Besser nie als jetzt.de

Von Lukas Heinser, 8. September 2007 13:47

jetzt.de, der traurige Internet-Nachfolger der einst sehr guten Jugendbeilage der „Süddeutschen Zeitung“, hat eine Auflistung von 25 deutschsprachigen Blogs erstellt, aus der die Leser das „interessanteste deutsche Weblog“ wählen sollen.

Herausgekommen ist eine überaus heterogene Mischung, die neben den obligatorischen Beispielen BILDblog und Spreeblick auch die Blogs von Robert Basic, Jojo Beetlebum und Felix Schwenzel und das Pottblog. In den Kommentaren jammert es schon wieder, dass da eh wieder nur „die üblichen Verdächtigen, die nur deshalb in der Auswahl sind, weil jeder Depp meint, diese Blogs wären ein Muss in der Blogroll“ auftauchen.

Das ist natürlich nicht falsch, offenbart aber auch das Dilemma dahinter: An wen richtet sich die Liste? Für die Leute, die sich in der sog. Blogosphäre auskennen, ist das kalter Latte Macchiato, und wer sich nur rudimentär für das Thema interessiert, wird irgendwann glauben, es gäbe in Deutschland nur eine Handvoll Blogs, so wie es ja auch zu jedem Thema immer nur einen Experten in den Nachrichtensendungen dieses Landes gibt. Wer noch nie von Blogs gehört hat, wird die jetzt.de-Seite in der gedruckten „Süddeutschen Zeitung“ überblättern und schon gar nicht im Internet darüber stolpern. Bleibt also noch die ach so tolle Abstimmung.

Als wäre das nicht alles schon traurig genug, werden die 25 Blogs bei jetzt.de in der journalistischen Form präsentiert, die seit einiger Zeit bei sueddeutsche.de und ihren Unterseiten Pflicht ist: als 26-teilige Bilder Textgalerie, bei der man für jede Blogbeschreibung eine Seite weiterklicken muss.

jetzt.de sucht das “interessanteste deutsche Weblog”
Ausrisse: jetzt.de

11 Kommentare

  1. Peter
    8. September 2007, 17:42

    Die Art der Präsentation ist in der Tat absolut Benutzerunfreundlich.

  2. Jens
    8. September 2007, 18:22

    Abgesehen davon, das ich den ausgewählten Beitrag nicht gerade als archetypischen Beitrag des Pottblogs ansehen würde.

  3. Thomas
    8. September 2007, 22:07

    Das passt alles irgendwie nicht zusammen. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit kam aus dem Hause „Süddeutsche“ eine Verhöhnung der deutschen Blogosphäre.

  4. flo
    9. September 2007, 10:54

    … nur lässt sich’s auf Blog-Rankings, in denen man selbst nicht auftaucht, leicht unsachlich schimpfen. „Beleidigte Leberwurst“ würde man dort, woher ich komme, dazu sagen.

    und @ Thomas: Das Phänomen, eine Redaktion unterschiedliche Meinungen artikulieren zu lassen, nennt man gemeinhin Journalismus. Bzw Unabhängigkeit der Presse. Wenn nicht sogar Pressefreiheit…

  5. Thomas
    9. September 2007, 11:25

    @Flo: Die Pressefreiheit ist ja auch vollkommen ok. Aber den unglücklich formulierten Artikel in der SZ wird so mancher Blogger trotzdem nicht vergessen haben. Mit einer beleidigten Leberwurst hat das nichts zu tun, denn welche Aussagekraft solche Rankings haben weiß man doch auch. Jedenfalls zusammen betrachtet (der verhöhnende Artikel und jetzt die Auflistung der SZ) stellt die SZ die Blogosphäre als vollkommen unbedeutend klein hin.

  6. flo
    9. September 2007, 11:32

    „[…]denn welche Aussagekraft solche Rankings haben weiß man doch auch[…]“

    definitiv. eben deshalb verstehe ich ja nicht, warum das dann hier 1590 Zeichen lang verteufelt wird.

    „[…stellt die SZ die Blogosphäre als vollkommen unbedeutend klein hin.“
    Korrigiere mich, wenn ich falsch liegen sollte, aber: Passiert jetzt und hier nicht auch das Gegenteil?

  7. Thomas
    9. September 2007, 11:41

    @Flo: Sehe es nicht gleich als „Verteufelung“ an, so meinte es der Autor sicherlich nicht. Letztlich berichten wir doch alle über Dinge in unseren Blogs, die andere Leser vielleicht anders sehen. Dadurch entsteht ja letztlich die gewünschte Diskussion.Das hier das Gegenteil passiert macht vielleicht den Anschein, da gebe ich Dir recht. Aber auch hier sollte man das nicht zu sehr auf die berühmte Goldwaage legen. Ich jedenfalls denke so, verbessere auch Du mich wenn ich falsch liege, dass den Printmedien Blogs schon teilweise ein Dorn im Auge sind. Eben darum, weil Blogs deren Artikel aufgreifen und manchmal zerpflücken. Das schmeckt denen sicherlich nicht. Soviel dann zum Thema Pressefreiheit ;-)

  8. flo
    9. September 2007, 11:49

    In diesem Sinne plädiere ich beiderseits für ein Ende der Starrköpfigkeit ;-)

  9. Thomas
    9. September 2007, 12:03

    Angenommen und nichts für ungut ;-) *5*

  10. Lukas
    9. September 2007, 14:06

    … nur lässt sich’s auf Blog-Rankings, in denen man selbst nicht auftaucht, leicht unsachlich schimpfen.

    Wunderbar, genau auf sowas hatte ich die ganze Zeit gewartet.

    Nur doof, dass einige der vorgestellten Blogs die Liste selber merkwürdig finden …

  11. steckschuss
    14. September 2007, 9:54

    Die einen nennen es „benutzerunfreundlich“, die anderen „Klicks generieren“ – und darum geht’s doch wohl in erster Linie.