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Musik

Listenpanik 04/​09

Nor­ma­ler­wei­se könn­te ich im Lau­fe des Monats einen Sta­pel mit allen CDs bil­den und ihn am Ende abar­bei­ten. Dage­gen spricht aber zum einen mein Zwang, neue Ton­trä­ger direkt ins Regal ein­sor­tie­ren zu müs­sen, und zum ande­ren die Tat­sa­che, dass ich immer mehr Musik als Down­load kau­fe.

Ich bin aber der Ansicht, dass sie dadurch nicht schlech­ter wird, und ent­spre­chend gut sind dann auch die Sachen, die ich im April gehört und für erwäh­nens­wert befun­den habe:

Alben
Gre­at Lake Swim­mers – Lost Chan­nels
Begin­nen wir mit einem Nach­trag aus dem März, weil mir nie­mand Bescheid gesagt hat­te: Die Gre­at Lake Swim­mers aus Kana­da machen Folk Rock, was sich als Gen­re schlim­mer anhört denn als Musik. Sie spie­len zer­brech­li­che Bal­la­den, die nur aus der Stim­me von Sän­ger Tony Dek­ker und Gitar­ren­klän­gen bestehen, die ver­mut­lich ent­ste­hen, wenn man die Sai­ten anhaucht oder zu streng anguckt, und etwas schwung­vol­le­re Coun­try-Klän­ge, zu denen man gleich sich gleich auf den Appa­la­chi­an Trail bege­ben möch­te. Das alles ist ihnen auf dem Vor­gän­ger­al­bum „Ongi­a­ra“ zwar noch etwas stim­mungs­vol­ler gera­ten, aber das war vor zwei Jah­ren auch ein Über­al­bum.

Death Cab For Cutie – The Open Door EP
Noch­mal März, aber dies­mal nur kurz: Death Cab (wie man als auf­merk­sa­mer „O.C., California“-Zuschauer ja sagt) haben eine EP mit vier neu­en Songs und einer Demo aus den „Nar­row Stairs“-Sessions zusam­men­ge­stellt. Wie immer auf hohem Niveau und auch etwas pop­pi­ger als die Songs, die es aufs Album geschafft hat­ten.

Kili­ans – They Are Cal­ling Your Name
Über­ra­schung! Ich bil­de mir aber auch dies­mal wie­der ein, dass ich das Album auch dann noch sehr gut fän­de, wenn ich nicht mit den Musi­kern befreun­det wäre. Musi­ka­lisch ist das Album anspruchs­vol­ler und noch etwas abwech­lungs­rei­cher als das Debüt (rich­tig abwechs­lungs­reich wird’s, wenn man sich die Spe­cial Edi­ti­on mit Elek­tro- und Cha-Cha-Cha-Ein­la­gen anhört) und man hört auch genau­er auf die Tex­te. Das führt etwa bei „Used To Pre­tend“ dazu, dass man sich hin­ter­her sicher ist, ein unglaub­lich klu­ges, auf­rich­ti­ges und ein­dring­li­ches Tren­nungs­lied gehört zu haben – und den viel­leicht bes­ten Kili­ans-Song bis­her.

Bob Dylan – Tog­e­ther Through Life
Und noch jemand, den man nicht ernst­haft bewer­ten kann. Auch, wenn ich mich nicht als gro­ßen Dylan-Fan (oder gar ‑Ken­ner) bezeich­nen wür­de, schät­ze ich sei­ne Musik und sei­ne Per­son doch sehr und bin gera­de von sei­nen jüngs­ten Alben schwer begeis­tert. „Tog­e­ther Through Life“ steht „Love And Theft“ und „Modern Times“ da in nichts nach: Blues, der mal tro­cken nach vor­ne stapft, mal melan­cho­lisch am Kla­vier gespielt wird. Bemer­kens­wert ist es dann aber schon, dass Dylan mit dem Album die ers­te UK-Num­ber-One seit 39 Jah­ren gelun­gen ist und die Sin­gle „Bey­ond Here Lies Not­hin‘ “, die ein biss­chen an „Black Magic Woman“ von San­ta­na erin­nert und die es einen Tag als kos­ten­lo­sen Down­load auf Dylans Web­site gab, plötz­lich im Radio rauf und run­ter läuft.

Offi­ci­als Secrets Act – Under­stan­ding Elec­tri­ci­ty
Es gibt Alben, da weiß ich beim ers­ten Hören, dass ich sie mag, aber nicht son­der­lich oft hören wer­de. „Under­stan­ding Elec­tri­ci­ty“ könn­te die­ses Schick­sal blü­hen, obwohl der Indie­rock zwi­schen Maxï­mo Park, We Are Sci­en­tists und The Wom­bats wirk­lich schön ist. Mit­un­ter ner­ven man­che abge­dreh­ten Sounds ein biss­chen, aber Songs wie „Litt­le Birds“ und „Hold The Line“ (hat nichts mit Toto zu tun) sind dann auf der ande­ren Sei­te ein­fach ganz gro­ßer Pop und haben zumin­dest erhöh­tes Mix­tape-Poten­ti­al.

Songs
Kili­ans – Home­town
Hat­te ich nicht gera­de noch „Used To Pre­tend“ als „den viel­leicht bes­ten Kili­ans-Song bis­her“ bezeich­net? Ja, klar. Aber wenn die Kili­ans einen Song namens „Home­town“ schrei­ben, der auch noch so einen cat­chy Refrain hat, dann muss der natür­lich noch ein­mal beson­ders her­vor­ge­ho­ben wer­den. Auch wenn es angeb­lich gar nicht um Dins­la­ken an sich geht, son­dern um das Gefühl, von einer Stadt und ihren Men­schen geprägt wor­den zu sein, emp­fiehlt sich die­ser Song natür­lich als inof­fi­zi­el­le Stadt­hym­ne. Wenn die Dins­la­ke­ner cool wären, wür­de im Som­mer kein ande­res Lied aus Cabri­os und offe­nen Woh­nungs­fens­tern tönen.

Bob Dylan – Life Is Hard
In die Rei­he von „Moon­light“ und „Workingman’s Blues #2“ gesellt sich „Life Is Hard“: Ein ruhi­ger Blues und die Stim­me eines Man­nes, der alles erlebt hat und den nichts mehr erschüt­tern kann. Schlicht und ergrei­fend.

Muff Pot­ter – Nie­mand will den Hund begra­ben
Ich weiß nicht, wie oft ich die neue Muff-Pot­ter-Plat­te „Gute Aus­sicht“ hören müss­te, bis sie mir gefällt. Bei „Ste­ady Fremd­kör­per“ hat’s ja auch irgend­wann geklappt – nur, dass ich die Plat­te seit Ewig­kei­ten nicht mehr gehört habe und mich nur an einen Song erin­nern kann. „Nie­mand will den Hund begra­ben“ könn­te also das dies­jäh­ri­ge „Die Guten“ sein. Dies­mal geht’s aber nicht um Tren­nun­gen son­dern – Super-Song­the­ma – um Land­flucht. Die Schil­de­rung der Hei­mat­stadt, in der es kaum noch jun­ge Leu­te gibt, und in der alles lang­sam stirbt, hat schon Springsteen’sche Dimen­sio­nen und hät­te auch gut auf die letz­te kett­car-Plat­te gepasst. Das war übri­gens auch so ein Album, das ich mir erst schön­hö­ren muss­te, um es dann ganz schnell wie­der zu ver­ges­sen.

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

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Musik Digital

Hörst Du, sie spielen unser Lied

Zum sieb­ten Geburts­tag sei­nes eige­nen Blogs uiuiuiuiuiuiui.de hat Manu­el ein Lied über füh­ren­de deutsch­spra­chi­ge Blogs impro­vi­siert. Trotz­dem fin­det auch die­ses hier Erwäh­nung:

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[Lied­text und mehr Hin­ter­grün­de gibt’s hier]

Für einen Moment hat­te ich übri­gens gedacht, es han­de­le sich um das ers­te Lied, in dem der Orts­na­me Dins­la­ken fällt – aber das stimmt natür­lich nicht.

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Musik

Listenpanik 03/​09

So eine Flut von Ver­öf­fent­li­chun­gen, die mich per­sön­lich inter­es­siert haben, hat­ten wir zuletzt im … Febru­ar.

Nee, im Ernst: Es war schon hef­tig, was da im März alles in die Plat­ten­lä­den und Down­loads­to­res kam – da kam es gera­de recht, dass Saturn die MP3-Alben für 4,99 Euro das Stück gera­de­zu ver­rammsch­te und ich mich ent­spre­chend preis­güns­tig durch den Monat ret­ten konn­te. Es gab etli­che gute Alben und je einen hei­ßen Anwär­ter auf die Num­mer 1 der Jah­res­charts bei Alben und Songs:

Alben
Pet Shop Boys – Yes
Beim ers­ten Hören fand ich die Sin­gle „Love Etc.“ „nicht sehr gut“, dann wur­de sie immer bes­ser. Die Musik­jour­na­lis­ten schrie­ben, es sei das bes­te Pet-Shop-Boys-Album seit „Very“, aber die glei­chen Jour­na­lis­ten hat­ten auch die neue, irgend­wie völ­lig ega­le U2-Plat­te gelobt. Inso­fern war ich nicht dar­auf vor­be­rei­tet, eines der bes­ten Pop-Alben die­ses gera­de zu Ende gehen­den Jahr­zehnts zu hören – aber ich den­ke, genau das ist „Yes“. Das Album hat ein­fach alles: Par­ty-Tracks, Melan­cho­lie, groß­ar­ti­ge Melo­dien und klu­ge Tex­te. Es ist ein gutes Gefühl zu wis­sen, dass einen eine Band, die man zwei Drit­tel sei­nes Lebens schätzt, immer noch umhau­en kann.

Star­sail­or – All The Plans
Star­sail­or-Fan bin ich erst seit dem Som­mer 2001, als ich die Band erst­mals auf dem Hald­ern Pop spie­len sah. Ihre Alben waren viel­leicht nicht so anspruchs­voll wie die von Cold­play, aber in Sachen „melan­cho­li­scher Indiepop von der Insel“ kommt die Band bei mir gleich hin­ter Tra­vis. „All The Plans“ kann ich des­halb nicht wirk­lich ratio­nal bewer­ten, aber es gibt wie­der die ganz gro­ßen Hym­nen, die man von den ers­ten drei Alben auch schon gewohnt ist. Viel­leicht wer­den Star­sail­or nie alles rich­tig machen, aber falsch gemacht haben sie bis heu­te (von den Auf­nah­me­ses­si­ons mit Phil Spec­tor mal ab) auch noch nichts.

Empire Of The Sun – Wal­king On A Dream
Das sind sie also, die „neu­en MGMT“. Musi­ka­li­sche Par­al­le­len gibt es da durch­aus, aber das ist ver­zeih­lich. „Wal­king On A Dream“ ist – trotz des abschre­cken­den Covers – ein klu­ges Pop-Album, das man so ähn­lich schon vor 25 Jah­ren hät­te ver­öf­fent­li­chen kön­nen. Macht aber auch nix.

Röyk­s­opp – Juni­or
Ganz schön elek­tro­las­tig, die­ser März. Auf sei­nem drit­ten Album klingt das nor­we­gi­sche Elek­tro­nik-Duo mit­un­ter ein biss­chen sehr nach dem fran­zö­si­schen Elek­tro­nik-Duo (gemeint ist Air), aber die klan­gen ja in letz­ter Zeit ein biss­chen sehr nach gar nichts. „Juni­or“ ist von vor­ne bis hin­ten aus­ge­wo­gen, ein­gän­gig und – je nach Ein­stel­lung – ent­span­nend oder bele­bend.

The Fray – The Fray
Ja, ich mag so Musik. Und ich freue mich, dass The Fray drei Jah­re nach ihrem Debüt jetzt offen­bar auch in Deutsch­land den Durch­bruch schaf­fen. Zwar passt ihr melan­cho­li­scher (Cof­fee-And-TV-Trink­spiel: ein Schnaps für jedes „melan­cho­lisch“ in einer Lis­ten­pa­nik) Col­lege-Rock bes­ser in den Herbst als in den Hoch­som­mer, aber der März hat­te sich ja noch alle Mühe gege­ben, herbst­lich aus­zu­se­hen.

A Camp – Colo­nia
Spä­tes­tens seit ich Nina Pers­son vor ein paar Jah­ren per­sön­lich getrof­fen habe, hat die klügs­te und schöns­te Schwe­din der Welt bei mir Nar­ren­frei­heit: Sie dürf­te so ziem­lich jeden Schrott machen und ich wür­de es noch gut fin­den. Sie macht aber kei­nen Schrott, son­dern auch ohne die Car­di­gans ganz her­vor­ra­gen­de Musik, der man allen­falls vor­wer­fen könn­te, ein biss­chen zu sehr nach ihrer Haupt­band zu klin­gen.

Olli Schulz – Es brennt so schön
Zwar habe ich alle bis­he­ri­gen Olli-Schulz-Alben hier, aber wirk­lich gehört habe ich ehr­lich gesagt nur sein Debüt „Brichst Du mir das Herz brech ich Dir die Bei­ne“. Als ich „Mach den Bibo“ zum ers­ten Mal beim Bun­des­vi­si­on Song Con­test sah, dach­te ich, jetzt sei es end­gül­tig vor­bei mit dem Mann, aber sogar die­ser Schwach­sinns-Song wächst, wenn man ihn nur oft genug hört (und weiß, dass die Musik von Wal­ter Schrei­fels stammt). Der Rest von „Es brennt so schön“ ist dann auch kom­plett anders: Eine klu­ge, oft nach­denk­li­che, musi­ka­lisch durch­dach­te und hin und wie­der doch sehr wit­zi­ge Plat­te, die mich aus uner­klär­li­chen Grün­den manch­mal ein wenig an Bruce Springsteen erin­nert.

Ben Lee – The Rebirth Of Venus
Für Ben-Lee-Plat­ten gilt die alte Regel „Kenns­te eine, kenns­te alle“. Im Gegen­satz zu Nickel­back, Rea­m­onn und ähn­li­chen Lang­wei­lern macht aber jedes neue Album des gebür­ti­gen Aus­tra­li­ers immer noch Lau­ne – und zwar gute. Selbst wenn man das Gefühl hat, jeden Song so ähn­lich schon mal gehört zu haben, kann man Lee nicht böse sein. Und dann gibt es ja auf jedem sei­ner Alben immer noch einen Song, der grö­ßer ist als alle ande­ren …

Songs
Ben Lee – Wake Up To Ame­ri­ca
Was für ein unwahr­schein­li­cher Song: Eine vier­ein­halb­mi­nü­ti­ge Lobes­hym­ne auf all das Kaput­te und Wun­der­ba­re an Ame­ri­ka, deren Stro­phen nur gespro­chen wer­den, deren Auto­tu­ne-las­ti­ger Refrain auch eher schlicht wirkt, und deren trei­ben­der Beat einen nach weni­gen Tak­ten völ­lig ein­ge­lullt hat. Ich kann kaum auf­hö­ren, die­ses Lied immer und immer wie­der zu hören, denn es geht direkt ins Herz und bringt einen womög­lich dazu, alle fünf­zig Bun­des­staa­ten zu besu­chen und mit einem Ghet­to­blas­ter über dem Kopf die­se Hym­ne abzu­spie­len. Ganz, ganz gro­ße Kunst! (Blö­der­wei­se gibt es den Song weder bei You­Tube noch bei last.fm zu hören – wohl aber bei iTu­nes zu kau­fen.)

Pet Shop Boys – Pan­de­mo­ni­um
Wenn „Yes“ das neue „Very“ ist, ist „Pan­de­mo­ni­um“ die Neu­auf­la­ge von „I Would­n’t Nor­mal­ly Do That Kind Of Thing“: Ein Lie­bes­lied, in dem alles mit­schwingt, was Lie­be manch­mal so schwie­rig macht, und das doch unein­ge­schränk­te Zunei­gung zum Aus­druck bringt. Eine Hym­ne auf alle Cha­os­mäd­chen und ‑jungs die­ser Welt, uplif­ting as hell. Was sagt es über unse­re Gene­ra­ti­on aus, wenn der­art groß­ar­ti­ge Songs von Män­nern um die fünf­zig geschrie­ben wer­den müs­sen? Allein die­se Blä­ser und die Chö­re!

Star­sail­or – You Never Get What You Deser­ve
Bei James Walsh fra­ge ich mich immer ein biss­chen, was er uns eigent­lich mit dem sagen will, was er da singt. Und dann den­ke ich: Ist das nicht egal, wenn es so schön klingt? Beach­ten Sie den Über­gang von den Stro­phen zum Refrain – so geht Pop.

Im nächs­ten Monat dann: Muff Pot­ter, Bob Dylan und natür­lich Kili­ans.

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

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Musik

Overwhelmed by their hometown

Ges­tern also spiel­ten die Kili­ans anläss­lich der Ver­öf­fent­li­chung ihres zwei­ten Albums „They Are Cal­ling Your Name“ (erscheint Ende nächs­ter Woche, kann man jetzt schon bei last.fm hören) in ihrer Hei­mat­stadt Dins­la­ken.

Wie es wirk­lich war, wer­den wir am Mon­tag (also 60 Stun­den nach dem Kon­zert) in den Lokal­zei­tun­gen lesen kön­nen. Da wird dann ver­mut­lich auch die exak­te Besu­cher­zahl ste­hen (Cof­fee-And-TV-Schät­zun­gen: 1.200 bis 1.500).

Bis dahin ver­wei­se ich auf unge­fil­ter­te Live-Ein­drü­cke in 13 Fotos und sechs Tweets:

Auf in die Stadt, #Kilians gucken. l:Dinslaken
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Musik

Platzangst

Dins­la­ken macht sich bereit für die größ­te Show, die die­se Stadt je gese­hen hat. Schon seit heu­te mor­gen sind die Alko­hol­vor­rä­te des Innen­stadt-Super­markts bedenk­lich unter Durch­schnitt (was aller­dings an den Abi-Zulas­sun­gen lie­gen dürf­te, die heu­te ver­teilt wur­den) und auch das Epi­zen­trum des heu­ti­gen Abends ist seit 11 Uhr vor­be­rei­tet:

Diesert Platz ist vom 3. 4. 91 Ab 11 Uhr gesperrt

Hans-Böckler-Platz in Dinslaken

Hans-Böckler-Platz in Dinslaken

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Musik Sport

Tausend Stimmen singen, singen

Am Don­ners­tag war ich end­lich mal wie­der bei Scu­det­to. Neben „HSV-Kult­au­tor“ Axel For­me­seyn (der u.a. erzähl­te, wie er als HSV-Prä­si­di­ums­mit­glied die „Bild“-Zeitung boy­kot­tier­te) und Ex-VfL-Bochum-Pro­fi 1 Tho­mas Stick­roth war auch Tom­my Fin­ke zu Gast, den ich ja im letz­ten Sep­tem­ber schon mal gelobt hat­te. 2

Tom­my Fin­ke spiel­te eige­ne Fuß­ball­songs, die er für die Fil­me von Scu­det­to-Gast­ge­ber Ben Rede­lings geschrie­ben hat­te, und stell­te die schlech­tes­te Ver­eins­hym­ne aller Zei­ten vor. Dass das kei­ne Über­trei­bung war, muss­ten wir im Saal als­bald am eige­nen Leib erfah­ren – und Sie kön­nen es jetzt auch: im Scu­det­to-Blog oder direkt hier.

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Und wo wir grad von Scu­det­to spra­chen: Der Geist von Malen­te, der Bochu­mer Laden für alles, was mit Fuß­ball und Fan­kul­tur zu tun hat, macht ab heu­te Aus­ver­kauf.

  1. Nur „VfL“ ist für mich natür­lich Borus­sia Ver­ein für Lei­bes­übun­gen 1900 e.V. Mön­chen­glad­bach.[]
  2. Ich hab mir dann am Don­ners­tag­abend auch end­lich sei­ne EP und sein Album im Down­load­s­to­re gekauft.[]
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Musik

Er war ein guter Simon

Ges­tern Abend war ich beim Kon­zert von Tom­te in Mül­heim an der Ruhr. Erwar­ten Sie kei­ne all­zu dif­fe­ren­zier­te Kri­tik – es war toll!

Und weil ja gera­de Kili­ans-Fest­spie­le sind, passt es natür­lich super­gut ins Kon­zept, dass da ein jun­ger Mann auf die Büh­ne schlurf­te, um die zwei­te Stro­phe von „Ich sang die gan­ze Zeit von Dir“ zu schmet­tern:

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„Wer war das?“ – „Das ist mein unehe­li­cher Sohn, den ich in Mül­heim hab. Mit einer wun­der­schö­nen Frau!“

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Musik

The Smashing Pumpkin

Als die Smas­hing Pump­kins vor zwei Jah­ren zurück­ka­men (nach­dem sie sich im Jahr 2000 mit einer gro­ßen Tour von der Welt ver­ab­schie­det hat­ten), waren sie nur noch zur Hälf­te die Smas­hing Pump­kins: Neben Mas­ter­mind Bil­ly Cor­gan war ledig­lich Drum­mer Jim­my Cham­ber­lin aus dem Ori­gi­nal-Line-Up dabei. Gitar­rist James Iha war irgend­wo auf der Stre­cke geblie­ben und weder D’ar­cy Wretz­ky noch Melis­sa Auf der Maur (die man auch nur mit viel Mühe als Ori­gi­nal-Mit­glied wer­ten könn­te, weil sie nur bei der Abschieds­tour dabei war) stand am Bass. Um ehr­lich zu sein bin ich zu faul, die Namen ihrer Nach­fol­ger nach­zu­schla­gen.

Wie NME.com berich­tet, ist jetzt auch Cham­ber­lin aus­ge­stie­gen. Aus­ge­rech­net Cham­ber­lin, der Cor­gan immer die Treue gehal­ten hat­te. Der nach erfolg­rei­chem Ent­zug und der damit ver­bun­de­nen Pau­se 1999 in die Band zurück­ge­kehrt war, der auch bei Cor­gans geschei­ter­ter Super­group Zwan am Schlag­zeug saß und auf Cor­gans völ­lig desas­trö­sem Solo­al­bum bei einem Song zu hören war.

Die Smas­hing Pump­kins sind jetzt nur noch Bil­ly Cor­gan und Gäs­te, wobei man­cher behaup­ten wür­de, dass dies schon immer oder zumin­dest lan­ge so war.

Die eigent­li­che Fra­ge lau­tet natür­lich: Wen inter­es­siert das? Das Come­back-Album „Zeit­geist“ war nicht wirk­lich schlecht, hat­te dem Gesamt­werk der Band aber nichts hin­zu­zu­fü­gen. Da war die letzt­jäh­ri­ge Akus­tik-EP „Ame­ri­can Gothic“ schon inter­es­san­ter, konn­te aber letzt­lich auch nicht mit den alten Sachen mit­hal­ten.

Immer­hin: Der Sän­ger ist noch dabei. Das unter­schei­det die Pump­kins von den kran­ken Wie­der­ge­bur­ten von Queen, den Doors oder der (glück­li­cher­wei­se ver­wor­fe­nen) Idee von Led Zep­pe­lin, ohne den (noch leben­den) Robert Plant auf Tour zu gehen.

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Musik

You say party! We say Dinslaken!

Downtown Dinslaken

Wäh­rend Dins­la­kens größ­ter Sohn gera­de auf Sylt weilt, um sich dort zu ver­mäh­len (alles unter Vor­be­halt, es stand in „Bild“), wur­den die Kili­ans – wie ich erst jetzt fest­stell­te – schon vor mehr als einem Jahr wie­der aus dem Wiki­pe­dia-Arti­kel zur Stadt ent­fernt.

Es wird ihnen egal sein, denn in zwei Wochen wer­den die Kili­ans das (mut­maß­lich) größ­te Kon­zert spie­len, das die Stadt ohne Din­ge mit dem Eti­kett „Das muss man unbe­dingt gese­hen haben“ je erlebt hat.

Oder wie es der GHvC-News­let­ter noch eine Spur kryp­ti­scher aus­drückt:

Am 03.04. spie­len die Kili­ans (das ist klin­go­nisch für: „die coo­len Typen, die in der Schu­le rau­chen und sich dabei über Cunt, äh Kant unter­hal­ten!“) umsonst und drau­ßen auf dem Red Bull Bus!

Man kann nur auf Regen hof­fen, denn sonst könn­te das ein Ereig­nis von
epo­cha­ler Grö­ße wer­den für eine Kul­tur und Ästhe­tik lie­ben­de Stadt wie
Dins­la­ken:

19:30 Uhr Dins­la­ken, Hans-Böck­ler-Platz! Und danach gehen wir alle zusam­men in die KuKa zur After­show, wo uns das Kili­ans DJ Team zeigt, dass ihm auch die Plat­ten­tel­ler nicht fremd sind.

Am glei­chen Tag erscheint die Sin­gle „Said & Done“. Zufäl­le gibts, Wahn­sinn…

Wer immer schon mal nach Dins­la­ken woll­te, dazu aber bis­her (berech­tig­ter­wei­se) kei­nen Grund hat­te, soll­te die Gele­gen­heit nut­zen. Eine Cof­fee-And-TV-Dele­ga­ti­on wird eben­falls vor Ort sein und Bericht erstat­ten.

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Musik Kultur

Turm und Jungfrau sind aus dem Spiel

Ein iPod und eine CD-Sammlung (Ausschnitt).

Der Vir­gin Mega­s­to­re in San Fran­cis­co (Ecke Mar­ket und Stock­ton Street) macht dicht. Die Men­schen wer­den ihre Kiss-Hem­den, AC/DC-Unter­ho­sen und Jonas-Brot­hers-Regen­schir­me in Zukunft woan­ders angu­cken (denn wer kauft sowas schon?) müs­sen.

cnet.com illus­triert die­sen Vor­gang mit einem Foto, dem man hohe Sym­bol­kraft unter­stel­len könn­te: Genau gegen­über vom Vir­gin Mega­s­to­re ver­kauft der Apple Store sei­ne iPods – und Down­loads machen inzwi­schen ein Drit­tel der ver­kauf­ten Musik in den USA aus.

Ich will das alles nicht klein­re­den. Seit ich mei­nen iPod habe, habe ich auch mehr aktu­el­le Alben in Form von Down­loads gekauft als auf CD. Nur Musik von Künst­lern, deren Gesamt­werk ich im Regal ste­hen habe, muss wei­ter­hin auch phy­sisch erwor­ben wer­den – was bei Star­sail­or z.B. hieß, dass ich für die Hül­le und das Book­let acht Euro Auf­preis gezahlt habe, was selbst unter Fan-Aspek­ten eini­ger­ma­ßen bescheu­ert ist.

Was ich aber am Bei­spiel San Fran­cis­co beson­ders fas­zi­nie­rend fin­de: Zwei­ein­halb Jah­re, nach­dem Tower Records plei­te ging und sein Filia­len an der Ecke Columbus/​Bay Street schlie­ßen muss­te, zieht sich die zwei­te gro­ße Enter­tain­ment-Ket­te zurück. Es blei­ben Best Buy (eine Art ame­ri­ka­ni­scher Media Markt außer­halb der Innen­städ­te) und die „alter­na­ti­ven“ Klein-Ket­ten wie Ras­pu­tin und Amoe­ba (s.a. Rei­se­tipps für San Fran­cis­co: Geschäf­te). Die sind natür­lich viel zu groß und dann doch zu gut orga­ni­siert, um noch als „David“ durch­zu­ge­hen (ande­rer­seits: ver­gli­chen mit Vir­gin …), aber doch schei­nen sie gewon­nen zu haben.

Die Fra­ge bleibt, wie lan­ge es über­haupt noch Plat­ten­lä­den geben wird.

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Musik

Listenpanik 02/​09

Der Febru­ar ist ein blö­der Monat: Ver­dammt kurz, aber vol­ler span­nen­der Ver­öf­fent­li­chun­gen. Alles habe ich nicht geschafft zu hören, eini­ge waren erschre­ckend öde, aber irgend­wie sind mir dann doch noch genug Alben und Songs ein­ge­fal­len, die man sich für die Jah­res­end­lis­te vor­mer­ken soll­te.

Bevor im März mit Star­sail­or und Ben Lee das ganz gro­ße Fan-Fass auf­ge­macht wird, hier erst­mal der Febru­ar:

Alben
Lily Allen – It’s Not Me, It’s You
Sel­ten habe ich mich im Bekann­ten­kreis für etwas so sehr recht­fer­ti­gen müs­sen wie für mei­ne Lily-Allen-Ver­eh­rung. Aber im Gegen­satz zu die­sen gan­zen Café- und Fami­li­en­kom­bi­beschal­le­rin­nen (Duffy, Amy Wine­house, Amy Mac­Do­nald, Ade­le, Gabrie­la Cil­mi, …) hat Lily Allen Eier (das hört sich im Bezug auf Frau­en immer komisch an, weil Frau­en natür­lich gene­rell Eier haben – ganz anders als Män­ner). Ihre Songs sind klug und wit­zig, gehen ins Ohr und in die Füße und ihr zwei­tes Album setzt das phan­tas­ti­sche Debüt kon­se­quent fort. So und nicht anders soll­ten jun­ge Frau­en mit 23 klin­gen.

Bei­rut – March Of The Zapo­tec /​ Real­peo­p­le: Hol­land
Und damit zum nächs­ten Musi­ker, der jün­ger als ich ist: Zach Con­don hat mit sei­ner Band Bei­rut bereits zwei Alben ver­öf­fent­licht, jetzt kommt eine Dop­pel-EP, bestehend aus sechs Songs, die er mit einer 19-köp­fi­gen Band in Mexi­ko auf­ge­nom­men hat, und fün­fen, die er schon vor län­ge­rer Zeit mit sei­nem Elek­tro­nik-Pro­jekt Real­peo­p­le auf­ge­nom­men hat. Der ers­te Teil ist Welt­mu­sik für Leu­te, die sonst kei­ne Welt­mu­sik mögen, der zwei­te Elek­tro­nik für Leu­te, die sonst kei­ne Elek­tro­nik hören. Trotz die­ser zwei doch recht unter­schied­li­chen Ansät­ze wird das Album (die Dop­pel-EP) von Con­dons Stim­me und sei­nen Ideen wun­der­bar zusam­men­ge­hal­ten.

U2 – No Line On The Hori­zon
U2 zäh­len zu jenen Bands, die ich durch­aus schät­ze, die mir aber nie in den Sinn kämen, wenn es um die Nen­nung mei­ner Lieb­lings­bands geht. „No Line On The Hori­zon“ wird jetzt als ihr bes­tes Album seit lan­gem gefei­ert und erst­mals seit lan­ger Zeit höre ich ein Album, von dem bei mir so gar nichts hän­gen blei­ben will. Nach etli­chen Durch­gän­gen könn­te ich gera­de andert­halb Refrains benen­nen, ansons­ten geht das Album ein­fach so durch mei­nen Kopf durch. Selt­sa­mer­wei­se weiß ich trotz­dem, dass ich das Album gut fin­de.

Mor­ris­sey – Years Of Refu­sal
Ja, klar: The Smit­hs waren schon sehr, sehr groß und Mor­ris­sey ist eine coo­le Sau. Trotz­dem haben mich die Alben des Man­nes, den Musik­jour­na­lis­ten stets wis­send mit merk­wür­di­gen Attri­bu­ten beden­ken, nie so wirk­lich inter­es­siert. Die Sin­gles: ja („First Of The Gang To Die“ als abso­lu­ter Über­hit), aber sonst? „Years Of Refu­sal“ ist da anders: Das Album rockt und bockt und zickt und alle schrei­en laut „Ach Gott, ach Gott, das kann er doch nicht machen. Und jetzt hört man auch noch die Ver­zer­rer und das schep­pern­de Schlag­zeug …“. Und ich fin­de es zum ers­ten Mal rich­tig inter­es­sant.

The Whitest Boy Ali­ve – Rules
In einem wachen Moment mei­ner by:Larm-Berichterstattung hat­te ich Erlend Øye als „eine Art Thees Uhl­mann Nor­we­gens“ beschrie­ben, was sich aller­dings pri­mär auf die Mas­kott­chen- und Paten­haf­tig­keit der Bei­den für die jewei­li­gen Musik­sze­nen bezog. (Wit­zi­ger­wei­se ist Øye ja unge­fähr so sel­ten in Nor­we­gen wie Uhl­mann in Ham­burg, weil bei­de in Ber­lin woh­nen, der Stadt, in der man halt wohnt.) Außer­dem sind Bei­de – zumin­dest in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung – jeweils ihre Band. Kaum jeman­den inter­es­siert, wer sonst noch bei The Whitest Boy Ali­ve bzw. bei Tom­te spielt – aber damit ist end­lich Schluss mit den Gemein­sam­kei­ten, denn The Whitest Boy Ali­ve sind per­ma­nent so fun­ky wie Tom­te in ihren fun­kigs­ten Momen­ten. „Rules“ ist von vor­ne bis hin­ten eine Auf­for­de­rung zum Tanz, eine Plat­te, die man erst mit den Füßen hört und dann mit den Ohren (eine ana­to­misch etwas abwe­gi­ge Idee), ein­fach schö­ner, klang­vol­ler Pop.

Songs
Lily Allen – Who’d Have Known
Die Idee, ein­fach den Refrain eines Hits vom Take-That-Come­back-Album zu neh­men („Shi­ne“) und dar­aus einen kom­plett neu­en Song zu ent­wi­ckeln, ist so uncool und absurd, dass man sie ein­fach lie­ben muss. Ansons­ten ist „Who’d Have Known“ auch noch ein so rüh­rend unschul­di­ges Lie­bes­lied, in dem sich Roman­tik und all­täg­li­ches Rum­lun­gern auf sehr sym­pa­thi­sche Wei­se tref­fen. Bezie­hung durch Gewohn­heits­recht, qua­si.

Klee – Ich lass ein Licht an für Dich
Und gleich noch so eine rüh­rend unschul­di­ge Num­mer: „Ber­ge ver­set­zen“, das aktu­el­le, mit­un­ter an Goldf­rapp erin­nernd Klee-Album, war ein biss­chen an mir vor­bei­ge­gan­gen, bis mir der Shuff­le Mode die­sen Song in die Ohren und direkt ins Herz jag­te. Die­ses Lied ist der bes­te Beweis, wie man auch in deut­scher Spra­che völ­lig unpein­lich ganz gro­ße Gefüh­le behan­deln kann. (Ich muss da immer an „Halt Dich an Dei­ner Lie­be fest“ den­ken.)

Kili­ans – Said And Done
Lus­tig: Wenn man es direkt nach „Ich lass ein Licht an für Dich“ hört, klingt es fast wie die Fort­set­zung des Songs. Irgend­je­mand muss ja auch mal „Never Thought I’d Say That It’s Alright“ und „When Did Your Heart Go Miss­ing“ beer­ben, was gene­ra­tio­nen­über­grei­fen­den Air­play angeht. War­um also nicht die Kili­ans, die mit ein paar Strei­chern im Rücken das Feld beackern, das seit dem Ende von Rea­dy­ma­de und Miles brach liegt? Und kei­ne Angst vor dem Pop: Das Album rockt dann wie­der mehr.

Man­do Diao – Go Out Tonight
Wirk­lich span­nend ist auch deren neu­es Album nicht gewor­den (wenn auch nicht ganz so öde wie das von Franz Fer­di­nand), aber kurz vor Schluss kommt dann wenigs­tens so eine Man­do-Diao-typi­sche Schun­kel­num­mer mit Motown-Rhyth­mus, Melan­cho­lie und ordent­lich Feu­er in den Stim­men.

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

Kategorien
Musik

Haldern Rock im Saal

Sie­ben mal bin ich schon mit dem Auto von Dins­la­ken nach Hald­ern und zurück gefah­ren, bevor ich zum ers­ten Mal Goog­le Maps nach dem kür­zes­ten Weg befragt habe. Und sie­he da: Der führt nicht etwa über die Auto­bahn, son­dern strunz­lang­wei­lig die gan­ze Zeit die B8 ent­lang.

Aber war­um fährt man außer­halb der Fes­ti­val- und Spar­gel-Sai­son eigent­lich ins Lin­den­dorf am schö­nen Nie­der­rhein? Na, um Kon­zer­te zu gucken, natür­lich.

„Rock im Saal“, den klei­nen Bru­der des Hald­ern Pop gibt es mitt­ler­wei­le auch seit 15 Jah­ren. Am ver­gan­ge­nen Sams­tag tra­fen sich die Hald­er­ner Dorf- und die nord­rhein-west­fä­li­sche Indie­ju­gend wie­der im Gast­hof Tepferdt, um in der gemüt­lichs­ten mir bekann­ten Atmo­sphä­re Live­mu­sik zu genie­ßen.

Enno Bunger

Enno Bun­ger
Glaubt man jenen Quel­len, denen man im Bezug auf sowas immer trau­en soll­te, sind Enno Bun­ger das nächs­te grö­ße­re Ding. Die Mischung aus Kea­ne (die Musik, die feh­len­den Gitar­ren) und Blobkanal/​Janka (die Tex­te, der Gesang) dürf­te eigent­lich ein Hit wer­den, auch wenn es den natür­li­chen Lebens­raum für sol­che Musik, Sarah Kutt­ners Shows auf Viva bzw. MTV, seit Jah­ren nicht mehr gibt.

Die rocki­gen Num­mern, die die Band um Sän­ger, Pia­nist und Namens­ge­ber Enno Bun­ger am Sams­tag gespielt haben, gefie­len mir aus­ge­spro­chen gut und erin­ner­ten ein biss­chen an die guten Sachen von Vir­gi­nia Jetzt! Die ruhi­ge­ren Songs sind ver­mut­lich auch nicht schlecht, waren aber ein­fach nicht das, was ich in dem Moment hören woll­te.

Hören kann man Enno Bun­ger bei MySpace und live. Die letz­ten Exem­pla­re der EP wur­den am Sams­tag ver­kauft, bis zum Debüt­al­bum dau­ert es noch ein biss­chen.

Kilians

Kili­ans
Ich hat­te Sie gewarnt – Kili­ans-Con­tent ist der neue Oba­ma-Con­tent hier im Blog.

Der Auf­tritts­ap­plaus hät­te Rob­bie Wil­liams nei­disch gemacht, die Stim­mung wäh­rend des Kon­zerts erin­ner­te ein biss­chen an Kin­der­ge­burts­tag (was vor allem am Durch­schnitts­al­ter des Publi­kums lag) und wenn eine Band vier neue Songs hin­ter­ein­an­der raus­hau­en kann, ohne dass die Begeis­te­rung der Zuhö­rer nach­lässt, dann haben sich da zwei gefun­den. (Das war eine Meta­pher, denn die Band war wie üblich zu fünft und das Publi­kum zu ein paar Hun­dert.)

Was nicht funk­tio­niert, ist Iro­nie in Song-Ansa­gen: „Wir waren seit Jah­ren nicht mehr hier“, hat ange­sichts des fünf­ten Kon­zerts auf Hald­er­ner Boden in knapp zwei­ein­halb Jah­ren kein Schwein ver­stan­den.

Hören kann man die Kili­ans bei MySpace, live und auf CD – aber das erzähl ich Ihnen bis zum Release von „They Are Cal­ling Your Name“ eh noch ein paar tau­send Mal.

Gisbert zu Knyphausen

Gis­bert zu Knyphau­sen
Will­kom­men zu unse­rer neu­en Serie „Hypes igno­rie­ren mit Herrn Hein­ser“. Die ers­te Fol­ge (Glas­ve­gas) ent­fällt, wir machen direkt wei­ter mit Gis­bert zu Knyphau­sen, über den ich vor­her eigent­lich nur wuss­te, dass der wirk­lich so heißt.

Gis­bert zu Knyphau­sen macht, das muss man unum­wun­den sagen, Mäd­chen­mu­sik. Aber Mäd­chen­mu­sik, die von tol­len Mäd­chen gehört wird und des­halb auch von Jun­gen gut gefun­den wer­den kann. Außer­dem kann er – was mir vor­her gar nicht klar war – auch sehr ordent­lich rocken und erin­nert dann fast an die frü­hen Toco­tro­nic.

Da der Begriff „Lie­der­ma­cher“ durch Rein­hard Mey und Wolf Maahn bis ans Ende der deut­schen Spra­che ver­brannt ist, muss man sich mit dem (ange­sichts deut­scher Tex­te etwas deplat­ziert wir­ken­den) Begriffs­paar „Singer/​Songwriter“ behel­fen. Zur Ori­en­tie­rung sei­en noch zwei Namen genannt, die ver­mut­lich den wenigs­ten Gis­bert-zu-Knyphau­sen-Höre­rin­nen noch etwas sagen wer­den: Tom Liwa und Thom­mie Bay­er.

Hören kann man Gis­bert zu Knyphau­sen auf MySpace, live und auf CD.

Alle Fotos: © Mar­ti­na Dri­gnat für mainstage.de. Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung.