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Rundfunk Gesellschaft

Mädchen, warum hast Du nichts gelernt?

Na, das hat ja alles bes­tens geklappt: Der „Raus­wurf“ der Eva Her­man bei und durch Johan­nes B. Ker­ner ist das Tages­the­ma. All­über­all ent­wi­ckeln sich lan­ge und span­nen­de Dis­kus­sio­nen (selbst bei uns), Ker­ner hat eine „Top­quo­te“ ein­ge­fah­ren und Eva Her­mans aktu­el­les Buch ist in den Best­sel­ler­lis­ten von Ama­zon flei­ßig nach oben geklet­tert (Platz 17 um 16 Uhr). Also eine Win-Win-Situa­ti­on für alle Betei­lig­ten?

Nun, Her­man dürf­te sich für län­ge­re Zeit ins Aus manö­vriert haben. Nicht, weil sie obsku­re Wer­te­vor­stel­lun­gen hat (die darf jeder haben), noch nicht ein­mal, weil sie sich vor sechs Wochen so ver­quas­tet und miss­ver­ständ­lich geäu­ßert hat. Aber weil sie ges­tern gegen die gol­de­ne Regel des Medi­en­be­triebs ver­sto­ßen hat: gegen das Recht des Publi­kums auf eine groß­an­ge­leg­te Ent­schul­di­gungs­ze­re­mo­nie.

Chris­toph Daum durf­te, nach­dem er sich wort­reich für sei­ne Koka­in-Affä­re ent­schul­digt hat­te, wei­ter als Fuß­ball­trai­ner arbei­ten; Michel Fried­man, dem auch Koka­in zum Ver­häng­nis wur­de, leis­te­te öffent­lich Abbit­te und ist heu­te wie­der in fast allen Medi­en prä­sent. Noch schnel­ler ver­zieh das Land Erik Zabel, der aus der trä­nen­rei­chen Pres­se­kon­fe­renz ging, als sei nie etwas gewe­sen, und selbst in den USA ver­zieh der Dis­ney-Kon­zern sei­nem Tee­nie­star Vanes­sa Hud­gens deren Nackt­bil­der, nach­dem sie sich dafür ent­schul­digt hat­te. Sie alle haben die Mecha­nis­men der Medi­en begrif­fen: Ein­mal zer­knirscht und am Bes­ten unter Trä­nen vor die Pres­se tre­ten, dann ist irgend­wann alles wie­der gut – egal, ob man das eige­ne Ver­hal­ten jetzt wirk­lich als Feh­ler ansieht, egal ob es über­haupt ein Feh­ler war.

Die­je­ni­gen, die kei­ne Feh­ler ein­räu­men und sich nicht ent­schul­di­gen woll­ten, wer­den im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis unter „unbe­lehr­bar“, „ver­rückt“ oder gar „para­no­id“ ein­sor­tiert. Ihre Namen lau­ten Jür­gen W. Möl­le­mann, Die­ter Bau­mann oder Jan Ull­rich. Das Gemei­ne an die­ser Situa­ti­on: Wir wis­sen nicht, ob Die­ter Bau­manns Zahn­pas­ta mit Doping­mit­teln ver­setzt wur­de, wir wis­sen nicht, ob Jan Ull­rich nicht viel­leicht wirk­lich unschul­dig ist. Wir wis­sen ja auch nicht, ob Daum und Fried­man ihr Dro­gen­kon­sum wirk­lich leid tut, aber wir müs­sen es glau­ben, weil es durch die Medi­en ging.

Da stellt sich die Fra­ge, ob Jan Ull­rich nicht längst wie­der Ren­nen fah­ren (oder zumin­dest kom­men­tie­ren) dürf­te, wenn er zuge­ge­ben hät­te, gedopt zu haben – selbst, wenn er es nie getan hät­te. Ist eine trä­nen­rei­che Ent­schul­di­gung nicht in jedem Fal­le hilf­rei­cher als die Ver­brei­tung kru­der Ver­schwö­rungs­theo­rien – etwas, womit Eva Her­man ges­tern bei Ker­ner zu ihrem Unglück auch noch ange­fan­gen hat?

Sicher, das wäre schon sehr zynisch, aber zynisch ist die Welt, sind vor allem die Medi­en. Eva Her­man soll­te, nein: muss das wis­sen. Es sind die Regeln eines gro­ßen Spiels, das sich mit­un­ter um Kar­rie­ren und Men­schen­le­ben dreht. Man könn­te es ihr als per­sön­li­che Stär­ke anrech­nen, sich nicht für etwas ent­schul­di­gen zu wol­len, das sie nach eige­ner Auf­fas­sung nicht gesagt und schon gar nicht gemeint hat. Aber Johan­nes B. Ker­ner war in der Bezie­hung erstaun­lich fair: Er woll­te nicht ein­mal ein „Mir tut das alles so unend­lich leid“ hören, ihm hät­te ein „Nun ja, ich sehe ein, dass mei­ne Sät­ze in der frei­en Rede etwas kru­de und miss­ver­ständ­lich waren. Was ich sagen woll­te, ist Fol­gen­des …“ gereicht. Allein: Eva Her­man war nicht ein­mal bereit, eige­ne lin­gu­is­ti­sche Unzu­läng­lich­kei­ten ein­zu­ge­ste­hen und bezog sich mun­ter wei­ter auf die Sät­ze, die sie gesagt hat­te, und die eben wirr for­mu­liert as hell waren. Nicht ein­mal, als ihr Mar­ga­re­the Schrei­ne­ma­kers die­sen Weg vor­for­mu­liert auf­zeig­te.

Was dann folg­te, war nur noch unpro­fes­sio­nell: Sie kom­men­tier­te von oben her­ab („Wer redet heu­te noch über Dei­ne Sen­dung?“ zu Frau Schrei­ne­ma­kers, „Mit Ihnen rede ich nicht mehr!“ zum gela­de­nen Exper­ten) und es war plötz­lich völ­lig egal, dass Frau Schrei­ne­ma­kers auch schon unrühm­li­che TV-Momen­te hat­te (wobei wir wie­der nicht wis­sen, was an der gan­zen „Steu­er­af­fä­re“ eigent­lich dran war) und dass Prof. Wolf­gang Wip­per­mann nicht unum­strit­ten ist und zu Beginn der Sen­dung ziem­li­chen Quark gequas­selt hat­te. Sie rede­te von einer „Gleich­schal­tung“ der Medi­en und ver­hin­der­te jeg­li­che Dis­kus­si­on über den inhalt­li­chen Wahr­heits­ge­halt (alle schrei­ben von den Agen­tu­ren ab, die wie­der­um bei der „Bild“-Zeitung abge­schrie­ben haben), indem sie die­ses in ihrer Situa­ti­on völ­lig unglück­li­che Wort ver­wen­de­te. Es spielt kei­ne Rol­le mehr, dass Wor­te per se nicht „gut“ oder „böse“ sind, oder wer das Wort sonst noch so ver­wen­det: Es war ein wei­te­res Buz­zword auf der Nazi-Bin­go-Kar­te, die das Publi­kum in den Hän­den hielt. Und auf dem letz­ten frei­en Feld stand „Auto­bah­nen“.

Das Medi­en­ge­schäft ist ein har­tes, schmut­zi­ges, durch­aus auch zyni­sches. Vie­le ahnungs­lo­se Men­schen kön­nen sich dar­in ver­hed­dern oder dar­in ver­lo­ren gehen. Eva Her­man muss sich als lang­jäh­ri­ge Jour­na­lis­tin und erfah­re­ne Pro­vo­ka­teu­se aber vor­wer­fen las­sen muss, dass sie offen­bar nicht abschät­zen konn­te, wor­auf sie sich ges­tern Abend ein­ließ.

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Fernsehen Rundfunk

„Geh in die rechte Ecke und schäm dich!“

Es gibt Situa­tio­nen, da ste­hen sich zwei Men­schen gegen­über und man weiß gar nicht, wer von den Bei­den jetzt unsym­pa­thi­scher ist und die schlech­te­ren Argu­men­te hat. So geht mir das zum Bei­spiel beim Klein­krieg zwi­schen Hart­mut Meh­dorn (Deut­sche Bahn AG) und Man­fred Schell (Gewerk­schaft der Lok­füh­rer). Man wünscht sich immer einen über­gro­ßen Klas­sen­leh­rer, der bei­de am Arm packt, vor die Tür schleift und sie mit erns­ter Stim­me bit­tet, das unter sich zu klä­ren. „Wie erwach­se­ne Men­schen“, wür­de er klu­ger­wei­se nicht sagen.

So ähn­lich war das gera­de beim gro­ßen „TV-Eklat“, dem „Raus­wurf“ von Eva Her­man bei Johan­nes B. Ker­ner. Ker­ner hat­te sich die frü­he­re NDR-Mode­ra­to­rin wohl in sei­ne Sen­dung ein­ge­la­den, um ein Exem­pel in Sachen Reue zu sta­tu­ie­ren: Es wäre doch gelacht gewe­sen, wenn sie sich nicht unter Trä­nen beim deut­schen Volk Zuschau­er für ihre „miss­ver­ständ­li­chen Äuße­run­gen“ ent­schul­digt hät­te. Um es vor­weg zu neh­men: Sie tat es natür­lich nicht und ich habe wirk­lich kei­ne Ahnung, wer von bei­den unsym­pa­thi­scher war.

Es war ein weit­ge­hend wür­de­lo­ser Eier­tanz, der nur des­halb zu ertra­gen war, weil die groß­ar­ti­ge Sen­ta Ber­ger ein paar gran­dio­se Oneli­ner lan­den konn­te und die erstaun­lich sym­pa­thisch wir­ken­de Mar­ga­re­the Schrei­ne­ma­kers mit aller gebo­te­nen Unhöf­lich­keit auf den dort gespro­che­nen Irr­sinn reagier­te.

Ker­ner, der einem fast schon leid tun konn­te in sei­nem Ver­such, der Unbe­lehr­ba­ren Andeu­tun­gen von Selbst­zwei­feln zu ent­lo­cken, wur­de irgend­wann so etwas ähn­li­ches wie sau­er und dann pas­sier­te – erst­mal wie­der nichts. Statt­des­sen rede­te Eva Her­man nun auch noch von „Bän­dern“, die „unter Ver­schluss gehal­ten“ wür­den, und einer „Her­aus­ga­be des Mate­ri­als“ und für einen Moment dach­te ich mir „Wenn­se die ma nich über­mor­gen inner Bade­wan­ne fin­den!“ Prof. Wolf­gang Wip­per­mann, mit dem Her­man zu die­sem Zeit­punkt schon nicht mehr spre­chen woll­te, sprach von „Ver­schwö­rungs­pa­tho­lo­gie“ und obwohl der Mann Geschichts­pro­fes­sor ist, glaub­te ich ihm sei­ne Dia­gno­se sofort.

Nach einer schier end­lo­sen Zeit, in der Her­man tat­säch­lich auch noch auf die Auto­bah­nen zu spre­chen kam, droh­te Sen­ta Ber­ger schließ­lich damit, die Run­de zu ver­las­sen (ers­te Anzei­chen von Alters­mil­de: frü­her wäre sie ein­fach gegan­gen) und Ker­ner schick­te statt­des­sen Eva Her­man nach hau­se. Die bedank­te sich auch noch artig und lief nicht ein­mal in einen Gitar­ren­ver­stär­ker, als sie die Show ver­ließ.1

1 War­um ist der Auf­tritt von Bet­ti­na Böt­tin­ger in der „Harald Schmidt Show“ nicht bei You­Tube zu fin­den?

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Literatur

Buchstabensuppe

Public Library, New York, NY

Mor­gen geht die Frank­fur­ter Buch­mes­se wie­der los, was man schon dar­an merkt, dass die Son­der­bei­la­gen der gro­ßen Zei­tun­gen so dick sind wie die Sams­tags­aus­ga­ben der klei­nen Zei­tun­gen. Die Kul­tur­jour­na­lis­ten der Fern­seh­an­stal­ten haben ihre obsku­ren Sitz­mö­bel, auf denen sie nam­haf­te Schrift­stel­ler und Susan­ne Fröh­lich zu befra­gen geden­ken, sicher längst in Stel­lung gebracht. An den Publi­kums­ta­gen wer­den sich unend­lich lan­ge Schlan­gen bil­den und für ein paar Tage ste­hen auch mal die­je­ni­gen im Mit­tel­punkt, an denen man in der Fuß­gän­ger­zo­ne ein­fach vor­bei­ge­hen wür­de: die Autoren.

Schon stellt sich wie­der die Fra­ge, wer das denn bit­te­schön alles lesen sol­le. Die Ant­wort ist ein­fach, zumin­dest wenn es nach Pierre Bayard geht: nie­mand. Der fran­zö­si­sche Lite­ra­tur­pro­fes­sor hat ein Buch geschrie­ben, das es sich zu lesen lohnt: „Wie man über Bücher spricht, die man nicht gele­sen hat“. Der Titel ist etwas sper­rig, hat aber ande­rer­seits den Vor­teil, ziem­lich genau zusam­men­zu­fas­sen, wor­um es in dem Buch geht.

Ich glau­be ja sowie­so, dass die wenigs­ten Bücher, die gekauft wer­den, auch gele­sen wer­den. Das gilt ins­be­son­de­re für Best­sel­ler. Und ganz beson­ders für die Bücher von Bas­ti­an Sick. Bayard plä­diert des­halb für einen ent­spann­te­ren Umgang mit nicht gele­se­nen Büchern: Ob auf Cock­tail­par­ties oder in der Uni­ver­si­tät, über­all wird man in Gesprä­che über Bücher ver­wi­ckelt, die man oft genug nicht gele­sen hat. Da jeder aber ande­re Infor­ma­tio­nen aus einer Lek­tü­re mit­neh­me und man vie­les, das man gele­sen habe, eh wie­der ver­ges­se, hält Bayard es für rela­tiv egal, ob man das dis­ku­tier­te Buch über­haupt gele­sen hat oder nicht. Im Gegen­teil: Beson­ders ange­reg­te Gesprä­che fin­den sei­nes Erach­tens nicht sel­ten zwi­schen Per­so­nen statt, die den Gesprächs­ge­gen­stand bei­de nicht ken­nen.

Anhand von unter­halt­sa­men Anek­do­ten aus ver­schie­de­nen Roma­nen, von denen Bayard in den Fuß­no­ten meist zugibt, sie selbst nicht gele­sen zu haben, erstellt er eine Art „Geschich­te des Nicht­le­sens“ und gibt so zumin­dest indi­rekt Tipps, wie man auch ahnungs­los bestehen kann. Er ermu­tigt sei­ne Leser aber auch dazu, offen zu ihren Bil­dungs­lü­cken zu ste­hen.

Als Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler müss­te man die­ses Buch eigent­lich has­sen: Zum einen deckt es bru­tal auf, dass wir die wenigs­ten Bücher, über die wir spre­chen und schrei­ben, über­haupt (voll­stän­dig) gele­sen haben, zum ande­ren ermu­tigt es auch noch Ande­re zum glei­chen Ver­hal­ten. Ande­rer­seits: Was spricht dage­gen, sich mit­hil­fe von Sparks­no­tes oder der Wiki­pe­dia einen Über­blick über Bücher zu ver­schaf­fen, die man eh nie lesen wird? Man erlaubt sich ja auch Urtei­le über Fil­me, von denen man nur den Trai­ler gese­hen hat, oder beur­teilt ein Album nach sei­ner Sin­gle.

Las­sen Sie es mich also so aus­drü­cken: Die Lek­tü­re von Bayards Buch lohnt in jedem Fal­le (die vie­ler ande­rer Bücher im Übri­gen auch). Es spricht wenig dage­gen, in Gesprä­chen über Bücher, die man nicht gele­sen hat, hef­tig zu nicken und die zwei Infor­ma­tio­nen, die man dar­über kennt, ein­zu­streu­en. Viel­leicht ist das Gespräch ja so erhel­lend, dass man das Buch hin­ter­her doch noch liest. Wohl soll­te man aber bes­ser nicht von sich aus das Gespräch auf Bücher len­ken, von denen man kei­ne Ahnung hat. Das könn­te doch schnell pein­lich wer­den.

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Fernsehen Rundfunk

Frühstücksfernsehen

Wie ich etwas über­rascht fest­ge­stellt habe, sen­det Pro­Sie­ben seit dem letz­ten Wochen­en­de die sechs­te Staf­fel „Scrubs“. Von der belieb­tes­ten Serie deut­scher Stu­den­ten (zumin­dest laut die­ser Face­book-Erhe­bung) wer­den Sams­tags um 15 Uhr jeweils zwei Fol­gen hin­ter­ein­an­der gezeigt und nach den etwas schwa­chen Staf­feln 4 und 5 wird die Serie hier wie­der rich­tig gut.

Ich hät­te zwar gedacht, dass der Sen­de­platz ein biss­chen abge­le­gen ist (immer­hin hat Pro­Sie­ben am Sams­tag­nach­mit­tag auch schon „Dawson’s Creek“ und „O.C., Cali­for­nia“ ver­sen­det, wobei die Seri­en ja wirk­lich immer schwä­cher wur­den), aber ich soll­te nicht immer von mir auf ande­re schlie­ßen und Ein­schalt­quo­ten von 13,3 bzw 15,4% in der Ziel­grup­pe schei­nen der Pro­gramm­pla­nung aus­nahms­wei­se mal Recht zu geben.

Für alle, die nicht elf Wochen war­ten wol­len oder die (wirk­lich brauch­ba­re) deut­sche Syn­ch­ro nicht mögen, erscheint in drei Wochen die DVD. In den USA …

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Leben

Kalter Entzug

Erin­nert sich noch einer an „Wie Bit­te?!“, die „Ver­brau­cher­show“, die in den Neun­zi­gern auf RTL über fie­se Prak­ti­ken hals­ab­schnei­de­ri­scher Fir­men und unfä­hi­ger Behör­den auf­ge­klärt haben? Ich hab’s immer gern gese­hen, wenn Geert Mül­ler-Ger­bes und sein Team sich den Fäl­len in leicht über­spitz­ter Dar­stel­lung ange­nom­men haben. Fes­ter Bestand­teil einer jeden Sen­dung waren die „Drei mit den Müt­zen“, womit stets die Tele­kom gemeint war, die schon Mit­te der Neun­zi­ger vie­le Grün­de für Beschwer­den lie­fer­te. Und obwohl sich Fern­seh­pro­gram­me und Kopf­be­de­ckun­gen ändern: Eine neue Epi­so­de hät­te auch ich bei­zu­steu­ern.

Ich habe seit knapp vier Jah­ren einen schlich­ten Ana­log-Stan­dard­an­schluss beim Rosa Rie­sen. Gehabt. Denn selbst wenn man den gerings­ten monat­li­chen Grund­preis auf drei Leu­te auf­teilt, ist es doch irgend­wann prak­ti­scher, sich einen neu­en Han­dy­ver­trag zu erlau­ben. Folg­lich habe ich den Anschluss im Ein­ver­ständ­nis aller Betei­lig­ten gekün­digt.

Die ers­te Reak­ti­on auf mei­ne Kün­di­gung kam über­ra­schend schnell: Bereits ein paar Tage spä­ter wies mich die Tele­kom in einem Schrei­ben dar­auf hin, dass die Kün­di­gung ein­ge­gan­gen sei und alles wei­te­re sowohl schrift­lich als auch tele­fo­nisch gere­gelt wer­den sol­le, und zwar schon in der dar­auf­fol­gen­den Woche. Doch weder klin­gel­te das Tele­fon noch der Post­bo­te zwei­mal und so dach­te ich mir auch nicht viel dabei, als ich am 1.10., also vor einer Woche, wie gewohnt das Tele­fon abhob und plötz­lich nicht mehr tele­fo­nie­ren konn­te. Eben­so bekam jeder, der uns errei­chen woll­te, nur eine Stim­me vom Band zu hören, dass die­ser Anschluss nicht mehr ver­ge­ben sei. Dan­ke, lie­be Tele­kom. Am Don­ners­tag hat­te ich es dann auch schrift­lich: Ein Schrei­ben datiert vom 2. Okto­ber teil­te mir mit, dass mein Ver­trag zum 26.9. been­det wer­de. Vie­len Dank für die­se zeit­na­he Benach­rich­ti­gung.

Weil es „Wie Bit­te?!“ nicht mehr gibt, wer­fe ich mich jetzt mal in das Theo-West-Kos­tüm und ver­lei­he der Tele­kom fei­er­lich einen gol­de­nen Pan­nen­mann für ihre auf­op­fe­rungs­vol­le Kun­den­be­treu­ung.

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Film

Schweizer Sieger

Als klei­ner Nach­trag zum Inter­view mit Antoine Monot, Jr., dem künst­le­ri­schen Lei­ter des Zurich Film Fes­ti­vals, hier die Aus­zeich­nun­gen des Fes­ti­vals:

Sie­ger der Rei­he „Debüt­spiel­film“ ist Jar­rett Schae­fer mit „Chap­ter 27“.

In der Kate­go­rie „Nach­wuchs­spiel­film“ wur­de „The Band’s Visit (Bikur Hatiz­mo­ret)“ von Eran Koli­rin prä­miert.

Dan Cox über­zeug­te die Jury mit sei­nem Doku­men­tar­film-Erst­ling „Run­ning with Arnold“ und erhielt ein Gol­de­nes Auge für die Rei­he „Nach­wuchs­do­ku­men­tar­film“.

Oli­ver Stone nahm unter gros­sem Bei­fall ein Gol­de­nes Auge für sein Lebens­werk ent­ge­gen.

Erst­mals wur­de am 3. Zurich Film Fes­ti­val auch der Variety’s New Talent Award ver­lie­hen. Die­se Aus­zeich­nung ging eben­falls an Eran Koli­rin für „The Band’s Visit (Bikur Hatiz­mo­ret)“. Der Publi­kums­preis ging an den den Film „Twel­ve In A Box“ von John McKen­zie.

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Print Digital

Den Vogel abgeschossen

So lang­sam gehen mir die Erklä­run­gen aus, wie bei „Spie­gel Online“ Über­schrif­ten ent­ste­hen. Eine Theo­rie wäre, dass ein frü­he­rer Gag­schrei­ber von … sagen wir: „Sie­ben Tage, Sie­ben Köp­fe“ mit einer Ket­te um den Hals in der Redak­ti­on gehal­ten wird, eine Mel­dung nach der ande­ren vor­ge­le­sen bekommt und dann drei, vier Kalau­er dazu macht – der schlech­tes­te wird dann genom­men. Natür­lich wäre es auch mög­lich, dass ein Com­pu­ter­pro­gramm jede Mel­dung auf Schlag­wor­te scannt und dann eine such­ma­schi­nen­op­ti­mier­te Head­line aus­spuckt – so irre­füh­rend sie auch sein mag. Alter­na­tiv kön­nen nur noch sehr, sehr schlech­te Dro­gen im Spiel sein.

Brutaler Ehrenmord an Strauß: Amerikaner müssen ins Gefängnis

Zunächst ein Tran­skript mei­ner Gedan­ken:

  • „Hä?“
  • „Muss die bay­ri­sche Geschich­te neu geschrie­ben wer­den?“
  • „ ‚Ehren­mord‘?! ‚An Strauß‘?!“
  • „Wel­che Ame­ri­ka­ner? Alle?!“
  • „Hä?“

Und hier dann kurz die Geschich­te: Zwei jun­ge Män­ner klet­tern betrun­ken in ein Strau­ßen­ge­he­ge, der Strauß Gay­lord atta­ckiert die bei­den, die Beglei­te­rin­nen lachen, die bei­den Män­ner kom­men spä­ter wie­der und töten Gay­lord mit min­des­tens sie­ben Schüs­sen. Das erklärt den Strauß.

Einer der bei­den Män­ner wur­de bereits im März zu sie­ben Mona­ten Haft ver­ur­teilt, der zwei­te jetzt zu fün­fen. Das erklärt die Ame­ri­ka­ner im Gefäng­nis (wobei der zuerst Ver­ur­teil­te nach fünf Mona­ten wie­der frei kam, so dass streng genom­men jetzt nur ein Ame­ri­ka­ner in den Knast muss).

In der Reu­ters-Mel­dung, die „Spie­gel Online“ kom­plett über­nom­men und mit einem eige­nen Pro­log (und natür­lich der obi­gen Über­schrift) ver­se­hen hat, steht dann noch fol­gen­des:

In dem Fall gehe es klar um männ­li­chen Stolz, zitier­te die Zei­tung „San Fran­cis­co Chro­nic­le“ den mit dem Fall befass­ten Staats­an­walt.

Jawoll:

„This who­le thing is about male pri­de,“ Wag­staf­fe said.

Das „erklärt“ dann wohl den „Ehren­mord“, der (immer­hin noch mit Anfüh­rungs­zei­chen) auf das Kon­to von Reu­ters geht.

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Film

13 Minuten Paris umsonst

Die Fil­me von Wes Ander­son muss man mögen. Nicht im Sin­ne von „Wer sei­ne Fil­me doof fin­det, ist sel­ber doof“, son­dern im Sin­ne von „Man muss ein beson­de­rer Typ Mensch sein, um sie gut zu fin­den. Wenn man es nicht tut, macht einen das aber auch nicht zu einem schlech­te­ren Men­schen“.

„Rushmo­re“ war eine wun­der­ba­re Coming-Of-Age-Geschich­te, „The Roy­al Tenen­baums“ der nöti­ge Trost für alle die dach­ten, ihre Fami­lie sei selt­sam, und „The Life Aqua­tic with Ste­ve Zis­sou“ … nun ja: der war irgend­wie beson­ders merk­wür­dig.

Jetzt hat Wes Ander­son einen neu­en Film gedreht, das heißt irgend­wie auch zwei. „The Dar­jee­ling Limi­t­ed“ mit Owen Wil­son, Adri­en Bro­dy und Jason Schwartzman, der auch am Dreh­buch mit­schrieb, lief am Frei­tag in den USA an (wir müs­sen uns bis zum 3. Janu­ar 2008 gedul­den). Davor läuft „Hotel Che­va­lier“, ein Kurz­film, eben­falls von Ander­son und eben­falls mit Schwartzman, der einen Teil der Vor­ge­schich­te zu „The Dar­jee­ling Limi­t­ed“ erzäh­len soll – auch wenn ich mir kaum vor­stel­len kann, wie das gehen soll.

Die „Geschich­te“ geht näm­lich so: Ein Mann (Schwartzman) liegt in sei­nem Hotel­zim­mer in Paris und bekommt einen Anruf von einer Frau. Wir ver­ste­hen sehr schnell, dass es sich um sei­ne Ex-Freun­din han­deln muss, und sie ist auf dem Weg zu ihm. Der Mann hört sich auf sei­nem iPod „Whe­re Do You Go To (My Love­ly)“ von Peter Sar­stedt und nimmt ein Bad. Dann steht sei­ne Ex-Freun­din vor der Tür und es han­delt sich um die fan­tas­ti­sche, hin­rei­ßen­de Nata­lie Port­man. Die bei­den plau­dern ein wenig, dann küs­sen sie sich, er zieht sie aus und irgend­wann ste­hen bei­de auf dem Bal­kon des Hotel­zim­mers.

Der Film hät­te auch „Häh?“ hei­ßen kön­nen, denn eine Hand­lung im her­kömm­li­chen Sin­ne kann man „Hotel Che­va­lier“ nur schwer­lich ent­neh­men. Trotz­dem ist es ein bril­lan­ter Kurz­film mit wun­der­ba­rer Optik und begna­de­ten Schau­spie­lern. Denn was man hier in knapp 13 Minu­ten sieht, ist weni­ger eine Geschich­te, die erzählt wer­den will. Viel­mehr erin­nert das Gan­ze an Paa­re, die man stumm in der U‑Bahn oder auf einer Park­bank sit­zen sieht. Man ahnt, dass da irgend­was ganz und gar nicht stimmt, hat aber kei­ne Ahnung, was.

Die Netz­ge­mein­de geriet förm­lich in Ver­zü­ckung bei der Nach­richt, dass Nata­lie Port­man im Film „end­lich“ nackt zu sehen sei. Dazu muss man anmer­ken: Ja, sie war sicher nackt am Set. Aber sehen tut man nix. Durch geschick­te Kame­ra­ein­stel­lun­gen und absur­des­te Ver­ren­kun­gen, die mit­un­ter eher an „Aus­tin Powers“ als an Autoren­film erin­nern, blei­ben die „ent­schei­den­den“ Stel­len stets ver­deckt. Wer also nur auf Brust­war­zen oder ähn­li­ches aus ist, braucht sich „Hotel Che­va­lier“ nicht anzu­gu­cken.

War­um schrei­be ich das alles jetzt schon? Nun, in einer etwas außer­ge­wöhn­li­chen Akti­on hat Wes Ander­son beschlos­sen, „Hotel Che­va­lier“ schon jetzt als kos­ten­lo­sen Down­load bei iTu­nes anzu­bie­ten. Wer kei­nen ame­ri­ka­ni­schen iTu­nes-Account hat, fin­det den Film bei Goog­le Video.

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Digital Musik

Video-Spiele

Weil ja nie­mand den Nerv hat, den gan­zen Tag MTV und Viva lau­fen zu las­sen in der Hoff­nung, mal ein gutes Musik­vi­deo zu sehen (oder über­haupt mal eins) und weil es ja You­Tube gibt, liegt die Zukunft des Musik­vi­de­os im Inter­net.

Und weil ich gera­de so vie­le tol­le Vide­os auf Hal­de habe, hau ich die ein­fach mal nach­ein­an­der raus:

Tra­vis – My Eyes

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Tra­vis machen mal wie­der alles rich­tig. Sie kop­peln die rich­ti­ge Sin­gle raus und dre­hen ein über­aus char­man­tes Video, das als Destil­lat aller guten Tra­vis-Vide­os durch­ge­hen kann: Alber­ne Ver­klei­dun­gen, nas­se Band­mit­glie­der und sicht­lich Spaß am Gan­zen.

Bob Dylan (Remi­xed by Mark Ron­son) – Most Likely You Go Your Way (And I’ll Go Mine)

So ganz sicher bin ich mir noch nicht, was ich vom ers­ten Dylan-Remix ever hal­ten soll. Die Glei­chung „Sin­ger/­Song­wri­ter-Legen­de + Pro­du­zent der Stun­de = Meis­ter­werk“ ging jeden­falls nicht ganz auf. Ron­son hat die glei­chen Blä­ser­sät­ze wie über­all sonst ver­bra­ten und lässt den Remix dadurch etwas belie­big wir­ken. Trotz­dem hat der Song sei­nen Charme und das Video ist wirk­lich sehr gelun­gen (wenn auch nicht hier ein­bind­bar, bit­te kli­cken Sie hier).

Oasis – Lord Don’t Slow Me Down

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Trotz des Titels die­ses Blogs war ich immer mehr Oasis- als Blur-Fan. Also wird auch jeder neue Oasis-Song gefei­ert, egal wie er klingt. „Lord Don’t Slow Me Down“ [via Pop­kul­tur­jun­kie] wird eine Down­load-Only-Sin­gle und ist der Titel­song zur neu­en Oasis-Tour-DVD. Es ist kein son­der­lich bril­lan­ter Song, hät­te aber gut auf „Don’t Belie­ve The Truth“ gepasst.

Brit­ney Spears – Gim­me More

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Nee, war natür­lich nur Spaß. Nicht kli­cken! Och …
Musi­ka­lisch geht die­se Num­mer des Tim­ba­land-Azu­bis Dan­ja natür­lich gar nicht, aber für hor­mo­nell über­steu­er­te Teen­ager gibt’s viel­leicht noch einen Ver­wen­dungs­zweck.
Okay, das war gemein. Ent­schul­digt, lie­be Teen­ager.

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Digital Musik

Used To Laugh Here

Die wenigs­ten Wit­ze wer­den komi­scher, wenn man sie ein zwei­tes Mal hört. Kaum ein Witz, den man seit mehr als zehn Jah­ren kennt, bringt einen noch zum Lachen (Aus­nah­men: Lori­ot, Mon­ty Python, „Und täg­lich grüßt das Mur­mel­tier“).

Seit min­des­tens drei­zehn Jah­ren kün­digt Axl Rose nun „Chi­ne­se Demo­cra­cy“ an, ein Album das – so es je erschei­nen soll­te – das vier­te regu­lä­re Stu­dio­al­bum von Guns N‘ Roses wäre. Und das teu­ers­te Album, das die Welt je gese­hen hat.

In der Zwi­schen­zeit hat sich die Band, die ein­mal Guns N‘ Roses war, bis auf Axl Rose kom­plett zer­legt, es wur­den etwa zwei­und­vier­zig Release Dates ver­kün­det und wie­der zurück­ge­nom­men, und mög­li­cher­wei­se wird sogar Chi­na eher zu einer Demo­kra­tie wer­den, als die­ses Album erschei­nen wird.

Wit­ze über „Chi­ne­se Demo­cra­cy“ ver­bie­ten sich also schon des­halb, weil das Album bzw. die Geschich­te dar­um selbst der größ­te Witz ist. Spä­tes­tens nach Chuck Klos­ter­mans Rezen­si­on des Albums in „Spin“ (datiert vom 1. April 2006, bru­ha­ha­ha) braucht man sich kei­ne Mühe mehr zu geben, irgend­et­was humo­ris­ti­sches mit dem Album anzu­stel­len. Es ist alles gesagt.

Ges­tern mel­de­te visions.de, bei Amazon.co.uk kön­ne man das Album inzwi­schen vor­be­stel­len, es wer­de am 12. Febru­ar 2008 ver­öf­fent­licht. Auch bei Amazon.de sei das Album bereits zu ordern, dort ist die Ver­öf­fent­li­chung aller­dings auf den 31. Dezem­ber 2025 ter­mi­niert.

Was haben wir gelacht.

P.S.: Ich bin einer die­ser Irren, die glau­ben, dass „Chi­ne­se Demo­cra­cy“ tat­säch­lich eines Tages noch ver­öf­fent­licht wer­den wird. Und ent­we­der wird es dann gequirl­te Kacke, was bei geschätz­ten 13 Mil­lio­nen Dol­lar Pro­duk­ti­ons­kos­ten (bis­her) aber auch Stil hät­te, oder es wird ein ver­damm­tes Meis­ter­werk. Ich bin und blei­be gespannt.

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Musik

Homegrown Terror

Es gibt ja eigent­lich kei­nen Grund, war­um Nena heu­te noch bekannt sein soll­te – also mal davon ab, dass sie mit unra­sier­ten Ach­seln im Fern­se­hen auf­trat und damit das Deutsch­land­bild vie­ler Bri­ten und Ame­ri­ka­ner nach­hal­ti­ger präg­te als so man­cher Bun­des­kanz­ler. Seit vie­len Jah­ren ver­öf­fent­licht Nena die immer­glei­chen Songs in immer neu­en Gewän­dern und schafft damit ver­mut­lich auch noch das, was sie damit errei­chen will: Gan­ze Gene­ra­tio­nen neu­er Nena-Fans zu erschlie­ßen.

Letz­te Woche erschien das neue Album von Nena. Es heißt „Cover Me“ und hät­te mich ver­mut­lich mein Leb­tag nicht inter­es­siert, wenn, ja wenn ich nicht gera­de bei iTu­nes dar­über gestol­pert wäre. Dank moder­ner Tech­nik kann man ja heut­zu­ta­ge in jedes Album zumin­dest rein­hö­ren und das habe ich dann auch getan.

Nach­dem ich den Tep­pich so gut es ging wie­der gerei­nigt und mir eine Win­ter­ja­cke ange­zo­gen hat­te (ich wer­de noch ein paar Tage lüf­ten müs­sen, bis der Gestank raus­geht), dach­te ich mir: Nein, damit möch­te ich nicht allein blei­ben. Und des­halb jetzt hier für Sie: Die „High­lights“ aus „Cover Me“, das – Sie hat­ten es bereits dem groß­ar­ti­gen Wort­spiel im Album­ti­tel ent­nom­men – ein Cover­al­bum ist.

Auf der ers­ten Sei­te ver­greift sich Nena „nur“ an deutsch­spra­chi­gen Songs: So erwischt es neben den ungleich kre­di­bi­le­ren Mit-Acht­zi­ger-Acts Ulla Meine­cke („Für dich tu ich fast alles“) und Ide­al („Eis­zeit“ )auch David Bowie („Hel­den“ aus dem „Chris­tia­ne F.“-Sound­track) und – bit­te fest­hal­ten und sehr, sehr tap­fer sein! – Deich­kind („Rem­mi­dem­mi“).

Wer bereits jetzt glaubt, alles Elend die­ser Welt gehört zu haben, hat gera­de mal den Fuß in der Höl­len­pfor­te, aus der auf der B‑Seite des Albums diver­se eng­li­sche Cover­ver­sio­nen strö­men wer­den. Mark Bol­an von T. Rex ist immer­hin schon tot, so dass ihn die Ver­si­on von „Child­ren Of The Revo­lu­ti­on“ allen­falls noch zum lei­sen Rotie­ren brin­gen soll­te – ande­re Musi­ker haben das Glück nicht: Bowie („Star­man“) sowie Bob Dylan und die Rol­ling Stones erwischt es gleich zwei Mal („It’s All Over Now Baby Blue“ und „Blo­win‘ In The Wind“ bzw. „The Last Time“ und „She’s Like A Rain­bow“), The Cure bekom­men die zwei­tau­sends­te Inter­pre­ta­ti­on von „Fri­day I’m In Love“ ange­hängt und bei Pink Floyd dürf­te man sich nach dem Kon­sum von „Us And Them“ wün­schen, es wären gleich alle Band­mit­glie­der dem Wahn­sinn anheim gefal­len.

Auch „jün­ge­re“ Acts wie Air („Sexy Boy“) und Moby („Slip­ping Away“) sind nicht sicher vor Nena und ihrem Haus-und-Hof-Pro­du­zen­ten und Ex-„Popstars“-Jurymitglied Uwe Fah­ren­krog-Peter­sen. Doch ihnen allen geht es noch gut, denn am schlimms­ten erwischt es mal wie­der die arme Joni Mit­chell. Wer geglaubt hat­te, wüs­ter als die Coun­ting Crows kön­ne nie­mand mehr die gro­ße alte Dame der Folk­mu­sik belei­di­gen, wird bei Nena eines bes­se­ren belehrt: Ihre Ver­si­on von „Big Yel­low Taxi“ ist seit vie­len Jah­ren, ja: Jahr­zehn­ten der ers­te Song, der Wil­liam Shat­ners „Lucy In The Sky With Dia­monds“ den Ruhm als schlech­tes­te Cover­ver­si­on aller Zei­ten strei­tig machen könn­te. Aber das ist ja auch schon mal eine erstaun­li­che Leis­tung.

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Musik

Listenpanik 09/​07: Sie sind wieder da-ha!

Wie mir erst sehr spät auf­fiel, gab es im Sep­tem­ber gar kei­ne Bes­ten­lis­te für den August. Das lag wohl dar­an, dass mir zwi­schen­zeit­lich mein Arbeits- und Musikab­spiel­ge­rät abhan­den gekom­men war. Egal, dann star­ten wir eben jetzt frisch in die neue Run­de mit einer neu­en, wie immer streng sub­jek­ti­ven Bes­ten­lis­te.

Dabei gibt es noch eine Neue­rung: Weil ich am Ende des Jah­res eh immer mei­ne liebs­ten Songs zusam­men­fas­se und das nicht zwangs­läu­fig Sin­gles sein müs­sen, wer­de ich ab jetzt hier die schöns­ten Songs des Vor­mo­nats vor­stel­len. Das hat meh­re­re Vor­tei­le: Die bes­ten Songs eines Albums erschei­nen nicht immer auch als Sin­gle, ich muss mich nicht mehr durch Lis­ten mit Sin­gle-VÖ-Daten quä­len und ich kann auch schon ruhi­gen Gewis­sens Songs nen­nen, die erst im Radio lau­fen, aber noch nicht als Sin­gle erschie­nen sind.

Jetzt aber wirk­lich los:

Alben (inkl. Amazon.de-Links)
1. The Wea­k­erthans – Reuni­on Tour
Über mei­nem Schreib­tisch hängt ein signier­tes Wea­k­erthans-Pos­ter, muss ich da noch mehr sagen?
Na gut: Die Kana­di­er waren natür­lich nie der­art „weg“, dass das Gere­de von einer „Reuni­on Tour“ gerecht­fer­tigt wäre. Trotz­dem sind sie jetzt eben wie­der da und machen naht­los da wei­ter, wo sie mit „Recon­s­truc­tion Site“ (dem ja auch kein Abriss vor­aus­ging) auf­ge­hört haben: Wun­der­schö­ner Indiepop mit Folk­ein­flüs­sen, lieb­li­chen Har­mo­nien und sehr klu­gen Tex­ten von John K. Sam­son. Ich habe das Gefühl, dies­mal ein paar mehr Beat­les-Ein­flüs­se erkannt zu haben, als man bei den Wea­k­erthans sonst erwar­ten wür­de, aber wel­cher Band hät­te sol­ches schon gescha­det?
Ich möch­te mich bereits jetzt fest­le­gen und sagen: Das Herbst­al­bum des Jah­res!

2. Kili­ans – Kill The Kili­ans
„Wie? Nicht auf der 1?!“ Zuge­ge­ben: Das wäre nach allem Thea­ter hier nahe­lie­gend gewe­sen. Aber ich will mal so fair sein und sagen, dass ich mir bei mei­ner Nähe zu der Band eh kein rich­ti­ges Urteil erlau­ben könn­te („objek­tiv“ wäre eh das denk­bar fal­sche Wort für Musik­be­spre­chun­gen). Also habe ich lie­ber den Wea­k­erthans den Vor­zug gege­ben, bei denen ich mir sicher bin, dass ich das Album lie­be. Lie­ben tue ich „Kill The Kili­ans“ natür­lich auch, aber eben eher so wie ein Geschwis­ter­kind, mit dem man zusam­men auf­ge­wach­sen ist.
Ich war immer etwas in Sor­ge, ob man die Live-Ener­gie die­ser Band auf Plat­te wür­de ban­nen kön­nen. Swen Mey­er hat es nicht ganz geschafft, aber er war klug genug, den Sound des­halb etwas zu polie­ren, damit es wirk­lich wie ein Album klingt und nicht wie ein miss­glück­ter Kon­zert­mit­schnitt. Klingt zu kom­pli­ziert? Dann hören Sie mal die ers­ten bei­den Tra­vis-Alben hin­ter­ein­an­der und Sie ver­ste­hen, wie ich das mei­ne.
Ansons­ten natür­lich: Gro­ßes Song­wri­ting, sau­be­re Arbeit, eigent­lich alles rich­tig gemacht. Nuff said!

3. Foo Figh­ters – Echo­es, Silence, Pati­ence & Grace
Will­kom­men im Monat der Lieb­lings­band-Ver­öf­fent­li­chun­gen!
Dave Grohl ist natür­lich die cools­te Sau im Rock­ge­schäft, dar­über muss man nicht dis­ku­tie­ren. Sei­ne Foo Figh­ters sind auch immer schon groß gewe­sen, aber bis auf „The­re Is Not­hing Left To Lose“ fand ich die Alben immer schwer durch­hör­bar. Das ändert sich jetzt mit dem neu­en Album, des­sen Namen ich jedes Mal nach­gu­cken muss: Hier stimmt das Gleich­ge­wicht von laut und lei­se, von Brett und Hym­ne.
Näher wer­den die Foo Figh­ters ihren Vor­bil­dern von Led Zep­pe­lin viel­leicht nie kom­men, was aber wohl auch ganz gut ist.

4. Kanye West – Gra­dua­ti­on
Ich habe kei­ne Ahnung, war­um ich in den letz­ten andert­halb Jah­ren eine sol­che Begeis­te­rung für Hip­Hop und R’n’B ent­wi­ckelt habe, aber viel­leicht liegt es ein­fach dar­an, dass man mit zuneh­men­dem Alter auf Schub­la­den­den­ken ver­zich­tet, und an der zuneh­men­den Qua­li­tät der ent­spre­chen­den Alben.
Neh­men wir Kanye West: Sam­pelt rotz­frech Daft Punk und Stee­ly Dan (Stee­ly Dan, mei­ne Damen und Herren!!!!1) und arbei­tet mit der neu­en Hip­Hop-Iko­ne Chris Mar­tin zusam­men. Allein aus den Zuta­ten muss jeder, der kein abso­lu­ter Voll­idi­ot ist, doch ein brauch­ba­res Album zusam­men­bau­en. Und da die­se Namen bei Mr. West wirk­lich nur die Spit­ze des Eis­bergs bil­den, ist „Gra­dua­ti­on“ ein wirk­lich gelun­ge­nes Album gewor­den.
Dass der Release des Albums einen Oasis-vs-Blur-mäßi­gen Show­down mit 50 Cent bedeu­te­te, könn­te natür­lich ein wei­te­rer Cool­ness-Fak­tor für mich sein …

5. The Robo­cop Kraus – Blun­ders And Mista­kes
The Robo­cop Kraus schrapp­ten irgend­wie immer haar­scharf an dem vor­bei, was man „Zeit­geist“ nennt. Das ist aber erstaun­li­cher­wei­se gar nicht schlimm, im Gegen­teil: Wür­den sie heu­te noch so abge­hack­te Rhyth­men und hart ange­schla­ge­ne Gitar­ren ver­wen­den wie vor zwei Jah­ren auf „They Think They Are The Robo­cop Kraus“, so wäre das erstaun­lich lang­wei­lig. Des­halb spie­len sie lie­ber – Ach­tung! – gut­ge­laun­ten Indiepop, den man zwar – fest­hal­ten! – von der Insel kennt, aber eben nicht aus Nürn­berg (mehr zum The­ma Pro­vinz und Rock fin­den Sie hier).
Außer­dem soll­te noch irgend­je­mand die­ses wirk­lich außer­ge­wöhn­lich char­man­te Cover-Art­work loben …

Songs (inkl. iTu­nes-Links)
1. Kili­ans – When Will I Ever Get Home
Da hat man eine Band fünf­zehn Mal live gese­hen, glaubt alle ihre Songs zu ken­nen, und dann legt man die CD zum ers­ten Mal ein und sieht sei­nem Unter­kie­fer gera­de noch dabei zu, wie er auf den Fuß­bo­den auf­schlägt. So und nicht anders klingt Sta­di­on­rock, der sich einen Scheiß um die Mul­ti­funk­ti­ons­are­nen die­ser Welt schert. Selbst U2 und die Ste­reo­pho­nics sehen gegen die­se Gitar­ren­wän­de alt aus – die haben aller­dings auch jeweils nur einen Gitar­ris­ten und nicht derer drei.
Das ist die Musik, die man hören will, wenn man nachts betrun­ken mit dem Fahr­rad nach Hau­se fährt: Arme aus­brei­ten, mit­sin­gen und dann gegen den Bord­stein fah­ren und auf die Fres­se flie­gen.

2. The Wea­k­erthans – Civil Twi­light
So müs­sen Alben begin­nen: Genug Schwung in den Stro­phen auf­neh­men und dann im Refrain zur gro­ßen Hym­ne öff­nen. Dazu ein Text, in dem es ums Gol­fen, Hol­ly­wood­schau­spie­le­rin­nen und Ris­se in Miets­häu­sern geht.
Hat­te ich schon erwähnt, wie sehr ich die Wea­k­erthans ver­eh­re?

3. Shout Out Louds – Impos­si­ble
Die Nicht­er­wäh­nung des groß­ar­ti­gen Albums „Our Ill Wills“ ist jetzt schon einer der gröbs­ten Schnit­zer der Lis­ten­pa­nik-Serie. Immer­hin „Tonight I Have To Lea­ve It“ hat­te ich abge­fei­ert, des­halb soll auch die zwei­te Sin­gle aus dem zwei­ten Shout-Out-Louds-Album ihre Wür­di­gung erfah­ren. Nicht zuletzt des­halb, weil die Lis­te der Pop­songs mit Xylo­phon-Beglei­tung immer noch viel zu kurz ist.

4. Ste­reo­pho­nics – It Means Not­hing
Aus mir selbst nicht ganz ver­ständ­li­chen Grün­den haben mich die Ste­reo­pho­nics auch nach sie­ben Jah­ren Fan­dom und meh­re­ren medio­kren Alben nicht los­ge­las­sen. „It Means Not­hing“ ist eine die­ser schlei­chen­den Num­mern vol­ler End­los­schlei­fen, die Kel­ly Jones seit ein paar Jah­ren so ger­ne schreibt. Der Song braucht Zeit, man muss ihn ziem­lich oft hören, bis einem (viel­leicht) die Schön­heit dahin­ter auf­fällt.
Sehr emp­feh­lens­wert beim S‑Bahn-Fah­ren im strö­men­den Regen.

5. Rihan­na – Don’t Stop The Music
Eigent­lich ist es zu spät, um die Bril­lanz des Über­hits „Umbrel­la“ zu wür­di­gen, oder auch nur das über­ra­schend ein­gän­gi­ge Album „Good Girl Gone Bad“ zu loben. Bei­de sind schon Mona­te alt, im schnell­le­bi­gen Musik­biz eine hal­be Ewig­keit. Aber weil mich bei­des so begeis­tert hat, dass ich das sogar öffent­lich zuge­be, woll­te ich noch irgend­was gutes über Frau und Musik schrei­ben und nut­ze die Gele­gen­heit, dass „Don’t Stop The Music“, ein eben­falls sehr gelun­ge­ner (wenn auch natür­lich nicht an „Umbrel­la“ her­an­rei­chen­der) Tanz­bo­den­stamp­fer, im Sep­tem­ber als Sin­gle ver­öf­fent­licht wur­de.