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Selbstbezogen und unprofessionell

Der „Spie­gel“ hat sich eine self-ful­fil­ling pro­phe­cy gebas­telt. „Die Beta-Blog­ger“ steht drü­ber – ein Wort­spiel, das im für schlech­te Wort­spie­le bekann­ten Blog coffeeandtv.de noch vor der End­kon­trol­le den Gna­den­schuss bekom­men hät­te – und sie füllt in der mor­gen erschei­nen­den Aus­ga­be drei Sei­ten.

Egal, was man über Blog­ger schreibt, hin­ter­her wird man von ihnen doch nur ver­dro­schen, weil man nix ver­stan­den oder mit den fal­schen Leu­ten gespro­chen hat.

steht da ziem­lich zu Beginn und damit ist eigent­lich alles gesagt.

Genau­so gut könn­te da auch ste­hen „das Gan­ze nach dem Wür­zen eine hal­be Stun­de zie­hen las­sen“, oder „Schö­nes Wet­ter drau­ßen, was?“, aber das wür­de ver­mut­lich nicht dazu füh­ren, dass die­se schreck­lich selbst­re­fe­ren­ti­el­len Blog­ger hin­ter­her schrei­ben, der „Spie­gel“ hät­te nichts ver­stan­den.

Gleich drei Autoren haben an dem „Stück“ („Spiegel“-Sprech) mit­ge­strickt, was der Kohä­renz etwas scha­det, dem Text aber ansons­ten nicht hilft. Wer sich für Blogs inter­es­siert, erfährt nichts Neu­es, und wer vor­her noch nie von Blogs gehört hat­te, wird nach­her („Ist ein biss­chen so, als wür­de man sich einer Sek­te nähern, die in inter­nen Gra­ben­kämp­fen ver­sun­ken ist.“) nichts mehr davon hören wol­len.

Der Arti­kel krankt schon an der Grund­an­nah­me, die Jour­na­lis­ten jedes Mal täti­gen, wenn sie einem soge­nann­ten Mas­sen­phä­no­men gegen­über­ste­hen, das sie nicht ver­ste­hen: sie ver­all­ge­mei­nern, sche­ren alle über einen Kamm und wol­len Zusam­men­hän­ge sehen, wo kei­ne sind. Nor­ma­ler­wei­se lau­tet das Wort, das sol­che Tex­te durch­zieht „Gene­ra­ti­on irgend­was“, dies­mal heißt es „Blogo­sphä­re“.

Dabei ist die Blogo­sphä­re weder eine Gemein­schaft von Gleich­ge­sinn­ten, noch ist sie völ­lig zer­strit­ten – sie ist eine völ­lig alber­ne Modell­vor­stel­lung, deren Sinn­lo­sig­keit einem klar wird, wenn man das Wort ein­fach mal durch „Gesell­schaft“ ersetzt. In Wahr­heit heißt Blogo­sphä­re näm­lich: die schie­re Sum­me aller Men­schen, die blog­gen.

Es gibt blog­gen­de Jour­na­lis­ten, blog­gen­de Haus­frau­en, blog­gen­de Schü­ler, blog­gen­de Bestat­ter und blog­gen­de Hartz-IV-Emp­fän­ger – man könn­te von einer blog­gen­den Gesell­schaft spre­chen. Und all die­se Men­schen haben so viel oder wenig gemein­sam, wie Jour­na­lis­ten, Haus­frau­en, Schü­ler, Bestat­ter und Hartz-IV-Emp­fän­ger im All­tag gemein­sam haben. Blogs sind ein Medi­um, ein Mit­tel zum Zweck. Man wird unter Blog­gern auf ähn­li­che vie­le net­te Men­schen, auf ähn­lich vie­le Arsch­lö­cher tref­fen, wie in der Welt da drau­ßen – viel­leicht gibt es unter Blog­gern über­durch­schnitt­lich vie­le Men­schen mit einem gewis­sen Mit­tei­lungs­be­dürf­nis, aber das ist dann auch schon alles.

Natür­lich gibt es Blog­ger, die akti­ver sind und sich bei­spiels­wei­se regel­mä­ßig tref­fen – aber auch das gibt es in Form von Stamm­ti­schen, Ver­ei­nen und Freun­des­krei­sen in der Wirk­lich­keit und hat viel­leicht mehr mit den ent­spre­chen­den Leu­ten zu tun als mit ihrer Pro­fes­si­on.

Ich kann das Bedürf­nis ver­ste­hen, all das Tol­le, Klu­ge, Beun­ru­hi­gen­de, Absto­ßen­de und Neue, das man in Blogs so fin­den kann, irgend­wie einer grö­ße­ren Leser­schaft zu vor­stel­len zu wol­len. In Blogs kann man meis­tens für eine klar umris­se­ne Ziel­grup­pe mit Vor­kennt­nis­sen schrei­ben, aber Jour­na­lis­mus braucht Pro­to­ty­pen und des­halb ist Keith Richards Rock’n’Roll, Kurt Cobain Grunge und Gerard Way Emo (wenn nicht gera­de Han­ni, Nan­ni und Kaf­fee­kan­ni Emo sind).

Also setzt man sich hin, schreibt alles auf, was einem dazu ein­fällt (BILD­blog, Don Alphon­so, Poli­ti­cal­ly Incor­rect, Huf­fing­ton Post) und guckt im Tele­fon­buch unter „B“ wie „Blog­ger“ nach. Nur wird man dem The­ma Blogs damit unge­fähr so gerecht wie ein Blog­ein­trag über Jour­na­lis­mus, der von „Bild“, „Spie­gel“ und irgend­ei­ner Schü­ler­zei­tung han­delt und bei dem Roger Wil­lem­sen, Gün­ther Jauch und Tho­mas Leif was über Jour­na­lis­mus sagen dür­fen. Es ist letzt­lich wie mit den Blin­den und dem Ele­fan­ten.

Jeder Blog­ger schreibt über die The­men, die ihn inter­es­sie­ren, und wenn sich nie­mand zur „glo­ba­len Finanz­kri­se“, dem „Min­dest­lohn“ oder der „Ver­ar­mung des Mit­tel­stands“ äußern will, dann tut das halt nie­mand. Natür­lich tut es trotz­dem jemand, denn auch in den Leser­brief­spal­ten und Call-In-Sen­dun­gen der Radio­sta­tio­nen äußern sich ja Leu­te zu die­sen The­men, von denen sie kei­ne Ahnung haben. Es braucht kei­ne Vor­schrif­ten und kei­ne Lis­ten, was in deut­schen Blogs falsch läuft.

Der Ver­gleich mit ame­ri­ka­ni­schen Blogs (also den rele­van­ten, nicht denen bei MySpace) ist natür­lich nahe­lie­gend, aber auch unfair: die Unter­schie­de zwi­schen Deutsch­land und den USA sind ein­fach zu groß. In den USA gibt es Main­stream-Medi­en mit extre­men Posi­tio­nen, die eine Gegen­öf­fent­lich­keit brau­chen. Wir könn­ten uns ja glück­lich schät­zen, wenn deut­sche Medi­en über­haupt irgend­wel­che Posi­tio­nen ver­trä­ten. Außer­dem gibt es hier­zu­lan­de ein­fach kei­ne Debat­ten­kul­tur, die man digi­tal fort­set­zen könn­te.

Für mich gilt außer­dem: Ich will gar kei­ne gesell­schaft­li­che Rele­vanz haben. Ich schrei­be, weil mir Schrei­ben Spaß macht, seit ich den­ken kann – sogar schon län­ger, als ich eigent­lich schrei­ben kann. Statt ortho­gra­phisch frag­wür­di­ger Geschich­ten über einen „Baua“, der „in Unmacht fellt“, und die mei­ne Eltern lesen (und loben) muss­ten, kann hier heu­te jeder, den es inter­es­siert, lesen, wel­che Musik mir gefällt und was mich alles am der­zei­ti­gen Zustand des deutsch­spra­chi­gen Jour­na­lis­mus stört. Ich habe auch immer schon lus­ti­ge klei­ne Video­fil­me gedreht – frü­her muss­ten die Freun­de mei­ner Eltern deren Vor­füh­rung durch­lei­den, heu­te kann das via You­Tube jeder, der will. Das Inter­net ist das ein­fachs­te Mit­tel, den Kram, den ich sonst für mich selbst machen wür­de, unver­bind­lich einem grö­ße­ren Publi­kum zur Ver­fü­gung zu stel­len. Das erfolgt für bei­de Sei­ten frei­wil­lig (wer’s nicht lesen mag, muss nicht, und wenn ich kei­nen Bock hab, schreib ich nichts) und kos­ten­los.

Und natür­lich wer­den jetzt jede Men­ge Blog­ger über den Arti­kel schrei­ben und sich aus die­sem oder jenem Grund dar­über auf­re­gen. Wer sich für Blogs inter­es­siert, erfährt dar­aus nichts Neu­es, und wer vor­her noch nie von Blogs gehört hat­te, wird es sowie­so nicht lesen. Durch die stän­di­ge Gegen­über­stel­lung der Begrif­fe „Blog­ger“ und „Jour­na­list“ ent­steht der Ein­druck, es gin­ge um zwei unver­ein­ba­re Lager und Blog­ger wür­den Jour­na­lis­ten grund­sätz­lich has­sen (was zumin­dest auf mich nicht zutrifft). Es gibt kei­nen Kampf, des­we­gen wird es auch kei­ne Gewin­ner und Ver­lie­rer geben. Außer natür­lich die „Spiegel“-Autoren, die am Ende Recht behal­ten mit ihrer Vor­her­sa­ge.

(Immer­hin steht vor dem Wort „Blog“ jedes Mal der Arti­kel „das“. Man wird ja beschei­den.)

Nach­trag, 21. Juli: Den Arti­kel gibt’s jetzt auch bei „Spie­gel Online“. Dabei hät­te ich es tau­send Mal lus­ti­ger gefun­den, einen Arti­kel über Blogs nur off­line zu ver­brei­ten.

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Affig

Hmmm …

Na ja …

Ich weiß nicht …

Also …

Ich kann mich irren, aber ich habe das Gefühl, da ist was schief gelau­fen bei der Beschrif­tung der Bil­der­ga­le­rie zur Love­pa­ra­de bei „RP Online“:

Eine Krankenschwester verarztet zwei Gorillas.

Zumal das gleich Bild zwei Klicks spä­ter etwas ganz ande­res zei­gen soll:

Übermütig lehnen sich zwei Tänzerinnen aus einem Wagen.

Wobei: noch span­nen­der ist ja eigent­lich die Fra­ge, war­um die Love­pa­ra­de in Dort­mund für die Düs­sel­dor­fer von „RP Online“ offen­bar im Aus­land liegt …

...aktuelles/panorama/ausland/...

Nach­trag, 21:45 Uhr: „RP Online“ hat an der Gale­rie geschraubt. Das dop­pel­te Bild ist nur noch ein­mal da, aber die zwei Goril­las wer­den wir wohl nie zu Gesicht bekom­men. Scha­de eigent­lich.

Nach­trag, 21. Juli: Hur­ra! Tom hat Kran­ken­schwes­ter und Goril­las ent­deckt.

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Stille Gefängnispost (Teil 2)

Die­ser Ein­trag ergibt nur nach der Lek­tü­re des ers­ten Teils Sinn. Wenn über­haupt.

Ich weiß nicht, ob man bei „Spie­gel Online“ heu­te über­haupt noch zum Arbei­ten gekom­men ist. War es mir ges­tern weder tele­fo­nisch noch per E‑Mail mög­lich gewe­sen, eine Stel­lung­nah­me zum „Fal­ten-Fritzl-Fall“ (Chef­re­dak­teur Rüdi­ger Ditz) zu bekom­men, gin­gen heu­te eini­ge E‑Mails von spiegel.de-Adressen bei mir ein. Gut, ein Teil davon waren Abwe­sen­heits­no­ti­zen, aber Rele­van­tes war auch dabei.

Chef­re­dak­teur Rüdi­ger Ditz selbst ant­wor­te­te am Nach­mit­tag und erklär­te, man gehe der Sache gera­de nach. Um 18:12 Uhr kam dann eine E‑Mail der Pan­ora­ma-Che­fin Patri­cia Drey­er.

Sie schrieb (wie auch im Ursprungs­ar­ti­kel steht), dass man nach Sich­tung der „Mirror“-Nachricht Kon­takt mit dem (angeb­li­chen) Zitat­ge­ber Oberst­leut­nant Huber-Günst­ho­fer auf­ge­nom­men habe. Der habe die Fra­ge, ob er mit dem „Mir­ror“ gespro­chen habe, ver­neint (was ja als gesi­cher­te Erkennt­nis gel­ten darf).

Gegen­über „Spie­gel Online“ habe Herr Huber-Günst­ho­fer gesagt, er kön­ne die „Geschich­te mit der Creme“ nicht bestä­ti­gen. Auf mei­ne Fra­ge, ob Herr Fritzl denn um Haut­creme gebe­ten habe, hat­te der Oberst­leut­nant ja geant­wor­tet, er habe die Creme gegen­über der „Kro­nen­zei­tung“ als Bei­spiel erwähnt. Was er genau zum Repor­ter der „Kro­nen­zei­tung“ gesagt hat, ist also wei­ter ein wenig unklar.

Und dann beging „Spie­gel Online“ einen klei­nen, aber ent­schei­den­den Feh­ler, der mir genau­so hät­te pas­sie­ren kön­nen:

Aus die­ser Aus­kunft Herrn Huber-Günst­ho­fers uns gegen­über zogen wir den Schluss, dass er sich nicht wie im „Mir­ror“ zitiert geäu­ßert hat­te.

Ob er mit ande­ren Medi­en über das The­ma Fritzl und Fal­ten­creme gespro­chen habe, haben wir Herrn Huber-Günst­ho­fer nicht gefragt.

Die Glei­chung „Mir­ror-Zitat falsch = Mir­ror-Zitat erfun­den“ lag ein­fach auf der Hand. Wer hät­te auch auf die Idee kom­men kön­nen, dass das „Mirror“-Zitat eine etwas holp­ri­ge Über­set­zung eines über­geig­ten „Kronenzeitung“-Zitats war?

Nun gut, „Spie­gel Online“ hät­te auf die Idee kom­men kön­nen:

Wir haben dar­auf­hin den „Mir­ror“ kon­tak­tiert, wo wir die Aus­kunft erhiel­ten, man habe die Infor­ma­ti­on einer Agen­tur­mel­dung ent­nom­men.

Und?

Wir haben kei­nen Ver­such unter­nom­men, die­se „Agen­tur­mel­dung“ selbst in Augen­schein zu neh­men, da uns nach den Äuße­run­gen des Herrn Huber-Günst­ho­fer belegt schien, dass die Mel­dung des „Mir­ror“, Fritzl ver­lan­ge nach einer Anti-Fal­ten­creme, so nicht stimm­te.

Mist!

In ihrer E‑Mail schrieb Frau Drey­er, es sei „ohne Zwei­fel ein Ver­säum­nis“, dass man den Arti­kel der „Kro­nen­zei­tung“ nicht gekannt habe. Das hät­te ande­rer­seits schon fast kri­mi­na­lis­ti­schen Ein­satz erfor­dert, denn selbst in der Agen­tur­mel­dung von Cen­tral Euro­pean News (CEN), wo man die Mel­dung aus der „Kro­nen­zei­tung“ für den eng­lisch­spra­chi­gen Markt über­setzt hat­te, fehl­te jeder Hin­weis auf die „Kro­ne“. Und in den Medi­en, die die Infor­ma­tio­nen von CEN wei­ter­ver­brei­te­ten und flei­ßig Details dazu erfan­den, fehl­te jeder Hin­weis auf CEN.

Nach Anga­ben von Frau Drey­er war­tet man bei „Spie­gel Online“ im Moment auf eine Ant­wort, von wel­chem „Gefäng­nis­ver­ant­wort­li­chen“ sich CEN die Zita­te hat­te bestä­ti­gen las­sen.

Für uns war Herr Huber-Günst­ho­fer heu­te bis Stand Absen­dung die­ser Mail nicht zu errei­chen.

Unter­des­sen hat „Spie­gel Online“ den Vor­spann des Tex­tes gekürzt und den Arti­kel mit fol­gen­der Anmer­kung ver­se­hen:

Anmer­kung der Redak­ti­on: SPIEGEL ONLINE hat eine zunächst in die­sem Arti­kel publi­zier­te For­mu­lie­rung, „Neu­ig­kei­ten“ über Fritzl wür­den „erfun­den“, ent­fernt.

Quel­le der vom „Mir­ror“ publi­zier­ten Agen­tur­mel­dung war offen­bar ein Bericht in der öster­rei­chi­schen „Kro­nen­zei­tung“, der gegen­über Erich Huber-Günst­ho­fer angeb­lich bestä­tig­te, Fritzl habe nach einer Haut­creme ver­langt – was er SPIEGEL ONLINE gegen­über aller­dings demen­tier­te.

Bleibt die Fra­ge, wel­che Rele­vanz eigent­lich die Beschaf­fen­heit der Haut des „Inzest-Mons­ters aus Amstet­ten“ („Bild“) hat. Und war­um Mel­dun­gen über ihn (es) offen­bar immer den Umweg über das Aus­land neh­men müs­sen.

[Fort­set­zung folgt bestimmt …]

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Stille Gefängnispost

Die fol­gen­de Geschich­te wird ein biss­chen kom­pli­ziert. Legen Sie also bes­ser schon mal Papier und Blei­stift bereit, wie Sie es beim Betrach­ten der „Lin­den­stra­ße“ oder beim Lesen von John-Gris­ham-Büchern tun, um den Über­blick zu behal­ten.

Josef Fritzl, das darf als gesi­cher­te Infor­ma­ti­on gel­ten, sitzt zur Zeit in der Jus­tiz­an­stalt St. Pöl­ten in Unter­su­chungs­haft. Der als „Inzest-Mons­ter aus Amstet­ten“ bekannt gewor­de­ne Mann war­tet dort auf sei­nen Pro­zess, der Ende des Jah­res begin­nen soll.

Der „Dai­ly Mir­ror“, eine die­ser gru­se­li­gen bri­ti­schen Bou­le­vard­zei­tun­gen, berich­te­te am Diens­tag, Fritzl habe den Gefäng­nis­arzt um Anti-Fal­ten-Creme gebe­ten. Noch am sel­ben Tag nahm Bild.de die Geschich­te dank­bar auf und erfand noch hin­zu, Fritzl habe „wohl kein Spiel“ der Fuß­ball-EM ver­passt.

Inzest-Drama von Amstetten: Josef Fritzl verlangt im Knast nach Anti-Falten-Creme

Fast zeit­gleich berich­te­te „Spie­gel Online“ über den „Mirror“-Artikel und war­te­te mit einem über­ra­schen­den Twist auf:

Der Gefäng­nis­spre­cher weiß nichts davon. Auf Nach­fra­ge von SPIEGEL ONLINE sag­te Huber-Günst­ho­fer, er habe nie mit dem „Dai­ly Mir­ror“ gespro­chen.

Er kön­ne sich nicht erklä­ren, wie die bri­ti­sche Zei­tung dazu kom­me, ihn zu zitie­ren.

An die­sem Punkt wäre es eine schö­ne Geschich­te fürs BILD­blog gewe­sen: „Bild.de schreibt eine Falsch­mel­dung des ‚Dai­ly Mir­ror‘ ab“.

So ein­fach aber war es nicht: der „Mir­ror“ war längst nicht das ein­zi­ge bri­ti­sche Medi­um, das über die Anti-Fal­ten-Creme berich­tet hat­te. Neben diver­sen Bou­le­vard­me­di­en fand sich die Mel­dung auch beim renom­mier­ten „Dai­ly Tele­graph“ – und die wer­den ja kaum unge­prüft aus dem „Mir­ror“ abschrei­ben.

Über­haupt stand ja schon bei „Spie­gel Online“:

Mit die­ser Aus­sa­ge kon­fron­tiert, teilt der „Dai­ly Mir­ror“ mit, man habe die Infor­ma­tio­nen „einer Agen­tur­mel­dung“ ent­nom­men.

Eine Nach­fra­ge beim „Tele­graph“ ergab: Die Agen­tur, die die­se Mel­dung ver­brei­tet hat­te, heißt „Cen­tral Euro­pean News“ (CEN) und sitzt in Wien. Kein deut­scher Jour­na­list hat je von ihr gehört. Dort war man sehr freund­lich und koope­ra­tiv und teil­te mir mit, die Nach­richt aus der öster­rei­chi­schen „Kro­nen­zei­tung“ zu haben.

Und dort stand am 12. Juli 2008:

Kurze Spaziergänge im Hof - Einziger Wunsch: Hautcreme - Häftling Fritzl verpasst keinen Bericht über seine Horrortaten!

„Der ein­zi­ge Extra­wunsch von Josef Fritzl war bis­her eine Haut­creme“, so Oberst­leut­nant Erich Huber-Günst­ho­fer von der Jus­tiz­an­stalt St. Pöl­ten.

Bevor CEN die Mel­dung an den „Dai­ly Mir­ror“ schick­te, habe man extra noch mal bei den Gefäng­nis­ver­ant­wort­li­chen nach­ge­fragt und sich die Zita­te bestä­ti­gen las­sen, so die Agen­tur. Ent­spre­chend über­rascht sei man des­halb auch über den Arti­kel bei „Spie­gel Online“ gewe­sen: zwar stimmt es ja wohl, dass der Gefäng­nis­spre­cher nicht mit dem „Dai­ly Mir­ror“ gespro­chen hat – aber das muss­te er ja auch nicht, weil es sich ja eigent­lich um eine Mel­dung der „Kro­nen­zei­tung“ gehan­delt hat­te. Und mit deren Repor­ter hat Oberst­leut­nant Huber-Günst­ho­fer dann schon gespro­chen, wie er mir auf Anfra­ge bestä­tig­te. Die viel­zi­tier­te Haut­creme habe er aller­dings schon im Gespräch mit der „Kro­nen­zei­tung“ eher bei­spiel­haft genannt, um auf die All­täg­lich­keit von Fritzls Wün­schen hin­zu­wei­sen.

Die Behaup­tun­gen („Kro­nen­zei­tung“, „Dai­ly Mir­ror“, „Bild“), dass Fritzl vor allem oder aus­schließ­lich Berich­te über sich selbst lese oder schaue, bezeich­ne­te Erich Huber-Günst­ho­fer im Übri­gen als über­trie­ben: Die Fern­se­her in den Zel­len ver­füg­ten über 22 Pro­gram­me und da es kei­ne 24-Stun­den-Über­wa­chung gebe, wüss­te auch die Gefäng­nis­ver­wal­tung nicht, was sich ein Gefan­ge­ner da genau anse­he. Glei­ches gel­te für Zei­tun­gen: „Ob er die Wit­ze­sei­te oder den Sport­teil liest, kann ich Ihnen nicht sagen.“

Es blei­ben frei­lich immer noch ein paar Fra­gen offen:

  • Wie­so muss eine Mel­dung der öster­rei­chi­schen „Kro­nen­zei­tung“ erst einen Umweg über Eng­land neh­men, ehe sie von „Bild“ auf­ge­grif­fen wird?
  • War­um hat „Spie­gel Online“ nicht nach der Agen­tur­mel­dung gesucht, auf die sich der „Dai­ly Mir­ror“ beru­fen hat?
  • Wie wur­de eigent­lich aus der „Haut­creme“ (Huber-Günst­ho­fer, „Kro­nen­zei­tung“) die „Anti-Fal­ten-Creme“ („Bild“)?

Ach, letz­te­res lässt sich ganz leicht durch einen klei­nen Über­set­zungs­feh­ler bei CEN erklä­ren, den der „Dai­ly Mir­ror“ ahnungs­los auf­ge­grif­fen und Bild.de eben­so ahnungs­los zurück­über­setzt hat:

Incest mons­ter Josef Fritzl is a fre­quent visi­tor to the pri­son doc­tor to com­plain about aches and pains and has asked for a sup­p­ly of anti aging face cream.

Meh­re­re Ver­su­che, mit den Ver­ant­wort­li­chen bei „Spie­gel Online“ Kon­takt auf­zu­neh­men, ver­lie­fen erfolg­los. Unter­des­sen hat Bild.de den Arti­kel off­line genom­men und CEN hat ange­kün­digt, sich wegen fal­scher Unter­stel­lun­gen bei einer ent­spre­chen­den Stel­le (falls es so etwas wie eine „Ger­man Press Asso­cia­ti­on“ gibt) über „Spie­gel Online“ beschwe­ren zu wol­len.

Mit Dank an die vie­len BILD­blog-Hin­weis­ge­ber!

Nach­trag, 18. Juli: Zur Stel­lung­nah­me von „Spie­gel Online“ bit­te hier ent­lang!

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Rundfunk Leben

Kirmescontent

Irgend­wie kamen mir die Moti­ve, mit denen die 573. Cran­ger Kir­mes bewor­ben wird, so selt­sam ver­traut vor:

Werbemotiv der Cranger Kirmes

Werbemotiv der Cranger Kirmes

Ich wuss­te dann auch recht schnell wie­der, woher:

iPod-Werbeplakat

Woher mir die Cran­ger Kir­mes bekannt vor­kam, wuss­te ich frei­lich sofort:

[audio:http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2008/07/kirmeskoenig.mp3]

Aus der „Früh­schicht“ auf CT das radio am 10. August 2005. Es lachen die Kol­le­gin Cor­du­la Pütz und ich.

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Digital

Missglückte Produktnamen (Teil 712)

Forher - Lifestyle für Sie.

Von den Erfin­dern von „Fiel­leicht“, „Fer­gnü­gen“ und „Vrü­her“.

[via Horizont.net]

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Musik

Listenpanik 06/​08

Okay, nach dem Zusam­men­bruch beim letz­ten Ver­such, eine Monats­lis­te zu erstel­len, habe ich mich wie­der gefan­gen. Hier ist das Bes­te aus dem Monat Juni – bezie­hungs­wei­se das, was ich in die­ser Mil­li­se­kun­de dafür gehal­ten haben könn­te. Und abge­se­hen von dem, was ich bis­her schlicht­weg ver­ges­sen oder über­se­hen habe.

Alben
1. Sigur Rós – Med Sud I Eyrum Vid Spilum End­al­aust
Mit einem Dröh­nen in ihren Ohren wol­len sie also end­los spie­len, wenn man den Über­set­zungs­an­ge­bo­ten für Nicht-Islän­der glau­ben darf. Die Islän­der von Sigur Rós, deren Alben ger­ne in der Nähe der Adjek­ti­ve „sphä­risch“ und „ent­rückt“ bespro­chen wer­den, klin­gen auch auf ihrem fünf­ten Album so unver­gleich­lich wie zuvor – nur die mit­un­ter ton­nen­schwe­re Melan­cho­lie ist an etli­chen Stel­len einer feder­leich­ten Lebens­freu­de gewi­chen. Upt­em­po-Num­mern eröff­nen das Album und ehe man sich’s ver­sieht, ist man auf der Suche nach leicht nerdi­gen Rin­gel­pul­li­trä­gern, die mit­schun­keln wol­len. Viel­leicht waren Sigur Rós schon mal ein biss­chen bes­ser, hör­ba­rer aber waren sie bis­her nicht.

2. Cold­play – Viva La Vida
Was soll ich dem noch hin­zu­fü­gen? Außer viel­leicht, dass sich das Album auch nach wochen­lan­gem Hören nicht abnutzt, man­che Songs viel­mehr noch gewach­sen sind.

3. Jakob Dylan – See­ing Things
Als Jakob Dylan mit den Wall­flowers anfing, woll­te er alle Vor- und Nach­tei­le, die ihm durch sei­nen Vater ent­ste­hen könn­ten, ver­mei­den. Nach 16 Jah­ren fühl­te er sich reif für ein Album mit dem Namen vor­ne drauf. Dass Jakob Dylan ein groß­ar­ti­ger Song­wri­ter ist, dürf­te kaum jeman­den über­ra­schen, der sei­ne Kar­rie­re ver­folgt hat. Inter­es­san­ter ist da schon, dass man beim Feh­len der Rest-Wall­flowers merkt, dass die Band eben nicht nur von Dylan bestimmt wird, son­dern auch und beson­ders von Rami Jaf­fee – also kei­ne brei­ten Orgel­tep­pi­che, dafür eine völ­lig redu­zier­te Pro­duk­ti­on von Rick Rubin. Dadurch kom­men Dylans gewohnt bril­lan­te Tex­te über die ganz gro­ßen The­men Schuld, Glau­be, Lie­be und Hoff­nung noch ein biss­chen bes­ser zur Gel­tung. Nach dem Papa klingt das Album trotz­dem nur am Ran­de, eher nach Springsteen, Zevon und Cash. Ganz gro­ße Land­schafts­ma­le­rei!

4. Jason Mraz – We Dance. We Sing. We Ste­al Things.
Wer hät­te gedacht, dass der One-Radio­hit-Won­der Jason Mraz vier Jah­ren nach „The Reme­dy“ in Deutsch­land über­haupt noch mal ein Album ver­öf­fent­li­chen darf? Dass er mit „I’m Yours“ jetzt wie­der rauf und run­ter gespielt wird, kann eigent­lich nur dar­an lie­gen, dass es gera­de kei­ne Jack-John­son-Sin­gle gibt – oder dar­an, dass der Song, wie das Album auch, ein­fach wirk­lich gut. Ent­spannt, abwechs­lungs­reich und ein­gän­gig: nix für die Ewig­keit, aber für min­des­tens einen Som­mer (wenn es den denn gera­de gäbe).

5. My Mor­ning Jacket – Evil Urges
Sind My Mor­ning Jacket eigent­lich in Deutsch­land sehr bekannt? Ich kann sowas immer so schlecht abschät­zen. Die in sol­chen Belan­gen mit­tel-ver­trau­ens­wür­di­ge Wiki­pe­dia schlägt als Gen­res „Indie rock, Expe­ri­men­tal, Psy­che­de­lic rock, Sou­thern rock und Jam band“ vor, was zwei­fel­los alles zutrifft, jetzt aber weder Ihnen noch mir wei­ter­hilft. Soll­ten Sie im Laden oder im Inter­net rein­hö­ren wol­len (was Sie tun soll­ten), soll­ten Sie in jeden Song rein­hö­ren, denn ein­zel­ne Ein­drü­cke könn­ten Sie noch mehr ver­wir­ren als das Gesamt­werk: Da gibt es „Sec Wal­kin“, bei dem man ein paar Mal über­prü­fen muss, dass es sich wirk­lich um einen Song von 2008 han­delt und nicht um eine Soul­num­mer aus den 1960ern. Dafür klingt „Touch Me I’m Going To Scream Pt. 2“, als sei es direkt aus den Acht­zi­gern in die Boxen gehüpft. Ein biss­chen hete­ro­gen ist das Album also schon, mög­li­cher­wei­se auch anstren­gend (mei­ne neue Lieb­lings­vo­ka­bel zur Beschrei­bung von Musik), aber ins­ge­samt auch … äh: toll.

Songs
1. Cold­play – Viva La Vida

Four-To-The-Flo­or-Beats fin­de ich außer­halb ihres natür­li­chen Lebens­raums Kir­mes­tech­no fast immer gut und Stak­ka­to-Strei­cher, Glo­cken und Pau­ken haben auf mich genau die Aus­wir­kun­gen, die ihnen Edmund Bur­ke in sei­ner Ästhe­tik des Erha­be­nen zuschreibt.

Da habe ich nun wirk­lich nichts mehr hin­zu­zu­fü­gen.

2. Sigur Rós – Inní Mér Syn­gur Vitley­sin­gur
So klingt das Leben, wenn alles in Ord­nung ist. Wenn man frisch ver­liebt Hand in Hand über saf­ti­ge Wie­sen hüpft, der tief­stehen­den Son­ne ent­ge­gen, umringt von tan­zen­den Kanin­chen, Kat­zen­ba­bies und Elfen. Wenn das Feu­er­wehr­or­ches­ter von Dis­ney­land die Natio­nal­hym­ne von Hope­land into­niert. So klingt Per­fek­ti­on, wenn man es über­haupt nicht drauf anlegt.

3. Aimee Mann – Free­way
Irgend­wie hat es das Album mit dem schö­nen Titel „@#%&*! Smi­lers“ nicht ganz in den Top 5 geschafft (was ich mög­li­cher­wei­se augen­blick­lich bereut haben wer­de), dann ver­su­chen wir’s mit der Sin­gle eben wie­der gut zu machen: klingt wie Aimee Mann, fühlt sich an wie damals im Kino bei „Magno­lia“. Ob die­se Frau jemals einen schlech­ten Song geschrie­ben hat? Falls ja, habe ich ihn ver­passt.

4. The Sub­ways – Girls And Boys
Irgend­wie nied­lich sind sie ja schon, die Sub­ways. Wir­ken immer noch ein biss­chen, als wären sie von ihren Eltern beim Luft­gi­tar­re­spie­len vor dem Spie­gel auf­ge­schreckt wor­den. Aber, mei­ne Güte: rocken tun sie! „Girls And Boys“ ist der Fee­der-Song, der die­ses Jahr bei Fee­der irgend­wie nicht raus­kom­men woll­te.

5. Weezer – Pork And Beans
Zuge­ge­ben: es ist eher das Video als der Song, der Weezer noch ein­mal zurück auf mei­nen Bild­schirm gebracht hat. Aber die­se Anein­an­der­rei­hung von You­Tube-Legen­den ist so wun­der­bar ner­dy, dass sie das Lied gleich mit hebt. Ins Album habe ich mich dann nicht mehr getraut rein­zu­hö­ren.

EP
Tra­vis – J. Smith EP
Das also soll sie sein, die end­gül­ti­ge Rück­kehr Tra­vis‘ zum Rock. Der Titel­track ist andert­halb Minu­ten eine net­te Tra­vis-Mid­tem­po-Num­mer, ehe sich für kur­ze Zeit ein (rela­ti­ves) Rock-Gewit­ter ent­lädt. Ja, doch, das über­rascht nach all den Jah­ren doch ein biss­chen. „Get Up“ ist laut Cre­dits kein Cover von KT Tunstalls „Black Hor­se And The Cher­ry Tree“, klingt aber so. Tra­vis dür­fen das frei­lich, sie sind ja mit Frau Tunstall befreun­det. Als Raus­schmei­ßer auf die­ser klei­nen EP (frü­her hie­ßen Ton­trä­ger mit drei Tracks schlicht „Sin­gle“) gibt es die char­man­te Bal­la­de „Sarah“ mit ganz viel Kla­vier. Wie die­se Songs ein­zu­ord­nen sind, wird sich wohl erst nach Erschei­nen von „Ode To J. Smith“ zei­gen. Als Zwi­schen­durch­hap­pen sind sie aber durch­aus erfreu­lich – und gera­de mal 14 Mona­te nach „The Boy With No Name“ auch noch erstaun­lich früh.

[Lis­ten­pa­nik – Die Serie]

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Gesellschaft Leben

Paradigm City (Eine Odyssee)

Nicht gänz­lich über­ra­schend ende­te vor zwei Wochen auch die letz­te aller Über­gangs­fris­ten im lang­sams­ten aller Bun­des­län­der – und so trat auch im von kolum­bia­ni­schen Tabak­ka­r­tel­len kon­trol­lier­ten Nord­rhein-West­fa­len das in Kraft, was man leicht­fer­tig „Rauch­ver­bot“ nennt. In Bochum, immer­hin der Knei­pen­haupt­stadt des Ruhr­ge­biets, hört man von ein­zel­nen Gast­stät­ten, die sich auch dran hal­ten.

Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de weil­te ich zu Ver­wand­ten­be­su­chen in Dins­la­ken. Die Stadt krank­te schon zu mei­ner Zeit dar­an, dass man dort eigent­lich nichts ande­res tun kann als sich zu betrin­ken, es aber kei­ne geeig­ne­ten Loka­li­tä­ten für der­ar­ti­ge Plä­ne gibt. Am Sams­tag­abend hat­te ich aber eini­ge lie­be Men­schen um mich gesam­melt und gemein­sam fühl­ten wir uns unbe­sieg­bar für unser Vor­ha­ben: Jetzt, wo nir­gends mehr geraucht wer­den darf, woll­ten wir end­lich mal eine Knei­pen­tour durch all die Schup­pen machen, in die wir uns bis­her nicht hin­ein­ge­traut hat­ten.

Um den halb­her­zi­gen Ver­such eines Span­nungs­auf­baus direkt an die­ser Stel­le abzu­wür­gen: wir sind geschei­tert. Kläg­lich. Mit wehen­den Segeln, Pau­ken und Trom­pe­ten. Es begann näm­lich schon mal damit, dass die Som­mer­fe­ri­en kei­ne gute Zeit für Knei­pen­tou­ren sind. Gut die Hälf­te der Gast­stät­ten auf unse­rer ima­gi­nä­ren Lis­te begrüß­te uns mit geschlos­se­nen Roll­lä­den und dem Hin­weis auf aus­ge­dehn­te Betriebs­fe­ri­en. Immer­hin: die Vor­stel­lung, dass sämt­li­che Alt­her­ren­knei­pen­wir­te der Stadt einen gemein­sa­men Kegel­ur­laub ver­brach­ten, die hat­te was.

Die nächs­ten Läden, die wir pas­sier­ten, waren inzwi­schen in Rau­cher­clubs umge­wan­delt wor­den. Damit schie­den sie für unser Vor­ha­ben der rauch­frei­en Knei­pen­tour natür­lich aus und auch sonst wer­de ich jetzt weder den einen noch den ande­ren Schup­pen jemals von innen zu sehen bekom­men – was ange­sichts des­sen, was man schon von außen sehen kann, aller­dings aufs Hef­tigs­te begrüßt wer­den muss. Auch auf die Gefahr hin, den Ruf sämt­li­cher Dins­la­ke­ner Innen­ar­chi­tek­ten für immer zu zer­stö­ren: Knei­pen, die wie die Gas­tro­no­mie­zei­le eines Son­nen­stu­di­os aus­se­hen, gehen gar nicht!

Nach zwan­zig Minu­ten Rum­ge­gur­ke auf nicht ganz ver­kehrs­si­che­ren Fahr­rä­dern durch eine glück­li­cher­wei­se ver­kehrs­freie Innen­stadt (in der es nach dem Hoch­klap­pen der Bür­ger­stei­ge übri­gens nach Pfer­de­mist riecht) blie­ben noch genau zwei Loka­le übrig: die über die Gren­zen der Stadt bekann­te „Sze­ne­knei­pe“ „Ulcus“ und das Leh­rer-in-Leder­wes­ten-trin­ken-Rot­wein-Lokal „Zur Adler-Apo­the­ke“.

Der „Ulcus“ ist die ver­mut­lich ein­zi­ge Sze­ne­knei­pe der Welt, in der jun­ge Men­schen beim Weg­ge­hen auf ihre eige­nen Eltern tref­fen kön­nen, dafür wird Ser­vice dort in bes­ter Ber­li­ner Sze­ne­knei­pen-Tra­di­ti­on klein geschrie­ben (und das nicht nur, weil es sich dabei ursprüng­lich um ein eng­li­sches Wort han­del­te). In bes­ter Ver­ken­nung des Geset­zes­tex­tes hat­te man dort einen klei­nen Neben­raum zur Nicht­rau­cher­zo­ne erklärt, was wit­zi­ger­wei­se dazu führt, dass man, wenn man in die Nicht­rau­cher­zo­ne, auf Toi­let­te oder zur The­ke (Sie erin­nern sich: Ser­vice) will, durch den voll­ge­qualm­ten Haupt­raum muss. Immer­hin liegt der Nicht­rau­cher­be­reich ein biss­chen nied­ri­ger, so dass der Qualm eini­ger­ma­ßen drau­ßen bleibt – eine Tür oder wenigs­tens einen Vor­hang gibt es näm­lich auch nicht. Das Argu­ment, die meis­ten Gäs­te woll­ten ja rau­chen, soll­te jetzt bes­ser nie­mand brin­gen, denn der Nicht­rau­cher­raum war voll, wäh­rend wir im Rau­cher­raum immer­hin noch eine hal­be Bank hät­ten beset­zen kön­nen. Woll­ten wir aber nicht.

Also die „Apo­the­ke“ – wie der Name schon sagt eine alte Apo­the­ke mit einer Innen­ein­rich­tung aus der Kai­ser­zeit und viel Lie­be zum Detail. Dass auch hier im Haupt­raum (The­ke, Ein­gang, Durch­gang zu den Toi­let­ten) geraucht wer­den darf und wir auf Anhieb gar kei­nen Nicht­rau­cher­raum erspä­hen konn­ten, war uns zu die­sem Zeit­punkt egal. Wir hat­ten Durst und müde Kno­chen. Wir ver­brach­ten einen net­ten Abend und die Bedie­nung war freund­lich.

Das mit dem Rauch­ver­bot aber, das scheint in Dins­la­ken noch in wei­ter Fer­ne zu lie­gen. Viel­leicht hät­te das Ord­nungs­amt nicht vor­ab in der Pres­se ver­kün­den sol­len, dass man eh nicht kon­trol­lie­ren wer­de …

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Digital

Zwischen Biergarten und Grune Alt

Was genau trin­ken die eigent­lich bei der „taz“, bevor sie ihre Über­schrif­ten raus­hau­en?

Die größte Bierbrauerfusion aller Zeiten: Hackedichter Markt

Wie üblich gelun­gen ist hin­ge­gen die Bild­un­ter­schrft:

Bud schmeckt wahrscheinlich genauso wie vorher: eben wie US-Plörre

(Wobei man natür­lich nicht uner­wähnt las­sen darf, dass es auch in den USA das eine oder ande­re lecke­re Bier gibt.)

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Literatur Kultur

Nischenkultur

Nischen. Klin­gen so nach Eck­sitz­bank im Rei­hen­haus, oder?

In Nischen fin­den sich jedoch aller­hand Sachen wie­der, ver­ges­se­ne Cent Stü­cke, wich­ti­ge Zet­tel auf denen noch wich­ti­ge­re Din­ge notiert sind, Keks-Krü­mel oder die letz­ten Pani­ni-ein­kle­be-Bil­der der WM. Doch Nischen kön­nen auch wah­re Fund­gru­ben sein.

Nun, genau für die­se Fund­gru­ben wur­de ich gefragt, zu schrei­ben. Ich soll was über Kunst, Kul­tur und Lite­ra­tur schrei­ben, die man so im Netz oder auf der Stras­se oder beim stö­bern im Regal fin­det.

Also sowas wie ein Fund­gru­ben­spür­hund oder so?

Nun, mit der Kunst und der Kul­tur ist das ja so eine Sache. Was der eine mag, fin­det der ande­re dane­ben, und umge­kehrt. In der Kunst ist das meis­te näm­lich alles Inter­pre­ta­ti­ons­sa­che.

Well, um es dem Leser und auch mir ein wenig ein­fa­cher zu machen, fan­gen wir ein­fach am Anfang an – und am Anfang der Kunst war der Gedan­ke – die Inspi­ra­ti­on. Das ist sozu­sa­gen das wich­tigs­te für krea­ti­ve Pro­zes­se im All­ge­mei­nen und das ent­ste­hen von Kunst über­haupt!

Inspi­ra­ti­on lässt sich „Künst­ler-sei-Dank“ in vie­len Berei­chen fin­den, eigent­lich unter jedem Stein wenn man so will. Sei es das Graf­fi­ti an der Haus­wand gegen­über, alte Kind­heits­hel­den oder eben doch Künst­ler über die man irgend­wo gestol­pert ist.

Eine Künst­le­rin über die ich die­ses Jahr gestol­pert bin, hat ihre gan­ze eige­ne Art Inspi­ra­ti­on zu wecken. In meh­re­ren, wirk­lich bezau­bern­den Bücher, auf ihre­re Web­site oder auch dem Bild­por­tal Flickr hält sie ihre Kunst fest. Sie heißt – Keri Smith.

Die kana­di­sche Künst­le­rin hat ihre Anfän­ge als Illus­tra­to­rin gesam­melt und arbei­tet heu­te für vie­le renom­mier­te Ver­la­ge und Agen­tu­ren. Vor allem aber arbei­tet Sie als akti­ve Künst­le­rin. Sie selbst, bezeich­net sich als Gue­ril­la Artist.

Was Keri Smith so beson­ders macht, ist ihr Ver­ständ­nis von Kunst und die Art und Wei­se mit der sie nicht nur ihre Kunst­wer­ke her­stellt, son­dern auch Kunst zugäng­lich für ande­re macht und anregt selbst krea­tiv zu sein! Do Art!

Des­halb ist ihr Buch/​Journal „Wreck This Jour­nal“ ein klei­nes Geschenk an jeden, der mit Büchern alles das anstel­len möch­te, was es mög­lichst krea­tiv kaputt macht. Es ist gar nicht so ein­fach die Auf­ga­ben zu erfül­len, weil das Buch fast zu scha­de ist um es zu zer­stö­ren – aber genau das ist der Punkt!

So schön wie jetzt sieht es bald nicht mehr aus. Nach dem man Löcher durch die Sei­ten gebohrt hat, eine Sei­te beer­digt, die Sti­cker von Früch­ten dar­in gesam­melt, mit Essens­res­ten drin rum­ge­saut und mit dem Buch geduscht hat – wird es wohl dop­pelt so groß sein und nicht mehr so schön im Regal aus­se­hen.

Ist nicht schlimm, ist ja alles für die Kunst und für die Inspi­ra­ti­on sel­ber noch mehr sol­che Sachen zu erfin­den.

Wreck This Journal (Foto: Annika Krüger) Wreck This Journal (Foto: Annika Krüger)

Soviel zur ers­ten erkun­de­ten Nische. Auf Wie­der­le­sen, Ihr Fund­gru­ben­spür­hund!!!

Keri Smith – Wreck This Jour­nal
Pen­gu­in Books
12,95 $ (ca. 7 €)

www.wreckthisjournal.com

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Musik Rundfunk

A TV Script Ending

„Spie­gel Online“ hat einen Repor­ter zum Kon­zert von Death Cab For Cutie in Ham­burg geschickt. Neben aller­lei Cold­play- und Nir­va­na-Ver­glei­chen schli­chen sich auch fol­gen­de Pas­sa­gen in den Text:

Im Seat­tle von 2008 freut man sich bei Sub­Pop, wenn die Label-Mus­ter­schü­ler The Shins wie­der ein­mal mit einem Song in der Teen­ager­lie­bes­kum­mer-unter-Pal­men-Sei­fen­oper „O.C., Cali­for­nia“ zu hören sind.

[…]

Ein Gast­auf­tritt bei „O.C.“ ist in den Staa­ten mitt­ler­wei­le eine ähn­li­che Erfolgs­ga­ran­tie wie hier­zu­lan­de ein Gig bei „Wet­ten, dass…?“ oder frü­her bei „Geld oder Lie­be“.

Im „Seat­tle von 2008“ wäre man aber wohl eher erstaunt, wenn man noch einen neu­en Song bei „O.C., Cali­for­nia“ plat­zie­ren könn­te – lief doch die letz­te Fol­ge der Serie am 22. Febru­ar 2007. Also eher „eine ähn­li­che Erfolgs­ga­ran­tie“ wie „Geld oder Lie­be“ heut­zu­ta­ge.

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Digital

Sommerloch

Im Freizeitpark: Elefant packt Kind mit Kinderwagen, Im Freizeitpark: Elefant packt Kind mit Kinderwagen, Top-Ratgeber: Im Freizeitpark: Elefant packt Kind mit Kinderwagen
Nein, das ist kei­ne Pho­to­mon­ta­ge, son­dern ein Screen­shot der „Panorama“-Seite bei „RP Online“. Aller­dings muss man zuge­ben, dass sich die­ser Anblick wegen der rotie­ren­den Teaser nur etwa jede Minu­te für ein paar Sekun­den bie­tet.