Sturm’n’Drang High School

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 9. Juli 2008 14:35

Eigentlich sitze ich gerade an einem Text, in dem ich mal besonders gelungenen Journalismus vorstellen möchte. Dann allerdings bekam ich den Link zu einem YouTube-Video geschickt, das eine solch erschütternde Journalismusattrappe zeigt, dass ich (nachdem ich eine Viertelstunde zu den Klängen von Thursday mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen habe) mich erst einmal darüber auskotzen muss.

Das Video zeigt einen Beitrag aus der gestrigen Ausgabe von “Explosiv – Das Magazin” auf RTL, hat also genau genommen gar nichts mit Journalismus am Hut. Allerdings haben 1,79 Millionen Menschen diese Sendung gesehen und die Vorstellung, dass auch nur einer diese Infotainment-Parodie ernst genommen haben könnte, macht mir Angst.

[Direktlink]

Es ging um Emos und weil viele Zuschauer vielleicht nicht wissen was das ist (Chance zum schlechten Witz mit australischen Laufvögeln verpasst), erklärt die Moderatorinnendarstellerin das Ganze noch mal kurz:

“Emo” kommt von “emotional” und Teenager, die dieser Bewegung anhängen, kleiden sich merkwürdig.

Außerdem neigten die Jugendlichen zu Depressionen, ritzten sich teilweise die Haut auf und überhaupt habe der Reporter einen Fall gefunden, “wo ein junger Mann sich umgebracht haben soll”.

Dann geht’s los mit blutigen Bildern, entsetzten Eltern und jovialen depressiven Jugendlichen.

Von dem jungen Mann, der “sich umgebracht haben soll” (also er ist tot, nur ob das mit Emo zusammenhängt, ist nicht klar: er “war wahrscheinlich ein Emo”), wird ein (natürlich unverpixeltes) Bild gezeigt, das er vor seinem Tod “in ein Emo-Forum ins Internet gestellt” hat. Wir müssen also ganz am Rande auch noch annehmen, dass RTL mal wieder Witwenschütteln 2.0 betrieben hat.

Das Bild zeigt – und jetzt kommt’s – einen grimmig dreinschauenden jungen Mann mit Palästinensertuch vor einem Poster, das wenn ich mich nicht sehr irre, die Metalband Metallica zeigt. D’oh! Weniger Emo geht nun wirklich kaum.

Er trägt das typische Emo-Tuch, ‘Pali’ genannt.

Emo (Symbolbild)Journalisten hätten sich vielleicht die Mühe gemacht, den Ursprung der Emo-Bewegung zu erklären. Man hätte sehr weit ausholen und bis zu Embrace (US), Rites Of Spring, Fugazi und The Promise Ring gehen können, wenn man sich mit der ursprünglichen Emo-Szene unter musikalischen Aspekten hätte beschäftigen wollen, man hätte aber wenigstens über Unsicherheit, Einfühlungsvermögen und Hoffnungslosigkeit sprechen können. Im Feuilleton hätte man Parallelen zum Sturm und Drang, der Jugendbewegung der 1770er Jahre, geschlagen, in jedem Fall hätte man aber sagen müssen, dass der Begriff “Emo” in etwa so schwammig sei wie der des “Jugendlichen” und dass man sich im folgenden auf einen kleinen Kreis beschränken und holzschnittartige Verallgemeinerungen auffahren müsse. Dafür aber war in einem Sechsminüter kein Platz.

Das Wort “Emo” war also im folgenden ein Platzhalter für “merkwürdig gekleidete Jugendliche, die sich alle immer die Arme aufschneiden, was wir aus dem Internet wissen, die das aber vor unserer Kamera nicht zugeben wollen”.

RTL machte aber nicht nur so grobe inhaltliche Fehler, der Beitrag war bis ins kleinste handwerkliche Detail schlecht. Immer wieder wurden in Großaufnahme die gleichen sensationslüsternen Bilder von aufgeschnittenen Gliedmaßen gezeigt, die wer-weiß-woher stammten. Ja, sie haben es noch nicht einmal geschafft, Texteinblendungen und Off-Sprecher auf eine Linie zu kriegen: zu den aus dem Kontext irgendeines “Emo-Forums” gerissenen (und offenbar in MS Paint gesetzten) Worten “es ist allen SCHEIß EGAL!!!!” sagt die um Bedeutungsschwere und Dramatik bemühte RTL-Standardstimme, es sei “alles” scheißegal.

Der aufgetane Psychologie Dr. Christian Lüdke wirft Emos und Satanisten munter in einen Topf, spricht von der “Faszination des Abscheulichen” und sagt, Emos wollten “provozieren”. Als nächstes erklärt der Sprecher, “sie” (es geht also in jedem Moment um ausnahmslos alle Emos) seien “beziehungsgestört, aber sie demonstrieren Nähe”. Ähnlich informativ wäre es zu behaupten, Menschen seien allesamt weiblich, hätten blaue Augen und ein Bein: alles trifft ja sicher in einigen bis etlichen Fällen zu, wer würde sich da noch mit Rasierklingenspalterei aufhalten wollen?

Sie sind lieb zueinander und geben sich harmlos vor der Kamera – doch im Internet zeigen sie ihre wahren Abgründe: ich lebe, doch eigentlich bin ich schon tot.

Eine Mutter ist der Meinung, dass es andere Dinge gäbe, die Jugendliche machen könnten, als zusammen zu ritzen, zu saufen und zu kiffen. Ich muss zugeben, das Bild, das in diesem Moment in meinem Kopf entstand, hatte was: zwanzig misanthropische Straight-Edger sitzen zusammen in einem elterlichen Wohnzimmer, trinken Hansa-Pils, rauchen Gras und sägen – alle zusammen und jeder für sich – an ihren Unterarmen rum.

Es gibt vielfältige Beweise dafür, dass Emos zur Selbstverstümmelung neigen.

Diese “Beweise” sind irgendwelche Bilder mit morbider Szenerie: von der Decke baumelnde Körper, verwahrloste Mädchen, die Herzen auf eine Wand malen, Rasierklingen in der Unterlippe. Oder mit anderen Worten: alles, was die Google-Bildersuche nach dem Begriff “Emo” so hergab.

Eine zugegebenermaßen gelungene Szene ist der Dialog zwischen drei Emo-Mädchen und einem Styler, bei dem die Ach-so-Einfühlsamen plötzlich gar nicht mehr so genau erklären können, was sie eigentlich sind und sich händchenhaltend in eine hilflose Diskussion stürzen, die sie anschließend als “typisch” bezeichnen.

Hier wäre die Gelegenheit gewesen, das, was heute “Emo” genannt wird, als die Pose zu entlarven, die sie oft genug nur noch ist. Als Bricolage aus Punk, Gothic, Visual Kei, Rockabilly und Hello Kitty. Stattdessen wird die anti-aufklärerische Panikmache noch auf die Spitze getrieben.

Emos: offenbar eine typische Erscheinung der Pubertät. Leichtfertig wird hier mit der Selbstverstümmelung kokettiert. Und es gibt viele Jugendliche, die das toll finden, die ziemlich naiv in diese Sackgasse tappen.

“Naiv” und “Sackgasse” sind freilich Begriffe, die für diesen unfassbaren Beitrag noch wohlwollend wären.

Liebe Eltern, die Sie jetzt denken “Hilfe, mein Kind ist Emo! Wie krieg ich die Beerdigung bezahlt?”: bitte glauben Sie nicht diesen enthirnten Schwachsinn, den RTL gestern Abend in Ihre Kacheltisch-Wohnzimmer gesendet hat. Wenn Sie ungefähr verstehen wollen, was Emo ist, Sie also Ihr Kind verstehen wollen, greifen Sie bitte zu “Everybody Hurts” von Leslie Simon und Trevor Kelley. Dafür müssen Sie etwas Englisch können, aber hinterher wissen Sie wenigstens, worum es geht.

[via Katti und Kahta]

44 Kommentare

  1. Sebastian
    9. Juli 2008, 15:03

    Interessant, mit welcher Sicherheit die Mutter mit der verrauchten Stimme Depressionen zu diagnostizieren vermag.
    Wahrlich kein Glanzstück journalistischer Arbeit, bei taff hätte man das ganze wenigstens mit fetziger Musik unterlegt (weiss aber auch nicht, welche) und es in einem amüsiert-besserwisserischem Ton gesprochen.

  2. Simon
    9. Juli 2008, 15:11

    “Die Mutter weiß, Emos sind gefährlich für ihre Tochter”
    einfach göttlich.

    Eine filmtechnische Meisterleistung sind auch die 10 Bilder, die neben dem Gefilmten ständig aufpoppen. Ob sie dafür wohl eine Windows-Diashow abfilmen mussten?

  3. u n k e w l
    9. Juli 2008, 15:39

    “Emo kommt von ‘emotional’”…

    Lukas regt sich so herrlich über einen RTL-Beitrag zur Jugendkultur auf, dass man ihm lieber keine Rasierklingen geben möchte. Aus Rücksicht auf die “Redakteure” bei RTL, meine ich.

    Das Video zeigt einen Beitrag aus der gestrigen Ausgabe von …

  4. Jan
    9. Juli 2008, 16:04

    Irgendwie habe ich ein déja-vu nach dem anderen, da sich das genauso anhört wie vor 10-15 Jahren die Berichte über “Die Goths”[tm], die ständig in einen Topf mit Satanisten geworfen wurden. Der Boulevard warnte Eltern denn auch vor den Anzeichen, wann ihr Kind Goth (also Kaninchentöter und sekten- wie selbstmordgefährdet) sein könne.

    Das, was du über die “Pose” schreibst, ist für mich wirklich erhellend, denn das, was mir bisher am Rande von “Emocore” bekannt war, passte so gar nicht zu dem, was da in dem bunten Mix aus Manga und “30 Seconds to Mars” in jüngerer Zeit dazugemischt wurde.

    Darüber hinaus sagte schon Bart Simpson: “Making teenagers depressed is like shooting fish in a barrel.”
    Goth, Grunge… Emo ist da “nur” die nächste Welle für die neue Teenager-Generation, um den Frust, die Schmerzen und die Verwirrung zu verarbeiten, die die Pubertät mit sich bringt (und das meine ich jetzt nicht mal süffisant, sondern ganz aufrichtig).

    Ach, und es tut gut, zu sehen, dass man nicht allein ist, was die Aufregung über Boulevard-TV betrifft.

  5. Felix
    9. Juli 2008, 16:07

    Vor kurzem hat doch auch das oft kopierte und selten erreichte ZOOMER ein unvergleichliches EMO-Thema gestartet. Was ich dabei so alles gesehen habe, war echt hochgradig peinlich.

    Kennt’s jemand?

  6. Felix
    9. Juli 2008, 16:09

    Jetzt habe ich auch das Video gesehen und kann mich nicht mehr beruhigen. Wie LUSTIG!

    “Sie weiß: Emos sind gefährlich für ihre Tochter”

    Und noch was: Wer hat Angst vor Emos?? :)

  7. Behördler
    9. Juli 2008, 16:17

    Oh. Wow.
    Man muss sich mal vor Augen führen, dass dieser Vorurteilsbelastete Bullshit von erwachsenen Menschen produziert wurde!
    Erwachsene! Menschen!

    Demnächst auf RTL: “80% aller Babys sind süchtig nach Schnullern! Dunkelziffer sogar noch höher?”

  8. Thomas
    9. Juli 2008, 16:25

    Sagt das mittlere Mädchen nach der “Konfrontation” mit dem Styler fast “typisch Ausländer”? Sie wird unterbrochen als sie gerade “… Aus…” gesagt hat…

  9. L3TH
    9. Juli 2008, 17:11

    Man muss diesem Beitrag aber wirklich zugute halten, dass er genauso oberflächlich ist, wie die “Jugendbewegung” die er porträtiert.

  10. Jonas
    9. Juli 2008, 17:16

    Schrecklich.
    Also der Beitrag von RTL.

    Man wird fast aggressiv, wenn mans schaut und sich denkt, wie sehr diese Menschen keine Ahnung haben.

    Gnrr..

  11. MaBU
    9. Juli 2008, 17:34

    Heilige Scheiße… das ist so unendlich, unglaublich furchtbar… ich bin grad vollkommen geschockt – also ernsthaft: Wie kaputt ist diese Welt?

    Ich meine übrigens nur in 2ter Linie die Emos – aber mir wird schlecht, wenn ich daran denke, wer das alles gesehen und auch nur teilweise geglaubt hat…

  12. David
    9. Juli 2008, 17:58

    Absolut unfassbar. Mehr kann man dazu nicht sagen. Außer vielleicht: Kann jemand RTL bitte die Sendelizenz entziehen.

  13. Jonas
    9. Juli 2008, 18:27

    An L3TH:

    Ich finde, oberflächliche “Jugendbewegungen” gehören zum jugendlichsein dazu.
    Egal, ob man selbst Teil einer solchen Bewegung ist oder war.

    An RTL:

    Diese Verrückten…keine Ahnung von nichts.

  14. Jeff Kelly
    9. Juli 2008, 18:28

    Warum muss eigentlich jede Musikrichtung den Weg zur Pose mitmachen?

    ich meine, man kommt ja heute auch in keinen Wave- oder Gothic Club mehr rein, wenn man kein Outfit für mehrere hundert Euro an hat.

    Am Anfang ist es noch klein und subversiv, die Leute treffen sich in heruntergekommenen Clubs, wo es nur darum geht Leute zu treffen, die die gleiche Musik mögen.

    Irgendwann landet das Thema dann in der Bravo und ehe man es sich versieht steht vor dem Lieblingsclub der Türsteher, der einen nicht mehr rein lässt, weil man nicht die richtigen Klamotten an hat.

  15. FelixN
    9. Juli 2008, 19:59

    Das Thema war schon in der Bravo:

    http://musikmitte.blogspot.com.....teile.html

  16. Martina
    9. Juli 2008, 20:09

    Das, was die EMO nennen, ist gar nicht Emo sondern eine Mischung aus Tokio Hotel und Gothic.

    Die haben für ihren Gruselbeitrag nur einen Begriff gebraucht. Genauso gut hätten sie auch “Popper” sagen können.

    “Die Mutter weiß, Popper sind gefährlich für ihre Tochter.”

  17. Sebastian
    9. Juli 2008, 20:49

    Ich weiß nicht ob ich lachen oder kotzen soll…

  18. Dr. Dean
    9. Juli 2008, 22:08

    LOL

    Ich glaub, mir fehlt der sittliche Ernst. Ich habe mich bei dem RTLII-Filmchen bestens unterhalten gefühlt: Das war die gelungene Satire auf Boulevard-”Journalismus” schlechthin. Sie hätten vielleicht noch senden sollen, dass Emos grundsätzlich “Mein Kampf” von Hitler lesen – und sonst gar nichts.

    Und jetzt im Ernst:

    1. Dieser Reportage-Film: sollte in jeder journalistischen Ausbildung eingesetzt werden.

    2. Wenn ich dazu kommme, mache ich wegen diesem unfassbaren Drecksbeitrag von RTL ein Musikstück. Mal sehen.

    (Das kann doch noch wahr sein, dass sowas an ein Millionenpublikum geht, oder?

  19. Paul Watson
    9. Juli 2008, 23:41

    “Mein Kleidungstil beudeutet jetzt bin ich gerad gut drauf!”

    Achja und sehr schlecht informiert sind die da bei RTL… ein Palästinänser Tuch als Zeichen für Emos…
    Die aktuelle Emo-Szene ist einfach lächerlich. Das ist einfach nur n billige Mode und Popularitätserscheinung.

    Ach ich bin auch Emo, denn ich habe Gefühle, glaub ich.

  20. Coffee And TV: » Verallgemeiner My Ass
    10. Juli 2008, 0:47

    [...] Entschuldigung, vielleicht war ich grad einfach zu emotional: [...]

  21. Forodrim
    10. Juli 2008, 9:26

    “ich meine, man kommt ja heute auch in keinen Wave- oder Gothic Club mehr rein, wenn man kein Outfit für mehrere hundert Euro an hat.”

    WTF? Wo wohnst du?
    Kein Club hier in der Gegend hat eine Türpolitik die über “schwarz” hinausgeht.

  22. Michael
    10. Juli 2008, 11:47

    “Stefan G. war wahrscheinlich ein Emo. Er hat seinem Leben auf einer dunklen Autobahn bei Hamburg wahrscheinlich ein Ende gesetzt.”

    Also wenn das nicht gut recherchiert ist… Spekulativer geht es ja nicht mehr!

  23. Robert
    10. Juli 2008, 19:13

    Steht da im Beitrag nicht »Es ist allen scheiß egal«? Ansonsten bleibt nur übrig festzustellen, dass RTL feinste Satire ist.

  24. Thomas
    11. Juli 2008, 16:48

    “Hier wäre die Gelegenheit gewesen, das, was heute “Emo” genannt wird, als die Pose zu entlarven, die sie oft genug nur noch ist. Als Bricolage aus Punk, Gothic, Visual Kei, Rockabilly und Hello Kitty.”

    Was zum Teufel!?

    Das kann unmöglich Dein Ernst sein? Wie kann man sowas von einem Boulevardmagazin fordern?
    Und da sind wir schon beim Punkt: Explosiv ist ein Boulevard-Magazin und dazu noch ein ziemlich gutes. Und es folgt den klassischen Mitteln der Dramatisierung und Überspitzung mit dem Ziel mich als Zuschauer zu unterhalten oder auch aufzuregen.

    Das kann man gut oder schlecht finden, aber abgesehen davon entspricht der Beitrag bedeutend mehr der Lebenswirklichkeit dieser (Pre)Teenager als es Deine Texte über amerikanische Musikgeschichte oder Sturm-und Drang in diesem Zusammenhang tun.

    Und das ist der Punkt: Die entsprechenden Jugendlichen denken und “fühlen” eben im Extremfall so wie in diesem Beitrag.

  25. Robert
    11. Juli 2008, 18:12

    Und weil es ein Boulevard-Magazin ist, darf es auch Dinge behaupten, die falsch sind und auf sämtliches journalistisches Handwerkszeug pfeifen? Das glaube ich nicht, Tim Thomas.

  26. Thomas
    11. Juli 2008, 20:14

    In dem Blogbeitrag geht es nur am Rande um diese möglicherweise handwerklichen Fehler.

  27. Robert
    11. Juli 2008, 20:59

    Dann hast du einen anderen Blogbeitrag gelesen, in dem, den ich hier lese, fängt fast jeder Absatz mit »Journalismus« oder »RTL« an.

  28. Mathias
    12. Juli 2008, 15:37

    so, nachdem ich grad nen halben Roman verfasst habe – und mein firefox Fenster vor dem Abschicken weggeklickt hab^^*grml* nochmal die Kurzfassung…

    Also ich habe bei ner Produktionsfirma und wir arbeiten u.a. ziemlich viel für die RTL “Magazine” – auf technischer Ebene (Schnitt, usw…), habe(n) also inhaltlich theoretisch nichts mit den Beiträgen am Hut.

    Eins vorne weg, ich kenne den Redakteur der diesen Beitrag gemacht hat nur vom Namen (und Ruf) und nicht persönlich, möchte ihm daher auch absolut nichts unterstellen…

    Also wie gesagt die Kurzfassung. Meiner Meinung nach ist das Stück einfach nur ein ganz gutes Beispiel für das “journalistische” Handwerk, was bei RTL (und nicht nur da…) überwiegend gepflegt wird. Es komm bei uns regelmäßig vor dass ich im Schnitt sitze und sich alle direkt beteiligten einig sind ein gutes Stück gemacht zu haben (ja, es gibt durchaus fähige Redakteure bei RTL) und es dann in der Abnahme durch die auf Quote/Sensation/explosivität usw… getrimmten Chefs komplett auseinandergerissen wird, umgeändert werden muss und anschließen als Stück über den Sender geht mit dem zwar die Chefs zufrieden sind, aber nicht die beteiligten Redakteure. Traurig aber war.
    Anders rum gehts auch, mit den an die Chefs, ich nenns mal angepassten Redakteure. Wo ich dann (als Praktikant/Azubi) im Schnitt sitze und mich über den Beitrag wunder – die Chefs aber hellauf begeistert sind und den den Beitrag als “Aufmacher” in die Sendung nehmen.
    Ich Versuche im übrigen immer möglichst alle zu verpixeln die kein Interesse daran haben gesendet zu werden (also eig. alle *g*) – klappt aber auch leider oft nicht, weil Redakteur/Chef das anders sehen und letztlich bin ich denen unterstellt, hab da also häufig leider keine andere Wahl. Diskusionen bringen da auch nur bedingt was…

    Soweit dann mal ein knapper Einblick in den Arbeitsaltag^^.

    War ich eigenlich in Gefahr weil ich Emos in meiner Schulklasse hatte?

    Grüße

    meinen Namen hab ich als “Vorsichtsmaßnahme” mal geändert ;)

    …Lukas hat ihn ja…

  29. Robert
    12. Juli 2008, 15:49

    Mit anderen Worten: Weder journalistisch noch Handwerk ;-)

  30. Dagger
    14. Juli 2008, 10:11

    Die Hauptstadt ist voller Selbstmörder, ich meine Emos. Selbst ich habe schon so karierten Schuhe. Wie kann ich mich – vor mir selbst! – schützen? ^^

    Fernsehen macht doof. Hab ich mal gehört.

  31. Sandra
    16. Juli 2008, 20:00

    Ich lese hier ja regelmäßig mit und freue mich, über diesen Beitrag auch etwas geschrieben sehen zu können.

    Danke für die Analyse/ Überprüfung was die journalistischen Qualitäten betrifft, DANKE auch für den kleinen Exkurs bezüglich der Emo-Szene (ich freue mich immer wieder sehen zu können, wie Außenstehende – aus welchem Grund auch immer – sich so viel mehr Wissen um Herkunft und Entstehung angeeignet haben, als die betroffenen Kids selbst) und danke für eure Journalisten-Version davon :D

    Aber eine Frage hätte ich dann doch:
    Woher kennst du denn Visual Kei?
    NRW mag die größte Szene dort haben, aber verwundert bin ich dann doch =)

  32. Lukas
    16. Juli 2008, 23:37

    @Sandra: Na ja, was heißt außenstehend? Zumindest den Bereich rund um Get Up Kids und Jimmy Eat World habe ich ja selber so ein bisschen mitgemacht. (Und wenn man den erweiterten Emo-Begriff von Leslie Simon und Trevor Kelley nimmt, mit Bright Eyes und Death Cab For Cutie und so, bin ich eh total emo.)

    Von Visual Kei hab ich irgendwann mal im Fernsehen gesehen (ich glaube, es war “Tracks” auf Arte und der Beitrag war etwas fundierter). Ansonsten ist das halt die Szene, auf der die Tokio-Hotel-Optik beruht. ;-)

  33. Sandra
    20. Juli 2008, 4:07

    @Lukas
    Meinst du nun musikalisch oder fashion-technisch?
    Ich höre auch hardcore und gehe entsprechend auf die Konzerte, habe aber sonst mit der Szene nix am Hut und kleide mich auch nicht entsprechend.
    Aber gut, wenn du die genannten Bands gehört hast bzw. hörst, dann erklärt dass dein Wissen über Emo =)
    (Wobei die “Emo-Kids” – solche, wie im Beitrag und extremer – wohl nur noch was mit Jimmy Eat World und DCfC sowie teilweise mit Bright Eyes was anfangen können.)

    Welchen der drei? Der mit The Piass (die rothaarigen Musiker) war noch der beste Bericht hier in Deutschland.
    Aber ich bin schon mal froh, dass es keiner der taff. oder blitz-Reporte war (geschweige denn die “Niedrig & Kuhnt”-Folge … OH GOTT.)

    Den letzten Satz würde ich so übrigens nicht unterschreiben, aber lassen wir das. ;)

  34. Sandra
    20. Juli 2008, 4:09

    Uh, viele Fehler wie ich gerade sehe :(
    Sorry, “dass, das” beherrsche ich normalerweise.

    Und die restlichen grammatikalischen schiebe ich mal auf die Uhrzeit.
    Sorry!

  35. Coffee And TV: » Selbstbezogen und unprofessionell
    20. Juli 2008, 22:51

    [...] ist Keith Richards Rock’n’Roll, Kurt Cobain Grunge und Gerard Way Emo (wenn nicht gerade Hanni, Nanni und Kaffeekanni Emo [...]

  36. felix
    22. Juli 2008, 14:05

    bin auch eher der meinung, dass der rtl-beitrag das aktuelle phänomen “emo” und seine anhänger – natürlich unfreiwillig – sehr präzise porträtiert, so degeneriert die sendung in ihrer machart auch sein mag: niemand weiß eigentlich, worum es geht, am allerwenigsten die drei jungen schnepfen selbst.

  37. OliverDing
    22. Juli 2008, 17:29

    Emo? Ich erinnere mich immer wieder gern daran, dass man mir bereits 2001 angesichts der Rezension von Pales “Razzmatazz (The arts at the sands)” geraten wurde, das E-Wort zu vermeiden, das gerade erst durch die verspätete Veröffentlichung von Jimmy Eat Worlds Überalbum “Clarity” zarte Tapser in das Bewusstsein des Alternative-Mainstreams gemacht hatte. Das ganze Wort ist eine Doppeldeutigkeit wie “Pop”.

  38. DrNI
    23. Juli 2008, 10:04

    Muahaha, ich hab mich selten so amüsiert. Völlig übersehen wurden auch mal wieder Ursache und Wirkung. Nehmen wir mal an, es gäbe diese bösen Emos in der Form wirklich. Ritzt man sich dann die Arme auf, weil man Emo ist? Oder wird man Emo weil man ritzt? Selbstverletzendes Verhalten war meines Wissens jedenfalls vor Emo da. Wer Leute kennt, in entsprechenden Einrichtungen (z.B. Jugend-Wohnheime) arbeiten weiß, dass das zum Alltag gehört. Auch ohne fiese Kontaktlinsen und aufgeschminkten Autoreifen um die Augen.

  39. TylerDurdon
    30. Juli 2008, 15:44

    Emo ist neu? Ach so. Was für ein Müll!

  40. lily
    5. August 2008, 17:29

    ich finde den beitrag von rtl einfach nur schwachsinnig genau wie dieses ganze emo gehabe, emo ist eine musik richtung und hat nichts mit suizid, ritzen und sonst was zu tun!!!. und da der beitrag größtenteils in essen am rheinischen platz gedreht wurde (treffpunkt der essener emo, punk und gothic szene) war ich während des interviews dabei.
    und eigentlich hatte der reporter allen der ”emos” versprochen, dass der beitrag die emo szene nicht runterziehen würde sondern nur den zuschauern einen einblick in diese jugend szene geben sollte!!!
    da sieht man ja wie vertrauenswürdig rtl ist!!!!
    naja und die szene mit dem styler am ende war nur gespielt und garantiert NICHT echt….!!!
    außerdem warn die 3 mädels nicht 18,16 oda was weiß ich, sondern sie sind 14, neu in der ”emo- szene”und ausgerechnet so kleine mainstreem kinder die von emo keine ahnung haben und die ”echten” emos nur ins falsche licht stellen!!
    so das wars dann auch von mir!!!
    mfg lily

  41. Friedrich ohne K
    8. September 2008, 9:10

    …..ich finde es immer sehr schade wie eine Gesellschaft wie die unsere immer mehr von solchen BILD-journalismus unterwandert wird ?

    Es ist nicht nur schade -sondern auch sehr gefährlich dieser Journalismus – wenn wieder begonnen wird Menschen in eine Schiene zu pressen in der Sie absolut nichts zu suchen haben.

    Das allergefährlichste aber daran ist das manche der Jugendlichen auf solche Berichte negativ reagieren werden, denn sie wollen vielleicht auch mal so ein “typischer EMO” sein und daraufhin vielleicht ihr Leben zerstören.

    …nicht das ich jetzt falsch verstanden werde – aber wenn ich mir ihre Argumente so ansehe dann kann es nur ins zerstörerische führen und das wird den EMO-s überhaupt nicht gerecht, denn sie verkörpern nur in vielleicht einzelnen Fällen solches, aber der Großteil ist einfach nicht so, wie es da dargestellt wurde und es sind wie alle gruppierungen in der Großzahl sehr aufmerksame und nette junge Menschen die halt auch ihren eigenen Stil entwickeln, wie wir ältere es auch gemacht hatten und und nicht in der nähe ihrer Beschreibung.

    Ich bin sehr entsetzt auch über diesen Film -denn er zeigt gerade wie manche Menschen versuchen über manche Menschen zu beurteilen ohne dass sie sich wirklich mal die Mühe machten zu recherchieren.

    ….denn wenn sie das getan hätten dann wüssten sie was sie mit solchen Filmen anstellen -aber ich glaube immer mehr die Macht der Industrie und der Werbung dahinter zu sehen, die ja keine solche jugendlichen will -sonden eher willige Konsumenten braucht -so meine sicht und das sind EMO s nun wirklich nicht !

    Sie haben es verstanden der Werbung zu strotzen sie sind eigentlich die Sieger für mich, ich wünschte mir mehr solche Menschen und ich warne überhaupt nicht davor – mir gefallen sie euer Friedrich ohne K

  42. Lulu
    29. September 2008, 20:35

    ich muss jetzt mein tuch wegschmeissen weil die gessagt hat das ich (ich bin 12) auch ein emo werden kann meine mutter hat jetzt angst das ich mir die Pulsader aufschneide ich fass es nicht
    emos sind ganz normale leute ich muss jetzt zu einem Psychologen weil so viele emos in meiner schule sin ich muss mir diese auschlitz bilder jetzt immer wieder ansehen sin die im sender denn krank ich bekomm jetz scho alptreume was were wenn ich des 2 wochen lang machen muss

  43. Blackshiro
    20. Januar 2009, 18:32

    Ich liebe dieses Meisterwerk an Klischeekunst. Alle Klischees in 6! Minuten.. und dann auch noch für Eltern überzeugend. Ich persönlich durfte wegen diesem verdammten Bericht nicht auf das Bullet for My Valentine Konzert, auf da sich mich monate lang gefreut hatte -.-
    Weil die ja so Emo sind. Und so True. Und überhaupt. Und ich ritze. Jaaaa… weil das Leben so scheiße is (hab immer meinen Abschiedbrief in der Tasche.. für Notfälle) Moah eh -.- Eine meiner besten Freundinnen hat SVV, das hat einfach absolut rein gar nichts mit Emo zu tun. Nicht nur, das Emos jetzt in ein Schlechtes Licht gerückt werden, nein, die Leute die wirklich SVV haben werden richtiggehend übersehen! Das viele von diesen “Scene”-Kids, die meistens nicht älter als 16 sind, keine Ahnung haben, was SVV bedeutet, und sich ritzen, weil sie denken, es ist in, finde ich total schlimm. Man, was hat RTL sich dabei gedacht? Biiiisschen recherchieren wird doch noch drin sein -.-”
    Ich weiß shcon, waurm ich mkeinen Fernseher nur anschalte, wenn ich ne DVD gucken will.

  44. sandra
    25. November 2009, 0:01

    ich liebe RTL für diesen bericht…*ironie*
    bei solchen berichten, ohne nen blassen schimmer von den journalisten, da kann man doch nur deren kompetenz anzweifeln?! oder?!

    meine eltern ham auch ähnlich reagiert…meine mum hat mich erst ma komplett drüber ausgefragt.Ich hab ihr alles ihn ruhe erklärt (ja, auch das ich nicht ne therapie wegen ritzen brauch!), hab ihr ma son paar texte von den liedern gezeigt, sie hat n paar leute von mir getroffen und inzw findet sie solche berichte genau so bekloppt…und fängt an auch die musik zu mögen^^

    was ich echt auch am schlimmsten finde, sind die ganzen kleinen wannabe-kiddies auf den emotreffen…frag da mal einen was er für musik hört. da kommt nur cinema bizzar, aahloa from hell, und und und. [jetzt nichts direkt gegen die bands, die machen vllt auch gute musik, aber mit emo hat das nix zutun].
    und auch nix gegen den style ich find den schon cool auch, aba n emo muss nicht gleich mit fett kajal und na toupierfrisur ala amy winehouse rumrennen um ein “emo” zu sein.
    ich glaub ich könnt mich noch std drüber auslassen, aba des würde den rahmen sprengen
    (http://www.youtube.com/watch?v.....38;index=6;
    sagt mir mal was ihr von dem bericht haltet.)

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