
Screenshot: n‑tv.de

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Es gibt ungefähr gleich viele Gründe, U2 zu lieben, wie sie zu hassen. Man muss das Pathos mögen, das sie fast unentwegt verbreiten, sonst hat man keine Chance. Man muss damit klar kommen, dass Sänger Bono sich mitunter aufführt wie der uneheliche Sohn von Mutter Theresa und Al Gore, aber immerhin schöner singen kann. Aber man muss nur mal das langgezogene Intro von „Where The Streets Have No Name“ hören, um das Prinzip Stadionrock zu verstehen.
U2 hatten in meiner musikalischen Früherziehung nur eine Nebenrolle gespielt, im Plattenschrank meiner Eltern findet sich bis heute kein einziges Album der Iren. 1998 wünschte ich mir das „Best Of 1980–1990“ zu Weihnachten und hörte die nächsten Wochen und Monate „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“, „Sunday Bloody Sunday“ und „With Or Without You“. U2 waren die erste Rockband in meinem Regal.
Im Herbst 2000 erschien dann „All That You Can’t Leave Behind“, der von den Fans heiß erwartete „Pop“-Nachfolger. Da mir die Experimente der Neunziger Jahre quasi komplett unbekannt waren, war der Übergang vom Achtziger-Best-Of fließend. Es war die Zeit, wo man CDs am Donnerstag nach Erscheinen kaufte (weil der örtliche Elektronikhändler dann seine Angebote rausbrachte) und erstmal fünf- bis zwanzigmal hintereinander hörte.
Auf „All That You Can’t Leave Behind“ ist mit „Stuck In A Moment You Can’t Get Out Of“ der vielleicht beste Song der ganzen Bandgeschichte enthalten, aber nachhaltiger hat mich das euphorische „Beautiful Day“ beeindruckt. Der Rhythmus, den Larry Mullen dort klopft, war damals noch neu – heute kommt er in jedem zweiten Song von Coldplay, Snow Patrol oder Jimmy Eat World vor. Das Gitarrenspiel von The Edge hat mich damals tagelang in meinem Zimmer festgehalten, wo ich versuchte, diese nebensächliche Eleganz auf der Konzertgitarre meiner Schwester nachzuempfinden. Der Text grub sich durch das unzählige Nochmal-Hören tief in meine Gehirnwindungen ein, obwohl ich bis heute nicht genau weiß, was er eigentlich aussagen soll. Und dann war da noch dieses Video von Meisterregisseur Jonas Åkerlund:
Wann immer ich danach in einem Flugzeug saß und mir kurz vor dem Start doch ein wenig mulmig wurde, summte ich diesen Song vor mich hin und stellte mir vor, wir würden jetzt direkt über die auf der Startbahn rockende Band fliegen.
Ich würde mich bis heute nicht als U2-Fan bezeichnen. Ich kaufe mir die Alben, ich mag fast alles, was die Band macht, aber es fehlt trotzdem noch etwas bis zu der kultischen Verehrung, die ich beispielsweise R.E.M. oder Travis entgegenbringe. Trotzdem: Als „Beautiful Day“ auf meiner Fahrt nach Berlin im ICE-Bordradio lief, wurde ich plötzlich so entspannt und gut gelaunt, dass mir das ganze Theater drumherum egal wurde. Da wusste ich: das Lied ist ein Fall für diese Rubrik.
In den letzten Tagen gehen hier vermehrt Trackbacks von Artikeln ein, in denen coffeeandtv.de gar nicht verlinkt ist. Ich habe diese Trackbacks aus meinen Kommentaren entfernt.
Ich finde es völlig okay, wenn regelmäßige Leser und Kommentatoren einen Eintrag im Sinne von „Ich habe auch was dazu geschrieben und zwar hier …“ abgeben, aber dieses automatische, kommentarlose Hinklatschen von Links finde ich doch ein bisschen unfreundlich.
Alternativ können Sie bei sich natürlich auch etwas schreiben wie „Coffee And TV hat auch was dazu geschrieben“, das entsprechend verlinken und mir einen Trackback schicken. Den lasse ich dann selbstverständlich gerne stehen.
Nachtrag 18:35 Uhr: Einige andere Trackbacks scheinen hier nie angekommen zu sein. Dabei muss es sich um ein Problem beim Server oder der WordPress-Version handeln. Sowas ist natürlich doppelt ärgerlich, da Trackbacks von Artikeln, die sich auf coffeeandtv.de beziehen und auch darauf verlinken, ja durchaus gewünscht sind. Ich kümmer mich darum.
Ich war grad auf der offiziellen Webseite meiner alten Heimatstadt Dinslaken, weil ich etwas nachgucken musste.
Mal davon ab, dass die entsprechenden Informationen gut versteckt und völlig veraltet waren, haben mich vor allem die Links „Feedback“ und „Impressum“ beeindruckt.
„Feedback“

„Impressum“

Nachtrag 15. November: Jetzt klappt’s wieder. Wenn ich mir nicht absolut sicher wäre, dass das völliger Humbug ist, würde ich ja fast behaupten, die städtischen Informatiker lesen mein Blog …
Stellen Sie sich bitte für einen Moment vor, sie wären Frank-Walter Steinmeier, der deutsche Außenminister.
Ihre Woche hätte damit begonnen, dass Sie mit Ihrem französischen Amtskollegen ein Tonstudio aufsuchen, um dort einen „Integrationssong“ einzusingen. Mit sowas macht man sich zwar mitunter ein bisschen zum Horst, aber es ist immerhin eine schöne Abwechslung zum üblichen Politikeralltag und bei der Bevölkerung kommt sowas auch gut an.
Montag Abend hätten Sie im Kanzleramt gesessen und die Koalitionsrunde wäre für Ihre Partei, die SPD, nicht wirklich erfolgreich verlaufen. Als Sie nach Hause gekommen wären, hätten Sie im „Nachtmagazin“ hören müssen, dass eine Filmemacherin schwere Vorwürfe gegen den Musiker erhebt, mit dem Sie am Morgen noch im Tonstudio waren.
Der Dienstag hätte also für Sie im „Morgenmagazin“ der ARD begonnen, wo Sie erst mal hätten erklären müssen, dass Sie sich nicht vorstellen könnten, dass die Vorwürfe richtig seien. Als nächstes hätten Sie erfahren, dass Ihr früherer Parteivorsitzender Franz Müntefering aus privaten Gründen vom Amt des Arbeitsministers und Vizekanzlers zurücktritt.
Weil Sie neuer Vizekanzler werden sollten, wäre bei Ihnen natürlich alles drunter und drüber gegangen und Sie hätten erst am Ende des gestrigen Tages mitbekommen, dass 26 Ihrer Fraktionskollegen ziemlichen Mist verzapft hätten.
Es sind Tage wie diese, an denen ich es besonders bedauere, dass es in Deutschland kein Äquivalent zur „Daily Show“ gibt …
Darauf muss man erst mal kommen: 26 Bundestagsabgeordnete der SPD haben dem umstrittenen Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung am vergangenen Freitag im Bundestag zugestimmt und veröffentlichten hinterher eine Rechtfertigung (Anlage 4), in der sie sinngemäß schreiben, sie fänden den Gesetzentwurf schon irgendwie doof, aber nicht so doof wie andere schlimme Dinge, und überhaupt werde das Bundesverfassungsgericht das Gesetz ja schon kassieren, wenn dieses denn verfassungswidrig sei.
Oder anders: Die Leute, die in Ihrem und meinem Namen Gesetze erlassen sollen (Legislative), verlassen sich lieber auf die Urteilsfähigkeit der Leute beim Bundesverfassungsgericht (Judikative), wenn es darum geht, was die Leute bei Polizei und Geheimdienst (Exekutive) so über Sie und mich wissen sollen.
Oder noch anders: 26 SPD-Abgeordnete haben ein sehr merkwürdiges Verständnis unseres Grundgesetzes und der darin verankerten Gewaltenteilung und geben das auch noch öffentlich zu!
Das Verhalten dieser 26 Männer und Frauen1 ist so absurd, dämlich, erschütternd und wirr, dass ich lange grübeln musste, bis mir ein einigermaßen schiefes Bild einfiel, um diesen Irrsinn in den Alltag zu transportieren. Stellen Sie sich also vor, der Handwerker, den Sie mit der Anbringung eines Treppengeländers beauftragt hätten, sagte Ihnen hinterher: „Ja, das kam mir schon ein bisschen wackelig vor, aber ich dachte, die Bauaufsicht guckt sich das eh noch mal an.“ Und Sie liegen mit gebrochenem Rückgrat auf dem neuen Kachelfußboden und denken sich Dinge, die ich hier nicht hinschreiben möchte. Nur dass Sie in diesem Bild ohne Rückgrat sind – in der Realität sind es natürlich die Sozi-Psychopathen.
Da ist mir ja Wolfgang Schäuble lieber, dem ich sogar abnehme, dass er aufrichtig davon überzeugt ist, alle Freiheiten abschaffen zu müssen.
Und weil ich gerade merke, dass ich mich in eine unglaubliche Rage schreibe, die noch dazu führen könnte, dass der prunkvolle Zinnhumpen, der auf meiner Fensterbank steht, auf direktem Wege mein Zimmer verlässt, und ich mir sicher bin, dass die SPD auch für diesen Schaden nicht aufkommen würde, verweise ich lieber auf ein paar interessante Blog-Einträge zu dem Thema:
Fraktionszwang hin oder her – jeder Abgeordnete hat in erster Linie die Pflicht, sein Mandat auszuüben, das er durch die Stimmen der Wähler in seinem Wahlkreis erhalten hat. Ganz bestimmt darf er nicht offensichtlich verfassungswidrige Gesetze zum Wohl der eigenen Karriere durchwinken und sich dabei darauf verlassen, dass ein Bundesverfassungsgericht den angerichteten Schaden schon wieder geradebügeln wird.
Wollten sich die armen Abgeordneten ersparen, wegen ihrer Bauchschmerzen Stress mit den Fraktions- und Parteichefs zu bekommen? War das Risiko zu hoch, wegen einer Abweichung vom Fraktionszwang den bisherigen Listenplatz zu verlieren?
Der Gesetzentwurf trägt (…) nach unserer Auffassung nicht den Makel der offensichtlichen Verfassungswidrigkeit auf der Stirn (…)
Entschuldigung, nennen Sie mich Klugscheißer, Wortklauber oder Schlimmeres, aber ich kann nicht ernsthaft mit Menschen diskutieren, die glauben, dass Gesetzentwürfe Stirne haben. Und die, anstatt das eigene Gewissen zu prüfen oder sich schlau zu machen, nur eine oberflächliche Gesichtskontrolle auf offensichtliche Kainsmale durchführen, bevor sie für Gesetze stimmen, die ihrer Meinung nach gut und gerne verfassungswidrig sein könnten.
Demnach hoffen sie auf das Bundesverfassungsgericht, dass die verfassungswidrigen Punkte hoffentlich wieder aus dem Gesetz rausholt. Same Procedure wie so oft.
Ich hätte es für denkbar gehalten, dass der eine oder andere Abgeordnete verfassungswidrige Gesetze abnickt, weil er dämlich ist. Und es nicht rafft, was er beschließt. Ebenso konnte ich mir vorstellen, dass Abgeordnete faul sind und gar nicht lesen, worüber sie abstimmen. […]
Allerdings war es für mich bislang unvorstellbar, dass Abgeordnete ein Gesetz verabschieden, das sie für verfassungswidrig halten. Aber das ist jetzt geschehen.
(Law Blog)
SIE HABEN KEINE EIER, UM DAS DEUTSCHE VOLK ZU REPRÄSENTIEREN!
(Indiskretion Ehrensache)
Apropos Gewaltenteilung: Was sagt die vierte Gewalt denn dazu? Oh.
1 Christoph Strässer, Niels Annen, Axel Berg, Lothar Binding, Marco Bülow, Siegmund Ehrmann, Gabriele Frechen, Martin Gerster, Renate Gradistanac, Angelika Graf, Gabriele Groneberg, Gabriele Hiller-Ohm, Christel Humme, Josip Juratovic, Anette Kramme, Ernst Kranz, Jürgen Kucharczyk, Katja Mast, Matthias Miersch, Rolf Mützenich, Andrea Nahles, Ernst Dieter Rossmann, Bernd Scheelen, Ewald Schurer, Wolfgang Spanier und Ditmar Staffelt.
Erinnern Sie sich an Max Buskohl?
Okay, das ist eine gemeine Frage. In der schnelllebigen Zeit von TV-Castingshows weiß ja schon niemand mehr, wer vor einem halben Jahr bei „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen hat – geschweige denn, wer drei Wochen zuvor aus der Sendung ausgestiegen war.
Andererseits war die Max-Buskohl-Geschichte so uninteressant ja nicht: Immerhin schmiss der junge Mann im April angeblich hin, weil er einen Plattenvertrag für seine gesamte Band haben wollte, woraufhin ihn Stefan Raab zu „TV Total“ einlud, was aber aus vertraglichen Gründen nicht ging, weswegen Raab erst umstrittene Grafiken einblendete und dann einen eigenen Talentwettbewerb ins Leben rief, der zur Zeit läuft und musikalisch interessanter ist als alle bisherigen „DSDS“-Staffeln zusammen.
Doch zurück zu Max Buskohl: Dessen Band Empty Trash, für die er damals angeblich einen Plattenvertrag haben wollte, hat natürlich sofort einen gekriegt – bei Capitol Racords, einer Tochter von EMI, dem schärfsten Konkurrenten der „DSDS“-Plattenfirma SonyBMG.
Vergangene Woche erschien die erste Single „Limited“ und da wollen wir doch erst einmal kurz reinhören:
Lachen Sie jetzt mal nicht über das Video: Verglichen mit den doch sehr Schülerband-mäßigen Songs, die Empty Trash vor ihrem Signing auf ihrer Website hatten, ist das musikalisch eine ziemliche Weiterentwicklung. Der Schwede Patrick Berger, der das Album mit Buskohls Vater Carl Carlton produziert hat, mag vielleicht ein bisschen viel Placebo und The Killers gehört haben, bevor er am Mischpult Platz nahm (die Plattenfirma möchte besonders darauf hinweisen, dass die Single von Pelle Gunnarfeldt abgemischt wurde, der sonst für The Hives, The (International) Noise Conspiracy und Last Days Of April arbeitet – doof nur, dass der Mann Gunnerfeldt heißt), aber die Strophen haben schon einen durchaus netten Zug nach vorne. Schade, dass sie in einen derart H‑Blockx-mäßigen Brüll-Refrain münden.
Lange Rede, kurzer Sinn: Von allen Ex-Castingshow-Kandidaten Deutschlands ist Max Buskohl mit seiner Band Empty Trash mit Sicherheit der vielversprechendste. Solch ein Lob erinnert natürlich erst mal an den Einäugigen, der unter den Blinden König ist, aber vielleicht geht da ja wirklich noch was mit dem Album, das nächste Woche erscheint. Auch wenn Sound und Artwork wieder mal völlig konservativ alternative sind: Mir ist es in jedem Fall lieber, wenn die Kinder und Jugendlichen sich sowas anhören als eine weitere von Dieter Bohlen geschriebene Powerschnulze.
P.S.: Machen Sie doch mit beim lustigen „Limited“-Puzzle. Ich hab schon beinahe alle Placebo-Songs und Teile von „Leaving New York“ von R.E.M. wiederentdeckt.
Die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) möchte von Mittwoch bis Samstag im Güter‑, Nah- und Fernverkehr streiken.
Allerdings drohte GDL-Chef Schell im Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“: „Wir können einen Streik länger durchhalten, als es die Bundesrepublik verkraftet“, sagte er, „und vor allem deutlich länger, als der Bahnvorstand dies glaubt“.
Zitat: Welt.de
Äh, okay. Alles klar.
Leute, wenn Eure Streikkassen so dermaßen gefüllt sind, dass Ihr schon verbal Fuffies im Club schmeißt, wie wäre es dann, wenn Ihr einfach alle Gewerkschaftsfunktionäre würdet, Euch quasi selbst durchfüttert und die Führerstände für Leute räumt, die Spaß am Zugfahren hätten?
Vielleicht könnte man auch einfach in irgendeinem Stadttheater einen schmucken Balkon räumen, Schell und Mehdorn dort in die Sessel tackern und den ganzen Tag im Kinderprogramm grummeln lassen, während Gewerkschaft und Unternehmen von weniger dickköpfigen Menschen geführt werden.
Mit einer Intervention des Bahn-Eigentümers (das sind Sie und ich, vertreten durch die Bundesregierung) ist bis auf weiteres übrigens auch nicht zu rechnen, denn in Berlin hat man gerade andere Sorgen.
(Hölle, Hölle, Hölle!)

Weihnachtsgebäck gibt es ja bekanntlich schon seit mehr als zwei Monaten zu kaufen. Heute habe ich den ersten Weihnachtsschmuck in einem Einkaufszentrum hängen sehen. Damit gilt jetzt wohl die Faustregel, dass nach St. Martin Plastiktannengrün und Lichterketten zum Einsatz kommen – früher wartete man damit bis nach dem Volkstrauertag.
Ich kann Ihnen aber sagen, warum man schon im frühen November mit derlei Tand belästigt wird: Den Deutschen fehlt einfach ein ordentlicher Feiertag im Spätherbst. Die Amerikaner haben Thanksgiving, ein ganz wunderbares Fest, weil es beinahe nur aus Essen besteht und ohne enervierende Geschenkzeremonien auskommt. Thanksgiving wird am vierten Donnerstag im November begangen, der darauffolgende Freitag ist der offiziöse Beginn des Weihnachtsgeschäfts.
Natürlich werden die Häuser und Einkaufszentren so geschmückt, dass sie bereits zu Thanksgiving in vollem Glanz erstrahlen – aber es denkt eben noch niemand an Weihnachten, weil ja noch ein weiterer Feiertag vor der Tür steht. Die gefühlte Weihnachtszeit reduziert sich damit auf die vier bis fünf Wochen bis zum 25. Dezember, fast so wie früher, als man noch die Adventszeit feierte.
Ich würde also gerne für einen Thanksgiving-ähnlichen Feiertag im späten November plädieren, wenn ich mir nicht sicher wäre, dass die Deutschen es in ihrer unnachahmlichen Art wieder völlig vermasseln würden, angelsächsische Feste zu lokalisieren. Denn auch wenn viele Deutsche davon überzeugt sind, völlig „amerikanisiert“ zu sein (den Exkurs in die amerikanische Geschichte spare ich mir; schlagen Sie Mayflower, Pilgerväter oder Halloween einfach mal nach oder lesen Sie am besten gleich „USA Erklärt“ und dieses Buch): amerikanische Bräuche funktionieren in Deutschland ebenso wenig wie amerikanische Ladenketten. Schlagen Sie mal Walmart, Gap oder Blockbuster Video nach!
Wo wir gerade bei Amerikanisierung sind: Es kann doch nicht sein, dass mittlerweile jede zweite Imbissbude in Deutschland Snapple führt und es das Zeug immer noch nicht im Handel zu kaufen gibt, oder?
Am Samstag wurde CT das radio, das älteste Campusradio Nordrhein-Westfalens, zehn Jahre alt. Gefeiert wurde mit einer endlosen (ca. 16 Stunden dauernden) Live-Sendung mit beinahe allen High- und Lowlights der Sendergeschichte, mit einer großen Party im Mensafoyer und mit einem offiziellen Teil, dem Campus-Radio-Tag1 der Landesanstalt für Medien NRW (LfM).
Letzteres war eine Art Konferenz, auf der sich Campusradio-Macher aus ganz Deutschland treffen und austauschen sollten. Ich war als ehemaliger Mitarbeiter und Chefredakteur von CT zum ersten Mal bei einer solchen Veranstaltung und mein Interesse an einer Wiederholung schwand mit jeder Minute der „Workshop“ genannten Podiumsdiskussionen. Ein wenig erinnerten die „Panels“, also die Menschen, die da vorne zum Diskutieren saßen, nämlich ein bisschen an das, was die Kollegen so immer von den Treffen hauptberuflicher Journalisten berichten.
Nein, das war jetzt ungerecht. Aber es gibt schon Parallelen: Wie in den großen Sendeanstalten und Zeitungsredaktionen, so gibt es auch bei den Campusradios Leute, die mit viel Herzblut und Energie (und in den meisten Fällen auch noch ohne Bezahlung) am Programm arbeiten, und Leute, die sich hinstellen und schön daherreden.
Leider (oder glücklicherweise) boten die einzelnen „Workshops“ keine Möglichkeiten zu Diskussionen, geschweige denn zu kontroversen. Zwar glaube ich nicht, dass auch nur einer der Diskutanten angefangen hätte, Internetmedien als „Müll“ oder „Scheißhäuser“ zu bezeichnen (für solche Ausfälle wären sie wohl auch nicht alt oder verbittert genug), aber irgendwas spannendes hätte durchaus mal passieren können.
In der Diskussionsrunde „Personalmanagement im Campus-Radio“ (s.a. das Liveblog von Dominik Osterholt bei Radio Q) ging es um die in der Tat brisante Frage, wie man in Zeiten verschulter Studiengänge und Studiengebühren überhaupt noch Mitarbeiter mit Tagesfreizeit finden könne. Nur Antworten gab es leider keine. „Wieder mal“, muss man sagen, denn das Thema ist natürlich mindestens ebenso alt wie die Bachelor-/Master-Studiengänge.
Echte Lösungsvorschläge hätte ich auch keine, aber die Frage, warum man als Mitglied einer Fachschaft (und manche Studiengänge haben fast so viele Fachschafts-Mitglieder wie Studenten) die Studiengebühren erlassen kriegt, nicht aber als Mitarbeiter eines Campusradios, das die Uni ja auch weit nach außen hin repräsentiert. Vielleicht stellt die ja noch mal jemand seiner Uni-Verwaltung.
Erfreulich hingegen ist, dass sich viele Radios im Moment nicht über fehlende Mitarbeiter beklagen. In Bochum kann man sein Radio-Praktikum aber zum Beispiel für die credit points des Bachelor-Studiums anrechnen lassen – wie viele Praktikanten hinterher weitermachen, lässt sich nie vorhersagen. Wolfgang Sabisch vom Münchener Ausbildungsradio M94.5 sagte deshalb den interessanten Satz, man müsse sich von dem Gedanken verabschieden, dass man als Campus- oder Ausbildungsradio immer eine gleichbleibende Qualität liefern könne. Ich sehe das durchaus ähnlich, hätte ihm aber noch deutlicher zugestimmt, wenn er statt Qualität von Quantität gesprochen hätte. Denn das Schöne an Campusradios (zumindest in NRW) ist ja, dass man nur zu zwei Stunden Liveprogramm pro Werktag verpflichtet ist und man nicht wie öffentlich-rechtliche oder Privatsender gezwungen ist, seine Musikschleife immer wieder mit schlechten Beiträgen oder nervigen Gewinnspielen zu unterbrechen.
Um die Programminhalte ging es dann im nächsten Workshop (s.a. das Radio-Q-Liveblog), genauer: um neue Programmideen. Das hatte dem Kollegen von Radio Hertz aus Bielefeld leider niemand gesagt, so dass der erst einmal zehn Minuten seine Person und die allgemeine Programmstruktur seines Senders vorstellte. Als in seiner Powerpoint-Präsentation dann die Schrift ins Bild zu fliegen begann, musste ich den Saal verlassen, um mich an der frischen Luft zu beruhigen.
Zuvor hatte ich aber immerhin noch zwei interessante Sendekonzepte kennenlernen dürfen: das Auslandsmagazin „Hin & Weg“ von Radio Sirup aus Siegen und die englischsprachige „Miller & Johnson Show“ beim CampusRadio Bonn. Denn auch das ist ja das Schöne an Campusradios: Man kann ohne Quotendruck und Gremien-Terror neue Ideen ausprobieren. Hinterher enden ja eh alle Moderatoren bei Einslive und Das Ding.
Interessant und sogar unterhaltsam wurde es erst in der letzten Diskussionsrunde. Das interessante war das Thema „Campusradios auf dem Weg von der analogen in die digitale Welt“ (Liveblog), das unterhaltsame war unter anderem die Moderation von Radio-Q-Urgestein Daniel Fiene. Während das „Impulsreferat“ von Matthias Felling die Idee des „digitalen“ noch sehr weit fasste (Digitalradio, Internet, Podcasts, mobile Endgeräte), ging es anschließend leider fast nur noch um das Thema Digitalradio, von dem alle immer wieder betonten, dass das noch Zukunftsmusik sei. Vom Dachverband CampusRadios NRW (angesichts der Tatsache, dass dort nicht alle Campusradios NRWs vertreten sind, sollte man vielleicht besser von einem „Vordachverband“ sprechen) gab es noch zu hören, dass es ihn seit zwei Jahren gibt, was sich im Wesentlichen mit meinen Erfahrungen in diesem Verein deckte. Denn so gut und wichtig die Idee ist, eine gemeinsame Vertretung zu haben: Die Idee, mehrere unabhängige Sender irgendwie kooperieren zu lassen, äußert sich auf einer höheren Ebene ja vor allem durch Gremien-Terror.
So endete der Campus-Radio-Tag (sieht das Wort nicht herrlich albern aus mit den ganzen Bindestrichen?) leider ohne einen nennenswerten Erkenntnisgewinn für mich. Noch vor dem Gespräch mit NRW-„Innovationsminister“ Andreas Pinkwart, der Verleihung des Campusradio-Preises und dem gemeinsamen Abendessen verließ ich die Veranstaltung. Ich musste unbedingt Bayern München verlieren sehen.
P.S.: Ich danke Schandmaennchen.de für die Inspiration für die Überschrift.
Liebe Herren,
eines Tages kommt für jeden von uns der Moment, wo wir den ersten Anzug kaufen müssen. Manchmal anlässlich der ersten heiligen Kommunion oder der Konfirmation, manchmal anlässlich des Examens oder einer Hochzeit (eigene oder andere), manchmal auch erst anlässlich der Einsargung.1
Die Auswahl kann oft sehr lange dauern und für alle Beteiligten sehr erschöpfend sein. Aber ganz egal, für welche Marke Sie sich entscheiden und ob der Anzug am Ende fünfzig oder zweitausend Euro kostet:
Gehen Sie um Himmels Willen sicher, das kleine Herstellerlogo, das beim Kauf am linken Jackettärmel festgenäht ist, vor dem ersten Tragen zu entfernen!!!!!1
Uff!
Danke!
1 Gut, dann müssen wir ihn streng genommen nicht selbst kaufen …
Erst wollte ich eine Liste der 366 Abgeordneten posten, die heute für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben. Aber nach anderthalb Stunden Copy & Paste hatte ich gerade mal ein Drittel der Namen mit ihrem Wahlkreis und Links zu ihren Websites versehen. Gucken Sie also in der PDF-Datei des Bundestags selbst nach, ob Ihr Abgeordneter dabei war.
(Ich weise vorsichtshalber mal darauf hin, dass einige Kommentatoren bei Spreeblick der Meinung sind, man könne schon durch Anklicken des Links Opfer von geheimdienstlicher Überwachung werden.)
Anstatt also Leute in die Pfanne zu hauen, die eh schon genug Probleme haben, verweise ich doch lieber auf Dr. Hans Georg Faust (CDU, Arzt), Dr. Peter Gauweiler (CSU, Rechtsanwalt), Wolfgang Gunkel (SPD, Polizeipräsident a. D.), Petra Heß (SPD, Kindergärtnerin), Eike Hovermann (SPD, Lehrer), Ulrich Kelber (SPD, Diplom-Informatiker), Dr. Rolf Koschorrek (CDU, Zahnarzt), Katharina Landgraf (CDU, Diplom-Meliorationsingenieurin), Sönke Rix (SPD, Erzieher), Frank Schwabe (SPD, Gästeführer) und Jörn Thießen (SPD, Pastor).
Diese elf Männer und Frauen fühlten sich offenbar stärker ihrem Gewissen verpflichtet als ihren Fraktionen. (Dr. Hermann Scheer und Ottmar Schreiner haben sich enthalten.)
Die Abgeordneten von FDP, Die Linke und Bündnis ’90/Die Grünen haben geschlossen gegen den Gesetzentwurf gestimmt.