Ich wär wohl euer Präsident

Von Lukas Heinser, 14. Oktober 2008 16:07

So langsam bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Partei „Die Linke“ nicht vielleicht doch ein irres Langzeitprojekt von … sagen wir mal: Christoph Schlingensief ist. Heute jedenfalls hat sie den Schauspieler Peter Sodann als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorgestellt. Warum auch nicht, den USA ging es unter Ronald Reagan ja auch ganz gut und auf einen Kandidaten mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Als Wähler fragt man sich natürlich, warum es bei der Wahl für ein repräsentatives Amt, an der man selbst aktiv gar nicht teilnehmen darf, eine größere Auswahl an Alternativen gibt als bei der Wahl zum deutschen Regierungschef.

Sodann ist aber mitnichten der abwegigste Kandidat, der je Bundespräsident werden sollte, er reiht sich da nur ganz gut ein. Das Politik-und Geschichtsblog Coffee And TV fasst die schillerndsten Persönlichkeiten zusammen:

  • Heinrich Lübke (Präsident von 1959-1969) Auch wenn der berühmte Ausspruch mit den Negern offensichtlich Quatsch ist und der Mann schwer krank war, wird er doch am Ehesten als der „lustige“ Präsident in Erinnerung bleiben.
  • Walter Scheel (Präsident von 1969-1974) Der Mann des Volkslieds, der im Fernsehen „Hoch auf dem gelben Wagen“ gesungen hat.
  • Luise Rinser (Kandidatin 1984) Kaum durften die Grünen jemanden vorschlagen, taten sie es auch: In Form einer linkskatholischen Schriftstellerin, die sich einmal als „Freundin fürs Leben“ von Gudrun Ensslin bezeichnet hatte. Hach, so was ging natürlich gar nicht!
  • Steffen Heitmann (Beinahe-Kandidat 1994) Helmut Kohl wünschte sich einen Ostdeutschen als Bundespräsidenten und fand ihn in Form eines erzkonservativen Fettnäpfchen-Springers. Als der nicht mehr haltbar war, bekamen wir Roman Herzog.
  • Hans Hirzel (Kandidat 1994) Vom Mitglied der „Weißen Rose“ zum Republikaner: Ein typisch deutsches Leben halt.
  • Uta Ranke-Heinemann (Kandidatin 1999) Bundespräsidenten-Tochter, Papst-Kommilitonin, streitbare Theologin. Eine kluge Frau, die aus Gründen, die auch nicht wirklich nachzuvollziehen sind, als „die Frau im türkisen Kostüm“ in die Geschichte eingehen wird.

Vielleicht sollten wir in diesem Zusammenhang doch die Aktion „Be My Kandidat“ noch einmal aufwärmen …

PS: Die Überschrift ist natürlich wieder geklaut. Diesmal bei Jens Friebe.

12 Kommentare

  1. Alberto Green
    14. Oktober 2008, 16:47

    Genau wie „die Frau im türkisen Kostüm“ ist Simone de Beauvoir Moment, muß erstmal googlen, ob ich sie richtig geschrieben habe als „Lebensgefährtin von Satre“ in die Geschichte eingegangen. Das finde ich fast noch lustiger und sollte SvenR das lesen: Wenn ich über mein Wissen stolpere, weils nach dem Klobesuch wieder raushängt, dann sieht es nicht nur wie ein Unfall aus …

  2. Mike
    14. Oktober 2008, 17:39

    Sartre.

  3. Stefan
    14. Oktober 2008, 19:31

    Luise Rinser war auch eine große Freundin Nordkoreas, lobte den humanen Strafvollzug des Landes und die Weisheit seiner vom Volk geliebten Führer:
    http://www.kdvr.de/reiseberichte/luise/luise.html

  4. roman g
    14. Oktober 2008, 19:38

    Danke für info betr. hans hirzel. Ist ja fast noch bizarrer als die horst mahler bio.

  5. meistermochi
    14. Oktober 2008, 19:53

    uta! immer wieder uta! jaaaa! aber ich glaube es muss richtig heißen: „die frau im türkisen kunstleder-kostüm“.

  6. SvenR
    14. Oktober 2008, 21:01

    Uta habe ich auch als die Frau im türkisfarbenen Schlangenlederimitat-Kostüm, Handschuhen und Perücke im Kopf.

    @ Alberto Green:

    Ich bin doch nur neidisch, als alter Klippschüler, der demnächst entweder ein Magengeschwür oder einen Herzanfall bekommt, weil er nie was ordentlichews gelernt hat…aber das führt hier zu weit.

  7. jaya
    14. Oktober 2008, 21:13

    Walter Scheel war sogar mal 9 Tage lang Bundeskanzler der BRD.

    Uninteressant, ich weiß…

    :-D

  8. zoom
    14. Oktober 2008, 21:54

    Freut mich, dass Schlingensief endlich enttarnt wird ;-) Ich weiss nur nicht, welches seiner Projekte am meisten Einfluss hat und hatte. Ich vermute allerdings, dass Schlingensiefs größter Wurf, auch wegen seines Lungenkrebses, die „Finanzkrise“ ist. Die Wiedervereinigung war ebenfalls großes Schlingensief’sches Theater. Siehe das Kettensägenmassaker: http://www.schlingensief.com/projekt.php?id=f037

  9. Alberto Green
    15. Oktober 2008, 7:51

    @ SvenR: Ist bei mir doch nicht anders! Ich kann nicht mal Sartrre richtig schreiben. Wir sollten unsere Gärtnereipläne nicht begraben!

  10. berka
    15. Oktober 2008, 9:32

    Das Lied hat Scheel allerdings noch als Außenminister geträllert.

  11. Thomas
    15. Oktober 2008, 10:21

    Zu Frau Ranke-Heinemann hat mein Vater eine lustige Geschichte zu erzählen, wie er eine Zugfahrt lang zusammen mit ihr in einem Abteil saß. Hatte was von Loriot oder so… Und ist es nicht eher ein lind-grünes Kostüm?

  12. Lukas
    16. Oktober 2008, 23:50

    Ich muss mich korrigieren: möglicherweise ist Sodann doch der abwegigste Kandidat ever. Man lese bitte diesen Artikel aus der „Frankfurter Rundschau“.

    Oder wie Frau Schnutinger schrieb: „die Sarah Palin Deutschlands“.