Reimemonster

Von Annika Krüger, 21. Dezember 2008 20:51

In meiner kleinen Stadt passieren ab und zu doch erstaunlich tolle Dinge. Denn meine kleine Stadt besitzt ein kleines Kulturkino und macht die kleine Stadt etwas weniger provinzialisch als mache (also ich) immer denken.

Meine kleine Stadt ist bekannt in der Szene, in der Szene namens Poetryslam. Poetrywhat? Poetryslam, oder zu deutsch: Gedichteschlacht.

Poetryslams sind Dichterwettkämpfe, die es schon seit dem Mittelalter und in moderner Form seit 1984 gibt. Meist finden sie auf kleinen Bühnen in kleinen oder großen Städten statt. Die Slammer tragen ihre eigenen Texte vor und aus dem Publikum wird die Jury gemacht. Zack Bum!

Die Jury kann Punkte von 0 – 10 für den Slammer geben und daraus ergibt sich dann die Punktzahl der jeweiligen Runde. Die Punktzahl entscheidet, wer eine Runde weiter ist. Wer eine Runde weiter ist, ist meistens im Finale, bei dem das gesamte Publikum schließlich durch ohrenbetäubenden Applaus und Jubel den Sieger bestimmt.

Der Sieger verdient nicht nur Ruhm und Dichterehre, nein, er gewinnt auch traditionell eine Flasche Whisky und in Zeiten der Rezession so viel Geld, dass die Heimreise gesichert ist.

Das Prinzip ist einfach, der Weg zum Sieg aber nicht. Das schöne bei einem Slam ist: man wird 3 Stunden lang mit Kopfkino vom feinsten unterhalten. Das schlechte daran: nicht jeder Kopfkinofilm ist auch ein Hit!

Es gibt Slammer, die sich vorzüglich darauf verstehen, ihr Publikum mit ihrem Text an die Hand und auf eine Reise mitzunehmen, ihnen neuen Welten zeigen und sie hinterher am Ausgang wieder unbeschadet, aber glücklich zurückzugeben. Sie können mit Wörter spielen, Sätze auseinander klauben, alle Wortwitze finden und so verpacken, dass man nicht denkt „Kenn ich schon, nächster bitte!“

Nein, manchen Slammern gelingt es ganz oft, Sprachgefühl, Rhythmus und Wortakrobatik so in eine Geschichte zu verpacken, dass man ganz gebannt einem Menschen sieben Minuten lang ins Gesicht glotzt und das einen ganzen Abend lang.

Doch bei einigen Slammern kommt man schon ins Zweifeln, denn Texte über seinen „Lieblingsdönerfritzen“ in schwäbischer Mundart kann bei so manchem dann schon eine runzelnde Stirn hervorrufen. Man könnte an dieser Stelle diesen Texte „Lieblingsdönerfritzen“ zitieren, worauf ich aber zu Gunsten der Leserschaft besser verzichte.

Aber hier gilt, wie in so vielen Bereichen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und die meisten  Slammer wachsen an ihren Wettkämpfen. Zumal auch der Poetryslam nur durch ein demokratisches System funktioniert, was jedem die Chance bietet, sich der Jury/dem Publikum zu stellen. Mit oder mit ganz viel Talent.

Sollte in Eurer kleinen oder großen Stadt ein Poetryslam stattfinden, dann kann ich Euch nur empfehlen, dieses Ereignis zu besuchen. Denn es macht wirklich Spaß, einfach mal zu zuzuhören und sich auf einen Kopfkinofilm einzulassen.

Wer nicht gern aus dem Haus geht, kann sich in regelmäßigen Abständen im WDR am Sonntagabend nach „Zimmer frei!“ mit Kopfkino, Dichterwettkämpfen und sonstigen Wortspielereien vergnügen.

Wer nicht gern fernsieht, aber im Internet surft, findet auf Youtube die schönsten Poetryslam-Perlen.

Reimemonster 1: Sebastian Krämer

Reimemonster 2: Phibi Reichling (der Gewinner in meiner kleinen Stadt) 

In diesem Sinne: Poetische Weihnachten!

21 Kommentare

  1. tux.
    21. Dezember 2008, 21:23

    Poetry Slam; sehr gute Sendung!

    Neue Staffel lässt aber noch auf sich warten. :(

  2. Tobi_as
    21. Dezember 2008, 21:39

    Poetry Slam auf WDR gucke ich auch immer gerne, bisher war ich aber leider noch nie auf einem live dabei.

    Wer mir dort besonders gut gefallen hat, ist Andy Strauss http://snipr.com/8ysh8

  3. Matthias Sch.
    21. Dezember 2008, 22:29

    sehr schön :-)

    … und zu weihnachten wünsch ich mir von dir ein coffeeandtvideo „ich würde bochum angreifen“ (damit rechnet erst recht keiner)

    achja: wenn’s geht, schon vor deinem frisörbesuch, der ging ja letztes mal auch schief *ggg*

  4. Annika
    21. Dezember 2008, 22:56

    von mir oder von lukas eines?

  5. Der Postillon
    21. Dezember 2008, 23:27

    Erst hier groß ankündigen, dass vor lauter Stress das Bloggen zu kurz kommt und dann wie ein Weltmeister bloggen. Das haben wir gerne.

  6. Lukas
    22. Dezember 2008, 0:48

    Darf ich Sie alle bitten, vor dem Kommentieren kurz zu gucken, wer eigentlich den Eintrag geschrieben hat? Danke!

    (Hilfe!)

  7. Thomas
    22. Dezember 2008, 1:54

    Ein Beitrag über Poetry Slams und Volker Strübing wird nicht erwähnt? Unglaublich ^^

    http://www.youtube.com/watch?v.....re=related

  8. Der Postillon
    22. Dezember 2008, 11:40

    @Lukas: Möge er mir vergeben.

  9. critter
    22. Dezember 2008, 16:49

    Ja Wahnsinn, hier muss man also nicht mehr missionieren. Aber vielleicht Wissen updaten: Die nächste WDR-Staffel lässt zwar auf sich warten, aber nicht mehr lange. Ab 11. Januar kommt die 3. und aller Wahrscheinlichkeit nach letzte Staffel (außer die Quoten verdoppeln sich).

    Bei der Aufzeichnung der dann ausgestrahlten Folge war ich live vor Ort – weil meine Folge vorher aufgezeichnet wurde.^^ Die kommt dann wohl später. Paradox!!!

    Und wenn mal jemand den Drang verspürt, tatsächlich live zu nem Slam zu gehen (diese Videos sind da vergleichsweise Dreck dagegen) und sich rund um Würzburg aufhält: ich moderiere da so was, jeden ersten Sonntag. Tata!

  10. HMU
    22. Dezember 2008, 17:54

    Wirklich lustig?

  11. Tobias
    23. Dezember 2008, 11:00

    Ja Wahnsinn .. der Christian macht aber auch überall Werbung .. der Rest von Franken aber auch! ;)

    Schön, dass dieses Thema – welches bestimmt nicht nur Christian und mir am Herzen liegt – auch mal in einem Blog auftaucht, den man regelmäßig liest, obwohl er rein gar nichts mit Slam zu tun hat.

  12. Matthias Sch.
    23. Dezember 2008, 21:45

    das steht aber auch soooo klein drunter ;-)
    (sorry annika)

  13. BonBon
    26. Dezember 2008, 20:22

    „[…] und sie hinterher am Ausgang wieder unbeschadet, aber glücklich zurückzugeben.“
    Hm das fände ich ja ziemlich uninteressant.
    Wo ist denn der Sinn von Kunst wenn sie dich nicht berührt und damit auch (in gewisser Weise) verletzt?

  14. mischa
    30. Dezember 2008, 10:54

    huch, und wenn man auf den wdr-link im text klickt, dann bin ich das zweite bild von oben (der ans kreuz genagelte ohne kreuz), was hab ich mich da jetzt erschrocken.

    von welchem kleinen städtchen reden wir denn, wenn ich fragen darf?

  15. Annika
    30. Dezember 2008, 11:03

    @ bonbon: es kommt immer darauf an wie jemand kunst definiert, wenn kunst immer verletzen muss dann ist 90% der kunst wohl keine.

    poetryslam ist in dem fall, für mich eine kombination aus allem, weil es so vielschichtig ist. weil „unbeschadet zurückgeben“ nichts mit NICHT berühren zu tun hat. finde ich ;)

    @ mischa: da warst du auch schon, in weingarten ;)

  16. mischa
    30. Dezember 2008, 11:29

    weingarten, wie schön. schon „ewig“ her, aber ich erinnere mich gern an diesen slam… vor allem an die aftershow-party… ;)

  17. Annika
    30. Dezember 2008, 11:44

    es gabe eine aftershow party? von der hab ich aber nichts mitgekriegt…hehe

  18. mischa
    30. Dezember 2008, 12:03

    hm… die lief auch eher so inoffizell im hotel weiter, mitm kaiser, kienzler und schuster… ;)

  19. critter
    30. Dezember 2008, 12:09

    Ui, die Katzezeit ist ja wirklich schon was länger her. Aber außergewöhnliche Ereignisse bleiben ja hängen. Flocke ist gar nicht mehr süß.

  20. Annika
    30. Dezember 2008, 12:17

    @ das erklärt so vieles =)

  21. chineseman
    4. Januar 2009, 20:45

    hi…

    memorized…