run­ner.

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Digital

Leichen pflastern seinen Weg

Nach den gan­zen uner­freu­li­chen The­men des Tages jetzt mal zu etwas Unter­halt­sa­mem: dem Tod.

HAT MICH JEMAND GERUFEN?

Nun gut, der Tod ist natür­lich für sich genom­men nicht unter­halt­sam. Auch Beer­di­gun­gen sind es nicht per se (auch wenn wir von kett­car gelernt haben, dass es auf jedem Begräb­nis einen guten Lacher gibt, und „Six Feet Under“ eben­falls das Gegen­teil nahe­legt). Das Bestat­ter­web­log von Tom ist es aber.

Das liegt dar­an, dass Tom über sei­nen Berufs­all­tag als Bestat­ter infor­ma­tiv, wür­de­voll, aber vor allem auch unter­halt­sam berich­tet. Er erklärt, wie das so abläuft, wenn jemand gestor­ben ist, was mit dem Ver­stor­be­nen vor und nach der Bestat­tung geschieht und wie man sel­ber für den eige­nen Todes­fall pla­nen kann. Er beant­wor­tet Leser­fra­gen aus­führ­lich, ange­mes­sen und häu­fig mit einem Augen­zwin­kern. Und er berich­tet über kurio­se Sze­nen, die er in sei­nem Beruf erlebt hat, wie zum Bei­spiel die­se hier, von deren Lek­tü­re ich in Gegen­wart ande­rer Per­so­nen aller­dings abra­ten wür­de, weil das sicher­lich ein­set­zen­de Geläch­ter doch auf Dau­er etwas irri­tie­rend sein könn­te.

Es ist ein rund­her­um emp­feh­lens­wer­tes Blog, das für vie­le den Umgang mit dem The­ma Tod, das – um mal eine Phra­se zu ver­mei­den – für vie­le Men­schen in unse­rem Kul­tur­kreis immer noch ein Tabu­the­ma ist, erleich­tern könn­te.

Warn­hin­weis für Aber­gläu­bi­sche: Ich habe mich Mon­tag­abend im Bestat­ter­web­log fest­ge­le­sen. Diens­tag­mit­tag erfuhr ich, dass ich am Frei­tag auf eine Beer­di­gung muss.