[via Fabian]
Kategorie: Medien
Was läuft da eigentlich im Online-Angebot der deutschen „Vanity Fair“ schief? Also, von den üblichen Problemen mal ab.

(Die Startseite von vanityfair.de im Firefox)

(Die gleiche Seite im Internet Explorer)
Klickbefehl (7)
In Sachen Nokia läuft gerade ein Fass über. Und die Verantwortlichen in der Politik – allen voran der Ministerpräsident Rüttgers – täten gut daran, jetzt kein Öl mehr ins Feuer zu gießen.
Nach der Ankündigung von Nokia, das Werk in Bochum dicht zu machen, überbieten sich die Politiker in Populismus. Djure von „blog.50hz.de“ tritt einen Schritt zurück und nennt das Verhalten von Nokia „konsequent“.
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Während hierzulande Nikotinfreunde unter dem Kneipen-Rauchverbot ächzen, greifen kalifornische Behörden richtig hart durch. Die Kleinstadt Calabasas sollen in Zukunft qualmfrei sein – auch in den eigenen vier Wänden.
„Spiegel Online“ berichtet über das geplante Rauchverbot in Mietwohnungen in Calabasas, CA („LA Daily News“ zum selben Thema).
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Heute bange ich um das Leben jedes Opas, der in der Tram die Augen rollt, wenn eine Clique 15-Jähriger die Belastbarkeit der Scheiben mit Schlagringen testet. Das Entrüstungspotential älterer Menschen wird ja immer mehr zum Sicherheitsrisiko im öffentlichen Raum. Ich greife dann sofort ein und verwickle den sich in Rage denkenden Mittsiebziger in ein Gespräch über Stauffenberg, die Wehrmacht oder die Segnungen von Essen auf Rädern.
Daniel Haas hat bei „Spiegel Online“ eine wunderbare … ja, was eigentlich: Polemik, Satire? Er hat jedenfalls einen wunderbaren Text über die aktuell heraufbeschworenen Gefahren in U‑Bahnen verfasst.
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„Riechen Sie die U‑Bahn?“, frage ich. Wir steigen ein, fahren durch die Problemviertel Berlins. Drei Betrunkene steigen zu, sie haben Bierflaschen in den Händen. Ich habe keinen Augenkontakt mit den Biertrinkern. Frau Zypries auch nicht. Wir sprechen über die Architektur der Großstädte, die auch Gewalt auslöst, über Hochhäuser.
Gonzo-Journalismus bei „Bild.de“: Franz Josef Wagner und Brigitte Zypries fahren U‑Bahn. Mit Video!
Passend dazu: „In zehn einfachen Schritten: Schreiben wie Franz Josef Wagner“ bei medienlese.com
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When history was written, the final page will say …
Auch deutsche Politiker sagen mitunter merkwürdige Dinge. Aber niemand ist so merkwürdig wie George W. Bush – und niemand nimmt das besser auseinander als die eine „Daily Show“.
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„Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ wirkt eigentlich vergleichsweise ungefährlich gegenüber „Big Brother“ oder vielen Talkshows und Doku-Soaps, weil die Teilnehmer keine naiven Laien sind, sondern Profis, die wissen könnten, worauf sie sich einlassen, und Berater an ihrer Seite haben. Doch mit Blick auf Teile des Personals und ihr Verhalten im Dschungel muss man daran zweifeln, ob die Teilnahme für alle rein subjektiv wirklich so freiwillig ist.
Stefan Niggemeier macht sich in der „FAZ“ Gedanken darüber, was die Kandidaten zu ihrer Teilnahme bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ getrieben haben könnte.
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The episode is the latest in which bloggers and others have used the Internet to force Chinese authorities to investigate beatings and other abuses by government officials.
Die Online-Ausgabe der „New York Times“ berichtet darüber, wie Blogger in China die genauere Untersuchung eines mysteriösen Todesfalls anstoßen konnten.
Rätselspaß mit n‑tv.de
Wir machen mal wieder ein kleines Rätsel:
Aus wie vielen Artikeln bei n‑tv.de habe ich die folgenden Screenshots zusammengestellt?
Da haben wir ein Symbolbild …

… ein Video …

… und diese Überschrift:

Na, was glauben Sie? Wie viele Artikel waren das?
Drei? Sind Sie sich sicher?
Nun, die drei Screenshötte stammen aus …
*Trommelwirbel*
… ein und demselben Artikel.
Das ist Blödsinn, sagen Sie? Und fragen sich, worum es denn in einem Artikel gehen soll, der mit Löwen bebildert ist, ein Video von Roland Koch zeigt und in der Überschrift von Liebe und Frühstück faselt?
Mein Gott, sind Sie phantasielos: Um die Stimmung in der großen Koalition, natürlich!
Manchmal frage ich mich schon, ab wann eine Meldung für dieses oder jenes Medium relevant ist:

Nachtrag 19:40 Uhr: Was für eine doofe Überschrift! Mit ein bisschen Nachdenken wäre mir bestimmt „Fernglas“ von Schrottgrenze (MP3) eingefallen:
Und einer ruft von hinten rein:
Kinder, lasst die Drogen sein!
Manche Dinge sind nur schwer zu erklären: die Abseitsregel angeblich, der Erfolg von Modern Talking oder alles, was mit dem sogenannten Web 2.0 zu tun hat. Wer einmal versucht hat, seinen Großeltern das Konzept eines Blogs oder gar die Funktionsweise von Twitter zu erklären, kennt danach alle Metaphern und Synonyme der deutschen Sprache.
Zu den Dingen, die für Außenstehende (aber nicht nur für die) unverständlich erscheinen, gehört die Bereitschaft junger Menschen, privateste Dinge im World Wide Web preiszugeben. Bei MySpace, Facebook, LiveJournal, StudiVZ und ähnlichen Klonen teilen sie theoretisch der ganzen Welt ihr Geburtsdatum, ihre Schule und ihre sexuelle Orientierung mit und bebildern das Ganze mit jeder Menge Fotos, auf denen sie – wenn man der Presse glauben schenken darf – mindestens betrunken oder halbnackt sind, meistens sogar beides.
In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ von gestern war ein großer Artikel von Patrick Bernau zu dem Thema – interessanterweise im Wirtschaftsteil. Dort geht es hauptsächlich um die personalisierten Werbeanzeigen, die StudiVZ, Facebook und die „Hallo Boss, ich suche einen besseren Job!“-Plattform Xing zum Teil angekündigt, zum Teil eingeführt und zum Teil schon wieder zurückgenommen haben. Bernau montiert die Auskunftsfreudigkeit der User gegen die Proteste gegen die Volkszählung vor zwanzig Jahren, er hätte aber ein noch größeres scheinbares Paradoxon finden können: die Proteste gegen die Vorratsdatenspeicherung.
Gelegentlich frage ich mich selbst, warum ich einerseits so entschieden dagegen bin, dass Polizei und Staatsanwaltschaft im Juli nachgucken könnten, wen ich gestern angerufen habe (sie brauchen nicht nachzugucken: niemanden), ich aber andererseits bei diversen Plattformen und natürlich auch hier im Blog in Form von Urlaubsfotos (also Landschaftsaufnahmen), Anekdoten und Meinungen einen Teil meines Lebens und meiner Persönlichkeit einem nicht näher definierten Publikum anbiete. Aber erstens halte ich Auskünfte über meine Lieblingsbands und ‑filme oder die Tatsache, dass ich Fan von Borussia Mönchengladbach bin, für relativ unspektakulär (ich drücke diese Präferenzen ja auch durch das Tragen von entsprechenden T‑Shirts öffentlich aus), und zweitens gebe ich diese Auskünfte freiwillig, ich mache von meinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung Gebrauch.
Wenn also beispielsweise die Juso-Hochschulgruppe Bochum auf einem Flugblatt angesichts der personalisierten Werbung im Web 2.0 fragt:
Muss der Staat eingreifen? Wie weit darf die „Marktwirtschaft 2.0“ gehen?
und dann auch noch „SchnüffelVZ“ und Vorratsdatenspeicherung bei einer Podiumsdiskussion gemeinsam behandeln will, weiß ich schon mal, welcher Liste ich bei der Wahl zum „Studierendenparlament“ nächste Woche meine Stimme nicht gebe. 1
Ich habe ein wenig Angst, wie die FDP zu klingen, aber: Die Mitgliedschaft in der Gruschelhölle oder beim Freiberufler-Swingerclub Xing ist freiwillig, niemand muss dort mitmachen, niemand muss dort seine Daten angeben. Sie ist darüberhinaus aber auch kostenlos (Xing gibt’s gegen Bares auch als Premium-Version, aber das soll uns hier nicht stören) und wird dies auf lange Sicht nur bleiben können, wenn die Unternehmen über die Werbung Geld verdienen. Und warum personalisierte Werbung effektiver (und damit für den Werbeflächenvermieter ertragreicher) ist, erklärt der „FAS“-Artikel in zwei Sätzen:
Wenn zum Beispiel nur die angehenden Ingenieure die Stellenanzeigen für Ingenieure bekommen, bleiben die Juristen von den Anzeigen verschont. Wenn ein beworbenes Rasierwasser schon zur Altersgruppe passt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es dem Nutzer tatsächlich gefällt.
Ob ich nun nach der einmaligen postalischen Bestellung bei einem Musikinstrumentenversand unaufgefordert die Probeausgabe einer Musikerzeitschrift im Briefkasten habe, oder ein wenig automatisch erzeugte Digitalwerbung auf meinem Monitor, macht qualitativ kaum einen Unterschied. Wenn mich das nervt oder mir meine hinterlegten Daten zu ungeschützt erscheinen, kann ich mich ja bequem zurückziehen – dann allerdings sollte ich auch die Möglichkeit haben, meine Daten Rückstandslos entfernen zu lassen, diese Mindesterwartung habe ich an den Plattform-Anbieter.
Wir brauchen also viel weniger einen staatlichen Eingriff (obwohl die Vorstellung, dass Bundesjustizministerin Brigitte Zypries im Fernsehen erklären soll, was denn so ein „social network“ ist, durchaus einen erheblichen Trash-Charme hat) und viel mehr Medienkompetenz. Die kommt freilich nicht von selbst, wie man auch am Super-RTL-Kritiker Günther „Scheiß Privatfernsehen!“ Oettinger sehen kann. Medienkompetenz könnte auch nicht verhindern, dass von ein paar Millionen Computerspielern und Horrorfilm-Zuschauern zwei, drei Gestörte auf die Idee kommen, das Gesehene nachzuahmen, aber sie könnte Jugendliche wenigstens so weit bringen, dass diese das Für und Wider von Betrunken-in-Unterwäsche-im-Internet-Fotos abwägen könnten.
Aber auch bei dem Thema sehe ich noch Verständnisschwierigkeiten: Wenn Mädchen und junge Frauen in ihren Fotogalerien bei MySpace oder Facebook Bikini- oder Unterwäschebilder von sich reinstellen, heißt das ja noch lange nicht, dass sie von einer Karriere im Pornogeschäft träumen, wie es für manche Beobachter aussehen mag. Zwar lässt sich bei ein paar Millionen Mitgliedern nicht ausschließen, dass darunter auch ein paar Perverse sind, aber die Bilder dienen ja ganz anderen Zwecken: sich selbst zu zeigen 2 und den Herren in der peer group gefallen.
Nacktfotos von sich selbst hat bestimmt jede zweite Frau, die heute zwischen 18 und 30 ist, schon mal gemacht – mindestens, denn die Digitaltechnik vereinfacht auch hier eine Menge. Ob sie die ins Internet stellt und vielleicht sogar bei SuicideGirls oder ähnlichen Seiten Karriere macht 3, sollte sie natürlich auch vor dem Hintergrund der angestrebten Berufslaufbahn („Frollein Meier, mein großer Bruder hat sie nackt im Internet gesehen!“), ihres Selbstverständnisses und des Risikos der Belästigung gut abwägen. In jeder Kleinstadt gibt es ein Fotostudio, das im Schaufenster mit schwarz-weißen Aktfotos irgendeiner Dorfschönheit wirbt – diese Bilder sind oft von geringer künstlerischer Qualität und sind Lehrern, Nachbarn und gehässigen Mitschülern oft viel leichter zugänglich als MySpace-Fotos.
Auch Bilder von Alkoholgelagen gibt es, seit die erste Kleinbildkamera auf eine Oberstufenfahrt mitgenommen wurde. Ob Kinder ihren betrunkenen Vater mit Papierkorb auf dem Kopf im Wandschrank einer Münchener Jugendherberge 4 nun zum ersten Mal sehen, wenn er zum fünfzigsten Geburtstag von seinen Alten Schulfreunden ein großes Fotoalbum bekommt 5, oder sie die Fotos jederzeit im Internet betrachten können, ist eigentlich egal. Nicht egal ist es natürlich, wenn die Abgebildeten ohne ihre Einwilligung im Internet landen oder die Bilder jemandem zum Nachteil gereichen könnten.
Doch auch das wird auf lange Sicht egal werden, wie Kolumnist Mark Morford letztes Jahr im „San Francisco Chronicle“ schrieb:
For one thing, if everyone in Generation Next eventually has their tell-all MySpace journals that only 10 friends and their therapist are forced to read, then soon enough the whole culture, the entire workforce will mutate and absorb the phenomenon, and it will become exactly no big deal at all that you once revealed your crazy love of pet rats and tequila shooters and boys‘ butts online, because hell, everyone revealed similar silliness and everyone saw everyone else’s drunken underwear and everyone stopped giving much of a damn about 10 years ago.
Es wird zukünftigen Politikern vermutlich nicht mehr so gehen wie Bill Clinton, der irgendwann mit nicht-inhalierten Joints konfrontiert war, oder Joschka Fischer, dessen Steinwurf-Fotos nach über dreißig Jahren auftauchten: Über wen schon alles bekannt (oder zumindest theoretisch zu ergoogeln) ist, der muss keine Enthüllungen oder Erpressungen fürchten. Auch die Bigotterie, mit der Menschen, die ihre eigenen Verfehlungen geheimhalten konnten, anderen dieselben vorhalten, könnte ein Ende haben. Und das Internet könnte über Umwege tatsächlich zur Gleichmachung der Gesellschaft beitragen.
Nachtrag 16. Januar: Wie es der Zufall so will, hat sich „Frontal 21“ dem Thema gestern angenommen. Wenn man die übliche Weltuntergangsstimmung und die Einseitigkeit der Expertenmeinungen ausklammert, ist es ein recht interessanter Beitrag, den man sich hier ansehen kann.
- Nicht, dass nach der großen Geldverbrennungsaktion des Juso-AStAs noch die Gefahr bestanden hätte, diesem Haufen mein Vertrauen auszusprechen, aber doppelt hält besser.[↩]
- Und ich höre mich mit bebender Stimme rufen: „Wir sollten in Zeiten von Magerwahn froh sein, wenn unsere Töchter so zufrieden mit ihrem Körper sind, dass sie ihn im Internet zeigen!“[↩]
- Ich finde SuicideGirls ziemlich spannend und sehe darin eine geradezu historische Möglichkeit weiblicher Selbstbestimmung, doch das vertiefen wir ein andermal.[↩]
- Ich habe eine blühende Phantasie, müssen Sie wissen.[↩]
- Alles ausgedacht![↩]
Man muss „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ nicht lustig, unterhaltsam oder gar gut finden, es gibt im deutschen Fernsehen (wenn auch nicht unbedingt auf RTL) sicherlich ein paar bessere Eigenproduktionen.
Man muss nicht mal die großartig-boshaften Dialoge zwischen Dirk Bach und Sonja Zietlow großartig finden, man kann sie auch als „ziemliches Trauerspiel“ beschreiben, wie Dennis Kayser bei „Spiegel Online“ tut. Das ist ja alles Geschmackssache.
Man fragt sich natürlich schon, warum der Online-Ableger eines Nachrichtenmagazins, das gerne ernst genommen werden möchte, denn überhaupt 3.000 Zeichen und eine siebenteilige Bildergalerie auf die Nacherzählung dieser offenbaren Nichtigkeit verschwendet, aber vielleicht dient die Verwendung von Worten wie „Porno-Plaudereien“ und „Bumserfahrungen“ ja der qualitätsjournalistischen Abgrenzung Klickgenerierung.
Noch mehr aber frage ich mich, was diese Flash-Animation mitten in dem Text zu suchen hat:

Werbung kann es nicht sein, dann müsste ja „Werbung“ oder „Anzeige“ darüber stehen und die Animation müsste mindestens Titel und Sender nennen oder einen Link zu RTL beinhalten. So aber zeigt nur die Uhr die Sendezeit von „IBESHMHR“ (Insider-Abkürzung) und Bach und Zietlow versinken im Schlamm. Und wenn man anschließend auf die Animation klickt, geht das von vorne los.
Irgendwelche Ideen?
Posh The Button
Die ersten zehn Tage des Januars waren die großen Macher und Entscheider wohl noch im Weihnachtsurlaub, am elften kehrten sie an ihre Schreibtische zurück und machten und entschieden: Jürgen Klinsmann wird Trainer beim FC Bayern München, Jens Lehmann nicht Torwart bei Borussia Dortmund, Burda stellt seine Zeitschrift „Max“ ein und Ulf Poschardt verlässt „Vanity Fair“. Die erste Ausgabe in der preiswerteren Rückendrahtheftung war damit wohl die letzte, die „Posh“ mit einem seiner einzigartigen Editoriale („prägnant, unverhohlen, unangepasst“, so ein Leserbriefschreiber) eröffnen durfte. Und so musste ich mir trotz anders lautender Vorsätze doch noch mal ein Heft kaufen. 1
Als die deutsche Ausgabe des renommierten People-Magazins im letzten Februar mit großem Tamtam anlief, wurde die Startauflage von angeblich 500.000 Exemplaren fast ausschließlich von Medienjournalisten aufgekauft. Wie es danach mit den Verkaufszahlen aussah, wusste man längere Zeit nicht. Als es dann überraschend doch noch Zahlen gab, lagen die mit 172.000 verkauften Exemplaren im 3. Quartal 2007 (s. die IVW-Auflagenliste, S. 170) deutlich höher, als die meisten Beobachter erwartet hätten. So ganz ernst genommen wurden die Zeitschrift und ihr Chefredakteur nie, dafür hatte man sich im Vorfeld („das Magazin für Mover und Shaker“, die komplett weiße Inneneinrichtung der Redaktion) zu peinlich verhalten. Und auch Aktionen wie das Interview von Michel Friedman (der für „Vanity Fair“ einige interessante Reportagen geschrieben hat) mit Horst Mahler unter der Überschrift „So spricht man mit Nazis“ brachte dem Blatt eher Spott und Kritik als journalistisches Renommee ein und die ständige Kampfpreis-Verramschung für einen Euro gab dem Leser auch nicht gerade das Gefühl, ein hochwertiges Produkt in der Hand zu haben. Egal, ob gerade Lindsay Lohan, George Clooney, der Papst, Angela Merkel oder Knut auf dem Titelbild waren: „Vanity Fair“ hat es nicht mal ins Wartezimmer meines Friseurs geschafft.
Auf Zugfahrten habe ich „Vanity Fair“ trotzdem hin und wieder gerne gelesen durchgeblättert – auch weil man, wie Daniel Fiene richtig bemerkt, kaum sonst so viel Heft für so wenig Geld bekam. Aber irgendwann nervte mich die permanente Nichtigkeit des Blattes und ich konnte das wirtschaftsliberale, neokonservative Geschwurbel in den Editorials von Ulf „die FDP wählen ist Punk“ Poschardt nicht mehr sehen:
In Deutschland war es ein verschenktes Jahr. Politisch eines der Idiotie. Sein Triumphator hieß Oskar Lafontaine. Mit der Gründung der Linken und ihrem schnellen politischen Erfolg auch in Westdeutschland hat er die Agenda des Jahres bestimmt. Anstatt über die Zukunft zu sprechen, über die Chancen der Globalisierung und die Herausforderungen der Wissensgesellschaft, diskutierte das Land abwechselnd über Fragen des 19. Jahrhunderts oder der 70er-Jahre. Das Land führte selbstbetrunken einen inneren Monolog über Gerechtigkeit und Gleichheit. Und das so, als wäre der angelsächsische „Raubtierkapitalismus“ über die Deutschen wie eine Seuche hereingebrochen.
Nun ist Poschardt nicht mal ein Jahr nach dem Start freiwillig gegangen (oder er wurde es gar). Ironischerweise findet sich in seiner letzten Ausgabe ein Interview mit Matthias Matussek, ebenfalls frisch geschasster Kulturchef des „Spiegels“. Die beiden reden über die Vorteile des Katholizismus. Es ist ein Witz. Und Poschardt reicht damit seine Bewerbung für die Nachfolge Stefan Austs ein.
- Dass auf dem Cover „Exklusiv: Natalie Portman über ihre ersten Nacktszenen“ stand, hat mit meiner Kaufentscheidung nichts zu tun.[↩]
01:42 Uhr in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist vielleicht nicht unbedingt der glamouröseste Zeitpunkt, um eine Pop-Karriere zu starten. So spät war es heute früh, als bei Stefan Raabs kleinem Talentwettbewerb die Siegerin feststand: die achtzehnjährige Stefanie Heinzmann aus Eyholz in der Schweiz. Die Sendung und vor allem die Kandidaten hätten einen weit besseren Sendeplatz verdient gehabt als den im Anschluss an Sonya Kraus‘ Trash-Parade „Simply The Best“.
Doch worum ging es eigentlich? Im April des letzten Jahres stieg Max Buskohl freiwillig bei „Deutschland sucht den Superstar“ aus, weil er lieber mit seiner Band Empty Trash musizieren wollte. Wegen bestehender Verträge durfte er aber zunächst nirgendwo mehr auftreten, auch nicht bei „TV Total“, wohin Stefan Raab ihn sofort eingeladen hatte. Raab zettelte erst einen „TV-Skandal“ („Bild“) an, indem er Buskohl als RTL-„Geisel“ inszenierte, dann kündigte er einfach seine eigene Castingshow an: „Stefan sucht den Superstar, der singen soll was er möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf“ („kurz“: SSDSDSSWEMUGABRTLAD).
Raab hatte Erfahrung mit Castingshows: Im Jahr 2004 hatte er mit „Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star“ („SSDSGPS“) den letzten ernst zunehmenden Versuch sabotiert, aus dem deutschen Vorentscheid zum Schlager-Grand-Prix doch noch eine zeitgemäße Veranstaltung zu machen. Dafür verhalf er dem Sänger Max Mutzke über Nacht zum Nummer-Eins-Hit, holte mit ihm in Istanbul den bis heute letzten deutschen Top-Ten-Platz beim Grand Prix und bekam für all das auch noch den Grimmepreis. Dann hatte Raab genug vom Grand Prix und rief den „Bundesvision Song Contest“ ins Leben, der sich aus dem Stand heraus zu einer der wichtigsten Veranstaltungen der deutschen Musikszene entwickelte. Raab selbst mutmaßte in einem „Behind the scenes“-Special zum aktuellen Wettbewerb, es hätten sich deshalb so viele interessante Musiker beworben, die nie in eine reguläre Castingshow gegangen wären, weil sie sich bei ihm und seinem Team sicher sein konnten, ernst genommen zu werden und sie selbst bleiben zu dürfen.
Und in der Tat: Was da an Kandidaten in den ersten Entscheidungsshows auflief, hätte jeden RTL-„Superstar“ in Grund und Boden singen können. Darunter jede Menge echte Typen, die man nicht nur wegen ihres Exoten-Faktors mit reingenommen hatte. Die von Anfang an hohe Qualität machte die Jury-Urteile von Raab, Buskohl-Papa Carl Carlton und wechselnden Gästen wie Ange Engelke, Sasha oder gestern Universal‑A&R Jochen Schuster dann natürlich ein bisschen langweilig, wie Christoph Cadenbach bei „Spiegel Online“ bemerkt:
Da wünschte man sich, so traurig das scheint, eine Lederhaut wie Dieter Bohlen herbei, der die Kandidaten mal so richtig vor den Kameras scharfrichtet.
Wer sich darüber wundert, dass ausgerechnet dem immer noch als „Großmaul“ verschrienen Stefan Raab eine kuschlige Castingshow und damit die vermeintliche Quadratur des Kreises gelungen ist, hat die Entwicklung der letzten Jahre verpasst: Raab hat aus Schnapsideen Großereignisse wie die „Wok-WM“ entwickelt, er hat mit „Schlag den Raab“ die große (und ewig lange) Samstagabendshow wieder zum Leben erweckt und dürfte in der Retrospektive irgendwann als einer der wichtigsten Fernsehmacher der Nuller Jahre gesehen werden. Und wenn seine Autoren ihm nicht jedesmal, wenn das Thema Frauenfußball zur Sprache kommt, gänzlich unsägliche Lesbenwitze aus der untersten Schublade kramen würden, hätte er vielleicht auch einen allgemein besseren Ruf.
Doch zurück zum gestrigen Finale, bei dem vier mehr oder weniger unwahrscheinliche potentielle Popstars zur Wahl standen: Mario, ein zwanzigjähriger Cowboy, der ausschließlich Country-Songs gesungen und es damit immer wieder in die nächste Runde geschafft hatte; Steffi, eine sympathische Fränkin, die überall sonst das Label „Rockerbraut“ verpasst bekommen hätte, wenn sie mit 32 überhaupt noch hätte teilnehmen dürfen; Gregor, der ab der zweiten Show mit selbst geschriebenen, deutschsprachigen Balladen angetreten war, und Stefanie, eine achtzehnjährige Schweizerin, die anspruchsvolle und mitunter abwegige Soul- und Funksongs schmetterte, als habe sie nie etwas anderes gemacht, und die sich selbst immer am meisten über ihr Weiterkommen zu wundern schien. Diese Kandidaten hatten bis gestern alle keine Nachnamen, keine Familie, die in Einspielfilmen erzählen musste, dass die Kinder ja noch „total auf dem Boden geblieben“ seien, und kein Privatleben, das in der „Bild am Sonntag“ ausgebreitet wurde. Die Kandidaten und ihre Songs reichten völlig aus, was im Gegenzug leider auch hieß, dass der Wettbewerb fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand – und ich hab ja auch bisher nie darüber geschrieben.
Dass Stefanie schließlich vor Gregor und Steffi das Finale gewinnen würde (Mario war bereits nach dem ersten von zwei Songs ausgeschieden), zeichnete sich schon an den Zuschauerreaktionen ab: das Studiopublikum hörte kaum noch auf zu toben, nachdem sie „Only So Much Oil In The Ground“ von Tower Of Power zum Besten gegeben hatte. Leider ist „My Man Is A Mean Man“, das ihr die schwedischen Autoren Markus Sepehrmanesh, Tommy Tysper und Gustav Jonsson geschrieben haben, nicht so spannend geraten – schon gar nicht in der Studioversion.
Denn bereits heute kann man eine Single kaufen, auf der praktischerweise alle vier Finalisten mit ihren neuen Songs vertreten sind – bei iTunes zum Beispiel schon seit Ende der Sendung. Und da wollen wir doch noch mal ganz kurz reinhören:
Stefanie Heinzmann – My Man Is A Mean Man (Livevideo aus der Sendung)
Eine gefällige Soulpop-Nummer, die ein wenig an Joss Stone, die neueren Christina-Aguilera-Sachen oder die Supremes erinnert. Nett, aber bei der Stimme wäre viel mehr drin gewesen.
Gregor Meyle – Niemand (Livevideo)
Gregor ist der Einzige der Finalisten, der seinen Song selbst geschrieben hat. „Niemand“ hatte er schon während der Entscheidungsshows im Dezember gespielt und es ist fürwahr ein erstaunlich guter Song. Zwar ist das Gerede von Carlton und Raab, man habe den besten deutschsprachigen Songwriter seit Jahren entdeckt, schon ziemlich übertrieben, anderseits stellt man sich natürlich auch die Frage, welche neuen deutschsprachigen Songwriter es in den letzten Jahren denn wohl überhaupt so gab – zumindest keinen, der derart lyrisch und dennoch unpeinlich über die ganz großen Gefühle gesungen hätte. Mit der U2-Instrumentierung ist das dann schon recht großer Sport. Nach den anderen Eigenkompositionen, die der Mann in der Show gespielt hat, kann man da ein erstaunliches Album erwarten.
Steffi List – Break The Silence (Livevideo)
Das Lied, das in der Studioversion am sattesten geraten ist. Die klangliche Nähe zu K’s Choice liegt vor allem daran, dass Steffis Stimme ordentlich nach der von Sarah Bettens klingt. Der Song könnte sonst aber auch von Heather Nova, Sophie B. Hawkins oder Sheryl Crow sein – was ich jetzt merkwürdigerweise als Kompliment meine.
Mario Strohschänk – Don’t Feel Sorry For Me (Livevideo)
Na, das höre ich ja schon bei WDR2 rauf und runter laufen. Klingt wie die Songs, die Gregg Alexander für Ronan Keating geschrieben hat, oder das Comeback-Album von Take That: Schon ein wenig arg glatt und mainstreamig, aber doch grad noch so, dass man es eher als „eingängig“ denn als „cheesy“ bezeichnen würde. Raab hat schon recht, wenn er meint, dass man Mario den Südstaaten-Amerikaner glatt abnehmen würde.
Kurzum: Die Single ist Pop im besten Sinne. Ob Stefan Raab bei seiner Suche nun wirklich einen „Superstar“ gefunden hat, wird sich (wie bei jeder Castingshow) noch zeigen. Die Voraussetzungen (Talent und eine Zielgruppe, die möglicherweise loyaler ist als die Horden kreischender Teenies, die jedes Jahr für ein anderes One-Hit-Wonder jubeln) sind jedenfalls gut. Man sollte RTL sehr dankbar sein, dass sie Max Buskohl unter Verschluss gehalten haben.
Im Dezember schrieb ich über eine merkwürdige Broschüre, die von der „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ („BüSo“) an der Ruhr-Uni Bochum verteilt worden war.
Wie ich erst jetzt feststellte, hat „BüSo“, die umstrittene Politsekte unter Führung des „demokratischen US-Präsidentschaftskandidat“ (Quelle) Lyndon LaRouche, „der Ende Juli bekannt gab, daß das Finanzsystem zusammengebrochen sei“ (Quelle), schon vor drei Wochen auf meinen Artikel reagiert:

„Spielwahnsinnig“, uiuiui. Gut, dass niemand weiß, dass ich zum letzten Mal vor drei Jahren ein Spiel auf meinem Computer installiert habe: „Sim City 4“.
Aber ich erfahre noch so viel mehr Neues über mich:
Mit Artikeln auf zwei Internetblogs der Universitätenszene, reagierte die „Laßt mein Myspace in Ruhe“-Lobby auf eine kraftvolle Intervention der LaRouche-Jugendbewegung (LYM), bei der Anfang der Woche 1500 Pamphlete der neuen Massenbroschüre „Steckt der Teufel in deinem Laptop?“ an der Universität Bochum verteilt wurden.
Fragen Sie mich nicht, ob es auch Blogs außerhalb des Internets gibt, in dieser Wirklichkeit kenne ich mich ja nicht so aus. Aber dass ich Mitglied der „„Laßt mein Myspace in Ruhe“-Lobby“ bin, war mir neu – aber wenigstens ist es nicht die Atomenergielobby. Auch schön ist natürlich die unfreiwillige Komik bei der Verwendung des Begriffs „Pamphlet“, bei dem es sich um einen false friend des englischen „pamphlet“ handelt:

Beide Artikel zeigen einen tiefgreifenden Ausraster gegenüber dem Frontalangriff der BüSo auf die nicht existente Welt der Spiele. Der Artikel in Hoellendumm spiegelt mehr den Schock über ein besonderes Einsatzlied der LYM mit dem Text „Myspace macht impotent“ wieder. Der andere Artikel bei Coffee and TV ist gegenüber LaRouche etwas gehäßiger.
„Hoellendumm“ kannte ich bis gerade gar nicht und ein kurzes Überfliegen des Blogs legt die Vermutung nahe, dass ich kein regelmäßiger Leser werde. Der „Schock über ein besonderes Einsatzlied der LYM“ liest sich jedenfalls so:
Was da sang, das waren keine senilen Fest-Fanatiker und auch keine heruntergekommenen Osteuropäer, das war eine Gruppe junger Menschen in bestem Studentenalter, wie sie gerade zu Hunderten die U‑Bahn-Treppe raufströmten. Was diese zum Teil farbigen – aber das macht nichts – Jugendlichen vom Rest unterschied, war nicht nur die Tatsache, dass sie sangen, sondern auch, dass sie ihren Altersgenossen Zeitungen in die kalten Hände zu drücken versuchten.
Ich entkam ihren Ambitionen mich zu ihrem Werbeopfer zu machen, hörte im seitlich dran Vorbeigehen einige Worte ihres Gesanges heraus und das, meine Damen und Herren, waren keine Weihnachtslieder. Die Melodie hatte weihnachtliche Anklänge aber oh nein, sie sangen – halten Sie sich fest – „MySpace, MySpace macht impotent!“
Das hätte ich nun wirklich auch gerne gehört. Ich aber schrieb über anderes:
Beider Artikel fühlen sich genötigt, Teile des Pamphlets über „die Zombies aus dem virtuellen Raum“zu zitieren, und Coffee and TV schreibt sogar über die von der BüSo geforderte „Weltlandbrücke“ mit Magnetstrecken auf der ganzen Welt „für die Welt nach dem Finanzkrach“.
Leider nicht zitiert hat dagegen „BüSo“ selbst die von mir aufgelisteten sachlichen Fehler des „Pamphlets“ (wir erinnern uns beispielsweise an Bill Gates, dessen Firma Microsoft laut Flugschrift unter anderem für “Counterstrike” und “Doom” verantwortlich ist).
Die beiden eher launigen Einträge in zwei doch recht unbedeutenden Blogs (Coffee And TV kommt in den Monatcharts von Wikio auf Platz 76, Höllendumm taucht dort mit seiner Technorati-Authority von 8 gar nicht auf), scheinen die Leute bei „BüSo“ so hart getroffen zu haben, dass sie darüber nicht nur auf ihrer deutschen Nachrichtenseite berichten, sondern auch auf der englischsprachigen Seite von Lyndon LaRouche und in der vom LaRouche-nahen „Schiller-Institut“ herausgegebenen Wochenzeitung „Neue Solidarität“. Dort findet sich in direkter Nachbarschaft auch ein neuerlicher Aufruf von Lyndon LaRouche gegen alles Digitale:
Die krankhaften Masseneffekte des „Hexengebräus“ aus der Kombination solcher Computerprogramme wie MySpace und Facebook mit Computer-Killerspielen (und verwandten Praktiken) erfordert als Reaktion dringend entsprechende Neuerungen im Recht, bei den Strafverfolgungsmethoden und im Verständnis des Zusammenlebens unserer Gesellschaft im allgemeinen.
Nun kann man es einem 85-Jährigen nachsehen, wenn er den Unterschied zwischen einem Computerprogramm und einer Webseite nicht kennt – er sollte dann nur nicht anfangen, darüber zu schreiben.
Jedem aufmerksamen und kompetenten Psychologen oder Soziologen, der die vorhandenen Indizien betrachtet, sollte klar sein, daß man die Rolle der elektronischen Medien bei der Entstehung dieses tödlichen Phänomens nicht mit Fällen vergleichen kann, in denen Elektronik bei der Kommunikation von Mensch zu Mensch eingesetzt wird.
Natürlich wäre es interessant zu erfahren, wer denn bei MySpace oder Facebook miteinander kommuniziere, wenn nicht Menschen. Die Antwort lautet aber nicht etwa „Röhren“, nein, sie ist viel schockierender:
Es ist das Medium der Kommunikation selbst, nicht eine dem Medium angeschlossene Person, das die Befehle des „großen Bruders“ überbringt, der als Leitrechner des verwendeten Mediums operiert.
Hinter allem steckt wie immer Adolf Hitler George Orwell Bill Gates:
Ein Bill Gates hat die Verantwortung für die Person, die das System programmiert, und es ist Bill Gates’ Absicht oder die Absicht einer wo auch immer lokalisierbaren höheren, Gates kontrollierenden Autorität, die zum „Gott ähnlichen“ Adolf Hitler wird und hinter einer den Nürnberger Massenveranstaltungen der 1930er Jahre vergleichbaren Internetversion steht.
Und wenn Sie glauben, noch konfuser könnte ein Text über die Gefahren von Computern nicht werden, dann irren Sie (Sie irren sowieso, sagt Lyndon LaRouche, aber in diesem Fall besonders):
Das Begreifen dieser Art eines elektronischen „Frankensteinmonsters“, zu dem das soziale System der Computer-Killerspiele geworden ist, sollte uns noch einmal an die Studien der Soziologen denken lassen, die nach Durkheim und seinen Schweizer und anderweitigen Nachfolgern kamen und gegen Ende des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert die Prinzipien der Spiele von Kindern zum Thema ihrer Arbeit machten. So erkannten einige unter uns heute mit ähnlicher Wirkung ein pathologisches Potential der auf Wettkampf basierenden Mannschaftssportarten, aber auch die Bedeutung des Konzepts der Auftragsorientierung des älteren Moltke für qualifizierte nachrangige Offiziere und Unteroffiziere oder die Rolle dieses Prinzips bei der siegreichen doppelten Flankenoperation Friedrich des Großen in der Schlacht von Leuthen (im Unterschied zu dem, was Churchills alberner Montgomery der Ersten Armee der nordeuropäischen Flanke Ende 1944 antat, oder was Churchill selbst sich gegenüber den gegen Atatürk kämpfenden Australiern im Ersten Weltkrieg zu Schulden kommen ließ).
Noch Fragen?
Zu diesem äußerst wichtigen Thema muß noch mehr gesagt werden. Dies hier war nur ein Anfang.
MüllerMeierSchmidt
Der Preis für die beste Über-Überschrift dürfte in diesem Jahr dann wohl an dwdl.de gehen:

Oh, Lord …
Ich muss zugeben: Manchmal bin ich doch etwas überrascht, was für Grafiken die automatische Albumcover-Importier-Funktion von iTunes so apportiert.


