Buchstaben über der Stadt
Von Lukas Heinser am Samstag, 9. Februar 2008 22:22
Kategorie: Auf Achse, My Shared Folder
Ich habe Radiosendungen und Filme darüber gemacht, habe mein Blog und das von anderen Leuten vollgeschrieben. Vermutlich gibt es nur noch eine journalistische Form, in der ich mich noch nicht über Dinslaken geäußert habe: die Bildergalerie.

Und genau das soll heute anders werden, denn ich habe das Wochenende bei den Eltern mal genutzt, um Ihnen Dinslaken von allen Seiten zu zeigen. Danach werden Sie verstehen, warum ich Marl so schön fand.
Bevor wir loslegen, sollten Sie das gigantische Stadtporträt auf der offiziellen Website der Stadt lesen und sich folgenden Satz immer vor Augen halten:
Spektakuläres, Gigantisches oder Dinge mit dem Etikett “Das muss man unbedingt gesehen haben” sucht der Besucher vergeblich.
Und obwohl damit eigentlich alles gesagt ist, geht es jetzt erst los:

Bahnfahrender, kommst Du nach Dinslaken, so musst Du durch diese hohle Gasse. Mit anderen Worten: Der Dinslakener Bahnhof ist der einzige mir bekannte, den man nur in eine Richtung verlassen kann.

Ist das nicht mal eine schöne Geste? Ein sympathischer Name für eine Bahnhofsgaststätte, leider falsch geschrieben. Dem Laden muss man sehr zugute halten, dass er einer der wenigen in Dinslaken ist, in dem noch Live-Konzerte lokaler Bands stattfinden.

Jetzt wissen Sie, was mit “Niederrheinisch aufgeräumt” gemeint sein könnte: der Bahnhofplatz von Dinslaken zur rush hour an einem Samstagmittag.

Das Ende der Welt: Die Straßenbahn aus Duisburg kommt in Dinslaken an, dreht eine kleine Runde und fährt wieder zurück.

Das geographische Stadtzentrum. Von Dinslaken, nicht von Grozny.

Links sehen Sie die Stadthalle, die zwar schon seit einigen Jahren “Kathrin-Türks-Halle” heißt (nach der Gründungsintendantin der Burghofbühne und einer Pionierin des deutschen Kinder- und Jugendtheaters – sagt der Theaterkanal), aber an der Fassade, auf Wegweisern und im Volksmund immer noch “Stadthalle” genannt wird.

Bitte beachten Sie, dass der Fotograf diese Straßenszenerie nicht etwa zu ebener Erde aufgenommen hat, sondern von der Dachterrasse einer Tiefgarage in der Innenstadt.

Nach der Pleite eines Betonbalkonkübelwerks fand sich glücklicherweise noch ein Abnehmer für die Konkursmasse.

Nach der Pleite eines Betonbalkonk… Ach nee, das wissen Sie ja schon.

Das altehrwürdige Lichtburg-Center, das Kino im Ort. Hier habe ich meine Jugend verbracht. Donnerstags war (ist) Kinotag und da war ganz egal, was lief. Ich bin heute noch regelmäßig beim Zappen entsetzt, was ich alles gesehen haben soll.

Die Haupteinkaufsstraße von Dinslaken.

Ich schwöre: Dieses Bild ist heute entstanden. Nicht in der Mitte des letzten Jahrhunderts.

Die beste Imbissbude zwischen der holländischen Grenze und Bochum: der Eurogrill.

Der “Drei-Uhr-Mann”: Falls Sie mal in Dinslaken stranden und nach Ladenschluss (also nach 18:30 Uhr) noch Alkohol brauchen, sind Sie hier an der richtigen Adresse. Außerdem kann man dort ins Internet gehen und in aller Welt anrufen.

Die Lokalredaktion der “Rheinischen Post”. Hier haben große Journalistenkarrieren begonnen. Aber auch ich habe dort meine ersten Texte veröffentlichen dürfen.

Meine alte Schule. Hier habe ich für das Leben gelernt.
[Zwischenruf: "Sind wir bald fertig?" - "Och ... Joa."]

Dinslaken ist aus einer Motte entstanden. Hier sehen Sie das historische Rittertor mit seiner mittelalterlichen Kreidefassade.

Der Altmarkt. Nadine und Meike genießen die ersten Sonnenstrahlen des Jahres.

Obwohl erst Februar ist, steht auf dem Altmarkt ein Maibaum. Er wird erst am 29. April abgebaut, um am nächsten Tag wieder feierlich aufgestellt zu werden. Ist billiger als einen Lagerraum anzumieten.

Die Stadtkirche. Ich frage mich gerade auch, was ich Ihnen damit sagen will. Ach, richtig: Hier wurde ich getauft und konfirmiert.

Das Heimatmuseum Voswinckelshof mit seinem modernen Anbau, von dem Sie hier nur eine nackte Betonwand sehen.

“Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten”: In Dinslaken wurde die alte Stadtmauer gerade im letzten Jahr liebevoll wiederhergestellt.

Bekannt aus Film und Fernsehen: die Trabrennbahn Dinslaken. Muss immer in einem Atemzug mit “Na, wo laufen Sie denn?” genannt werden, sonst gildet nicht.

Die Emscher, das angeblich größte offene Abwassersystem der Welt, fließt bei Dinslaken in den Rhein. Das müsste man touristisch doch viel besser vermarkten. Oder haben uns die Chinesen da schon wieder überholt?

Natürlich, Sie wollen nur noch weg. Kein Problem: die Partnerstädte Agen und Arad sind nur eine Tagesreise entfernt.
Und wenn Sie jetzt richtig Lust bekommen haben, Dinslaken einmal selbst zu erwandern: Kein Problem, ich habe ihnen eine kleine Hilfe bei Google Maps hinterlegt.
Nächste Woche: So schön ist Bochum.
Sonntag, 10. Februar 2008 1:15
Mensch, was ist Chemnitz im Vergleich zu Dinzlaken schön! Danke für die Anregung, andere Städte mit anderen Augen zu sehen. (Und ich sage bewusst: Dinzlaken.)
Sonntag, 10. Februar 2008 9:47
Eine wunderschöne Rundreise, da fühlt man sich fast zuhause in D.
Die Frage muss aber lauten: wenn das Wetter ungünstiger gewesen wäre, wäre dann auch ein so überschäumend positiver Grundtenor vermittelt worden?!?!
Sonntag, 10. Februar 2008 12:13
Du solltest über eine Karriere bei Marco Polo nachdenken (Ich meine nicht den Originalen. Ich meine den Stadtführer.).
Ohne jemals wirklich einen gelesen zu haben, fehlt bei Stadtführern sicherlich die Subjektivität. Weil die fehlt ja irgendwie überall.
Montag, 11. Februar 2008 8:14
Warum hast du kein Foto vom Ulkus gemacht? Ich dachte ja, dass dies der Stadtmittelpunkt wäre.
Montag, 11. Februar 2008 10:49
Jo mei. Bei uns in Österreich wäre Dinslaken die 7. größte Stadt.
Montag, 11. Februar 2008 11:04
Na, wenn Du das “überschäumend positiv” nennst …
Das schöne Wetter war eigentlich der Hauptgrund dafür, vor die Tür zu gehen. Im strömenden Regen ist maximal San Francisco noch schön.
Ach, ich wollte ja schon auch ein bisschen “mein” Dinslaken zeigen. Da gehören angeloungete Schülerkneipen für Berufsjugendliche nicht so zu.
Montag, 11. Februar 2008 14:21
Höchst idiosynkratisch ausgedrückt; ansonsten völlig daneben!
Dienstag, 12. Februar 2008 10:57
Was mir ja fehlt ist die Eissporthalle: Baulich eine der schönste im Kreis Wesel ;-) und Heimat der Dinslakener Kobras, die ja so etwas wie das sportliche Aushängeschild der Stadt sind (wenn man Sport als Sport von Zweibeinern begreift.)
Dienstag, 12. Februar 2008 14:07
Ach, die Eissporthalle. Drinnen war ich glaub ich das letzte Mal vor zwölf, dreizehn Jahren.
Es gibt natürlich auch noch den Schacht und überhaupt ganz Lohberg, es gibt den Bruch, den Averbruch und meine Heimat in Eppinghoven mit den schönen Rheinauen und allem – aber irgendwann musste dann auch mal Schluss sein mit Rumfahren und Fotos machen.
Dienstag, 12. Februar 2008 16:45
“Drinnen war ich glaub ich das letzte Mal vor zwölf, dreizehn Jahren.”
Ich kann dich beruhigen: Du bist noch auf dem aktuellen Stand, da hat sich nichts geändert ;-)
Dienstag, 12. Februar 2008 22:55
oh mein Gott… das hat mir jetzt gerade wirklich Angst gemacht.. ich könnte zu jedem einzelnen dieser Bilder (abgesehen von der Rennbahn natürlich) ein Hildesheimer-Pendent-Foto machen.. (wenn ich nicht aus eben diesem Grund von da geflohen wäre, heißt das)
Donnerstag, 13. März 2008 16:24
Hach, Dinslaken – die Stadt meiner Kindheit und Jugend…
Es ist schon strange, wie krass die Fotos jetzt auf mich wirken, obwohl ich doch jeden dieser Plätze so gut kenn, wäre mir das nie so krass aufgefallen…
Da werde ich grad ganz melancholisch… :-)
Montag, 28. Juli 2008 13:56
[...] habe ja, wie ich schon mehrfach erzählt habe, die ersten zwanzig Jahre meines Lebens in Dinslaken verbracht – nicht durchgängig, aber eben doch [...]
Montag, 4. August 2008 14:40
das ist ja mal völlig für den arsch.
Freitag, 5. September 2008 15:15
Am Anfang sah’s schwer nach Abrechnung aus, gen Ende wurd’s ja dann doch wieder bisschen versöhnlich. Sehe diese Orte jeden Tag, bin von OB nach DIN gezogen und find’s ganz nett hier. Ausnahmen: Bahnhof inkl. -vorplatz und die direkte Gegend drumrum (da, wo auch diese Plattenbauten stehen). Altstadt und Richtung Rhein doch sehr pittoresque!
Freitag, 20. März 2009 12:42
[...] in zwei Wochen werden die Kilians das (mutmaßlich) größte Konzert spielen, das die Stadt ohne Dinge mit dem Etikett “Das muss man unbedingt gesehen haben” je erlebt [...]
Dienstag, 8. September 2009 13:40
Ja, das ist sie, meine alte Heimatstadt.
Sehr treffend, dieser Fotobericht. Der muß verlinkt werden, weil er eine vortreffliche Ergänzung zu meinem Artikel über die letzten DIN – Tage bildet. Einen schönen Gruß aus Hamburg!
http://wittek0815comix.de/inde.....alink=2316
oder
http://wittek0815comix.de/inde.....alink=2317
(falls es keinen Eintrag gibt, der dazwischenfunkt)
Dies ist sozusagen der Link vor dem Eintrag heute abend.