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Gesellschaft

Nichts Wissen macht nichts

Als im Früh­jahr 2000 die ers­te „Big Brother“-Staffel in Deutsch­land lief (die selt­sa­mer­wei­se nicht zum erwar­te­ten Unter­gang des Abend­lan­des führ­te), geis­ter­te für kur­ze Zeit eine Mel­dung durch die Medi­en, die auch die Men­schen erreich­te, die „Big Brot­her“ nie gese­hen hat­ten: Der Kan­di­dat Zlat­ko Trp­kov­ski1 hat­te nicht gewusst, wer Wil­liam Shake­speare war. Ich erin­ne­re mich dar­an, wie mei­ne Fami­lie sich beim Oster­kaf­fee­trin­ken dar­über echauf­fier­te: dass man sowas nicht wis­se, sei doch „beschä­mend“. Lei­der war ich nicht schlag­fer­tig oder Wil­lens genug, die der­art erhitz­ten Grals­hü­ter der Kul­tur zu einem Kurz­re­fe­rat über den bri­ti­schen Dich­ter­fürs­ten auf­zu­for­dern („Nur die wich­tigs­ten Lebens­da­ten und Wer­ke – und sag nicht ‚Romeo und Julia‘ und ‚Ham­let‘!“) – ich bin mir sicher, es wäre „beschä­mend“ gewor­den.

Das Argu­ment, mit dem die Kri­ti­ker von einem Auto­me­cha­ni­ker basa­le Lite­ra­tur­ken­nt­nis­se ein­for­dern woll­ten, ist das glei­che, mit dem man in Abitur­prü­fun­gen ange­hen­de Bank­kauf­leu­te zur Pho­to­syn­the­se befragt, Theo­lo­gen zur Sto­chas­tik und Medi­zi­ner zum Expres­sio­nis­mus: „All­ge­mein­bil­dung“.

Nun ist gegen eine ordent­li­che All­ge­mein­bil­dung an sich nichts ein­zu­wen­den: Es ist auch für Auto­me­cha­ni­ker, Tech­ni­ker des Kampf­mit­tel­räum­diens­tes und Super­markt­kas­sie­re­rin­nen nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen, dass sie mal in Situa­tio­nen gera­ten, in denen es von Vor­teil sein kann, Wis­sen über den Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg, die Theo­rien eines Adam Smith oder die Fil­me Jean-Luc Godards ein­zu­streu­en. Aller­dings wird ihnen in 85% der Fäl­le Gün­ter Jauch oder einer sei­ner Klo­ne gegen­über­sit­zen und sie um die Ant­wort „A“, „B“, „C“ oder „D“ bit­ten – oder ein poten­ti­el­ler Chef, der sich gezwun­gen sieht, die Anzahl der Stel­len­be­wer­ber mas­siv zu dezi­mie­ren. Man stel­le sich im Gegen­zug mal den Auf­schrei vor, der durchs Land gin­ge, wenn ein Biblio­the­kar im Vor­stel­lungs­ge­spräch gefragt wür­de, ob er denn auch ein biss­chen Ahnung von Stark­strom­elek­trik hät­te.

All­ge­mein­bil­dung um der All­ge­mein­bil­dung Wil­len hilft nie­man­dem. Ob einem zum Namen Wil­liam Shake­speare jetzt „Romeo und Julia“ und „Ham­let“ ein­fal­len oder gar nichts, macht eigent­lich kei­nen Unter­schied. Wer sein Abitur macht, kann in der Prü­fung viel­leicht die wich­tigs­ten Daten des ers­ten Welt­kriegs run­ter­rat­tern, aber was außer einer aus­rei­chen­den Geschichts­no­te hat er davon, wenn er mit die­sen Daten nichts ver­bin­det und sie spä­tes­tens beim Begie­ßen des Abischnitts wie­der ver­ges­sen hat?

1999 ver­öf­fent­lich­te Diet­rich Schwa­nitz sein Buch „Bil­dung – Alles, was man wis­sen muss“, das sofort ein Best­sel­ler wur­de. Auch wenn der Unter­ti­tel iro­nisch gemeint war, durch­weht das Buch doch eine ober­leh­rer­haf­te Ein­stel­lung und ein mit­un­ter bedroh­li­cher Hang zur Ver­knap­pung. Wer sich bewusst einen Über­blick über Phi­lo­so­phie, Geschich­te und Lite­ra­tur ver­schaf­fen kann, kann natür­lich eben­so beru­higt zu Schwa­nitz grei­fen wie ein ober­fläch­lich natur­wis­sen­schaft­lich inter­es­sier­ter Leser zu Bill Bry­son oder jeder ande­re zur Wiki­pe­dia. Wen aber nichts der­glei­chen inter­es­siert, der wird auch mit noch so guten „Ein­füh­run­gen“ nichts anzu­fan­gen wis­sen.

Das „Recht auf Bil­dung“ ist kei­ne Pflicht. Zwar erleich­tert es die Ein­ord­nung gesell­schaft­li­cher Vor­gän­ge, wenn man mit den Gedan­ken von Kant, Hob­bes oder Les­sing ver­traut ist, die blo­ße Nen­nung von kate­go­ri­schem Impe­ra­tiv, „Levia­than“ und „Nathan der Wei­se“ hin­ge­gen ist nicht son­der­lich hilf­reich. Aber Halb­wis­sen ist mitt­ler­wei­le nicht nur gesell­schaft­lich akzep­tiert, son­dern wird gera­de­zu gefor­dert2. Fast jeder Radio­sen­der hat Call-in-Sen­dun­gen, in denen die Hörer erzäh­len sol­len, was sie von Mafia­mor­den in Deutsch­land oder der glo­ba­len Erwär­mung hal­ten. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass immer wie­der Men­schen mit nur unzu­rei­chen­der Kennt­nis der Sach­la­ge von diver­sen Medi­en als „Exper­te“ in die Öffent­lich­keit gezerrt wer­den und sich dort den Ruf rui­nie­ren.

1 Ich wuss­te ohne Nach­zu­schla­gen, wie man die­sen Namen schreibt.
2 Spre­chen Sie eine belie­bi­ge Per­son auf die The­men „Glo­ba­li­sie­rung“, „Islam“ oder „Online-Durch­su­chung“ an und ren­nen Sie schrei­end weg!

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Rundfunk Gesellschaft

Das Ende der Herman-Schlacht

Manch­mal bin ich doch über­rascht von der Schnel­lig­keit eines öffent­lich-recht­li­chen Sen­ders.

Da schreibt das „Ham­bur­ger Abend­blatt“ am Frei­tag als ein­zi­ge anwe­sen­de Zei­tung dar­über, dass Eva Her­man bei der Prä­sen­ta­ti­on ihres neu­en Buches „Das Prin­zip Arche Noah“ die „Wert­schät­zung der Mut­ter“ im Natio­nal­so­zia­lis­mus als „sehr gut“ bezeich­net habe (mehr zur „rela­tiv ein­ge­schränk­ten“ Wert­schät­zung der Mut­ter bei den Nazis gibt’s bei wirres.net) und schon am Sonn­tag ver­mel­det „Welt Online“ Voll­zug:

Vol­ker Her­res, NDR-Pro­gramm­di­rek­tor Fern­se­hen, sag­te: „Frau Her­mans schrift­stel­le­ri­sche Tätig­keit ist aus unse­rer Sicht nicht län­ger ver­ein­bar mit ihrer Rol­le als Fern­seh­mo­de­ra­to­rin und Talk-Gast­ge­be­rin. Dies ist nach ihren Äuße­run­gen anläss­lich einer Buch­prä­sen­ta­ti­on in der ver­gan­ge­nen Woche deut­lich gewor­den.“

Im Gegen­satz zu 3,7 Mil­lio­nen ande­ren Arbeits­lo­sen in Deutsch­land wird Frau Her­man auch ohne ihren Pos­ten als freie NDR-Mit­ar­bei­te­rin gut ver­die­nen, denn ver­mut­lich wird gera­de die­se Geschich­te den Erfolg ihres Buches noch wei­ter vor­an­trei­ben.1 Trotz­dem fin­de ich es beru­hi­gend, dass Per­so­nen, die der­art unre­flek­tiert über die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus spre­chen, nicht wei­ter durch Fern­seh­ge­büh­ren finan­ziert wer­den.

[via Pott­blog]

1 Auch wenn ich glau­be, dass ihre Bücher mehr gekauft und weni­ger gele­sen wer­den.

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Digital

Besser nie als jetzt.de

jetzt.de, der trau­ri­ge Inter­net-Nach­fol­ger der einst sehr guten Jugend­bei­la­ge der „Süd­deut­schen Zei­tung“, hat eine Auf­lis­tung von 25 deutsch­spra­chi­gen Blogs erstellt, aus der die Leser das „inter­es­san­tes­te deut­sche Web­log“ wäh­len sol­len.

Her­aus­ge­kom­men ist eine über­aus hete­ro­ge­ne Mischung, die neben den obli­ga­to­ri­schen Bei­spie­len BILD­blog und Spree­blick auch die Blogs von Robert Basic, Jojo Beet­le­bum und Felix Schwen­zel und das Pott­blog. In den Kom­men­ta­ren jam­mert es schon wie­der, dass da eh wie­der nur „die übli­chen Ver­däch­ti­gen, die nur des­halb in der Aus­wahl sind, weil jeder Depp meint, die­se Blogs wären ein Muss in der Blogroll“ auf­tau­chen.

Das ist natür­lich nicht falsch, offen­bart aber auch das Dilem­ma dahin­ter: An wen rich­tet sich die Lis­te? Für die Leu­te, die sich in der sog. Blogo­sphä­re aus­ken­nen, ist das kal­ter Lat­te Mac­chia­to, und wer sich nur rudi­men­tär für das The­ma inter­es­siert, wird irgend­wann glau­ben, es gäbe in Deutsch­land nur eine Hand­voll Blogs, so wie es ja auch zu jedem The­ma immer nur einen Exper­ten in den Nach­rich­ten­sen­dun­gen die­ses Lan­des gibt. Wer noch nie von Blogs gehört hat, wird die jetzt.de-Seite in der gedruck­ten „Süd­deut­schen Zei­tung“ über­blät­tern und schon gar nicht im Inter­net dar­über stol­pern. Bleibt also noch die ach so tol­le Abstim­mung.

Als wäre das nicht alles schon trau­rig genug, wer­den die 25 Blogs bei jetzt.de in der jour­na­lis­ti­schen Form prä­sen­tiert, die seit eini­ger Zeit bei sueddeutsche.de und ihren Unter­sei­ten Pflicht ist: als 26-teil­i­ge Bil­der Text­ga­le­rie, bei der man für jede Blog­be­schrei­bung eine Sei­te wei­ter­kli­cken muss.

jetzt.de sucht das “interessanteste deutsche Weblog”
Aus­ris­se: jetzt.de

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Musik Leben

Peter und kein Wolf

Es ist ja längst ein völ­lig unwich­ti­ges Rand­de­tail, dass Ende des Monats mit „Shotter’s nati­on“ ein neu­es Album der Babysham­bles erscheint. Viel bedeut­sa­mer für die inter­es­sier­te Welt­öf­fent­lich­keit sind doch neue Dro­gen­pe­gel­le­vel aus der Blut­bahn von Pete Doh­erty und sei­ner engs­ten Umge­bung. Gut, seit­dem Kate Moss Reiß­aus genom­men hat, ist die­se nähe­re Umge­bung deut­lich weni­ger ansehn­lich. Aber immer­hin hat Betäu­bungs­mit­tel­ex­per­te Doh­erty eine Kat­ze, die ihn ver­steht.

Die bekannt bedäch­tig recher­chie­ren­de The Sun hat denn auch schon fol­gen­des her­aus­ge­fun­den: Weil Ver­ständ­nis durch die Venen (oder min­des­tens über die Blut-Hirn-Schran­ke) geht, hat Doh­erty für sein Exem­plar der Art Felis catus ein klei­nes Crack-Pfeif­chen gebaut. Ein hüb­sches Bild­chen der Inha­la­ti­on gibt’s auch schon. Zeu­gen berich­te­ten hin­ter­her, dass die Kat­ze ohn­mäch­tig gewor­den sei, Stim­mungs­schwan­kun­gen bekom­men hät­te und geglaubt habe, sie kön­ne flie­gen. Nun, wer jemals Kat­zen über einen län­ge­ren Zeit­raum erlebt hat, könn­te auf die Idee kom­men, das sei der Nor­mal­zu­stand. Aber wenn da nicht irgend­je­mand etwas mit dem Dro­gen­ka­ter dezent miss­ver­stan­den hät­te, besä­ße die­se Mel­dung ja gar kei­nen Neu­ig­keits­wert mehr.

Obli­ga­to­ri­sche Rand­no­tiz: Pete Doh­erty ist wei­ter­hin im bes­ten Alter, um zur mys­ti­fi­zier­ba­ren Legen­de zu wer­den. Ein hal­bes Jahr noch …

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Musik

Finger brechen für Fortgeschrittene

Durch Zufall bin ich Anfang letz­ter Woche bei der FreakVideo­platt­form You­tube auf das Video Drif­ting von Andy McKee gesto­ßen. Andy McKee ist ein 28jähriger Fin­ger­style-Gitar­rist aus Kan­sas und was soll ich sagen? Er hat es ein­fach drauf.
Im Video sieht man einen etwas dick­li­chen, kah­len jun­gen Mann, der einen lus­ti­gen Voll­bart trägt und Gitar­re spielt. Irgend­wie war mein ers­ter Gedan­ke: „War der nicht mal bei „Das Model und der Freak“?

Aber dann ging es los und Andy McKee schlägt in die Sai­ten. Aller­dings auf eine Art und Wei­se, die ich so noch nicht gese­hen habe. Mir fiel die Kinn­la­de zu Boden und ich war hin und weg von den Klän­gen, die er aus sei­ner Andrew White gui­tar her­aus­holt (Die gibt es übri­gens hier zu kau­fen. Ab 3700€).

Nach­dem ich sein Video förm­lich auf­ge­so­gen hat­te, schau­te ich mir noch die ande­ren Vide­os von ihm bei You­tube an und such­te par­al­lel nach einem Album. Lei­der konn­te ich es bei kei­nem deut­schen Inter­net­shop fin­den, also bestell­te ich es kur­zer­hand bei Ama­zon (zusam­men mit dem Album eines ande­ren begab­ten Gitar­ris­ten – dem­nächst viel­leicht mehr). Am Diens­tag lag die CD Art Of Moti­on“ dann bei mir im Brief­kas­ten. Ich freu­te mich wie ein klei­nes Kind…
Seit­dem läuft die Plat­te bei mir auf hoher Rota­ti­on und ich bin echt ver­dammt begeis­tert. Kei­ne Ahnung, wie vie­le die­se Begeis­te­rung mit mir tei­len. Viel­leicht muss man selbst Gitar­re spie­len, um zu mer­ken wie schwer das ist, was die­ser Kerl da so leicht und locker daher­klim­pert.

Emp­feh­len kann ich die CD aller­dings jedem, der akus­ti­sche Gitar­ren­klän­ge mag und auch mal auf ande­re Instru­men­te und Gesang ver­zich­ten kann. Denn auf der CD hört man aus­schließ­lich Andy McKee und nur sein Gitar­ren­spiel.

Bei eini­gen Songs benutzt er übri­gens eine Harp-Gitar­re. Sehr wit­zi­ges Ding!

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Digital

Der Bochumer Fenstersturz

Mei­nen Com­pu­ter habe ich wie­der – mit neu­em Main­board und neu­em (geräusch­lo­sen) Netz­teil. Nur Win­dows muss­te ich neu instal­lie­ren.

„Nur Win­dows“ heißt natür­lich:

  • Obwohl alle ande­ren Pro­gram­me ja noch da sind, sind sie völ­lig wert­los, weil sie in der Regis­trie­rungs­da­ten­bank feh­len. Ich kann also alle Pro­gram­me neu instal­lie­ren, was mir ande­rer­seits die Mög­lich­keit gibt, mich von seit lan­gem unge­nutz­ten Pro­gram­men end­gül­tig zu ver­ab­schie­den und die neu­en alle auf der grö­ße­ren Fest­plat­te zu instal­lie­ren, damit die Sys­tem­fest­plat­te immer genug Platz hat.
  • Selbst die Pro­gram­me, die noch lau­fen, feh­len im Start­me­nü und müs­sen dort erst müh­sam wie­der ein­ge­pflegt wer­den.
  • Ich habe andert­halb Stun­den gebraucht, bis ich die noch vor­han­de­nen Ein­stel­lun­gen von „frü­her“ wie­der­her­ge­stellt hat­te.

Fire­fox und Thun­der­bird lau­fen aber bereits wie­der (und das tadel­los, wie mir scheint), iTu­nes ist auch in bei­na­he vol­ler Blü­te zurück (nur ein paar Ver­knüp­fun­gen scheint er ver­ges­sen zu haben), alles wei­te­re wer­de ich mor­gen (also heu­te) früh über­prü­fen und rich­ten.

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Musik

Blasmusik

Ges­tern spiel­ten also die Kili­ans ein „exklu­si­ves Radio­kon­zert“ in Bochum. Da mein Com­pu­ter immer noch in der Repa­ra­tur ist, kann ich gera­de nicht nach­gu­cken, wie oft ich die Band schon gese­hen habe, aber es dürf­te ges­tern so unge­fähr das fünf­zehn­te Mal gewe­sen sein.

Vor dem Kon­zert waren die Her­ren Musi­ker etwas miss­ge­stimmt, weil Orga­ni­sa­ti­on und Ablauf wohl zu wün­schen übrig­ge­las­sen hat­ten, aber schon ab dem ers­ten Akkord war alles wie­der bes­tens und sie rock­ten so unge­stüm und auf den Punkt wie eh und je.

Das alles wäre also von so gerin­gem Neu­ig­kei­ten­wert, dass nicht mal ich dar­über blog­gen wür­de. Aber die Ansa­gen von Simon den Har­tog, dem klei­nen gro­ßen Mann am Mikro­fon, waren ges­tern so exor­bi­tant unter­halt­sam, dass sie ein­fach für die Nach­welt fes­ge­hal­ten wer­den müs­sen – was Dank der Auf­zeich­nung für die Radio­aus­strah­lung auch kein Pro­blem gewe­sen sein dürf­te.

Im hin­te­ren Bereich des Kon­zert­saals, wo gleich meh­re­re Dins­la­ke­ner zusam­men­gluck­ten, macht das Wort vom „Dins­la­ken-Humor“ die Run­de – wenn wir nicht gera­de wie­hernd über den Fuß­bo­den kugel­ten. Wie, Sie fin­den „Ich muss­te dem Kav­ka sei­nen Schwanz lut­schen, damit das bei MTV gespielt wird“, als Anmo­de­ra­ti­on für „Enforce Yours­elf“ nicht brüll­ko­misch? Dann gibt es nur noch zwei Mög­lich­kei­ten: a) Sie müs­sen mehr Alko­hol trin­ken oder nach Dins­la­ken zie­hen (das kommt aufs Glei­che raus); b) Wir ver­set­zen die­ser Anek­do­te den abso­lu­ten Todes­stoß und sagen „Viel­leicht hät­te man dabei­ge­we­sen sein müs­sen.“

Not­aus­gang: Die Kili­ans und deren stän­di­ge Erwäh­nung hier gehen Ihnen auf die Ket­ten? Sie fin­den, Bands aus der deut­schen Pro­vinz dür­fen nicht klin­gen, als kämen sie aus dem eng­lisch­spra­chi­gen Aus­land? Sie glau­ben, wer Locken hat, will wie die Strokes aus­se­hen? Dann fin­den Sie hier sicher eine neue Hei­mat. Und wenn Sie sich auch noch anmel­den wol­len, bevor Sie lesen kön­nen, was die ande­ren Indi­en­a­zis so den­ken, dann ken­nen Sie das hier bestimmt eh schon.

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Digital

Adam took the Apple

Ha ha ha!

Apple hat die Prei­se für sein iPho­ne in den USA um ein Drit­tel gesenkt und ich weiß gar nicht, was ich lus­ti­ger fin­den soll: dass die­se gan­zen „Ich bin so wich­tig, ich muss das haben“-Leute 200 Dol­lar ver­brannt haben, oder dass Bill Gates sein evil twin jetzt end­lich mal öffent­lich den Roll­kra­gen­pul­li über die Ohren gezo­gen bekommt.

Bevor jemand fragt: Ja, ich hat­te so ein Teil schon in der Hand. Nein, ich bin damit nicht klar­ge­kom­men. Ja, ich blei­be bei mei­nem Sie­mens ME 45. Ja, mein nächs­ter Com­pu­ter wird trotz­dem ein mac­Book.

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Leben

You can run but you can’t hide

Ges­tern war mal wie­der pl0gbar im Bochu­mer Café Kon­kret. Neben den übli­chen Ver­däch­ti­gen gab es auch drei neue Gesich­ter. Lei­der bin ich in der Dis­zi­plin „Namen mer­ken“ ähn­lich schlecht wie die­ser Mann, der immer irgend­wo im Fern­se­hen (glaub ich) auf­tritt, und die „Pro­jek­te“ und Web­sites krieg ich schon gar nicht zuge­ord­net.

Zwi­schen­durch wur­de unse­re Grup­pe von Frem­den ange­spro­chen: Wir sei­en doch sicher „web­af­fin“ (Alder, das Wort geht ja geschrie­ben mal gar nicht!), also inter­net­tech­nisch ver­siert – ob wir nicht einen PHP-Ent­wick­ler kenn­ten oder gar selbst ein sol­cher wären. Wir lach­ten sehr herz­lich. (Für tech­nisch unkun­di­ge Leu­te: Das sind Per­so­nen, die viel kom­pli­zier­te­re Web­sei­ten zusam­men­bau­en kön­nen als die Nach­bars­kin­der, und die des­halb ähn­lich begehrt und weit ver­brei­tet sind wie humor­vol­le, gut­aus­se­hen­de Lebens­part­ner, die viel Geld ver­die­nen und den Haus­halt schmei­ßen wol­len.)

Zu vor­ge­rück­ter Stun­de stell­ten Simon (Name nach­ge­schla­gen) von 12rec.net und ich fest, dass wir bei­de aus Dins­la­ken stam­men, ja: dass unse­re jewei­li­gen Eltern­häu­ser sogar weni­ge hun­dert Meter von­ein­an­der ent­fernt ste­hen müs­sen. Was folg­te, war das übli­che hek­ti­sche Abklop­fen von Gemein­sam­kei­ten, dass immer ein­tritt, wenn sich zwei Men­schen fern der gemein­sa­men Hei­mat begeg­nen. Nach­dem wir Epping­ho­ven, Holt­brüg­ge, Pas­tor Schnei­der, Stadt­park und Iggy Pop (den Dins­la­ke­ner, nicht den ech­ten) abge­he­chelt hat­ten, frag­te Pott­blog-Jens schon leicht fas­sungs­los, ob es sich bei „Dins­la­ken“ um einen ähn­li­chen Geheim­bund han­de­le wie bei Sci­en­to­lo­gy. Nein, tut es nicht.

Apro­pos Dins­la­ken: Heu­te Abend spie­len die Kili­ans ein „exklu­si­ves Radio­kon­zert“ im Bochu­mer Riff (sogar bei­na­he rich­tig ange­kün­digt, am 13. Sep­tem­ber im Dins­la­ke­ner Jäger­hof. Das Album (aktu­el­ler Amazon.de-Verkaufsrang: 89) erscheint am Frei­tag.

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Leben

Wüster Service Deutschland

Ges­tern hab ich mal wie­der ein­drucks­voll fest­ge­stellt, wie in deut­schen Super­märk­ten Ser­vice buch­sta­biert wird.

Super­markt 1
Im Ange­bots­pro­spekt war eine Web­cam für 14,99 Euro ange­zeigt, ich brauch­te noch Brot und Auf­schnitt, also ging ich in den nahe­ge­le­ge­nen Super­markt, such­te mir Web­cam, Brot, zwei Tafeln Scho­ko­la­de (zu 39 Cent im Ange­bot) und eine Packung Sala­mi zusam­men und ging zur Kas­se. Nach­dem die Kas­sie­re­rin die Waren gescannt hat­te, nann­te sie mir die End­sum­me und ich reich­te ihr mei­ne EC-Kar­te. Sowas mache ich im Super­markt nicht ger­ne, aber ich hat­te nicht mehr genug Bar­geld und 17 Euro erschie­nen mir ein ange­mes­se­ner Betrag für Kar­ten­zah­lung.

Die Dame steck­te die Kar­te ins Kar­ten­le­se­ge­rät und erhielt eine Feh­ler­mel­dung.
„Das ist schon den gan­zen Tag“, erklär­te sie mir und rief nach einer Kol­le­gin.
Nach­dem die Kas­sie­re­rin­nen auch zu zweit zu kei­nem Ergeb­nis kamen und ich die Fra­ge, ob ich nicht bar zah­len kön­ne, ent­geis­tert ver­nein­te (Wenn ich das in bar hät­te, hät­te ich ja wohl kaum mit Kar­te zah­len wol­len, nech?), frag­te man mich, ob ich nicht „eben zur Bank gehen“ und Bar­geld abho­len kön­ne.

Da die Volks­bank so fern nicht lag, wil­lig­te ich ein, pack­te die bereits in mei­ner Tasche ver­stau­ten Waren wie­der aus, und ver­ab­schie­de­te mich „bis gleich“. Kei­ne fünf Minu­ten spä­ter stand ich wie­der im Laden, das Bar­geld in den Hän­den. Die Kas­se war geschlos­sen, die Kas­sie­re­rin­nen und mei­ne unbe­zahl­ten Waren waren nir­gends zu sehen. So dreh­te ich auf dem Absatz um und ver­schwand höchst ver­är­gert.

Super­markt 2 (Dis­coun­ter)
Schon durchs Fens­ter konn­te ich sehen, dass nur eine Kas­se geöff­net war und sich die Kun­den mit gefüll­ten Ein­kaufs­wa­gen durch den gan­zen Laden stau­ten.

Mei­ne Zeit und mei­ne geis­ti­ge Gesund­heit sind mir zu scha­de, um sie für ein paar Cent Erspar­nis zu ver­plem­pern.

Super­markt 3
Ein Laden blieb mir noch auf dem Heim­weg. Ich ging hin­ein, stand etwa drei Minu­ten vor dem Regal mit abge­pack­tem Brot, bis ich ein pas­sen­des, län­ger halt­ba­res fand, schnapp­te mir eine Packung Sala­mi und ging zur Kas­se. Die­se war erfreu­lich leer, nicht mal eine Kas­sie­re­rin war zu sehen.

Im Geis­te zähl­te ich von zwölf her­un­ter. Bei „Null“ woll­te ich gehen, aber ich hat­te Hun­ger und brauch­te die­ses ver­damm­te Brot. Schließ­lich tauch­te doch noch eine Kas­sie­re­rin auf (sie hat­te gera­de Rega­le umge­räumt) und nur eine hal­be Stun­de nach dem ers­ten Ver­such hat­te ich end­lich zwei Euro an den Mann gebracht.

Die Web­cam brau­che ich nicht wirk­lich, glau­be ich.

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Digital

Die schönsten Fotostrecken Deutschlands (1)

Der Stern ist mitt­ler­wei­le fast schon berühmt-berüch­tigt für sei­ne Foto­stre­cken. In die­sem Fall ist es eine Foto­stre­cke, offen­sicht­lich mit einem wun­der­ba­ren Pro­dukt der Fir­ma Puma.

Fotostrecke

Da kriegt Puma mög­li­cher­wei­se die Kur­ve, der Stern aber defi­ni­tiv nicht. Und stellt ganz cool Blind­text, ganz ohne Foto, auf die Sei­te. Und ver­schi­cken und book­mar­ken kann man die­ses Klein­od auch noch! Ein Traum.

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Rundfunk Print

Bartschattenboxen

Im ZDF-Nacht­stu­dio ging es ges­tern ums The­ma „Die Macht dahin­ter – Wer bestimmt die Medi­en?“ und man mag es sym­pto­ma­tisch fin­den oder nicht, aber die klügs­ten Sachen sag­ten Prof. Miri­am Meckel, die ein­zi­ge Frau in der Run­de, und der acht­zig­jäh­ri­ge Klaus Harp­p­recht. Auch Klu­ges sag­te Lutz Hach­meis­ter, der unter ande­rem bemän­gel­te, dass der Jour­na­lis­mus in Deutsch­land immer weni­ger von gro­ßen Jour­na­lis­ten mit kla­ren Stand­punk­ten geprägt wur­de.

Für die unklu­gen Sachen brauch­te man nur einen Gast, aber der rede­te auch unge­fähr so viel wie die drei ande­ren zusam­men: Mat­thi­as Matus­sek, Kul­tur­chef des „Spie­gel“.

Matus­sek hat neo­kon­ser­va­ti­ve Bücher geschrie­ben, die „Die vater­lo­se Gesell­schaft – Eine Pole­mik gegen die Abschaf­fung der Fami­lie“ hei­ßen oder „Wir Deut­schen – War­um die ande­ren uns gern haben kön­nen“, er ver­brei­tet sei­ne sehr per­sön­li­che, mit­un­ter auch sehr eigen­wil­li­ge Welt­sicht via „Spie­gel“ und per Video-Blog auf „Spie­gel Online“. Und wem Matus­sek wegen sei­ner Inhal­te noch nicht unsym­pa­thisch war, dem wur­de er es bestimmt ges­tern Abend im ZDF.

Matus­sek nuschelt aus­drucks­los vor sich hin, spricht über Anwe­sen­de in der drit­ten Per­son und guckt dann auch noch grund­sätz­lich an ihnen vor­bei auf den Boden. Egal, wor­über grad dis­ku­tiert wird: Matus­sek schafft es stets, auf sei­ne bis­he­ri­gen Ein­satz­or­te, sei­ne Titel­ge­schich­ten, im Wesent­li­chen: sich zu spre­chen zu kom­men. Eines sei­ner Bücher wur­de mit Hei­ne ver­gli­chen, aber damit wol­le er sich nicht schmü­cken; als er über sei­ne Zeit in Lon­don spricht (natür­lich, ohne dass es dafür einen Anknüp­fungs­punkt gege­ben hät­te), droppt er mal eben so vie­le Namen, dass kaum jemand über­prü­fen kann, ob es sich dabei wirk­lich um ange­se­he­ne Jour­na­lis­ten oder Cha­rak­te­re aus „Har­ry Pot­ter“ han­delt, und sei­ne Roman­tik-Geschich­te im aktu­el­len „Spie­gel“ erwähnt er gleich ein Halb­dut­zend Mal.

Egal was die Gesprächs­part­ner sagen: Matus­sek fällt ihnen ins Wort oder tut ihre Aus­füh­run­gen als Blöd­sinn ab, meis­tens macht er ein­fach bei­des. Selbst wenn er nickt, wirkt das wie ein wei­te­rer Pos­ten aus sei­nem Kata­log der her­ab­las­sen­den Mie­nen und Ges­ten. Für sei­nen Bart­schat­ten, der ihn immer ein biss­chen unge­pflegt erschei­nen lässt, kann er viel­leicht nichts, für sei­nen Hemd­kra­gen, den er trägt wie ande­re Leu­te eine offe­ne Hose, aber sehr wohl. Über sein Video-Blog „Matus­seks Kul­tur­tipp“ sagt er, dort kön­ne er „Free­style“ machen. Kurz­um: Er benimmt sich, wie sich ein 53jähriger Mann auf kei­nen Fall beneh­men soll­te, wenn er nicht als total anbie­dernd und betont läs­sig gel­ten will.

Dabei bringt die­se Ran­schmei­ße an eine ver­meint­li­che Jugend­spra­che sowie­so nichts, denn schon im nächs­ten Atem­zug ver­tei­digt Matus­sek die geplan­ten Online­durch­su­chun­gen und den Papst und des­sen Islam-Kri­tik. Kurz dar­auf ver­sa­gen sei­ne Medi­ka­men­te und Matus­sek nennt das, was der „Spie­gel“ da all­wö­chent­lich noch unters Volk haut, „Welt­klas­se­jour­na­lis­mus“, der den Eng­län­dern und Ame­ri­ka­nern min­des­tens eben­bür­tig sei. Die Behaup­tung, in sei­nem Hau­se wer­de „gründ­lich“ recher­chiert, lässt sich frei­lich nicht sofort wider­le­gen, die fer­ti­gen Arti­kel legen aber den Schluss nahe, dass von die­ser gründ­li­chen Recher­che dann zumin­dest nicht viel im Heft lan­det.

In die­ser Situa­ti­on ver­kün­det Herr Harp­p­recht, Matus­sek zäh­le zu den bes­ten Schrei­bern Deutsch­lands und Ste­fan Aust sei ein klu­ger Mann. Ich rech­ne es die­sem alten Mann hoch an, dass ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, ob das jetzt sein Ernst oder ganz wei­se Iro­nie war.

Wer ger­ne unsym­pa­thi­schen „Spiegel“-Redakteuren zuhört, kann sich heu­te Abend ab 19 Uhr den Pod­cast von Bas­ti­an Sick im WDR2-„Montalk“ geben. Das kom­plet­te Video des gest­ri­gen „Nacht­stu­di­os“ kann man sich hier anschau­en.