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Fernsehen Digital Leben

Jenseits von Eden

Ges­tern war also die zwei­te pl0gbar in Bochum und wenn ich eines gelernt habe, dann dass man hin­ter­her dar­über blog­gen soll­te. Zum Bei­spiel, um sich selbst und den ande­ren noch mal zu ver­si­chern, was für ein net­ter Abend es war (war es wirk­lich), und um nie­der­zu­schrei­ben, wie die The­men lau­te­ten, über die man gespro­chen hat­te: Die gol­de­ne Fleisch­wurst der Fie­ge-Braue­rei, diver­se Auf­trit­te Anwe­sen­der in den sog. „alten Medi­en“ (ich hab mal lie­ber nicht erzählt, dass ich mal bei einer Auf­zeich­nung der Vox-Sen­dung „Koch­du­ell“ zuge­gen und auch groß im Bild war), die schöns­ten Lie­der bei „Sing­star“, sowie die Viva-Mode­ra­to­rin Gül­can Karahan­ci, die man lie­ber nicht in der Nähe einer Fle­der­maus­ko­lo­nie spre­chen las­sen soll­te, die aber bald einen Fern­se­her hei­ra­tet (oder irgend­wie sowas).

Neben die­sem The­men-Pot­pour­ri wur­de auch immer wie­der kurz über die mög­li­che Orga­ni­sa­ti­on eines sog. „Bar­camps“ in Bochum gespro­chen, aber was das genau ist, hab ich auch nach län­ge­ren Erklä­rungs­ver­su­chen noch nicht ganz ver­stan­den. Klang aber ein biss­chen wie eine Mischung aus Infor­ma­tik­un­ter­richt und Kir­chen­tag. Gesun­gen wur­de ges­tern schon – aber nur am Neben­tisch.

Und hier noch die Nach­klapps bei die stän­di­ge Rei­se, Pott­blog, Tales from the Mac Hell und Ich den­ke nicht….

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Unterwegs Leben

Mein schönstes Urlaubsfoto

Ab Mitt­woch gibt es bei Aldi Nord eine preis­wer­te Digi­tal­ka­me­ra, mit der man beson­ders schö­ne Urlaubs­fo­tos schie­ßen kann. Zum Bei­spiel vom Ground Zero:

Urlaubsfotos am Ground Zero
(Screen­shot: aldi-essen.de)

Zum Ver­gleich: So sah es im letz­ten Novem­ber von der gegen­über­lie­gen­den Sei­te des Lochs aus.

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Digital Leben

Seid Netz zueinander!

Es gibt Sachen, für die fehlt mir irgend­wie der Zugang. So weiß ich zum Bei­spiel mit dem Gere­de von der „Blogo­sphä­re“ nicht all­zu­viel anzu­fan­gen – nur weil ein paar Hun­dert Men­schen mit der glei­chen Con­tent-Manage­ment-Soft­ware Tex­te ins Inter­net stel­len, macht sie das doch nicht auto­ma­tisch zu Gleich­ge­sinn­ten. Genau­so gut könn­ten sie sich ja auch „Gene­ra­ti­on Golf“ nen­nen oder so einen Blöd­sinn. Auch habe ich bis­her nicht ver­stan­den, war­um man sich mit Leu­ten, die man online ken­nen­ge­lernt hat, im Real Life tref­fen soll­te – das Inter­net wur­de doch erfun­den, damit jeder in sei­nem Elfen­bein­turm sit­zen blei­ben und trotz­dem mit Men­schen aus aller Welt kom­mu­ni­zie­ren (und sie im Zwei­fels­fall belei­di­gen) kann.

Trotz­dem (und obwohl par­al­lel „Dr. House“ im Fern­se­hen lief) war ich vor knapp zwei Wochen bei der ers­ten pl0gbar in Bochum. Das war wider erwar­ten ein sehr net­ter Abend und des­halb wird die­ser Spaß jetzt fort­ge­setzt.

Was ich auch nicht wuss­te ist, dass man hin­ter­her dar­über blog­gen muss soll­te. Klar, es kann ja außer den Dage­we­se­nen kei­ner wis­sen, dass man da war – der Blog-Ein­trag wird somit zur digi­ta­len Urlaubs­post­kar­te.

Wer also aus dem Groß­raum Bochum (wir nen­nen es „Ruhr­ge­biet“) kommt, irgend­wie online aktiv ist und sich viel­leicht dar­über hin­aus auch noch in der Lage sieht, mir die Angst vor Real-Life-Ver­samm­lun­gen zu neh­men, der ist am kom­men­den Diens­tag, 12. Juni 2007 ab 19:00 Uhr im Café Kon­kret herz­lich will­kom­men.

(Und jetzt kann ich noch die­sen Link hier set­zen, hat mein Betreu­er gesagt. Ich weiß nur nicht genau, was das ist.)

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Leben Politik Gesellschaft

„Ich habe gelacht, als meine Regierung verspottet wurde“

Es gibt sicher vie­le Grün­de, poli­ti­sches Kaba­rett doof zu fin­den (und weil man bei sol­chen Sät­zen wenigs­tens einen Grund nen­nen soll­te, sag ich mal: „Schei­ben­wi­scher“). Es gibt aber auch poli­ti­sches Kaba­rett, dem ich mich frei­wil­lig aus­set­ze. Heu­te Abend habe ich mir z.B. zum vier­ten Mal Vol­ker Pis­pers ange­se­hen – zum drit­ten Mal mit sei­nem Best-Of-Pro­gramm „Bis neu­lich“, mit dem er seit fünf Jah­ren tourt. Und obwohl ich knapp die Hälf­te des Pro­gramms hät­te mit­spre­chen kön­nen, habe ich mich herr­lich amü­siert. Das ver­zwei­fel­te Mit­schrei­ben und Rezi­tie­ren der böses­ten Sprü­che und bes­ten Poin­ten über­las­se ich eben­so den Repor­tern der Lokal­zei­tun­gen wie die For­mu­lie­run­gen „bit­ter­bö­se“, „schwar­zer Humor“ und „Lachen im Hal­se ste­cken­blei­ben“.

Direkt zu Beginn des Abends, der inklu­si­ve einer halb­stün­di­gen Pau­se übri­gens fast vier Stun­den dau­er­te, bezeich­ne­te Pis­pers das Kaba­rett als moder­nen Ablass­han­del, der es den Zuschau­er ermög­li­che, bequem gegen das Sys­tem zu sein, in dem er lebt. Und so durf­te das über­ra­schend hete­ro­ge­ne Publi­kum (ich möch­te trotz­dem wet­ten: 25% Leh­rer) über Ange­la Mer­kel, Geor­ge W. Bush, Wolf­gang Schäub­le, Franz Mün­te­fe­ring und wie­sie­al­le­hei­ßen lachen, obwohl das, was die­se Poli­ti­ker so anrich­ten, sel­ten zum Lachen ist. Ent­spre­chend hoch war der Anteil der „Hohoho„s, also der Lacher, die man sich als poli­tisch kor­rek­ter Mensch ja eigent­lich gar nicht erlau­ben dürf­te.

An Vol­ker Pis­pers gefällt mir beson­ders gut, dass er sich nicht mit kin­di­schen Par­odien, Kos­tü­mie­run­gen oder Auf­füh­run­gen auf­hält (s. „Schei­ben­wi­scher“), son­dern den Zuschau­ern haupt­säch­lich Fak­ten um die Ohren haut. Natür­lich sorgt er dafür, dass dabei Poin­ten ent­ste­hen, aber das, was er da auf der Büh­ne erzählt, lässt sich auch in den seriö­ses­ten Zei­tun­gen nach­le­sen – nach Pis­pers Aus­sa­gen sei­ne ein­zi­gen Quel­len. Wie er Auf­klä­rung und Unter­hal­tung gleich­zei­tig lie­fert, das ist fast schon ein biss­chen mit der „Dai­ly Show“ ver­gleich­bar.

Die Idee, dass Kaba­rett die Welt ver­än­dern könn­te, wäre gänz­lich absurd. Das Publi­kum hat gutes Geld bezahlt, sich köst­lich unter­hal­ten gefühlt, mal laut­hals über die eige­ne und ander­erleuts Regie­rung gelacht und sich am Ende viel­leicht sogar ein paar Fak­ten und For­mu­lie­run­gen gemerkt. Aber wird man Nach­barn, Freun­de oder die obli­ga­to­ri­schen Stamm­tisch­brü­der zurecht­wei­sen, wenn die­se die Poli­tik eines Wolf­gang Schäub­le (ach, ein Zitat muss ich jetzt doch mal brin­gen: „Atten­tats­op­fer und Roll­stuhl­tä­ter“) gut­hei­ßen? Wird auch nur einer, nach­dem er sich einen Abend lang über Poli­ti­ker schlapp­ge­lacht hat, selbst in die Poli­tik gehen und etwas ändern wol­len?

Aber dar­um geht es ja gar nicht: Mis­sio­nie­rung ist sicher nicht Ziel des Kaba­retts, denn die, die hin­ge­hen, wis­sen ja eh zumeist, wie der Hase läuft, und die, die man wach­rüt­teln müss­te, die inter­es­siert das alles kein biss­chen. Trotz­dem reden die Leh­rer hin­ter­her bei einem Glas Rot­wein (und: ja, ich wünsch­te, das wäre ein­fach nur so ein halt­lo­ses Kli­schee, aber es ist natür­lich schmerz­haft wahr) über das, was sie da gehört haben. Sie sind für einen Abend mal pas­siv enga­giert gewe­sen und erzäh­len sich selbst noch ein­mal, dass bei­spiels­wei­se die Chan­ce, in Deutsch­land an Ärz­te­pfusch zu ster­ben, unend­lich höher ist als die, hier Opfer eines ter­ro­ris­ti­schen Anschlags zu wer­den. Das ist doch schon mal ein Anfang.

Und wo ich gera­de dabei bin: Das Fan­tas­ti­val, in des­sen Rah­men ich die­sen Kaba­rett­abend besu­chen durf­te, läuft noch zwei Wochen in Dins­la­ken. Kar­ten für das Kon­zert der Kili­ans kann man noch bis Mitt­woch bei uns gewin­nen.

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Leben

Bright Idea (Folge 317)

Heu­te: Stern­marsch auf eine Küs­ten­stadt.

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Musik Print Leben

Walfangverbot

Irgend­je­mand ließ heu­te unvor­sich­ti­ger­wei­se mal wie­der einen durch­aus ver­trau­ten URL fal­len. Auf http://www.nme.com/magazine schaut man als musik­in­ter­es­sier­ter Mensch ja ger­ne mal nach, wenn man sich über die aktu­el­len Hypes infor­mie­ren will. Und was blinkt einem da ent­ge­gen? Beth Dit­to, Sän­ge­rin von The Gos­sip, in vol­ler Grö­ße und mit rela­tiv wenig Tex­til. Beth Ditto auf dem NME-Cover Man­cher wird dem Maga­zin unter­stel­len, die­ses Cover­mo­tiv sei mutig. Man­cher wird sich ver­schämt abwen­den. Und man­cher auch ein­fach nur reflex­ar­tig in sei­ne Hose grei­fen. Sei’s drum – wich­ti­ger als die per­sön­li­che Ein­stel­lung gegen­über Adi­po­si­tas ist ohne­hin die Musik. Die von The Gos­sip kann eini­ges, was man nicht nur dar­an able­sen kann, dass bei den geschät­zen Kol­le­gen von tonspion.de „Stan­ding in the way of con­trol“ 2006 zum MP3 des Jah­res gewählt wur­de.

Dass aber das mit dem Cover­fo­to aus­ge­rech­net am Tag pas­siert, an dem die inter­na­tio­na­le Wal­fang­kom­mis­si­on ver­kün­det, dass das Wal­fang­mo­ra­to­ri­um fort­ge­setzt wird, ist sicher­lich nur Zufall. Oder? Zum Glück ken­nen die beim NME Jacky D nicht.

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Rundfunk Leben Fernsehen

Hat man beim WDR etwas gegen Veronica Ferres?

Ich habe seit Mon­tag im WDR zwei Doku­men­ta­tio­nen über Jörg Immendorff gese­hen, die zwar teil­wei­se aus dem glei­chen Mate­ri­al bestan­den, aber eben doch zwei ver­schie­de­ne Fil­me waren.

In bei­den Fil­men waren Aus­schnit­te von öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen zu sehen (die Eröff­nung der Retro­spek­ti­ve in der Neu­en Natio­nal­ga­le­rie 2005 und die Über­ga­be des Kanz­ler­por­träts im Früh­jahr 2007), bei denen neben Immendorff jeweils Ger­hard Schrö­der und Vero­ni­ca Fer­res zuge­gen waren. Und, unge­lo­gen: Jedes mal, wenn Frau Fer­res im Bild war, sag­te die Spre­che­rin gera­de etwas von „Nutz­nie­ßern“, „Bus­si-Bus­si-Gesell­schaft“ und Leu­ten, die Immendorff am Ende „zuwi­der“ gewe­sen sei­en. Das kann doch kein Zufall mehr sein, oder?

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Leben Unterwegs

Dieser Weg ist steinig und schwer

Es ist Pfings­ten, man­che wis­sen auch wie­so, ich lie­ge brä­sig auf der Ter­ras­se habe den bis­he­ri­gen Tag mit gesell­schaft­li­chen Auf­ga­ben ver­bracht und möch­te jetzt die­se all­ge­mei­ne fest­li­che Stil­le mit zwei Geschich­ten durch­bre­chen. Die eine ist hei­ter, die ande­re beun­ru­hi­gend, und es ist jedem selbst über­las­sen, wel­che wel­che ist:

Als ich am Frei­tag mit dem Regio­nal­ex­press durchs Ruhr­ge­biet reis­te (mein Leben also in vol­len Zügen genoss), fuhr ich einen Teil der Stre­cke mit einer Pfad­fin­der­grup­pe. Erst nach­dem der Zug in den Duis­bur­ger Haupt­bahn­hof ein­ge­fah­ren war, bemerk­ten die Anfüh­rer der Grup­pe, dass sie die letz­ten fünf Minu­ten vor einem Schild gestan­den hat­ten, auf dem „Tür defekt“ stand. Und so dreh­ten sich die etwa zwan­zig Pfad­fin­der, die sich über die gesam­te Wagen­län­ge im Mit­tel­gang gestaut hat­ten, um und gin­gen zur Tür am ande­ren Ende des Wagens hin­aus. Sie gin­gen nicht etwa durch die Tür, die zwei Meter neben der defek­ten im nächs­ten Wagen lag und offen stand.

Als ich Dins­la­ken, die Stadt mei­ner Kind­heit, erreicht hat­te und zu Fuß zu mei­nen Eltern ging, stell­te ich fest, dass die all­jähr­li­chen Stra­ßen­pflas­ter-Fest­wo­chen offen­bar wie­der in vol­lem Gan­ge waren. Anders als im Osten der Repu­blik, wo man am nächs­ten Wochen­en­de den vier­zigs­ten Jah­res­tag des Schah­be­suchs mit gro­ßen Trach­ten­pa­ra­den bege­hen will, haben die Dins­la­ke­ner Stra­ßen­pflas­ter-Fest­wo­chen wenig mit Gewalt, aber viel mit Ver­kehrs­be­hin­de­rung zu tun. Denn jedes Jahr im Früh­som­mer wird das Pflas­ter der Haupt­stra­ße auf­ge­bro­chen, die Stei­ne wer­den gewen­det, ein neu­es Sand­bett wird gelegt und dann wird die Stra­ße wie­der zuge­pflas­tert. Lei­der lie­fert die offi­zi­el­le Web­site der Stadt kei­ner­lei Infor­ma­tio­nen zu die­sem schö­nen Brauch­tum, aber ich möch­te jeden herz­lich ein­la­den, sich die­se beson­de­re Tief­bau­pro­zes­si­on nicht ent­ge­hen zu las­sen.

So viel für den Augen­blick, mehr Con­tent gibt’s, wenn mehr pas­siert.

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Leben

Die Tiere sind unruhig

Ich war immer schon sehr fas­zi­niert von der Tat­sa­che, dass Tie­re Erd­be­ben und ähn­li­che Kata­stro­phen „vor­her­sa­gen“ kön­nen.

Des­we­gen bin ich jetzt irgend­wie beun­ru­higt:

Wie wird da wohl die Schlag­zei­le der mor­gi­gen „Bild am Sonn­tag“ aus­se­hen?

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Musik Leben

Imagine all the people

Yoko Ono hat schon vor eini­ger Zeit die Rech­te sämt­li­cher John-Len­non-Solo­songs zur Ver­fü­gung gestellt, auf dass sie von nam­haf­ten Künst­lern geco­vert und zu Guns­ten von Amnes­ty Inter­na­tio­nal online ver­kauft wer­den kön­nen. Die Idee ist natür­lich inso­fern bril­lant, als durch den Onlin­ever­kauf die gan­zen Kos­ten­fak­to­ren wie Press­werk, Ver­trieb und Ein­zel­han­del völ­lig ver­nach­läs­sigt wer­den kön­nen. Zuletzt haben z.B. R.E.M. (in Ori­gi­nal­be­set­zung) „Dream #9“ geco­vert und Green Day „Working Class Hero“. Ers­te­res ist (wie zu erwar­ten war) ziem­lich fan­tas­tisch gewor­den, letz­te­res eher grenz­wer­tig. Da aber auch zuletzt schon die Manic Street Pre­a­chers an dem Song schei­ter­ten, könn­te man sich viel­leicht dar­auf eini­gen, dass „Working Class Hero“ schon im Ori­gi­nal nicht zu den bes­ten Len­non-Songs gehört.

Aus der Sicht deut­scher Musik­fans beson­ders inter­es­sant sind viel­leicht die hei­mi­schen Bands, die sich an dem Pro­jekt betei­li­gen: Tokio Hotel haben es tat­säch­lich geschafft, eine gar nicht mal so unspan­nen­de Ver­si­on von „Instant Kar­ma“ auf­zu­neh­men, und auch MIA. ret­te­ten „Mind Games“ gekonnt in ihren eige­nen Klang­kos­mos.

Ganz neu dabei sind Tom­te, denen es – wie zuvor schon die Baren­aked Ladies – gelang, aus der eher unspan­nen­den Nabel­schau „Oh Yoko“ ein wun­der­ba­res Klein­od her­aus­zu­de­stil­lie­ren. Es wird viel­leicht doch mal Zeit, dass Tom­te ihr – seit lan­gem immer mal wie­der lose ange­kün­dig­tes – eng­lisch­spra­chi­ges Album auf­neh­men …

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Digital Leben

Ich gehöre nicht dazu

Ver­gan­ge­ne Woche wur­de ich von mei­nem bes­ten Freund, den ich seit mei­nem ers­ten Tag am Gym­na­si­um ken­ne (damals woll­te ich ihm eine rein­hau­en), gefragt, war­um ich denn immer noch nicht beim Stu­diVZ ange­mel­dt sei. Da sei­en doch schließ­lich fast all unse­re Freun­de und Bekann­ten aus Schul­zei­ten und man kön­ne so doch super in Kon­takt blei­ben. Ich erging mich in einem halb­stün­di­gen Vor­trag, den ich – weil ich die Argu­men­te ein­mal bei­sam­men hat­te – hier Aus­zugs­wei­se wie­der­ge­ben will:

Per­sön­li­che Daten
Ich weiß, dass mei­ne Daten im Inter­net nir­gend­wo wirk­lich sicher sind. Trotz­dem wür­de ich sie nur äußerst ungern nie bei einem Anbie­ter hin­ter­le­gen, der schon mehr­fach durch Sicher­heits­män­gel auf­ge­fal­len ist und in sei­nen „Daten­schutz­er­klä­run­gen“ andeu­tet, mög­li­cher­wei­se mei­ne Pri­vat­kor­re­spon­den­zen lesen zu wol­len. Fer­ner schreckt es mich ab, wenn in den AGBs eine „vom Betrei­ber nach bil­li­gem Ermes­sen fest­zu­set­zen­de […] Ver­trags­stra­fe“ in den Raum gestellt wird, die „auf ers­tes Anfor­dern an den Betrei­ber zu zah­len“ sei. Die­se wür­de bei peni­bler Aus­le­gung der AGBs zum Bei­spiel fäl­lig, wenn nicht „alle von ihm [dem Nut­zer] gegen­über dem Betrei­ber ange­ge­be­nen per­sön­li­chen Daten der Wahr­heit ent­spre­chen“ – ich also bei­spiels­wei­se mei­ne Kör­per­grö­ße oder Augen­far­be (kei­ne Ahnung, ob man die im Pro­fil ange­ben kann, ich kann ja von außen nicht mal pro­be­wei­se rein­gu­cken) nicht kor­rekt ange­be.

Die Macher
Man­chen Jung­un­ter­neh­mern steigt es zu Kopf, wenn sie plötz­lich mit Geld­sum­men zu tun haben, die ihre Eltern in einem gan­zen Leben har­ter und ehr­li­cher Arbeit nicht anspa­ren kön­nen. Man­chen von ihnen ent­glei­tet irgend­wann alles. Ehs­san Daria­ni, einer der drei Stu­diVZ-Grün­der, benimmt sich hin­ge­gen nur wie die Axt im Wal­de: Er ver­fügt über eine recht eigen­tüm­li­che Auf­fas­sung von „Sati­re“ und Frau­en. Das kann man natür­lich als per­sön­li­che Erzie­hungs­de­fi­zi­te abtun, für mich hin­ge­gen ist klar, dass ich mit sol­chen Leu­ten so wenig wie mög­lich zu tun haben möch­te.

Die Grund­idee
Das Medi­um heißt Inter­net und eine sei­ner Stär­ken ist, dass man damit ganz schnell Kon­tak­te knüp­fen kann – welt­weit eben. Wozu brau­che ich da eine Platt­form, die sich an die „Rand­grup­pe“ (etwas mehr als 2% Anteil an der Gesamt­be­völ­ke­rung der Bun­des­re­pu­blik) deutsch­spra­chi­ger Stu­den­ten rich­tet, wenn es Por­ta­le für alle gibt? Klar: Es gibt auch Fan-Foren für Tokio Hotel und News­groups für Kern­phy­si­ker. Das sind noch klei­ne­re Ziel­grup­pen. Aber bei denen sehe ich wenigs­tens ein, war­um die unter sich blei­ben wol­len.
Ich habe aber gene­rell ein Pro­blem mit In-Kon­takt-blei­ben- und Neue-Leu­te-Ken­nen­ler­nen-Platt­for­men: Wenn sich mei­ne frü­he­ren Mit­schü­ler für mich inter­es­sie­ren wür­den, wäre es ein Leich­tes für sie, mei­ne E‑Mail-Adres­se her­aus­zu­fin­den (falls sie die nicht eh hät­ten) oder mich über mei­ne Eltern zu kon­tak­tie­ren. Die, äh: gerin­ge Anzahl von Kon­takt­auf­nah­men seit unse­rem Abitur vor fünf Jah­ren lässt für mich den Schluss zu, dass das Inter­es­se so groß nicht sein kann. Jede „Und was machst Du jetzt so?“-Botschaft im Stu­diVZ wäre also genau­so albern wie ein Klas­sen­tref­fen. Mit den Mit­schü­lern, die wirk­li­che Freun­de waren, ste­he ich auch heu­te noch in (unre­gel­mä­ßi­gem, aber herz­li­chen) Kon­takt – auch ohne Stu­diVZ.
Und wie­so soll­te ich online Kom­mi­li­to­nen adden, mit denen ich im Semi­nar­raum kein Wort spre­che? Ganz extrem wird das dann an Geburts­ta­gen: Wenn mir jemand gra­tu­liert, möch­te ich mir wenigs­tens vor­stel­len kön­nen, dass er dies tut, weil ich ihm etwas bedeu­te und er sich des­halb das Datum gemerkt oder auf­ge­schrie­ben hat. Ich habe sehr gute Freun­de, die bis heu­te nicht wis­sen, wann ich mein Wie­gen­fest bege­he, und das ist für mich völ­lig okay. Aber wenn mir Wild- und Halb­frem­de gra­tu­lie­ren, nur weil ihnen ein Com­pu­ter­pro­gramm auto­ma­tisch mit­teilt, dass sie dies zu tun hät­ten, füh­le ich mich wie ein Kind, des­sen Groß­el­tern an Weih­nach­ten den kor­rek­ten Namen vom Geschenk­pa­pier able­sen müs­sen. Außer­dem soll­te ein Gespräch nicht schon mit dem Dank des Jubi­lars für die Glück­wün­sche enden, weil man sich sonst nichts zu sagen hat.

Die Über­sät­ti­gung
Ich habe je einen Account bei ICQ und Sky­pe; bin bei jetzt.de, last.fm, MySpace, xing.com und Live­jour­nal ange­mel­det; kann bei Ama­zon, eBay und im iTu­nes Store ein­kau­fen und trei­be mich mehr oder weni­ger regel­mä­ßig in min­des­tens einem Dut­zend Blogs, Web­fo­ren und News­groups rum. Ich habe kei­nen Nerv mehr, mir noch einen User­na­men aus­den­ken zu müs­sen, nur weil mein Stan­dard­nick schon ver­ge­ben ist. Ich weiß, dass jeg­li­che Sor­gen zum Daten­schutz längst absurd sind: Soll­te ich mor­gen mein Gedächt­nis ver­lie­ren, kann ich mir alles Wis­sens­wer­te (und sehr viel Unwich­ti­ges) über mei­ne Per­son im Inter­net zusam­men­su­chen.
Mit nur 23 Jah­ren hat sich bei mir eine gewis­se Tech­nik­mü­dig­keit ein­ge­stellt und will gar nicht mehr wis­sen, was Twit­ter, Mee­bo und Seek­freed sind.
Trotz­dem kommt alle paar Mona­te irgend­was daher, von dem ich nie dach­te, dass ich es brau­chen wür­de, was mich aber fes­selt und fas­zi­niert.

Für Stu­diVZ gilt aber das, was ich mei­nem Freund gleich zu Beginn mei­ner Tira­de sag­te: „Ich mel­de mich da an dem Tag an, an dem ich ein Bild-Zei­tungs-Abo abschlie­ße und mir einen Ken-Fol­lett-Roman kau­fe.“

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Leben

Guten Rusch

Ich bin (wie ver­mut­lich sechs Mil­li­ar­den ande­re Bun­des­bür­ger) seit eini­gen Jah­ren Besit­zer der Wand­uhr „Rusch“ aus dem Hau­se IKEA. Stets hing sie über mei­ner Tür und zeig­te mir die aktu­el­le Uhr­zeit an. Zwei­mal im Jahr muss­te ich sie abneh­men um die Zeit umzu­stel­len, in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den blieb sie ste­hen und bekam dann eine Bat­te­rie ein­ge­setzt, die mein Disc­man nicht mehr haben woll­te.

Letz­te Woche blieb sie wie­der ein­mal ste­hen, ich tausch­te die Bat­te­rie aus, stell­te die rich­ti­ge Zeit ein und häng­te die Uhr wie­der an ihren Platz. Allein: Schon nach weni­gen Sekun­den blieb sie wie­der ste­hen, der Sekun­den­zei­ger zuck­te gleich­mä­ßig, beweg­te sich aber kein Stück wei­ter. Nach län­ge­rer Beob­ach­tung und mehr­ma­li­gem Ab- und Wie­der­auf­hän­gen fand ich her­aus: Dem Sekun­den­zei­ger fehlt die Kraft, um zwi­schen der hal­ben und der vol­len Minu­te die Schwer­kraft zu über­win­den. Und weil das Vor­an­kom­men des Sekun­den­zei­gers für die wei­te­ren Zei­ger von immenser Wich­tig­keit ist, beweg­te sich kein Zei­ger mehr, obwohl das Uhr­werk wei­ter schlug.

Seit ges­tern liegt „Rusch“ jetzt neben mir auf dem Schreib­tisch – und zeigt die kor­rek­te Uhr­zeit an. Die Fra­gen, die sich dar­aus erge­ben, sind: „Ist eine Wand­uhr, die nicht mehr an der Wand hängt, noch eine Wand­uhr?“, „Was nützt mir eine Uhr, die mit dem Zif­fer­blatt zur Decke auf mei­nem Schreib­tisch liegt, zwi­schen mei­nem Com­pu­ter­mo­ni­tor und dem Tele­fon, die jeweils die aktu­el­le Uhr­zeit anzei­gen?“, „Ist es mora­lisch in Ord­nung, eine eigent­lich noch voll funk­ti­ons­tüch­ti­ge, aber lei­der kör­per­lich etwas beein­träch­tig­te Uhr ein­fach aus­zu­sor­tie­ren wie einen Brief­trä­ger, dem der Nach­bars­hund bei­de Bei­ne abge­nagt hat?“, „Wer oder was füllt das opti­sche Loch ober­halb mei­ner Tür und zeigt mir im Ide­al­fall auch noch die Uhr­zeit an?“ sowie „Was nützt mir die­se Erfah­rung, wo ich doch gar nicht Gag­schrei­ber einer Come­dy­show im Pri­vat­fern­se­hen bin, wo man jetzt was von wegen ‚kei­nen mehr hoch­krie­gen‘ und ‚auf dem Rücken lie­gen‘ erzäh­len könn­te?“