Die Kilians-Festspiele 2009 sind eröffnet

Von Lukas Heinser, 28. Februar 2009 18:48

Kilians beim Haldern Pop 2008.

Das großartigste Urteil, das ich je über die Kilians gehört oder gelesen habe, ist dieses hier:

Das ist die langweiligste aufgesetzte Langeweile die ich seit langem gesehen UND gehört habe.

Immerhin passt das Video in seiner aufgestylten roughness, die die angeschraubte Wehmut dieser jammerlappigen Luschen unterstreicht zur Seierigkeit des Songs.
Trotzdem: Why?
Niemand wird gezwungen, Musik zu machen und es gibt viele Wege, die schmerzhafte Abwesenheit von Persönlichkeit, Charisma und Talent zu kompensieren.
Macht doch was mit Holz oder im sozialen Bereich oder betrinkt euch. Habt Sex, bloggt, wechselt mal den Stadtbezirk oder den Arzt oder, der Songtitel legt es nah: geht nach Hause!

Diese Worte entstammen einem Kommentar von Tanja Haeusler bei Spreeblick und obwohl ich mich ihr natürlich nicht anschließen kann, finde ich diesen kleinen Ausbruch sehr sympathisch. Allein schon, weil Tanja die Band offenbar einfach so doof fand und sie nicht den Umweg über Dinslaken, Thees Uhlmann oder die Strokes gehen musste.

Ich kann mich in keiner Weise objektiv über die Kilians äußern: Ich verehre die Band länger, als ich mit ihren Mitgliedern befreundet bin, ich war schon mal mit auf Tour und ich habe darüberhinaus auch noch die Bandinfo zum neuen Album geschrieben. (Es ist übrigens eine sehr interessante Erfahrung, eigene Formulierungen plötzlich in den Meldungen irgendwelcher Musikmagazine zu lesen.)

Gestern Vormittag habe ich die neue Single „Said And Done“ zum ersten Mal im Radio gehört (natürlich auf CT das radio), gestern Nachmittag war dann Videopremiere (sowas findet mittlerweile im Internet statt) und jetzt ist das Video auch schon offiziell bei YouTube online:

Ja, das ist durchaus poppiger geworden. Klingt wie die kleine, niedliche Schwester von „When Will I Ever Get Home“. Mich erinnert der Song auch ein wenig an die Shout Out Louds, Starsailor und Feeder. Auch das Video ist noch eine Spur opulenter ausgefallen als die bisherigen — Occident-Bassist Benjamin Klimczak fühlte sich glatt an den Clip zu „November Rain“ erinnert, was mich allerdings ein bisschen ratlos zurücklässt.

Versuchen wir es trotzdem für einen Moment mit der Objektivität: Ja, das ist ein toller Song, der auch bei jeder anderen Band toll gewesen wäre. Und nach allem, was ich bisher vom neuen Album gehört habe (natürlich unter den üblichen Sicherheitsvorkehrungen und Strafandrohungen), bin ich mir sicher: da wird auch einiges gehen.

Charts? Warum nicht? Am 27. März erscheint die Single, am 3. April das Album „They Are Calling Your Name“.

15 Kommentare

  1. Chris
    28. Februar 2009, 19:32

    Irgendwie sind die Kilians schon Tomte’s Sugarplum Fairy..
    Gute Musik, nette Jungs, alles prima.

    Weiß wer, wo das Video gedreht wurde?

  2. Corny
    28. Februar 2009, 20:24

    Mal ehrlich wär der Kommentar nicht von Tanja Haeusler wäre er dir wahrscheinlich nicht mal aufgefallen…schlielich lässt er sich auf fast alle Indie-boy-schmuserock-bands anwenden…

    Mag die Killians auch nicht, nur, bitte, man kann wirklich schöner sagen dass sie nur eine von tausend Bands sind die alle gleich klingen. Und am Liebsten ihren Style von bereits etablierten Langeweilern wie Adam Green, Julian Casablanca oder Gustaf Norén abschauen…

  3. Lukas
    28. Februar 2009, 21:01

    @Corny: Doch, mir war zuerst der Kommentar aufgefallen und dann hab ich gesehen, von wem der war.

    Ich finde das eben so schön formuliert, weil es da keine Strokes- und Mando-Diao-Vergleiche gibt (die ja beide auch nicht den Rock ’n‘ Roll erfunden haben). Und was die Frisuren angeht: Was hätten die Jungs denn machen sollen? Glatze rasieren, nur weil sie mit Locken auf die Welt gekommen sind?

  4. Nummer 9
    28. Februar 2009, 21:04

    Man wird auch auf Oasis-Konzerten gerne mal positiv auf ein Kilians-Shirt angesprochen.

    Und *hüstel* das Video hat man nicht in Dinslaken gedreht?

  5. Simon
    28. Februar 2009, 21:42

    Ich mag die Kilians, fand das erste Album klasse und live war ich bisher immer schwer begeistert, aber die Single samt Video find ich wirklich sehr langweilig. Hat irgendwie so gar nichts, grad dieses Video is so unglaublich einfallslos, dass mir kaum böse Worte dazu einfallen mögen…

    Hoffe mal dass das Album mehr zu bieten hat.

  6. Chris
    28. Februar 2009, 21:55

    Eingängige Melodie und wirkt ingesammt nicht mehr so „dreckig“ wie auf dem letzten Album. Gefällt mir, ist aber jetzt nicht ein Song der bei mir rauf- und runter laufen würde.

    Auf ein neues Album freu ich mich allerdings sehr.

    An den anderen Chris (#1): ich hatte erst auf Toscana getippt, aber die weißen Häuser erinnern doch eher an Südspanien oder Portugal als Drehort.

  7. christoph kratistos
    28. Februar 2009, 22:09

    Mit den Kilians kann ich überhaupt nichts anfangen. Ich verstehe auch nicht, was solche Leute antreibt Musik zu machen; es gibt keine großen Emotionen, keine „Message“, keine musikalische Innovation, keine besondere Kunstfertigkeit…
    Hach, aber immerhin sind diese Indie-Bands etwas, das man mit gutem Gewissen Kacke finden kann.
    Um nicht auch noch in einem anderen Artikel rumzunörgeln, dehne ich den, äh, „Rant“ hier noch ein wenig aus:
    Wenn dir die Top5 auf einmal komplett gefallen, heißt das ja nicht unbedingt, dass der Musikgeschmack Aller besser geworden ist. Eigentlich ist es doch wahrscheinlich, dass deiner schlechter wird. :P

  8. matze
    28. Februar 2009, 22:42

    Haha, ich hatte den kommentar damals auch gelesen und hab mich damals auch drüber amüsiert, na ja, das ist ja auch das gute das es nicht jedem gefallen muss.

  9. Mart
    1. März 2009, 11:16

    @christoph kratistos
    Schonmal dran gedacht, dass der Antrieb für den Großteil der Musiker Spaß an der Sache ist? Von wegen Message usw. …

  10. christoph kratistos
    1. März 2009, 11:18

    Das klingt nicht nach Musik die Spaß macht. ;)

  11. jens
    1. März 2009, 12:05

    Ich kannte die Kilians vorher noch nicht, hab mir jetzt das Video angetan.
    Naja, nix was umhaut oder dazu bewegt mehr von denen hören zu wollen.
    Tanja wird wohl recht haben.

  12. jakob
    1. März 2009, 17:56

    Ich habe das Debütalbum begeistert im Freundeskreis verbreitet und einige zu einem Konzert mitgeschleppt, aber mit dem neuen Song kann ich auch nichts anfangen. Hoffentlich wird das Album besser.

  13. monique
    2. März 2009, 15:51

    ich mag den song (aber live mehr)..
    fand ihn schon großartig, als er im vorprogramm von mr björn dixgard gespielt wurde..
    dementsprechend freut es mich sehr, dass der song seinen charme auch nach knapp 1 1/2 jahren weder für die kilians noch für mich nicht verloren hat und er nun mit aufs album gepackt wurde..

    und bei euren indie-abneigungen kann ich es wirklich nicht nachvollziehen, warum ihr euch das überhaupt anschaut^^
    ich hab auch so gewisse musikrichtungen, mit denen ich nichts anfangen kann nur mach ich dann eben einen bogen drum und schau es mir nicht noch extra an um zu merken wie schlecht es ist und es dann in den dreck zu ziehen..
    toleranz ist ein tolles wort mit noch besserer bedeutung – nicht wahr?

  14. Hannes
    9. März 2009, 16:58

    Netter (im durchaus positiven Sinn!) Song. Mich erinnert er an „Bloom“ von Dada ante Portas http://www.youtube.com/watch?v=x6i4vYk4kl8.
    Und die hat wer erfunden? Jawoll – die Schweizer.

  15. Coffee And TV: » Er war ein guter Simon
    26. März 2009, 23:58

    […] weil ja gerade Kilians-Festspiele sind, passt es natürlich supergut ins Konzept, dass da ein junger Mann auf die Bühne schlurfte, […]