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Musik

Don’t Panic

Cold­play haben sich für ihre anste­hen­de Sta­di­en­tour ein wahr­lich eklek­ti­sches Begleit­pro­gramm zusam­men­ge­stellt: Neben Jay‑Z, Girls Aloud und den White Lies wer­den auch die Fla­ming Lips, Bat For Las­hes, Data­rock, How­ling Bells, Minis­tri, The Sun­day Dri­vers, Moi Capri­ce, Miss Mont­re­al und Pega­sus in ver­schie­de­nen Kon­stel­la­ti­on bei den Kon­zer­ten zu sehen sein.

Ach so: Und die Kili­ans.

Spä­tes­tens jetzt soll­ten fol­gen­de Kon­zer­te ganz schnell aus­ver­kauft sein:

25.08. Han­no­ver, AWD-Are­na
27.08. Düs­sel­dorf, LTU-Are­na
29.08. Mün­chen, Reit­hal­le Riem

[via GHvC-News­let­ter]

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Musik Print

Stadt, Land, Flucht

Micha­el Wend­ler will umzie­hen – raus aus der durchs „per­fek­te Pro­mi­din­ner“ berühmt gewor­de­nen wei­ßen Vil­la in Ober­loh­berg.

Das erklär­te der König des Pop­schla­gers und bekann­tes­te Dins­la­ke­ner der „Rhei­ni­schen Post“:

Ein neu­es Domi­zil braucht er, weil „die Wend­ler-Vil­la in Hies­feld zur Pil­ger­stät­te gewor­den ist“. Nachts füh­ren Fans vor, hup­ten und rie­fen: „Wend­ler – komm raus!“ Nicht dass ihn das stör­te, sturm­er­probt durch Fest­zel­te und Mal­lor­ca, aber er will Ade­line schüt­zen, sei­ne sie­ben­jäh­ri­ge Toch­ter. Die Nach­barn auch.

Und die schützt er ver­mut­lich am Bes­ten, indem er in der Zei­tung ver­kün­det, einen stadt­be­kann­ten Rei­ter­hof („das 2003 abge­brann­te Gestüt an der Fran­zo­sen­stra­ße“) auf­kau­fen und sich wäh­rend der Reno­vie­rungs­ar­bei­ten vom Kame­ra­team einer Sat.1‑Dokusoap fil­men las­sen zu wol­len …

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Musik

(Fast) geschenkt!

Ein Dollar

Heut­zu­ta­ge muss man sich ja immer wie­der was neu­es ein­fal­len las­sen, um mit sei­ner Musik wahr­ge­nom­men zu wer­den. „Zahlt was ihr wollt“ ist seit Radio­head durch, aber „Ein Album für einen Dol­lar“ hat­ten wir soweit ich weiß noch nicht.

Fan­far­lo sind eine schwe­disch-eng­li­sche Band, deren Debüt­al­bum „Reser­voir“ im Febru­ar erschie­nen ist – und das man jetzt und bis zum 4. Juli für nur einen Dol­lar (umge­rech­net 71 Euro­cent, zahl­bar per Pay­pal oder Kre­dit­kar­te) auf fanfarlo.com her­un­ter­la­den kann.

Die Musik erin­nert ein biss­chen an Arca­de Fire, Bei­rut, Sigur Rós und Stars und vier Bonus­tracks gibt’s noch dazu, so dass der ein­zel­ne Song noch 14,2 4,7 Euro­cent kos­tet. Den Ope­ner „I’m A Pilot“ kriegt man bei last.fm direkt geschenkt.

Ob sich das Gan­ze für die Band rech­net? Zumin­dest eine gewis­se Auf­merk­sam­keit ist ihnen sicher. Und die nächs­te Tour ist bestimmt aus­ver­kauft.

* * *

Ein gan­zes Album ver­schen­ken Pale, die sich gera­de auf­ge­löst haben. 17 Demos, Out­takes und Remi­xe haben sie zu ihrem Nach­lass „Extras“ zusam­men­ge­stellt, den man direkt auf der Band­home­page her­un­ter­la­den kann.

Ich muss geste­hen, dass ich von Pale bis­her nur ihr letz­tes Album „Brot­her. Sis­ter. Bores!“ kann­te (weil es vor drei Jah­ren beim Grand Hotel van Cleef erschie­nen ist), aber das muss ich drin­gend ändern. Neben jeder Men­ge fei­ner eige­ner Sachen beein­dru­cken auf „Extras“ vor allem zwei Cover­ver­sio­nen: „Gold“ (im Ori­gi­nal von Span­dau Balett, wes­we­gen ich das Lied bei jeder Ber­lin­rei­se beim Halt im Bahn­hof Span­dau anstim­me) und das atem­be­rau­ben­de „Time Is Now“ (Molo­ko).

Wäh­rend es Pale nicht mehr gibt, blei­ben einem die Band­mit­glie­der natür­lich erhal­ten: Schlag­zeu­ger Ste­phan Kochs bloggt bei Rand­pop und sein Bru­der und Sän­ger Hol­ger Kochs hat unter ande­rem das sehr gelun­ge­ne Art­work zum neu­en Kili­ans-Album erstellt.

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Gesellschaft Musik

Ein offener Brief an Jack White

Ein Jahr ist die Fuß­ball­eu­ro­pa­meis­ter­schaft fast schon wie­der her, aber mein Blog-Ein­trag „Wie ich lern­te, ‚Seven Nati­on Army‘ zu has­sen“ ist noch immer unge­schrie­ben.

Er wird es auch blei­ben, denn ich habe einen ande­ren Weg gefun­den, mich mit der Num­mer-Eins-Hym­ne alko­ho­li­sier­ter Men­schen in Deutsch­land aus­ein­an­der­zu­set­zen:

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Musik

Listenpanik 05/​09

Wie­der ein­mal ist ein Monat schon län­ger vor­bei, wie­der ein­mal habe ich längst nicht alles hören kön­nen und wie­der ein­mal wer­de ich in einer Minu­te mit der Revi­si­on die­ser Lis­te begin­nen, aber was soll’s?

Let’s give it a try:

Alben
Fink – Sort Of Revo­lu­ti­on
Manch­mal ent­deckt man Bands oder Künst­ler eben erst beim vier­ten Album (s.a. The Hold Ste­ady). Fin Green­all aus Brigh­ton macht Musik, die im Wiki­pe­dia-Arti­kel mit „Jazz, Blues, Dub, Folk, Indie“ bezeich­net wird, was gleich­zei­tig alles und nichts sagt.

Ein biss­chen erin­nert die Musik an Bon Iver (also, his­to­risch betrach­tet: anders­her­um), an Nick Dra­ke und an diver­se Sadd­le-Creek- und Sub-Pop-Bands. Anders aus­ge­drückt: Es wür­de mich nicht wun­dern, wenn eines der Stü­cke auf dem Sound­track des nächs­ten Zach-Braff-Films zu hören wäre.

Bis dahin wird mich die­se wun­der­bar ent­spann­te, leicht melan­cho­li­sche Pop­mu­sik sicher noch den gan­zen Som­mer über beglei­ten.

The Alex­an­dria Quar­tet – The Alex­an­dria Quar­tet
Es pas­siert ja auch nicht so oft, dass man eine Band eher zufäl­lig zwei Mal live gese­hen hat, bevor ihr Album über­haupt in Deutsch­land raus­kommt.

Hat­te ich The Alex­an­dria Quar­tet in Oslo noch als „Indie­rock zwi­schen Man­do Diao, den frü­hen Kil­lers und Tra­vis“ beschrie­ben, muss ich über die Plat­te etwas völ­lig ande­res behaup­ten: Die erin­nert gera­de in den ruhi­ge­ren Momen­ten (in denen die Band am Bes­ten ist) eher an Jeff Buck­ley, Esko­bar und Richard Ash­croft und – wenn sie dann los­ro­cken – an Fee­der und die frü­hen Radio­head. (Die Chan­cen ste­hen aller­dings gut, dass ich auch die­se Ver­glei­che in drei Mona­ten wie­der für völ­lig lächer­lich hal­ten wer­de.)

Jeden­falls: Das selbst­be­ti­tel­te Debüt der Nor­we­ger kommt, wie White Tapes ganz rich­tig bemerkt, „eigent­lich cir­ca 10 Jah­re zu spät“, aber irgend­wo zwi­schen Ath­le­te, Embrace und Thir­teen Sen­ses wird schon noch ein Platz frei sein für die­sen Brit­pop der melan­cho­li­sche­ren Sor­te.

Manic Street Pre­a­chers – Jour­nal For Pla­gue Lovers
Ich bin bekannt­lich ein eher unpo­li­ti­scher Mensch, aber wenn pla­ka­ti­ve Paro­len mit Pop-Appeal daher­kom­men wie bei The Clash, Asi­an Dub Foun­da­ti­on, Rage Against The Machi­ne oder eben den Manics, dann höre ich mir das ger­ne an, sin­ge laut mit und stel­le mir vor, wie sich das anfühlt, da auf den Bar­ri­ka­den. Die Lehn­stuhl-Revo­lu­ti­on auf dem iPod, sozu­sa­gen.

Die Tex­te des neu­en Manics-Albums stam­men aus einer Zeit vor Barack Oba­ma, vor dem 11. Sep­tem­ber und vor New Labour. Sie stam­men aus dem (wohl lei­der tat­säch­lich) Nach­lass des vor 14 Jah­ren ver­schwun­de­nen Band-Gitar­ris­ten Richey Edwards und sind vor allem bild­ge­wal­tig und kryp­tisch.

Die Songs sind nicht unbe­dingt das, was man als „ein­gän­gig“ bezeich­nen wür­de, aber sie haben eine rohe Ener­gie, die zu Zei­ten des lah­men­den Spät­werks „Life­b­lood“ kaum noch jemand für mög­lich gehal­ten hät­te. Und wenn zum Schluss Bas­sist Nicky Wire „William’s Last Words“ anstimmt („singt“ wäre dann viel­leicht doch das fal­sche Wort), dann ist das schon ein ganz gro­ßer Gän­se­haut-Moment, der sich nach dem end­gül­ti­gen Abschied von einem Freund anhört.

Ob das Album auch ohne die­se gan­ze Vor­ge­schich­te so span­nend wäre? Kunst funk­tio­niert eigent­lich nie ohne Kon­text, aber ich glau­be schon.

Phoe­nix – Wolf­gang Ama­de­us Phoe­nix
Eine vor­ab: Die bes­te Phoe­nix-Plat­te des Jah­res kommt dann ver­mut­lich doch von The Whitest Boy Ali­ve. Für die Fran­zo­sen wird es aber aller Vor­aus­sicht nach immer noch für den zwei­ten Platz rei­chen, was unter ande­rem an Songs wie „Lisz­to­ma­nia“ und „Rome“ liegt. Viel­leicht wird das Album noch ein biss­chen über sich hin­aus­wach­sen, wenn ich es end­lich mal in der Son­ne hören kann, aber im Ruhr­ge­biets-Regen ver­brei­tet es auch schon mal eine ordent­li­che Por­ti­on Som­mer.

Jupi­ter Jones – Holi­day In Cata­to­nia
Mit dem zwei­ten Jupi­ter-Jones-Album „Ent­we­der geht die­se scheuß­li­che Tape­te – oder ich“ nie ganz warm gewor­den, aber für „Holi­day In Cata­to­nia“ sieht es bes­ser aus: Nach einem wah­ren Dampf­ham­mer-Auf­takt schal­tet die Band ein bis zwei Gän­ge zurück, schafft es aber, so schö­ne Melo­dien raus­zu­hau­en wie noch nie. Das hat manch­mal ein biss­chen was von Kett­car, aber das ist durch­aus als Kom­pli­ment gemeint. Bei der Wahl zum deutsch­spra­chi­gen Lied­zi­tat des Jah­res emp­fiehlt sich „Mit dem Alter kommt die Weis­heit /​ Nach der Jugend kommt die Eis­zeit“ jeden­falls jetzt schon für die Short­list.

Songs
Manic Street Pre­a­chers – Jackie Coll­ins Exis­ten­ti­al Ques­ti­on Time
Dies­mal gibt’s kei­ne Sin­gles, aber das Lied mit dem ellen­lan­gen Titel ist trotz­dem so etwas wie das Flagg­schiff für „Jour­nal For Pla­gue Lovers“. War­um? Zwei Zita­te: Das unschlag­ba­re „Oh mum­my what’s a Sex Pis­tol?“ im Refrain und die span­nen­de Fra­ge „If a mar­ried man, if a mar­ried man fucks a Catho­lic /​ And his wife dies wit­hout kno­wing /​ Does that make him unfaithful, peo­p­le?“. (Dass das „fuck“ im Video durch ein „beg“ ersetzt wur­de, ist aller­dings schon ein biss­chen lame.)

Und dann natür­lich noch die­ses Riff, das mei­ne Behaup­tung, das Album sei nicht ein­gän­gig, Lügen straft.

a‑ha – Foot Of The Moun­tain
Ich hat­te mein Ver­hält­nis zu a‑ha und mei­ne Begeis­te­rung für die­se Mal-wie­der-Come­back-Sin­gle ja schon aus­führ­lich geschil­dert. Aber die­ser Song ist ja wohl auch ein Mus­ter­bei­spiel der Kate­go­rie „der etwas anspruchs­vol­le­re Pop­song“.

Fink – Sort Of Revo­lu­ti­on
6:32 Minu­ten sind nicht gera­de das, was sich For­mat­ra­dio­ma­cher als Son­glän­ge wün­schen. Aber der Titel­track und Ope­ner des vier­ten Fink-Albums (s.o.) besticht durch sei­ne Instru­men­tie­rung (die­ses Schlag­werk!) und den genu­schel­ten Gesang. „Let me know when we get the­re /​ If we get the­re“, so oft wie­der­holt, bis es einen fast kom­plett ein­ge­lullt hat. Und dann geht das Album erst rich­tig los.

The Alex­an­dria Quar­tet – Montauk
Wenn ich jetzt Say­bia und Lorien als Ori­en­tie­rungs­hil­fe nen­ne, bin ich mir zwar aus­nahms­wei­se mal sicher, habe aber auch treff­si­cher zwei längst ver­ges­se­ne Bands des Gen­res her­vor­ge­holt.

„Montauk“ gehört zu der Sor­te schlep­pen­der Bal­la­den, bei denen sich die Pär­chen auf Kon­zer­ten ganz eng umschlun­gen im Takt der Musik wie­gen, das Büh­nen­licht in ein ver­klä­ren­des Gelb getaucht wird, und die, die allein zum Kon­zert gekom­men sind, mit viel Glück noch ihr Han­dy zücken, um den Moment mit jeman­dem zu tei­len. Wer ganz allein ist, genießt eben für sich.

Jar­vis Cocker – Ange­la
Es ist schwie­rig, bei den Zei­len „Ange­la /​ An unfi­nis­hed sym­pho­ny“ nicht an die Bun­des­kanz­le­rin zu den­ken, aber irgend­wie geht es dann schon. Jar­vis Cocker klingt für 2:58 Minu­ten, als wol­le er an sei­ner Elvis-Cos­tel­lo-Wer­dung arbei­ten und der neue Bart legt die­se Ver­mu­tung nahe. Lei­der ist die­ser tro­cke­ne Stamp­fer dann auch schon der Höhe­punkt von Cockers zwei­tem Solo­al­bum, das ansons­ten eher unspan­nend vor sich hin düm­pelt.

Phantom/​Ghost – Thrown Out Of Dra­ma School
Wenn da nicht die Stim­me (und der Akzent) von Dirk von Lowtzow wäre, gin­ge die­ser Song sicher auch als B‑Seite von The Divi­ne Come­dy durch: Die­ses Rag­time-Pia­no, der melo­dra­ma­ti­sche Text, all das ergibt ein wun­der­bar skur­ri­les Gesamt­bild, des­sen Fas­zi­na­ti­on man sich selbst kaum erklä­ren kann.

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

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Musik Rundfunk Digital

Wie man 2009 einen Hit landet – und wie nicht

a‑ha ver­kün­de­ten ges­tern stolz via Twit­ter, dass „Foot Of The Moun­tain“ auf Platz 3 der deut­schen Charts ein­stei­gen wer­de und damit die erfolg­reichs­te Sin­gle seit „Take On Me“ vor 24 Jah­ren sei.

Nun sind a‑ha trotz der vie­len Hits nicht unbe­dingt das, was man unter einem Sin­gle-Act ver­steht. Ihre Songs wer­den zwar im Radio gespielt, aber die Kern­ziel­grup­pe (Men­schen um die 40) war­tet dann wohl doch eher, bis das Album erscheint.

Ande­rer­seits war der Song beim Fina­le von „Germany’s Next Top­mo­del“ der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt wor­den und danach sofort bei iTu­nes ver­füg­bar. Ein ande­rer Song, der in die­ser Sen­dung nur im Hin­ter­grund zu hören war, blo­ckiert seit­dem Platz 1 der iTu­nes-Charts: „Jungle Drum“ von der sonst eher Hit-unver­däch­ti­gen Emi­lia­na Tor­ri­ni.

Die­se Fäl­le zei­gen, dass die Leu­te sehr wohl bereit sind, für Musik zu zah­len. Es muss nur der schnells­te und ein­fachs­te Weg sein: Man hört einen Song im Radio oder im Fern­se­hen, geht ins Inter­net und hat zwei Minu­ten und 99 Cent spä­ter das gewünsch­te Lied auf der Fest­plat­te – schnel­ler und ein­fa­cher als bei den meis­ten ande­ren Quel­len. (Dass es auch „lega­ler“ ist, dürf­te die meis­ten Nut­zer näm­lich offen gestan­den nicht inter­es­sie­ren. Sie wol­len es schnell und bequem – und sind zumin­dest zum Teil bereit, für die­se Bequem­lich­keit zu zah­len.)

Wie man dar­aus kein Kapi­tal schlägt, zeigt der Fall des gro­ßen „Scrubs“-Finales: Am Ende der letz­ten Fol­ge läuft in einer wun­der­bar rüh­ren­den Sze­ne „The Book Of Love“ von Peter Gabri­el. Die­se Cover­ver­si­on eines Magne­tic-Fields-Songs war vor fünf Jah­ren auf dem Sound­track zur Richard-Gere-Komö­die „Shall We Dance?“ ent­hal­ten und ist im ame­ri­ka­ni­schen iTu­nes Store nur als Teil des gesam­ten Sound­tracks für 11,99$, bei Amazon.com für 8,99$ erhält­lich. Bei den deut­schen Äqui­va­len­ten ist das Lied gar nicht ver­füg­bar.

In den Kom­men­ta­ren bei iTu­nes wur­de die Mög­lich­keit, den Song ein­zeln kau­fen zu kön­nen, schon vor vier Jah­ren ein­ge­for­dert. Ich bin mir sicher, ein nicht uner­heb­li­cher Teil der Men­schen, die bei last.fm (wo es den Song natür­lich auch nicht zu hören gibt) schrei­ben, wie gut ihnen die Ver­wen­dung des Stücks bei „Scrubs“ gefal­len hat, hät­ten „The Book Of Love“ kurz nach der Aus­strah­lung ger­ne sofort gekauft. Aber Uni­ver­sal, einer der trägs­ten unter den ver­blie­ben Majors, hat wie­der ein­mal gepennt und sich damit ein gro­ßes Geschäft ver­saut.

Dar­un­ter lei­den natür­lich auch Peter Gabri­el und die Musi­ker von den Magne­tic Fields, die den Song geschrie­ben haben – aber die sind nor­ma­ler­wei­se eh bei ganz ande­ren Plat­ten­fir­men.

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Musik

The Class of ’99

New Radicals hören im ICE (Szene nachgestellt)

Heu­te vor zehn Jah­ren saß ich in einem Zug nach Ber­lin, hör­te „You Get What You Give“ von den New Radi­cals und damit begann dann mei­ne Musik­be­geis­te­rung (nach­zu­le­sen hier). 1

In der Fol­ge­zeit fing ich an, Gitar­re zu ler­nen, in Bands zu spie­len, Fes­ti­vals zu besu­chen, über Musik zu schrei­ben und irgend­wann sogar Radio­sen­dun­gen dar­über zu mode­rie­ren. Am Jahr 1999 führt auch heu­te noch kein Weg dran vor­bei: Ein gro­ßer Teil mei­ner Lieb­lings­al­ben und ‑songs erschien in eben die­sem Jahr.

Mit ein wenig kul­tur­wis­sen­schaft­li­chem Über­mut könn­te man viel­leicht sogar das Fin de siè­cle bemü­hen um zu erklä­ren, war­um aus­ge­rech­net kurz vor dem Jahr­hun­dert­ende plötz­lich rei­hen­wei­se gro­ße Kunst ent­stand. Denn selbst wenn man zugu­te hält, dass 15, 16 immer ein beson­ders prä­gen­des Alter ist und Men­schen, die heu­te in die­sem Alter sind, ver­mut­lich in zehn Jah­ren das Glei­che über 2009 sagen wer­den: Vor zehn Jah­ren war eine gan­ze Rei­he von Bands und Künst­lern auf dem Höhe­punkt ihres Schaf­fens.

Da waren längst nicht nur die New Radi­cals mit ihrem ein­zi­gen Album: Ben Folds Five ver­aus­gab­ten sich mit ihrem Meis­ter­werk „The Unaut­ho­ri­zed Bio­gra­phy Of Rein­hold Mess­ner“ der­art, dass sie sich ein Jahr spä­ter auf­lös­ten; Tra­vis haben vie­le gute Alben auf­ge­nom­men, aber so dicht wie „The Man Who“ klang kei­nes mehr; Moby errich­te­te sich mit „Play“ sein eige­nes Denk­mal, von des­sen Lizen­sie­run­gen für Spiel­fil­me und Wer­be­spots er sich einen klei­nen Staat kau­fen könn­te. Und selbst, wenn ich eini­ge der ’99er Alben erst Jah­re ent­deck­te: Das war schon ein ganz beson­de­rer Jahr­gang.

Und damit Sie wis­sen, wovon zum Hen­ker ich eigent­lich rede, hier eine unsor­tier­te Lis­te von Alben aus besag­tem Jahr:

Tra­vis – The Man Who
Anspiel­tipp: Drift­wood
Ben Folds Five – The Unaut­ho­ri­zed Bio­gra­phy Of Rein­hold Mess­ner
Anspiel­tipp: Your Red­neck Past
New Radi­cals – May­be You’­ve Been Brain­wa­shed Too 2
Anspiel­tipp: Flowers
Foo Figh­ters – The­re Is Not­hing Left To Lose
Anspiel­tipp: Next Year
Jim­my Eat World – Cla­ri­ty
Anspiel­tipp: Blis­ter
Ste­reo­pho­nics – Per­for­mance And Cock­tails
Anspiel­tipp: Just Loo­king
Moby – Play
Anspiel­tipp: Por­ce­lain
Red Hot Chi­li Pep­pers – Cali­for­ni­ca­ti­on
Anspiel­tipp: Scar Tis­sue
Toco­tro­nic – K.O.O.K.
Anspiel­tipp: Jack­pot
The Get Up Kids – Some­thing To Wri­te Home About
Anspiel­tipp: I’ll Catch You
Sigur Rós – Ágæ­tis Byr­jun
Anspiel­tipp: Svefn-G-Eng­lar
Wil­co – Sum­mer­tee­th
Anspiel­tipp: Nothing’severgonnastandinmyway(again)
3 Colours Red – Revolt
Anspiel­tipp: Beau­tiful Day
Blink-182 – Ene­ma Of The Sta­te
Anspiel­tipp: What’s My Age Again?
Blur – 13
Anspiel­tipp: Cof­fee And TV

Natür­lich erschie­nen danach noch vie­le groß­ar­ti­ge Alben (ein Jahr spä­ter bei­spiels­wei­se „Kid A“ von Radio­head und das Cold­play-Debüt „Parach­u­tes“), aber ein Jahr wie 1999 habe ich seit­dem nicht mehr erlebt.

  1. Mir fiel gera­de erst auf, dass ich den Song ver­mut­lich nur des­halb im Bord­ra­dio gehört habe, weil ich den ursprüng­li­chen ICE ver­passt hat­te. Nach all die­sen Jah­ren stel­le ich fest, dass aus­ge­rech­net eine Regio­nal­bahn-Ver­spä­tung mein Leben ver­än­dert hat![]
  2. Dass das Album bereits im Okto­ber 1998 auf den Markt kam, ist ein Detail, durch das ich mir nicht mei­ne Geschich­te kaputt machen las­se.[]
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Musik

Silence always wins

Es gibt Bands und Musi­ker, die beglei­ten einen ein Leben lang, ohne dass man es merkt. Als Patri­cia Kaas beim Grand Prix für Frank­reich sang, über­kam mich ein woh­li­ger Erin­ne­rungs­schau­er, der mich an vie­le Geburts­tags­fei­ern mei­ner Eltern den­ken ließ und an die unzäh­li­gen namen­lo­sen Hits der Star-Chan­teu­se, die sol­che Ver­an­stal­tun­gen beschallt haben, als ich noch ein Kind war.

Bei a‑ha kam die­se Erkennt­nis vor neun Jah­ren, als sich das nor­we­gi­sche Trio aus der Krea­tiv­pau­se zurück­mel­de­te und mit „Minor Earth Major Sky“ mal eben eines der bes­ten Pop-Alben des Jahr­zehnts ver­öf­fent­lich­te. Beim Kon­zert in der Are­na Ober­hau­sen (bei dem ein Freund und ich die ein­zi­gen Män­ner unter 30 waren und zur Stra­fe Rea­m­onn als Vor­grup­pe ertra­gen muss­ten) däm­mer­te mir dann, wie vie­le a‑ha-Lie­der schon immer Teil mei­nes Lebens gewe­sen waren. Allen vor­an natür­lich „Take On Me“, die­se unfass­bar ein­gän­gi­ge Acht­zi­ger-Hym­ne mit dem bes­ten Musik­vi­deo aller Zei­ten, bei deren „Singstar“-Interpretation ich unge­schla­gen bin.

Drei­ein­halb Jah­re ist das letz­te a‑ha-Album „Ana­lo­gue“ alt, das bei etwas kre­di­bi­le­ren Künst­lern als „beein­dru­ckend dich­tes Alters­werk“ durch­ge­gan­gen wäre, bei den ewi­gen Pos­ter­boys aber wei­test­ge­hend igno­riert wur­de. Zeit für etwas Neu­es, zum Bei­spiel die Sin­gle „Foot Of The Moun­tain“, die letz­te Woche beim Fina­le von „Germany’s Next Top­mo­del“ in einer spek­ta­ku­lä­ren Büh­ne der Welt­öf­fent­lich­keit prä­sen­tiert wur­de:

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(Die­se komi­schen Kis­ten schei­nen übri­gens sehr Fri­sur­feind­lich gewe­sen zu sein.)

Man muss den Song viel­leicht ein paar Mal hören, bevor er sich einem erschließt. Aber wenn man sich ein­mal an die stel­len­wei­se unkon­ven­tio­nel­le Gesangs­me­lo­die gewöhnt, wenn man die „Dis­arm“-Glo­cken im Refrain ent­deckt und mal auf den zwi­schen Zynis­mus und Pathos schwan­ken­den Refrain geach­tet hat, dann will man den „Repeat“-Schalter gar nicht mehr zurück­stel­len. (Sie ahnen: Im Moment ist es etwas anstren­gend, mit mir zusam­men­zu­woh­nen.)

Das Album, das auch „Foot Of The Moun­tain“ hei­ßen wird, erscheint in Deutsch­land am 19. Juni.

PS: Sehen Sie sich bit­te auch unbe­dingt die­se außer­ge­wöhn­li­che Live­ver­si­on von „Take On Me“ an!

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Musik

Can’t read my baby face

Weezer, die Älte­ren wer­den sich erin­nern, waren eine Band, die Mit­te der 1990er Jah­re mit den Alben „Weezer“ und „Pin­ker­ton“ Rock-Geschich­te schrie­ben. 2001 kamen sie mit „Weezer (The Green Album)“ zurück und befin­den sich seit­dem auf dem abstei­gen­den Ast.

Das heißt: Nicht ganz. Letz­tes Jahr schaff­ten sie es über­ra­schen­der­wei­se, das defi­ni­ti­ve You­Tube-Video zu dre­hen und mit „Heart Songs“ auch noch eine anrüh­ren­de Hel­den­ver­eh­rung zu ver­öf­fent­li­chen.

Und jetzt? Covern sie live „Kids“ von MGMT und „Poker Face“ von Lady Gaga. Hört sich bekloppt an?

Hört sich so an:

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[via choo­choot­he­band]

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Musik Rundfunk

Grand-Prix-Liveblog 2009

Eurovision-Begleitessen

Ich füh­le mich ein biss­chen wie die alte Frau, für die ich beim Zivil­dienst immer ein­kau­fen muss­te: Viel zu viel Essen da, aber es könn­te ja immer über­ra­schend jemand vor­bei­kom­men. (Die alte Frau hat­te aller­dings mehr und här­te­ren Alko­hol zuhau­se als ich.)

Aber es soll ja ein län­ge­rer Abend wer­den:

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.coveritlive.com anzu­zei­gen.

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Musik Rundfunk Digital

Programmhinweis: Ein Liveblog für Moskau

Ein Eisbär schießt Konfetti ins Publikum. Eine riesige digitale MatrjoschkaSie wer­den es ver­mut­lich noch nicht mit­be­kom­men haben, aber mor­gen ist wie­der die Ver­an­stal­tung, die seit eini­gen Jah­ren „Euro­vi­si­on Song Con­test“ genannt wird und nie „Grand Prix d’Eurovision de la Chan­son“ hieß.

Im Gegen­satz zu den letz­ten bei­den Jah­ren, als Ste­fan Nig­ge­mei­er und ich uns bereits im Vor­feld durch alle Bei­trä­ge gekämpft haben, habe ich in die­sem Jahr kei­ne Ahnung, was mich beim Fina­le in Mos­kau erwar­tet: Ich habe kei­nes der Halb­fi­nals gese­hen und selbst den deut­schen Titel habe ich bis­her nicht (bewusst) gehört.

Das sind natür­lich die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für einen zünf­ti­gen Grand-Prix-Abend mit Käse­häpp­chen, Metigel und rus­si­schem Wod­ka (auf den ich aus per­sön­li­chen Grün­den aller­dings ver­zich­ten wer­de).

Das gro­ße Live­blog star­tet (wie schon 2007 und 2008) um kurz vor 21 Uhr. Bild und Ton ent­neh­men Sie bit­te dem Pro­gramm des Ers­ten Deut­schen Fern­se­hens oder eurovision.tv.

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Musik Politik

Familiar To Millions

Gallagher Lane in San Francisco, CA

In Man­ches­ter sorgt man sich um eine ord­nungs­ge­mä­ße Abwick­lung der Euro­pa­wahl am 4. Juni.

Der Grund: Um halb Zehn abends, eine hal­be Stun­de vor Schlie­ßung der Wahl­lo­ka­le, wer­den zwei Stra­ßen gesperrt, weil im benach­bar­ten Hea­ton Park ein Kon­zert von Oasis statt­fin­det.

Die Mel­dung in all ihrer absur­den Schön­heit steht bei der BBC.

Ver­mut­lich dürf­ten zu den drei ange­setz­ten Open-Air-Kon­zer­ten in Man­ches­ter mehr Zuschau­er erschei­nen, als sich in ganz Groß­bri­tan­ni­en Wäh­ler an der Euro­pa­wahl betei­li­gen …

[via NME.com]