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Morgen bekochen sich beim „perfekten Promi-Dinner“ auf Vox folgende Personen: Theo „Mahn Man“ West (wir erinnern uns), Oliver Beerhenke („Upps! – Die Super-Pannenshow), Kelly Trump („Beate Uhse TV“) und Michael „Der König des Pop-Schlagers“ Wendler.
Da es immer noch eher selten vorkommt, dass bundesweit empfangbare Fernsehprogramme zu Teilen in Dinslaken-Oberlohberg produziert werden, wollen wir diese Sendung zum Anlass nehmen, mal wieder ein Promi-Dinner live zu bloggen:
Am Sonntag, 26. April 2009
Ab 20:00 Uhr
Auf coffeeandtv.de
Zum siebten Geburtstag seines eigenen Blogs uiuiuiuiuiuiui.de hat Manuel ein Lied über führende deutschsprachige Blogs improvisiert. Trotzdem findet auch dieses hier Erwähnung:
[Liedtext und mehr Hintergründe gibt’s hier]
Für einen Moment hatte ich übrigens gedacht, es handele sich um das erste Lied, in dem der Ortsname Dinslaken fällt – aber das stimmt natürlich nicht.

Aus verschiedenen beruflichen und privaten Gründen war ich gezwungen, die letzte Woche in Dinslaken zu verbringen. Es war nicht so schlimm, dass man den Spruch mit dem ärgsten Feind hätte auspacken müsste, 1 aber es war schon … außergewöhnlich.
Da war zum Einen jene Geschichte, die über fast die ganze Zeit die Lokalpresse füllte: Heinrich Mühmert, Autohändler, Ringrichter und seit Jahrzehnten Ratsmitglied für verschiedenste Parteien und Splittergruppen, hatte in seiner Haushaltsrede vor dem Stadtrat einen Karnevalsprinzen aus dem Stadtteil Eppinghoven als „schwulen Wicht“ bezeichnet. 2
Ratsherren verließen aufgebracht den Saal, Mühmert erhielt einen Ordnungsruf, entschuldigte sich hinterher derart halbherzig, dass sich sein eigener Karnevalsverein 3 von ihm distanzierte. Mühmert ist übrigens einer von sechs Bürgermeisterkandidaten in Dinslaken, was unter Berücksichtigung des aktuellen Wahlrechts und der Wahlbeteiligung vom letzten Mal bedeuten könnte, dass er mit gut 4.800 gültigen Stimmen die Stadt regieren dürfte.
Doch auch fernab der … äh: „Politik“ ließ mich die Stadt, in der ich 20 Jahre meines Lebens verbracht hatte, 4 nachdenklich zurück: Da waren die schon erwähnten Türsteher der „Kulturkantine“, die zwar 26-jährige Frauen nicht erkannten, aber – so berichtete man mir zumindest glaubhaft hinterher – Minderjährige in die Disco ließen. 5 Da war die Kassiererin des Innenstadt-Supermarkts, die mich beim Kauf eines Kastens Bier um Vorlage meines Ausweises bat – wohl weil ich auch mit 25 noch nicht wie 16 aussehe.
Man muss ihr zugute halten, dass an jenem Vormittag die Abiturienten ihre Zulassung feierten 6 und es natürlich immer besser ist, einmal zu viel nachzufragen als einmal zuwenig. Die Frage, die sich aus beiden Erlebnissen ergibt, lautet natürlich dennoch ganz klar: Wie zum Henker sehen Teenager in Dinslaken eigentlich aus, dass man sie nicht von Menschen Mitte Zwanzig unterscheiden kann?!
Gestern also spielten die Kilians anlässlich der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „They Are Calling Your Name“ (erscheint Ende nächster Woche, kann man jetzt schon bei last.fm hören) in ihrer Heimatstadt Dinslaken.
Wie es wirklich war, werden wir am Montag (also 60 Stunden nach dem Konzert) in den Lokalzeitungen lesen können. Da wird dann vermutlich auch die exakte Besucherzahl stehen (Coffee-And-TV-Schätzungen: 1.200 bis 1.500).
Bis dahin verweise ich auf ungefilterte Live-Eindrücke in 13 Fotos und sechs Tweets:

Dinslaken macht sich bereit für die größte Show, die diese Stadt je gesehen hat. Schon seit heute morgen sind die Alkoholvorräte des Innenstadt-Supermarkts bedenklich unter Durchschnitt (was allerdings an den Abi-Zulassungen liegen dürfte, die heute verteilt wurden) und auch das Epizentrum des heutigen Abends ist seit 11 Uhr vorbereitet:



Während Dinslakens größter Sohn gerade auf Sylt weilt, um sich dort zu vermählen (alles unter Vorbehalt, es stand in „Bild“), wurden die Kilians – wie ich erst jetzt feststellte – schon vor mehr als einem Jahr wieder aus dem Wikipedia-Artikel zur Stadt entfernt.
Es wird ihnen egal sein, denn in zwei Wochen werden die Kilians das (mutmaßlich) größte Konzert spielen, das die Stadt ohne Dinge mit dem Etikett „Das muss man unbedingt gesehen haben“ je erlebt hat.
Oder wie es der GHvC-Newsletter noch eine Spur kryptischer ausdrückt:
Am 03.04. spielen die Kilians (das ist klingonisch für: „die coolen Typen, die in der Schule rauchen und sich dabei über Cunt, äh Kant unterhalten!“) umsonst und draußen auf dem Red Bull Bus!
Man kann nur auf Regen hoffen, denn sonst könnte das ein Ereignis von
epochaler Größe werden für eine Kultur und Ästhetik liebende Stadt wie
Dinslaken:19:30 Uhr Dinslaken, Hans-Böckler-Platz! Und danach gehen wir alle zusammen in die KuKa zur Aftershow, wo uns das Kilians DJ Team zeigt, dass ihm auch die Plattenteller nicht fremd sind.
Am gleichen Tag erscheint die Single „Said & Done“. Zufälle gibts, Wahnsinn…
Wer immer schon mal nach Dinslaken wollte, dazu aber bisher (berechtigterweise) keinen Grund hatte, sollte die Gelegenheit nutzen. Eine Coffee-And-TV-Delegation wird ebenfalls vor Ort sein und Bericht erstatten.
Vorhin hatte ich noch zwei Absätze über meine Schule und die Folge von Amokläufen geschrieben.
Was ich nicht ahnen konnte: Zu diesem Zeitpunkt war das Theodor-Heuss-Gymnasium in Dinslaken in heller Aufregung. Im Internet (aha!) hatte jemand mit einem Amoklauf gedroht – „Wahrscheinlich ein Nachahmungstäter“, wie die „Rheinische Post“ berichtet.
Während sich bei derwesten.de Kommentare besorgter Eltern sammeln, habe ich meinen Bruder Justus, der in diesem Jahr am THG sein Abitur macht, gebeten, mir seine Eindrücke vom Vormittag zu schildern:
Als ich heut morgen zur Schule lief, war ich spät dran. Von weit weg habe ich zwei Polizeiautos gesehen. Erst dachte ich, die Polizei würde wieder armen Schülern Geld für das Fahren auf der falschen Straßenseite abnehmen, aber als ich dann noch 2 Mannschaftswagen sah dachte ich mir, es muss was größeres sein.
Die ersten beiden Stunden verliefen normal, nach der 1. großen Pause blieben jedoch alle Schüler auf dem Schulhof, da fiel erst auf, dass sich kein Lehrer auf dem Schulhof befand. Diese haben in der Zwischenzeit, im Lehrerzimmer eingeschlossen, einen Crashkurs in Sachen Amokverhalten bekommen. In der Situation hat man sich gefragt: „Wenn alle Lehrer und Polizisten im Lehrerzimmer sind, wer passt dann hier auf, falls wirklich einer Amok laufen sollte?“
Eine halbe Stunde später ging der Unterricht weiter und unser Lehrer hat uns mitgeteilt, dass in einem Chat im Internet ein Schüler des THGs eine Amokwarnung geschrieben hat. Als Vorsichtsmaßnahme sollen die Türen abgeschlossen werden und bei einem bestimmten Codewort durch die Lautsprecher sollten Tische umgeworfen werden und die Schüler sich flach auf den Boden legen.
In der Freistunde danach wurde bekannt, dass der Username irgendwas mit Marcus wäre und jeder Marcus der Schule verhört wurde. Bei manchen soll die Polizei sogar zuhause gewesen sein. Als ich mit einem Freund den Schulhof verlassen wollte, wurde uns mitgeteilt, dass wir beim Wiederbetreten des Schulhofs unseren Ausweis vorzeigen müssen. Allgemeiner Unterrichtsschluss war um 13.15 Uhr, damit die Polizisten Feierabend machen können. Nächsten Montag und Dienstag soll die Schule ebenfalls überwacht werden.
Alles in allem waren 2 Motorradpolizisten im Stadtpark, 2 Mannschaftswagen, 4 Streifenwagen und auch noch ein Zivilfahrzeug rund ums Schulgelände positioniert.
Wir hatten nicht wirklich Angst. Eher kamen Scherze von allen Seiten zu den Markusen unserer Schule. Keiner ist wirklich davon ausgegangen das was passieren würde, bis auf ein paar junge Lehrerinnen.
Beim großen Dinslakener Karnevals-Überschriften-Wettbewerb war die „Rheinische Post“ bekanntlich vorgestern in Führung gegangen.
Das konnte die „Neue Rhein Zeitung“ natürlich nicht auf sich sitzen lassen und legte heute nach:

Aber auch hier gilt wieder: Alles ganz anders gemeint.
Ich muss ja zugeben: Für einen Moment dachte ich: „Da hat die ‚Rheinische Post‘ aber mal ein schönes Synonym für ‚Karneval‘ gefunden!“
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Es ging dann aber doch um ganz was anderes …
Hape Kerkelings neue Komödie „Ein Mann, ein Fjord“ läuft am 21. Januar um 20:15 Uhr im ZDF. Für den Film hat der Komiker ein alte Rolle reaktiviert, die auch schon in „Kein Pardon“ zu sehen war: die der Schlagersängerin Uschi Blum.
Weil man das eben heutzutage so macht, bekam Uschi Blum eine Art Viralkampagne spendiert. Das ist zwar bei einem kostümierten Prominenten ein wenig albern, aber mit eigenem MySpace-Profil, offizieller und Agentur-Website (vor dem Anklicken die Lautsprecher runterdrehen!) durchaus aufwendig und mit … äh: Liebe zum Detail gemacht.
Natürlich hat man auch an eine fiktive Biographie gedacht und die besagt, dass Uschi Blum als Hildegard Sterczinski in Dinslaken geboren wurde, sie 1978 4. bei der Wahl zur „Miss Dinslaken“ war und sie einige Jahre das Hunde-Nagelstudio „Uschi’s Pfötchen-Salon“ in der Dinkelgasse in Dinslaken betrieb.
Nun ist es offen gestanden nur so mittelabsurd, ein Schlagersternchen ausgerechnet aus Dinslaken kommen zu lassen, wenn doch schon der König des Popschlagers dort zuhause ist. Aber als inoffizieller Stadtblogger Dinslakens habe ich natürlich trotzdem versucht, über sein Management Kontakt mit Hape Kerkeling aufzunehmen. Dass der im Moment fleißig Promo macht und nicht auf die Anfragen jedes Feld‑, Wald- und Wiesenbloggers reagiert, kann ich durchaus verstehen. Offenbar ist es aber auch den Kollegen in der Lokalredaktion der „Rheinischen Post“ (für die ich früher geschrieben habe) nicht gelungen, eigene O‑Töne des beliebten Komikers zu bekommen, weswegen man dort den Helbseiter, der wohl unbedingt in die Samstagsausgabe sollte, irgendwie anders füllen muss.
Sie können den Artikel gerne selbst mit der offiziellen „Biographie“ und den weiteren Promotexten vergleichen, ich hab Ihnen aber die wichtigste Eigenkreation des Autors hier mal kurz rüberkopiert:
Die [Internetseite] von Uschi ist der Hammer.
Nun ist es vielleicht etwas anderes, ob man eine (fiktive) Künstlerbiographie in weiten Teilen für einen redaktionellen Text übernimmt, oder einfach Werbetexte für Unternehmen abschreibt (wie „RP Online“ das ja schon mal macht).
Trotzdem hat der Artikel aus der „Rheinischen Post“ in meinen Augen wenig mit Journalismus zu tun. Sein Autor Ralf Schreiner versäumt es, auch nur ein Mal auf die Presseinfo hinzuweisen. Nach einer Einleitung, in der Kerkelings Verkleidung erklärt, folgt über sechs Absätze der leicht modifizierte Promotext. Sowas kann man machen, wenn man Konzerte von Bergarbeiterchören oder Nachwuchsbands ankündigen will – aber nicht, wenn man aus eigenem Antrieb ein großes Porträt für die Samstagsausgabe schreibt.
Die „Neue Rhein Zeitung“, das andere Blatt mit Dinslakener Lokalredaktion, hat am Samstag ebenfalls einen großen Artikel über Uschi Blum gebracht – der allerdings im Super-Duper-Onlineportal Der Westen nicht zu finden ist. Dort steht im Wesentlichen das Selbe drin (Dinslaken, „Miss Dinslaken“, „Uschi’s Pfötchen-Salon“), aber wesentlich kürzer und sogar anmoderiert:
Außerdem hat Uschi im Internet ihren lesenswerten Lebenslauf veröffentlicht. Daraus:
Auch dass die „NRZ“ bei der Kontaktaufnahme mit Kerkeling gescheitert ist, erfährt der Leser. Verpackt in einen Infokasten, der zumindest eine nähere Auseinandersetzung mit dem Gegenstand nahelegt:

Ich glaube, ich sollte mich bei Roger Willemsen entschuldigen …
Mit Dank auch an Michael M. für den Hinweis und an meine Mutter für den Scan!
Als ich noch ein kleiner Junge war und mit meiner Familie in der Innenstadt von Dinslaken wohnte, fuhr die Straßenbahnlinie 903 direkt hinter unserem Haus entlang. Mit meinem besten Freund habe ich oft an den Gleisen gespielt (was man natürlich, liebe Kinder an den Bildschirmen zuhause, nie tun sollte) und ein, zwei Mal bin ich auch (natürlich in Begleitung Erwachsener) mit der Straßenbahn nach Duisburg und von da aus weiter in den Zoo gefahren.
Warum erzähle ich Ihnen das? Ralf Birkhan hat für die „NRZ“ eine Reportage über die Linie 903, mit der man durch halb Duisburg juckeln kann, geschrieben. Es ist eine sehr atmosphärische Schilderung geworden, die sprachlichen Bilder sind manchmal etwas zu bemüht, aber manche Sätze sind auch ganz großartig in ihrer Schlichtheit:
An der Haltestelle „Fischerstraße” in Hochfeld ist der Mittag gekommen, sonst niemand.
Und weil hier ja viel zu oft über schlechten Journalismus gemeckert und guter viel zu selten gelobt wird, möchte ich Ihnen die Reportage mit dem leider fürchterlich verunglückten Titel „Straßenbahn-Linie 903: mittags beim „Kuaför” – abends das Arbeiter-Bier“ hiermit ans Herz legen – auch, wenn Sie noch nie in Duisburg waren.