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Musik Digital

Warum Fran Healy so gut schläft

Ich bin seit Jah­ren gro­ßer Fan von Tra­vis. Nicht nur, dass die Musik (bei­na­he) immer toll ist, Fran Hea­ly sagt auch von Zeit zu Zeit sehr klu­ge Sachen, von denen man sich wünscht, es wür­den die betref­fen­den Leu­te zuhö­ren.

Zum Bei­spiel aktu­ell zu einem Fall, den man bei torrentfreak.com nach­le­sen kann: Tra­vis hat­ten zur Ver­brei­tung des neu­en Songs „J. Smith“ per MP3 auf­ge­ru­fen – wie man das eben heut­zu­ta­ge so macht. Plötz­lich mel­de­te sich die IFPI, die Inter­na­tio­nal Fede­ra­ti­on of the Pho­no­gra­phic Indus­try, bei Kevin, der den Song in sei­nem Blog So Much Silence gehos­tet hat­te, und for­der­ten ihn zur Löschung auf. (Das heißt: genau genom­men for­der­ten sie ihn auf, einen Song von Her­cu­les And Love Affair zu löschen, weil sie sich da wohl irgend­wie mit der Zuord­nung ver­tan hat­ten.) Kevin schrieb Fran Hea­ly an, der prompt reagier­te und klar stell­te, dass der Song wei­ter ver­brei­tet wer­den soll. Die IFPI, die ja angeb­lich im Namen der Künst­ler gegen das Unrecht in der Welt kämpft, muss­te zuge­ben, von einer sol­chen Geneh­mi­gung nichts mit­be­kom­men zu haben.

Und auf Anfra­ge von torrentfreak.com leg­te Fran dann rich­tig los:

With a view to music, the inter­net is like radio. The only major dif­fe­rence is that, at the moment, I don’t get a PRS pay­ment ever­y­ti­me my song is lis­ten­ed to.

The pro­blem is, the busi­ness is try­ing to fit old rules on a new model. Like try­ing to fit the squa­re peg in the round hole. I think someone has to sit down and re-wri­te the rules for the new model.

[…]

As far as ille­gal file­sha­ring goes. The­re are peo­p­le who will buy albums and peo­p­le who will record them off fri­ends. If you took away the Inter­net this would still hap­pen so I don’t lose any sleep. Good­night.

Jetzt müss­te er das nur noch irgend­wie sei­nen Plat­ten­bos­sen ver­kli­ckern.

Ach, und run­ter­la­den kön­nen Sie „J. Smith“ jetzt hier – ganz legal und mit Ein­wil­li­gung des Künst­lers. (Das Album „Ode To J. Smith“ kön­nen Sie sich bei Gefal­len dann ab dem 26. Sep­tem­ber kau­fen.)

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Politik

Und ein Haken für Juli …

Gleich drei Ver­glei­che zum Preis von einem lie­fert die Büso-Che­fin, Ang­lo-hol­län­di­sche-Ver­schwö­rungs-Geg­ne­rin und Atom­strom­ak­ti­vis­tin Hel­ga Zepp-LaRou­che in ihrem aktu­el­len Kom­men­tar zu Barack Oba­mas Deutsch­land-Besuch. Der Füh­rer ist selbst­ver­ständ­lich mit dabei:

Das wirk­lich erschre­cken­de aber war nicht Oba­mas Rede, die inhalt­lich nichts brach­te, was er nicht schon vor­her gesagt hät­te, von eini­gen Bezü­gen auf die Luft­brü­cke ein­mal abge­se­hen, wor­auf jeder pro­fes­sio­nel­le Reden­schrei­ber kom­men muß­te. Viel beun­ru­hi­gen­der ist, daß die deut­schen Mas­sen anschei­nend nichts aus der Geschich­te gelernt haben, und bei bom­bas­tisch auf­ge­zo­ge­nen Mas­sen­ver­samm­lun­gen offen­sicht­lich eine fata­le Nei­gung haben, in Manien zu ver­fal­len. Dabei scheint es egal zu sein, ob es Hit­ler in Nürn­berg, Gor­by auf Deutsch­land­rei­se, der Dalai Lama oder eben jetzt das Souf­flé Oba­ma ist.

Auf eine etwas ande­re Art wit­zig (und zuge­ge­be­ner­ma­ßen näher an mei­nem Humor) ist da der Kom­men­tar von Jon Ste­wart in der „Dai­ly Show“:

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.thedailyshow.com anzu­zei­gen.

[Direkt­oba­ma]

Eine unvoll­stän­di­ge Lis­te der schöns­ten Nazi-Ver­glei­che seit 1945 fin­den Sie nach wie vor hier.

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Frau im Spiegel

Viel­leicht wer­den wir nie genau erfah­ren, was eigent­lich vor­ge­fal­len ist in den Redak­ti­ons­räu­men von „Emma“. War­um sich Lisa Ort­gies, die gera­de als neue Chef­re­dak­teu­rin ein­ge­ar­bei­tet wer­den soll­te, nicht „für die umfas­sen­de Ver­ant­wor­tung einer Chef­re­dak­teu­rin“ „eig­net“. War­um eine Fern­seh­jour­na­lis­tin, die „bis dahin noch nie als Redak­teu­rin oder Res­sort­lei­te­rin, geschwei­ge denn als Chef­re­dak­teu­rin gear­bei­tet“ hat­te, „ganz und gar über­ra­schend für alle“ „die Fal­sche zu sein scheint“. Ob der Satz „Im Sin­ne von Lisa Ort­gies wird es hier­zu kei­ne wei­te­re Stel­lung­nah­me von EMMA geben“ viel­leicht das bös­ar­tigs­te Arbeits­zeug­nis aller Zei­ten dar­stellt. Und war­um man bei „Emma“ – ent­ge­gen der eige­nen Ankün­di­gung – immer noch nach­tre­ten muss.

Aber wenigs­tens erklärt uns Ali­ce Schwar­zer jetzt, war­um die­se Per­so­na­lie so hoch­ge­kocht wur­de:

Auf­merk­sa­men Zeit­ge­nos­sIn­nen wird es nicht ent­gan­gen sein: Im Klei­nen lau­fen die­se Hetz­kam­pa­gnen gegen Ali­ce & EMMA ritu­ell alle paar Jah­re, im Gro­ßen etwa im Zehn-Jah­res-Rhyth­mus. Der Anlass ist belie­big, jeder Vor­wand ist will­kom­men. Zum Bei­spiel eine Per­so­na­lie, die bei jedem ande­ren Ver­lag ein Drei­zei­ler oder eine ein­ma­li­ge klei­ne Glos­se wäre.

Ent­schul­di­gung. Den letz­ten Satz habe ich unvoll­stän­dig zitiert. Frau Schwar­zer hat näm­lich noch ein kna­cki­ges Bei­spiel parat:

Zum Bei­spiel eine Per­so­na­lie, die bei jedem ande­ren Ver­lag ein Drei­zei­ler oder eine ein­ma­li­ge klei­ne Glos­se wäre (wie im Fal­le Spie­gel vor eini­gen Mona­ten).

[via]

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Politik Gesellschaft

Im Bad mit Sebastian Edathy

Gäbe es einen Preis für den unsou­ve­räns­ten Poli­ti­ker, er gin­ge in die­sem noch jun­gen Jahr mit hoher Wahr­schein­lich­keit an Sebas­ti­an Edathy. Gäbe es im deut­schen Fern­se­hen ech­te Sati­re­sen­dun­gen und nicht nur den „Schei­ben­wi­scher“ und das Dekol­le­tee von Ange­la Mer­kel, müss­te man sich auf Mona­te vol­ler Zahn­putz-Wit­ze ein­stel­len.

Was war pas­siert? Edathy, SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Vor­sit­zen­der des Innen­aus­schus­ses, wur­de von den Mode­ra­to­ren des Ber­li­ner Sen­ders Radio 1 zum geplan­ten BKA-Gesetz befragt – oder bes­ser: soll­te befragt wer­den, denn son­der­lich lang lief das Inter­view nicht, wie man bei Radio 1 nach­hö­ren kann:

[Das Gespräch wur­de von zwei Mode­ra­to­ren geführt, die ich aber stimm­lich nicht aus­ein­an­der hal­ten kann. Für den Inhalt ist das auch uner­heb­lich.]

Mode­ra­tor: Mor­gen Herr Edathy!
Edathy: Mor­gen, grüß Sie!
Mode­ra­tor: Guten Mor­gen! Wenn Sie sich mor­gens die Zäh­ne put­zen, sind Sie eigent­lich nackt oder haben Sie Unter­wä­sche an?
Edathy: Ich, äh … Wie­so?
Mode­ra­tor: Die Fra­ge ist Ihnen unan­ge­nehm oder war­um?
Edathy: Ja, ich weiß nicht, was das mit der Sache zu tun hat, mit Ver­laub, Herr …
Mode­ra­tor: Ja, Sie machen das ja gemein­hin wahr­schein­lich …
Edathy: Also, was solln der Scheiß? Ent­schul­di­gung, Wie­der­hö­ren …
*klick*

Zuge­ge­ben: Kei­ne Fra­ge, die man unbe­dingt im Radio beant­wor­ten möch­te, aber eine, die das dif­fu­se The­ma BKA-Gesetz in den kon­kre­ten All­tag der Men­schen und Poli­ti­ker run­ter­bre­chen kann, immer­hin geht es in dem Gesetz um „gehei­mes Foto­gra­fie­ren, Fil­men und Abhö­ren, auch in Woh­nun­gen“.

Fol­gen­de Ant­wor­ten hät­te ich an sei­ner Stel­le für denk­bar gehal­ten:

  • Die schlich­te: „Dar­über spre­che ich nicht.“
  • Die schlicht-ran­schmei­ße­ri­sche: „Das geht Sie nichts an, aber ich höre im Bad Radio 1.“
  • Die aus­wei­chen­de: „Ich put­ze mir mei­ne Zäh­ne mor­gens nicht.“
  • Die ver­ständ­nis­vol­le: „Ich weiß, wor­auf Sie hin­aus­wol­len, des­halb put­ze ich mir im Dun­keln die Zäh­ne.“
  • Die staats­tra­gen­de: „Wo den­ken Sie hin? Ich bin Vor­sit­zen­der des Innen­aus­schus­ses – im Anzug, natür­lich!“
  • Die grö­ßen­wahn­sin­ni­ge: „Ich bin nackt, weil ich mei­nen gestähl­ten Kör­per und mein mäch­ti­ges Glied im Spie­gel sehen will.“

Herr Edathy aber, der sowie­so ein Pro­blem mit Jour­na­lis­ten zu haben scheint, sag­te zu einer Zeit, zu der Kin­der­gar­ten­kin­der mit ihren Eltern am Früh­stücks­tisch sit­zen könn­ten, „Scheiß“ und leg­te auf.

Als er in sei­nem Gäs­te­buch dar­auf ange­spro­chen wur­de, dass er das Inter­view nach der Ein­gangs­fra­ge abge­bro­chen habe, ant­wor­te­te Edathy zunächst, man habe ihm ja zwei Fra­gen gestellt (die nach dem Zäh­ne­put­zen und die, ob ihm die ers­te unan­ge­nehm sei) und fügt hin­zu:

Ich fin­de in der Tat, dass man sich als Inter­view­part­ner nicht jede Frech­heit bie­ten las­sen muss und dass es dies­be­züg­lich Gren­zen gibt. Die waren in die­sem Fall über­schrit­ten.

Das passt sehr schön zum über­set­zen BKA-Gesetz, in dem es unter ande­rem heißt:

Das Bun­des­kri­mi­nal­amt soll im Ein­zel­nen die fol­gen­den Mit­tel anwen­den dür­fen:

[…]

2. Per­so­nen befra­gen (die­se sind ver­pflich­tet, Aus­kunft zu geben)

Nun ist es mir wirk­lich egal, wann, wie und wo sich Herr Edathy die Zäh­ne putzt. Ich wür­de mir als Wäh­ler nur wün­schen, das wäre sei­ne ein­zi­ge Tages­be­schäf­ti­gung.

Mehr dazu im red­blog, bei Netzpolitik.org, Massenpublikum.de und Indis­kre­ti­on Ehren­sa­che.

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Musik Digital

Wagners Arie

Patrick Wag­ner war mal Sän­ger der mit­tel­gu­ten Band Sur­ro­gat, heu­te betreibt er das Label Louis­ville Records, bei dem eini­ge mit­tel­gu­te Bands sowie die gran­dio­sen Naked Lunch unter Ver­trag sind. Dort erscheint jetzt das Debüt­al­bum von Navel, die die­ses Jahr einen bereits siche­ren Sup­port­s­lot für die Smas­hing Pump­kins mit der Begrün­dung ablehn­ten, sie hät­ten es nicht nötig „mit so abge­half­ter­ten Rock­opas wie Smas­hing Pum­pins zu tou­ren“. Kurz vor Ver­öf­fent­li­chung hat sich Herr Wag­ner, der mit Franz Josef nicht nur den Nach­na­men, son­dern auch ein mit­un­ter bizar­res Selbst­ver­ständ­nis gemein hat, mal ein biss­chen aus­ge­kotzt über die­se gan­zen Blöd­män­ner im Musik­biz, die Navel nicht hin­rei­chend zu wür­di­gen wis­sen:

Gross­ar­tig auch Leu­te wie Chris­toph von MTV – “Bei Navel könn­te ich mir echt gut vor­stel­len, wenn das Video gut wird, dass wir da einen New­co­mer Deal anbie­ten könn­ten – ca 10 000€ spä­ter, ist das Video zwei mal gelau­fen und MTV lässt über Drit­te aus­rich­ten, dass man kei­nen Rock spie­le auf MTV – als hät­ten sie das nicht einen Moment frü­her gewusst. Bes­ser sind da schon die herr­li­chen Kol­le­gen von den Print­me­di­en – am bes­ten aus der Rock­haupt­stadt Mün­chen vom Musik­ex­press – zB. Oli­ver “das sind New­co­mer, oder ?- Ja dann musst du mit Chris­toph spre­chen: “ich weiss nicht ob ich da was brin­gen kann, es ist so viel los gera­de” die Wahr­heit ist, dass im März/​April aus­ser Nick Cave und Port­is­head kei­ne ein­zi­ge auch nur halb­wegs anhör­ba­re Plat­te raus­ge­kom­men ist, da nimmt man schon mal eine Künst­le­rin aufs Cover die gra­de nur Cover­ver­sio­nen ver­öf­fent­licht, wenn das nicht die Musik vor­an­treibt? Toll auch Mar­kus vom Radio Sen­der “Eldo­ra­dio” (Hörer­schnitt: 4/​Tag), der ganz ger­ne von einem erwar­tet, dass man für ihn und sei­nen beschis­se­nen Sen­der und sei­ne abso­lut irrele­van­ten Cam­puscharts einen Song umschreibt oder ne and­re Sin­gle aus­kop­pelt und im glei­chen Atem­zug sagt “Kett­car fin­den wir zwar auch scheis­se, müs­sen wir aber machen”. Da sind mir die Kol­le­gen von der Spex schon lie­ber, die ein­fach, sagen, “da machen wir nichts”, ‑genau­so hab ich mir nen Dis­kurs vor­ge­stellt.

Mal davon ab, dass die Cam­pus­ra­di­os zu den weni­gen Sen­dern gehö­ren dürf­ten, die Bands von Louis­ville Records spie­len: Jeder, der schon mal mit „Mar­kus vom Radio Sen­der ‚Eldo­ra­dio‘ “ zusam­men­ge­ar­bei­tet hat, wird Wag­ners Schmerz nach­emp­fin­den kön­nen.

[via taz Pop­b­log]

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Musik

Gar nicht nachdenken, so

Die Band Pan­da („Hit“: „Jeht Kacken“) steht nicht unbe­dingt ganz oben auf mei­ner Lis­te „Gute Nach­wuchs­bands aus Deutsch­land“. Sie steht nicht mal in der Mit­te mei­ner Lis­te „Mit­tel­gu­te Nach­wuchs­bands aus Ber­lin“. In Wahr­heit steht sie auf kei­ner sol­chen Lis­te, weil ich gar kei­ne füh­re.

Des­halb kom­men mir media­le Erwäh­nun­gen von Pan­da eher ver­se­hent­lich unter, so wie vor­hin, als ich per ICQ auf ein höchst ver­gnüg­li­ches Video auf­merk­sam gemacht wur­de, das das Jugend­ma­ga­zin „Flu­ter“ im ver­gan­ge­nen Dezem­ber mit Pan­da gedreht hat.

Dre­hen Sie ihre PC-Boxen etwas lau­ter (der Ton ist sehr lei­se) und … äh … hören Sie ein­fach zu:

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Zitatenstrauß: Fritz Pleitgen

Die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung“ berich­te­te am Frei­tag über Fritz Pleit­gen, der nach sei­ner Pen­sio­nie­rung als WDR-Inten­dant im letz­ten Jahr Vor­stand der Geschäfts­füh­rung der Ruhr 2010 GmbH in Essen gewor­den ist.

Er sagt, er habe ursprüng­lich ganz ande­re Plä­ne gehabt, als bei Reden „in Volks­hoch­schu­len, Kir­chen, Uni­ver­si­tä­ten, Rat­häu­sern, Muse­en, Knei­pen und sogar einer Müll-Ent­sor­gungs­an­la­ge“ das Ruhr­ge­biet von innen ken­nen zu ler­nen:

Aber dann sage ich mir: Was ist die men­schen­lee­re Wei­te Sibi­ri­ens gegen die gut­be­such­te Volks­hoch­schu­le Dins­la­ken oder die Schwü­le von Vera Cruz gegen die wohl­tem­pe­rier­te Luft der Müll-Ent­sor­gungs­be­trie­be von Her­ne?

[Zita­ten­strauß, die Serie]

Mit Dank an Jens für den Hin­weis.

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Rundfunk

Zitatenstrauß: Claus Kleber

Claus Kle­ber muss­te ges­tern im „Heu­te Jour­nal“ einen Bei­trag anmo­de­rie­ren, in dem es um den Pro­zess­auf­takt zum Ber­li­ner „Koma-Trin­ken“ ging. Er begann über­ra­schend, aber klug:

Es hat da ja jeder sei­ne eige­nen Erfah­run­gen, aber ich den­ke, dass bei uns über kein ande­res The­ma – nicht mal über Sex – so schein­hei­lig gelo­gen wird wie über Alko­hol. Beson­ders zwi­schen älte­ren und jun­gen Leu­ten: Da wird schwa­dro­niert, wie toll das war, als Onkel Jür­gen kaum noch zum Auto lau­fen konn­te, und dann wer­den – nüch­tern betrach­tet – die übli­chen War­nun­gen mit erns­tem Ton von oben her­ab ver­teilt.

Ich weiß schon, war­um ich Claus Kle­ber für einen der Bes­ten im deut­schen Fern­se­hen hal­te.

[Zita­ten­strauß, die Serie]

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Musik Print

Zitatenstrauß: Fran Healy

Cof­fee-And-TV-Vor­satz für 2008: Ein paar neue Rubri­ken ein­füh­ren und sie auch wirk­lich durch­zie­hen. Nicht nach einer oder zwei Epi­so­den ein­fach aus­lau­fen las­sen.

Im aktu­el­len „Musik­ex­press“ (Janu­ar 2008) ist ein „Blind Date“ mit Tra­vis. Das Kon­zept ist so ein­fach wie (meist) gut: Man spielt Musi­kern ein paar Songs vor und schreibt auf, ob und wann sie das Lied erken­nen und was sie dazu sagen. Im kon­kre­ten Fall bekam Fran Hea­ly „Weird Fishes/​Arpeggi“ von Radio­head vor­ge­spielt. Und für einen Moment ant­wor­te­te nicht mehr der Schwie­ger­mut­ter-Dar­ling Fran­ny, son­dern ein generv­ter Hörer:

FRAN: Ist das die neue Radio­head?
Ja. Wie fin­dest Du Sie?
FRAN: Ich fin­de, dass Nigel God­rich wie üblich einen fan­tas­ti­schen Job gemacht hat. Sein Sound, sei­ne Pro­duk­ti­on ist fan­tas­tisch, ohne Nigel wür­de es Radio­head nicht geben. Aber ich sehe nicht den Sinn, Alben zu machen, die aus­ge­dehn­te Jams sind, über die er (Thom Yor­ke, Anm. d. R.) dann drü­ber­mur­melt. Es sol­le sich end­lich jemand ein Herz fas­sen und ihm sagen, bit­te schreib einen ver­damm­ten Song! Du bist näm­lich ein tol­ler Song­wri­ter. Und ein tol­ler Sän­ger. Aber das hier ist für mich ein­fach … (äfft Yor­kes lei­ern­den Gesang nach) „Woo­zy­woo­zi­woo …“ Fuck off! Ich hab’s satt.
Warst Du frü­her Fan?
FRAN: Ich war rie­si­ger Radio­head-Fan. Weil sie groß­ar­ti­ge Songs schrie­ben und er SANG. Heu­te ist es ihm offen­bar pein­lich, eine gute Melo­die zu schrei­ben. Er macht lie­ber die­se klei­nen Sound­col­la­gen. Den Leu­ten gefällt’s, klar, weil Radio­head zu mögen eine Life­style-Ent­schei­dung ist: „Ich mag Radio­head“, „Ich lese die­ses und jenes Maga­zin“, „Ich tra­ge die­se und jene Klei­dung“, „Ich bin die­se und jene Art Mensch“.
Wann ging die Ent­täu­schung los? Mit KID A?
FRAN: Nein, KID A war toll, damals. Aber dann fin­gen sie an, die­se glei­che Plat­te immer wie­der zu machen.

Hät­te von mir sein kön­nen …

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Unterwegs

Blogger auf dem Weihnachtsmarkt

Vor der inzwi­schen schon fast tra­di­tio­nel­len Bochu­mer pl0gbar am letz­ten Diens­tag woll­ten wir eigent­lich mit allen noch über den Weih­nachts­markt schlen­dern. Letzt­end­lich waren es dann Kath­rin, Jens und ich, die sich die Bret­ter­bu­den und den Glüh­wein ein­mal genau­er ansa­hen.

Was dabei her­aus­ge­kom­men ist, sehen Sie hier:

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[Direkt­link]

Und hier noch das pas­sen­de Max-Goldt-Zitat:

Wenn ich nur einen schlech­ten Rot­wein hät­te, eine Alko­hol­zu­fuhr aber für drin­gend sach­dien­lich hiel­te, wür­de ich den Wein so weit wie mög­lich run­ter­küh­len. Man weiß ja von Coca-Cola und man­chem Milch­spei­se­eis, daß ekli­ge Din­ge halb­wegs tole­ra­bel schme­cken, wenn man sie stark kühlt. Ich wür­de den schlech­ten Wein jeden­falls nicht zur dras­ti­sche­ren Offen­le­gung sei­ner min­de­ren Qua­li­tät auch noch erwär­men!

(Max Goldt – Vom Zau­ber des seit­lich dran Vor­bei­ge­hens, in: Vom Zau­ber des seit­lich dran Vor­bei­ge­hens)

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Politik

Niederrheinische Mengenleere

Wir müs­sen mal für einen kur­zen Moment so tun, als inter­es­sie­re uns die Lokal­po­li­tik in mei­ner frü­he­ren Hei­mat­stadt Dins­la­ken.

Nein, das ist Quatsch. Lokal­po­li­tik inter­es­siert schon in Dins­la­ken nie­man­den mehr, da ist sie hier eigent­lich völ­lig off topic. Ich wäre auch schlicht nicht in der Lage, die Vor­ge­schich­te zu rekon­stru­ie­ren, die zu dem Rats­bür­ger­ent­scheid führ­te, der die Stadt im Moment beschäf­tigt. Nie­mand in Dins­la­ken weiß noch so genau, wor­um es ging, was die Situa­ti­on so beson­ders mach­te, der sich die Wahl­be­rech­tig­ten am ver­gan­ge­nen Sonn­tag (bei strö­men­dem Regen und geöff­ne­ten Geschäf­ten in der Innen­stadt) aus­ge­setzt sahen. Aber wir haben es hier mit einem beein­dru­cken­den Bei­spiel von poli­ti­schem Selbst­ver­ständ­nis zu tun, das ich für all­ge­mein­gül­tig hal­te und Ihnen des­halb nicht vor­ent­hal­ten will.

Nun also doch ganz kurz zur Vor­ge­schich­te: Es geht grob dar­um, ob auf einem Park­platz am Ran­de der Innen­stadt 1 ein Ein­kaufs­zen­trum gebaut wer­den soll. Es ist hier völ­lig uner­heb­lich, wer das bau­en soll, wie das finan­ziert wird und was das alles mit dem MSV Duis­burg zu tun hat. 2 Alles, was Sie jetzt noch wis­sen müs­sen, ist: Die Stim­mung in der Stadt war sehr dage­gen, die Stim­mung in der gro­ßen Koali­ti­on im Rat war sehr dafür.

Ein Bür­ger­be­geh­ren, bei dem sich 6.000 Dins­la­ke­ner gegen die Bebau­ung aus­ge­spro­chen hat­ten, ver­hall­te aus for­ma­len Grün­den unge­hört, aber der Rat beschloss einen frei­wil­li­gen Bür­ger­ent­scheid, bei dem raus­kom­men soll­te, dass „die Dins­la­ke­ner eine Bebau­ung des Plat­zes nicht grund­sätz­lich ableh­nen“. Das ist unge­fähr so sinn­voll wie wenn Eltern zu ihren Kin­dern sagen wür­den: „Okay, wir sehen: Ihr mögt kei­nen Fisch. Ihr habt hier zwar nix zu sagen, aber wir sind mal so groß­zü­gig und räu­men Euch jetzt die Mög­lich­keit ein, uns zu zei­gen, dass Ihr Fisch nicht grund­sätz­lich ablehnt!“ 3

Nun mach­ten aber nur 17,9% der Kin­der von der Mög­lich­keit Gebrauch, sich zum Fisch zu äußern. Zwei Drit­tel davon waren gegen den Fisch bzw. die Bebau­ung, 6.399 Leu­te. Die Stadt­ver­wal­tung hat­te aber fest­ge­legt, dass min­des­tens 11.000 dage­gen sein müss­ten.

Ande­rer­seits waren ja von 55.644 Wahl­be­rech­tig­ten auch nur 3.546 für die Bebau­ung, was eher unso­li­de 6,37% sind. Der Rest zählt (und wir wis­sen, wie das mit schwei­gen­den Mas­sen ist) wohl als „nicht grund­sätz­lich dage­gen“.

Nun wür­de man als nor­ma­ler Mensch sagen: „For­ma­li­tä­ten hin und her: Nach allem, was uns an Zah­len vor­liegt, sind zwei Drit­tel der Leu­te dage­gen und gera­de mal sechs Pro­zent unse­rer Bür­ger ist das Bau­vor­ha­ben so wich­tig, dass sie dafür am Sonn­tag bei Regen ins Wahl­lo­kal trot­ten. Viel­leicht soll­ten wir also doch mal gucken, ob wir das nicht irgend­wie anders machen.“

Und jetzt wer­fen wir bit­te jeg­li­che Logik über Bord, hal­ten uns unbe­dingt noch mal die Zahl von 3.546 Befür­wor­tern vor Augen und zitie­ren die Bür­ger­meis­te­rin Sabi­ne Weiss:

„Es ist wich­tig, dass man sol­che Gren­zen [die 11.000 erfor­der­li­chen Stim­men] setzt, sonst lie­ße sich mit 6000 Stim­men ja die gro­ße Mehr­heit einer Stadt domi­nie­ren. Ich glau­be nicht, dass man sagen kann, dass die, die nicht abge­stimmt haben, gegen die Bebau­ung sind oder dass ihnen die Fra­ge egal ist.“

Bit­te bei­ßen Sie in Ihren eige­nen Schreib­tisch, mei­ner ist schon durch.

  1. „Rand“ heißt hier: fuß­läu­fig durch­aus zu errei­chen, aber durch Gebäu­de und Stra­ßen doch irgend­wie ziem­lich abge­trennt.[]
  2. In Dins­la­ken ist es natür­lich gar nicht uner­heb­lich, da ist es lang­wie­rig und trau­rig. Aber wie gesagt: zu kom­plex, als dass noch irgend­je­mand durch­bli­cken wür­de.[]
  3. Sie ver­ste­hen, war­um eine Kar­rie­re im poli­ti­schen Kaba­rett für mich nicht in Betracht kommt.[]
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Literatur Politik

Licht aus, Spott an

Wie kann man heut­zu­ta­ge in Deutsch­land eigent­lich noch wirk­lich pro­vo­zie­ren? In Zei­ten, in denen schon jeder und alles mit irgend­wel­chen Nazi-Sachen ver­gli­chen wur­de, muss man sich was neu­es ein­fal­len las­sen: den Kohl-Ver­gleich.

Erfun­den hat ihn Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­dent Wolf­gang Thier­se in der „Leip­zi­ger Volks­zei­tung“. Zumin­dest zitiert die­se ihn wie folgt:

Mün­te­fe­ring geht, weil ihm Pri­va­tes in einer ent­schei­den­den Lebens­pha­se wich­ti­ger als alles ande­re ist. Ein Ein­schnitt?

Es ist eine unpo­li­ti­sche Ent­schei­dung, dass Franz Mün­te­fe­ring sei­ne Frau in der letz­ten Pha­se ihres Lebens direkt beglei­ten will. Sei­ne Frau im Dun­keln in Lud­wigs­ha­fen sit­zen zu las­sen, wie es Hel­mut Kohl gemacht hat, ist kein Ide­al. Ohne dass das ver­gleich­bar wäre. Die Poli­tik ist nicht das Aller­wich­tigs­te. Man soll­te sich in sol­chen Pha­sen das Recht neh­men, auch ein­mal still zu hal­ten. Es ist nicht so, dass man ein Schwäch­ling ist, wenn man nicht immer sofort in die­sen unmensch­li­chen Ent­schei­dungs­druck ver­fällt.

Zitat: lvz-online.de

Zur Erin­ne­rung: Han­ne­lo­re Kohl, die Frau von Ex-Bun­des­kanz­ler Hel­mut Kohl, litt schon wäh­rend des­sen Amts­zeit an einer schwe­ren Licht­all­er­gie, die sie zuletzt dazu zwang, in einem völ­lig abge­dun­kel­ten Haus zu leben, und nahm sich im Juli 2001 das Leben (vgl. dazu auch die­ses geschmack­vol­le „Spiegel“-Titelbild).

So, wie Thier­se von der „Leip­zi­ger Volks­zei­tung“ zitiert wird, wäre das natür­lich eine etwas unglück­li­che, viel­leicht auch schlicht­weg geschmack­lo­se Äuße­rung. Thier­se sah sei­ne Aus­füh­run­gen zunächst ein­mal als „falsch und ver­kürzt“ wie­der­ge­ge­ben und schrieb dem Alt­kanz­ler einen per­sön­li­chen Brief, in dem er bedau­er­te, dass „ein fal­scher Ein­druck ent­stan­den sei“. (Man beach­te dabei den alten PR-Trick und bedaue­re nicht sei­ne Äuße­run­gen, son­dern den Ein­druck, der durch sie ent­stan­den sein könn­te.)

Unter­des­sen schrien Poli­ti­ker aller Par­tei­en schon Zeter und Mor­dio und ver­such­ten, die Num­mer zu einem Rie­sen­skan­dal hoch­zu­ju­beln, in des­sen Wind­schat­ten die heu­ti­ge Diä­ten­er­hö­hung medi­al unter­ge­hen könn­te.

Wer ver­ste­hen will, wie Poli­tik und Medi­en heut­zu­ta­ge funk­tio­nie­ren, muss nur die­sen Arti­kel bei n‑tv.de lesen:

„Die Äuße­run­gen von Herrn Thier­se sind für mich mensch­lich zutiefst unver­ständ­lich. Sie gren­zen für mich an Nie­der­tracht“, sag­te Mer­kel der „Bild“.

[…]

Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) sprach von einem „Tief­punkt im Umgang“ unter Kol­le­gen. CSU-Lan­des­grup­pen­chef Peter Ram­sau­er sag­te, ein Bedau­ern rei­che „hin­ten und vor­ne nicht“. „Das ist des Deut­schen Bun­des­tags nicht wür­dig. FDP-Chef Gui­do Wes­ter­wel­le hat recht, wenn er sagt, er kann sich durch einen sol­chen Vize­prä­si­den­ten nicht reprä­sen­tiert füh­len.“ Wes­ter­wel­le sprach im „Köl­ner Stadt-Anzei­ger“ von „unter­ir­di­schen“ Äuße­run­gen.

Sie sehen schon: Die reden alle über­ein­an­der und mit der Pres­se, aber in kei­nem Fall mit­ein­an­der – und das Volk sitzt dane­ben wie das Kind geschie­de­ner Eltern, die nur noch über ihre Anwäl­te mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren.

Im „Bild“-Artikel kom­men noch ein paar wei­te­re Hoch­ka­rä­ter zu Wort:

Hes­sens Minis­ter­prä­si­dent Roland Koch (CDU) empört: „Schä­big und geschmack­los!“ Jun­ge-Uni­on-Chef Phil­ipp Miß­fel­der: „Par­tei­chef Kurt Beck muss Thier­se sofort zur Ord­nung rufen.“

Und weil die Luft lang­sam dünn wur­de, schal­te­te Thier­se einen Gang höher und ent­schul­dig­te sich heu­te mor­gen per Brief „in aller Form“ bei Hel­mut Kohl. Rich­ti­ger noch: Er bat um Ent­schul­di­gung, was ja heut­zu­ta­ge auch eine sprach­li­che Sel­ten­heit ist.

Wie reagiert eigent­lich Kohl auf den Brief sei­nes alten Freun­des und das gan­ze Thea­ter drum her­um? Mit der ihm übli­chen staats­män­ni­schen Grö­ße und Gelas­sen­heit:

„Ich neh­me die­se Ent­schul­di­gung an. Zum Vor­gang selbst will ich sonst nichts sagen.“

Ich weiß schon, war­um der Mann auf ewig „mein“ Kanz­ler blei­ben wird.

Nach­trag 17. Novem­ber: Gera­de erst fest­ge­stellt, dass die­se ers­te öffent­li­che Erwäh­nung des Namens Hel­mut Kohl seit Mona­ten zufäl­li­ger­wei­se mit der Prä­sen­ta­ti­on des drit­ten Bands von Kohls Auto­bio­gra­fie zusam­men­fiel …