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Musik

Die Kilians-Festspiele 2009 sind eröffnet

Kilians beim Haldern Pop 2008.

Das groß­ar­tigs­te Urteil, das ich je über die Kili­ans gehört oder gele­sen habe, ist die­ses hier:

Das ist die lang­wei­ligs­te auf­ge­setz­te Lan­ge­wei­le die ich seit lan­gem gese­hen UND gehört habe.

Immer­hin passt das Video in sei­ner auf­ge­styl­ten rough­ness, die die ange­schraub­te Weh­mut die­ser jam­mer­lap­pi­gen Luschen unter­streicht zur Seie­rig­keit des Songs.
Trotz­dem: Why?
Nie­mand wird gezwun­gen, Musik zu machen und es gibt vie­le Wege, die schmerz­haf­te Abwe­sen­heit von Per­sön­lich­keit, Cha­ris­ma und Talent zu kom­pen­sie­ren.
Macht doch was mit Holz oder im sozia­len Bereich oder betrinkt euch. Habt Sex, bloggt, wech­selt mal den Stadt­be­zirk oder den Arzt oder, der Song­ti­tel legt es nah: geht nach Hau­se!

Die­se Wor­te ent­stam­men einem Kom­men­tar von Tan­ja Haeus­ler bei Spree­blick und obwohl ich mich ihr natür­lich nicht anschlie­ßen kann, fin­de ich die­sen klei­nen Aus­bruch sehr sym­pa­thisch. Allein schon, weil Tan­ja die Band offen­bar ein­fach so doof fand und sie nicht den Umweg über Dins­la­ken, Thees Uhl­mann oder die Strokes gehen muss­te.

Ich kann mich in kei­ner Wei­se objek­tiv über die Kili­ans äußern: Ich ver­eh­re die Band län­ger, als ich mit ihren Mit­glie­dern befreun­det bin, ich war schon mal mit auf Tour und ich habe dar­über­hin­aus auch noch die Band­in­fo zum neu­en Album geschrie­ben. (Es ist übri­gens eine sehr inter­es­san­te Erfah­rung, eige­ne For­mu­lie­run­gen plötz­lich in den Mel­dun­gen irgend­wel­cher Musik­ma­ga­zi­ne zu lesen.)

Ges­tern Vor­mit­tag habe ich die neue Sin­gle „Said And Done“ zum ers­ten Mal im Radio gehört (natür­lich auf CT das radio), ges­tern Nach­mit­tag war dann Video­pre­mie­re (sowas fin­det mitt­ler­wei­le im Inter­net statt) und jetzt ist das Video auch schon offi­zi­ell bei You­Tube online:

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Ja, das ist durch­aus pop­pi­ger gewor­den. Klingt wie die klei­ne, nied­li­che Schwes­ter von „When Will I Ever Get Home“. Mich erin­nert der Song auch ein wenig an die Shout Out Louds, Star­sail­or und Fee­der. Auch das Video ist noch eine Spur opu­len­ter aus­ge­fal­len als die bis­he­ri­gen – Occi­dent-Bas­sist Ben­ja­min Klimc­zak fühl­te sich glatt an den Clip zu „Novem­ber Rain“ erin­nert, was mich aller­dings ein biss­chen rat­los zurück­lässt.

Ver­su­chen wir es trotz­dem für einen Moment mit der Objek­ti­vi­tät: Ja, das ist ein tol­ler Song, der auch bei jeder ande­ren Band toll gewe­sen wäre. Und nach allem, was ich bis­her vom neu­en Album gehört habe (natür­lich unter den übli­chen Sicher­heits­vor­keh­run­gen und Straf­an­dro­hun­gen), bin ich mir sicher: da wird auch eini­ges gehen.

Charts? War­um nicht? Am 27. März erscheint die Sin­gle, am 3. April das Album „They Are Cal­ling Your Name“.

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Musik

Kinder, die Charts sind gar nicht so schlimm!

Vor genau einem Jahr hat­te das taz-Pop­b­log über die „schlech­tes­ten Charts aller Zei­ten“ berich­tet – und für­wahr: mit Schnuf­fel auf 1, 3 mal DJ Ötzi und 2 mal De Höh­ner in den Top 20 klang das tat­säch­lich eher nach der irren Phan­ta­sie eines akus­ti­schen Sadis­ten als nach irgend­was, was ent­fernt mit Musik zu tun gehabt hät­te.

Neu­lich stieß ich dann ver­se­hent­lich beim Zap­pen auf eine Viva-Sen­dung, in der fünf okay bis groß­ar­ti­ge Songs hin­ter­ein­an­der lie­fen: „Human“ von den Kil­lers, „Allein allein“ von Polar­kreis 18, „Hot N Cold“ von Katy Per­ry, „Dance With Some­bo­dy“ von Man­do Diao und „Bro­ken Strings“ von James Mor­ri­son und Nel­ly Fur­ta­do. Wie sich her­aus­stell­te, hat­te ich gera­de die Top 5 der deut­schen Sin­gle­charts gese­hen.

Die deutschen Single- und Albumcharts.

Dass all das, was mal „Indie“ war, inzwi­schen Main­stream ist, wis­sen wir spä­tes­tens seit Cold­play, My Che­mi­cal Romance und Franz Fer­di­nand. Trotz­dem war ich hoch­gra­dig über­rascht, als im ver­gan­ge­nen Herbst „Allein allein“ über Wochen Platz 1 der deut­schen Charts blo­ckier­te. Gewiss: Der Mar­ke­ting­auf­wand (Trai­ler­mu­sik für das „TV Total Turm­sprin­gen“ und „Kra­bat“, mas­si­ver Air­play bei MTVi­va) war hoch gewe­sen, hat­te sich aber offen­bar aus­ge­zahlt und aus dem eins­ti­gen Indie-Geheim­tipp Polar­kreis 18 qua­si über Nacht eine gro­ße Num­mer gemacht, die beim „Bun­des­vi­si­on Song Con­test“ prompt Platz 2 hin­ter dem unein­hol­ba­ren Peter Fox beleg­te. 1

Man­do Diao schlu­gen mit „Dance With Some­bo­dy“ auf Platz 3 der deut­schen Sin­gle­charts ein und gin­gen dann auf 2, wo sie sich seit fünf Wochen hal­ten, wäh­rend ihr Album „Give Me Fire“ wie selbst­ver­ständ­lich auf Platz 1 lan­de­te. Zwar wer­den sie ver­mut­lich nächs­te Woche von U2 ver­drängt wer­den, aber mit Peter Fox, Bruce Springsteen und Mor­ris­sey sieht es auf den fol­gen­den Rän­gen auch gar nicht so schlecht aus. Lily Allen steht plötz­lich in den deut­schen Top 20, die Kil­lers schaff­ten es mit „Day & Age“ auf Platz 8 – und lagen damit zwei Plät­ze hin­ter der bes­ten Plat­zie­rung von „Sam’s Town“.

Völ­lig gro­tesk wird es, wenn man sich das Track­lis­ting der aktu­el­len „Bra­vo Hits“ 2 ansieht: Man­do Diao, The Kil­lers, Razor­light, Snow Pat­rol, Cold­play, Franz Fer­di­nand, Kings Of Leon, MGMT, Deich­kind, Ingrid Micha­el­son und Peter Fox tum­meln sich da zwi­schen Queens­ber­ry, Brit­ney Spears, The Ras­mus und Sido. 3

Hat die Jugend plötz­lich Musik­ge­schmack 4 oder ist irgend­was ande­res pas­siert?

Ver­mut­lich han­delt es sich um eine Mischung aus Bei­dem: Wäh­rend sich Tei­le der Jugend Songs ent­we­der an den Zähl­wer­ken von Media Con­trol vor­bei beschafft oder als Klin­gel­ton kauft, 5 kau­fen ein ande­rer Teil und vie­le älte­re Men­schen – wobei ich in die­sem Fall schon zu den „Älte­ren“ gehö­re – plötz­lich Man­do-Diao-Sin­gles bei iTu­nes und ver­schafft den Schwe­den somit mal eben einen Platz knapp hin­ter der Chart­spit­ze.

Treue Fans kau­fen nach wie vor die Alben ihrer Lieb­lings­bands (wes­we­gen Tom­te in der ers­ten Woche auf Platz 9 der Album­charts knal­len), Musik­fern­se­hen gibt es in Deutsch­land ja eh kei­nes mehr, die Haupt­ver­brei­tungs­ka­nä­le für neue Musik hei­ßen You­Tube und MySpace, zahl­rei­che eher alter­na­ti­ve Acts lau­fen im Radio rauf und run­ter, und so kommt eines zum Ande­ren und am Ende sehen die Charts eben aus, als habe jemand den Indie-Bal­ler­mann über den Top 10 aus­ge­gos­sen.

Wobei wir uns da nicht ver­tun soll­ten: Man­do Diao erschie­nen schon immer bei einem Major (frü­her EMI, jetzt Uni­ver­sal), Lily Allen hat­te schon bei einer EMI-Toch­ter unter­schrie­ben, als ihr MySpace-Hype los­ging, und von den „ech­ten“ Indie-Acts ver­kau­fen nicht mal gro­ße Namen wie …And You Will Know Us By The Trail Of Dead in Deutsch­land viel mehr als 10.000 Exem­pla­re. Das mit der Nach­wuchs­för­de­rung ist hier­zu­lan­de nach wie vor Glücks­sa­che und leben kön­nen die aller­we­nigs­ten Musi­ker von ihrer Musik allein.

Aber für den Moment kön­nen wir uns ja ein­fach mal freu­en, wenn die Charts mal nicht die schlech­tes­ten aller Zei­ten sind.

  1. Wenn ich bei den Recher­chen nichts über­se­hen habe, war „Allein allein“ übri­gens der ers­te Num­mer-Eins-Hit einer deut­schen, aber eng­lisch­spra­chi­gen Band seit „Wind Of Chan­ge“ 1991 „Lemon Tree“ 1996 – trotz sei­nes deut­schen Titels.[]
  2. Num­mer 64, that is.[]
  3. Wun­dern Sie sich aber nicht zu stark: auf „Bra­vo Hits 52“ waren Tom­te und Wir Sind Hel­den ver­tre­ten.[]
  4. Also das, was wir als arro­gan­te Musik­snobs mit „Musik­ge­schmack“ gleich­set­zen: unse­ren.[]
  5. Bit­te wer­fen Sie einen Blick in die Klin­gel­ton­charts, um rasch auf den har­ten Boden der Tat­sa­chen zurück­zu­keh­ren![]
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Gesellschaft

Haben Sie das auch in braun?

Über den gan­zen Oba­ma-Wahn hät­te ich fast ver­ges­sen, dass wir in die­sem Blog ja noch eine ganz ande­re Lis­te am Lau­fen hat­ten: die der Nazi-Ver­glei­che.

Und weil in der Katho­li­schen Kir­che das The­ma Holo­caust grad so herz­lich ver­han­delt wird, dass ein wei­te­rer faux­pas in die­ser Rich­tung kaum auf­fal­len dürf­te, hat sich der Augs­bur­ger Bischof Wal­ter Mixa (den wir lus­ti­ger­wei­se schon mal in die­ser Rubrik begrü­ßen durf­ten) halt ein biss­chen aus dem Fens­ter gelehnt und gesagt, dass ja inzwi­schen wohl mehr Kin­der abge­trie­ben wor­den als Juden ver­gast wor­den sei­en. (Natür­lich hat er das hin­ter­her ganz anders gemeint: Die „Nen­nung der unter­schied­li­chen Zah­len in ver­schie­de­nen Sach­zu­sam­men­hän­gen“ sei „kei­ne Rela­ti­vie­rung des Holo­causts“, wie ein Bis­tums­spre­cher erklär­te.)

Ja, hui – und seit Erfin­dung des Rades dürf­te die Zahl der Ver­kehrs­to­ten welt­weit auch bei über sechs Mil­lio­nen lie­gen. Und?

Viel­leicht schie­be ich mein Buch­pro­jekt „Schlim­mer als Hit­ler­krebs“ erst­mal auf die lan­ge Bank und bie­te Rhe­to­rik­se­mi­na­re für katho­li­sche Wür­den­trä­ger an. Das scheint ein ech­ter Wachs­tums­markt zu sein.

[Mit Dank an Felix D. für den Hin­weis]

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Unterwegs

Oslog (7)

Kom­men wir nun zu einem abschlie­ßen­den Nach­klapp zum by:Larm-Festival und dem damit ver­bun­de­nen Oslo-Trip:

How to look at by:Larm (Montage: Lukas Heinser)

Eigent­lich hät­te ich so durch die Gegend lau­fen müs­sen, denn gro­tes­ke Napo­le­on-Dyna­mi­te-Bril­len und Iro­nie-Schnauz­bär­te schei­nen im Moment der Ren­ner unter den Musik-nahen Skan­di­na­vi­ern zu sein. Ansons­ten mach­ten die­se aber einen ganz nor­ma­len und höf­li­chen Ein­druck.

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Print

Versackzentrum

Beim gro­ßen Dins­la­ke­ner Kar­ne­vals-Über­schrif­ten-Wett­be­werb war die „Rhei­ni­sche Post“ bekannt­lich vor­ges­tern in Füh­rung gegan­gen.

Das konn­te die „Neue Rhein Zei­tung“ natür­lich nicht auf sich sit­zen las­sen und leg­te heu­te nach:

Architektur: In der Altstadt versackt. NRZ, Niederrhein, 25.02.2009, Andreas Gebbink

Aber auch hier gilt wie­der: Alles ganz anders gemeint.

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Musik

Ein Kessel Buntes

Mal ein kur­zes Update, was mei­ne Lieb­lings­künst­ler eigent­lich so im Moment machen:

Star­sail­or ver­öf­fent­li­chen am 9. März ihr vier­tes Album „All The Plans“, die Vor­ab­sin­gle „Tell Me It’s Not Over“ ist bereits eine Woche frü­her erhält­lich.

Beson­ders cra­zy: Bran­don Flowers von den Kil­lers hat einen „Remix“ des Songs ange­fer­tigt (er hat ein biss­chen Hall und Effek­te in den Hin­ter­grund gemischt und beim Refrain mit­ge­sun­gen), der bereits jetzt ver­füg­bar ist – und zwar kos­ten­los.

[via visions.de]

***

Sin­gle-Down­loads haben ja schon vie­le Bands und Künst­ler ver­schenkt, aber nur weni­ge so schlicht wie Phoe­nix: Bit­te ein­mal auf die Web­site gehen, die Ani­ma­ti­on laden las­sen und „1901“ her­un­ter­la­den. Ganz ohne Regis­trie­rung, E‑Mail-Adres­se oder Fin­ger­ab­druck.

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Tom­te

haben „Wie sieht’s aus in Ham­burg?“ als drit­te Sin­gle aus ihrem Album „Heu­re­ka“ aus­ge­kop­pelt und mit einem Video ver­se­hen:

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TOMTE – Wie siehts aus in Ham­burg from Kay Otto on Vimeo.

[via Tom­te Blog]

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Ein Video gibt’s auch zu „Love Etc.“, der neu­en und lei­der nicht sehr guten Sin­gle der Pet Shop Boys:

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Bereits vor zwei Wochen hat­te EMI den Song bei You­Tube ein­ge­stellt – und weil es damals noch kein Video gab, lief zur Musik eben eine schlich­te Ani­ma­ti­on des Album­art­works. Falls noch jemand Fra­gen hat­te, was die wich­tigs­te Anlauf­sta­ti­on zum Musik­hö­ren ist …

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Musik Film

Nimm mein Mixtape, Babe

Die Neun­zi­ger sind ein trau­ri­ges Jahr­zehnt, denn sie muss­ten ohne die ganz gro­ßen, prä­gen­den Teen­ager-Fil­me aus­kom­men. Allen­falls „Ame­ri­can Pie“ (von 1999) hat­te einen ver­gleich­ba­ren Ein­fluss auf die Pop­kul­tur wie „Say Any­thing“, „Fer­ris Bueller’s Day Off“, „Fast Times At Rid­ge­mont High“ oder „Six­teen Cand­les“. Vor allem hat­ten die Neun­zi­ger kei­nen John Cusack.

Oh, glück­li­che Nuller, denn die haben Micha­el Cera, der in „Super­bad“ schon von erstaun­li­cher Lloyd-Dobler-Haf­tig­keit war, der in „Juno“ die Rol­le des lie­bens­wer­ten, höf­li­chen Jun­gen ohne Eigen­schaf­ten erneut spiel­te und jetzt mit gera­de mal 20 schon sein „High Fidelity“-Pendant dre­hen durf­te: „Nick and Norah’s Infi­ni­te Play­list“.

Nick ist ein Schü­ler, der nicht über die Tren­nung von sei­ner Freun­din Tris hin­weg­kommt, ihre Mail­box voll­quas­selt und ihr unab­läs­sig Mix-CDs brennt. 1 Die CDs, die Tris weg­wirft, sam­melt Norah (Kat Den­nings) ein und ver­liebt sich über die Musik in den ihr unbe­kann­ten Absen­der. Dann tref­fen sich die Bei­den erst­mals in der Rea­li­tät, mögen sich nicht, stol­pern durch eine chao­ti­sche Nacht und Rich­tung Hap­py End.

Ich weiß nicht, wann ich das letz­te Mal das Gefühl hat­te, dass bei einem Film von der Atmo­sphä­re über die Dar­stel­ler bis zur Musik alles stimmt, aber das Dreh­buch lei­der völ­li­ger Quark ist. Viel­leicht bei Came­ron Cro­wes „Eliza­beth­town“ und ein biss­chen bei „Gar­den Sta­te“. 2 Man kann im Sin­ne der Dreh­buch­au­to­ren eigent­lich nur hof­fen, dass da ein Zwei­stün­der ganz bru­tal auf 89 Minu­ten zusam­men­ge­kürzt wur­de, denn vie­les passt nicht so recht zusam­men und gera­de das Ver­hal­ten der bei­den Haupt­per­so­nen wirkt oft völ­lig unmo­ti­viert.

„Nick and Norah’s Infi­ni­te Play­list“ 3 ist trotz­dem ein wun­der­ba­rer Film – und das liegt an allem, was nicht Dreh­buch ist. 4 Für einen Musik­lieb­ha­ber 5 sind der Film und sein Sound­track 6 wie ein Besuch bei Freun­den: Vie­le kennt man schon und die ande­ren sind auch nett. Bishop Allen tre­ten live auf und Deven­dra Ban­hart latscht als Super­markt-Kun­de durchs Bild, dazu kom­men Songs von unter ande­rem Vam­pi­re Weekend, The Dead 60s, We Are Sci­en­tists, Shout Out Louds, Band Of Hor­ses und Rogue Wave.

Die Schau­spie­ler spie­len ihre Cha­rak­te­re auf eine für einen Tee­nie-Film über­ra­schend zurück­hal­ten­de und damit sehr ange­neh­me Art. New York zeigt sich abseits der 5th-Ave­nue-Kli­schees von sei­ner sym­pa­thischs­ten Sei­te. Und hat­te ich erwähnt, wie groß­ar­tig die gan­ze Atmo­sphä­re ist?

Und so kommt es, dass ich ein paar Stun­den nach dem Kino­be­such ((Und beim Hören des Sound­tracks, den iTu­nes freund­li­cher­wei­se auch nach Laden­schluss noch vor­rä­tig hat­te.) mit woh­li­ger Erin­ne­rung an einen Film zurück­den­ke, wäh­rend des­sen Sich­tung ich fast die Lein­wand ange­schrien hät­te, um die Autoren zu ver­flu­chen.

Bil­ly Wil­der hat ein­mal gesagt, für einen guten Film brau­che man drei Din­ge: 1. Ein gutes Dreh­buch, 2. Ein gutes Dreh­buch und 3. Ein gutes Dreh­buch. Ich wür­de dem Meis­ter nie wider­spre­chen, aber viel­leicht ist „Nick and Norah’s Infi­ni­te Play­list“ ja ein­fach die Aus­nah­me, die die Regel bestä­tigt.

Trai­ler
Offi­zi­el­le Web­site
IMDb

  1. Ein bizar­rer Ana­chro­nis­mus – sowohl Mix­tapes als auch MP3-Lis­ten wür­de man ver­ste­hen, aber CDs?![]
  2. Des­sen Dreh­buch aller­dings nicht völ­li­ger Quark, son­dern nur ein biss­chen unstruk­tu­riert war.[]
  3. Oder „Nick und Norah – Sound­track einer Nacht“, wie der eher so mit­tel­gu­te deut­sche Titel lau­tet.[]
  4. Das Dreh­buch hat übri­gens auch ein paar hüb­sche Ein­fäl­le an den Rän­dern, aber die zen­tra­le Hand­lung ist halt völ­lig ver­un­glückt.[]
  5. Oder auch Musik­nerd.[]
  6. Im Abspann wer­den 37 Songs auf­ge­führt, nur ein paar weni­ger als bei „High Fide­li­ty“ und „Almost Famous“.[]
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Leben Gesellschaft

„Die glauben, sie wären sonstwer“

Das Zwei­te, was wir nach unse­rer Rück­kehr aus Oslo erleb­ten, war ein Zusam­men­stoß mit einer Zug­be­glei­te­rin der Deut­schen Bahn, die uns auf sehr unfreund­li­che Wei­se mit­teil­te, dass es eine schlech­te Idee gewe­sen sein, unser Gepäck auf der ein­zi­gen hori­zon­ta­len Flä­che im Zug abzu­stel­len, die nicht von Alko­hol oder Erbro­che­nem kon­ta­mi­niert war. (Das ers­te waren betrun­ke­ne Men­schen unter 18 und weit über 50.) „Will­kom­men zuhau­se“, dach­ten (und sag­ten) wir.

Ande­rer­seits habe ich heu­te in der U35 in Bochum ein Gespräch mit­an­hö­ren müs­sen, das mir nur all­zu tie­fes Ver­ständ­nis für Gereizt­heit und Ent­nervt­heit von Zug­be­glei­tern ein­ge­prü­gelt hat. Eine durch Tabak­kon­sum und Sola­ri­ums­be­su­che ent­stell­te Frau hat es mit dem Kon­trol­leur im Zug und einer mir unbe­kann­ten Per­son am Mobil­te­le­fon geführt und es folgt ein Gedächt­nis­pro­to­koll:

Frau: (ins Tele­fon) Ach, da ist wie­der der Kon­trol­leur, weiß­te? Der will bestimmt gleich wie­der das Ticket so genau begu­cken, macht der doch jedes Mal. Je, der, weiß­te?
Kon­trol­leur: Guten Tag, die Fahr­aus­wei­se bit­te!
F: Sie neh­men das ja schon wie­der aus­ein­an­der! Lang­sam müss­ten Sie das doch mal wis­sen oder sind Sie so schwer von Begriff?
K: Wis­sen Sie, wie vie­le Leu­te ich jeden Tag kon­trol­lie­re?
F: Ja, aber Sie haben mich schon tau­send­mal kon­trol­liert. In der 306!
K: Ich ken­ne Sie doch gar nicht!
F: In der 306!
K: Das ist mei­ne Auf­ga­be …
F: Ja, aber das ist auch mein Ticket! Ich kann bestim­men, was mit mei­nem Ticket pas­siert!
K: Ich muss kon­trol­lie­ren, ob …
F: Ja, aber das sieht man doch!
K: Das Ticket ist total ver­wa­schen, ich kann da nicht sehen, ob …
F: Also ich kann das sehen!
K: Ja, aber ich nicht.
F: Dann, dann, dann soll­ten Sie viel­leicht mal zum Opti­ker gehen! (ins Tele­fon) Ja, wie­der der. Weiß­te, der hat mich schon tau­send­mal kon­trol­liert. Wars­te ja dabei. Ja. Schlimm. Die glau­ben immer, sie wären sonst­wer. Ja. Bil­den sich ein, sie könn­ten sich alles erlau­ben. Schlimm, ganz schlimm. Der muss doch inzwi­schen wis­sen … Ja, in der 306. Ja, schlimm. Weiß­te, die neh­men den Deut­schen die gan­zen Arbeits­plät­ze weg und dann glau­ben­se. Ja. Du, ich muss Schluss machen, ich muss jetzt erst mal aus­stei­gen. Ich ruf spä­ter … (steigt aus) Ja, aber ich muss jetzt erst mal aus­stei­gen, ich ruf dann spä­ter wie­der an …

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Musik Unterwegs

Oslog (6)

Gut, dass ich mei­nen Nach­be­richt zum by:Larm noch nicht ange­fan­gen hat­te, denn Seth Werk­hei­ser, mit dem ich wäh­rend der Kon­fe­renz ein paar mal get­wit­tert habe und an dem ich dann doch immer vor­bei­ge­lau­fen bin, hat für Buzzg­rin­der sehr schön zusam­men­ge­fasst, was dort alles pas­siert ist.

Besucher des by:Larm in Oslo

Na gut, ein paar Sachen will ich dann doch noch etwas aus­füh­ren: Der dort bereits erwähn­te Vor­trag „Things I Have Lear­ned In My Life So Far“ des Gra­fik­de­si­gners Ste­fan Sag­meis­ter war wirk­lich groß­ar­tig und … ja, doch: inspi­rie­rend. Das dazu­ge­hö­ri­ge Buch sei hier unbe­se­hen emp­foh­len.

Eben­falls sehr erhel­lend (und gleich­zei­tig unend­lich depri­mie­rend) war das Panel, auf dem Fes­ti­val-Orga­ni­sa­to­ren aus Schott­land erklär­ten, wie sie ihre Städ­te (teil­wei­se gemein­sam) über die dor­ti­ge Kul­tur ver­mark­ten. Das Depri­mie­ren­de dar­an war jeder ein­zel­ne Gedan­ke, der mich von Schott­land weg und in mei­ne Hei­mat­re­gi­on Ruhr­ge­biet führ­te, wo jede Stadt mit viel Lust ver­sucht, sich von ihren Nach­bar­städ­ten abzu­gren­zen – anstatt end­lich zu erken­nen, dass wir hier in einer der größ­ten Metro­po­len Euro­pas leben. Leben könn­ten, wenn wir nur alle woll­ten.

Konzertbesucher beim by:Larm

Über­haupt lau­te­te eine der zen­tra­len Erkennt­nis­se: Deutsch­land ist ein durch sei­ne Durch­bü­ro­kra­ti­sie­rung weit­ge­hend ent­kul­tu­ra­li­sier­tes Land. Wenn man hört, wie gut die Kul­tur­för­de­rung (die expli­zit Rock­mu­sik mit ein­be­zieht) in Skan­di­na­vi­en orga­ni­siert ist, kön­nen einem nur die Trä­nen kom­men. Ein Fes­ti­val wie das by:Larm wäre hier­zu­lan­de ver­mut­lich undenk­bar, auch wenn ich mir fast sicher bin, dass man in Deutsch­land (oder auch ger­ne im deutsch­spra­chi­gen Raum) genug gute Künst­ler zusam­men­trom­meln könn­te. Und selbst, wenn es ein Jahr funk­tio­nier­te und Musik­in­dus­trie, Regie­rung, Künst­ler und Spon­so­ren gemein­sam etwas auf die Bei­ne stell­ten: Danach wür­den sich wie­der alle hoff­nungs­los zer­strei­ten und dann käme Die­ter Gor­ny vor­bei, um nach dem Musik­fern­se­hen, der Pop­komm und dem Ruhr­ge­biet das nächs­te gro­ße Ding zu rui­nie­ren.

Was es mit dem Oslo-Trip auf sich hat­te, steht hier.

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Das Trinkfest

Ich muss ja zuge­ben: Für einen Moment dach­te ich: „Da hat die ‚Rhei­ni­sche Post‘ aber mal ein schö­nes Syn­onym für ‚Kar­ne­val‘ gefun­den!“

Dinslaken: Aktionswoche Alkohol

Es ging dann aber doch um ganz was ande­res

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Musik Unterwegs

Oslog (5)

Ich bin wie­der zuhau­se. Ges­tern hat­te unse­re klei­ne deut­sche Rei­se­grup­pe noch einen schö­nen Spa­zier­gang am Oslo­er Hafen ent­lang und hoch zum Königs­schloss unter­nom­men (Fotos fol­gen viel­leicht), dann ging es mit dem Flie­ger zurück in hei­mi­sche Gefil­de, die uns beson­ders herz­lich, also in Form von Nie­sel­re­gen und betrun­ke­nen Kin­dern, begrüß­ten.

Oslo bei Nacht

Die Rei­se­ta­sche ist aus­ge­packt, auf mei­nem Schreib­tisch sta­peln sich die neu­en CDs, aber als ers­tes ist es an der Zeit, die Bands vom Sams­tag­abend noch zu wür­di­gen:

Simon Says No (Foto: Lukas Heinser)

Simon Says No
Nach all den ver­track­ten, ver­spiel­ten, sonst­wo beein­fluss­ten Bands tat es gut, end­lich mal wie­der eine zu hören, die ein­fach nur gera­de nach vor­ne rock­ten: Simon Says No erin­ner­ten an die frü­hen Radio­head, die frü­hen R.E.M., Dino­saur Jr. und Edi­tors. Lei­der hielt sich mei­ne Begeis­te­rung nicht sehr lan­ge, denn unge­fähr nach drei Songs wur­de das Gan­ze ein biss­chen span­nungs­arm. Ob die Leu­te, die den Club im Dut­zend ver­lie­ßen, ähn­lich dach­ten oder nur drin­gend zu einem ande­ren Kon­zert woll­ten, weiß ich lei­der nicht.

Fennesz/Food

Fennesz/​Food
Der öster­rei­chi­sche Saxo­pho­nist Chris­ti­an Fen­nesz spiel­te gemein­sam mit dem nor­we­gi­schen Duo Food, das aus einem Schlag­zeu­ger und einem DJ besteht. (Nach­trag: Wer da gespielt hat, steht hier.) Und sie spiel­ten eine hal­be Stun­de ohne Unter­bre­chung eine ein­zi­ge lan­ge Impro­vi­sa­ti­on, die nur noch wenig mit Pop zu tun hat­te, dafür viel mit Jazz und Düs­ter­nis. Das klang schon mal nach David-Lynch-Fil­men und nach schwe­ren Migrä­ne-Atta­cken, war aber durch­aus sehens­wert. Zum Schluss stei­ger­te sich die Musik wie erwar­tet in ein unglaub­li­ches Lärm­ge­wit­ter, aber das war nach den über­wie­gend sehr zugäng­li­chen Sachen auch mal toll.

The Whitest Boy Alive

The Whitest Boy Ali­ve
Ich hat­te ja schon mal erwähnt, dass Erlend Øye Mas­kott­chen und Star des by:Larm in Per­so­nal­uni­on war, nun durf­te er auch mit sei­ner Band Head­li­ner sein. Dance Music in Band­be­set­zung und über Tau­send Nor­we­ger tanz­ten undw wipp­ten und rie­fen am Schluss auf Deutsch „Kal­te Füße!“ (aber das ist eine lan­ge Geschich­te). Øyes Son­der­rol­le wur­de dadurch deut­lich, dass die Band nicht nur sie­ben Minu­ten über­zog, son­dern auch ein­fach noch eine Zuga­be spiel­te. Aber das ging völ­lig in Ord­nung.

Lind­strøm
Ich habe immer so mei­ne Schwie­rig­kei­ten, wenn es um Live-Auf­trit­te von Elek­tro­künst­lern geht. Es ist halt nicht soooo span­nend, einem Mann zuzu­se­hen, der hin­ter einem Misch­pult und einem Mac­Book steht. Die Musik war dafür durch­aus schön und an der Gren­ze zwi­schen tanz­bar und chil­lig. (Refe­renz­grö­ßen hier: die ers­te Röyk­s­opp, die letz­te Under­world.)

WhoMadeWho

Who­Ma­de­W­ho
Der Abschluss und angeb­lich der Head­li­ner des Fes­ti­vals: drei Dänen, die eine Sor­te von Musik mach­ten, die mir nach unge­fähr vier Tak­ten gehö­rig auf die Ket­ten ging. Wenn man’s mag, war’s bestimmt toll, aber für mich war das MGMT und Kla­xons in ner­vig.

Fazit
Rund 20 Acts in drei Tagen, da kann man schnell den Über­blick ver­lie­ren. Was ist hän­gen­ge­blie­ben? Auf alle Fäl­le die bei­den Mädels von First Aid Kit. Die beein­dru­ckends­te Live­show war wohl die von I Was A Teenage Satan Wor­ship­per, die gleich­zei­tig den tolls­ten Band­na­men hat­ten. Annie war auch toll und von Pony The Pira­te wer­den wir sicher auch noch was hören.

Es folgt noch min­des­tens ein Ein­trag zur Kon­fe­renz und dem gan­zen Drum­her­um, aber ich kann schon ein­mal zusam­men­fas­sen, dass der Aus­flug zum by:Larm eine fei­ne Sache war und ich jede Men­ge gute neue Musik gehört habe.

Was es mit dem Oslo-Trip auf sich hat­te, steht hier.

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Musik Unterwegs

Oslog (4)

Ver­zei­hung, ich habe grad über­haupt kei­ne Zeit.

Ich habe heu­te Mit­tag eine Band gese­hen, deren Ver­eh­rung nun mei­ne gan­ze Zeit in Anspruch nimmt. Es han­del­te sich um First Aid Kit, zwei schwe­di­sche Schwes­tern, die 15 und 17 Jah­re alt sind und eine Unschuld auf die Büh­ne brach­ten, wie man sie im Musik­busi­ness sel­ten erlebt.

First Aid Kit

Die Bei­den stimm­ten aller­liebs­te Folk­mu­sik ame­ri­ka­ni­scher Prä­gung an und san­gen über Din­ge, von denen man anneh­men soll­te, dass sie kei­ne Ahnung davon hät­ten. Aber es war toll und erin­ner­te ein unter ande­rem an Fleet Foxes, She & Him und Bon Iver – und damit an gleich drei mei­ner letzt­jäh­ri­gen Lieb­lings­al­ben. Von den Fleet Foxes stimm­ten sie dann sogar noch den „Tiger Moun­tain Peasant Song“ an, was ganz schlimm hät­te dane­ben­ge­hen kön­nen, aber ganz wun­der­bar klang. (Wie ich spä­ter erfuhr, hat­te das Video die­ses Covers das Duo bei You­Tube unter ande­rem so berühmt gemacht.) Dass sie mit „I Walk The Line“ zuvor auch noch einen wei­te­ren Song aus der Kis­te mit der Auf­schrift „Bes­ser nicht covern!“ sehr unpein­lich zum Bes­ten gege­ben hat­ten, spricht eben­falls für die Band.

Aber jetzt müs­sen sie mich wirk­lich ent­schul­di­gen: Ich habe im Plat­ten­la­den die vor­letz­te Aus­ga­be ihrer EP „Drun­ken Trees“ erstan­den und muss die jetzt erst mal hören. (Vor­her set­ze ich aber 50 Euro dar­auf, dass die Band die­ses Jahr beim Hald­ern Pop spielt.)

Ver­su­chen Sie’s solan­ge hier­mit:

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[„Our Own Pret­ty Ways“]

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[„Tiger Moun­tain Peasant Song“]

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