Selbstbezogen und unprofessionell

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. Juli 2008 22:51

Der “Spiegel” hat sich eine self-fulfilling prophecy gebastelt. “Die Beta-Blogger” steht drüber – ein Wortspiel, das im für schlechte Wortspiele bekannten Blog coffeeandtv.de noch vor der Endkontrolle den Gnadenschuss bekommen hätte – und sie füllt in der morgen erscheinenden Ausgabe drei Seiten.

Egal, was man über Blogger schreibt, hinterher wird man von ihnen doch nur verdroschen, weil man nix verstanden oder mit den falschen Leuten gesprochen hat.

steht da ziemlich zu Beginn und damit ist eigentlich alles gesagt.

Genauso gut könnte da auch stehen “das Ganze nach dem Würzen eine halbe Stunde ziehen lassen”, oder “Schönes Wetter draußen, was?”, aber das würde vermutlich nicht dazu führen, dass diese schrecklich selbstreferentiellen Blogger hinterher schreiben, der “Spiegel” hätte nichts verstanden.

Gleich drei Autoren haben an dem “Stück” (“Spiegel”-Sprech) mitgestrickt, was der Kohärenz etwas schadet, dem Text aber ansonsten nicht hilft. Wer sich für Blogs interessiert, erfährt nichts Neues, und wer vorher noch nie von Blogs gehört hatte, wird nachher (“Ist ein bisschen so, als würde man sich einer Sekte nähern, die in internen Grabenkämpfen versunken ist.”) nichts mehr davon hören wollen.

Der Artikel krankt schon an der Grundannahme, die Journalisten jedes Mal tätigen, wenn sie einem sogenannten Massenphänomen gegenüberstehen, das sie nicht verstehen: sie verallgemeinern, scheren alle über einen Kamm und wollen Zusammenhänge sehen, wo keine sind. Normalerweise lautet das Wort, das solche Texte durchzieht “Generation irgendwas”, diesmal heißt es “Blogosphäre”.

Dabei ist die Blogosphäre weder eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, noch ist sie völlig zerstritten – sie ist eine völlig alberne Modellvorstellung, deren Sinnlosigkeit einem klar wird, wenn man das Wort einfach mal durch “Gesellschaft” ersetzt. In Wahrheit heißt Blogosphäre nämlich: die schiere Summe aller Menschen, die bloggen.

Es gibt bloggende Journalisten, bloggende Hausfrauen, bloggende Schüler, bloggende Bestatter und bloggende Hartz-IV-Empfänger – man könnte von einer bloggenden Gesellschaft sprechen. Und all diese Menschen haben so viel oder wenig gemeinsam, wie Journalisten, Hausfrauen, Schüler, Bestatter und Hartz-IV-Empfänger im Alltag gemeinsam haben. Blogs sind ein Medium, ein Mittel zum Zweck. Man wird unter Bloggern auf ähnliche viele nette Menschen, auf ähnlich viele Arschlöcher treffen, wie in der Welt da draußen – vielleicht gibt es unter Bloggern überdurchschnittlich viele Menschen mit einem gewissen Mitteilungsbedürfnis, aber das ist dann auch schon alles.

Natürlich gibt es Blogger, die aktiver sind und sich beispielsweise regelmäßig treffen – aber auch das gibt es in Form von Stammtischen, Vereinen und Freundeskreisen in der Wirklichkeit und hat vielleicht mehr mit den entsprechenden Leuten zu tun als mit ihrer Profession.

Ich kann das Bedürfnis verstehen, all das Tolle, Kluge, Beunruhigende, Abstoßende und Neue, das man in Blogs so finden kann, irgendwie einer größeren Leserschaft zu vorstellen zu wollen. In Blogs kann man meistens für eine klar umrissene Zielgruppe mit Vorkenntnissen schreiben, aber Journalismus braucht Prototypen und deshalb ist Keith Richards Rock’n’Roll, Kurt Cobain Grunge und Gerard Way Emo (wenn nicht gerade Hanni, Nanni und Kaffeekanni Emo sind).

Also setzt man sich hin, schreibt alles auf, was einem dazu einfällt (BILDblog, Don Alphonso, Politically Incorrect, Huffington Post) und guckt im Telefonbuch unter “B” wie “Blogger” nach. Nur wird man dem Thema Blogs damit ungefähr so gerecht wie ein Blogeintrag über Journalismus, der von “Bild”, “Spiegel” und irgendeiner Schülerzeitung handelt und bei dem Roger Willemsen, Günther Jauch und Thomas Leif was über Journalismus sagen dürfen. Es ist letztlich wie mit den Blinden und dem Elefanten.

Jeder Blogger schreibt über die Themen, die ihn interessieren, und wenn sich niemand zur “globalen Finanzkrise”, dem “Mindestlohn” oder der “Verarmung des Mittelstands” äußern will, dann tut das halt niemand. Natürlich tut es trotzdem jemand, denn auch in den Leserbriefspalten und Call-In-Sendungen der Radiostationen äußern sich ja Leute zu diesen Themen, von denen sie keine Ahnung haben. Es braucht keine Vorschriften und keine Listen, was in deutschen Blogs falsch läuft.

Der Vergleich mit amerikanischen Blogs (also den relevanten, nicht denen bei MySpace) ist natürlich naheliegend, aber auch unfair: die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA sind einfach zu groß. In den USA gibt es Mainstream-Medien mit extremen Positionen, die eine Gegenöffentlichkeit brauchen. Wir könnten uns ja glücklich schätzen, wenn deutsche Medien überhaupt irgendwelche Positionen verträten. Außerdem gibt es hierzulande einfach keine Debattenkultur, die man digital fortsetzen könnte.

Für mich gilt außerdem: Ich will gar keine gesellschaftliche Relevanz haben. Ich schreibe, weil mir Schreiben Spaß macht, seit ich denken kann – sogar schon länger, als ich eigentlich schreiben kann. Statt orthographisch fragwürdiger Geschichten über einen “Baua”, der “in Unmacht fellt”, und die meine Eltern lesen (und loben) mussten, kann hier heute jeder, den es interessiert, lesen, welche Musik mir gefällt und was mich alles am derzeitigen Zustand des deutschsprachigen Journalismus stört. Ich habe auch immer schon lustige kleine Videofilme gedreht – früher mussten die Freunde meiner Eltern deren Vorführung durchleiden, heute kann das via YouTube jeder, der will. Das Internet ist das einfachste Mittel, den Kram, den ich sonst für mich selbst machen würde, unverbindlich einem größeren Publikum zur Verfügung zu stellen. Das erfolgt für beide Seiten freiwillig (wer’s nicht lesen mag, muss nicht, und wenn ich keinen Bock hab, schreib ich nichts) und kostenlos.

Und natürlich werden jetzt jede Menge Blogger über den Artikel schreiben und sich aus diesem oder jenem Grund darüber aufregen. Wer sich für Blogs interessiert, erfährt daraus nichts Neues, und wer vorher noch nie von Blogs gehört hatte, wird es sowieso nicht lesen. Durch die ständige Gegenüberstellung der Begriffe “Blogger” und “Journalist” entsteht der Eindruck, es ginge um zwei unvereinbare Lager und Blogger würden Journalisten grundsätzlich hassen (was zumindest auf mich nicht zutrifft). Es gibt keinen Kampf, deswegen wird es auch keine Gewinner und Verlierer geben. Außer natürlich die “Spiegel”-Autoren, die am Ende Recht behalten mit ihrer Vorhersage.

(Immerhin steht vor dem Wort “Blog” jedes Mal der Artikel “das”. Man wird ja bescheiden.)

Nachtrag, 21. Juli: Den Artikel gibt’s jetzt auch bei “Spiegel Online”. Dabei hätte ich es tausend Mal lustiger gefunden, einen Artikel über Blogs nur offline zu verbreiten.

43 Kommentare

  1. malte
    20. Juli 2008, 23:18

    ich denke gerade darüber nach, ob die blogosphäre nicht vielleicht doch etwas anderes ist als eine alberne modellvorstellung. wenn man natürlich blogosphäre als die gesamtheit aller mit hilfe einer bestimmten software texte verfassenden nimmt, dann hast du recht. aber doch glaube ich, das den meisten ein mitteilungsbedürfnis, ein wille, das zeitgeschehen zu kommentieren, ein informationsbedürfnis gemeinsam ist, dass blogger von nicht-bloggern unterscheidet. aber das ist natürlich nur privatempirie.

  2. anna.FrOst
    20. Juli 2008, 23:22

    sehr gut und treffend gesagt!
    AMEN!

  3. Ernst
    20. Juli 2008, 23:40

    Model/l/vorstellung?

  4. Lukas
    20. Juli 2008, 23:45

    Das erklärt auch, warum das Wort rot unterkringelt war …

    Danke, ist korrigiert.

  5. Ernst
    20. Juli 2008, 23:47

    Und was ich nie verstanden habe: Warum ist /das/ Genus des Wortes “Blog” von so großer Bedeutung? Bei Nutella regt sich doch auch keiner so auf — außer evtl. Ferrero.

  6. Oliver
    21. Juli 2008, 8:07

    Sehr schön ge/umschrieben. Kann dir eigentlich nur zu stimmen.

  7. Stephen
    21. Juli 2008, 9:51

    Bleibt nur die Frage, wer diesen imaginären Kleinkrieg zwischen “den Journalisten” und “den Bloggern” angezettelt hat.

  8. Stefan
    21. Juli 2008, 10:03

    Das mit der relevanz glaube ich Dir nicht. Jeder der etwas veröffentlicht will gelesen werden – und erhält dadurch Relevanz. Das ist bei allen Autoren so, die veröffentlichen.

  9. Ja gut, aber …
    21. Juli 2008, 12:39

    Bin ich ein Beta-Blogger?…

    DER SPIEGEL wird in seiner heutigen Printausgabe seinem Ruf als “BILD-Zeitung der Intellektuellen” einmal mehr gerecht. Unter dem Titel “Die Beta-Blogger” veröffentlicht er einen mittels bunter Bildchen auf drei Seiten auf…

  10. Lukas
    21. Juli 2008, 13:46

    Jeder der etwas veröffentlicht will gelesen werden – und erhält dadurch Relevanz.

    Natürlich freue ich mich über Kommentare, Verlinkungen oder darüber, wenn jemand durch dieses Blog eine neue Lieblingsband gefunden hat. Aber daraus würde ich keine gesellschaftliche Relevanz (und davon schrieb ich) ableiten wollen.

  11. Torsten
    21. Juli 2008, 13:49

    “Es gibt bloggende Journalisten, bloggende Hausfrauen, bloggende Schüler, bloggende Bestatter und bloggende Hartz-IV-Empfänger – man könnte von einer bloggenden Gesellschaft sprechen.”

    Einfach “bloggen” durch “kiffen” oder “rauchen” ersetzen.

  12. ring2*
    21. Juli 2008, 14:36

    Verkaterte Bildredaktion…

    Dies ist ein Blog.
    Was ich auch beweisen kann.
    Er ist besserwisserisch: “Das ist nicht Brunnemann auf dem Foto, sondern Filip Trojan. Und weglaufen tut dem auch keiner, sondern er wird gefoult.
    Er ist selbstbezogen: Denn er erwähnt, dass der Aut…

  13. SvenR
    21. Juli 2008, 15:55

    @ malte #1:

    Jein. Ich kommentiere auch das Zeitgeschehen, halt im noch kleineren und privateren Rahmen, als das selbst Gamma-Blogger tun. Warum ich nicht blogge? Ich habe einen ziemlich anstrengenden Job, mit dem ich nicht unwesentlich viel Geld verdiene, um das eigentlich total unaufwändige Leben meiner Familie zu finanzieren. Meine Firma erlaubt nicht, dass ich blogge. Explizit. Sie verbietet mir – aber auch nicht implizit – Kommentare in Blogs zu schreiben. Was ich ja dann und wann auch mache. Sie erlaubt u. a. auch nicht, dass ich Aktien kaufe, nur so nebenbei.

    @ Lukas #10:

    Ich muss Ihnen widersprechen. Natürlich hat das auch „gesellschaftliche Relevanz“, was Sie und andere Blogger schreiben.

    Sie werden von viel weniger Menschen gelesen, als Menschen die Bildzeitung lesen oder die tagesschau sehen (“Reichweite”). Auch werden Sie viel weniger zitiert und/oder verlinkt, als die etablierten Medien. Wenn man das aber in Relation zur Reichweite setzt, sieht es schon viel besser aus.

    Und das, was Sie – Sie, Lukas Heinser persönlich – in Ihr Blog ‘reinschreiben ist für mich wesentlich relevanter, als jeder Artikel eines anonymen oder mir namentlich aber nicht weiter bekannten Journalisten in beliebigem etabliertem Medium.

    Ich weiß glaube zu wissen, dass Sie die Platte gehört haben, bevor Sie sie zerreißen oder lobhudeln. Nachedem ich Ihr Blog eine Weile gelesen habe, bilde ich mir ein, Sie ein bisschen zu kennen, zu verstehen, wie Sie ticken. Das ist mir sehr sympathisch und es kommt mir wahrhaftig vor.

    So geht mir das auch bei Stefan, dem Fernsehlexikon und Peer. Bei Knüwer, Kunze und Vetter bilde ich mir ein zu wissen, dass Eitelkeit und kommerzielles Interesse mitspielen, was ja nicht von vornherein schlecht ist und ja auch nicht verheimlicht wird. Ix finde ich manchmal klasse, manchmal bin ich doch schon sehr verwundert. Und noch manch einer mehr…

    Sie alle zusammen bereichern mein Leben, regen mich intellektuell an, diskutieren die relevanten Themen und erlauben mir sogar meinen Senf dazuzugeben. manchmal kann ich sogar mit anderen Kommentatoren fröhlich Nebenkriegsschauplätze (da hätte ich gerne mal ein weniger militaristisches Wort für) zu eröffnen – gell, Alberto?

    Genauso, aber doch ganz anders, wie mein “Offline”-Umfeld aus Familie, Freunden, Bekannten und Kollegen. und alle zusammen haben für mich gesellschaftliche Relevanz. Und ich denke, für viele andere sieht es ganz genauso aus.

  14. c-offein
    21. Juli 2008, 15:55

    Unter der Prämisse “Blogger beanspruchen keine gesellschaftliche Relevanz” ist das alles richtig was du sagst. Wenn ich aber beinahe täglich in einem Medienstudiengang von Profs und Praktikern ohne jegliche Grundlage das extreme Gegenbeispiel erzählt bekomme, würde ich mir manchmal mehr Artikel wünschen, die auf die derzeitige Situation “Randphänomen” verweisen. Ansonsten wird demnächst irgendein ü40er bei Holtzbrink das gesamte Venture-Kapital für “ein Blog” raushauen …

  15. Lukas
    21. Juli 2008, 16:13

    @SvenR: Ich bin – ganz ehrlich – ein bisschen gerührt über das, was Sie schreiben.

    Ich möchte also umformulieren: Ich ziele hier nicht auf gesellschaftliche Relevanz ab. Sollte sie versehentlich entstehen, nehme ich das mit Interesse zur Kenntnis.

    Ach ja: Würde es Ihnen etwas ausmachen, Ihren Kommentar noch mal als Leserbrief an den “Spiegel” zu senden?

  16. SvenR
    21. Juli 2008, 18:04

    @ Lukas #15:

    Wenn ich es nochmal lese, schäme ich mich ein wenig dafür, wie ich es schreibe…sei’s ‘drum.

    Wenn Sie auf gesellschaftliche Relevanz schielen zielen würden, würde Ihnen wieder ein Stück Wahrhaftigkeit abhanden kommen. Es geht wahrscheinlich nur so.

    Ich habe heute meine Frau gebeten, mir einen “Der Spiegel” zu kaufen (den ersten seit ca. 2 Jahren, nachdem ich 11 Jahre Abonnent war), damit ich das Geschwurbel mal selbst lesen kann. Ich schreibe dann auch gerne einen Leserbrief an den Spiegel, erwarte nur nicht, dass er gelesen, so denn er denn gelesen wurde auch verstanden, so denn er denn sogar verstanden wurde auch gedruckt werden wird.

  17. Lukas
    21. Juli 2008, 19:25

    @SvenR: Tja, 15 Euro (oder wie teuer auch immer ein gedruckter “Spiegel” heutzutage ist) zum Fenster rausgeworfen

  18. livelb
    21. Juli 2008, 19:45

    Danke für den Nachtrag. Hab grad ein herrliches Bild im Kopf. Ein kleiner Zeitungsjunge läuft durch die Straßen und ruft: “Sie wollen wissen wie das Internet funktioniert? Sie wollen wissen wie man bloggt? Kaufen sie die aktuelle Ausgabe ihrer XXX und sie erfahren es. Kaufen sie jetzt. Brandneues Thema. Exklusiv bei uns.”
    ;)

  19. griesgram999
    21. Juli 2008, 19:50

    Ich glaube, in diesem Spiegel-Artikel soll gar nicht über Blogs berichtet werden, sondern er ist nur dazu da, damit in den Blogs über den Spiegel berichtet wird.

  20. SvenR
    21. Juli 2008, 20:46

    @ Lukas #17:

    Menno, Dreieurofuffzich für 160 Seiten brutto – ich dachte Wucher sei verboten? Ich zähle nachher noch mal die netto-Seiten…aber jetzt lese ich erst mal schön gemütlich offline auf der Couch.

  21. Michael
    21. Juli 2008, 21:02

    Ich kann nicht glauben, dass ich das Ding trotz Deiner deutlich formulierten Warnung noch gelesen habe. In solchen Momenten frage ich mich, was mich überhaupt dazu bringt, bei SpOn vorbei zu schauen. Ich glaube, dieses diffuse Unwohlsein gehört zum Geschäftsmodell…

  22. o.me
    21. Juli 2008, 21:49

    du blogst noch? du amateur…

    der folgende artikel des spiegels hat in der netzgemeinde ein erhebliches echo gefunden: klick
    unter anderem haben der spiegelfechter, coffee and tv und einige andere auch antworten zu selbigem verfasst. die meinung der blogbar kann ich auch nachvollzi…

  23. LostBit
    21. Juli 2008, 22:58

    @griesgram999:

    Diesen Gedanken hatte ich auch sofort. Der Spiegel-Kulturdebattenclub treibt eine Sau ins Kleinbloggersdorf hinein, und alles jagt ihr hinterher, und zeigt oder klickt auf den Besitzer. Dabei ist das Geschreibsel durchaus irrelevant und so ermüdend wie ähnliche Artikel von Faz oder SZ oder aus der Bloggerszene selbst, die immer wieder dieses Thema wiederkäuen. Ist ja nicht so, dass es solche Debatten nicht schon oft genug gegeben hätte, dieselbe Sau lässt sich garantiert noch ein paar Jahre lang jagen, damit kann man als Medium nicht viel falsch machen.

  24. bolisch
    21. Juli 2008, 23:48

    die kritik an der unbestimmten adressierung (blogosphäre) ist zwar legitim und gut und richtig – ABER. dass dieser blog darauf reagiert, macht die nachgeschobene relativierung – “ich will ich nicht relevant sein” – ziemlich lächerlich, weil man sich eben doch adressieren lässt und sich also in die behauptete homogenität einfügt. und dass die kritik des spiegelartikels ÜBERHAUPT NICHT in ihrer sachlichen behauptungsdimension angenommen wird, bestätigt die inzestbehauptung umso mehr.

  25. Schmidt mit Dete
    21. Juli 2008, 23:55

    Der SPIEGEL über Beta-Blogger…

    Herzlich willkommen auf “Schmidt mit Dete”. Falls Sie zum ersten Mal meine Homepage besuchen, einige Hinweise: In der mittleren Spalte finden Sie aktuelle Hinweise, Gedanken und Texte, die Sie auch kommentieren koennen. In den beiden Randspalten link…

  26. Flo
    22. Juli 2008, 0:46

    “Wir könnten uns ja glücklich schätzen, wenn deutsche Medien überhaupt irgendwelche Positionen verträten”

    In wie fern sollen bitte deutsche (seriöse) Medien Positionen Vertreten? Zu einer fairen Berichterstattung gehört doch immer eine gewisse Distanz zum Geschen und eine Betrachtung von allen Seiten. Die Position soll sich doch bitte der Leser selber aussuchen. Eine solche Bevormundung erinnert mich zwangsweise an den FOX Channel in Amerika. Hier werden haufenweise Halbwahrheiten und Propaganda verbreitet. Sicher wird das auch teilweise in Blogs usw. richtiggestellt, doch ein Großteil der Zuschauer erfährt hiervon nichts.

  27. Sonya T.
    22. Juli 2008, 1:45

    :-)
    Schön beschrieben.

  28. Blogwart
    22. Juli 2008, 1:58

    Vielleicht auch reflektierenswert: Wie es Autoren wie jenen des besagten Artikels, der ohne Frage belanglos ist, immer wieder gelingt, mit ganz wenig Aufwand genau diejenigen Knöpfe zu drücken, die dafür sorgen, dass Blogger mit pawlowscher Reflexhaftigkeit darauf reagieren. Oft sogar mit Rechtfertigungen für das eigene Tun, anstelle eines selbstbewussten Tuns, das auf solche Provokationen gar nicht erst anspringt. Zur self-fulfilling prophecy gehören eben in solchen Fällen zwei Seiten. Der Spiegel-Artikel kann als voller Erfolg gewertet werden, weil er, wie man aufgrund der Reaktionen sehen kann, eine Debatte ausgelöst hat, die genau die Vorurteile bestätigt, anstatt einfach – weil er belanglos ist – ignoriert zu werden. Man soll sich keine Debatten aufzwingen lassen.

  29. La Luna
    22. Juli 2008, 7:39

    Ich finde den Spiegelbericht sehr zutreffend. Vielleicht deswegen, weil ich ihn als Ist-Analyse verstehe.

    Beste Grüße :)

  30. Christian J.
    22. Juli 2008, 10:46

    Walser hat mal in einem Interview gesagt, jeder der etwas veröffentliche, habe einen gewissen Egoismus. Ob dieser jetzt gesund ist oder nicht, sei dahingestellt. Wenn es dir nur um das Schreiben ginge, bräuchtest du das Geschriebene ja nicht über irgendein Medium dieser Welt publizieren. Der Artikel des Spiegel hat in vielem recht, finde ich. Obwohl ich den Spiegel nicht loben möchte, auch er produziert vor allem in seiner Onlineausgabe zu viel heiße Luft und zu wenig gut Recherchiertes, meistens dazu noch in einer Sprache und Art, die sich nicht von der des billigen Boulevardjournalismus unterscheidet.
    Überhaupt wird heutzutage so viel geredet und geschrieben, dass das wichtigste an diesem riesigen Informationsmaterial für den Leser nicht mehr ist, wie er an Informationsresourcen herankommt, sondern ob er das was er liest wirklich lesen muss, ob es über Relevanz verfügt. Selektion also. Das Gespür (oder die Verständnis) die fundierten Informationen von den irrelevanten zu trennen. Das gilt für das Internet noch mehr als für jedes andere Medium, weil die Bandbreite an sinnlosem Geschwätz bis hin zu wissenschaftlisch Ergiebigen sehr groß ist.

    Meiner Meinung nach verdienten tote Autoren weitaus mehr Aufmerksamkeit als die meisten lebenden, weil ca. 90% alles dessen was heute Gedacht wird, schon einmal gedacht und beschrieben wurde. Liest man heute ein philosophisches Werk eines Zeitgenossen findet sich darin für den Belesenen so viel Redundanz wieder, dass er sich dann stets fragen muss, ob er denn überhaupt noch Aktuelles lesen solle, oder nicht sofort zu den Primärquellen greife. Ad fontes, back to the roots, Vergangenheit verstehen, um die Gegenwart zu begreifen.

  31. Lukas
    22. Juli 2008, 10:52

    @Blogwart: Ich fürchte aber, diesen Rechtfertigungsdrang kann man nur schwer unterdrücken, wenn man regelmäßig von “publizistischen Schwergeschützen” verallgemeinernd einen drüber bekommt. Ich fänd’s zum Beispiel schade, wenn meine Omma nach der Lektüre des “Spiegel”-Artikels jetzt denkt, Blogs seien samt und sonders irrelevant, besserwesserisch und insgesamt einfach schlechter als der “Spiegel”.

    @Christian J.: Was Du ansprichst, ist die Vermittlung von Medienkompetenz – und die ist heute sicher wichtiger denn je. Nicht nur, dass man im Überangebot des World Wide Web den Überblick behalten muss, man sollte auch verstehen können, welche Interessen bei etablierten Medien mit reinspielen.

  32. Zeitlos
    22. Juli 2008, 17:59

    Herzlichen Dank für den Text. Ich sehe das ähnlich.
    Zwei Gedanken zu dem Spiegel-Artikel allerdings noch:
    – Die Autoren nennen die Zahl der Blogs, nennen die Deutschen “Blogmuffel” und führen dann die Zahl der Blogleser. Ich finde es wenig …clever… von der Zahl der Leser einen Rückschluss auf die Zahl der Medien zu ziehen.
    – Es wäre ja schön gewesen, wenn die Autoren noch ein Wort dazu verloren hätten, ob amerikansiche Blogger (oder generell Webseiten) auch mit Abmahnungen rechnen müssen, wenn sie ihre Meinung oder Beobachtungen über Firmen ins Netz schreiben.

  33. lars
    22. Juli 2008, 19:15

    Ja! Absolut! Totatl…Deiner Meinung. Aber trotzdem werden es die “Profis (Spiegel Redakteure)” nicht schnallen. Soe wir die Musik und Filmindustrie das Internet fürchteten, so fürchten nu die (offline) Schreiberlinge um Ihre Branche. Denn nun kann jeder Schreiben – egal ob recherchiert oder nicht. Und das macht denen Angst…

    Aber ein bisschen Wahrheit steckt in dem Artikel. Das (Chef)Blogger-Dissen zwischen einigen selbstherrlichen Alphatierchen kommt hier und da dann doch mal vor ;-)

    Cheers
    Lars

  34. Alberto Green
    23. Juli 2008, 15:23

    @ SvenR: Stimmt alles!

  35. SvenR
    23. Juli 2008, 21:42

    @ Lukas:

    34 Seiten Reklame im gedruckten Spiegel. 34! Nur so als Hinweis. Leserbrief habe ich geschrieben.

  36. Alberto Green
    24. Juli 2008, 12:43

    und richtig kacke ist der Artikel über die Hadrianausstellung in London. Leider habe ich den Spiegel kurz nach dem Kauf in den Müll geschmissen (an Bord eines Airbus A19 gar nicht so leicht). Also leider im Sinne von Gott sei Dank.

  37. Tilman
    24. Juli 2008, 12:52

    ich glaube, der spiegel wollte einfach nur nochmal in die erinnerung der menschen zurück, nachdem er eigentlich nur noch bedeutungslose texte produziert.

  38. gahi
    24. Juli 2008, 20:26

    Ich frage mich, warum auf diese plumpe Provokation des Spiegels überhaupt jemand eingeht. Wenn diese 3 Ätz-Journis meinen, den Bloggern mal ans Bein pissen zu müssen und dann auch noch schreiben “Jetzt werden sie uns alle zerreißen.” – warum tut ihr ihnen den Gefallen?

    Lachen, Umdrehn, Weitergehn!

  39. urks.de
    25. Juli 2008, 0:23

    Gut geschrieben Lukas. Du triffst den Kern der Sache – jedenfalls in meinen Augen – ziemlich gut. Danke.

    Grüße
    Michael

    In diesem Sinne: Aufstehen! Überleben! Schlafen gehen! ;)

  40. Ludo K.
    25. Juli 2008, 11:35

    Unübersehbar – dem Spiegel geht die Muffe vor Volkes Meinung. Kein Wunder: Ist er spätestens seit Kohls Abgang ja auch ein richtig staatstragendes Magazin geworden.

  41. Lea
    16. November 2008, 17:14

    Achtung, völlig unqualifizierter Kommentar, der mit dem Thema deines Eintrags nichts zu tun hat:

    Ich finde deinen Schreibstil sehr unterhaltsam! Werde von jetzt an öfter in deinen Blog reinschauen.

  42. Der Spiegel lockt Blogger aus der Reserve – danke dafür! | freshzweinull +++
    24. Februar 2009, 19:05

    […] coffeeandtv.de, spiegelfechter.com, basicthinking.de, blog.handelsblatt.de, […]

  43. Danke, SPIEGEL! « aprosdokese
    30. September 2009, 16:13

    […] ganze Welt Blogosphäre ist in heller Aufregung, ärgert sich übers Nachtreten oder schlechte Wortspiele. Da werden aber auch Artikel veröffentlicht, die weit mehr recherchierte Tiefe und Sachkenntnis […]

Diesen Beitrag kommentieren: