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Spaß mit MS Paint

Und noch schnell eine Per­so­nal­mel­dung vor Fei­er­abend: „RP Online“ hat einen neu­en Crea­ti­ve Direc­tor.

Madonna Ex-Männer und - Frauen

Er heißt Fritz­chen Mül­ler, ist acht Jah­re alt, und hat bis ges­tern beim auf­stre­ben­den Medi­en­dienst turi2.de gear­bei­tet.

Aus Anlass sei­nes Weg­gangs zeigt Cof­fee And TV noch ein­mal sei­ne schöns­ten Arbei­ten der letz­ten Wochen:

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Hin­weis: Bei den gezeig­ten Gra­fi­ken han­delt es sich um Ori­gi­nal-Screen­shots der jewei­li­gen Sei­ten. Wirk­lich.

Nach­trag, 17. Okto­ber: Fritz­chen Mül­lers Kar­rie­re bei „RP Online“ scheint schon wie­der been­det. Sei­ne auf­wän­di­ge Foto­mon­ta­ge wur­de ersetzt, die Über­schrift behut­sam an die deut­sche Spra­che ange­passt:

Madonna: Ihr bewegtes Liebesleben

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Digital

PR Online

Preis­fra­ge: Was ist das?

Eine Flasche Bier

a) Eine Fla­sche Bier.
b) Ein Wer­be­fo­to von Bit­bur­ger.
c) Ein Teil einer Bil­der­ga­le­rie bei „RP Online“.
d) Wich­ti­ger redak­tio­nel­ler Inhalt.

Machen wir’s kurz: So wie es aus­sieht, sind alle vier Ant­wor­ten rich­tig.

Die Braue­rei Bit­bur­ger hat eine neue Fla­sche auf den Markt gebracht, die laut Pres­se­mit­tei­lung durch „stil­vol­les und moder­nes Design“ über­zeugt. Und offen­bar über­zeug­te sie zumin­dest Chris­ti­an Kurth, der für das Wirt­schafts­res­sort bei „RP Online“ einen Arti­kel dar­über schrieb.

Nun kann man sagen, die Ein­füh­rung einer neu­en Bier­fla­sche habe einen gewis­sen Nach­rich­ten­wert – und über neue Auto­mo­del­le wür­de ja auch stän­dig berich­tet.

Schon frag­li­cher ist, war­um man die­ser Mel­dung eine fünf­tei­li­ge Bil­der­ga­le­rie anhän­gen muss, die nicht nur die Fla­sche in meh­re­ren Posi­tio­nen zeigt, son­dern auch offen­sicht­li­che Wer­be­sze­na­ri­en:

Junge, hübsche Menschen trinken Bitburger.

Junge, hübsche Menschen trinken noch mehr Bitburger.

Weil man sich für sol­che Fotos nur schwer Bild­un­ter­schrif­ten aus­den­ken kann, wur­de ein­fach der Arti­kel-Text absatz­wei­se rein­ko­piert. So kann der Leser Sät­ze wie

Selbst­zwei­fel kamen auf. Zu viel getrun­ken? Nein, das ist erst die zwei­te Fla­sche. Aber was ist es dann? Ein Pro­duk­ti­ons­feh­ler? Schnell im Kas­ten nach­ge­schaut. Tat­säch­lich – alle Fla­schen sind gleich, alle Fla­schen haben die­sen Knick. Was hat sich die Braue­rei Bit­bur­ger nur dabei gedacht, die klas­si­sche NRW-Fla­sche zu ver­än­dern?

gleich zwei Mal lesen. (Aber das ken­nen wir ja schon.)

Auf die Spit­ze getrie­ben wird der redak­tio­nel­le Inhalt durch die klei­ne Info­box „Die Braue­rei“, die unter dem Arti­kel ver­linkt ist:

Die Brauerei: Die Bitburger Brauerei, 1817 in der Südeifel gegründet, zählt zu den bedeutendsten Premium-Brauereien Deutschlands. Mit über 4 Millionen Hektolitern ist Bitburger eine der größten nationalen Pilsmarken. Herausragend ist ihre Position in der Gastronomie, wo Bitburger Premium Pils mit seinem fassfrischen Geschmack seit Jahrzehnten die Spitzenposition einnimmt. Bitburger ist das meistgezapfte Pils an deutschen Theken. Deutschlandweit führen über 43.000 Gastronomieobjekte Bitburger Premium Pils.

Wie Sie ver­mut­lich schon den For­mu­lie­run­gen „Pre­mi­um-Braue­rei“ und „fass­fri­scher Geschmack“ ent­neh­men konn­ten, han­delt es sich dabei um einen Pres­se­text der Bit­bur­ger-Braue­rei, den „RP Online“ wei­ter­ver­brei­tet.

Fran­zis­ka Bluhm, die stell­ver­tre­ten­de Chef­re­dak­teu­rin von „RP Online“, schrieb mir auf Anfra­ge:

[E]s han­delt sich bei dem Text weder um Wer­bung, Pro­mo­ti­on oder einen ande­ren als Anzei­gen zu kenn­zeich­nen­den Inhalt. Ein Erleb­nis im Super­markt und das Erschei­nen der Pres­se­mit­tei­lung haben unse­ren Redak­teur ver­an­lasst, eine Geschich­te dazu zu schrei­ben.

Eine Pres­se­mit­tei­lung von Sep­tem­ber, offen­bar.

Nach­trag, 13:54 Uhr: Obwohl das ja alles total in Ord­nung war, hat „RP Online“ den Info-Kas­ten dann doch noch ein biss­chen ver­än­dert:

Die Brauerei: Die Bitburger Brauerei, 1817 in der Südeifel gegründet, zählt zu den bedeutendsten Premium-Brauereien Deutschlands. Mit mehr als vier Millionen Hektolitern ist Bitburger eine der größten nationalen Pilsmarken.

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Leben

CSI Bochum

Ich kam um Mit­ter­nacht in unse­re Woh­nung und fand, dass es irgend­wie selt­sam ver­brannt roch.

In der Küche waren alle Fens­ter und Türen sperr­an­gel­weit offen und der Herd war mit geheim­nis­vol­len schwar­zen Rück­stän­den über­sät. Beim Blick auf den vier Mona­te alten Rauch­mel­der im Woh­nungs­flur stell­te ich fest, dass die­ser offen­bar abmon­tiert wor­den war: die Bat­te­rie war her­aus­ge­nom­men, wie um den ner­ven­zer­fet­zen­den Signal­ton abzu­stel­len.

Auf dem Bal­kon stieß ich schließ­lich auf einen völ­lig ver­ruß­ten Topf, des­sen Deckel kom­plett mit einer schwar­zen Mas­se über­zo­gen war – einer schwar­zen Mas­se, die jetzt offen­sicht­lich die Wän­de unse­rer Küche zie­ren wür­de, hät­te es den Deckel nicht gege­ben. In dem Topf befand sich etwas, was man als Rück­stän­de von Hüh­ner­ei­er­scha­len iden­ti­fi­zie­ren könn­te.

Nur einer mei­ner Mit­be­woh­ner war zum Tat­zeit­punkt zuhau­se.

Mag jemand lösen?

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Politik Gesellschaft

Wagenfragen

„Wie von unsicht­ba­ren Geis­tern gepeitscht, gehen die Son­nen­pfer­de der Zeit mit unsers Schick­sal leich­tem Wagen durch, und uns bleibt nichts als, mutig gefasst, die Zügel fest­zu­hal­ten, und bald rechts, bald links, vom Stei­ne hier, vom Stur­ze da, die Räder weg­zu­len­ken.“
(Johann Wolf­gang Goe­the, „Egmont“, Zwei­ter Auf­zug)

Ich woll­te nicht über Jörg Hai­der schrei­ben. Aber die neu­en Details sei­nes töd­li­chen Unfalls wer­fen in mir doch ein paar Fra­gen auf:

  • Was wäre denn, wenn er nicht ver­un­glückt wäre?
  • Wäre dann halt ein Lan­des­haupt­mann betrun­ken mit 142 durch die Ort­schaft gedon­nert und es hät­te nie einer davon erfah­ren?
  • Pas­siert sowas öfter?
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Rundfunk Kultur Fernsehen

Blutig: Noch ein Medium durch!

Fernseher (unter CC-Lizenz von Walt Jabsco)

Ich woll­te nicht über Mar­cel Reich-Rani­cki und sei­nen Auf­tritt beim Fern­seh­preis schrei­ben. Ande­re Leu­te haben eine Viel­zahl von klu­gen Tex­ten geschrie­ben, die ich alle auf ihre Wei­se nach­voll­zie­hen kann.

Aber ers­tens ist die­ses Land eh über Nacht zu einer Nati­on von 82 Mil­lio­nen Medi­en­kri­ti­kern gewor­den, 1 und zwei­tens haben mich die Reak­tio­nen der Fern­seh­leu­te jetzt, da sich der ers­te Staub gelegt hat und der wüten­de, alte Mann nicht mehr in Hör­wei­te ist, wahn­sin­nig gemacht. Die „Frank­fur­ter Rund­schau“ hat eini­ge davon doku­men­tiert, „Bild“ und die „Net­zei­tung“ eben­falls.

Es ist unfass­bar: Medi­en­schaf­fen­de, Jour­na­lis­ten gar, 2 befin­den sich plötz­lich in der Situa­ti­on, dass ihr Medi­um kol­lek­tiv abge­watscht und für schei­ße befun­den wird. Ja, „Will­kom­men im Club“, kann ich da nur sagen, denn als Blog­ger pas­siert einem das regel­mä­ßig.

Nur sind die meis­ten Blog­ger Ama­teur­pia­nis­ten auf der media­len Kla­via­tur, wes­we­gen wir immer noch stän­dig in Recht­fer­ti­gungs­ge­stam­mel ver­fal­len. Fern­seh­ma­cher hin­ge­gen soll­ten Pro­fis sein – und ent­spre­chend reagie­ren. Das heißt, sie stel­len sich ent­we­der selbst­be­wusst hin und sagen: „Ja, kann schon sein, dass wie hier Mist machen. Aber die Leu­te mögen es und auch wir kön­nen noch jeden Tag in den Spie­gel gucken, lasst uns doch den Spaß“, 3 oder sie glau­ben an den Anspruch ihres Pro­gramms und haben ein trot­zi­ges „Aber wir machen doch gar kei­nen Mist!“ nicht nötig. Über­haupt hät­te mal jeman­dem dem Herrn Lite­ra­tur­kri­ti­ker ent­ge­gen­hal­ten kön­nen, dass es ja nicht nur Bücher von Tho­mas Mann und Ber­tolt Brecht gibt, son­dern auch wel­che von Uta Danella und Ken Fol­lett.

WDR-Inten­dan­tin Moni­ka Piel will sich jetzt dafür ein­set­zen, dass in der ARD Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen ver­mehrt zur Prime­time gesen­det wer­den. Es ist wie im (mut­maß­lich sehr schlech­ten, von mir nach der Betrai­le­rung unge­se­hen) Film „Free Rai­ner“, wo Arte plötz­lich Mör­der-Ein­schalt­quo­ten hat. 4 Ich bin mir ziem­lich sicher, dass ich das nicht will. Ich will kein „Faust II“ nach der „Tages­schau“, ich will nur, dass das nor­ma­le Pro­gramm ein biss­chen weni­ger lieb­los und Zuschau­er­ver­ach­tend ist. Wenn ich mich mit Lite­ra­tur befas­sen will, höre ich mir Ger­ma­nis­tik­vor­le­sun­gen an. 5

Unter­hal­tungs­sen­dun­gen müs­sen kein Bil­dungs­fern­se­hen sein, 6 aber man kann auch gute Unter­hal­tung machen. Gera­de des­halb ist der Preis für „Deutsch­land sucht den Super­star“ ein Skan­dal, weil es eine lieb­lo­se, hand­werk­lich allen­falls soli­de Show ist, die sich über ihre eige­nen Haupt­fi­gu­ren lus­tig macht. Wie gute Unter­hal­tung funk­tio­niert, haben „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ und „Das per­fek­te (Promi-)Dinner“ bewie­sen, bei denen Bild- und Ton­schnitt, Musik­aus­wahl und Kom­men­tar ein stim­mi­ges Gesamt­bild erge­ben.

Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger hat bei Rein­hold Beck­mann 7 gesagt, man kön­ne auch nicht ins Fuß­ball­sta­di­on zu Her­tha gehen und dann fra­gen, war­um die Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker nicht da sei­en. Aber wenn ich ins Fuß­ball­sta­di­on gehe, erwar­te ich, dass da Fuß­ball gespielt wird. Und nicht, dass Mario Gomez am Ball vor­bei tritt, oder Borus­sia Mön­chen­glad­bach einen 0:1‑Rückstand zu ver­wal­ten ver­sucht. Eine Fern­seh­preis­ver­lei­hung soll­te, wenn schon kei­ne Stern­stun­de des Fern­seh­jah­res, dann wenigs­tens nicht ihr Tief­punkt sein. Aber wie auf Kom­man­do erscheint beim Stich­wort „Tief­punkt“ eben Atze Schrö­der in Kapi­täns­uni­form auf der Büh­ne.

Bei der gan­zen Dis­kus­si­on wird mal wie­der ein Medi­um mit sei­nen Inhal­ten ver­wech­selt. Je län­ger ich über Mar­shall McLuhans berühm­ten Aus­spruch nach­den­ke, wonach das Medi­um die Bot­schaft sei, des­to abwe­gi­ger fin­de ich ihn. Goe­the soll „Wand­rers Nacht­lied (Ein Glei­ches)“ in die Wand einer Holz­hüt­te auf dem Kickel­hahn geritzt haben – und zwei­fel­los hat es doch einen höhe­ren kul­tu­rel­len Wert als so ziem­li­che jedes ande­re Graf­fi­to, das in Deutsch­land in den letz­ten 250 Jah­ren eine Bret­ter­wand geziert hat.

Das Sym­bol­bild ist von Walt Jab­s­co und wird hier unter CC-Lizenz ver­wen­det.

  1. Heu­te Abend werden’s dann aber wie­der 82 Mil­lio­nen Fuß­ball­trai­ner, ver­spro­chen![]
  2. Und das schrei­be ich ohne Gän­se­füß­chen und Iro­nie.[]
  3. Was bizar­rer­wei­se nah dran ist an dem, was aus­ge­rech­net Mar­co Schreyl am Sams­tag getan hat.[]
  4. Und des­sen Start vor elf Mona­ten schon ein­mal eine Mini-Qua­li­täts­dis­kus­si­on durchs Dorf getrie­ben hat­te.[]
  5. Und Sie kön­nen das via Pod­cast sogar auch.[]
  6. Es wäre schlimm, wenn’s so wäre.[]
  7. Oh, die­se Geschich­te ist so vol­ler Iro­nie, man hät­te es sich nicht aus­den­ken kön­nen![]
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Politik

Ich wär wohl euer Präsident

So lang­sam bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Par­tei „Die Lin­ke“ nicht viel­leicht doch ein irres Lang­zeit­pro­jekt von … sagen wir mal: Chris­toph Schlin­gen­sief ist. Heu­te jeden­falls hat sie den Schau­spie­ler Peter Sodann als Kan­di­da­ten für das Amt des Bun­des­prä­si­den­ten vor­ge­stellt. War­um auch nicht, den USA ging es unter Ronald Rea­gan ja auch ganz gut und auf einen Kan­di­da­ten mehr oder weni­ger kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Als Wäh­ler fragt man sich natür­lich, war­um es bei der Wahl für ein reprä­sen­ta­ti­ves Amt, an der man selbst aktiv gar nicht teil­neh­men darf, eine grö­ße­re Aus­wahl an Alter­na­ti­ven gibt als bei der Wahl zum deut­schen Regie­rungs­chef.

Sodann ist aber mit­nich­ten der abwe­gigs­te Kan­di­dat, der je Bun­des­prä­si­dent wer­den soll­te, er reiht sich da nur ganz gut ein. Das Poli­tik-und Geschichts­blog Cof­fee And TV fasst die schil­lernds­ten Per­sön­lich­kei­ten zusam­men:

  • Hein­rich Lüb­ke (Prä­si­dent von 1959–1969) Auch wenn der berühm­te Aus­spruch mit den Negern offen­sicht­lich Quatsch ist und der Mann schwer krank war, wird er doch am Ehes­ten als der „lus­ti­ge“ Prä­si­dent in Erin­ne­rung blei­ben.
  • Wal­ter Scheel (Prä­si­dent von 1969–1974) Der Mann des Volks­lieds, der im Fern­se­hen „Hoch auf dem gel­ben Wagen“ gesun­gen hat.
  • Lui­se Rin­ser (Kan­di­da­tin 1984) Kaum durf­ten die Grü­nen jeman­den vor­schla­gen, taten sie es auch: In Form einer links­ka­tho­li­schen Schrift­stel­le­rin, die sich ein­mal als „Freun­din fürs Leben“ von Gud­run Ens­slin bezeich­net hat­te. Hach, so was ging natür­lich gar nicht!
  • Stef­fen Heit­mann (Bei­na­he-Kan­di­dat 1994) Hel­mut Kohl wünsch­te sich einen Ost­deut­schen als Bun­des­prä­si­den­ten und fand ihn in Form eines erz­kon­ser­va­ti­ven Fett­näpf­chen-Sprin­gers. Als der nicht mehr halt­bar war, beka­men wir Roman Her­zog.
  • Hans Hir­zel (Kan­di­dat 1994) Vom Mit­glied der „Wei­ßen Rose“ zum Repu­bli­ka­ner: Ein typisch deut­sches Leben halt.
  • Uta Ran­ke-Hei­ne­mann (Kan­di­da­tin 1999) Bun­des­prä­si­den­ten-Toch­ter, Papst-Kom­mi­li­to­nin, streit­ba­re Theo­lo­gin. Eine klu­ge Frau, die aus Grün­den, die auch nicht wirk­lich nach­zu­voll­zie­hen sind, als „die Frau im tür­ki­sen Kos­tüm“ in die Geschich­te ein­ge­hen wird.

Viel­leicht soll­ten wir in die­sem Zusam­men­hang doch die Akti­on „Be My Kan­di­dat“ noch ein­mal auf­wär­men …

PS: Die Über­schrift ist natür­lich wie­der geklaut. Dies­mal bei Jens Frie­be.

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Musik Rundfunk Radio

Merkt ja eh keiner (1)

Es ist ja nicht so, dass ich mor­gens auf­ste­he und den­ke „Was könn­te ich heu­te mal Böses über den WDR schrei­ben?“ Das machen die ja alles sel­ber.

Ges­tern war Thees Uhl­mann zu Gast im „1Live Kas­set­ten­deck“, das vom Kon­zept her eine Super-Radio­sen­dung ist und des­halb um Mit­ter­nacht lau­fen muss: Ein Pro­mi (meist Musi­ker) stellt eine Stun­de lang Songs vor, die ihm sein Leben lang oder gera­de jetzt im Moment wich­tig sind. Ges­tern also der Sän­ger der „umstrit­te­nen Band Tom­te“ (O‑Ton welt.de, wo man auch nicht nach gutem Musik­jour­na­lis­mus suchen soll­te).

Thees erzähl­te also und spiel­te Songs (Rod Ste­wart, Kool Savas, Esca­pa­do) und sag­te nach jedem Lied, wer er ist und was wir da hören (ist ja Radio). Und dann kün­dig­te er wort­reich „Rain On The Pret­ty Ones“ von Ed Har­court an, zitier­te noch aus dem Text („I’m the Chris­ti­an, that can­not for­gi­ve“, „I’m the hun­ter, who’s kil­led by his dog“) und sag­te „Hier ist Ed Har­court mit ‚Rain On The Pret­ty Ones‘ “.

Und was lief? Ed Har­court mit „Late Night Part­ner“. Auch schön, sogar vom glei­chen Album, aber ein ganz ande­rer Song. Auch, wenn er von Thees mit „Das war Ed Har­court mit ‚Rain On The Pret­ty Ones‘ “ abmo­de­riert wur­de.

Nun ist es ja nicht so, dass da ges­tern Nacht ein über­näch­ti­ger Thees Uhl­mann im 1Li­ve-Stu­dio geses­sen und unbe­merkt den fal­schen Track gefah­ren hät­te: Weil man einen Pro­mi kaum eine Stun­de im Stu­dio hal­ten kann (dich­ter Pro­mo-Zeit­plan!), lässt man ihn ein­fach alle Mode­ra­ti­ons­tex­te hin­ter­ein­an­der auf­sa­gen, wenn er eh grad mal für ein Inter­view da ist. Dann gibt er einen Zet­tel mit der Play­list ab und irgend­je­mand muss die Songs zwi­schen die Mode­ra­tio­nen schnei­den. Und die­ser Jemand hat offen­bar einen Feh­ler gemacht.

Das ist kein gro­ßes Dra­ma, kein Skan­dal und kein Eklat. Es ist nur ein Bei­spiel, war­um es mir so schwer fällt, Medi­en­schaf­fen­de in die­sem Land ernst zu neh­men: Weil sie ihre Arbeit selbst nicht ernst neh­men.

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Meine Ruhr-Uni (Teil 3)

Die letz­ten zehn Tage habe ich mit Fil­men, Schnei­den, Freun­de tref­fen und Fami­lie besu­chen zuge­bracht (und in all der Zeit die neue Tom­te-Plat­te bis­her genau ein­mal hören kön­nen). Wäh­rend­des­sen hat mich die Welt­ge­schich­te rechts über­holt und vor­wurfs­voll eine Welt­wirt­schafts­kri­se, ein Fern­seh­preis-Skan­däl­chen, ein Fuß­ball-Skan­däl­chen und einen toten öster­rei­chi­schen Poli­ti­ker (also einen wei­te­ren) auf mei­nem Schreib­tisch abge­la­den. Ich aber sage: „Ach, ver­zieh Dich, Welt­ge­schich­te, über Dich wer­den noch genug ande­re schrei­ben!“

Statt­des­sen wid­me ich mich noch ein­mal mei­ner Ruhr-Uni, genau­er: dem drit­ten Teil der Serie „Mei­ne Ruhr-Uni“ (s.a. Teil 1 und Teil 2). Heu­te geht’s da hin, wo ich ohne Quatsch am Abend nur ungern unter­wegs wäre – und in die Uni-Biblio­thek, die immer so schön nach Kind­heit riecht.

Das alles in den letz­ten vier­ein­halb Minu­ten von „Mei­ne Ruhr-Uni“:

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Natür­lich wie­der mit Dank an Kame­ra­kind Fabi­an!

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Meine Ruhr-Uni (Teil 2)

Kom­men wir nun zum zwei­ten Teil unse­rer klei­nen Serie über die schöns­te Uni­ver­si­tät, an der ich je als Stu­dent ein­ge­schrie­ben war.

Heu­te gehen wir in der Men­sa essen und sehen uns mein Insti­tuts­ge­bäu­de genau­er an:

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Wie­der mal mit vie­len Dank an Kame­ra­kind Fabi­an!

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Leben Unterwegs

Ein Abend mit der Kernzielgruppe

Ich war ges­tern in Köln. (Kunst­pau­se. Mit­lei­di­ge Lau­te aus dem Publi­kum.)

Ich war ges­tern in Köln, weil Ste­fan Nig­ge­mei­er da für die Sen­dung „Funk­haus­ge­sprä­che“ von WDR5 auf dem Podi­um saß. Die Dis­kus­si­on selbst war nicht son­der­lich span­nend, denn dafür wäre es för­der­lich, dass die Dis­ku­tan­ten unter­schied­li­cher Mei­nung sind, was Ste­fan, Jörg Schieb und Schi­wa Schlei nicht waren. Der Mode­ra­tor war offen­bar ein Absol­vent der Vol­ker-Pan­zer-Jour­na­lis­ten-Schu­le und saß ent­spre­chend schlecht vor­be­rei­tet, ver­wirrt und vor­ein­ge­nom­men in der Debat­te. Das alles kön­nen Sie hier nach­hö­ren, wenn Sie es nach die­ser Beschrei­bung ernst­haft noch wol­len.

Weit­aus inter­es­san­ter war das Publi­kum, das sich im Klei­nen Sen­de­saal des Funk­hau­ses am Wall­raff­platz ver­sam­melt hat­te (der Ein­tritt war kos­ten­los): Es han­del­te sich um eine wil­de Melan­ge aus Men­schen, deren Durschnitts­al­ter Dank tat­kräf­ti­ger Hil­fe von einem jun­gen Pär­chen und mir noch knapp unter die sech­zig Jah­re gedrückt wur­de.

Ich saß noch kei­ne hal­be Minu­te in den gemüt­li­chen Leder­ses­seln in der Lob­by, da wuss­te ich auch schon, dass die Dame hin­ter mir vier­und­acht­zi­ge­in­halb Jah­re alt war und wegen ihrer schlech­ten Kno­chen einen Body­buil­der hat­te. Ein gesel­li­ger Herr frag­te sie, ob sie auch Doping mache, was sie mit dem Hin­weis kon­ter­te, sie lebe seit 26 Jah­ren vegan. Im Übri­gen tra­ge er eine „Tier­lei­chen­ja­cke“. Das Mit­leid, das ich in die­sem Moment mit dem Leder­ja­cken­trä­ger hat­te, ließ sehr schnell nach, nach­dem er sei­nem Beglei­ter die Lebens­ge­schich­te sei­nes Soh­nes erzählt und pos­tu­liert hat­te, dass es am Com­pu­ter kei­ne Tren­nung von Arbeit uns Spiel mehr gebe. Ste­fans Kolum­ne in der Sonn­tags­zei­tung liest er aber ger­ne.

Wäh­rend ich ver­zwei­felt ver­such­te, nir­gend­wo hin­zu­bli­cken, wo ein Gespräch auf mich lau­ern könn­te, hör­te ich einem gut­ge­laun­ter Rhein­län­der zu, der sei­nen Kum­pel zu über­re­den ver­such­te, an einer Sin­gle­bör­se im „Juut­zie-Kino“ teil­zu­neh­men. Er bekräf­tig­te sei­nen Appell, indem er eini­ge hun­dert Male „Mach das!“ sag­te. Eine älte­re Dame schei­ter­te an den Radi­os, die es einem in der Funk­haus­lob­by erlau­ben, die WDR-Sen­der live zu hören. Aller­dings über Kopf­hö­rer und nicht über die dort eben­falls her­um­ste­hen­den Tele­fo­ne. Ihre Freun­din stu­dier­te wäh­rend­des­sen auf­merk­sam das Pro­gramm und stell­te dann fest: „Nächs­tes Mal ist gut!“

Die Situa­ti­on wur­de nicht ange­neh­mer, als wir im Klei­nen Sen­de­saal Platz neh­men durf­ten, der auf sym­pa­thi­sche 18 Grad her­un­ter­ge­kühlt wor­den war. Dort saß ich nun, sah einen alten Mann mit Bra­si­li­en-Fan-Schal um die Schul­tern her­ein­kom­men, und hör­te mit der Kern­ziel­grup­pe von WDR5 die Kin­der­sen­dung „Bären­bu­de“ über die Saal­laut­spre­cher. Es war, als hät­ten die Coen-Brü­der einen Lori­ot-Sketch neu­ver­filmt.

Nach der Live­sen­dung wur­de Ste­fan von einem Mann abge­fan­gen, der sei­nen mehr­mi­nü­ti­gen Mono­log mit den Wor­ten „Ich habe eben auf­merk­sam zuge­hört“ begann, um dann unter Beweis zu stel­len, dass er genau das offen­sicht­lich nicht getan hat­te. Ich wur­de wäh­rend­des­sen von einem Secu­ri­ty-Mann (In einem Radio­sen­de­saal, der von Grei­sen besetzt wor­den war!) in die Lob­by gescho­ben, wo ich als­bald erkann­te, war­um zumin­dest ein Teil des Publi­kums sei­ne Aben­de im Funk­haus ver­brach­te: Es gab Frei­bier – oder das, was man in Köln dafür hält.

Nach­dem Ste­fan irgend­wann doch noch frei­ge­las­sen wor­den war, stan­den wir etwa eine Minu­te in der Lob­by, ehe sei­nem neu­en Fan doch noch was ein­ge­fal­len war: Die Leu­te wür­den im Inter­net ja meis­tens nur noch eine Sei­te besu­chen und gar kein ver­glei­chen­des Lesen mehr betrei­ben. Als ich frag­te, wie vie­le Leu­te denn meh­re­re ver­schie­de­ne Tages­zei­tun­gen läsen, war er für einen win­zi­gen Augen­blick indi­gniert. Ste­fan, der alte Pro­fi, nutz­te die­sen Moment, um sich unter Vor­spie­lung von Freund­lich­keit zur The­ke zu schlei­chen. Er drück­te mir eine wei­te­re Stan­ge Kölsch in die Hand und stand plötz­lich ganz woan­ders. So ent­ging ihm, wie der Mann, der das Inter­net sor­tie­ren woll­te (in „Gut“, „Nicht ganz so gut“ und „Rich­tig schlim­men Mist“), auf magi­sche Wei­se inner­halb weni­ger Sät­ze von „Spie­gel Online“ über sei­nen Schwie­ger­sohn zur Ban­ken­kri­se kam. Die Zeit auf den über­all gut sicht­ba­ren Atom­zeit­uh­ren ver­strich.

Ich schaff­te es schließ­lich, mich zu den Dis­ku­tan­ten zu ret­ten, die inzwi­schen inhalt­lich ein biss­chen wei­ter waren: Jörg Schieb und Ste­fan bat­tel­ten sich gera­de, wer die älte­ren und obsku­re­ren Heim­com­pu­ter gehabt hät­te. Das war zwar genau­so „Opa erzählt vom Krieg“ wie der Rest der Ver­samm­lung, aber wenigs­tens sind die Bei­den noch kei­ne Opas, was die Sache irgend­wie net­ter mach­te.

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Meine Ruhr-Uni (Teil 1)

Schau­en Sie mal in Ihren Kalen­der. Was sehen Sie da (von dem roten Krin­gel mal ab)?

Rich­tig: Heu­te vor fünf Jah­ren begann mein Stu­di­um an der Ruhr-Uni Bochum mit einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung der Ger­ma­nis­ten für Erst­se­mes­ter bei Dr. Ralph Köh­nen und Dr. Bene­dikt Jeß­ing.

Inzwi­schen habe ich längst mei­nen Bache­lor-Abschluss, aber die Ruhr-Uni ist natür­lich immer noch etwas beson­de­res für mich. So beson­ders, dass ich sie Ihnen vor­stel­len will – mit sub­jek­ti­ven Ein­drü­cken, aber auch mit eini­gen Fak­ten.

Im ers­ten Teil der neu­en Serie „Mei­ne Ruhr-Uni“, die sich an Erst­se­mes­ter, Eltern und sonst­wie inter­es­sier­te Leser die­ses Blogs rich­tet, räu­men wir heu­te mit eini­gen Kli­schees auf und ver­lau­fen uns in einem obsku­ren Gebäu­de namens „HZO“:

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Mit beson­de­rem Dank an Kame­ra­kind Fabi­an!

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Set­zen Sie sich erst mal!

Atmen Sie tief durch.

Neh­men Sie einen Rot­stift und umkrin­geln Sie das heu­ti­ge Datum auf ihrem Kalen­der.

Ich muss Ihnen näm­lich jetzt eine Klick­stre­cke emp­feh­len. Bei „RP Online“.

Ich glau­be, es ist das ers­te Mal in der Geschich­te von „RP Online“, dass eine Bil­der­ga­le­rie mit einem Namen ver­se­hen wur­de. Inso­fern will ich Tho­mas Grul­ke ganz direkt loben für etwas, das eigent­lich eine online­jour­na­lis­ti­sche Selbst­ver­ständ­lich­keit sein soll­te – aber für „RP Online“ gel­ten ja spe­zi­el­le Regeln.

Herr Grul­ke hat alle Trai­ner von Borus­sia Mön­chen­glad­bach von 1964 bis heu­te zusam­men­ge­stellt und dabei nicht nur auf doo­fe, nichts­sa­gen­de Fotos gesetzt, wie es in sei­nem Hau­se sonst üblich ist.

Das Ergeb­nis erin­nert viel mehr an ein Auto­quar­tett: Foto, Dau­er der Amts­zeit, Bun­des­li­ga­spie­le mit Borus­sia, Punk­te­schnitt und Erfol­ge sind bei jedem extra auf­ge­führt. Zwar wären die Daten in einer Tabel­le bes­ser ver­gleich­bar, aber irgend­wie erscheint mir auch das Kon­zept „Bil­der­ga­le­rie“ in die­sem Fall ange­mes­sen.

Gut, es tut ein biss­chen weh, sich noch ein­mal an die Tage mit Han­nes Bon­gartz, Ewald Lie­nen oder Dick Advo­caat erin­nern zu müs­sen und vie­le der Namen (Trai­ner von 1964–1987: drei, Trai­ner von 1987 bis heu­te: fünf­zehn) hat­te ich als Fan nicht ohne Grund ver­drängt, aber was soll’s.

Eine Ant­wort auf die Fra­ge, was bei der Borus­sia eigent­lich falsch läuft, bie­tet die Klick­stre­cke zwar auch nicht, aber immer­hin kann man noch ein­mal in Erin­ne­run­gen an gute und noch schlech­te­re Zei­ten schwel­gen:

„Die Trai­ner-Gale­rie von Borus­sia Mön­chen­glad­bach“ bei „RP Online“