Walfangverbot

Von Oliver Ding, 1. Juni 2007 21:33

Irgendjemand ließ heute unvorsichtigerweise mal wieder einen durchaus vertrauten URL fallen. Auf http://www.nme.com/magazine schaut man als musikinteressierter Mensch ja gerne mal nach, wenn man sich über die aktuellen Hypes informieren will. Und was blinkt einem da entgegen? Beth Ditto, Sängerin von The Gossip, in voller Größe und mit relativ wenig Textil. Beth Ditto auf dem NME-Cover Mancher wird dem Magazin unterstellen, dieses Covermotiv sei mutig. Mancher wird sich verschämt abwenden. Und mancher auch einfach nur reflexartig in seine Hose greifen. Sei’s drum – wichtiger als die persönliche Einstellung gegenüber Adipositas ist ohnehin die Musik. Die von The Gossip kann einiges, was man nicht nur daran ablesen kann, dass bei den geschätzen Kollegen von tonspion.de „Standing in the way of control“ 2006 zum MP3 des Jahres gewählt wurde.

Dass aber das mit dem Coverfoto ausgerechnet am Tag passiert, an dem die internationale Walfangkommission verkündet, dass das Walfangmoratorium fortgesetzt wird, ist sicherlich nur Zufall. Oder? Zum Glück kennen die beim NME Jacky D nicht.

7 Kommentare

  1. Gabi
    7. Juni 2007, 12:47

    Also, bislang habe ich dein Blog gerne gelesen, immer brav deine MySpace-Empfehlungen angeklickt und dachte, du bist nicht doof. Und jetzt lese ich diesen Eintrag über Beth Ditto mit der Überschrift „Walfangverbot“ Ist dir klar, wie viele junge Frauen dick sind, weil sie Essstörungen haben? Dir ist klar, in welcher Welt wir leben, dass weiß ich, und wenn Menschen mit Hirn, so wie du, diese Spiel mitspielen, dann werden sich solche Tendenzen nur noch weiter verstärken. Beth Ditto ist auf Knieen für diesen Titelbild und ihr Selbstbewusstsein zu danken. Das hat nichts mit „persönlicher Einstellung zur Adipostitas“ (?) zu tun. Kein Mensch auf dieser Welt, außer ein paar Perversen, findet Übergewicht gut. Ok, manchmal lässt es sich schon beeinflussen, ein paar Biere oder Hamburger weniger, dafür mehr Sport usw. und das ist auch durchaus einzufordern. Aber junge Mädchen, die in einer Welt aufwachsen, in der die hübsche und junge Scarlett Johannsson schon über Schönheits-OPs öffentlich nachdenkt und Kate Moss ein Style-Guru ist, können dem ohne großes Selbstbewusstsein nichts entgegen setzen und dieser ganze gesellschaftliche Druck. kann Essstörungen auslösen. Ich denke nicht, dass ich dir die Zusammenhänge haarklein erklären muss. Du glaubst doch nicht wirklich, dass Beth Ditto gerne dick ist? Oder es ihr nichts ausmacht?
    Für junge Frauen ist eine Beth Ditto, die sich im engen Fummel oder sogar Unterwäsche auf die Bühne stellt und ihr Ding durchzieht, Gold wert. Und dieses Assoziation mit einem Wal ist einfach nur doof.

  2. OliverDing
    7. Juni 2007, 13:56

    Hätte wohl ein paar Smileys in den Text packen sollen, damit man ihn besser als Sarkasmus erkennt. :-)

    Jedenfalls werte ich Beth Dittos Ernährungszustand nicht, sondern wundere mich nur über die Parallelität von a) NME-Cover, b) Walfang-Kommissions-Entscheidung und c) einer Dokumentation über einen dramatisch Eßsüchtigen im WDR. Eigentlich hätte ich sogar die Hungerhaken von Heidi Klum erwähnen können.

  3. Gabi
    7. Juni 2007, 21:21

    Ich kann an deinem Zusammenhang zwischen Walfang und einer dicken Frau nichts sarkastisches entdecken. Ich finde es eher zynisch. Ich habe seit 20 Jahren mit esssgestörten jungen Frauen zu tun und das Leid dieser Frauen ist enorm. Sehr viele dicke Frauen werden auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln usw. als Wal beschimpft (nicht nur das, Schwein oder Panzer werden auch gerne genommen). In meiner Heimatstadt werden an jeder Ecke witzig gemeinte Postkarten verkauft, mit einer dicken Frau und einem dämlichen Walspruch, ich kann mich jetzt nicht mehr daran erinnern, sorry. Und in die gleiche Kerbe haust du jetzt auch, in dem du da eine Parallele ziehst, die einfach Käse ist.

  4. OliverDing
    7. Juni 2007, 23:02

    Es geht aber halt nicht um die eigene Einstellung zu Adipositas und deren Ursachen. Ich fand den zeitlichen Zusammenhang lustig. Wenn Du nicht drüber lachen kannst – bitte sehr. Dein gutes Recht. :-)

  5. Gabi
    8. Juni 2007, 8:35

    Ja, genau, dass wollte ich mit meinem Kommentar aussagen, es geht eben nicht um die persönliche Einstellung zur Adipositas, es geht darum, wie die Gesellschaft mit Menschen umgeht, sie behandelt und ausgrenzt, obwohl mittlerweile bekannt sein sollte, dass von diesen Menschen (eben die hier erwähnten jungen Frauen), sehr viele sehr krank sind. Und darüber kann ich einfach nicht lachen.

    Humor ist was individuelles. Du findest den Vergleich von einer dicken Sängerin mit einer Walfangkommission nun mal witzig, ich nicht. Ich denke, wir können das so stehen lassen.

  6. OliverDing
    8. Juni 2007, 14:27

    Und Dein Beharren auf den gar nicht angesprochenen Themenkomplex Eßstörung erinnert mich an einen Elefanten (und damit sei mal so gar keine Anspielung auf Damen mit einem BMI jenseits der 30 gemeint), der mal eine Mücke war. ;-)

    Jedenfalls: Wie die Betroffenen mit Übergewicht und deren Ursachen umgehen, ist eine eher private Sache, in die sich keiner, außer vielleicht Ärzten und Psychologen, einzumischen hat – es sei denn, es käme mal politischer Druck wegen der volkswirtschaftlichen Folgekosten. Darum geht’s aber nicht im Beitrag.

    Ebenso wenig geht’s darum, wie die Außenwelt das Phänomen Übergewicht wahrnimmt – was übrigens damit zu tun haben könnte, daß hierzulande mittlerweile eher das Normalgewicht die Ausnahme darstellt.

  7. Gabi
    8. Juni 2007, 17:42

    Ich will dazu jetzt nichts mehr sagen.
    Ich habe mich anscheinend auch nicht verständlich genug geäußert. Und wir haben da wohl auch unterschiedliche Meinungen. OK. Ist eben so.