Autorenarchiv

Die, die mit den Wörtern tanzt

Von Annika Krüger, 23. Februar 2010 16:02

Mit neuen Büchern ist es ja immer ein wenig so: Man meint, man müsse ganz vorsichtig sein, um keiner Seite ein Eselsohr zu verpassen oder einen Buchstaben umzuknicken — wehe wenn! Jedoch, um einem Buch Charakter zu verleihen sollte man es auch knicken, den Buchrücken aufklappen und es lesen. Es ablesen, ablieben. Von was ich spreche?

Das allererste Buch einer jungen Frau, Lisa Rank. Aus Berlin, jetzt Hamburg.
Schreibt, atmet, komponiert, tanzt, träumt und erfindet Wortwelten. Entdeckt sie hinter Müslischachteln oder unterm Bett. Begegnet ihnen an Häuserecken, in der Nacht oder weil sie ganz genau hinhört.
Weil sie schreibt, was vorher noch nicht da war. Ihr Talent, ihre eigene Stimme und die Gabe, Gefühle so einzufangen, dass man genau spürt, was in den Charakteren vorgeht. Man kann mitfühlen, mitweinen, miterleben, man ist bei allem dabei.
Weil die Autorin es zulässt, aber – und das finde ich auch sehr wichtig – man wird beim Lesen davor beschützt, dass die Trauer einen erdrückt.
Im Gegenteil: Man wird mitgenommen und man bekommt es gezeigt und erlebt, denn im Zweifel, wenn alles keinen Sinn mehr macht, macht man solche Reisen auch immer ein Stückchen für sich selbst!

Von was ich hier erzähle?

Von Lisa Ranks ersten Roman „Und im Zweifel für dich selbst“.
Ein Buch, in dem zwei Freundinnen, Lene und Tonia, den Tod eines geliebten Menschen erleben und sich und die Welt nicht mehr verstehen. Das Leben, das sie bisher hatten, gibt es so nicht mehr. Weil jetzt jemand fehlt, der bisher immer da war. Sie machen sich auf eine Reise. Ein Roadmovie-Roman, der so viel Wahrheit zwischen den Zeilen versteckt hält und so eigensinnig auf dem Blatt steht. Oder der so viel über die Dinge erzählt, wie sie passieren und was man dann macht, dass es eigentlich nur Sinn macht zu sagen: Kaufen, lesen und selber entdecken!

Ich hab es fast zu Ende. Ein bisschen hab ich mir noch aufgehoben zum Schluss.
Wie es also ausgeht weiß ich nicht und würde es auch nicht verraten. Macht man nicht. Was man aber tun sollte: Selber entdecken!

Elisabeth Rank – Und im Zweifel für dich selbst
Suhrkamp, 200 Seiten
12,90 Euro

Lisa Rank im Internet

Sort Of Revolution

Von Annika Krüger, 18. Juni 2009 12:14

Bildungsstreik in Weingarten

Erwartet haben die Veranstalter an meiner Uni nicht viel, zu gering war die Resonanz der Studenten an den Aktionstagen. Zu gering das Engagement, mit den immergleichen Aussagen wird man als naiver Tölpel abgestempelt. Man sei ein Träumer oder zu links, die Forderungen zu groß und überzogen. Die Skeptiker haben an jeder Ecke gelauert. „Wenn wir 200 Leute bekommen, haben wir schon viel erreicht“, so eine Organisatorin.

Ich weiß nicht wie es Skeptikern ging, aber als ich gestern an meiner Uni stand und als anstatt der erwarteten 200 sich ganz plötzlich unerwartete 1.300 Menschen auftauchten, konnte man die Anspannung in den Gesichtern weichen sehen. Das mag jetzt pathetisch klingen, aber man hatte wirklich das Gefühl, dass man heute ein Zeichen setzt.

Auch Deutschlandweit wurde die Zahl der tatsächlich Mitwirkenden unterschätzt, über 240.000 StudentInnen, SchülerInnen waren auf der Straße in mehr als 80 Großstädten. Die Bilanz kann sich sehen lassen.

Vom Campus aus zogen alle Demonstranten durch die Weingärtner Innenstadt zum Löwenplatz, dem hiesigen Marktplatz. Dort wurden die Zwischenkundgebungen abgehalten, nicht nur die AstA und UstA hielten Ansprachen, sondern auch einer der Hochschulprofessoren der PH hielt eine sehr eindringliche Rede, in der er den Demonstranten die Sicht der Professoren schilderte, dass es auch für die Hochschule nicht einfach ist mit den Beschlüssen der Politik und dem Bologna Prozess auszukommen, als letztes sprach auch eine Kandidatin der Grünen.

Es war eine sehr friedliche und dennoch eindringliche Stimmung. Nach den Zwischenkundgebungen lief die Demonstration weiter, auf der Hauptstraße entlang zurück zum Unigelände. Dort hielten der Schülersprecher der zwölften Klasse sowie ein Abgeordneter der SPD die beiden letzten Ansprachen des Tages.

Nach den Kundgebungen spielten die unieigenen Bands für die Demonstranten. Bis in den frühen Abend wurden nicht nur gefeiert, sondern auch diskutiert. Ausschreitungen oder Krawalle gab es keine. Von Seiten der Polizei und Hochschule gab es großes Lob, die Demonstration in Weingarten war ein Erfolg, vor allem auch die Besonnenheit der Demonstranten wurde gelobt.

Bildungsstreik in Weingarten

Hier noch einige Stimmen:

„Ich hätte nie im Leben damit gerechnet, dass 20 Menschen über 1.000 andere motivieren können!“, Steffen H.

„Die Art und Weise der Demonstration hat hoffentlich allen Skeptikern gezeigt, dass man doch noch etwas Bewegen kann. Man muss jetzt nur am Ball bleiben!“, Lena E.

„Ich glaube wirklich, das es ein Zeichen gesetzt hat, zumindest weiß die Hochschule sowie die Politik jetzt, dass wir uns nicht alles gefallen lassen. Und wird in Zukunft bei ihren Beschlüssen anders entscheiden“, Julia A.

„Ich bin total stolz auf alle, die mitgelaufen sind. Ich hätte damit nie gerechnet. Meine ganzen Zweifel sind ein Stückchen geschrumpft. Ich hoffe das es so weiter geht und die Politik sowie die Hochschule sich bewusst wird, welche Verantwortung sie haben“, Sandra P.

Wo bitte geht’s zur Bildung?

Von Annika Krüger, 12. Juni 2009 19:30

Es werden momentan wichtige Weichen gestellt. Nicht nur in der Weltwirtschaft, sondern auch in der Bildung. Denn nicht nur in Deutschland muss Bildung ironischer Weise zugunsten der Wirtschaft zurückstecken, europaweit leiden Universitäten an den Beschlüssen der Politik zugunsten der Wirtschaftskrise.

Es werden Banken unterstützt, Milliardenbeträge für Automobilkonzerne aufgebracht und auf der anderen Seite werden sozialen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten und Universitäten Zuschüsse gekürzt oder fallen ganz weg.

Wie soll jedoch die Gesellschaft von morgen optimal auf all die Probleme der Zukunft vorbereitet werden, wenn Schulen geschlossen werden? Wenn kein Geld in Bildung investiert wird? Wenn die Qualität der Lehre nicht verbessert, sondern gar nicht erst ernst genommen wird?

Wer wird ein Konto bei einer Bank eröffnen, ein Auto oder im Kaufhaus etwas kaufen können, wenn er kein eigenes Geld verdienen kann, weil er keine Ausbildung anfangen kann? Wenn für das Studium und die Ausbildung zu einem Beruf immer weniger Zeit bleibt?

Wie sollen Schüler und Studenten ausprobieren und ihre Nische finden, ihr Wissen festigen und sich in ihrem Beruf sicher fühlen, wenn sie in 6 Semestern durch die Uni katapultiert werden? Was, wenn sie ihr Studium wegen fehlender finanzielle Unterstützung erst gar nicht anfangen können?

Es sind Fragen, die vielmehr auch darauf aufmerksam machen, wie die Studenten bis jetzt mit ihrer Situation umgegangen sind: Der Großteil der Studenten nahm brav hin und zahlte die Studiengebühren, nahm einen Kredit auf oder brach das Studium ab.

Es tat sich nicht viel. Der große Ruck ging nicht durchs Land. Ein paar Proteste in den größeren Uni-Städten, vereinzelte Aktionen gegen Studiengebühren, aber die große Masse an Studenten konnte bisher nicht mobilisiert werden, alle Mühen der Demonstrationen blieben vergebens.

Jedoch gab es auch die Gründung verschiedener Organisationen, die sich für eine bessere Bildungslobby einsetzen wollten und dies auch taten!

Und es scheint, dass die Initiative – Bildungsstreik 09 – in diesen Tagen die Früchte ihrer Arbeit ernten kann. In bis zu 80 großen und kleinen Städten in Deutschland wird ab nächster Woche in Schulen und Universitäten gestreikt. Ab dem 15. Juni sind verschiedene Aktionen geplant die ein Zeichen setzen sollen – von Plakataktionen bis zu Debatten.

Chancengleichheit in der Bildung, selbstbestimmtes Lernen und die Verantwortung des Landes gegenüber der Schulen und Universitäten sind nur ein Teil der Forderungen.

An der Demonstration am 17. Juni werden rund 100.000 SchülerInnen und StudentInnen erwartet. Auch Attac und die Bildungsgewerkschaft GEW gab ihre Unterstützung bekannt.

Natürlich ist auch ein Hauch von Skepsis angebracht, ob die Demonstrationen ihre Wirkung nicht verfehlen? Ob viele wenige etwas ausrichten können?

Ich sage, ja! Es ist an der Zeit und angebracht, sich verantwortungsvoll zu engagieren. Denn es muss ein Stein ins Rollen gebracht werden. Nur dann nimmt die Öffentlichkeit davon auch Notiz.

Man konnte es in meiner Uni, der Pädagogischen Hochschule Weingarten ganz deutlich fühlen, dass die Zeit reif ist, sich für seine Ideale und seine Zukunft einzusetzen. In der Vollversammlung letzte Woche fanden knapp 300 Studenten zusammen. Das sind immerhin 10% der immatrikulierten Studentenschaft. Mit großem Interesse hörte man den Initiatoren des Bildungsstreiks 09 zu, die uns darüber informierten, wie der Stand der Dinge ist und was zu erwarten ist, wenn die Situation so bleibt wie sie ist. Sogar Professoren waren von der Stimmung während der Kundgebung begeistert und gaben durch die Blume ihre Unterstüzung bekannt.

Rückendeckung gibt es nicht nur von Seiten der Gewerkschaften, auch die Universitäten und Schulen haben für den Bildungsstreik die Regeln gelockert, aber auch klare Verhaltensregeln festgelegt! Nur mit Rückendeckung kann der Bildungsstreik ein Schritt in die richtige Richtung sein.

Was sich im Bildungsstreik 09 alles live tun wird, kann man ab nächster Woche nicht nur hier nachlesen!

Wer sich informieren möchte was in seiner Stadt geplant ist: bs.risiko09.de

Besuch an der Ostküste

Von Annika Krüger, 16. März 2009 13:36

„Better late than never“, sagt der Nostalgiker. Oder der Bücherjunkie, der Bücher im Regal stehen hat, von deren Existenz er bis dato gar nicht mehr wusste.

So geschehen bei Ricky Moodys „Garden State“.

Sein Romandebüt, das er Anfang der 90er schrieb, spielt in New Jersey, dem typischen Heile-Welt-Vorortstaat mit all seinen Gärten, den Häusern mit den weißen Zäunen und den brach liegenden Industriegebäuden. Mit alten Lagerhallenruinen und alten Bars, die verraucht und vor allem verbraucht sind. Irgendwie zwischen New Economy und etwas anderem, was einen unterschwellig ein bisschen aufrüttelt, man aber nicht konkret benennen kann.

Es ist kein typisches „Coming of Age“-Romandebüt, die die Läuterung des tragischen Losers zum Held beschreibt. Es ist eine eigenwillige Milieustudie, die das Leben von Mitzwanzigern so erzählt, wie es ist. Alice, Dennis und Lane leben das Vorortleben, sind ständig unzufrieden und träumen davon, eine Band zu haben. Musik als Kontrast zum Leben in einem Vorort, der urbanen Warteschleife.

Der Blick hinter die Fassade von Garden State ist ungemütlich und real beschrieben. Moody beschönigt nichts und gerade deshalb lohnt sich diese kleine Buch so.

Wie lebt man zwischen dem Traum, eine Band zu gründen, und der Realität, sich im Alltag zurechtfinden? Was passiert, wenn Parties nicht so ganz laufen wie sie sollen? Was passiert, wenn keine Perspektive so richtig passt?

Direkt und unverkitscht erschafft Moody Wortlandschaften wie Polaroids, deren ganz Moody-typische Lakonie die Geschichte einer Generation erzählt, die man bisher übersehen hat, denn wer kann sich schon wirklich an die Neunziger erinnern?

Erschienen im Piper Verlag ( € 8.90), bei jedem Bücherdealer erhältlich. Mit dem Film von Zach Braff hat das Buch nur den Titel gemein.

Wenn man dann ein klein wenig aus der Vorstadt draußen ist, landet man unweigerlich auch in New York und damit am nächsten Schauplatz der „Tender Bar“ von J.R. Moehringer.

Es handelt sich hierbei nicht um die Autobiographie von Dallas oder J.R. und wer sein Mörder war (Wer eigentlich?), sondern um eine sehr sphärische, witzigen und schönen Geschichte über das Erwachsenwerden eines Jungen auf Long Island in den 60ern Amerikas.

Was bleibt einem Jungen anders übrig, wenn man eine Mutter hat, die mit Lügen die Moral aufrecht erhält, als sich in einer Bar voller liebenswürdiger Gestalten das Erwachsenwerden beibringen zu lassen?

J.R., der Protagonist, nimmt uns mit zu seinem ersten Baseballspiel, zum Strand mit den Männern aus dem „Dickens“, zeigt uns seinen ersten Job, seinen ersten Kuss und die ersten Träume. Erzählt uns von seinem Vater, der für ihn nur „die Stimme“ aus dem Radio ist.

Man geht mit ihm zum ersten Mal in den Big Apple und erlebt die große Hektik der Stadt und wie es ist, für einen großen Traum alles zu versuchen. Und vor allem, dass Tapferkeit und Träumen doch hilft.

Erschienen im Fischer Verlag (9,95 €)

Reimemonster

Von Annika Krüger, 21. Dezember 2008 20:51

In meiner kleinen Stadt passieren ab und zu doch erstaunlich tolle Dinge. Denn meine kleine Stadt besitzt ein kleines Kulturkino und macht die kleine Stadt etwas weniger provinzialisch als mache (also ich) immer denken.

Meine kleine Stadt ist bekannt in der Szene, in der Szene namens Poetryslam. Poetrywhat? Poetryslam, oder zu deutsch: Gedichteschlacht.

Poetryslams sind Dichterwettkämpfe, die es schon seit dem Mittelalter und in moderner Form seit 1984 gibt. Meist finden sie auf kleinen Bühnen in kleinen oder großen Städten statt. Die Slammer tragen ihre eigenen Texte vor und aus dem Publikum wird die Jury gemacht. Zack Bum!

Die Jury kann Punkte von 0 – 10 für den Slammer geben und daraus ergibt sich dann die Punktzahl der jeweiligen Runde. Die Punktzahl entscheidet, wer eine Runde weiter ist. Wer eine Runde weiter ist, ist meistens im Finale, bei dem das gesamte Publikum schließlich durch ohrenbetäubenden Applaus und Jubel den Sieger bestimmt.

Der Sieger verdient nicht nur Ruhm und Dichterehre, nein, er gewinnt auch traditionell eine Flasche Whisky und in Zeiten der Rezession so viel Geld, dass die Heimreise gesichert ist.

Das Prinzip ist einfach, der Weg zum Sieg aber nicht. Das schöne bei einem Slam ist: man wird 3 Stunden lang mit Kopfkino vom feinsten unterhalten. Das schlechte daran: nicht jeder Kopfkinofilm ist auch ein Hit!

Es gibt Slammer, die sich vorzüglich darauf verstehen, ihr Publikum mit ihrem Text an die Hand und auf eine Reise mitzunehmen, ihnen neuen Welten zeigen und sie hinterher am Ausgang wieder unbeschadet, aber glücklich zurückzugeben. Sie können mit Wörter spielen, Sätze auseinander klauben, alle Wortwitze finden und so verpacken, dass man nicht denkt „Kenn ich schon, nächster bitte!“

Nein, manchen Slammern gelingt es ganz oft, Sprachgefühl, Rhythmus und Wortakrobatik so in eine Geschichte zu verpacken, dass man ganz gebannt einem Menschen sieben Minuten lang ins Gesicht glotzt und das einen ganzen Abend lang.

Doch bei einigen Slammern kommt man schon ins Zweifeln, denn Texte über seinen „Lieblingsdönerfritzen“ in schwäbischer Mundart kann bei so manchem dann schon eine runzelnde Stirn hervorrufen. Man könnte an dieser Stelle diesen Texte „Lieblingsdönerfritzen“ zitieren, worauf ich aber zu Gunsten der Leserschaft besser verzichte.

Aber hier gilt, wie in so vielen Bereichen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und die meisten  Slammer wachsen an ihren Wettkämpfen. Zumal auch der Poetryslam nur durch ein demokratisches System funktioniert, was jedem die Chance bietet, sich der Jury/dem Publikum zu stellen. Mit oder mit ganz viel Talent.

Sollte in Eurer kleinen oder großen Stadt ein Poetryslam stattfinden, dann kann ich Euch nur empfehlen, dieses Ereignis zu besuchen. Denn es macht wirklich Spaß, einfach mal zu zuzuhören und sich auf einen Kopfkinofilm einzulassen.

Wer nicht gern aus dem Haus geht, kann sich in regelmäßigen Abständen im WDR am Sonntagabend nach „Zimmer frei!“ mit Kopfkino, Dichterwettkämpfen und sonstigen Wortspielereien vergnügen.

Wer nicht gern fernsieht, aber im Internet surft, findet auf Youtube die schönsten Poetryslam-Perlen.

Reimemonster 1: Sebastian Krämer

Reimemonster 2: Phibi Reichling (der Gewinner in meiner kleinen Stadt) 

In diesem Sinne: Poetische Weihnachten!

Wünsch Dir was

Von Annika Krüger, 1. Oktober 2008 13:50

Ich bin ja immer ganz entzückt, wenn ich schöne Dinge finde. Irgendwie klar, ich bin ja auch ne Frau. Was aber nicht heißen soll, dass Männer nicht entzückt sein müssen von schönen Dingen. Die sagen dann halt, cool oder ähhh knorke, ne, hammergeil dazu ;)

Jedenfalls, hab ich gestern mal ein wenig rumgestöbert und bei vimeo, dem stylischen Äquvivalent zu Youtube, ein sehr schönes Video gefunden.

„What would you wish for, that should happen by the end of today?“


Fifty People, One Question: Restored from Benjamin Reece on Vimeo

Was würde man sich denn wünschen, was passieren sollte bis zum Ende dieses Tages?

Ich würde mir glaub ich einen Geschichten-Vorleser wünschen, oder einen Unterrichtsstunden-Planer, oder Weltfrieden und äh Eis für alle!

Mehr von Benjamin Reece

Tagewerk

Von Annika Krüger, 31. Juli 2008 18:19

Klassiker oder keine Klassiker? Spiegel-Bestsellerliste oder doch lieber im Buchladen stöbern? Eigentlich ganz egal – die Hauptsache ist doch: Bücher sollen Freude machen und einen auf irgendeine Weise bereichern.

Deshalb hier mein Buchtipp für den Sommer!

„Alle Tage“ von Terézia Mora

Nun, der Titel verrät – eigentlich gar nichts, es wirft eher mehr Fragen auf. Auch das Cover ist außer taubengrau nicht wirklich hilfreich. Nein. Man muss sich schon selbst auf Entdeckungsreise begeben um herauszufinden warum „Alle Tage“ so heißt, wie es heißt.

Man braucht aber ein wenig Geduld damit, um sich an einen ganz wunderbar neuen und filmischen Schreibstil zu gewöhnen. Kurze Sätze. Bilder und Emotionen prasseln auf den Leser nieder. Verwirrend, mäandernde Passagen, seltsame Geschichten und merkwürdige Menschen kreuzen den Weg. Ein klein wenig David Lynch hier und da. Aber man wird belohnt, belohnt mit einem Gefühl von Zufriedenheit. Man hätte es schon viel früher lesen sollen. Wirklich!

Es gab in meiner bisherigen Leserkarriere kein Buch das einen schöneren und melodischeren Anfang hatte als dieses, können Bücher melodische Anfänge überhaupt haben? Well… lest hier und urteilt selbst:

„Nennen wir die Zeit jetzt, nennen wir den Ort hier. Beschreiben wir beides wie folgt…“

Der Protagonist mit dem melodischen Namen Abel Nema wird eines Tages, in einem Hinterhof in einer Stadt die im Osten des Landes steht, tot aufgefunden. Nicht nur tot, sondern kopfüber hängend von einem Geländer, ein wenig Fledermaus-like. Geübte Kriminalisten oder solche die Krimis eher im Fernsehn verfolgen oder auch lesen, fragen sich natürlich gleich. Wer wars? Und warum? Und wie?

Nun, geklärt wird alles. Es ist aber mitnichten ein Krimi im herkömmlichen Sinne. Es ist überhaupt kein Krimi. Denn es gibt keinen Ermittler oder einen Mord aus Leidenschaft oder graue Mafiosi oder Hintermänner. Nein.

Der Ermittler, nennen wir ihn Entdecker von Abels Welt, ist der Leser selbst.

Man entdeckt also diesen Abel Nema und auch das er ein Genie ist. Er stammt aus dem Osten der Welt, allerdings kann nicht mehr zurück, denn dort herrscht Krieg. Er lernt Sprachen wie andere das Laufen, am Ende sind es zehn. Er findet eine Frau mit Namen Mercedes und begibt sich mit ihr in eine Scheinehe. Sein einziger Freund ist Omar, Mercedes‘ Sohn.

Doch Abel Nema findet keine Ruhe, denn die Sehnsucht ist immer stärker als er, sie lässt ihn nicht los und bringt ihn immer weiter weg und wieder zurück. Bis es zu Ende ist. Auf seinem Weg begegnet er vielen Menschen und manche kehren immer mal wieder zurück. Doch was man immer spürt, ist die Einsamkeit die Abel Nema verspürt, ob er gerade in Begleitung ist oder in einem Zug sitzt, oder in einem Park.

Doch das soll jetzt nicht nach Depression klingen oder nach Dauermelancholie. Nein. Es ist eher eine Geschichte die dem Leser eine Welt, jenseits unserer zeigt, die es gibt und in der Geschichten wie Abels passieren können. Bücher, die einem einen Mensch beschreiben, der so ganz ander ist als die Protagonisten, die wir toll finden. Es ist eher der Anti-Protagonist, den man gern hat und man weiß nicht so genau warum.

Noch schnell was zur Autorin: Terézia Mora, ist in Ungarn geboren und studierte Hungarologie und Theaterwissenschaften in Berlin. Arbeitet heute als Schriftstellerin und Dramatikerin.

Noch schnell was zum Buch: Mit 10 Ören ist man dabei. Gibt es im Handel, seit kurzem auch auf Englisch – dort heißt es „Day in Day out“. Und natürlich als Hörbuch für ein paar mehr Öre.

Was war euer schönster Buchanfang? Kennt ihr das Buch schon?  Habt ihr Buchtipps? Immer her damit!

Auf wiederlesen, eure Nischen-Annika! Schönen Sommer =)

Nischenkultur

Von Annika Krüger, 14. Juli 2008 19:00

Nischen. Klingen so nach Ecksitzbank im Reihenhaus, oder?

In Nischen finden sich jedoch allerhand Sachen wieder, vergessene Cent Stücke, wichtige Zettel auf denen noch wichtigere Dinge notiert sind, Keks-Krümel oder die letzten Panini-einklebe-Bilder der WM. Doch Nischen können auch wahre Fundgruben sein.

Nun, genau für diese Fundgruben wurde ich gefragt, zu schreiben. Ich soll was über Kunst, Kultur und Literatur schreiben, die man so im Netz oder auf der Strasse oder beim stöbern im Regal findet.

Also sowas wie ein Fundgrubenspürhund oder so?

Nun, mit der Kunst und der Kultur ist das ja so eine Sache. Was der eine mag, findet der andere daneben, und umgekehrt. In der Kunst ist das meiste nämlich alles Interpretationssache.

Well, um es dem Leser und auch mir ein wenig einfacher zu machen, fangen wir einfach am Anfang an – und am Anfang der Kunst war der Gedanke – die Inspiration. Das ist sozusagen das wichtigste für kreative Prozesse im Allgemeinen und das entstehen von Kunst überhaupt!

Inspiration lässt sich „Künstler-sei-Dank“ in vielen Bereichen finden, eigentlich unter jedem Stein wenn man so will. Sei es das Graffiti an der Hauswand gegenüber, alte Kindheitshelden oder eben doch Künstler über die man irgendwo gestolpert ist.

Eine Künstlerin über die ich dieses Jahr gestolpert bin, hat ihre ganze eigene Art Inspiration zu wecken. In mehreren, wirklich bezaubernden Bücher, auf ihrere Website oder auch dem Bildportal Flickr hält sie ihre Kunst fest. Sie heißt – Keri Smith.

Die kanadische Künstlerin hat ihre Anfänge als Illustratorin gesammelt und arbeitet heute für viele renommierte Verlage und Agenturen. Vor allem aber arbeitet Sie als aktive Künstlerin. Sie selbst, bezeichnet sich als Guerilla Artist.

Was Keri Smith so besonders macht, ist ihr Verständnis von Kunst und die Art und Weise mit der sie nicht nur ihre Kunstwerke herstellt, sondern auch Kunst zugänglich für andere macht und anregt selbst kreativ zu sein! Do Art!

Deshalb ist ihr Buch/Journal „Wreck This Journal“ ein kleines Geschenk an jeden, der mit Büchern alles das anstellen möchte, was es möglichst kreativ kaputt macht. Es ist gar nicht so einfach die Aufgaben zu erfüllen, weil das Buch fast zu schade ist um es zu zerstören – aber genau das ist der Punkt!

So schön wie jetzt sieht es bald nicht mehr aus. Nach dem man Löcher durch die Seiten gebohrt hat, eine Seite beerdigt, die Sticker von Früchten darin gesammelt, mit Essensresten drin rumgesaut und mit dem Buch geduscht hat – wird es wohl doppelt so groß sein und nicht mehr so schön im Regal aussehen.

Ist nicht schlimm, ist ja alles für die Kunst und für die Inspiration selber noch mehr solche Sachen zu erfinden.

Wreck This Journal (Foto: Annika Krüger) Wreck This Journal (Foto: Annika Krüger)

Soviel zur ersten erkundeten Nische. Auf Wiederlesen, Ihr Fundgrubenspürhund!!!

Keri Smith – Wreck This Journal
Penguin Books
12,95 $ (ca. 7 €)

www.wreckthisjournal.com